BAARD - Life In A Goldfish Bowl


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2002 / Genetic Music

So, hier gibt es mal eine klassische Single, d.h., auf jeder Plattenseite genau ein Lied, wobei die B-Seite nicht einfach nur ein Remix oder eine Instrumentalversion der A-Seite ist. Wie von Genetic Music gewohnt, ist auch diese Veröffentlichung mit Liebe gemacht. Man hat die Single „Life In A Goldfish Bowl“ des schwedischen Projektes BAARD aus dem Jahre 1982 ausgegraben und dem Electro-Fan wieder zugänglich gemacht. BAARD war ein Projekt von Alexander Bard, der später mit Army Of Lovers großen Erfolg hatte und heute die ebenso erfolgreichen Alcazar produziert. Angefangen hat er aber mit minimalistischen Electro-Wave Klängen, die man beinahe schon als Synthie-Pop bezeichnen kann. Hübsch ist der Kontrast zwischen recht tanzbaren, treibenden Electro-Sounds und dem gesprochenen Text. Irgendwie hat das etwas von einem Kinderlied, was jetzt nicht negativ gemeint ist. Im gleichen Stil geht es bei der B-Seite „Savior For The Nations“ weiter, wobei ich mich einmal mehr an frühe Werke von Anti Trust erinnert fühle. Zufall oder logische Konsequenz aus dem damals erschwinglichen Equipment? Auch textlich könnte das irgendwie ein Song von Haiko Herden sein. Wie es sich für eine 7“ Single gehört, ist die Platte aus schön fettem Vinyl und das Cover eine feste, bedruckte Papphülle. Dazu gibt es noch ein kleines Textblatt. Wie könnte man da zu einem anderen Urteil kommen als: liebevoll gestaltetes Sammlerstück für JEDEN Fan von Minimal-Electro Klängen? Da kommen doch richtig nostalgische Gefühle auf. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

GARTEN KIRKHOF - The Lost Tapes 1988 - 1994


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Infrastition / End003

Obwohl ich seit etwa 1987 weiß, was Death Rock ist und großer Fan dieser amerikanischen Mischung aus Gothic-Rock, Glam, Punk und Metal bin, habe ich von der Band GARTEN KIRKHOF bis vor kurzem nichts gehört. Die Band existierte von 1988 – 1994 und hat damals in den USA live gespielt und mindestens ein Demotape veröffentlicht. Nun hatte ich Anfang der 90er Jahre recht engen Kontakt zur Tapeszene, zur Gothicszene und auch in die USA und trotzdem ist diese Band total an mir vorbeigegangen, bis ich vor kurzem in einem Mailoder zufällig die CD „The Lost Tapes 1988-1994“ entdeckte. Die Beschreibung als Death Rock und die Tatsache, dass das fantastische französische Infrastition-Label diese CD veröffentlicht hat machten es mir leicht, die CD sofort zu bestellen. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass 2008 bereits auf Catastrophe Ballet Records – der Name spricht für sich – eine erste CD der Band mit alten Tapeaufnahmen erschienen ist, die sicher auch bald bei mir landen wird.
Tatsächlich liefern GARTEN KIRKHOF lupenreinen amerikanischen Death Rock ab, wie in Bands wie Christian Death („Only Theatre Of Pain“), T.S.O.L. („Dance With Me“) oder die frühen Mephisto Walz in den 80er Jahren definiert haben. Weitere Namen, die einem sofort einfallen sind Fade To Black, Shadow Of Fear, The Plague, Funeral Party, Voo-Doo Church und unzählige andere. Fans dieser Musik, wie ich auch nach über 20 Jahren noch einer bin, können bei GARTEN KIRKHOF ungehört zugreifen und werden begeistert sein von den wummernden Bässen, den schneidenden Gitarren, dem punkigen Schlagzeug und dem leidenden Gesang.
Dabei muss man bei dieser CD allerdings ein paar Abstriche beim Sound machen, denn es handelt sich überwiegend um Proberaumaufnahmen, Livemitschnitte und Demos, die etwas professionelleren Aufnahmen findet man wohl auf der CD von Catastrophe Ballet Records. Aber so kommt auch gerade der raue Charme der Songs rüber und als Death Rock-Fan ist man sowieso in jedem Moment glücklich, wenn man einen bisher unbekannten Song hören kann, denn leider kommt aus dieser Musikrichtung nicht mehr viel Neues, zumindest nichts, was noch originell ist. Die heutige junge Musikergeneration verbindet mit dem Begriff schlicht und einfach etwas anderes.
Ein schön gestaltetes Cover, ein paar Fotos, erläuternde Worte im Booklet und eben die aus heutiger Sicht sicher altmodische Musik machen GARTEN KIRKHOFs Album zu einer kleinen Perle für Old School-Gothics. (A.P.)

