THE CURE - Disintegration (Deluxe Edition)


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2010 / Polydor / 532 456-6

Endlich geht die Reihe der Deluxe-Wiederveröffentlichungen von THE CURE mit „Disintegtration“ weiter und dies war wohl das von den langjährigen Fans am sehnlichsten erwartete Werk, zum einen, weil die alte CD soundmäßig einfach nicht das geboten hat, was man aus den Songs herausholen konnte und weil es von den meisten CURE-Fans als eines der zentralen und besten Werke der Band, ganz nebenbei bemerkt auch eines der erfolgreichsten, ist. Und weil das so ist, hat man statt der üblichen Doppel CD im mehrfach ausklappbaren Digi-Pak mit fettem Booklet voller Linernotes und teilweise unveröffentlichter Bilder , gleich eine Dreifach-CD daraus gemacht hat, indem man zur zweiten CD voller Demos – inklusive bisher völlig unveröffentlichter Songs – auch gleich noch das weitgehend unterschätzte Livealbum „Entreat“ in erweiterter Form dazu gepackt hat, was absolut sinnvoll ist, um diese Phase der CURE-Geschichte zu dokumentieren.
Auch für mich ist „Disintegration“ in meinen CURE-Top-3 und ich habe immer davon geträumt, dass es Jahrhundert-Songs wie „Plainsong“ und meinem ewigen CURE-Favoriten „Disintegration“ mal in Neuabmischungen geben würde, die die Monumentalität rüberbrächten, die die Songs seit über 20 Jahren auch live ausstrahlen.
Das ist nun, zumindest teilweise, geschehen. „Plainsong“ erstrahlt in einem fetten, monumentalen Sound, der kaum noch Wünsche offen lässt und bei entsprechender Lautstärke die Kopfhörer fast bersten lässt. Perfekte Arbeit möchte ich mal behaupten! Auch „Pictures Of You“ und „Closedown“ wissen zu begeistern. Einige andere, vor allem die poppigeren Singles wie „Lullaby“ und „Lovesong“ klingen auch voller, aber nicht stark verändert. Wunderbar auch „The Same Deep Water As You“ die einzig legitime Fortsetzung zu „Faith“. Aus „Disintegration“ konnte leider nicht so viel mehr herausgeholt werden, wie erhofft und „Homesick“ erscheint geradezu ein wenig „vermischt“, aber damit kann ich leben.
Die „normale“ Bonus-CD enthält wie immer zahlreiche Home-Demos von Robert Smith und Band-Studio-Demos, überwiegend instrumental. Das ist natürlich hauptsächlich für Fans interessant, für die aber besondern, weil man so erkennen kann, welche Entwicklung die einzelnen Lieder durchgemacht haben. Dazu gibt es insgesamt vier bisher völlig (offiziell) unveröffentlichte Songs, von denen aber zumindest die Sammler sicher den Robert Smith-Solo-Song „Pirate Ships“ von Bootlegs kennen dürften. Aber es ist natürlich schön, dass man diesen Song nun auch offiziell genießen kann, denn er ist eine kleine Perle, obwohl oder auch gerade weil er eben weniger nach THE CURE klingt, sondern etwas Eigenes rüber bringt. „Noheart“, „Esten“ und „Delirious Night“ sind wie schon die unveröffentlichten Songs auf den früheren Deluxe-Editions als Versuche und eben Demos zu erkennen, für die Fans aber natürlich Perlen. Wer weiß, was aus ihnen hätte werden können? Schön, aber natürlich sollte niemand verschollene CURE-Klassiker erwarten.
Die dritte CD mit dem um die fehlenden „Disintegration“-Songs erweiterten Programm, als direkter Vergleich zum Studioalbum in der gleichen Reihenfolge, ist dann natürlich eine herrlich nostalgische Reise zurück zur legendären „Prayer“-Tour. Im ebenfalls sehr monumentalen Sound wird der Zauber der letzten Tourkonzerte in der Londoner Wembley-Arena im Juli 1989 wieder belebt und so wird diese Deluxe-Edition perfekt abgerundet.
Ob die Reihe der Wiederveröffentlichungen mit diesem Monument nun abgeschlossen ist, wird sich zeigen. Soundtechnisch ist es fraglich, ob aus „Wish“ und „Wild Mood Swings“ noch viel herausgeholt werden kann. Wenn es da also nicht wirklich spannende unveröffentlichte Songs gibt, stellt sich echt die Sinnfrage. Interessant wären sicher noch die frühen Demos zu „Wild Mood Swings“, um zu entdecken, ob das Album von Anfang an zum scheitern verurteilt war oder die Songs eigentlich mehr Substanz gehabt hätten.
Auf jeden Fall gehört „Disintegration“ zu den wichtigsten und besten Veröffentlichungen der THE CURE-Deluxe Editions und muss natürlich in jeder vernünftigen Sammlung stehen. (A.P.)



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