PREMATURE EJACULATION - Part 1 / Part 2


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Malaise Music / Dark Vinyl / Mal1 / Mal2

Rozz Williams ist nun schon rund 12 Jahre tot und bleibt vor allem für seine Death Rock-Werke mit Christian Death und Shadow Project unvergessen und einflussreich.
Die Frage ist jedoch, ob jeder Furz, den Rozz jemals auf Cassette gebannt hat, auch wirklich veröffentlicht werden muss. „Ja“ ist da die einhellige Meinung der treuen Verehrer, zu denen ich mich auch bis zu einem gewissen Grad zählen muss und darf. Bereits in den frühen 80er Jahren hat Williams erst mit Ron Athey, später mit Chuck Collison das Avantgarde-Projekt PREMATURE EJACULATION betrieben und so ist es relativ einfach, alles, was nicht Death Rock oder Artverwandtes ist, diesem offenen Performance-Projekt zuzuordnen. Ob die Aufnahmen auf diesen beiden Doppel-CDs von Williams jemals zur Veröffentlichung vorgesehen waren und dann auch noch unter dem Namen PREMATURE EJACULATION, sei mal dahin gestellt. Spannende, unveröffentlichte Aufnahmen sind es allemal und sie werden ihren Weg zu den Sammlern, wie mir, sicher finden.
Musikalisch, soweit man hier von Musik im eigentlichen Sinne sprechen kann, finden sich Geräusch- und Soundcollagen, die so manches vorweg nehmen, was später in den 80er Jahren als Noise-Industrial, Illbient und Death-Industrial seinen Weg über unzählige Tapes, Schallplatten und CDs in die Ohren schräger Leute gefunden hat. Ich gebe zu, wenn diese Aufnahmen nicht von Rozz Williams stammen würden, würde ich darüber hinweghören und so manches als einfach unhörbar abkanzeln. So finde ich die Collagen jedoch zumindest in Teilen sehr interessant und schäme mich fast selbst dafür, dass ich diesem Starrummel mitmache. Zwei sehr zwiespältige Veröffentlichungen also, die irgendwo zwischen Throbbing Gristle und krankem Japan-Krach zu finden sind. Die passenden Fotos ekliger Hautkrankheiten illustrieren die Musik beim Artwork sehr klischeehaft und man hat bei der kleinen Plattenfirma Malaise Music deswegen wohl auch vorsorglich das Artwork in der Hülle falsch herum eingelegt, um nicht einige Käufer (ung gegebenenfalls Ladenbesitzer) von vornherein zu verschrecken.
Rozz Williams-Sammler schlagen zu, Industrial-Extremisten ebenso und so stellt sich die Frage nach der objektiven musikalischen und künstlerischen Qualität kaum. Ich bin mir bewusst, dass ich das wohl nur gut oder zumindest interessant finde, weil eben Rozz Williams hier seine Finger im Spiel hatte. Denn eines ist ganz klar: ein völlig unbekannter Heimmusiker, der diese Klänge aufgenommen hätte, wäre kaum in den Genuss einer kommerziellen (im Sinne von professionell vertriebenen) CD-Veröffentlichung gekommen.
Weitere Veröffentlichungen in der Reihe „Rozz Williams – The Lost Recordings“ scheinen geplant zu sein. Na, mal abwarten, ob da auch noch irgendwo wirklich interessantes Material schlummert. Demos von unveröffentlichten Früh-Christian Death-Songs wären doch mal wirklich etwas Besonderes. (A.P.)



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