AUDRA - Audra


Erstveröffentlichung: CD 2000 / Projekt Records

A friend of mine told me a lot of enthusiastic things about AUDRA and I also read some great reviews, so I was very curious, when I first played the CD. I wasn´t disappointed! Well, the CD was released by the brilliant Projekt label, so it couldn´t be bad, but it is much better than only „good“. I exspected a very Gothic-Rock inspired album, but it is more kind of melancholic New Wave sound, which could have been on the early 80s 4 AD label, too. The info names bands and musicians like Bowie, Joy Division, Bauhaus and Velvet Underground, which does not mean, that AUDRA sound originally like these classics, but the atmosphere, that is created by the music is actually comparable. Especially the calm songs like „Don´t Whisper My Name In The Dark“ or „Flowers“ remind me on a mixture of Bowie´s „Low“ and Bauhaus´ „The Sky´s Gone Out, which are both fantastic albums, combined with the late works of Rozz Williams. The music of AUDRA often sounds very fragile and Singer Bret Helm´s voice is very pleasant, which makes this album the right one for a calm evening with candlelight. The opening track „In All Our Androgyny“ seems to be an Underground Hit in the USA (not in Germany of course, over here you have to produce „boom boom boom“ stuff to be played in the Clubs). And...there is the most tearful track for a long time, „In Hollywood Tonight“, which is dedicated to Rozz Williams, and if he can hear this song , whereever he is now, he surely is happy, that he will be not forgotten. This song alone makes AUDRA´s CD a „must have“ for every Gothic-collection. (A.P.)

Webadresse der Band: www.audramusic.com

ULTRAVOX - Return To Eden


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Chrysalis / Emi / 632 0352

Tja, auf ihre alten Tage wollen es auch ULTRAVOX noch mal zeigen und touren munter durch die Lande, um ihre legendären Songs aus der Midge Ure-Phase den immer noch zahlreichen Fans zu präsentieren. Sie tun dabei gar nicht erst so, als wenn sie sich noch mal mit einem neuen Album oder so selbst verwirklichen wollen, sondern liefern punktgenau ab, was die Fans hören und sehen wollen: alle großen Hits im Original-Sound, ohne „innovative“ Modernisierung. Wer ULTRAVOX in den 80ern geliebt hat, ich gehöre dazu, will bei so einer Reunion genau das geboten bekommen, weshalb er eben die Gruppe mochte und mag. ULTRAVOX sind also ehrlich und wissen sicher auch, dass neue Fanscharen in der Zeit von kurzlebigen Casting-Marionetten kaum zu gewinnen sein werden. Kurzum: alle werden mit den Auftritten von ULTRAVOX glücklich sein, die Band, die hörbar Spaß hat und die Fans, die eine Zeitreise machen dürfen.
„Return To Eden“ ist nun das Dokument der ersten Auftritte im Frühjahr 2009 und erscheint in drei verschiedenen Versionen. Dieser Rezension liegt die kurze 1-CD-Version mit den Highlights des damaligen Konzertes zugrunde, auf der für das Massenpublikum wirklich nur die ganz bekannten Hits vertreten sind. In fettem Sound werden die Hits (leider mit kurzen Pausen zwischen den Stücken, so dass die Liveatmosphäre etwas verloren geht) mit einem stimmlich prima aufgelegten Midge Ure, feinen Synthies von Billy Currie und schön wavigen Gitarren sehr gut präsentiert und das Publikum, ich gehe mal davon aus, dass hier nicht nachträglich beim Abmischen manipuliert wurde, geht begeistert mit.
Mit „Astradyne“ geht es in bester Kraftwerk-Manier los, gefolgt von einem meiner persönlichen ULTRAVOX-Favoriten „Passing Strangers“. Es folgen unsterbliche Synthie-Pop-Hits wie „The Thin Wall“, „I Remember (Death In The Afternoon)“, „Lament“, „The Voice“ und „Sleepwalk“. Außerdem “Mr. X”, “Rage In Eden”, “One Small Day” und selbstverständlich die größten aller Hits “Vienna”, “Hymn” und das (aus meiner Sicht unsägliche) “Dancing With Tears In My Eyes”. Mit letzt genanntem Song hatte ULTRAVOX den Höhepunkt überschritten und wurde zu einer von vielen 80er Pop-Bands. Doch natürlich darf der Song auf dieser CD nicht fehlen, das ist mir schon klar. In glasklarem Sound wird der Hörer direkt zurück in die 80er Jahre entführt und vergleichbar ist das Ganze wohl nur mit der Soft Cell-Reunion-Tour vor einigen Jahren, die die Fans ebenso begeistert hinterlassen hat. Einziges kleines Manko ist, dass einige der Songs etwas arg in die Länge gezogen werden. Hier und da wäre eine kurze, knackige Version effektiver gewesen, aber das ist sicher auch Geschmackssache. Höhepunkt des ganzen Albums ist definitiv „Hymn“, das Gänsehaut erzeugt und unbedingt laut gehört werden sollte. Ein Monster-Song in einer fantastischen Version.
Natürlich gewinnen ULTRAVOX mit dieser Reunion keinen Innovationspreis, aber das wollen sie wohl auch gar nicht. Es geht sicher auch ums Geld verdienen. Wenn den Fans dafür aber das geboten wird, was sie möchten, wie es hier der Fall ist, finde ich das durchaus okay. Alte Namen zu verwenden, um neuen, schlechten Schrott zu verkaufen versuchen zu viele Bands. ULTRAVOX sind den richtigen Weg gegangen, also gönnen wir ihnen die (sicher nicht notwendige) Rentenaufbesserung. Wer eine Greatest Hits-Kopplung möchte, ist hier sehr gut bedient. (A.P.)