Webadresse der Band: www.infrastition.com

KIM KI O - Dans


Erstveröffentlichung: Mini-LP 2010 / Enfant Terrible / enfant18

Musik aus der Türkei verbindet man meist erstmal mit Popmusik, die einen orientalischen Einfluss hat oder in Deutschland mit „bösen“ Rappern. Dass es aber in der Türkei auch eine breite Underground-Szene gibt, ist weniger bekannt. Aber klar, in den letzten über 30 Jahren hat Punk und Wave auch den Weg nach Vorderasien gefunden und dem einen oder anderen ist die Ska-Punk-Band Athena noch im Gedächtnis, die vor ein paar Jahren mit „For Real“ beim Eurovision Song Contest heimlicher Sieger war.
Aber Wave-Sound von einer Mädchenband aus der Türkei ist dann doch ungewöhnlich und es ist dem Label Enfant Terrible hoch anzurechnen, dass es den Mut besitzt, eine Platte von KIM KI O in Europa zu veröffentlichen. Herausgekommen ist ein absoluter Geheimtipp, der hoffentlich bald eine breitere Hörerschaft findet. Die Mischung aus gutem alten Wave mit New Order-Bass, Shoegazer-Sound, der entfernt an Slowdive erinnert, etwas Minimal-Electro und Indie-Pop wie man ihn von Labels wie Sarah oder Creation kennt ist wirklich mehr als gelungen. Wer befürchtet, dass hier „typisch türkische“ Popmusik abgeliefert wird, sieht sich schnell getäuscht, denn wenn nicht die türkischsprachigen Texte wären, würde niemand ahnen, dass die Band eben nicht aus England, Holland oder Deutschland kommt. Wirklich einwandfreier 80er Wave-Sound, der wunderbar ins Ohr geht und problemlos auch auf Factory Records hätte erscheinen können. Vielleicht die schönste kleine Musiküberraschung des Jahres 2010. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

COMPLEX 7 - c7.09


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Eigenveröffentlichung

„c7.09“ ist die dritte Eigenveröffentlichung der deutschen „Technical.Progressive.Extreme.Metal“-Band COMPLEX 7. Selber bezeichnet die Gruppe diese professionell aufgemachte CD-R als „Demo“, was deutlich zeigt, dass sie noch in den alten Musikstrukturen verhaftet ist, wo nur eine Plattenfirma „richtige“ Veröffentlichungen auf den Markt bringen konnte. Wenn diese fünf Songs nur Demos sind, mit welchem Aufwand will man dann die endgültigen Versionen produzieren? Nein, eine Band sollte auch das Selbstbewusstsein haben, selber eine Veröffentlichung zu vertreiben und sich nicht selber mit der Bezeichnung „Demo“ klein machen.
Professionell sind die Aufnahmen allemal, technisch auch sehr gut, manche Gitarren-Parts erinnern tatsächlich an Progressive-Rock und Metal ist das ganze auch, verbunden mit einem ordentlichen Schuss Alternative-Rock. Nur, was daran „extreme“ sein soll, wie die Eigenbeschreibung suggeriert, ist mir nicht ganz klar. Da habe sogar ich als Nicht-Metal-Fan und -Kenner weitaus extremere Sachen gehört.
Dass das allerdings nicht meine Lieblingsmusik ist, muss ich wohl nicht extra sagen, insofern kann ich über die inhaltliche Qualität wenig sagen und auch keine Vergleiche zu anderen Bands ziehen.. Dass dies allerdings eine technisch absolut hochwertige Eigenproduktion ist, steht außer Frage und so sollten Leute, die eine kraftvolle Mischung aus Progressive-Metal und Alternative-Rock mögen ruhig mal reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.complex7.de

