AUDRA - Going To The Theatre


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Projekt Records

This second album of AUDRA was the one, I was mostly curious about for a long time, ´cos their debut was so fantastic.

This is not just another AUDRA album, but a brilliant, fantastic, unbelievable AUDRA album and for sure one of my favourite releases this year!

Even it is a really short album with only 10 tracvs in less than 40 minutes, every track is a masterpiece. I would put it into the same league as Bowie´s „Low“ and the solo works of Peter Murphy, the info also talks about Iggy Pop and The Velvet Underground, but all in all, it is AUDRA!

„Going To The Theatre“ contains a perfect mixture of rough-rocking tracks and emotional ballads. My favourite ist the wonderful „All Ghosts Spend Their Time Alone“, which has lovely lyrics. „Midnight Moon Swing“ is a pure Gothic-Rock song, „A Walk In The The Woods“ is another one. It wouldn´t wonder me, if we can hear these songs in the clubs soon. „Don´t End This Time“ seems to bet the perfect mixture of Peter Murphy-like vocals and late 80s 4 AD Guitar sound, „Cabaret Fortune Teller“ is a driving , powerful track with slanting Synthie-Effects and so it goes on. Every single songs makes this a very many-sided album.

Furthermore, the artwork of „Going To The Theatre“ is simply wonderful. Why should I write an exhausting long review, if I can describe this album in only one word: PERFECT!!!! (A.P.) (A.P.)

FRANK HERBERT - Revolte gegen die Unsterblichen


Erstveröffentlichung: Buch 1966 / Heyne Verlag

Irgendwann in sehr sehr ferner Zukunft. Die Welt wird von den so genannten Regenten beherrscht, die es geschafft haben, sich unsterblich zu machen. Es gibt bereits Regenten, die 80.000 Jahre alt sind. Da die ""normalen"" Menschen sich nicht wild vermehren dürfen, haben die Regenten ein sterilisierendes Gas versprüht. Nur vereinzelte Paare erhalten die Genehmigung, ein Kind zu bekommen. Der Embryo wird dann genetisch bearbeitet und alle Anlagen, die den heranwachsenden Menschen zu einer Revolution werden entfernt. Klar, dass sich da im Untergrund Widerstand regt. Das Paar Durant hat die Genehmigung erhalten, ein Kind zu bekommen, der Arzt Svengaard allerdings ist ungehorsam und lässt die Anlagen zur Revolution im Kind. Das fällt der Widerstandsbewegung auf, sie entführt das Paar Durant, den Embryo und den Arzt - ist das der Anfang vom Ende für die Herrschaft der Regenten?

Dieser Roman aus dem Jahr 1966 erschien unter dem Titel ""REVOLTE GEGEN DIE UNSTERBLICHEN"", wurde später aber umbenannt in ""DIE AUGEN HEISENBERGS"". Autor ist Frank Herbert, der sich mit seinem ""DUNE""-Zyklus unsterblich gemacht hat. Die Geschichte um Gen-Manipulation (man bedenke das Veröffentlichungsjahr!) ist natürlich aktueller denn je, insofern wirkt das ganze Buch gar nicht so Retro, wie man es wahrscheinlich erwartet. Am Anfang muss man sich ein wenig durchkämpfen, als über mehrere Seiten hinweg die Gen-Operation beschrieben wird, was man als Laie überhaupt nicht kapiert und sich auch nicht bildlich vorstellen kann. Dann allerdings nimmt das Ganze Fahrt auf und am Ende gibt es einen sehr interessanten Showdown. Doch auch dieser bleibt schwierig, denn Herbert unterlässt allzu genaue Beschreibungen dessen, was man sich im Kopf bildlich vorstellen soll. Es bleibt alles etwas vage. Nichtsdestotrotz ein recht gutes Buch, doch an ""DUNE"" und seine Fortsetzungen kommt es natürlich nicht an. (H.H.)