MUNDTOT - Endzeit


Erstveröffentlichung: CD 2010 / AF-Music - TX-Musix / TSM-045

Ich bin in letzter Zeit vorsichtig geworden, wenn eine Band oder ihr Album als „Old school“-Gothic oder –Wave angepriesen wird, was daran liegen mag, dass die heutige Szene damit die Zeit seit etwa 1990 (also Gründung des Zillo-Magazins und so) assoziiert. Für die Leute über 35 gilt es dann stark zu sein und nicht allzu sehr die Enttäuschung raushängen zu lassen, wenn die Musik eben eher nach Das Ich, Eternal Afflict oder Project Pitchfork klingt und nicht nach Sisters Of Mercy, Danse Society oder Chameleons.
MUNDTOT aus Deutschland werden im Release-Info als „rebellisch“ beschrieben und als Musiker, die „manch altem Hasen der Gothicszene ganz gewaltig zeigen, wo der Hammer hängt.“ Tja, Klappern gehört zu Geschäft, ich gehe dann an die Debüt-CD der Band doch etwas skeptisch und ergebnisoffen heran, zumal die Stilbezeichnung „moderner Industrial-Gothic-Rock“ schlimmes befürchten lässt.
Wenn man mit dieser Einstellung die Musik anhört, ist das Ergebnis dann aber doch ziemlich erfreulich. Die Mischung aus treibenden Rhythmen, nicht so punkig, wie im Info erwähnt, aber doch schön aggressiv, Gothic-Gitarren, die nur selten etwas zu metallig klingen, und elektronischen Elementen ist gut und die deutschsprachigen Texte sind zum Glück recht unpeinlich.
Heraus kommt dann eben nicht der klassische Gothic-Rock, den ich immer noch über alles liebe, sondern solider, kraftvoller Dark Wave, der seine Wurzeln eben doch eher in den 90er als in den 80er Jahren hat. Irgendwo zwischen Im Affekt, The Fair Sex und Cradle Of Spoil oder so ähnlich könnte man MUNDTOT beschreiben und eher schwach wird es nur einmal im Stück „Virus Mensch“, das dann doch etwas bemüht „hart“ erscheint und den Industrial-Rock-Anteil am deutlichsten zeigt. Die anderen fünf Lieder (plus Intro) wissen aber allesamt zu gefallen und auch, wenn das alles nicht wirklich innovativ und revolutionär ist und die Rebellion der Musiker eher ein „Jammern“ auf hohem Niveau ist, weil „schwarz“ zu sein heute nicht mehr provoziert, sondern zum Alltag im Mainstream gehört, höre ich eine Band wie MUNDTOT tausendmal lieber, als die xte Future-Pop oder Gothic-Metal-Band, die mit der ursprünglichen Szene so gar nichts mehr zu tun hat.
„Endzeit“ hätte hervorragend in eine lebendige Szene in den frühen 90ern gepasst, hat aber auch heute eine Daseinsberechtigung, denn zum Glück gibt es immer noch genug Leute, die auch mal ein bisschen eigenständigere Klänge mögen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