PLAYFELLOW - Carnival Off


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Poordog / Broken Silence

Nach dem Album ""Penumbra"" aus dem Jahr 2008 folgt nun ""Carnival Off"" zwei Jahre später. Mir gefiel ""Penumbra"" schon ziemlich gut, ""Carnival Off"" allerdings gefällt mir noch viel besser. Die Musik der Chemnizter PLAYFELLOW ist immer noch kaum in eine Schublade zu stecken, melancholischer Wave zwar irgendwie, aber auch recht verspielt. Die schönen Gitarrenwände werden durchzogen von der außergewöhnlichen Stimme von Toni Niemeier, der zwar niemals irgendeine Casting-Show überstehen würde, aber dafür jede Menge Charisma und vor allem Eigenheit und Wiedererkennungswert hat. Die Musik ist ein absoluter Genuss und verliert sich mitunter fast hypnotisch in ausufernden Instrumentalparts. Ich weiß gar nicht, ich bin hin- und hergerissen, denn einerseits bin ich der Band dankbar, dass sie ihre tolle Musik abseits der Radiokompatibität betreibt, andererseits hätten sie Potenzial, auch in den Charts neben Bands wie Coldplay, Stanfour oder Onerepublic zu bestehen, was ihnen durchaus zu gönnen wäre. (H.H.)

WOLFGANG JESCHKE - Der letzte Tag der Schöpfung


Erstveröffentlichung: Buch 1980 / Wilhelm Heyne / ISBN 3-453-31134-5

Als die USA hört, dass die Russen sich mit Zeitreise beschäftigen, versucht man in windeseile ebenfalls auf dem Gebiet vorwärts zu kommen. Tatsächlich hat man schon bald Erfolge, man schickt Zeitkapseln Millionen Jahre in die Vergangenheit und man findet sie tatsächlich in der Gegenwart wieder. Allerdings schafft man nur eine Reise in die Vergangenheit, zurückholen kann man noch niemanden. Doch die Navy und die NASA glauben, das sei nur eine Frage der Zeit, bis man auch das hinkriegen würde. Die Regierung hat derweil ein Großprojekt geplant: Man schickt unzählige Wissenschaftler und Soldaten mehrere Millionen Jahre in die Vergangenheit, in das zu dieser Zeit noch trockene Mittelmeerbecken. Ziel ist es, das Öl der Arabischen Staaten abzupumpen und mit einer Pipeline nach Europa zu fördern und dann in die Zukunft zu schicken. Auf der Wissenschaftler Steve Stanley wird in die Vergangenheit geschickt und er muss eine böse Überraschung erleben: Nicht nur die Amerikaner, sondern eine verhängnisvolle Allianz der Arabischen Staaten und der Sowjetunion waren in der Lage, in der Zeit rückwärts zu reisen. Es herrscht Krieg...

Dieser Zeitreise-Roman aus dem Jahr 1980/1981 des deutschen Autoren Wolfgang Jeschke ist zwar deutlich vom Kalten Krieg geprägt, aber trotzdem immer noch hochaktuell. Wie grundsätzlich bei Zeitreisegeschichten gibt es unzählige Unlogiken, über die man natürlich hinwegsehen muss, aber Jeschke versteht es, der Zeitreise-Thematik Aspekte abzugewinnen, die nicht so typisch und selbst aus heutiger Sicht, 30 Jahre später, noch nicht so durchgekaut sind. Spannend auch, dass in der Vergangenheit Menschen aus verschiedenen Zukünften aufeinandertreffen. Zudem wird hier noch der Atlantis-Mythos erklärt. Das Buch erschien 1981 in Deutschland und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, erhielt 1982 den Kurd-Laßnitz-Preis. 2005 erschien eine Neuausgabe in der Reihe ""Meisterwerke der Science Fiction"", zu der auch Frank Schätzing ein Vorwort schrieb. Insgesamt ist das Werk prädestiniert für eine große Verfilmung, hoffen wir das beste, obwohl bei der negativen Amerika-Aussage wohl kaum ein Hollywood-Studio sich trauen dürfte, da Hunderte von Millione reinzustecken. (H.H.)

