SCHANDMAUL - Traumtänzer


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Fame Recordings / Fame Recordings

Schandmaul – Traumtänzer
"(VÖ: 28.01.2011 Fame Recordings)


Hurra endlich ist es soweit und Schandmaul melden sich fulminant zurück! Hatten sie sich nach ihrem Jubiläumskonzert 2008 im Münchner Zenith vorerst etwas aus der Öffentlichkeit zurück gezogen und sich selbst eine konzertfreie Zeit verordnet, ging es im April 2010 erneut ins Studio
um das neue Kind aus den Anderswelten fortzuführen und zu einem „Traumtänzer“ werden zu lassen. Fans und Liebhaber mittelalterlich angehauchter Geschichten von Schandmaul hatten bereits sehnsüchtigst auf ein Lebenszeichen aus dem Süden Deutschlands gewartet und um so größer ist nun die Freude und Euphorie. Wie Anna Kränzlein im Gespräch mit unserem Magazin zugab, waren die Batterien nach dem Jubiläumskonzert 2008 erst einmal ausgebrannt. Dieses bewusste Konzert im Münchner Zenith war für alle daran Beteiligten ein ganz großes Ding und mit viel Druck verbunden, denn zum einen war sich Schandmaul bewusst, dass etwa 7000 Menschen nur für dieses eine Konzert anreisen werden und außerdem auch noch eine DVD produziert wird. Bevor das eigentliche Konzert überhaupt begann, sangen die Fans vor der Halle bereits lautstark Schandmaulsongs und feierten das Geburtstagskind. „Die Euphorie in der Halle war extrem krass, wenn ich mal die In – Ears raus genommen habe war es eine immense Lautstärke und so war das ja die gesamte Konzertzeit, ein Wahnsinnsfest! So richtig setzte die Nachrealisierung dann erst zu Hause ein, denn ich war zu nichts mehr fähig, weder einfach ein Buch lesen, Fernsehen nichts und da war mir dann erst richtig bewusst, welchen Druck wir uns eigentlich gemacht hatten.,“ gesteht Anna. Die Zeit danach waren Schandmaul nun keineswegs untätig, denn auch wenn eine konzertfreie Zeit angeordnet wurde, in den Köpfen reiften bereits die ersten Ideen für die neue CD.

Texte wie „die Rosen“ von Thomas Lindner geschrieben, oder „der Alchimist“ von Birgit verfasst, waren so die ersten Stücke die am entstehen waren. Beide Texte sind durch und durch stilistisch Schandmaul, Thomas Lindner der Geschichtenerzähler der uns einmal den verzweifelten Alchimisten vorstellt, der über seine eigene Suche nach einem Ausweg aus der Dunkelheit den Ausweg der ihm Hoffnung verspricht nicht mehr sieht. Energiegeladen und kraftvoll untermalt mit Dudelsack, Schalmeien, Geige Schlagzeug und Gitarren entstand letztlich ein mutmachender Song an den Hörer die Augen vor dem Wesentlichen nicht zu verschließen. „Die Rosen“ hingegen ist eine Ballade, mit zarten Gitarren und Dudelsackklängen eingeleitet, singt Thomas von der Kraft der Liebe und der stetigen Suche nach ihrer Erfüllung. Für mich persönlich ein sehr poetischer Song und was auffällt, Thomas Lindner versteht immer besser seine Stimme Atmosphäre fördernd einzusetzen. Vorbei die Zeiten, dass man Texte durch verschluckte Artikulation nicht verstehen würde, jedes Wort sitzt und trifft den Hörer mitten ins Herz. Im Frühjahr 2009 etwa entstand der Text „Bis zum Morgengrauen“ von Anna Kränzlein geschrieben, an deren Entstehung sich die charmante Geigerin noch genau erinnert. Wenn der Hörer im Titel eine Assoziation mit Twilight herstellt, so kommt diese nicht von ungefähr. In der Tat hatte Anna das Buch von Stephanie Meyers gelesen an einem sehr heißen Tag und das Fenster offen gelassen, als es bereits dunkel wurde. Plötzlich überkam sie eine Angst, dass es doch Vampire geben könnte, dass als Angstbewältigung in dem Moment dieser Text entstand. Natürlich wurde er dann so verfasst, dass Thomas ihn singen konnte aus Sicht eines Mannes, aber die Grundidee entstammt also tatsächlich dem Roman. Entstanden ist aus dem Text ein sehr hymnenartiger Song, nicht zuletzt durch den Refrain „Bis zum Morgengrauen sind wir beide vereint! Bis zum Morgengrauen ein Wesen der Nacht!“ bedingt, der sich mir eisern im Kopf festgebrannt hat.