NIEDOWIERZANIE - Niedowierzanie


Erstveröffentlichung: LP 2008 / Reue um Reue / T.u.T./R.u.R. / R.u.R. 009

NIEDOWIERZANIE ist das Projekt eines Musikers, der jeweils zum Teil in Berlin und Marseille lebt und arbeitet. Und diese LP ist irgendwie eine Art Prototyp-Veröffentlichung für das Reue um Reue-Label, denn wenn mich jemand fragen würde, was für Musik das Label veröffentlicht, könnte ich guten Gewissens auf diese LP verweisen. Geboten wird zunächst scheinbar unspektakulärer Ambient-Industrial-Sound, der irgendwo zwischen Klangskulptur und Soundcollage anzusiedeln ist. Im Infotext wird unter anderem Coil erwähnt und das ist sicher kein falscher Anhaltspunkt, um die sich meist langsam aufbauenden, organischen Klänge zu beschreiben. Schwebende, wabernde Synthie-Flächen werden durch verschiedenste Samples ergänzt, wobei sich oft eine Atmosphäre einstellt, die an Soundtracks für Derek Jarman-Filme erinnert, womit ja auch der Bezug zu Coil („The Angelic Conversation“) wieder hergestellt wäre. Fünf lange Instrumentalstücke lassen einen gewissen Konzeptcharakter entstehen. Das wie immer schlicht-schöne Artwork und die Limitierung auf 200 Exemplare in weißem Vinyl sollten zusätzliche Argumente sein, sich die Platte zuzulegen, wenn man unterschwellig lärmenden Ambient-Sound mag. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

TOBIAS BERNSTRUP - 1984


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2009 / Enfant Terrible / ET002

TOBIAS BERNSTRUP aus Schweden geistert schon seit einiger Zeit mit selbst produzierten Platten durch die internationale Synthie-Pop und Minimal-Electro-Szene, ohne aber einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht zu haben. Das ist sehr schade, aber wohl auch ein bisschen nachvollziehbar, denn sein Sound ist so 80er Jahre-mäßig, wie er wohl selbst 1985 kaum entstehen konnte. Moderne Einflüsse, also die typischen Rhythmen von heute, findet man überhaupt nicht und ich finde das sehr gut, denn für mich waren die 80er eben DAS Musik-Jahrzehnt, ganz subjektiv gesehen natürlich.
Schön also, dass Enfant Terrible sich nun ein Herz genommen hat und eine wunderbare 4-Track-Vinyl-Maxi von BERNSTRUP zu veröffentlichen, die „damals“ garantiert ein echter Charthit geworden wäre. Heute natürlich nicht mehr, aber wunderbare Synthie-Pop-Melodien ohne Schnickschnack haben auch heute noch ihre Berechtigung. Man könnte alle Songs ohne aufzufallen auf die guten alten Italo-Disco-Sampler von Zyx Records packen und BERNSTRUP würde locker-leicht in einer Reihe mit alten Helden wie Lee Marrow, Baltimora, Radiorama oder Eddy Huntington stehen und das meine ich absolut als Kompliment.
Wer also auf diesen alten, unverfälschten, nicht modernisierten Sound steht, muss hier einfach zugreifen. So schöne Sachen hat man in den letzten Jahren sonst nur bei einigen Genetic Music-Veröffentlichungen zu hören bekommen. Daumen hoch und: mehr davon! (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

