ELTON JOHN -


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Universal / Universal

ELTON JOHN und LEON RUSSELL – The Union
"(VÖ: 22.10.2010 Universal Records)


Es war für mich als Elton John Fan schier eine ewig lange Zeit bis sich das Gerücht breit machte auf´den Fanseiten, dass der mittlerweile 63jährige Reginald Kenneth Dwight mit einem neuen Album aufwarten wird. Ich war mir bereits nach der großartigen „Red Piano Show“ in Las Vegas 2005 und dem 2006er Album „The Captain and the Kid“ nicht sicher, ob dies nun nicht den Höhepunkt darstellen würde, und ein möglicher Bühnenabschied des englischen Sirs.
Um so glücklicher bin ich, dass dem nun nicht so ist. Am 22.10.2010 erschien „The Union“, welches Elton zusammen mit seinem jahrelangen Vorbild Leon Russell, der unter anderem durch Zusammenarbeiten mit den Rolling Stones und Jerry Lee Lewis Weltruhm erlangte, aufnahm und dadurch für sich neue musikalische Wege geht - zugleich auch den fast schon vergessenen Pianisten Russell wieder ins Bewusstsein zurückbringt.

Die Idee zur Zusammenarbeit lässt Elton verlauten sei ihm angeblich auf einer Safari mit seinem Lebensgefährten David in Südafrika gekommen. Kaum war er wieder zu Hause hätte er kurzerhand sein Vorbild angerufen und fragte ihn, ob er an einem Duettalbum interessiert sei. Die Idee gefiel Russell offenbar, denn ganze zwei Jahre Arbeit haben die beiden betagten Herren - Russell ist fast 70 Jahre alt und Elton 63 - in dieses Album gesteckt und holten sich zudem noch renommierte Künstler mit ins Boot. Wenn man die Liste der Gastmusiker anschaut, so findet sich dort Neil Young neben Paul Mc. Cartney oder Grace Johnes neben Brian Wilson von den Beach Boys.
Was der Aufnahme sehr gut getan hat ist, dass jeder Song im Studio live eingespielt wurde und als Produzent ebenfalls ein renommierter Name gewonnen werden konnte, denn T Bone Burnett hat unter anderem schon für The Who oder Kris Kristoffers gearbeitet.
Für Elton bildet „The Union“ sein mittlerweile 45zigstes Album in der Diskographie und fast scheint es so, als erfüllt sich Elton darauf den lang schon gehegten Traum um doch auch neue Wege gehen zu können und nicht gleich zu klingen. Mit Russell zusammen kehren beide zu den Ursprüngen des Rock 'n' Roll und nicht zuletzt zu den eigenen Wurzeln ihres musikalischen Schaffens zurück.

Entstanden ist in diesen zwei Jahren in meinen Augen ein wunderbares Südstaaten Rock n Roll Album, das zwischen Balladen und rockigen Popnummern wechseln kann. Elton John besinnt sich zurück zu seinen eigenen Wurzeln und klingt manchmal wie auf den frühen Platten, als die Bühnenklamotten noch quietschig bunt waren und die Brillen überdimensioniert. Auf der anderen Seite verleugnet er auch nicht, nun reifer und auch stilistisch – in Musik und Outfit perfekter geworden zu sein. Eltons Stimme hat für mich mit den Jahren erst die richtige Kraft entwickelt die mich träumen lässt wenn er sanfte Balladen anschlägt, oder mit rocken und mitsingen lässt wenn er dem Piano die tollsten Töne zu entlocken weiß. Eingängig gehen die Stücke ins Ohr, etwa „A dream come true“ der augenblicklich ins Ohr und auch ins Bein geht beim Hörer. Man fühlt sich beim Hören wie in eine verrauchte Bar evtl. in New Orleans erinnert, irgendwo an der Wand stehen zwei Pianos und davor zwei gesetzte Herren, ganz klar als Freunde zu erkennen, die sich singend Geschichten aus ihrem reichhaltigen Leben erzählen. Es ist ein Gefühl von „Easy Going“ das entsteht, so als hätte man ewig Zeit und muss nicht hetzen. Dadurch lässt man sich als Hörer gern mitnehmen von Elton und Leon in ihre Geschichten und denkt sich, wenn Elton singt „I should have sent roses“ - vielleicht hätte auch ich das tun sollen, denn ganz sicher ist man dafür „Never too old“. Weich erklingt das Intro zu „Gone to Shiloh“ und wenn Eltons Timbre einsetzt diese Ballade zu erzählen ist Gänsehaut vorprogrammiert, für mich einer der Höhepunkte des Albums. Schwermütiger aber nicht weniger schön erklingt „There's no tomorrow“ wie eine Lagerfeuerballade die dazu aufruft jeden Tag zu etwas besonderem zu machen für sich selbst und auch die Ruhe zu genießen, im ersten Moment scheint dies ungewöhnlich für einen Menschen wie Elton John, im zweiten Moment denk ich ist zu spüren das Elton John auch privat diese Ruhe lange suchte und nun gefunden hat. Die Exzesse der Vergangenheit weichen verschmitzter Lebensweisheit und einem Augenzwinkern auf sich selbst.

Man spürt einfach in jedem der insgesamt 14 Songs steckt ungemein viel Leidenschaft und eine tiefe Verehrung Eltons für seine Vorbilder und damit für Leon. „Auch wenn es damals diverse grandiose Keyboarder gab, war Leon der, der mich am meisten beeindruckt hat,“ gibt Elton John unumwunden zu. Das genau spürt man und kann getrost feststellen, dass das Experiment geglückt ist und einen weiteren Erfolgsschritt ins Alterswerk beider Musiker bedeuten wird!















(Maximilian Nitzschke)



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