Dieses Album klingt unbeschwert und ist geprägt von der reinen Spielfreude der Schandmäuler die fast schon vor Energie und Power zu strotzen scheinen, wobei sich extrem tanzbare Stücke sehr harmonisch mit sanften Balladen abwechseln und so auch dem Hörer kleine Ruhepausen gönnen.
Anna Kränzlein bestätigt mir, dass dadurch dass die Band bereits schon im April 2010 im Studio war zur Aufnahme des Albums der Druck in kurzer Zeit eine Platte produzieren zu müssen herausgenommen war. Während etwa „Anderswelt“ sehr perfektionistisch komponiert und eingespielt wurde, überwog bei „Traumtänzer“ eine Grundlockerheit der Band die Spaß und Freude am Stil und den Instrumenten der Schandmäuler auslöste. Diese Lockerheit spürt man auch beim Hören der Stücke, musikalisch wie auch textlich finde ich. Kaum zu glauben, dass etwa der Titelsong „Traumtänzer“ gleich zu Beginn der Platte einstmals sperrig gewesen sein soll, denn
an Speedfolk erinnert das Intro durch diverse Pfeifen und auch Thomas passt sich gesanglich dem Tempo an, lediglich der Refrain ist wieder ruhiger gehalten. Ich halte ihn für äußerst gelungen und versteh ihn auch textlich als einen „Übergangsboten“ zwischen der „Anderswelt“ und ihrer Realität
hin zu den Träumen und ihren versteckten Botschaften. „Ich träum vom Glück, schau nie zurück, Traumtänzer, ich führ dich in den Traum hinein, und er soll dein Begleiter sein.“
Ebenso wenig erscheint dem Hörer „Schwur“ als sperrig, dabei hatte auch hier Schandmaul länger daran gearbeitet, bis er so unverkrampft klingt wie jetzt. Dudelsackklänge leiten den Gesang ein in Kombination mit Schlagzeug und geben den Worten zusätzliche Tiefe, in der Überleitung zum Refrain setzt dann Annas virtuos gespielte Geige ein und lässt den eigentlichen Schwur vollends zur Geltung kommen „Ich hab es Dir geschworen, meine Worte sind die Welt, diese Kraft mich stetig hält!“

Auf einen weiteren Song möchte ich gern noch eingehen, da er den Motivsong für einen Roman bildet, eingeleitet mit Gitarrenklängen und Dudelsack steigert sich „Geas Traum“ stilistisch zu einer Hymne, die textlich sehr lyrisch von Thomas verfasst wurde. Frei nach Motiven des brandneuen Fantasy Romans „Infinity – der Turm“ von Wolfgang Hohlbein halte ich ihn für sehr gelungen und ungeheuer stark. In mir etwa hat er nun die Neugier auf Hohlbeins neuestes Werk geweckt! Entstanden ist zu diesem Stück auch ein Video, welches für mich recht untypische Schandmaulzüge aufweist, nicht vom musikalischen Aspekt her, sondern vor allem vom optischen – aber seht am besten selber mal! Die bisherige Resonanz auf „Traumtänzer“ meint Anna Kränzlein sei, was sie so hören, lesen und letztlich durch die Releasepartys auch sehen, ist durchweg positiv. Die Fans sind froh und dankbar Schandmaul wieder zu haben und das mit einem Album, dem man die unbändige Spielfreude, das Talent für witzige und nachdenkliche Geschichten und musikalisches Können in gelungener Mischung anhört. Ich finde besser hätte sich Schandmaul nicht zurückmelden können und gerade nach einer Pause solch ein Album herauszubringen ist Anlass zu sagen, wenn danach ein Album wie „Traumtänzer“ entsteht, „macht ruhig öfter Pause fg!“






























(Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: info@schandmaul.com
Webadresse der Band: www.schandmaul.com


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