REDLAND - Erdenhölle


Erstveröffentlichung: CD 2002 / KM-Music / T.O. 154

Mit zwei selbst produzierten CDs und Liveauftritten konnte das Frankfurter Projekt REDLAND Ende der 90er Jahre erste Lorbeeren sammeln und ist schließlich wie einige andere „Nachwuchsbands“ bei KM-Music gelandet, wo nun die dritte CD Duos erschienen ist. Sängerin Jana und Musiker Michael haben sich hörbar weiter entwickelt und vor allem die Produktion der Songs hat einen gewaltigen Schritt gemacht. Musikalisch wird natürlich weiterhin in erster Linie Dark Wave geboten, der von Gothic über Industrial und Future-Pop bis EBM alles mögliche in sich aufgesogen hat. Gerne sind die Songs treibend, fett und tanzbar und der Gesang pendelt zwischen Anne Clark auf der einen und Lisa Hammer auf der anderen Seite. Wie in früheren Kritiken von mir gewünscht (aber sicher nicht deswegen) gibt es jetzt öfter mal Gitarren zu hören, allerdings eher zwischen Metal und Industrial-Rock und weniger, wie erhofft, im Wave-Stil. Na gut, man kann nicht alles haben. Die Texte schwanken zwischen Grufti-Klischees und New Age und werden sicher einigen Leuten ein Lächeln entlocken. Aber was soll’s? Wenn das jetzt alles hier eher negativ klingt, so ist das gar nicht so gemeint. Ich mochte REDLAND bisher und eben auch jetzt noch. Dass sie den Dark Wave nicht neu erfunden haben, dürfte eh klar sein, aber vor allem durch den Gesang (mal abgesehen von dem gelegentlichen Männer-Groll-Böse-Gesang in einigen Stücken) liefern die Frankfurter etwas Eigenes ab und ein paar Songs hätten sicher auch Clubpotential, wenn die DJs sie durch gute Promotion doch nur zu hören bekämen. Für Dark Wave-Freaks allemal ein reinhören wert. (A.P.)

UNHEILIG - Große Freiheit


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Fansation

UNHEILIG – Große Freiheit
"(VÖ: 2010 Fansation)