DORO - 25 Years in Rock


Erstveröffentlichung: DVD + Audio-CD 2010 / Nuclear Blast / Nuclear Blast

DORO – 25 Years in Rock..and still going strong
- DVD/CD BOX -
"(VÖ: November 2010 Nuclear Blast)


Ich selber gebe zu Doro Pesch erst im November 2009 kennengelernt zu haben, als sich die Rockqueen und Band im Berliner Huxleys Neue Welt die Ehre gaben. Ihre Vorband bildeten „Krypteria“ mit denen ich für ihr Album „My Fatal Kiss“ zum Interview verabredet war. Ihre Musik hatte ich bis dahin nur gelegentlich am Rande registriert, aber lernte sie erst im Zuge der besagten „Fear No Evil“ Tour richtig kennen und lieben. Die Power die sie versprüht und die Liebe zu Musik die man spürt, haben mich abrocken lassen und um so trauriger war ich, dass ich das Konzert frühzeitig verlassen musste. Einige Monate später konnte ich „Doro – The Warlock Collection“ eine 3 CD Box mein Eigentum nennen, aber die Kracher der Tour fehlten mir und insbesondere die ganzen neuen Songs haben logischerweise gefehlt. Dann jetzt diese DVD/CD/Fotobuch Box „25 Years in Rock“ die im heimischen Wohnzimmer ein großartiges Jubiläumsfestival für alle Fans von Deutschlands Rock Lady Nummer 1 Doro Pesch erzeugt und die Tourkracher liefert. Außerdem setzt sie neue Maßstäbe in Sachen Dokumentation und Entertainment und hat mich persönlich zum absoluten Fan gemacht!

Es war zweifelsfrei ein bewegender Tag der 13. Dezember 2008 als Doro Pesch mit mehreren tausend Besuchern im ISS Dome ihrer Heimatstadt Düsseldorf ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum feierte. Was sie als Geburtstagsparty selbst auf die Beine stellte, konnte sie wie sie auf der Dokumentation DVD zugibt, damals gar nicht so richtig genießen, denn viel zu viel war zu organisieren um diese gigantische Party zu dem Event schlechthin werden zu lassen.
Doro hatte sich in den Kopf gesetzt, nachdem bereits das 20-jährige Bühnenjubiläum in der Düsseldorfer Phillippshalle ein Erfolg war, zum 25-jährigen noch eins oben drauf zu legen und buchte den ISS Dome. Auf der gigantischen Bühne mit über 4m Höhe sollte eine mystisch magische Burg zum Leben erweckt werden, die der Rock – Queen für 3h Konzertzeit die Heimstadt bieten wird. „Beim ersten Anblick der Bühne blieb mir fast das Herz stehen so schön war alles geworden. Beim Soundcheck waren auch alle Gäste gekommen und in mir wuchs die Aufregung immer mehr, ich wollte nur noch auf die Bühne und zu meinen Fans,“ gibt Doro ihren ersten Eindruck wieder.

