AUSGANG VERBOTEN - Entertainment


Erstveröffentlichung: LP 2004 / Genetic Music

Unglaublich welchen Output Genetic Music in den letzten Monaten hatten...erste die Wiederveröffentlichung des Silvia-Albums auf CD, dann die „Reminiscent“-3-LP-Box, die Femme Fatale-Single, die Television Set 12“ und jetzt die Wiederveröffentlichung eines alten Tapes von AUSGANG VERBOTEN auf Vinyl. Noch unglaublicher, dass dabei die hohe musikalische Qualität durchgehend gehalten wird!

Ich muss zugeben, dass ich diese Band aus Mitte der 80er Jahre bisher nicht kannte. Trotz des Bandnamens handelt es sich offensichtlich um eine schwedische (?) Band und das die Schweden schon lange wirklich gute elektronische Musik machen, dürfte selbst völligen Ignoranten nicht unbekannt sein. Wie soll es anders sein, AUSGANG VERBOTEN bieten einmal mehr beinahe schon genialen Minimal-Electro-Sound, wie es zur damaligen Zeit üblich war mit einer gehörigen Portion New Wave-Feeling und viel Spaß an klanglichen Spielereien. Nicht nur vom Coverartwork her fühlt man sich hier und da an die guten alten Kraftwerk erinnert, interessanterweise kombiniert mit Klängen, die auch der leider verblichene Fad Gadget in seinen frühen Tagen produziert hat. Einige Tracks dieser Platte dürften demnächst die einschlägigen Partys beschallen und die Freaks werden voll drauf abfahren...zu recht!

Wieder einmal muss ich sagen, und ich glaube, ich habe das schon mehrfach bei anderen Genetic Music Veröffentlichungen geschrieben, einer der besten Releases dieses rührigen Labels. Das zeigt allerdings nur, dass immer noch eine Steigerung möglich ist. Freuen wir uns also auf weitere tolle Platten! (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

GREGORIANS - Jubiläum


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2010 / Edel Music

THE GREGORIANS – 10 Jahre stetig auf Erfolgskurs

Irgendwie ist es ja kaum zu fassen, dass eine Band bekannt durch Gesang im gregorianischen Stil, außerhalb der sakralen Bauwerke vorgetragen, bestehend aus Sängern in Mönchskutten und E-Gitarren und Schlagzeugern nun schon ganze 10 Jahre mit immer größerem Erfolg das Publikum derart zu begeistern weiß, wie es Gregorian tun. Wo ist nur die Zeit geblieben denkt man sich, war es nicht erst gestern, das zum ersten Mal „Don’t give up“ als Botschaft versendet wurde?
In erster Linie präsentiert die Band, die Werke der Pop- und Rockmusik in einem völlig anderen Gewand, erheben sie durch den gregorianischen Stil zu einem Gesamtkunstwerk, getragen vom Text und einladend zum Träumen und zur Besinnlichkeit. Viele Gerüchte um The Gregorians in Foren und Presseartikeln meinten 2001, die Band sei aus einem tatsächlichen Mönchsorden heraus entstanden, der in Frankreich seinen Hauptsitz hat, aber tatsächlich ist die Idee zur Band hier in Deutschland geboren wurden, lediglich sämtliche männlichen Sänger der aktuellen Besetzung stammen aus Großbritannien.
Eigentlich aber kam der Hamburger Musikproduzent Frank Peterson Anfang der 1990er-Jahre auf die Idee, man könnte altertümliche gregorianische Musik mit moderner Unterhaltungsmusik vermischen, und gründete zusammen mit Michael Cretu das Projekt Enigma. Unter dem Namen Gregorian produzierte er nach dem Erfolg des ersten Enigma-Albums ein eigenes Album namens Sadisfaction.
Ende der 1990er-Jahre griff er diese Idee erneut musikalisch auf und beauftragte sein Produzententeam Michael Soltau, Jan-Eric Kohrs und Carsten Heusmann, aktuelle Stücke aus dem Popmusikbereich von klassisch ausgebildeten englischen Sängern im gregorianischen Stil mittelalterlicher Mönche nachsingen zu lassen. Diese Stilrichtung ist mittlerweile unter dem Namen Gregorianischer Choral bekannt geworden und wurde nicht zuletzt durch den immensen Erfolg der Gruppe „Gregorian“ geprägt. Die derzeit aus zwölf Sängern bestehende Gruppe leitete mit ihrem ersten Album bereits, einen bis dato neuen Klassik/Pop Crossover Musikstil ein, der heute zehn Jahre später als Gregorianik-Pop oder Wellness-Sound bezeichnet wird.
1999 erschien das Debütalbum „Gregorian Masters of Chant“ bei der Plattenfirma edel music und wurde ein internationaler Erfolg. Die Arbeit begann bereits ein Jahr vorher, nachdem Frank Peterson in einem Kloster in Italien gewesen war und den Gesängen der Mönche gelauscht hatte. Der Gesang vermischte sich mit dem Beat eines Walkmans, der von einem Jungen neben ihm gehört wurde. Somit kam die Idee auf, bekannte Pophymnen wie „Tears in Heaven“, „Fade to Grey“ oder „Losing my Religion“ in völlig neue Gewandung zu packen. Das Konzept ging auf und somit verkaufte es sich international sehr gut. Allein in Deutschland erreichte das Debütalbum Platz 38 der Albumcharts (Ersteinstieg: 01/2000). Es wurde mit Gold in Australien, Belgien, Finnland, Deutschland, Ungarn, Neuseeland, Norwegen, Polen ausgezeichnet und erhielt sogar Platin in Singapur und Südafrika, sowie in Portugal und auf den Philippinen.



Die folgenden Alben folgten nun im Jahresabstand. Bekannte Songs wie „Wish you where here“ oder „Stairway to Heaven“ begeistern auf „Master of Chants II“ 2001 die Fans. Dabei scheint egal zu sein, aus welcher Musikepoche die Stücke stammen, denn auch Stücke wie „Join Me“ von HIM oder „Sacrifice“ von Elton John werden von Produzent Frank Peterson verarbeitet. Bis zum Album Masters of Chant IV mit Songs wie „Maid of Orleans“ oder „Angels“ blieb der Stil der Gruppe gleich, erst mit dem Album The Dark Side, welches im November 2004 veröffentlicht wurde, erscheint der Sound der Gruppe in einem rockigeren Gewand. Plötzlich tauchen auch Stücke der melancholischeren Art auf, wie etwa „Where the Wild Roses Grow“ von Nick Cave. Diese Interpretationen stehen der Gruppe meines Erachtens sehr gut, denn es zeigt ihr Talent für die Erzeugung der unterschiedlichsten Stimmungen, gerade der sehr getragene Gesang verleiht vielen Songs, die sonst vielleicht banal vorbei geplätschert wären am Ohr des Hörers, einen besonderen Tiefgang.
2006 erschienen die Werke Chapter V mit „Send me an Angel“ von Robbie Williams darauf oder „Lady in Black“ von Uriah Heep. Zur besinnlichsten Zeit des Jahres widmen sich Gregorians mit The Christmas Chants mit ausschließlich volkstümlichen, aber auch von bekannten Rock- und Popstars gesungenen und geschriebenen Weihnachtsliedern. 2007 erschien das Projekt Chants & Mysteries, sowie Masters of Chant Chapter VI. Das Folgewerk Chapter VII erschien am 25. September 2009.
Bereits im Dezember 2009 begann die Band ihr 10-jähriges Jubiläum mit einer Welttournee 2009/2010 die nun diesen Herbst fortgeführt wird. Obwohl nicht in den Top Ten vertreten, ist Gregorian, dennoch einem Millionenpublikum bekannt. Die Alben werden konstant über längere Zeiträume hinweg verkauft und können sich teilweise bis zu 6 Monate in den Top 300 halten. Durch diese lange Zeitspanne verkauft Gregorian teilweise mehr CDs als mancher Künstler, der in die Top Ten aufgestiegen ist. Konzerte von Ihnen, wie etwa im November 2009 im Berliner Friedrichstadtpalast sind restlos ausverkauft und Standing Ovations vorprogrammiert.
Vielleicht ist es ein Stück weit auch der Fantasyfilmkultur zu verdanken, die der Mystik und der Kraft des choralen Gesangs der Gregorians zugetan ist. Filme wie die Harry Potter Reihe etwa, oder auch die Trilogie Herr der Ringe benutzten die Gesänge der Gregorians und machten sie in ihren Filmen unsterblich. Ich freue mich sehr darauf, wenn diesen Herbst ihre Stimmen wieder die Hörer zu Tränen rühren werden!
Von Seiten des Musikmagazins Backagain wünschen wir zum Jubiläum alles Gute, und freuen uns sehr auf mindestens 10 weitere erfolgreiche Jahre!
Maximilian Nitzschke

