SCHANDMAUL - Traumtänzer




Interview zu „Traumtänzer“ mit Anna Katharina Kränzlein der Band Schandmaul im Rahmen der Recordreleaseparty im Berliner K17

Backagain: Nach eurem Wahnsinnskonzert in München anlässlich des 10jährigen Bandbestehens habt ihr euch eine Auszeit genommen und aus der musikalischen Öffentlichkeit herausgezogen, war es denn auch möglich die Batterien aufzuladen, wenn doch bereits das neue Kind „Traumtänzer“ darauf wartete geboren zu werden?

Anna: Wir hatten uns eine konzertfreie Zeit verordnet das stimmt um die eigenen Batterien gerade auch nach diesem Konzert wieder neu aufladen zu können. Dennoch war es für uns insgesamt keine unproduktive Zeit, denn in der Tat reiften bereits die Songs für Traumtänzer, die auch einstudiert sein wollten. Außerdem hat Birgit vor noch nicht allzu langer Zeit ein Kind zur Welt gebracht und erholt sich noch etwas, deswegen ist sie heute Abend auch nicht dabei. Sie möchte natürlich unbedingt auf der Tour dabei sein, aber wir haben vorsichtshalber, falls es ihr doch zu viel wird, im Hintergrund einen Bühnenersatz für Birgit angelernt. Was das aufladen von Batterien anging, konnte ich für mich selber innerlich sehr zur Ruhe kommen und genoss es sehr über längere Zeit hinweg zu Hause zu sein, im eigenen Bett zu schlafen und auch soziale Kontakte wieder zu pflegen.
Durch Schandmaul und das viele Touren bleiben diese gerne einmal auf der Strecke und hierfür war nach langer Zeit wieder Raum gegeben. Des weiteren konnte ich mein Soloprojekt Anna Katharina weiter vorantreiben und mit Saitensprünge meine zweite Soloplatte präsentieren. Ich habe also für mich selbst sehr viel hinzugewonnen an Kraft und neuen Einflüssen, die sich letztlich auch bei Schandmaul widerspiegeln werden.

Backagain: Wir hatten gerade auch Sinnfonie angeschnitten, die Dokumentation eures Megakonzertes in München. Ich hab euch noch nie so aufgeregt gesehen in all den Jahren Schandmaul, wie wenn ihr die Bühne betretet für dieses Konzert. Heute mit etwas Abstand, habt ihr denn Gelegenheit gehabt wirklich zu realisieren was da gerade in der Halle abgeht?

Anna: Das Jahreskonzert war für uns alle ein ganz großes Ding und mit einem Riesendruck verbunden das stimmt schon. Erst einmal wussten wir ja das dieses Konzert für eine DVD aufgezeichnet wird und obendrein war das Konzert selber komplett ausverkauft, was also hieß das 7000 Menschen auf uns warteten und mit Bussen teilweise extra angereist sind. Wir dachten ganz oft, dass muss richtig krachen und perfekt sein. Vor der Halle standen die Leute und sangen so laut, dass wir trotz geschlossenem Fenster jede Strophe unserer Songs noch verstanden haben. Das war eine Riesenehre aber auch gleichzeitig sehr unwirklich – wie sehr werden wir hier eigentlich gerade gefeiert. Natürlich waren wir dadurch mitbedingt richtig aufgeregt, wobei ich für mich sagen muss, kaum war ich auf der Bühne lief das Ding dann auch und die Spannung löste sich etwas. Die Euphorie in der Halle war extrem krass, wenn ich mal die In – Ears raus genommen habe war es eine immense Lautstärke und so war das ja die gesamte Konzertzeit, ein Wahnsinnsfest! So richtig setzte die Nachrealisierung dann erst zu Hause ein, denn ich war zu nichts mehr fähig, weder einfach ein Buch lesen, Fernsehen nichts und da war mir dann erst richtig bewusst, welchen Druck wir uns eigentlich gemacht hatten.

Backagain: Nun steht das neue Kind als ein „Traumtänzer“ in den Regalen, kannst du uns denn etwas zu deinen geschriebenen Texten erzählen, welcher war vielleicht sogar der früheste?