Erst jetzt in Ruhe konnte sie die eingefangenen Bilder anschauen und ist überglücklich, denn ihr Jubiläumskonzert wurde tatsächlich zu jener Feier, die sie sich erhofft hatte. Als Überraschung wollte sie mit ihren Jungs gemeinsam schon Songs von ihrem damals neuen Album „Fear no Evil“ vorstellen, welches aber erst einige Wochen später veröffentlicht wurde – somit Stücke also, die vorher noch nie live gespielt wurden. Nach dem Intro ertönen mit „Earthshaker Rock“ und „I rule the Ruins“ zwei der altbekannten Stücke Doros, welche sich als Einstieg bestens eignen um die Stimmung des Publikums zu erfassen und anzuheizen. Mit „You're my Family“ bedankt sie sich musikalisch für die 25-jährige Treue ihrer aus aller Welt extra angereisten Gäste, denn ihre Fans bedeuten für Doro alles und bilden den Motor für ihr kreatives Schaffen.
Als weiteres Highlight sollte erstmals zum Song „Night of the Warlock“ der Warlock, das bandeigene Maskottchen, seine Premiere feiern. Beim Warlock handelt es sich um eine überdimensionale Konstruktion – wie man auf DVD auch in einem kleinen Film erklärt bekommt - die nur auf den Bühnen der allergrößten Hallen überhaupt genügend Bewegungsspielraum besitzt, um ihre volle Pracht zu entfalten. Die Schwierigkeit war, dass das fertige Modell keiner Generalprobe unterzogen werden konnte vor der Show. Bei heutigen Konzerten sichert eine ausgefeilte Kettenkonstruktion den Bewegungsmechanismus, aber vor drei Jahren wurde das Monstrum noch mit einem hinter der Bühne stehenden Gabelstapler, wie Doro auf DVD 2 belustigt erzählt, in die Höhe gehoben. „Als ich mich auf der Bühne singend umschaute, hatte ich dabei sogar Angst, das Ganze könnte umfallen und ausgerechnet auf unseren Schlagzeuger Johnny Dee knallen,“ gibt Doro ihre Bühneneindrücke wieder. Der DVD 1 „The Concert“ sieht man diesen Aufwand und die Sorge der Sängerin nicht an, sondern bewundert die Bühnenaufbauten und die Perfektion des Abends.
Den ersten Gast begrüßt Doro zum Song „Always live to win“ mit Bobby Blitz von der Band „Overkill“. Für Doro besitzt Bobby eine immense Kraft auf der Bühne und Präsenz, wie man diesem Duett auch deutlich ansieht und -hört. Wie Doro in der Dokumentation zugibt, war sie sehr froh, dass dieser erste Song mit Gast so reibungslos über die Bühne ging und Bobby vom Publikum als Duettpartner gemocht wurde. Nachdem es ordentlich gerockt hat bisher läutet Doro mit „Above the Ashes“ die erste Ballade ein. Nicht nur für Miss Pesch selbst ist es ihre Lieblingsballade, auch ich bekomme diese Melodie nicht mehr aus dem Kopf!
Der nachfolgende Titel „She's like Thunder“ erklingt wie eine Hymne und war auch wie sich in der Dokumentation herausstellt, genauso geschrieben worden. Die Profiboxerin Regina Halmich und Doro verbindet eine lange und tiefe Freundschaft und so entstanden für ihre Kämpfe drei Songs von Doro – unter anderem dieser. Wie Regina Halmich erzählt bewundert sie Doro dafür, dass sie inmitten einer Männerdomäne ihr Ding „durchgeboxt“ hat. Das erste direkte Kennenlernen verlief ungemein harmonisch und schnell war klar, dass man auf einer Wellenlänge liegt. Dieses Stück bildet ein musikalisches Dankeschön an Regina, welche im Übrigen auch vor dem Konzert die Metal – Queen dem Publikum angekündigt hatte. „Ich stand schon hinter der Bühne und hörte ihre lieben Worte und hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen,“ gesteht Doro.

Mit „Herzblut“ erklingt der erste Song des damals neuen Albums „Fear No Evil“ und Doro hatte inständig gehofft, dass ihr Publikum diesen annehmen würde. Bewusst hat sie sich auch für die deutsche Version des Stückes entschieden und freute sich, als schon nach wenigen Minuten lautstark „Herzblut“ mitgesungen wurde. Ein weiteres Highlight erklingt im Anschluss durch den ersten Song, welchen Doro je auf deutsch verfasst hatte: „Für immer“. Zwar schrieb sie ihn vor vielen Jahren in New York, aber schon damals spürte sie welch tolle Energie im Text liegt verströmt auch – oder gerade- im ISS Dome eine großartige Power.
Zu „Burn it Up“ hat sich Doro erneut Gäste auf die Bühne eingeladen, nämlich Jean Beauvoir und
4 Mädels der Rhinfire Cheerleaders. Wie wir von Doro erfahren, gibt es zwar diesen Düsseldorfer American Footballverein nicht mehr, aber nachdem Doro mit diesem Stück vor Jahren ihre Hymne geschrieben hat, verbindet den Verein und Sie eine enge Freundschaft. Für dieses besondere Konzert rief Doro an und fragte nach, ob sie ihr Konzert als Gäste bereichern würden. „Wir haben uns riesig gefreut Doro mal wieder zu sehen, nachdem wir uns immer schon gut verstanden haben,“
meint eine der Cheerleaderinnen auf der DVD Dokumentation.
Eine ganze Masse weiblicher Gäste stehen mit dem nächsten Stück „Celebrate“ auf der Bühne, so entdeckt man die Frontfrauen von After Forever, Leaves Eyes, Krypteria u.a. auf der Bühne um gemeinsam mit Doro in die Female Voice Version von „Celebrate“ einzusteigen und eine kraftvolle Partyhymne für Doro zu kreieren.