PREMATURE EJACULATION - Part 1 / Part 2


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Malaise Music / Dark Vinyl / Mal1 / Mal2

Rozz Williams ist nun schon rund 12 Jahre tot und bleibt vor allem für seine Death Rock-Werke mit Christian Death und Shadow Project unvergessen und einflussreich.
Die Frage ist jedoch, ob jeder Furz, den Rozz jemals auf Cassette gebannt hat, auch wirklich veröffentlicht werden muss. „Ja“ ist da die einhellige Meinung der treuen Verehrer, zu denen ich mich auch bis zu einem gewissen Grad zählen muss und darf. Bereits in den frühen 80er Jahren hat Williams erst mit Ron Athey, später mit Chuck Collison das Avantgarde-Projekt PREMATURE EJACULATION betrieben und so ist es relativ einfach, alles, was nicht Death Rock oder Artverwandtes ist, diesem offenen Performance-Projekt zuzuordnen. Ob die Aufnahmen auf diesen beiden Doppel-CDs von Williams jemals zur Veröffentlichung vorgesehen waren und dann auch noch unter dem Namen PREMATURE EJACULATION, sei mal dahin gestellt. Spannende, unveröffentlichte Aufnahmen sind es allemal und sie werden ihren Weg zu den Sammlern, wie mir, sicher finden.
Musikalisch, soweit man hier von Musik im eigentlichen Sinne sprechen kann, finden sich Geräusch- und Soundcollagen, die so manches vorweg nehmen, was später in den 80er Jahren als Noise-Industrial, Illbient und Death-Industrial seinen Weg über unzählige Tapes, Schallplatten und CDs in die Ohren schräger Leute gefunden hat. Ich gebe zu, wenn diese Aufnahmen nicht von Rozz Williams stammen würden, würde ich darüber hinweghören und so manches als einfach unhörbar abkanzeln. So finde ich die Collagen jedoch zumindest in Teilen sehr interessant und schäme mich fast selbst dafür, dass ich diesem Starrummel mitmache. Zwei sehr zwiespältige Veröffentlichungen also, die irgendwo zwischen Throbbing Gristle und krankem Japan-Krach zu finden sind. Die passenden Fotos ekliger Hautkrankheiten illustrieren die Musik beim Artwork sehr klischeehaft und man hat bei der kleinen Plattenfirma Malaise Music deswegen wohl auch vorsorglich das Artwork in der Hülle falsch herum eingelegt, um nicht einige Käufer (ung gegebenenfalls Ladenbesitzer) von vornherein zu verschrecken.
Rozz Williams-Sammler schlagen zu, Industrial-Extremisten ebenso und so stellt sich die Frage nach der objektiven musikalischen und künstlerischen Qualität kaum. Ich bin mir bewusst, dass ich das wohl nur gut oder zumindest interessant finde, weil eben Rozz Williams hier seine Finger im Spiel hatte. Denn eines ist ganz klar: ein völlig unbekannter Heimmusiker, der diese Klänge aufgenommen hätte, wäre kaum in den Genuss einer kommerziellen (im Sinne von professionell vertriebenen) CD-Veröffentlichung gekommen.
Weitere Veröffentlichungen in der Reihe „Rozz Williams – The Lost Recordings“ scheinen geplant zu sein. Na, mal abwarten, ob da auch noch irgendwo wirklich interessantes Material schlummert. Demos von unveröffentlichten Früh-Christian Death-Songs wären doch mal wirklich etwas Besonderes. (A.P.)

LISFRANK - Mask Rewind

Wiederveröffentlichung: CD 2012 / Anna Logue Records
Erstveröffentlichung: LP-Box 2009 / Anna Logue Records / ANNA 026.2009/ANNA 026-7.2009