(Maximilian Nitzschke)

DIE LOKALMATADORE - Söhne Mülheims


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Teenage Rebel Records / TR CD 129

Über 20 Jahre treiben sich die ruhpottlerischen LOKALMATADORE nun schon in der deutschen Punkszene rum, irgendwo zwischen klassischen Punk-Rock und einer fetten Schelle Prollgehabe. Dass man sich selbst nie zu ernst genommen hat macht die Band liebenswert. Man macht halt, was man immer gemacht hat und versucht nicht plötzlich, das eigene Publikum mit tiefsinnigen Betroffenheitstexten vor den Kopf zu stoßen. Wenn man so was machen will, dann halt unter anderem Namen, die LOKALMATADORE stehen immer für Kontinuität. Beim ersten Stück fühlt man sich fast an die guten alten Abstürzenden Brieftauben (+ Baß) erinnert, es punkrockt geradeaus nach vorne los und ist nach rund einer Minute auch schon wieder vorbei. Doch schon direkt danach geht es mit dem LOKALMATADORE-typischen Proll-Punk mit einer ordentlichen Portion Rock und Sauftext weiter. Das will man hören, wenn man die Band kennt und mag, genau wie das skaige „Arsch Voll Kot“, das textlich genauso gut von den Kassierern sein könnte. Ich hoffe, die Bands sehen sich nicht als Konkurrenten an, sondern haben auch Spaß miteinander, wenn man aufeinander trifft. Alles andere wäre auch albern. In die gleiche derbe „Ficken – Oi“-Kerbe schlägt „Dreierlei Geschmack“. „Ich Und Meine Kiste“ erfreut mit schönem Ooooohhoooohooo-Chor und erinnert entfernt an den Band-Klassiker „Ich Bin Dumm“ plus musikalischen Anklängen an „El Cattivo“ von den Ärzten am Ende des Refrains. So knüppeln sich die LOKALMATADORE weiter durch das Album, auch mal schweinerockig in „Ein Abend Im Posthorn“ oder fußballfannig in „V.F.B. Speldorf“ (wenn nicht schon jetzt, dann doch garantiert bald die neue unverzichtbare Vereinshymne), hier und da mit Surf-Anklängen und vieles mehr, und das in um die 35 Minuten Laufzeit mit 16 Songs von 15 Sekunden bis maximal 2:41 Minuten. Da kann einfach keine Langeweile aufkommen. Mit „Pipi Machen, Zähne putzen, Ab Ins Bett“ ist definitiv auch ein zukünftiger Bandklassiker auf dem Album, der sicher bei keinem Konzert fehlen wird. Saubere Mischung aus Punk- und Schweine-Rock, sicher technisch ausgereifter als vor über 20 Jahren (aber das muss man ja sogar über Kassierer und Eisenpimmel sagen) mit den von den Fans geliebten Texten über „Fußball – Ficken – Alkohol“. Ein absolut geschmackvolles Artwork rundet dieses Album dann noch ab. Was will man mehr? Man kriegt das, was man von den LOKALMATADOREn erwartet und das macht viel Spaß. (A.P.)

Webadresse der Band: www.teenage-rebel.de

FOR THE GLORY - Survival Of The Fittest


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Dead Serious / Cargo Records / DS600.0

Tja, im Waschzettel steht als “File Under” “Hardcore”. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Was soll man viel mehr über diese seit 2003 bestehende portugiesische Band sagen? Das ist alles so typisch, von den (bis auf wenige Ausnahmen) unter dreiminütigen Songs, der Schreistimme, dem Albumtitel, den Songtiteln, der Karriere (selbst produziertes Demo, eine Maxi-CD, zwei 7“s und nun das Album), unzähligen Konzerten in kleinen Clubs und größeren Gigs als Support von Genre-Größen wie Cro-Mags, Hatebreed, Madball oder auch Rise And Fall. Lediglich am Cover kann man nicht erkennen, was einen hier erwartet. Das alles ist weder innovativ noch besonders eigenständig, aber wahrscheinlich ist gerade diese Vorhersehbarkeit der Grund, dass das Album ordentlich losrockt und einigermaßen Spaß macht. Dass die technischen Fertigkeiten der Musiker an ihren Instrumenten ganz gut sind, hilft ebenfalls. Es wird eben gar nicht erst versucht, sich zu verstellen, sondern die große Masse der Hardcore-Fans wird mit dem bedient, was sie wünscht. Das ist nicht verwerflich und gerade solche Bands halten die Szene am Leben. Solide Arbeit also und damit absolut existenzberechtigt. Als Bonus gibt es noch einen CD-Rom-Part mit Videos und einigem sonstigen Schnick-Schnack. (A.P.)

Webadresse der Band: www.deadserious.de

OSIRIS TAURUS - Filidhs Blogg


Erstveröffentlichung: CD 2010 / BackupSoustain / BackupSoustain

Wenn man im Internet ein wenig auf die Suche geht nach dem Begriff „Filidh“ findet man vor allem englisch sprachige Einträge, was einfach daran liegt, dass der Begriff aus der keltischen Kultur stammt. Die Filidh waren Bewahrer der mündlichen Tradition innerhalb der keltischen Kultur und hatten die ehrenvolle und wichtige Aufgabe die Überlieferungen und Gebräuche ihres Volkes weiterzutragen. Die Braunschweiger Band „Osiris Taurus“ hat sich die Frage gestellt, was passiert, wenn dieser Bewahrer von Traditionen nun in die moderne Welt gerät. Er würde auf eine Fülle an Informationen der verschiedenen Völker geraten und auf die verschiedenen Kommunikationsformen. Über Facebook, Myspace oder Youtube etwa stolpern, und käme unweigerlich auf den Internet - Blogg. Somit stößt er auf ein Medium, welches alle Formen der sprachlichen, visuellen, und musikalischen Kommunikation einbezieht und verschiedenste Menschen in den entlegensten Winkeln erreicht.

