SCHANDMAUL - Von Spitzbuben und anderen Halunken


Erstveröffentlichung: CD 2001 / Fame Recordings / Fame Recordings

Schandmaul – Von Spitzbuben und anderen Halunken
"(VÖ: 2001 Fame Recordings)


Ganze zwei Jahre sind nunmehr vergangen seit mit „Wahre Helden“ die Schandmäuler ihre musikalische Laufbahn begannen und wie sie im Booklettext selber schreiben, hätten sie nie gedacht, als sie sich 1998 aus einer Laune heraus in Olching in einem kleinen Proberaum zusammenfanden, um der Neugier nach neuen musikalischen Projekten zu frönen, dass ihnen einmal eine solche Resonanz entgegen gebracht würde. Nur ein halbes Jahr später etwa erschien auf vielfachen Wunsch das Debütalbum „Wahre Helden“, welches sich in ganz Deutschland und Österreich unzählige Male verkauft hat. Sie spielten plötzlich mit Bands zusammen, die sie bis dato nur aus dem eigenen CD Regal kannten – oder als Zuschauer vor der Bühne. Open Air Termine und Festivalauftritte folgten und Schandmaul stand im Rampenlicht. 2000 spielten sie auf Europas größtem Folk- und Weltmusikfestival in Rudolstadt und wurden zur großen Überraschung mit dem Folkpreis 2000 ausgezeichnet. Neben all diesen Terminen musste nun noch Zeit gefunden werden sich zum Üben in den Proberaum zurückzuziehen und neue Songs und Texte zu verfassen.
Somit entstanden nun 12 weitere Songs der Schandmäuler die von „Spitzbuben und anderen Halunken“ erzählen. Was beim durch hören auffällt ist, dass sich vorwiegend Stücke auf dem Zweitwerk befinden, die nicht rein instrumental gehalten sind, sondern hingegen durch freche, frivole oder nachdenkliche Texte ins Ohr gehen.