Marc von Anna Logue Records gräbt immer weiter und scheint seit einiger Zeit wohl einen guten Kontakt nach Italien zu haben, immerhin erscheinen inzwischen einige Wave-Perlen aus dem südeuropäischen Land auf seinem feinen Label. Mit Carmody und Monuments hat er sogar ganz gegen seine sonstige Gewohnheit CDs veröffentlicht und mit der LP+7“ von LISFRANK ist nun eine weitere Band aus den 80er Jahren dabei, die offenbar eng mit den anderen beiden Gruppen verbunden war. LISFRANK ist eine jener obskuren Bands, die Anfang/Mitte der 80er mal eine Platte und vielleicht ein paar Sampler-Tracks veröffentlicht haben, aber weitgehend unbekannt blieb, dafür jedoch unter Sammlern und Freaks heute heiß gesucht ist. Die 12“ „Man Mask“ von 1982 dürfte wenn überhaupt nur zu exorbitanten Preisen zu finden sein. Gut also, dass man Aufnahmen der Gruppe, darunter zumindest ein Teil der damaligen Platte, regulär und zu normalen Preisen finden kann. Lohnen tut es sich allemal, denn zu hören gibt es jede Menge schönen New Wave-Sound und ein bisschen Synthie-Pop, der rein elektronisch daher kommt und sich an solchen alten Helden wie frühen Human League und Konsorten orientiert. Kühl, distanziert und oft tanzbar, gerne auch mal im Stile von Gary Numan oder John Foxx oder den unbekannteren White Door. Insgesamt recht atmosphärisch. Ich behaupte mal, irgendwie auch typisch italienisch, auch, wenn die Texte englischsprachig sind. Neon (die italienischen) treffen auf französischen Cold Wave (aber ohne Gitarren). Das ist im gewohnt wunderbaren Artwork eine Wonne und macht echt Spaß.

Limitiert natürlich, wie immer, mit Autogrammkarte, Innencover und der Bonus-7“ in weißem Vinyl. Da dürfte die Kaufentscheidung nicht schwer fallen.

2012 ist die LP inclusive der Single-Tracks nun auch noch auf CD erschinen, dazu gibt es noch vier bisher unveröffentlichte Bonustracks, so dass auch für Vinylkäufer ein Zweitkauf absolut lohnt.

Tja Marc, wenn Du jetzt noch unveröffentlichte Aufnahmen von Weimar Gesang ausfindig machst und offiziell veröffentlichst, bist Du mein ganz großer Held! Death In Venice, Carillon Del Dolore oder Baciamibartali dürfen es aber auch gerne sein, wenn wir schon über italienischen 80s Wave reden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

THE PROXIMATE FORCE - Moon


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2009 / Plastic Frog Records / pfr33

Die Deutschen THE PROXIMATE FORCE haben mal Ende der 80er Jahre eine 12“EP auf dem Label Real Voice Of Underground veröffentlicht, auf dem auch The Eternal Afflict unter ihrem frühen Namen Romantic Affliction ihre ersten Tapes veröffentlicht haben. Der Bandname war mir all die Jahre hindurch ein Begriff, ohne, dass ich bestimmte Musik zuordnen konnte oder gar die Platte in die Finger bekommen hätte. Nun hat Plastic Frog Records eine auf 100 Exemplare limitierte 7“ von THE PROMIMATE FORCE, wobei ich nicht sicher bin, ob die Aufnahmen von damals stammen oder aktuell sind und ob es die Band überhaupt noch gibt. Ist ja auch egal. In jedem Fall KLINGEN die Aufnahmen wie von damals, heißt: eine Mischung aus Gothic, Dark Wave und EBM, entfernt vergleichbar mit Gruppen wie The Fair Sex, The Invincible Spirit oder Dance Or Die und, weniger bekannt, Cradle Of Spoil. Das wäre damals absolut Stoff für die spärlich gesähten Underground Discos gewesen und Anfang der 90er sicher im Zuge des Erfolges vom Zillo-Magazin und Bands wie Project Pitchfork, Das Ich oder eben The Fair Sex zu einem Hit geworden. Ich finde die beiden Songs ziemlich klasse, fürchte aber, die heutige Dark Wave-Szene kann damit wenig anfangen. Deshalb sicher auch das Vinyl-Format und die Limitierung. Einige Sammler dieser Art von Musik gibt es definitiv noch. Weitere (alte?) Aufnahmen sind angekündigt und ich bin mal gespannt, ob die Band rund 25 Jahre nach ihrer Gründung (laut My Space Seite 1985) doch noch mal richtig durchstarten kann. Mich würde es freuen, denn hier haben ein paar Leute die richtigen Einflüsse zusammengebracht und gute Musik für die schwarzen Clubs produziert. Zumindest teilweise sind sie wohl auch immer noch musikalisch aktiv. Feiner Dark Wave für Sammler, ich finds klasse, nicht nur wegen der schönen Form als 7“ Vinyl. (A.P.)

