AMOR & OPHELIA - Intimpiercing


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Bosworth Recorded Music / BRM-Finetunes / BRM 6254

Hmmm, das wohl einzige Ein-Personen-Duo der Welt? AMOR & OPHELIA und die Debüt-CD „Intimpiercing“…oha, ein anrüchiger Titel, da dürfte mich ja echt was erwarten auf diesem Album. Tut es auch, vor allem, was die musikalische Vielfältigkeit angeht. Von Rock mit Punk-Einschlag bis zu modernem (Deutsch-)-Pop gibt es eine ganze Menge zu hören, immer wieder neu durcheinander gewürfelt. Nichts Neues, nichts umwerfend Innovatives, aber zumindest meist eingängig und gut produziert.
Den Unterschied zu anderen Deutsch-Pop-Größen machen aber die Texte aus, beziehungsweise: sie sollen den Unterschied ausmachen. Heraus kommt aber irgendwas zwischen „frechem“ Pop-Sing Sang, „schrägem“ Deutsch-Rock-Geröhre und irgendwas zwischen Chanson und Schlager. Immer anders, aber leider eben gewollt anders.
Sicher ist das ziemlich unfair von mir, aber das Ganze ist mir einfach eine Spur zu aufgesetzt provokant und mit „ich bin anders“-Attitüde versehen. Ich habe absolut nichts gegen selbstbewusste Frauen, im Gegenteil, aber wenn dieses Selbstbewusstsein die ganze Zeit herausposaunt werden muss, wenn die ganze Zeit über Sex gesungen wird, das textlich aber nie richtig benannt wird, nervt mich das doch ziemlich. Wer singt „Ich bin nymphoman“ sollte das auch ein bisschen glaubwürdig rüberbringen. Da hat Anett Louisan das Thema mit „Das Spiel“ doch geschickter umgesetzt. Zudem mag ich die Stimmfärbung von Frau AMOR & OPHELIA nicht, da sie mir zu deutschrockig ist, was aber natürlich nur Geschmackssache ist.
„Moderne junge Frau zeigt mal, was frecher Deutsch-Pop mit Augenzwinkern ist“ reicht mir persönlich nicht für ein gutes Album aus. Dann doch lieber die leider nach dem ersten Album deutlich zahmer gewordenen Wir Sind Helden. Bei „Intimpiercing“ fehlt einfach die Leichtigkeit des Einfach-Drauflos-Machens, hier wurde anscheinend über alles viel zu lange nachgedacht. Erinnert mich ein bisschen an Christina Stürmer meets Ina Müller. Die Produktion jedenfalls sollte einen breiteren Erfolg bei entsprechender Promotion möglich machen und das ist wohl auch das Ziel. Da darf es textlich dann eben nur ein bisschen trotzig und versaut sein, aber nicht zu sehr. Drei weitgehend professionell produzierte Videoclips runden das Charts-Bewerbungs-Paket ab. Erfreulicherweise wurde dabei durchgehend auf die heute so angesagte MTV-Schnippsel-Ästhetik verzichtet.
Sorry für den Verriss, sicherlich habe ich gar nichts verstanden. Mag sein, na und? Hat ja auch niemand behauptet, dass im Back Again nur objektive Plattenkritiken erscheinen. Ach ja, lieber Release-Info-Schreiber: was ist an dem Titel „Intimpiercing“ „eindeutig zweideutig“? (A.P.)



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