Kraftvoll und energiegeladen meldet man sich mit dem Opener „Herren der Winde“ zurück. Im Grunde kann man den Text als eine Selbstdarstellung des eingeschlagenen Weges als Spielleute verstehen, denn unweigerlich weitergetragen wird der Protagonist des Stückes durch seinen Gesang.
Er kann sich selbst nicht mehr entfliehen und spürt wie sehr die Welt durch seinen Klang erfüllt wird. Drehleiern, Gitarre, Schlagzeug und Geigenklänge erklingen in einer harmonischen Einheit die schon im ersten Stück Lust machen, auf das musikalische Gepäck, welches uns Schandmaul mitgebracht haben. Die Schläge eines Schmiedes leiten die Ballade „Der junge Sigfrid“ ein, welche von den Jugendjahren des jungen Abenteurers Sigfrid erzählt, den man später den „Drachentöter“ nennen wird und letztlich sein Ende durch die List eines anderen finden wird. Schalmeien begleiten die Schläge, sowie exponiert diesmal das Geigenspiel von Anna Kränzlein. Deutlich hört man die gewonnene musikalische Stärke heraus, welche schon im Debüt angelegt war, aber bei weitem noch nicht so ausgefeilt wurde. Lautstark meldet sich die Schalmei als „Die letzte Tröte“, nachdem der Herrscher seinem Volk die Musik verwehren möchte um nur ihm zu huldigen. Nur eine Tröte fand er nicht, nachdem er alle anderen zerstören lies, und so holt sich das Volk zurück was es begehrt.
„Doch meine Tröte fand man nicht, Ich stand da, spielte meine Lieder, die Leute scharrten sich um mich. Wir zogen los, holten sie uns wieder..“ Etwas ruhiger angelegt ist die nächste Geschichte der Schandmäuler „Eine Waldmär“. Was nützt jede Warnung, wenn die Zuneigung und Liebe überwiegt und die Vernunft des Jünglings dahin ist. Warnt der Vater ihn noch, nicht in den verfluchten Wald zu gehen, so wird er angelockt von der Schönheit eines jungen Mädchens und findet sich im dichtesten Unterholz plötzlich einer Kreatur gegenüber. So kommt es wie es kommen muss: „Habt Ihr es schon gehört oder soll ich es Euch sagen? Im eigenen Blut lag der Knabe erschlagen!“ Die Qualität Brutalität und Tragik in schön erklingende Lieder mit Tiefgang zu verwandeln kommt vollends hervor und wird über all die Jahre Schandmaul begleiten und nicht zuletzt zum immensen Erfolg beitragen. Mit „der Powerdudler“ erklingt das erste Instrumentalstück der CD und rockt mit Drehleier und Schlagwerk ordentlich ab, mal steht der Sound der Drehleier mal das Schlagzeug im Vordergrund, ein echter kleiner Ohrenschmaus! Die Vermischung von Tragik und Romantik zelebriert das nächste Stück, als Ballade vorgetragen und mit Geige und Drehleier begleitet, mit dem Titel „die goldene Kette“. Nachdem der Vater aus dem harten Krieg zurück gekehrt ist an den heimischen Hof fragt ihn seine Tochter, ob er ihr etwas mitgebracht hätte und so gibt dieser ihr eine goldene Kette, für die er einem Feind den Tod gab. Doch statt sich zu freuen schreit sie ihn an, entreißt ihm das Kleinod und rennt fort. Diese Kette gab sie im Frühling selbst aus der Hand an ihren Liebsten, den nun der Vater umgebracht hat. So sucht sie das Grab des Geliebten und erwartet nun dort selbst den Tod, als er sie ereilt zahlt sie die Kette als Lohn an den Tod. Ich denk gerade diese Stücke sind es, die Schandmaulfans über all die Jahre so begeistern, denn hier werden die großen Gefühle angesprochen: unschuldige Liebe, tiefe Gefühle, Helden und Schlachten, und die Treue bis in den Tod hinein. Mit Schalmeien und wieder rockiger angelegt erklingt „Gebt Acht!“ und erweckt die Urängste des Menschen vor Kreaturen und Monstern die da irgendwo im dunklen Turm lauern könnten, vielleicht gerade hinter dir?
Dudelsack und Trommelklänge leiten „der letzte Tanz“ ein, mittlerweile auch ein klarer Schandmaul Hit. Diesmal geht um ein ausgeschriebenes Turnier am Hof des Königs. Der Preis ist, die junge Prinzessin zum Tanze führen zu dürfen, so messen sich einige der stärksten Recken des Landes in Tjosten bis schließlich der schwarze Ritter auftaucht und die Kandidaten vom Platz verweist. „So war es denn geschehen, der schwarze Ritter war der Sieger, so will ich den den Preis mir holen, sagte er und kniet sich nieder. Schwarze Wolken zogen auf, als die Musik zum Tanze rief, das Volk blieb nunmehr angstvoll stehen, als es gewahrte, was dort lief!“ Ein wenig fühle ich mich beim Text auf das Schloss Kaltenberg bei München versetzt, wo alljährlich das „Kaltenberger Ritterturnier“ gefochten wird und der schwarze Ritter zumeist den Publikumsliebling darstellt.
Mit Sopranflöte gespielt erklingt das zweite Instrumentalstück „Frühlingstanz“und lädt unweigerlich zum mitpfeifen ein. Für den Hörer bildet das Stück eine kleine akustische Ruhepause denn schon nähert sich mit dem zehnten Albumtitel „der Talisman“ mit Drehleierklängen eingeleitet. Ungemein klar erklingt Thomas Lindners Stimme um von dem Relikt aus alten Tagen zu berichten. Vorbei die etwas nuschelnde Artikulation, die noch wahre Helden prägte, stattdessen nimmt uns Thomas scheinbar mühelos mit um die Prüfungen stimmlich und instrumental zu bestreiten um der Macht des Talisman gewahr zu werden. Leider wird dieses Lied im Liveprogramm heute viel zu selten gespielt, wenngleich es für mich auch zu den Schandmaul Klassikern zählt.

Somit bildet „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ die logische und konsequente Weiterentwicklung einer Band, die sich mit einem für sie typischen Stil, der eben nicht beliebig und austauschbar ist, zu etablieren weiß und sowohl stimmlich, textlich wie auch instrumental enorm an Kraft hinzugewonnen haben. Bereits 2001 sind allein auf diesem Album unzählige Hits der Band zu finden, die heute bei keiner Mittelalterparty fehlen dürfen und in unzähligen Kehlen der schwarzen Szene sofort ansingbar sind. Ein schöneres Lob kann es glaub ich für einen Künstler nicht geben, als wenn beinahe jeder der insgesamt 99 regulären Schandmaul Songs 2011 Zeile für Zeile auswendig mitgesungen werden kann...

(Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: info@schandmaul.com
Webadresse der Band: www.schandmaul.com


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