Vielleicht verstehen sich die Braunschweiger selber ein wenig als Filidhs, als Bewahrer, denn aufspielend mit Trommeln, schottischen Bagpipes und australischem Didgeridoo verbinden sie lateinische Texte, schamanisch indianische Ritualgesänge, englische oder deutsche Texte mit arabischen, keltischen und folkigen Klängen. Auch ihre Klänge trafen seit etwa 2005 auf die Moderne und brachten Schlagzeug und verzerrte Gitarrenriffs mit hinein in das Klangbild der Folkband. Die alten Texte wurden in neue Gewänder gepackt, modernisiert und in mitreißende und zuweilen auch verstörende Stücke umgewandelt, klingen zwar leicht aber sind nicht immer leicht verdaulich. Das neueste Werk der Braunschweiger beweist dies einmal mehr, denn einerseits ist es ein komplett neues Album, andererseits greift es auch auf altes Material zurück, welches teilweise live schon seit Jahren im Repertoire von Amira Hani und Tassos Oz ist. Sicherlich, mancher Song war bereits auf Vorgängeralben veröffentlicht, da mögen kritische Stimmen schon Recht haben, aber Osiris Taurus und hierbei insbesondere Amira verändern ihre Stücke gern, arrangieren sie neu, machte sie im Sound aggressiver und viel rockiger. Gemäß dem Stand ihrer Bandentwicklung wurden auch die alten Stücke bewahrt und modernisiert.

Stilprägend ist und bleibt in jedem einzelnen Stück das hervorragende Dudelsackspiel von Tassos und die ausdrucksstarke und vielseitig einsetzbare Stimme von Amira. Begleitet und ergänzt werden beide seit kurzem durch das rockige Fundament von Bassist Marc und Drummer DaNiel.
Den Auftakt dieses abwechslungsreichen Albums bildet ein älteres Stück „Ne me mori fakias“, welches durch bedrohliches Glockenspiel eingeleitet wird um den Hörer sofort durch die weiche Stimme von Amira hineinzuziehen in die musikalische Welt der Band. Tassos presst alle Luft die seine Lungen hergeben in die Bagpipes und erzeugt gepaart mit markantem Schlagzeug einen sehr energiegeladenen Eingangssong. Der zweite Track beginnt mit einem sehr modernen Stilmittel, der Hörer bekommt eine automatische Telefonansage, die ihn begrüßt und im Hintergrund ein Geräusch ertönen lässt, als ob ein EKG gerade das Ende des Patienten anzeigt. Der Titel „Dance Macabre“ oder zu deutsch „Totentanz“ ist auch eines der älteren Stücke von Osiris Taurus, aber es wurde deutlich hörbar rockiger und dynamischer arrangiert als noch in der Vergangenheit. Amiras Stimme scheint dem unausweichlichen Ende durch den Tod sich kraftvoll dagegen zu setzen, aber die Dynamik des Songs und die hohen Pfeifentöne von Tassos peitschen den Hörer hin zum letzten Lebenshauch, der letztlich nur noch ein leisen Flüstern von Amira ist.
Etwas fröhlicher und ironischer kommt der dritte Song „Nick Nack“ daher, der die Verarbeitung eines Kinderabzählreimes ist. Amira flüstert diesen zum Eingang des Stückes, bis Tassos mit Dudelsack einsetzt, es klingt heiter und beschwingt dabei und nimmt die Schwere der bisherigen Stücke wieder heraus. Osiris Taurus beweisen, dass sie musikalisch vielseitig sind und sich zuweilen auch nicht ganz so ernst nehmen müssen, um einen tanzbaren Song zu komponieren.
Dies beweist auch der vierte Song „Der Spielmann“ der auf humoristische Weise das Leben eines Barden aufgreift. Diese augenzwinkernden Texte stehen Osiris Taurus gut zu Gesicht, wirken vielleicht im ersten Moment textlich sperrig, oder naiv, aber sind musikalisch überzeugend und eingängig. Das schöne ist, dass Osiris Taurus schon seit ihren Anfangstagen ein Gespür dafür haben, fürs Ohr und fürs Bein zu komponieren, denn unweigerlich brennt sich ein Song in den Gehörgang bzw. wippt der Fuß mit beim hören.
Nach zwei neuen Stücken schließt sich mit „Dragon Dance“ ein wiederum älteres Stück an, welches mystisch angehaucht ist und insbesondere durch die hohe Stimmlage von Amira Hani auffällt.
Dem treibenden Song schließt sich ein ruhiger neuer Song an, getragen von sanften wie gezupft wirkenden Gitarrenriffs, besticht „Die Stadt am Meer“ durch Amiras sehr getragene Stimme, die dem Gedicht an Tiefgang verleiht.
Der folgende Song ist rein instrumental und wenngleich auch schon ein älteres Stück, doch durch die Dynamik von kraftvollen Drums und dem erdigen Ton des Didgeridoos, einer der richtig Kraft verleiht und meditativ wirkt, gemeint ist „Gale Force Winds“. „Al Adijat“ hingegen vermischt arabische Elemente mit schottischen Bagpipes und ist einer der rhytmusgeprägten Songs dieses Albums. Das nächste Stück ist mittlerweile ein echter Osiris Taurus Klassiker möchte ich fast sagen, denn kaum ein Song wurde so oft verändert und verbessert wie „Immortal Messenger“.
Diese Version hat weniger Aggressivität in der musikalischen Begleitung stell ich fest als etwa 2005 und betont stärker den Text, der ohnehin schon sehr getragen und schwermütig ist.
Amira weiß ihn einmal mehr mit Leben zu füllen und verleiht dem Song plötzlich eine ganz andere Stimmung. Der nächste Song „Der Schottenmann“ basiert textlich erneut auf einem Kinderabzählreim und nimmt musikalisch die kindlichen Worte auf, bleibt dabei durch Dudelsack und verzerrte Gitarren in der Begleitung alles in allem recht beschwingt und fröhlich. In dieser Stimmung lässt Osiris Taurus den Hörer auch mit „Froh zu sein“ einem rein instrumentalen Stück, das geprägt ist durch die Klänge von Tassos Dudelsack. Erneut eher balladesk und nachdenklicher bleibt „Schneeflocken“ , der geprägt ist von sanften Gitarrenklängen und dem harmonischen Gesang Amiras. Den Abschluss bildet die rhythmisch musikalische Traumreise „Shamanic Dust“ die durch Drums und Dudelsack an Speed gewinnt, und beim Einsätzen von Amiras Gesang sich nur noch mehr durch schamanische Kraftworte weiter steigert. Wie ich finde ein gelungener Abschluss, eines abwechslungsreichen Albums.

Ich denk abschließend als Fazit zum neuesten Werk „Filidhs Blogg“ bleibt zu sagen, dass sich avantgardistische Ideen mit rockigen und energiegeladenen Riffs sowie folkigen Melodien vereint haben und als Gesamthörerlebnis Songs entstanden sind, die zum einen tanzbar und clubtauglich sind, zum anderen auch verspielt und humorvoll klingen. Die Vielfalt und der Ideenreichtum der Band drückt sich in den dreizehn Songs hervorragend aus und bietet dabei für jeden etwas, der sich der Neo – Celtic Musikrichtung hingezogen fühlt. (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.osiris-taurus.de