Anna: Mhmm.*überlegt* Ich glaube der Alchimist war sehr früh schon fertig und von Thomas geschrieben die Rosen – ja das müssten die ersten beiden gewesen sein. Wobei meine Texte teilweise noch früher entstanden sind, bevor die anderen ihre Ideen vorgetragen haben. Im Frühjahr 2009 ungefähr dürfte der Text zu 'Bis zum Morgengrauen' entstanden sein. Ich erinnere mich noch, es war eine furchtbar heiße Nacht und ich hatte mich in Stephanie Meyers Roman vertieft. Das Fenster hatte ich während des Lesens offen gelassen und plötzlich, längst war es dunkel draußen, zog so ein sanfter Windhauch herein. Da bekam ich plötzlich Angst und Zweifel ob es nicht doch Vampire gibt und holte mir Stift und Papier, so dass letztlich dieser Song entstand – eine Art Angstbewältigung kaum war er fertig ging es mir auch wieder gut. Ähnlich war es mit dem Song 'Der Pakt' der ist an einem Tag entstanden wo es mir nicht so gut ging und ich hatte mich hingesetzt um mir selber wieder ein positives Gefühl zu geben, was letztlich auch funktioniert hat.

Backagain: Gab es denn Texte die im Zugang besonders schwierig umzusetzen waren musikalisch?

Anna: Oh ja die gab es, ich erinnere mich das 'Traumtänzer' relativ sperrig war, irgendwie klang es wie Kindergottesdienst und nicht nach Schandmaul und eines Tages war er dann so wie wir uns das vorgestellt haben. Auch an 'der Schwur' haben wir ewig herumgetan bis der mal so war wie er sein sollte.

Backagain: Wann genau seit ihr denn dann ins Studio gegangen?

Anna: Im April 2010 sind wir dann ins Studio gegangen, wobei die Jungs 2 ½ Wochen im Studio waren und wir Mädels dann 1 Woche. Thomas war dann noch in Berlin zum einsingen der Stücke im Studio unabhängig von uns anderen. Wir waren diesmal auch in einem super schönen Studio im Münsterland, einem alten riesigen Backsteinbau inmitten der Natur. Das war ideal, denn es lenkt dich einfach nichts ab und du kannst dich voll auf die Musik konzentrieren. Die Atmosphäre insgesamt war auch sehr familiär, fast jeden Abend hat einer für alle gekocht und so war es ein sehr entspanntes arbeiten.

Backagain: Man bekommt auch beim hören des Albums den Eindruck, dass ihr sehr viel Ruhe hattet, Zeit die Stücke reifen zu lassen, und weniger unter Druck standet.

Anna: Nun wir waren eben schon so früh im Studio und wussten, dass bis zur Veröffentlichung noch immens viel Zeit ist, sprich wir hätten wenn die erste Aufnahme Mist gewesen wäre nochmal aufnehmen können. Damit war ein großer Druck in kurzer Zeit ein Album zu produzieren von vorn herein herausgenommen. Es ist bei uns eh oft interessant, bei dem Album 'Anderswelt' waren wir alle eher so, dass Perfektion herrschte und jede Minute der Aufnahme durchgeplant war, während der Produktion zu 'Traumtänzer' hingegen zeigte sich eine Grundlockerheit in der Band und die Lust Spielfreude zu vermitteln und weniger perfekt sein zu müssen.

Backagain: Wie sind denn die bisherigen Reaktionen auf das neue Album, was könnt ihr so feststellen?

Anna: Was wir lesen und durch die Releasepartys sehen und hören ist sehr positiv. Wir und der 'Traumtänzer' werden unglaublich gefeiert und das Album super gut angenommen. Wir spüren Dankbarkeit der Fans wieder musikalisch da zu sein, und Begeisterung für das neue Material. Wir haben schon öfter jetzt zu hören bekommen, 'wenn nach einer Pause solch ein Album entsteht, macht öfter Pause' grinst Sicherlich allen Recht machen kannst du es eh nicht, wobei wir da auch sehr stark auf uns selbst vertrauen in den Meinungen zum Album und wir alle sind sehr glücklich damit.

Backagain: Ihr geht demnächst auf 'Traumtänzer – Tour' ohne zu viel schon zu verraten, was wird uns erwarten können?

Anna: Auf jeden Fall 100% Schandmaul ganz ohne Gäste, da oben stehen wir und präsentieren unser neues Album live. Es werden sehr viele der neuen Stücke zu hören sein, gemischt mit älteren Stücken, so dass die Mischung passt! Für die Festivalsaison ist derzeit fest das Zita Rock Festival hier in Berlin geplant und ein Konzert mit In Extremo in Hamburg auf der Trabrennbahn. Wave Gotik Treffen oder Mera Luna sind wir dieses Jahr gar nicht eingeplant!

Backagain: Dann herzlichen Dank und Viel Vergnügen heute Abend! (Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: info@schandmaul.com
Webadresse der Band: www.schandmaul.com


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