Einen weiteren brandneuen Song veredelte Doro mit der Ex Nightwish Sängerin Tarja Turunen, mit dem Titel „Walking with the Angels“. Doro war wie sie zugibt ganz aufgeregt, denn das Stück sollte ja beim ersten Mal schön rüberkommen und sich mit den alten Hits messen können. Tarja war hierfür eine tolle Wahl! Beide Sängerinnen lernten sich beim Abschiedskampf von Regina Halmich kennen und sind mittlerweile eng befreundet. Doro veredelte bereits für Tarja „The Seer“ ihrer Extended Special Version von „My Winter Storm“ und umgekehrt tat es Tarja nun Doro gleich.
Mit weiteren Gästen geht es Schlag auf Schlag, denn mit Chris Boltendahl und Rudi Pell singt Doro „East meets West“ um schließlich mit den Scorpions Jungs Klaus Meine und Rudolf Schenker „Big City Nights“ und „Rock me like a Hurricane“ anzustimmen. Seit gut zwei Jahrzehnten pflegt Doro mit den Jungs ein freundschaftlich-kollegiales Verhältnis.
Einen weiteren Höhepunkt setzte Doro nach kurzem Bühnenumbau durch das Intermezzo mit Mitgliedern ihrer ersten Band „Warlock“ - die Mitte der 80er Jahre die Initialzündung für die Karriere der Metal – Queen lieferten.

Wenn Doro zurückblickt auf diesen besonderen Abend, dann lacht sie und kommentiert: „Die Anspannung damals, der Stress.. Sechs Stunden nach dem Schlussakkord musste ich mich dann auch in ärztliche Obhut begeben.“ Heute mittels der DVD Box kann sie die Bilder genießen und schwärmt über das Bühnenlicht, den Warlock und ganz besonders über das euphorische Publikum.
Eingefangen haben das Megaevent zwölf Kameras und zu einem Augen- und Ohrenschmaus veredelt.

Auf der bereits erwähnten DVD 2 erhält der Rock – Fan Einblicke in die Hintergründe dieser Jubiläumsshow mit persönlicher Kommentierung von Doro selbst. Außerdem gibt es Live Mitschnitte vom 2.500. Doro Konzert und dem Summerbreeze Open Air 2007.
Die als Bonus beiliegende CD gibt mit 11 Mitschnitten vom Geburtstagskonzert noch eins ordentlich auf die Ohren. Ich für mein Teil werde mir diese 11 Songs auf den I-Pod laden um
die Atmosphäre des Abends auch in der S-Bahn durch Berlin vom Alexanderplatz zum Zoologischen Garten mit „East meets West“ zu genießen – passender geht’s ja kaum!!


(Maximilian Nitzschke)