OMNIA - Wolf Love


Erstveröffentlichung: CD 2010 / PaganScum Records / Pagan Scum Records

Auf die niederländischen Paganfolkband „Omnia“ stieß ich im Zuge eines Konzertes der Band Faun etwa 2004 in München, bei der sie als Vorband auftraten. Damals den meisten der Gäste kaum ein Begriff, erspielten sie durch ihre natürliche und aufrichtige Art ganz schnell die Herzen der Zuschauer. Das Publikum wollte die Musiker am liebsten gar nicht mehr von der Bühne lassen, und das obwohl sie ja eigentlich für Faun gekommen waren. Das erste reguläre Album welches in meiner Sammlung einen Platz fand, war im selben Jahr „Live Religion“ - ein Live Album – aufgenommen in einer niederländischen Kirche. Mittlerweile gibt es das Album nicht mehr regulär zu kaufen. Schon dieses Album zeugt von jenem, dass nun auch das neueste Werk prägt – musikalisches Können und tiefer Spiritualität in Wort und Ton. Jenny spielt keltische Harfe, Flügel, Drehleier, irische Bodhran und singt mit weicher sanfter Stimme. Steve Sic hingegen spielt irische Bouzuki, irische Flöten, skandinavische Obertonflöten, neo – keltische Doppelflöten und Darabuka, außerdem singt auch er, rezitiert Gedichte oder spricht ganz lässig über das Leben. Auf dem im Februar 2004 erschienenen Album „Crone of War“ huldigen Omnia bereits den heidnischen Gottheiten Taranis und insbesondere der Kriegsgöttin Morrigan. Gerade dieses kraftvolle Stück darf seither in keinem Live – Set mehr fehlen. Zum Wave Gotik Treffen 2004 meinte Steve Sic augenzwinkernd nur zum Publikum, dass er sich doch sehr wundern muss, dass gerade die Worte „Kill Maim Fight Slay Die!“ so leidenschaftlich mitgesungen werden... Zwei Jahre bleibt es dann leider recht ruhig um Omnia, wobei sie gemeinsam mit ihrer Band in den Jahren sich quer durch Europa getourt haben. Als Weggefährten der fast ersten Stunde sind in diesem Zusammenhang der Folkmusiker und Künstler Luka Aubri – Krieger zu nennen, der vor allem für die erdigen Töne sich verantwortlich zeichnet, denn er bringt die Töne Australiens durch Didgeridoo und sogar Slideridoo mit in den Sound der Band ein. Seit „Paganfolk“ fest verankert als Bandmitglied wurde Joe Hennin, der durch seine Dadgar Gitarre für die ergänzenden sanften Töne zur Harfe von Jenny beiträgt. Ich denke auch ihm sind nicht zuletzt durch diese neue Klangfarbe die keltischen Märchenstücke in der Tradition der irischen Songwriter zu verdanken. Songs wie „The Well“ oder „Two Corbiez“ sind die eigenen Interpretationen humorvoller Geschichten.

Seit ich Omnia nun kenne sind sie eine wunderbare Liveband, denn ihre Musik ist abwechslungsreich und Ausdruck ihres persönlichen Lebensgefühls und der engen Verbundenheit mit der Natur. Die Klänge jedes Album entsprießen ihrer Seele und dank dem feinsinnigen Gefühl für Kompositionen gepaart mit instrumentalem Können ergeben sich ganz unterschiedliche Stimmungsbilder. Laut Steve Sic trägt jeder Omnia Song autobiographische Züge, denn wenn Steve und Jenny traurig sind schreiben sie eher traurige Lieder, wenn sie recht fertig sind entstehen eher psychotische Lieder, schweben sie ganz und gar auf Pilzen oder Hanf entstehen eher die schamanischen Songs und wenn sie halt einmal Sex im Wald haben, dann entstehen eben Songs über die Liebe und die Natur. In den letzten Jahren kam bei beiden, ganz in der Tradition der Heidenvölker, auch die Hingabe zu edler Lyrik hinzu, die ihren Ausdruck findet in der Vertonung von Gedichten oder Dramenfragmenten. William Shakespeares Hexen aus dem Drama „Macbeth“ fanden ihren Weg in den Kosmos Omnia in Form des Stückes „Witches Brew“ - bei dem man allein durch die Wahl der Worte das brodeln des Kessels akustisch zu hören glaubt. Noch deutlicher wird dies auf dem Album „Alive!“, denn hier wurde das komplette Gedicht Edgar Allan Poes „The Raven“ vertont und erhält durch Jennys Harfenspiel zum einen etwas sanftes melancholisches, aber durch Steves Stimme wieder die nötige Mystik des Stoffes.
Berührungsängste scheinen etwas zu sein, dass Omnia nicht kennen, denn bereits 2007 verschmolzen sie wuchtige Paganfolkhymnen mit technoider Elektronik – was unvereinbar zu sein schien – erwies sich als überaus hörbar und clubtauglich. Auch jetzt mit dem neuen Album bzw. bereits auf „World of Omnia“ (2009) fand ein weiteres Instrument Eingang in die Klangwelt von Omnia. Jenny entdeckte das Klavier für sich und seither ist der weiche Klang des Pianos zu einem weiteren elementaren Bestandteil der Ausdruckskraft geworden. Was ungewöhnlich erscheinen mag, ist es im Grunde in keinster Weise, denn letztlich sind Omnia in meinen Augen als die Pioniere der „PaganFolk“ Bewegung zu betrachten, und aus etymologischer Sicht bedeutet dies nichts anderes als „naturreligiöse, traditionelle, indigene Musik.“

Dennoch, auch oder vielleicht gerade deshalb, Kreativität und Naturverbundenheit wurden durch ein restriktives Management Omnia in der Vergangenheit hinter den Kulissen entzogen, sah man in ihnen eher die Musiker und den möglichen Profit. Davon befreiten sich Omnia nun und verfechten ihre wieder erlangte Freiheit, indem sie mit dem neuen Album „Wolf Love“ mit alten bisher bekannten Konventionen brechen. Das komplette musikalische Spektrum der Band wurde einbezogen und erweitert. Mit den insgesamt 16!! neuen Songs entsteht der Eindruck, dass dieses Album nicht nur das Produkt einer Band ist, sondern vielmehr das Produkt mehrerer Bands. Beherrschend dabei ist und bleibt das Instrumentarium der Band und die gesanglichen Harmonien von Steve, Jenny und Luka, die jeden einzelnen Song zum neuen Produkt des Klangkosmos werden lassen. Die Einigkeit zieht sich außerdem auch durch die Lyrics der meisten Stücke hindurch, Motive des Wolfes, des Mondes und des Wahnsinns paaren sich mit der Analogie Mensch ist Tier bzw. das Tier ist Mensch. „Wolfs Love“ ist dadurch sicherlich das bisher düsterste Album von Omnia, wobei es auf der anderen Seite auch das poppigste sein wird, begründet durch die Einarbeitung vieler neuer Songstrukturen.