Ein Grammophon spielt eine nostalgisch wirkende Seemannsweise von einer zerkratzten Schallplatte, irgendwo in einer dieser verrauchten Hafenkneipen, bevor das Nebelhorn auch den letzten Passagier an Deck des Großen Dampfers auf dem Coverbild des neuen Albums „Große Freiheit“ ruft. Fahnen schwenkend steht eine Person an Deck und blickt sehnsuchtsvoll zurück an Land, aber ist innerlich auch neugierig auf das Neuland und die Ferne. Es heißt sich nun von den Tauen die den Pott an Land halten zu befreien und den Schritt ins Neuland zu wagen, darum ferne Welten zu bereisen und auch den persönlichen Mut zu besitzen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen. Kaum ist der Anker zu dieser unheiligen Reise gelichtet rockt Unheilig in einer kraftvoll mitunter poppigen Weise das es eine angenehme Ohrenfreude ist. Der Graf und Unheilig sind musikalisch ihrem bisherigen Stil treu geblieben, dennoch haben sie sich zweifelsfrei von den Fäden des Puppenspielers und der Fremdbestimmung durch Zwänge des Vorgängeralbums „Puppenspiel“ befreit und sind selber zu den von ihnen propagierten „Spielzeugmännern“ geworden, denn sie gingen losgelöst hinein in die musikalische und die kreativen Freiheit.
Dieses Album das erkennt man sofort ist nach „Zelluloid“, „Moderne Zeiten“ und „Puppenspiel“ erneut ein Konzeptalbum, denn mit Songs wie „Das Meer“, „Unter deiner Flagge“ oder „Seenot“ ist doch ganz klar die Richtung vorgegeben. Der Graf fordert uns im Intro „Das Meer“ auf mit ihm aufs Meer zu gehen und auf ein Schiff zu gehen. Es geht um Seeromantik, Fernweh und Sehnsucht, aber auch um die Neugierde fremde Welten zu betreten und dem Endeckerdrang in einem gerecht zu werden. Wer jetzt allerdings denkt nun folgt so olles Seemannsgarn textlich, der hat weit gefehlt, denn Unheilig wären nicht Unheilig wenn man nicht authentisch wäre und die großen Gefühle auf intelligente und wenig weinerliche Weise ansprechen würde. Druckvoll setzt „Seenot“ den eingeschlagenen Kurs des Grafen fort durch Synthie Pop mittels E Gitarrenriffs und präzise gesetzten Worte. Man merkt, dass der Graf weniger auf die lyrischen Bilder der Vergangenheit setzt beim Songwriting, sondern wesentlich klarer und freier heraus seine Botschaft an den Hörer trägt. Wir sind nun auf dem Meer angekommen und unser Schiff hat den Hafen verlassen, die Wärme und Geborgenheit liegt hinter uns, und die Naturgewalten können ungehindert auf uns einwirken, denn wir haben uns Wind und Wetter ausgeliefert, ungewiss wohin uns die Weite des Meeres tragen wird. „Salz und Gischt brennt auf der Haut stumme Schreie werden laut..“ Dennoch es schwingt auch Stolz mit, denn wir waren mutig und haben die Reise angetreten. Unweigerlich sind wir schon in der Thematik des Songs „Für Immer“. Musikalisch härter angesetzt fragt uns der Graf nach unseren Träumen und unserem Mut auch einmal risikofreudig zu sein und dabei die Gewissheit zu haben, dass man im entscheidenden Moment in dieser Entscheidung nicht alleine sein wird, denn „nichts ist für immer und für die Ewigkeit ich halte dich.“ Nichts ist für Immer spricht wohl kein anderer Text so überdeutlich aus, wie „Geboren um zu leben“. Ein absoluter Hit einerseits, der so denk ich, gerade durch die Zerbrechlichkeit der Worte diese Kraft entwickelt. Hatte der Graf auf „Puppenspiel“ noch den bevorstehenden Tod eines Freundes musikalisch verarbeiten müssen und sich mit dem Thema Tod und Verlust abzufinden, so ist diese geliebte Person wohl nun eindeutig gegangen. Zu Beginn der Ballade spricht er aus, wie schwer es fällt ohne eine geliebte Person zu sein und neuen Lebensmut zu fassen. Für den Grafen ist dieser Mut zurück gekommen durch die Reflektion des eigenen Lebens und der Erkennung des Wertes von Selbigem. Für mich eine Botschaft die gerade durch die vielleicht im ersten Moment bombastisch wirkenden Kinderchorstimmen sehr an Tiefe gewinnt. Um die Tiefe geht es auch mit dem nächsten Song denn „Abwärts“ spricht von der unfassbaren Tiefe der See und könnte als eine Hommage an die Seeleute verstanden werden, die dort unten ihr Leben lassen mussten. Instinktiv fühlte ich mich an Schiffsunglücke erinnert, etwa das der „Titanic“. Wie schnell sind plötzlich Größe und menschlicher Hochmut ganz klein, wenn die See Mann und Technik in die Tiefe zieht?
Die Ballade „Halt mich“ greift romantisch die Sehnsucht nach einem Halt im Leben auf,selbst dann wenn man droht unterzugehen. „Komm lass mich nicht mehr los auch wenn wir untergehen bis wir uns wiedersehen...“
Im Maschinenraum indes werden die Kessel angeheizt mit „Unter Feuer“ und der Hörer mit dem nächsten Song in die Halbzeit der Reise geschickt. Musikalisch mit treibenden Beats unterlegt werden nun die Kessel angeheizt, die Lungen brennen von dem Kohlenstaub und aus den Schotten peitscht nur so der Druck, damit unser Schiff auch mit nötiger Energie den Schritt in die „Große Freiheit – dem Titelsong des Albums- antreten kann. Erneut hören wir das zerkratzte Grammophon bis bombastische Keyboard klänge die Stimme des Grafen exponieren. Er singt wie selbst um etlichen Ballast befreit, losgelöst seine ganz persönliche Ballade zum Thema Freiheit und nimmt etliche Jahre später ein wenig Bezug auf „Freiheit“ des Albums Zelluloid. „Ich denk so oft an dich zurück als du mein Zuhause warst..“ Die persönliche Freiheit greift auch der nächste Song „Ich gehöre mir“ auf, denn der Sänger verabschiedet sich von einer Person die ihm der Freiheiten beraubt und die eigenen Träume nimmt, nur weil man nicht so ist, wie sie es sich wünscht. „Träume sollen Segel sein sie zeigen dir wohin es geht..“ Eine Möglichkeit wohin diese Träume zeigen können deutet die Ballade „Heimatstern“ an, denn hier besingt der Graf die Liebe und das gegenseitige Verständnis zweier Menschen füreinander. „Du tust mir manchmal weh, trotzdem ist es schön dich einfach anzusehen..“ Das folgende Stück „Sternbild“ spricht von der Sehnsucht nach dem Geliebten den man durch seine Reise zurücklässt, verbunden mit der Angst das gemeinsame Erinnerungen verblassen könnten. Ein Mensch der für einen wie ein Sternbild ist, ein Leitbild das einen durch das weite Nichts der See führen kann, wie ich finde ein ungemein poetisches Bild.
Eine Person die für viele Menschen solch ein Leitbild darstellt, so auch für den Grafen, ist die eigene Mutter. Für seine Mama schrieb er die Ballade „Unter deiner Flagge“, eine gefühlvolle Art zu sagen Ich liebe dich und danke dir dafür, dass du für mich da bist. So beendet der Graf dieses Stück mit den Worten „Ich liebe dich“ ganz ohne jede Metapher frei heraus.
Unsere Reise auf dem großen Schiff in die Freiheit nähert sich fast dem Ende, denn in der Ferne sieht man nach tagelang nur Meer einen Lichtblick, ein kleiner Flecken Land taucht in der Ferne auf. „Ferne Welt ich komme“ lautet der neue Schlachtruf, bevor unsere Füße über die Gangway völliges „Neuland“ betreten dürfen und Unheilig ihr neues Album instrumental enden lassen. Die letzten Passagiere verlassen das Schiff, Kisten werden an Land gebracht, so dass nun dem Entdecker drang nichts mehr im Wege steht...