Webadresse der Band: www.plasticfrogrecords.com

LOU REED - Original Album Classics


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2009 / RCA / Sony Music / 88697563782

Fünf komplette Alben eines Künstlers oder einer Band als preiswerte CD-Box im Original-Artwork…das hat Sony schon bei den Stranglers erfolgreich durchgezogen, so dass es kaum eine Überraschung ist, dass auch die LOU REED-Box bedenkenlos angeschafft werden kann, sofern man die Alben nicht schon auf CD besitzt, denn ungehörtes gibt es nicht zu entdecken.
Nachdem REED Ende der 60er mit The Velvet Underground die Musikgeschichte nachhaltig beeinflusst hat, was natürlich erst Jahre oder gar Jahrzehnte später erkannt wurde, startete er in den 70er Jahren eine erfolgreiche Solokarriere, die durch Hits wie „Walk On The Wild Side“ und einem exzessiven Drogenkonsum begleitet wurde. Als er sich in den 80er Jahren gefangen hatte, veröffentlichte er regelmäßig Alben, die weniger sperrig als seine früheren Werke waren, seinen Ruf, der wohl nur mit David Bowie oder Tom Waits vergleichbar ist, aber nicht zerstören konnte.
Die Alben der frühen 80er Jahre sind nun also in dieser schlicht-schön gestalteten Box zusammengefasst und zeigen, dass REED zwar klar von den Wurzeln der Rockmusik beeinflusst ist, die er mit Velvet Underground ja früher selber durchbrochen hat, aber auch moderne Einflüsse aufnehmen konnte und wollte. So gibt es von Blues und Blues-Rock über Rock’n’Roll bis hin zu Pop und sogar New Wave alle möglichen Anklänge, die vom guten Songwriting und REEDs prägnanter Stimme zusammengehalten werden. Ganz spektakuläre Experimente fehlen zwar – „Metal Machine Music“ war bereits einige Jahre her – aber völlig angepasst an den Mainstream gab sich der Mann auch Anfang der 80er nicht. Und mit „I Love You, Susanne“ von 1984 und einigen anderen Songs sind ein paar heimliche Hits vorhanden. „The Blue Mask“ ist recht dunkel und sicher ein bisschen an Bowie angelehnt und „New Sensations“ zeigt die eingängigste Seite. Auf „Live In Italy“ gibt es dann schließlich noch eine Hitzusammenstellung, auf der neben einigen Velvet Underground-Klassikern auch „Walk On The Wild Side“ und „Sweet Jane“ zu hören sind. Dazu gibt es die Alben „Legendary Hearts“ und „Mistrial“ zu hören.
Zum kennen lernen der 80er-Phase von LOU REED ist diese Zusammenstellung in jedem Fall wunderbar geeignet, zumal diese Box ja auch recht preiswert sein dürfte. (A.P.)