Den Einstieg in die Wolfsliebe bildet „Wake Up“, dass nur durch die beiden Leadstimmen von Steve Sic und Jenny geprägt ist und von keltischer Harfe begleitet wird. Wie der Titel schon vermuten lässt, versteht sich dieser Song als atmosphärisches Intro etwa für Hallen, Konzerte und Alben. Textlich ist die Rede davon, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen, denn dieses hat unendlich viele Möglichkeiten für uns bereit – wenn man sich nur traut. Eingestreut in den Gesang sind Zitate des verstorbenen „modernen Magiers“ Alistair Crowley. Nach diesem ruhigen Einstieg werden wir als Hörer mit „Dance until we die“ in einen eher politischen, extrem tanzbaren und kraftvollen Paganrap – Song geworfen. Was im ersten Moment unvereinbar erscheint, macht beim Hören absoluten Sinn. Elemente traditioneller Folkmusik tauchen zwischen dem Haupt-Rap-Motiv auf und erzeugen eine Brücke zwischen dem alten erzählenden bardischen Stil und dem poetisch – aggressiven Stil des modernen Rappers. Der Text selber ist dabei ziemlich hart und richtet sich besonders gegen das Establishment. Steve Sic prangert an, wie sehr unser Verstand und persönliche Wünsche fremdbestimmt werden, wie versucht wird Bedürfnisse und Träume zu unterdrücken, um Werte zu vermitteln die der Verbundenheit zur Natur und damit sich selbst gnadenlos im Weg stehen. Das nächste sehr atmosphärische Stück „Jabberwocky“ basiert auf dem gleichnamigen Unsinns-Gedicht des Autors von „Alice im Wunderland“ bzw. „Alice hinter den Spiegeln“ (1871) Lewis Carroll. Ein großer Teil der hierin benutzten Wörter ist frei erfunden, die Wirkung wird einzig und allein durch Lautmalereien und Wort – Assoziationen erzeugt. Omnia nutzen genau diese Wirkung aus und unterlegen Steve Sics charismatische Stimme mit keltischer Harfe, Akustikgitarren, Schlagzeug und Nyckelharfe um für genügend fantastische Stimmung zu sorgen.
Mit „Saltatio Vita“ - dem Lebenstanz wie es übersetzt heißt, erzeugen Doppelflöten, Trommeln, Schlagzeug, Gitarre, Slideridoo und Bodhran den einzig vollständig akustischen Song des Albums.
Diese wilde Tanzmelodie war eines der ersten Experimente von Steve im Bereich der proto – keltischen Musik. Die Protokelten waren Angehörige einer schon vor der Einwanderung der Kelten in Europa um 500 vor Christus vorhandenen prähistorischen Bevölkerung. Viele der nicht – indogermanischen Sprachhinterlassenschaften finden wir heute in Orts- oder Gewässernamen – so leiten sich etwa Donau, Don, Dnepr oder Donez vom Wort danu für Fluss ab. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung müssen diese Lebenstänze wie „Saltatio Vita“ sehr in Mode gewesen sein und beschwörten die wilden Feste der Satyren, Dryaden und Nymphen der antiken griechisch – römischen Welt.
Mit „Teachers“ hören wir das erste Cover überhaupt der Band „Omnia“, denn der Text dieses melancholischen Songs stammt von Leonard Cohen. Mit Flügel, Akustikgitarren, Double Bass und Sansula wurde die Musik von Steve und Jenny komplett neu geschrieben und das Arrangement ein wenig verändert, um den Text in omnianischer Art zu adaptieren. Die schnelle Up – Tempo Nummer „Love in the Forest“ lädt durch die Vermischung von Classic Rock und Country Akkorden sofort zum mitsingen ein – ich selber hatte die Melodie nach recht kurzer Zeit vor mich hin gepfiffen. Es ist ein sehr fröhliches Lied, das das Gefühl der Freiheit transportiert, von der Zügellosigkeit spricht, und anregt sich nackt hinzugeben und Sex zu haben im Schatten alter Bäume.
Der Song „Toys in the Attic“ ist ein Stück über den Wahnsinn und hat mich beim ersten Hören unweigerlich an Emilie Autumn meets Omnia denken lassen. Entstanden war dieser psychotische Text während der „Manager – fuck – up – Zeit“ im Jahr 2009 und benutzt jede Menge archaischer Ausdrucke für „Wahnsinn“. Begleitet von Konzertflügel, Chembalo, Doppelbass, Cello, Akustikgitarren, Slideridoo und hysterischem Lachen entsteht ein recht ungutes Gefühl – lebt mein Kuschelteddy des nachts vielleicht doch sadistische Phantasien aus?? Zur Mitte des Albums werden wir durch Rasseln, Bull Roarers und urtümliche Trommeln hinab geführt zu den tief religiösen Gedanken der Band Omnia. „Shamaniac“ ist eine kurze und kraftvolle Meditation durch verschiedene indigene schamanische Gesangsarten vorgetragen (mongolisch, skandinavisch, indianisch, sibirisch etc.) um den Hörer ins Innere der Erde zu führen – dorthin wo sich ihr schlagendes Herz befindet. Will man der Band Glauben schenken, so haben die Aufnahmen des Stückes nachts stattgefunden, nachdem „große Mengen entspannender Kräuter zugeführt wurden!“
Ein Stück, das man wohl kaum von einer Paganfolkband erwarten würde, stellt das Zwischenspiel „Solfeggio Guess who's Bach“ dar, denn es ist rein instrumental. Die Musik stammt auch keineswegs von Omnia sondern von Philip Emanuel Bach und ist ein klassisches Klavierstück, welches Jenny gerne spielt, um konzentriert zu bleiben. Es ist spontan im Studio aufgenommen worden, als irgendwann ein wenig Zeit überbrückt werden musste, weil alle Klavierstücke bereits fertig waren.
Mit sanften Klavierklängen und dem Gesang von Jenny beginnt auch der nächste recht traurige Song „Wheel of Time“ über das Älterwerden in einer Welt, die sich ständig eher zum negativen verändert. Die Natur wird immer drastischer beschnitten, wichtige persönliche Dinge unterliegen dem Verlust und das Ende der eigenen Reise rückt immer näher – während das Rad der Zeit sich dennoch weiter dreht. So negativ diese Textpassagen auch im ersten Moment klingen mögen, so sehr geht es dabei letztlich um die Akzeptanz von Tatsachen in Bezug von Leben und Tod. Arrangiert wurde eine poppige Akkordstruktur, die dem Song dadurch einen melancholischen wie schönen Melodiebogen geben. Im Stil einer Countryballade beginnt „Sister Sunshine“, begleitet von sanften Harfenklängen, Akustikgitarren, Bouzouki, Cajon, Slideridoo und handelt von einem geheimnisvollen Mädchen – sollte es sich vielleicht um Jenny handeln, denn wenn ich richtig gehört habe, stammt das Eingangsmelodiestück vom Song „Jenny in't Fogge“ des Albums Crone of War.
Auch „Taranis“ hörte der Omniafan schon einmal, denn auf „Crone of War“ gab es einen gleichnamigen Song. Allerdings war er da noch nicht so ausgefeilt und sprach nur die Personifizierungen des Himmelsgottes an. Jetzt wird eine Anrufung daraus, die diese Aspekte stärker verbindet und Taranis spürbar zum Herrscher über Blitz und Donner macht. Die Idee zu diesem Stück kam Omnia auch während eines heftigen Gewitters auf einem italienischen Hügel. Steve war so beeindruckt, dass er zu den Göttern rief, sie sollen doch weitermachen.
Der 13 Track „Moon“ ist ein Liebesgedicht an den Mond in einem deutlich persischen Stil gehalten, was sicherlich nicht zuletzt an der Untermalung mit Hackbrett, Dumbek, Darabuka, Cajon und Slideridoo liegt. Musikalisch und textlich ist es ein sehr intuitiver Song, der ohne „richtige“ Wörter auskommt, sondern aufbaut auf den Klängen des Hackbretts und an die Rhythmen arabischer Nächte erinnert. Erst an so später Stelle taucht das zentrale Thema des Albums „Wolf Love“ direkt zu Tage, denn im „Wolf Song“ geht es um eine poetische Liebesgeschichte zwischen Mensch und Tier. Strukturell aufgebaut wie ein Musical Stück enthält es viele Stimmvariationen und Cross – Over Songstrukturen, die etwa die Klänge des Klaviers mit Streichern kombinieren. Irgendwo dazwischen finden sich auch Metalanleihen, gerade um die Idee der ursprünglich einmal schamanischen Wurzeln der Rotkäppchen Geschichte besser umsetzen zu können. Hier nämlich ist der Wolf eher als Werwolf zu verstehen, als eine mythische Kreatur liegt er in einer Ebene zwischen natürlich tierisch und unnatürlich – menschlich. Auf der anderen Seite steht das arme, verlorene Mädchen und versucht dem unausweichlichen zu entfliehen. Die Liebe des Wolfes aber ist so manisch, dass für das Mädchen die Aufgabe der Angst und die Hingabe zur Liebe einem psycho – sexuellen Todestrip gleicht. Der vorletzte Song „Cornwall“ ist angelegt im Stil von traditionellen Celtic – Folk – Balladen wie etwa „Song of Ireland“. Mit keltischer Harfe und Akustikgitarren arrangiert, entstand ein autobiographischer Song über das große und ehemals keltische Land Cornwall mit seinen alten Klippen und einsamen Moorlandschaften. Hier ist Steve Sic aufgewachsen und hier begann auch die Suche der ursprünglichen religiös – spirituellen Wurzeln unserer Gesellschaft.
Das Endstück der CD bildet „Sing for Love“ ebenfalls ein autobiographisches und intuitives Gedicht. Es hält einen speziellen Moment im Lauf der Zeit fest: In einer Blockhütte waren Jenny und Steve eingeschneit, nachts, in einem dunklen Wald. In den Stunden bis sie aus der Hütte wieder befreit werden konnten, entstand dieser Song – dank transportabler Aufnahmegeräte.

