SCHANDMAUL - Wahre Helden


Erstveröffentlichung: CD 1999 / Fame Recordings / Fame Recordings

Schandmaul – Wahre Helden
"(1999 Fame Recordings)


Nach 13 Jahren Schandmaul wieder einmal in das Erstlingswerk der bajovarischen Spielleute hineinzuhören ist ausgesprochen lustig, denn gerade steht „Traumtänzer“ frisch in den Regalen und bereitet sich die Band auf die bevorstehende Tour 2011 vor. Viele Jahre sind seither vergangen, aber
eines ist trotz der Weiterentwicklung hörbar gleich geblieben, nämlich das Gespür für entweder sehr treibende Rhythmen die mitreißen oder aber sanfte Melodiebögen.

Bereits der Auftakt „der Spielmann“ erzählt vom Leben der Spielleute mit Pfeifenklängen und Schlagwerk unterlegt. Die schönsten Lieder werden dem Barden geschenkt, die Frauen fliegen ihm regelrecht zu, aber all dies konnte nur mit Hilfe des Teufels geschehen mit welchem der Barde im Bunde steht. Als dieser jedoch an die Frau seines Herzens gerät, wird der Bund mit dem Teufel fast zum Fluch. Das zweite Stück „Dudelzack“ ist eines der ersten rein instrumentalen Stücke von Schandmaul und hier zeigt sich schon früh die Qualität der Instrumentalstücke Schandmauls, ihre Eingängigkeit und das hohe Maß an Tanzbarkeit. Allerdings was dem Stück aus heutiger Sicht wohlgemerkt noch fehlt ist das filigrane was Schandmaul heute besitzen, mal ein längeres Geigensoli hier oder den Klang der Drehleier exponiert herausgehoben, was mehr noch zählt ist das Gesamtklangbild. Das Stück „Teufelsweib“ ist heute aus keinem Liveprogramm der Schandmäuler mehr wegzudenken, frech und rotzig singt Thomas Lindner den Text von dem jungen Mann der sich angezogen fühlt von einer Dame des horizontalen Gewerbes. Er ist bereit ihr alles zu geben, stößt bei ihr damit jedoch auf Granit denn „Sie hätte es nur für Geld gemacht!“. Geige, Dudelsack und Schlagwerk untermauern die Stimmung des Stückes und machen es ganz klar zum ersten Hit des Albums. Im wahrsten Sinn des Wortes erklingt ein weiteres Instrumentalstück „Blechpfeiferl“ auf eben jener eingespielt, welches gerade durch den weichen hohen Ton eine harmonische Klangfarbe entwickelt, die die Spielfreude der Band einmal mehr verdeutlicht. Pfeifen und Gitarrenklänge begleitet vom Schlagzeug leiten den Song „Denk an mich“ ein, der einen weiteren Beweis für die erzählerische Kraft von Schandmaul bildet. Der junge Sänger warb um die Dame eines anderen Herren und betrieb Minne, was den Ehemann nun dazu verleitet hat, eben jenen Jüngling hängen zu lassen. Dieser singt trotzig „Vielleicht denkst du später ja mal an mich, ich war der Knabe der stirbt für dich“.. Das Stücklein „Püree“ ist ein erneutes Instrumentalstück, welches insbesondere der Drehleier besonders viel Raum lässt ihr Klangspiel zu entfalten. Hier kommt das Mittelalter verstärkt durch und weckt Assoziationen zu schwungvollen Tanzgelagen. Die ersten Anlagen für wunderschöne Balladen sind auch schon 1999 gelegt, denn ich persönlich finde „Willst du“ eine der ersten wunderschönen Balladen, wenngleich auch Thomas Lindner leider stimmlich noch etwas nuschelt und nicht jede Silbe bis zum Letzten aussingt. Nur durch Flötentöne und sanft angespielter Gitarre singt Thomas von der Kraft der Liebe, dem Gefühl der Verliebtheit und der Konsequenz der Liebsten einen Heiratsantrag zu machen. „Sieh du schöne was ich habe, willst du diesen Ring von mir? Streif ihn über und dann sage, ja fortan gehör ich dir!“
Der Titeltrack der CD „Wahre Helden“ steht erstaunlicher Weise erst an zehnter Stelle der CD überhaupt und wird mit Drehleier und Dudelsack eingeleitet. Mit viel Witz ist der Text versehen, denn was tut der Angebetete nicht alles um von der liebestollen schwergewichtigen und von Mutter Natur unvorteilhaft ausgestatteten Dame auszureißen. Ein Händchen für das Verfassen von tragisch – komischen Texten besaß Thomas Lindner schon damals und verfeinerte es im Laufe der schandmäulerischen Jahre noch ganz gewaltig. Ein nettes kleines Liedlein, welches gern auch in geselliger Runde bei Met und Bier gesungen wird, bildet das „Trinklied“, welches die Geselligkeit lobt und zum trinken animiert. Sicherlich musikalisch keine Höchstleistung, aber einfach amüsant und fröhlich zum mitsingen geeignet.

In diesem Sinne hat „Wahre Helden“ bereits alles was Schandmaul auch heute noch ausmacht, nachdenkliche und fantasievolle Geschichten, Instrumentalstücke, Lieder zum mitsingen, hörbaren Spielspaß, wenngleich natürlich noch nicht in der Qualität und Experimentierlaune wie 13 Jahre später – angesichts der Jahre und Erfahrung die Schandmaul mittlerweile haben, ja aber auch kein großes Wunder oder? Ich erinnere mich daran, als ich 2000 herum das erste Mal die CD hörte, war ich noch wenig davon überzeugt, dass Schandmaul einmal einen solchen Erfolg feiern würden, wenngleich mir das Debüt schon gut gefiehl, denn der mittelalterliche Markt brachte immer wieder einmal vielversprechende Bands hervor, die dann doch durch Austauschbarkeit wieder in der Versenkung verschwanden. Nicht so Schandmaul, sie blieben ihrem Stil treu, verfeinerten und perfektionierten ihn und haben sich völlig zu recht eine Fangemeinde geschaffen die 2008 bewies, wie klein doch die immerhin 7000 Menschen fassende Halle des Zenith in München wirken kann, wenn dort Schandmaul – Fans „ihrer“ Band zum Geburtstag gratulieren wollen. Hut ab – Respekt Jungs und Mädels!



(Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: info@schandmaul.com
Webadresse der Band: www.schandmaul.com


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