ERIC FISH - Alles im Fluss


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Esox

(VÖ: 15.01.2010 Esox Music)

Während Eric Fish und Friends ihr letztes reguläres Studioalbum noch „Gegen den Strom“ nannten, scheinen sich mittlerweile die ein oder anderen Wogen im Inneren wohl doch geglättet zu haben. Warum sonst sollte man ein Album „Alles im Fluss“ nennen? Ist etwa der Potsdamer Rebell und Frontmann der Band Subway to Sally ruhiger geworden?

Etwas ruhiger sei er in der Tat geworden, gibt der sympathische Blondschopf im November 2009 auf seiner Konzertreise „Anders sein“ in der Kulturbrauerei in Berlin zu. Sehr lange hätte er für die Schreibarbeit am neuen Album gebraucht, denn wirklich viel ruhige und entspannende Zeit hatte er einfach lange nicht. Gute und Gehaltvolle Texte wollen Weile haben, und Eric Fish fehlte ein Stück weit die benötigte Konzentration, was zu der Frage führte innerlich - wo nur all die Stücke für ein neues Album herkommen sollten. Glücklicherweise kam eines Tages dann die Kreativität aus ihm wie heraus geflossen. „Das war ein durch und durch gutes Gefühl und einer der Gründe, warum ich diesen Albumtitel gewählt habe,“ gibt Eric Fish im Pressetext zu diesem Album zu. Phasen in denen man sich als Musiker durchbeißen muss, und in denen einen die Muse einfach gerade nicht küssen möchte, kennt Eric Fish nun durchaus, wenngleich man dies anhand des großen Erfolges von Subway to Sally heutzutage kaum noch vermuten würde. Erfolg fällt nun einmal nicht einfach vom Himmel, sondern bedarf der Erarbeitung. Eher zufällig, nach Siegen bei etlichen Nachwuchswettbewerben, gelangte Eric 1988 zu Irish Folk Musik – aus heutiger Sicht eine wegweisende Entscheidung. „Man kann mich ruhig als schicksalsgläubig bezeichnen, in dem Sinne das ich glaube das einen die Menschen prägen, denen man begegnet im Leben,“ gibt Eric während des Akustikkonzertes seines Musikerkollegen ASP im Oktober 2009 in Berlin zu. Ein Mensch der Eric Fish, und durch sein virtuoses Cellospiel auch „Alles im Fluss“ geprägt hat, ist Tobias Unterberg – eher bekannt als B.Deutung. 1998 spielten beide in der Band Catriona zusammen, bevor B.Deutung zusammen mit Jan Klemm The Inchtaboktables gründete und ein Sänger namens Fish überflüssig machte. Anfangs betrachtete Eric den Erfolg der Band durchaus etwas mit Neid, aber mittlerweile gibt es die Inchies nicht mehr und hat Eric den Erfolg mit Subway to Sally. Irgendwie kann ich da schon gut verstehen, dass Eric an das Schicksal glaubt. An der alten Freundschaft der beiden Kollegen hat sich über die Jahre hinweg nichts verändert, immer wieder kreuzten sich bislang ihre Wege. „B.Deutung bin ich in der Vergangenheit musikalisch immer mal wieder begegnet, etwa auf der 'Nackt' Tour von Subway, auf der er uns begleitet hat. Es war und ist immer ein Vergnügen, mit ihm Musik zu machen und an Songs zu arbeiten. Seine Anwesenheit legt für uns alle die Messlatte der spielerischen Qualität sehr hoch. Ich bin sehr froh, dass er der Einladung zu uns fest zu stoßen nachgekommen ist,“ erzählt Eric auf der DVD „Anders sein“.