Omnia entfesseln wie hoffentlich deutlich wurde ein weiteres Mal die Kräfte der Natur und ihrer Gottheiten und sind dabei facettenreich, klingen organisch und virtuos. Entstanden sind dabei wunderschöne Balladen genauso, wie mystische Beschwörungen und instrumentale Tanzmelodien, ganz abgesehen einmal von der optischen Gestaltung – goldene Ranken fassen einen stilisierten Wolfskopf inmitten eines Herzens ein, lohnt es sich dieses Album sein Eigentum zu nennen. Abgerundet wird das akustische Hörerlebnis zudem noch mit einer Bonus DVD mit Ausschnitten vom Castlefest 2009 und allerlei Behind the Scenes Material – rundum gelungen! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.worldofomnia.com

COMPILATION - Schadstoffklasse Grau - Unerhörte Klänge Aus Den Kellern Der Republiken


Erstveröffentlichung: LP 2010 / Hertz-Schrittmacher / Kernkrach / Hertz 030

Die Einschläge, sprich Veröffentlichungen, bei unseren Freunden von Kernkrach sind auch spärlicher geworden. In der „Krach“-Reihe (also Aufnahmen aus den frühen/mittleren 80er Jahren) gab es schon fast 2 Jahre nichts Neues mehr und auch die „Hertz“-Reihe (zeitgenössische Aufnahmen) erscheint nur noch sporadisch. Dafür gab es fast zwei Jahre lang (fast) jeden Monat eine Single in der Reihe „Hertzschnitt100“. Diese ist nun beendet und es ist zu hoffen, dass wieder „größere“ Veröffentlichungen das Ruder übernehmen. Los geht es mit dem neuen Sampler „Schadstoffklasse Grau“. Einen Sampler zusammen zu stellen ist viel Arbeit, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, hier dürfte sich der Stress aber im überschaubaren Rahmen gehalten haben, denn die Namen einiger Bandmitglieder tauchen in mehreren Bandbesetzungen auf und es würde mich nicht wundern, wenn das gesamte Album aus 3-4 Leuten besteht, die unterschiedliche Pseudonyme benutzen. So etwas gab es Ende der 80er Jahre auch in der Neuen Luruper Welle (www.nlw-wiki.org ) oder im Umfeld unserer Freunde von Treue um Treue/Reue um Reue. Dafür spricht auch, dass der musikalische Stil recht homogen ist, durchweg minimalistisch, elektronisch und hier und da mal etwas experimentell. Als Kritik möchte ich das auch nicht verstanden wissen, denn es ist immer lobenswert, wenn Leute ihre Kreativität derart konsequent ausleben. Das Album klingt fast wie ein extrem guter Tapesampler aus den frühen 80er Jahren, denn aus dieser Zeit dürften die meisten Einflüsse stammen, von NDW bis EBM, von Wave bis Industrial. Heraus kommen so einige Ohrwürmer, teilweise eher düster, teilweise durchaus mit Potential für die Tanzflächen der einschlägigen Clubs.
Die wenigstens Bandnamen dürften den Hörern etwas sagen, ausgenommen KASSETTENFACHENTSTAUBER und DER DEBILE REST, beide bereits mit Vinyl-Veröffentlichungen auf Kernkrach. Wenn alles wirklich unterschiedliche Bands sind, stammen die Beteiligten aus beeindruckenden acht europäischen Ländern, ein rundum internationales Werk also.
Beteiligt sind LZ129, DIGITAL MONGOLOIDS, LAS MAQUINAS DE LA GUERRA FRIA, DER DEBILE REST, KASSETTENFACHENTSTAUBER, FRIENDS IN PLASTIC, CONTROLLED COLLAPSE, FABRIK OHNE STROM, KLING KLANG, MISSES YUKI OKAMI, LEGODROID, LES MISERABLES MINIMALISTIQUES und MANN MIT BEIN.
Warten wir mal gespannt, ob man von einigen dieser Acts noch mehr hört. Auf der Discogs.com-Website hat jedenfalls keine der Bands (außer den beiden schon vorher genannten) weitere Veröffentlichungen, Informationen oder gar Bilder.
Musikalisch ist aber alles im grünen Bereich, Ausfälle gibt es absolut nicht, hier wird uns einfach ein sehr gutes Minimal-Electro-Album geboten.
Etwas enttäuscht bin ich vom Artwork. Nun bin ich ansonsten kein besonderer Freund von Gimmick-Covern, aber Kernkrach hat da schon einige wirklich gute Sachen geschaffen, von Kunstrasencovern über Cover aus Maschendraht bis hin zu Klappcovern aus alten Vinyl-Scheiben und vieles mehr. Hier erscheint die LP aber schlicht und einfach in einem weißen Innencover, um das als eine Art Banderole eine Papiertüte (oder so was ähnliches) aus Holland gewickelt ist, bei der man nicht mal weiß, wofür sie ursprünglich mal gedacht war, außerdem gibt es eine Din A 4-Fotokopie mit der Tracklist und ein einzelnes, nicht besonders identifizierbares Foto-Negativ. Erscheint mir ein bisschen wie Müllentsorgung (wie auch oft die Beilagen zu den Hertzschnitt 100-Singles). Den teuren Druck eines richtigen Covers hat man sich somit gespart, der Verkaufspreis bleibt allerdings natürlich der Gleiche. Den ersten 99 Exemplaren der 333er Auflage liegt auch noch ein altes „Mosaik“-Comic aus DDR-Zeiten bei, wobei ich nicht weiß, ob das einen Bezug zur Musik hat, außer, dass es aus den 80er Jahren stammt, wobei man das über die Musik wiederum nur vom Stil her sagen kann, nicht aber von der Produktionszeit. Das Vinyl kommt in schlichtem Schwarz.
Fazit: musikalisch ein wirklich toller Sampler, verpackungstechnisch diesmal eher untere Schublade. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

DELAYSCAPE - Morse Disco


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2010 / Anna Logue Records / Anna 027.2010