(Maximilian nitzschke)


(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.unheilig.com

STEPHEN KING - Wahn


Erstveröffentlichung: Buch 2009 / Heyne Verlag / ISBN 3453433432

Edgar Freemantle war eigentlich ein sehr erfolgreicher Bauunternehmer, bis ihm auf einer Baustelle ein Kran in seinem Auto einquetschte. Er überlebte knapp, verlor aber einen Arm, hatte arge Dellen im Kopf und Sprachprobleme. Dies führt seither zu gelegentlichen Gewaltausbrüchen. Er gibt seinen Beruf auf, schließlich hat er schon einiges Vermögen angesammelt, und nachdem sich seine Frau von ihm trennt, fährt er zur Genesung und Rehabilitation zusammen mit seiner Wutmanagerpuppe (die er im Falle von Wutausbrüchen zum Abreagieren benutzen soll) mietet er sich für einige Zeit ein Haus auf Duma Key, einer Halbinsel von Florida. Hier will er sich ausführlich seinem lange unterdrückten Hobby, der Malerei widmen. Auf Duma Key lernt er Wireman kennen, den Pfleger seiner demenzkranken Vermieterin. Die beiden werden dicke Freunde. Die Gemäld von Freemantle werden erstaunlich eindringlich, doch immer Grauen erregender. Etwas abgelenkt von dieser unheimlichen Geschichte wird er, als sich Kunstsachverständige für seine Werke interessieren und eine Ausstellung organisieren, die ein unglaublicher Erfolg wird. Doch da haben die Bilder schon lange ein unheimliches Eigenleben entwickelt und ein Geist namens Perse drängt an die Oberfläche. Bald schon sind die ersten Toten zu beklagen...

Zu allererst muss man zu dem 2008 von Stephen King geschriebenen (und 2009 als Taschenbuch in Deutschland erschienenen) Roman sagen, dass er deutlich zu lang geraten ist. Ein bisschen Straffung hätte dem Ganzen sicher gut getan, so erscheint es mit fast 900 Seiten leider ein bisschen zu arg gedehnt, es dauert ewig, bis es erst einmal richtig losgeht - und selbst dann zieht sich alles. Das ist allerdings auch schon der einzige ernsthafte Kritikpunkt. Insgesamt ist es sicherlich vermessen, den Autoren ständig mit seinen älteren Werken zu vergleichen, insgesamt ist der Horror in seinen Büchern schleichender geworden, man könnte die Bücher teilweise auch als nachdenklich bezeichnen. Das ist mit Sicherheit auch ein Grund, warum die neueren Romane von ihm auch nicht mehr verfilmt werden. ""WAHN"" jedenfalls nimmt sich Zeit für seine Figuren, sie werden tiefgehend charakterisiert, bis auf die Figur des Jack vielleicht, der zwar eine wichtige Rolle spielt, aber von der Person her ziemlich blass bleibt. Viele Menschen vermuten, dass King viele autobiographische Dinge bzgl. des Unfalls von Edgar Freemantle mit in das Buch geschrieben hat, denn auch er hatte - es war 1999 - einen ziemlich schweren Autounfall, bei dem er fast gestorben wäre. So bleibt insgesamt zu sagen, dass ""WAHN"" leicht lesbar ist, relativ fesselt und durchaus empfehlbar ist. (H.H.)