OLAF SEIDER - Zeitenwende


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre Records

OLAF SEIDER kenne ich seit rund zwanzig Jahren, als er, genau wie wir vom Back Again, extreme aktiv in der damals florierenden Tapeszene waren. SEIDER war schon damals musikalisch extrem vielfältig interessiert und hat selber auch immer unterschiedlichste Musik in Bands und Soloprojekten gemacht. Zusätzlich hat er im neuen Jahrtausend auch verstärkt Hörspiele auf seinem eigenen Label Hörspiele-Welt produziert und veröffentlicht und dabei einige wirklich gute Sachen abgeliefert. Nach über zehn Jahren hatte er dann mal wieder Lust, eine Soloveröffentlichung zu produzieren und weil er schon immer eine Vorliebe zur Dark Wave-Szene hatte, bewegten sich die neuen Aufnahmen in Richtung EBM, Dark Wave und Dark-Electro mit deutschen Texten. Bei der Produktion nutzte er die Möglichkeiten des Internets, um die potentiellen Hörer an der Entstehung des Albums, das er als sehr persönlich bezeichnet und deshalb unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, teilhaben zu lassen. Mit Danse Macabre Records fand er schließlich einen starken Partner für den Vertrieb.
Zuerst einmal fällt auf, dass die Produktion ziemlich fett und gelungen ist, immerhin handelt es sich hier weitgehend um eine Eigenproduktion. Da merkt man schon, dass SEIDER seit über 20 Jahren im Musikgeschäft ist und dabei einige Erfahrungen gesammelt hat.
Für die Produktion des Albums hat er eine ganze Menge, teilweise sehr bekannte Gäste zur Unterstützung eingeladen.
Musikalisch geht es wie gesagt in die Dark-Electro-Richtung, wobei wohl vor allem viele Bands und Projekte aus den frühen 90er Jahren ihren Einfluss hinterlassen haben, von Umbra Et Imago über diverse Bands vom Celtic Cirle Productions-Labels wie yelworC, Pierrepoint und Page 12 bis hin zu experimentelleren Acts wie Placebo Effect oder Operating Strategies. Das kann man für wenig zeitgemäß halten, aber OLAF SEIDER mixt das alles zu seinem ganz eigenen Ding zusammen und aufgrund der guten Produktion sind einige Tracks absolut für die Tanzflächen geeignet, bestes Beispiel ist sicherlich „Goldener Käfig“. Etwas unpassend finde ich die, hoffentlich nur unbewusst, an Sopor Aeternus erinnernden Fotos von SEIDER auf dem Cover
„Zeitenwende“ ist auf keinen Fall ein musikalisch innovatives Werk, hat aber die Qualitäten, eine ganze Menge Leute in der heutigen „schwarzen Szene“ zu begeistern.
Neben der „normalen“ CD-Veröffentlichung gibt es auch noch eine spezielle, auf 100 Exemplare limitierte Promo-Edition im DigiPak mit verändertem Artwork. Fans und Sammler sollten also die Augen offen halten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.olaf-seider-coincidence.de

THE FALL - The Complete Peel Sessions 1978-2004


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2005 / Castle Music / Sanctuary Records / CMXBX982

Viel über THE FALL zu schreiben, sollte eigentlich nach über 30 Jahren Bandgeschichte nicht mehr nötig sein. Mark E. Smiths Band zählt sicher zu den einflussreichsten, die zur ersten Post-Punk-Welle zu zählen waren und ihre Mischung aus Punk, Alternative-Rock, New Wave, Pop und und und hat unzählige Bands nachdrücklich beeinflusst. Bis heute veröffentlicht Smith mit wechselnden Mitmusikern stoisch seine Idee von Popmusik. Sein nörgelnder, gelangweilter Gesang ist dabei längst zum Markenzeichen geworden.
Als eine der Lieblingsbands vom legendären Radio-DJ John Peel hat die Band von 1978 bis 2004 zahlreiche der berühmten Peel-Sessions für die BBC eingespielt. Gesammelt gibt es die jetzt in einer schönen 6-CD-Box mit fettem Booklet in einem stabilen Pappschuber zu einem recht günstigen Preis. Fast hundert Tracks pure Independent-Music-Geschichte mit Klassikern wie „New Puritan“, „Eat Y’self Fitter“, „Spoilt Victorian Child“, „Kurious Oranj“, „Strychnine“, „Hey! Student”, “Wrong Place Right Time” und vielen mehr.
Als Perle für Sammler und zum Einstieg in die vielfältige Welt von THE FALL ist die Box gleichermaßen geeignet. Musikgeschichte pur! (A.P.)