DOPPELEFFEKT! - Game Over/Neustart


Erstveröffentlichung: CD 2009 / S/W Records

Deutschsprachige Popmusik ist immer noch, und wahrscheinlich mehr als je zuvor, angesagt, klar, dass da immer neue Band nach kommen. Mal abgesehen davon, dass der Name DOPPELEFFEKT! nicht besonders aufregend ist und zu sehr an mindestens drei andere Bands seit den frühen 80er Jahren ähnlichen Namens erinnert, liefert das Mitt-20er-Quartett zwar kaum innovative Musik ab, dafür aber solide Pop-/Rock-Songs mit ganz guten Melodien. Irgendwo zwischen Madsen und Tomte oder so. Die vier Kids auf dem Cover sind übrigens nicht die tatsächlichen Bandmitglieder, sondern sozusagen Doubles, ähnlich wie im 1986er „Boys Don’t Cry“-Videoclip von The Cure. Man merkt schon neue Ideen werden hier kaum geboten, aber das muss ja auch nicht immer sein. Poppige Melodien zu rockigen Gitarren und ordentlichem Gesang können ja auch so eine Menge Spaß machen und manchmal knallt von so einem Album ja mehr oder weniger zufällig ein Song richtig rein und es kommt zu einem Überraschungshit. Ob das hier so sein wird? Keine Ahnung, einige Songs sind aber wirklich schön, nur reichen sie weder textlich noch musikalisch an Madsen oder Tomte heran und schon gar nicht an Kettcar oder Muff Potter. Vielleicht eine Spur zu „studentisch“, aber ansonsten schöner Deutsch-Pop/Alternative-Rock zum immer hören. Ein bisschen mehr Eigenständigkeit und ein paar mehr Ecken und Kanten wären schon schön. Kleiner Tipp noch an den Promomenschen: etwas weniger Schwulst im Waschzettel wäre nächstes Mal schön, okay? Und wenn schon Namedropping, dann vielleicht nicht unbedingt mittels Auftritten in Datteln, Münster, beim Campusradio in Bochum und bei NDR2. Das klingt nicht nach „weite-Welt-Rockerleben“, sondern provinziell. (A.P.)

E-Mail-Adresse der Band: doppeleffektrock@web.de
Webadresse der Band: www.myspace.com/doppeleffektrock

THE SLIMP - Wavelands

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre Records / Al!ve
Erstveröffentlichung: Download 2009 / AF Music / afm040

Dark Wave heißt in Deutschland heutzutage meist düsterer Electro und Gothic-Rock ist selten mehr als dunkel-poppiger Metal. Was darf man also erwarten, wenn das Label AF Music in Zusammenarbeit mit Danse Macabre Records THE SLIMP als Dark Wave-Band ankündigt? Erwartet habe ich zumindest keinen fast lupenreinen New Wave-Sound, der seine Wurzeln bei all den großen Bands der 80er Jahre hat, von The Cure über The Jesus And Mary Chain, The Sisters Of Mercy und Siouxsie And The Banshees bis hin zu Helden wie Sex Gang Children, Pink Turns Blue oder alte Clan Of Xymox. Genau in diese Schiene passen THE SLIMP aus Köln, ohne nun genau wie eine dieser Gruppen zu klingen. Das ist weder innovativ, noch bereit für den ganz großen Erfolg, aber absolut sympathisch und hörenswert, zumal die Sängerin ziemlich gut ist. Vorbilder darf man haben, solange man sie nicht 1:1 kopiert. THE SLIMP machen ihre Sache recht gut und sind was neuere Bands angeht vielleicht am ehesten mit Gruppen wie Curious vergleichbar.
Schade nur, dass die (Eigen?) Produktion etwas dünn klingt und so vielen eigentlich sehr guten Songs etwas Druck fehlt, der sie zu kleinen Clubhits machen könnte. Rein soundtechnisch fühlt man sich immer wieder an die Früh-90er Tapeszene erinnert, als auf Labels wie Beton Tapes und No Control Torture eine ganze Menge spannender Wave-Kram in Tapeform erschien. Ich will keinesfalls die Tapeszene schlecht machen, im Gegenteil, aber selbst für „kleine“ Bands sind die technischen Möglichkeiten für eine kraftvollere Produktion heute vorhanden, ohne sich endlos zu verschulden. Die Basis ist aber da und ich würde mich freuen, bald Neues von THE SLIMP zu hören. Platz für eine gute Wave-Band, „Dark“ würde ich einfach mal weglassen, denn so arg düster wird es hier nicht, ist immer vorhanden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

BUBI ELEKTRICK - Herz Aus Scheiße


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Schnucki Buchsbaum Records / SBR001