Webadresse der Band: www.stephenking.com

NO MORE - Sunday Mitternacht


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2010 / Rent A Dog / Al!ve / bones 3013-7

Ja, es gibt sie tatsächlich wieder! Die deutsche New Wave-Legende NO MORE aus Kiel, die Anfang bis Mitte der 80er Jahre einige wunderschöne Platten veröffentlicht hat. Und damit ist bei weitem nicht nur ihr Elektronik-Klassiker „Suicide Commando“ gemeint, der zwar der bekannteste Song, aber sicher nicht der beste der Gruppe war.
Mit der „Remake/Remodel“-Doppel-CD hatte die Gruppe schon bewiesen, dass sie ihren Frieden mit dem von ihr selbst so ungeliebten Über-Hit gemacht hatte. Nach einigen Auftritten, soviel ich weiß, liegt nun auch neu aufgenommenes Material auf Vinyl vor und die Band hat nichts verlernt!
Die 2009er Version von „A Rose Is A Rose“ atmet den Geist des Originals, klingt aber absolut zeitgemäß und zeigt wunderbar den Übergang der frühen, minimalistischen zu den Oriental-Wave-angehauchten späten NO MORE. Immer noch und immer wieder ein Ohrwurm, der auf der gleichnamigen, heute sehr sehr teuren, 10“ von 1982 gar nicht vertreten war, sondern erst auf der 2005 nachträglich veröffentlichten „Dreams“-LP.
Natürlich ist der wirklich neue, unbekannte Song „Sunday Mitternacht“ viel interessanter. Ein schöner Minimal-Wave-Track, der aber auch gut in die frühe Phase der Gruppe gepasst hätte, die Orient-Anklänge also allerhöchstens erahnen lässt.
Parallel zu der Single ist auch das neue Album „Midnight People & Lo-Life Stars“ erschienen, beides auf dem in der „schwarzen Szene“ wohl weitgehend unbekannten Label Rent A Dog. Das ergibt durchaus Sinn, weil die Erwartungshaltung dadurch etwas gedämpft wird. Allerdings sind beide Songs letztendlich doch NO MORE pur und werden keinen alten Fan enttäuschen.
Die Single kommt in einem schönen Cover, das auf der Rückseite sicher nicht zufällig ähnlich wie die „Too Late“-EP aufgemacht ist, allerdings ohne den trashigen Punk-Charme von damals. Das durchsichtige, grüne Vinyl sieht zudem sehr schick aus.
In den 80er waren NO MORE wahrscheinlich die wichtigste deutsche Wave-Band neben X Mal Deutschland und tatsächlich klingt diese neue Single nicht einfach nur nach „lass uns noch mal unseren Ruhm von damals versilbern“, sondern durchaus relevant in einer Dark Wave-Szene, die sonst kaum noch interessantes zu bieten hat. Die Songs der „A Rose Is A Rose“ 10“ und diese neuen könnten ohne weiteres in einem Guss laufen. Was aber wohl hauptsächlich zeigt, wie weit die Band damals ihrer Zeit schon voraus war. (A.P.)

AMOR & OPHELIA - Intimpiercing


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Bosworth Recorded Music / BRM-Finetunes / BRM 6254