COMPILATION - Genotypes


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Genetic Music / gen030

In den letzten Jahren gab es jede Menge Bootlegs, die die Musik der frühen Minimal-Electro/Synth-Pop/New Wave…-Szene auf verschiedene Art präsentiert haben. Entweder als scheinbar endlose CD-R-Serien mit eher idealistischem Hintergrund oder als professionell produzierte CDs oder LPs, die in Mini-Auflagen zu horrenden Preisen unter die Leute gebracht werden und einen ganz klar kommerziellen Charakter haben. Gemein ist allen, dass die Bands und Musiker nicht informiert oder gar gefragt wurden und natürlich von den Gewinnen nichts sehen.
Dabei ist es heute dank der Möglichkeiten des Internet doch meist möglich, die ehemaligen Musiker ausfindig zu machen und Kontakt aufzunehmen.
Und wer sonst, als Genetic Music sollte sich also eines Projektes annehmen, das endlich mal einige der (kleinen) Klassiker offiziell und legal zugänglich macht? Zudem ist ein solcher Sampler doch ein schönes Geschenk zum 10-jährigen Label-Jubiläum. Dass die CD dann erst mit einem Jahr Verspätung erschienen ist, ist eine sympathische Randnotiz.
In einem schlicht-schön gestalteten DigiPak und mit informativem Booklet versehen gibt es hier 15 kleine Hits aus den letzten 30 Jahren zu hören, die sich durchweg im Bereich Minimal-Electro, New Wave und Synth-Wave bewegen, wobei bekanntere Szene-Hits sich mit unbekannteren Perlen abwechseln. Dabei ist bemerkenswert, wie gut die Auswahl zusammenpasst.
Stücke von CINEMA 90, MECANO, CIARAN HARTE, SEPPUKU oder die fantastischen HYSTERICA PASSIO werden so aus den dunklen Bootleg-Gewölben ans Licht geholt und erfahren endlich die Verbreitung, die sie verdienen. Brillant auch STEVEN GRANDELL, der die perfekte Mischung aus UV Pop, For Against und Frozen Ducks abliefert oder LOW CLASS, die klingen, als wenn Mark Lane oder Gary Numan bei Factory Records veröffentlicht hätten. Wunderbar auch, dass die leider weitgehend vergessenen SECESSION mit ihrer Single „Betrayal“ dabei sind. Ihr „Touch“ gehört seit einem viertel Jahrhundert zu meinen All-Time-Top 10. Schön auch SIEG ÜBER DIE SONNE, die mit ihrer ersten Single Ende der 80er Jahre in einer Reihe von anderen Bands dieser Zeit stehen wie Vision Factory, The Proximate Force, Cradle Of Spoil oder Teeanage Brain Surgeon – Ruhrpott-Wave nannten wir das damals. Dazu noch interessantes, spannendes und großartiges Material von Bands und Künstlern wie URGE, DR. NUMA, REAL TIME MUSIC, ALIVE SHE DIED, LEE NEGIN und JESSICA DENTON & PATRIK FITZGERALD.
Man muss Genetic Music wirklich dankbar sein, diese sicherlich langwierige und wahrscheinlich auch manchmal nervenaufreibende Arbeit auf sich genommen zu haben, um die Musiker ausfindig zu machen und ihnen dann das “OK” zur Veröffentlichung aus dem Kreuz zu leiern. Herausgekommen ist dabei einer der besten Sampler dieser Richtung, der vollkommen ohne jeden Ausfall daher kommt und sich sowohl als Geschichtsstunde für Jüngere eignet, aber auch als Nostalgieprodukt für alte Säcke wie mich. Außerdem zeigt die Zusammenstellung einmal mehr, dass viele der damaligen Musiker wirklich innovativ waren und auch heute nicht altmodisch klingen. Sampler des Jahres 2010! (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

NEUROBIT - Till It All Fades Away


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2010 / Enfant Terrible / petit enfant 007

Erstmals gehört von NEUROBIT hat man auf der “Kamp Holland”-Compilation, nun liegt auf Enfant Terrible die erste eigene Single des holländischen Projekts vor. Herausgekommen ist eine mysteriöse Platte, die zwei elektronische Experimente abliefert, die irgendwo zwischen Kraftwerk (die weniger poppige Seite) und elektroakustischer Musik im Stile von Artemiy Artemiev anzusiedeln ist. Trotz absolut minimalistischer Electroklänge, kann man das nicht als Minimal-Electro bezeichnen, das heißt Fans dieses Stils werden vielleicht überrascht sein. Der Bezug zu Experimentalmusik und Klangforschung ist da schon größer und hier und da erinnert es etwas an die späten Aufnahmen von Notstandskomitee. Das ist ausgesprochen spannend und auf Singlelänge aufregend. Ob man ein ganzes Album in diesem Stil durchhält, vermag ich nicht zu sagen. In dieser Form aber empfehle ich die Platte, die auf 300 Exemplare limitiert ist, Leuten, die leicht psychedelische und ausgesprochen klare Elektronikmusik mögen. Würde sich auch gut als Soundtrack zu einem 70er Jahre Science Fiction-Film aus Russland eignen. Interessanterweise sind die Aufnahmen in 33 und 45 Umdrehungen/Minuten anhörbar. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl


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