Ja, im Hause Anna Logue Records gibt es immer was zu entdecken, neben (Wieder-) Veröffentlichungen von mehr oder weniger bekannten Acts aus den 1980er Jahren liegt nun ein Doppel-Album eines zeitgenössischen Musikers aus Dänemark vor. Flemming Kaspersen ist Mitglied in mehreren Bands und hat unter dem Namen DELAYSCAPE auch seit Anfang des Jahrtausends einige Aufnahmen vorgelegt, die wohl bisher nur bei diversen Netlabels veröffentlicht wurden. Für diese erstmalige CD-Veröffentlichung wurden die Stücke mit einigen bisher unveröffentlichten Sachen ergänzt und im Hause The Silicon Scientist soundtechnisch remastered. Eigentlich handelt es sich um zwei eigenständige Alben mit den Titeln „Music For Dancing At Home“, das die rhythmischeren Tracks enthält und „Music For Frozen Journeys“ mit den eher ambienten Sachen.
Der Titelsong „Morse Disco“ eröffnet die erste CD gleich mit ziemlich fetten Electro-Sound, der seine Einflüsse klar aus den 80er Jahren zieht und atmosphärisch-soundtrackartig auf das vorbereitet, was folgen soll. „Two Small Incisions“ zeigt einmal mehr, welch großen Einfluss der Soundtrack von „The Blade Runner“ auf die moderne Popmusik hatte, das Stück könnte direkt aus diesem Filmklassiker stammen und erinnert auch an so manches Stück von John Carpenter für seine Filme (beziehungsweise an die Disco-Versionen davon) oder an die Italo-Band Hypnosis. Auch manches von Laser Dance kommt einem bei einigen Stücken der ersten CD in den Sinn und der CD-Titel „Music For Dancing At Home“ ist mehr als passend, denn obwohl die meisten Stücke durchaus tanzbare Rhythmen haben, eignen sie sich aufgrund der sehr schwebenden Atmosphäre und Melancholie eher nicht für die Clubs. Wunderbar ist jedoch, dass durchgehend Eingängigkeit mit interessanten Sounds kombiniert wird und hier und da kommen auch mal Kraftwerk-Erinnerungen auf, sogar Depeche Mode in ihrer Mitt-80er-Phase (naja, nicht gerade die Singleauskopplungen, eher die Mixe und B-Seiten) dürften hier ihre Spuren hinterlassen haben. Nun bin ich an sich kein großer Fan von Instrumentalmusik. Ich mag da einiges, aber ein ganzes Album ist mir oft zu lang, vor allem, wenn sich alles weitgehend im gleichen Stil durchschlängelt. Auch hätte für meinen Geschmack das eine oder andere Stück etwas kürzer sein dürfen, obwohl die meisten eine Laufzeit von drei bis viereinhalb Minuten haben, also nicht überlang sind. So vollkommen ohne Gesang erscheint es mir oft eher wie Hintergrundmusik, die ich gut hören kann, während ich am Computer arbeite, aber einige Tracks sind wirklich großartig und bleiben so auch länger hängen.
Das zweite Album „Music For Frozen Journeys“ verdient seinen Namen nur bedingt, denn unterkühlte Klänge gibt es eigentlich nicht zu hören, sondern eher sehr warme Soundscapes, die teilweise fast schon in den reinen Ambient-Bereich gehen. Wäre das Ganze etwas experimenteller, hätte ich das Album auf Treue um Treue / Reue um Reue erwartet. So aber bleibt es trotz eher dunkler Stimmung doch auch oft eingängig. Es gilt insgesamt aber das gleiche wie für CD 1: für meinen ganz persönlichen Geschmack etwas zu lang geraten, um meine Aufmerksamkeit über die ganze Laufzeit durchgehend zu fesseln.
Wie im Infotext ganz richtig geschrieben wird, kommen, wenn man die komplette Doppel-CD zusammenfasst, durchaus Erinnerungen an Skanfrom auf, vermischt mit den bereits genannten Bands, oder, um es einfacher zu beschreiben: es klingt etwas wie eine rein instrumentale Version von The Silicon Scientist. Ob das Zufall ist, oder eben an der Remaster-Arbeit von Stefan Bornhorst liegt, kann ich nur schwer beurteilen. Auf jeden Fall aber ein hörenswertes Album, das mich zwar nicht ganz so enthusiastisch zurücklässt, wie Marc von Anna Logue Records, aber sicher hin und wieder bei mir laufen wird.
Wie bei Anna Logue Records nicht anders gewohnt, ist das Artwork mal wieder einfach (im doppelten Wortsinne) schön geworden. Die relativ hohe Auflage von 1000 Exemplaren ist wohl der Hoffnung geschuldet, mit dieser Veröffentlichung breitere Hörerschichten anzusprechen, als nur die kleine Minimal-Electro/Minimal-Wave-Gemeinde. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

NIC KNATTERTON & MACMATT - Straight Outta Aken


Erstveröffentlichung: Download 2010

Über den sympathischen Deutschen Rapper NIC KNATTERTON habe ich ja bereits mehrfach Positives geschrieben, weil er einerseits recht eingängigen Rap abliefert, dabei aber auf jede „böse“ Gangsta-Attitüde verzichtet und in seinen Tracks intelligente Texte ohne erhobenen Zeigefinger rüberbringt. Nun hat er sich mit dem mir bisher unbekannten Rapper MACMATT zusammengetan und diese kostenlose Download-EP produziert, die eher eine weniger ernste, sondern lebenslustige-Spaßseite der Musiker zeigt. Da wird rausposaunt, dass man vorhat, einen Nummer 1-Hit zu haben, da wird die Heimatstadt Aachen, beziehungsweise auf Holländisch „Aken“, abgefeiert. Mit einigen Gästen geht es weiter, auch mal ein wenig vom klassischen Rap entfernt in „Ey Yo“ oder witzig und szene-selbstkritisch old-schoolig in „Oldschool – Newschool“, mein persönlicher Favorit auf dieser EP. Klassisch ist auch, dass in „Back In The Days“ der Text eine Geschichte erzählt und nicht wie bei vielen heutigen Acts nur beschrieben wird, wie a. cool oder b. gefährlich man ist. Auch Nachdenklichkeit ist mal erlaubt. Im spaßigen „Ooche Alaaf“ schließlich haben sich die beiden Rapper noch Unterstützung von STEVEN HILL gesucht und berappen die (Hass?-) Liebe zur Heimat Aachen.
Keine Frage, diese EP soll in erster Linie Spaß machen und schafft das auch ganz gut. Alle 6 Tracks sind Ohrwürmer. Was mich als einziges ein bisschen stört ist, dass die Scratchings klingen, als wenn sie elektronisch entstanden sind und nicht mit richtigen Schallplatten. Keine Ahnung, ob das so ist, aber ich bin da auch nicht Fachmann, vielleicht ist das aber auch nur eine Folge des MP3-Formats, das so manchen natürlich klingenden Ton verfremdet. Ist aber nicht allzu schlimm. Aber ob die Leute im „normalen Leben“ auch so reden, wie sie rappen?
Trotzdem, gerne mal runtersaugen, is’ umsonst und gut noch dazu, da kann man auch mal Musik antesten, die man sonst vielleicht nicht so anhört. http://www.dreistunddreckig.de/STRAIGHTOUTTAAKEN.html (A.P.)