Hmmm, das wohl einzige Ein-Personen-Duo der Welt? AMOR & OPHELIA und die Debüt-CD „Intimpiercing“…oha, ein anrüchiger Titel, da dürfte mich ja echt was erwarten auf diesem Album. Tut es auch, vor allem, was die musikalische Vielfältigkeit angeht. Von Rock mit Punk-Einschlag bis zu modernem (Deutsch-)-Pop gibt es eine ganze Menge zu hören, immer wieder neu durcheinander gewürfelt. Nichts Neues, nichts umwerfend Innovatives, aber zumindest meist eingängig und gut produziert.
Den Unterschied zu anderen Deutsch-Pop-Größen machen aber die Texte aus, beziehungsweise: sie sollen den Unterschied ausmachen. Heraus kommt aber irgendwas zwischen „frechem“ Pop-Sing Sang, „schrägem“ Deutsch-Rock-Geröhre und irgendwas zwischen Chanson und Schlager. Immer anders, aber leider eben gewollt anders.
Sicher ist das ziemlich unfair von mir, aber das Ganze ist mir einfach eine Spur zu aufgesetzt provokant und mit „ich bin anders“-Attitüde versehen. Ich habe absolut nichts gegen selbstbewusste Frauen, im Gegenteil, aber wenn dieses Selbstbewusstsein die ganze Zeit herausposaunt werden muss, wenn die ganze Zeit über Sex gesungen wird, das textlich aber nie richtig benannt wird, nervt mich das doch ziemlich. Wer singt „Ich bin nymphoman“ sollte das auch ein bisschen glaubwürdig rüberbringen. Da hat Anett Louisan das Thema mit „Das Spiel“ doch geschickter umgesetzt. Zudem mag ich die Stimmfärbung von Frau AMOR & OPHELIA nicht, da sie mir zu deutschrockig ist, was aber natürlich nur Geschmackssache ist.
„Moderne junge Frau zeigt mal, was frecher Deutsch-Pop mit Augenzwinkern ist“ reicht mir persönlich nicht für ein gutes Album aus. Dann doch lieber die leider nach dem ersten Album deutlich zahmer gewordenen Wir Sind Helden. Bei „Intimpiercing“ fehlt einfach die Leichtigkeit des Einfach-Drauflos-Machens, hier wurde anscheinend über alles viel zu lange nachgedacht. Erinnert mich ein bisschen an Christina Stürmer meets Ina Müller. Die Produktion jedenfalls sollte einen breiteren Erfolg bei entsprechender Promotion möglich machen und das ist wohl auch das Ziel. Da darf es textlich dann eben nur ein bisschen trotzig und versaut sein, aber nicht zu sehr. Drei weitgehend professionell produzierte Videoclips runden das Charts-Bewerbungs-Paket ab. Erfreulicherweise wurde dabei durchgehend auf die heute so angesagte MTV-Schnippsel-Ästhetik verzichtet.
Sorry für den Verriss, sicherlich habe ich gar nichts verstanden. Mag sein, na und? Hat ja auch niemand behauptet, dass im Back Again nur objektive Plattenkritiken erscheinen. Ach ja, lieber Release-Info-Schreiber: was ist an dem Titel „Intimpiercing“ „eindeutig zweideutig“? (A.P.)

DAS ACTIONTEAM - Die Platte, Von Der Alle Reden


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Klinkt / Rough Trade

DAS ACTIONTEAM ist nun aber wirklich mal ein extrem lässiger Bandname, Daumen hoch dafür schon mal. Und die erste CD dann noch „Die Platte, Von Der Alle Reden“ zu nennen zeugt von einer Menge sympathischer Selbstironie, auch dafür gibt es einen Extra-Punkt. Nützt aber alles nichts, wenn die Musik nicht auch erwähnenswert wäre. Keine Sorge, auch hier geht wenig schief. DAS ACTIONTEAM vermittelt den Spaß an der Musik, irgendwo zwischen Rock, Punk, Ska, Deutsch-Pop und ein paar Hip Hop-Einflüssen und sogar hier und da Country-Anklängen, extrem gut und dürfte vor allem auch auf der Bühne mehr als überzeugen, wo wohl auch ordentlich Show gemacht wird, inklusive Kostümierung. Treibende Rhythmen, Ohrwurmmelodien und sehr witzige Texte, die nicht albern sind, sich aber eben auch nicht allzu ernst nehmen. Da wird alles mögliche auf die Schippe genommen und Respekt gegenüber irgendjemanden oder –etwas ist hier ein Fremdwort. Einfach drauflos gemacht, so macht es Spaß. Wer weiß, vielleicht klappt ja sogar der große Durchbruch, ich würde mich halbtot lachen! Die Mischung aus Die Ärzte, Die Türen, Mediengruppe Telekommander und Jan Delay ist verführerisch und die wenigen arg schweinerockigen Momente überhöre ich einfach. Noch ein Geheimtipp, also schnell kaufen und später sagen können: „Ich kannte die schon vor ihrem Charterfolg!“ (A.P.)



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