Was soll ich bloß von dieser Veröffentlichung halten? Infos über den Musiker, der dahinter steckt (also wenigstens ein Name oder so) gibt es nicht, natürlich ist der Herr auch verkleidet auf den Bildern zu sehen und das Label scheint eigens für diese CD gegründet worden zu sein.
Ich vermute einfach mal, dass hier irgendein mehr oder weniger bekannter Punkmusiker (daran zu erkennen, dass offenbar überwiegend Punk-relevante Medien bemustert wurden) aus Hamburg mal was „völlig ausgeflipptes“ mit seinem PC machen wollte und „voll abgedrehte“ Electromucke produziert hat, die „unglaublich witzige“ Texte hat. Möglicherweise will sich auch nur jemand an den Erfolg des Ballermann-Hits „Hey was geht ab – wir feiern die ganze Nacht“ (oder so ähnlich) anhängen, denn für den typischen deutschen Tequila-aus-dem-Eimer-Trinker ohne Hirn hat das hier echt das richtige Niveau. Für eine Verarsche darauf fehlt nämlich einfach die Ironie. Intelligente Prollmucke kennen wir seit Jahrzehnten von den mächtigen Kassierern und Knorkator und sogar ein bisschen von Rasputeen, aber auf „Herz Aus Scheiße“ fehlt einfach das selbstironische Moment. Das ist von der Musik über die Texte, das Cover bis hin zum unlustigen Infoblatt absolut gewollt „schräg“ und „witzig“, aber eben nicht überzeugend. Und, „total abgedreht“: die Lieder wurden im Hamburger Votzenklang-Studio aufgenommen! Boah, gleich mal im Telefonbuch nachgeguckt, gibt es gar nicht, muss wohl doch ein Computer im Arbeitszimmer gewesen sein, aber der Name ist schon „krass provokativ“. Kleine Mädchen wenden sich verschämt grinsend ab, „hey, da steht wirklich Votze auf dem Cover, hihihi“.
Ich bin echt für eine Menge Provokationen zu haben und freue mich auch mal über Fäkalhumor im Stile von Eisenpimmel und ein bisschen Rumgeprolle schadet manchmal nicht, aber so aufgesetzt wie hier darf es dann nicht sein. Da ist mir ein E-Aldi mit seinen Tapes und CD-Rs hundertmal lieber. Im Ox stand zu dieser CD sinngemäß “so würden Scooter klingen, wenn sie cool wären.“ Definitiv nein, denn Scooter sind cool genug, um so einen Unsinn nicht machen zu müssen (wobei ihre Musik trotzdem scheiße ist). Und sich dann nicht mal zu erkennen geben ist schon wirklich armselig. Wahrscheinlich total bieder im „echten Leben“, freunde, Bekannte und Arbeitskollegen sollen wohl nicht mitbekommen, was man so in seiner Freizeit macht, könnten die ja peinlich finden. Total unlustige und musikalisch überflüssige Veröffentlichung (und nicht relevant für die „Punk“-Rubrik). (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/bubielektrick

FEATHERLIKE - Kings And Queens


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Helium Records / Nonstop Music / hr200909

FEATHERLIKE kommen aus der Schweiz, klingen aber ziemlich international und könnten genauso gut aus England oder Deutschland oder Schweden stammen, denn musikalisch wird lupenreiner, eingängiger Pop/Rock mit leichtem Alternative- oder auch “Indie-“Einschlag geboten. Im Info zur CD wird das dann allerdings Adult Pop genannt, was auch immer das sein soll. Der Waschzettel-Verfasser wird schon wissen, warum er das in Anführungszeichen gesetzt hat, denn es sagt in etwa so viel aus, als wenn man schreibt, die Gruppe würde „Musik“ machen. Na gut, wahrscheinlich können die vier Musiker dafür nichts, also wollen wir ihnen diese Schwammigkeit mal nicht anlasten. Zugegeben, „Alternative“ und „Indie“ sagen heute auch nicht viel mehr aus, also sei’s drum…
Geboten wird also mal mehr poppige, mal eher rockige Gitarrenmusik, die technisch sauber rübergebracht wird und über gute Melodien verfügt. Mir persönlich gefällt die meist etwas heisere Stimme des Sängers nicht so gut, aber damit wären wir schon beim leidigen Thema „Geschmack“. Andere Hörer finden vielleicht die Stimme gerade richtig gut und das ist auch okay. Vielleicht kann man die Songs irgendwo als Mischung aus Mando Diao (deren poppigere Seite), den Killers und Deutsch-Poppern wie Wir Sind Helden und Silbermond (jeweils natürlich ohne Frauengesang) beschreiben, womit ich mich sicherlich vor allem bei den beiden zuletzt genannten Acts weit aus dem Fenster lehne, ich weiß.
Das ist alles recht gefällig und der eine oder andere Song könnte durchaus ein kleiner Überraschungshit werden, allerdings könnte einem bei ein bisschen Nachdenken wohl zu jedem Lied ein „kling wie…“ einfallen. Etwas mehr Eigenständigkeit wäre also schön, dann klappt es vielleicht mit dem nächsten Album mit dem großen Durchbruch. So ist es für mich persönlich aber doch eher solide Musik zum nebenbei hören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.featherlike.ch