Musikalisch stellt das Cellospiel des alten Weggefährten die wohl prägnanteste Weiterentwicklung von „Alles im Fluss“ dar. Die CD selber ist textlich frei heraus formuliert, ohne dabei den Hörer eine Sekunde zu langweilen oder zu überfordern. Eric Fish und Friends sind authentisch, was nicht zuletzt am harmonischen Zusammenspiel von Musikern liegt, die dieselbe Leidenschaft zur Musik verbunden hat. Mit Berufsmusikern, das gibt auch Mastermind Fish zu, wäre ein Album wie „Alles im Fluss“ nicht so geglückt. In den Songs des Albums steckt ungemein viel persönliche Wahrheit drin, dass man sich unter einander schon verstehen können muss, um solche Aufnahmen möglich zu machen. „Wenn wir nicht Freunde wären, und sich meine Kollegen so in meine Gedankenwelt einfinden könnten und zum Teil von ihr werden, würde diese Band so nicht funktionieren,“ ist sich Eric sicher. Der Blondschopf kann sich in dieser Konstellation authentisch verwirklichen und seine Botschaften ohne Verbiegungen an die Fans bringen.
Drei der insgesamt 14 Songs sind komplett von Gerit Hecht komponiert worden, während die anderen drei Bandkollegen eher in der Endphase die Arrangierarbeit geleistet haben. Zwar hat Eric Fish grundsätzlich in diesem Prozess immer noch das letzte Wort und jede Veränderung des Stückes muss für ihn den Sinn des Stückes noch transportieren, aber prinzipiell sind alle integriert.
Inhaltlich bietet uns „Alles im Fluss“ einmal mehr einen weiteren Blick hinein in die Gedankenwelt des Menschen Eric Fish. Es nimmt die chronistische Betrachtungsart kleiner Ereignisse auf und reflektiert diese durch des Sängers Augen, zuweilen selbstkritisch, nachdenklich oder auch sarkastisch. Eine solche Selbstkritik findet sich im Stück „Zwilling“, da es die Wechselseitigkeit in Erics Leben einfängt, wohingegen sich etwa „Mantra“ als augenzwinkernde Kritik am Gesundheitssystem verstehen lässt. Auch durchaus versteckte politische Aussagen lassen sich auf diesem neuen Album finden, etwa in Form einer „Bildungsoffensive“. Eric Fishs Art des Songwritings ist genauso treffsicher den jeweiligen thematischen Gegenstand einzufangen, wie ihn auch leicht augenzwinkernd zu beleuchten. Muss man denn wirklich alles hinnehmen, kopfnickend jede Entscheidung oder Lippenbekenntnis akzeptieren?
Die Konzertbesucher von Eric Fish jedenfalls tun genau das nicht, denn sie lauschen immer wieder andächtig, egal in welcher Stadt, den denkenden Texten des Musikers und setzen sich mit den Botschaften auseinander. „Es ist schön zu sehen, dass zu unseren Konzerten nicht Menschen vor der Bühne sitzen, die auf Popstars und Werbung hereinfallen. Dieses 'anders sein' propagieren wir und sehen es als Lebensaufgabe an, denkende Menschen, aufmerksame Menschen, die Musik als Herausforderung betrachten, zu formen,“ gab Eric auf seinem Konzert letztes Jahr in Berlin an seine Fans weiter.

Dieser Aufgabe wird sich Eric in jedem Falle auch weiterhin widmen, wenngleich mit diesem Album auch ein wenig Ruhe in den Live Aktivitäten eintritt. Nach der Tour Anfang des Jahres folgt nun eine kleine Auszeit für Eric Fish and Friends. Allerdings ist Eric keinesfalls weg von der Bühne in diesem Jahr, sondern vielmehr mit Subway to Sally unterwegs. Die Bühne ist der Ort für ihn, wo er nun einmal hingehört, nicht zuletzt, da er dort die Reaktionen der Fans am direktesten spüren kann. Also Augen auf, Eric Fish schwimmt wieder – nur vielleicht eher im „Kreuzfeuer“ der „Engelskrieger“ auf Akustiktour und den düster romantischen Festivals. (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.ericfish.de


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