Webadresse der Band: www.dreistunddreckig.de/STRAIGHTOUTTAAKEN.html

NO MORE - Midnight People & Lo-Life Stars


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Rent-A-Dog / Al!ve / bone 3015-2

Wer hätte gedacht, dass die deutsche New Wave-Legende NO MORE über 20 Jahre nach Auflösung der Band noch einmal zurückkehren würde? Zwar nur als Duo, aber mit Andy Schwarz und Tina Sanudakura mit dem kreativen Kern.
Eine 7“ Single, eine Remix-CD und ein komplettes neues Album namens „Midnight People & Lo-Life Stars“, das im schlicht-schönen DigiPak daher kommt. Genau genommen hat sich eigentlich nichts dramatisches geändert, das heißt, die beiden Kieler haben nicht versucht, mit völlig anderer Musik nur vom Namen NO MORE zu profitieren, sondern liefern wunderbaren, hervorragend produzierten Wave-Sound ab, der alles andere als altmodisch klingt. Gleich der Opener „Il Tempo Reale“ haut ordentlich rein und erinnert ein wenig an so manches Stück von Lou Reed aus den 80er Jahren. „Sunday Mitternacht“ ist bereits von der 7“ bekannt und ein potentieller Clubhit. Schließt beinahe nahtlos an die „A Rose Is A Rose“-Phase an, als so langsam die orientalischen Klangeinflüsse den Minimal-Wave-Sound der Band infiltrierten. Sicher ein zukünftiger Band-Klasiker, der bestimmt auch bei den zahlreichen erfolgreichen Konzerten in ganz Europa für Begeisterung gesorgt haben dürfte. „Maybe Some Day“ ist eine Neuaufnahme des gleichnamigen Stückes von der allerersten Single der Band aus dem Jahre 1980 und macht aus dem Extrem-Minimal-Track einen tanzbaren Clubhit für die schwarzen Discos. 30 Jahre alt und immer noch – oder wieder - ein Ohrwurm. Im Titelsong „Midnight People & Lo-Life Stars“ hört sich Andys Stimme fast wie Blixa Bargeld an, wenn dieser mal wieder ein Die Haut-Stück interpretiert. Klingt schön entspannt-melancholisch und auch Nick Cave-Fans dürfen mal ein Ohr riskieren. Vielleicht der Geheimtipp dieses Albums? An den Lou Reed/Velvet Underground-Sound von „Il Tempo Reale“ schließt wieder „Esther Says“ an. Die dürften schon immer zu den Einflüssen von NO MORE gehört haben, man denke nur an die Coverversion „Waiting For The Man“ zurück. Aber auch Leonard Cohen-Platten haben sie bestimmt in ihrer Sammlung. Schön leichter Song, der aber nicht oberflächlich ist, Musik zum immer hören und tatsächlich eine neue Facette von NO MORE, die mir aber gut gefällt. Sphärisch, fast schon ambient, aber trotzdem durch die gute Produktion kraftvoll wird es bei „The Kores Of Stockholm“, das auch gut als Soundtrack funktionieren würde. Auch Joy Division/New Order scheinen hier ihre Spuren hinterlassen zu haben oder manche Sachen des 4 AD-Labels aus den 80ern. Sehr atmosphärisch und sehr gut. Einfach hörenswerter New Wave ist dann wieder „Warm Jet Stream“, wobei auch ein paar etwas rockigere Gitarren als gewohnt zum Einsatz kommen. Es folgt mit „Minnie Mouse Over Warsaw“ ein Song, der nicht so fröhlich ist, wie der Titel suggeriert, im Gegenteil, hier kommt der düsterste Song des Albums, der auch gut auf einer der alten Maxis von NO MORE hätte sein können. Dürfte vor allem den alten Fans gefallen. Im Stile von „Maybe Some Day“ und „Sunday Mitternacht“ geht es bei „Hands In The Dark“ weiter, ebenfalls ein NO MORE-New Wave-Knaller. „Inside 1979 – The Unpredictable Sky“ thematisiert die Umbruchzeit Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre. In einer düsteren Soundcollage werden Ereignisse der damaligen Zeit in Form von Nachrichtenausschnitten aufgezählt. Stilistisch und von der Atmosphäre her erinnert das etwas an „237 Tage“ der Schweizer Mittageisen. So offen politisch waren NO MORE bisher noch nie, sehr interessant. Etwas entspannter und versöhnlicher klingt das Album schließlich mit „Not Far To Go“ aus, wobei man sich noch einmal etwas an Nick Cave oder Crime And The City Solution erinnert fühlt.
Keine Frage, „Midnight People & Lo-Life Stars“ ist ein absolut überraschendes Comeback-Album einer legendären Band, die den deutschen Wave-Sound der 80er Jahre beträchtlich mitgeprägt hat. Dabei kommt es nicht einfach nur zu einer Selbstkopie, sondern einer mehr als gelungenen Kombination des alten Stils mit neuen Einflüssen. Der Sound ist einfach nur fantastisch abgemischt, alleine deshalb ist die CD schon hörenswert. Dass zudem noch ein paar echte Hits dabei sind, die sich hinter den zahlreichen Klassikern nicht verstecken brauchen, ist eine Freude. Nur eine simple Neuauflage des „Suicide Commando“-Stils sollte keiner erwarten. Aus meiner Sicht ist dies nach einigen Malen Anhören möglicherweise das beste NO MORE-Album überhaupt – wobei es ja eigentlich mit „Hysteria“ nur ein „reguläres“ Album gab, aber zählen wir mal „7 Years – A Compilation“ und „Dreams – Early Recordings“ dazu. (A.P.)

Webadresse der Band: www.nomoremusic.de

GERTRUD STEIN - Eat The Stone


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2010 / Hertz-Schrittmacher / Kernkrach / Hertz 031

Kernkrach wird nach Beendigung der Hertzschnitt 100-Single-Serie wieder aktiver im ursprünglichen Betätigungsfeld, nämlich der Veröffentlichung von „richtigen“ Platten, also mit Coverartwork und in Auflagen, die mehr Leuten die Chance geben, die Platten auch zu kaufen. GERTRUD STEIN ist aus der Schweiz und war auch schon in der besagten Single-Reihe vertreten, nun also eine neue Single mit zwei Tracks, die geschmackvoll (im doppeldeutigen Sinne) verpackt ist und dazu noch auf 300 Exemplare limitiert und farbig daherkommt. Ein Beiblatt (beidseitige Bildcollage ohne erkennbaren Bezug zu GERTRUD STEIN) gibt es auch noch. Von der Aufmachung her also schon mal typisch Kernkrach.
Musikalisch gibt es gar nicht mal so minimalen Electro-Sound, der absolut für die Tanzflächen der Underground-Clubs geeignet ist. Ich bin mir nicht sicher, ob auf der A-Seite „Blümchen“ die Laufgeschwindigkeit mit 45 UPM richtig angegeben ist, irgendwie klingt der Song in beiden Geschwindigkeiten ungewöhnlich, was ja aber vielleicht sogar gewollt ist. 45 scheint aber dann doch richtig zu sein. Auf der zweiten Seite „New Gold Dream“, einer nur schwer erkennbaren Coverversion des gleichnamigen Simple Minds-Songs, schätze ich mal, dass die Angabe 45 UPM definitiv falsch ist, hört sich auf 33 nachvollziehbarer an.
Insgesamt auf jeden Fall eine interessante Platte, die anders als von Kernkrach gewohnt ist, was ja aber nichts ausmacht, denn gut ist sie allemal. GERTRUD STEIN tritt jedenfalls inzwischen auch international auf Gothic/Wave/Electro-Festivals auf und ich glaube, da wird man noch einiges hören, zumal es neben den beiden Singles auch schon eine CD zu kaufen gibt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de


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