NICK CAVE AND THE BAND SEEDS - Tender Prey (Deluxe Edition)


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2010 / Mute / Emi / CDSEEDS5/5099996465523

Mit zarten 17 Jahren war „Tender Prey“ von NICK CAVE AND THE BAD SEEDS meine erste Begegnung mit dem großen australischen Künstler, Sänger, Schauspieler und Buchautoren. Genau genommen war es die Single „The Mercy Seat“, die ich damals in Ecki Stiegs Radiosendung „Grenzwellen“ hörte und die mich dazu trieb einen Schulfreund nach Cassettenaufnahmen von NICK CAVE-LPs zu fragen. Danke Mark!
Ab da war ich Fan, wenn auch nicht Sammler, des Mannes, der wohl so ziemlich alle Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts seit Ende der 70er Jahre durchgemacht hat, bis zu einem massiven Chartshit zusammen mit Kylie Minogue.
Mit „Tender Prey“ setzen Mute und Emi die Reihe der Wiederveröffentlichungen des Meisters fort. In einwandfrei remastertem Sound, dem allerdings fast alle Ecken und Kanten wegpoliert wurden, gibt es das Album, das NICK CAVE zum breiteren kommerziellen Erfolg verholfen hat, nun in schickem Digipak mit zusätzlicher DVD wieder zu hören und es hat nichts von seinem Zauber eingebüßt. Klar, die ganz schrägen Tage von The Birthday Party und den frühen BAD SEEDS-Alben waren vorbei, die Musik wurde „hörbarer“, blieb aber scharf und biederte sich nicht dem Mainstream an. Der Punk war musikalisch Vergangenheit, dafür gab es eine Menge Pop-Momente, ein bisschen Großstadtblues, die typischen CAVE-Klavierballaden und noch eine gute Portion Wave. Das Ganze ergänzt durch die unvergleichliche Stimme und heraus kommt eines der besten NICK CAVE AND THE BAD SEEDS-Alben, das auch nach 23 Jahren immer noch absolut überzeugt. „The Mercy Seat“ ist ein ewiger Wave-Klassiker, der das Album düster eröffnet. Die zweite Single „Deanna“ gehört in ihrer Schrägheit zu meinen CAVE-Favoriten und aus „Mercy“ quillt die Verzweiflung förmlich heraus. Ein kompletter Film ohne Bilder!
Man könnte alle Lieder nennen, denn Ausfälle gibt es keine zu verzeichnen. Man muss ganz klar sagen, dass „Tender Prey“ ein Wendepunkt in NICK CAVEs langer Karriere war. Von nun an ging es nur noch bergauf und längst ist das ehemalige Drogenwrack der 80er Jahre ein anerkannter Künstler. Seine frühere Rolle übernehmen nun arme Seelen wie Amy Winehouse und Pete Doherty, doch sie strahlen nie die Würde aus, die CAVE auch noch in seinen finstersten Momenten bewahrt hat. Für eine Schlagzeile tun sie alles.
Die CD enthält das komplette remasterte Album und ist einzeln erhältlich. Die Bonus DVD der Deluxe-Edition enthält neben dem 5.1 Mix des Albums noch einige Bonustracks (Single-B-Seiten nehme ich mal an). Dazu gibt es als Videos den fünften Teil der Dokumentation „Do You Love Me Like I Love You“ und die Videoclips zu „The Mercy Seat“ und „Deanna“. Fans müssen also zugreifen! Im Booklet findet man zudem englischsprachige Linernotes und ausführliche Credits zu allen Songs. Fans dürfen also bedenkenlos zugreifen. (A.P.)



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