SCHANDMAUL - Anderswelt


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Fame Recordings / Fame Recordings

Schandmaul – Anderswelt
(VÖ: 04.04.2008 F.A.M.E. Records) "

Ganze 10 Jahre sind nunmehr vergangen seit die ersten Stücke von Schandmaul das Licht erblickten und man von Wahren Helden zu Spitzbuben wurde, mit dem Narrenkönig in den Hexenkessel fiel um anschließend mit Pech und Schwefel und Leib und Seele echte Kunststücke zu vollführen. Nunmehr präsentieren uns die Schandmäuler ein Album das Speedfolk mit Rock paart und den Hörer entführt zu Gestalten und Geschichten aus der „Anderswelt“. Immer wieder gab es in der Bandgeschichte auch kritische Stimmen, denen die Musik von Schandmaul zu langweilig, weichgespült oder unkritisch erschien, aber ich persönlich denke, dass man es einerseits nie jedem Recht machen kann, da musikalischer Geschmack nun einmal ein sehr weites Feld ist und zum anderen dürften 10 Jahre Bandgeschichte beweisen, dass es sich bei Schandmaul keinesfalls um banale mittelmäßige Folkklänge handelt die austauschbar sind, sondern eine breite Masse angesprochen wurde, die sich in ihren Gefühlen, Wünschen und Träumen ernst genommen fühlen. Das macht diese Band aus, allen Kritikern und Neidern zum Trotz!
Den Einstieg in die Anderswelten bilden Drehleierklänge und die sich steigernde Stimme von Thomas der uns zu verstehen gibt, dass er „Frei“ ist. Dann rocken Schandmaul los das es eine Freude ist und bieten schon zu Beginn den ersten Song der sofort zum Tanze einlädt. Befreit von den Fesseln des Lebens tritt der Protagonist seine Suche an um den rechten Platz in diesem zu finden. Stimmlich ist Thomas Lindner ungemein kraftvoll und steigert sich scheinbar von Album zu Album in der Artikulation der Worte, längst vorbei das man den Text durch verschluckte Silben kaum verstand. Das zweite Stück „Krieger“ bietet Folkrock vom feinsten und bildet inhaltlich den Abschluss der Siegfried – Trilogie, die man einst mit „der junge Sigfrid“ auf „Spitzbuben und andere Halunken“ begann und auf „Wie Pech und Schwefel“ mit „Drachentöter“ fortsetzte. Hier nun hören wir vom Ende des großen Kriegers, und der Intrige des Freundes. Dieser erfuhr durch List von der ungeschützten Stelle des Kriegers und traf den Helden, so dass er den Tod finden muss. Spielerisch einfach wird so ganz nebenbei noch Sagenwissen an den Hörer gebracht, schließlich geht es um den Helden der Nibelungen und um die wohl bekannteste Geschichte der nordischen Edda – Sagen.
Bereits an sehr früher Stelle folgt der Titeltrack des Albums „Anderswelt“ mit weichen Geigen und Schlagzeug wird Thomas begleitet, welcher uns entführt zu einem alten Keltenschrein an welchem sich die Tore zur Anderswelt besonders leicht öffnen. Mir persönlich hat die Vorstellung, dass es eine Zwischenwelt zwischen Leben und dem Tod gibt sehr geholfen als eine gute Freundin von mir sehr früh und unerwartet verstorben ist. Immer wenn ich sie besuche und an ihrem Grab sitze habe ich drei Songs auf dem I-Pod die ich in Gedanken an sie mir anhöre, einer davon ist „Anderswelt“ (die anderen beiden „Sieben“ von Subway to Sally weil es ihr Lieblingssong war und „An deiner Seite“ von Unheilig). Epischer und durch Streicher ergänzt erklingt „Königin“, ein sehr lyrisch verfasster Text über eine Herrscherin welche im dunklen Turm das Böse entdeckte und seither dort einsam und im Herzen vergiftet verbleiben muss. Durch die zusätzlichen Streicher gewinnt der Song einiges an Schwere und Bombast hinzu, was Schandmaul ja seit „Kunststück“ durchaus gut zu Gesicht steht.
Angstvoll sucht der Protagonist des nächsten Stückes nach seinen Erinnerungen der letzten Nacht, denn er wurde gelenkt von seiner „zweiten Seele“ die ihn führt wenn die andere Seele in ihm die Macht verliert. Auch hierbei geht es um die Besitzergreifung von reinen guten Menschen durch eine Kreatur, etwas Böses und Unkalkulierbares. Insofern bilden „Königin“ und „die zweite Seele“ ein thematisches Paar, wenngleich auch unterschiedlich musikalisch umgesetzt. Denn bei diesem Stück fehlt die Schwermut, sondern untermauert sie vielmehr die Angst und Panik vor dem Tier im Inneren unseres Protagonisten. Leichte Flötentöne leiten den Song „Die Braut“ ein, über den Königssohn der sich mit einem jungen Mädchen einlässt. Jedoch als dieses dann schwanger wird von ihm beginnen die Probleme, zwar möchte der junge Prinz seine Liebste zur Braut nehmen, doch die Rechnung des jungen Paares ward nicht mit dem König und seinem Henker gemacht worden. „Meine Braut sollst du sein, golden wie der Sonnenschein, und wir fliegen fort von hier!“
Heiter, frivol und mit gehörigem Augenzwinkern versehen wurde der nächste Titel „Missgeschick“, der auch mit fröhlichen Flötentönen eingeleitet wird. Ein junger Mann verleibt sich so viel Wein ein, dass er alsbald anfängt an jedem Weib des Wirtshauses zu graben, allerdings so schwankend plumpst er der Wirtin in den Ausschnitt und fängt eine Schlägerei an , die letztlich zum Verlust seines Gemächts führt. Was nun? „Er schlich von dannen wie ein Hund, wo soll ich hin auf Erden? Mit dem Gemächt bleibt mir wohl nichts als Musikant zu werden!,“ na da bin ich aber froh, das ein weiteres Geheimnis über die Gründe Spielmann zu werden, so erschöpfend beantwortet wurde – Schandmaul sei Dank zwinker
Mit choralen Klängen wird „Stunde des Lichts“ eingeleitet bis Gitarren, Geige und Schlagzeug ruhig und fließend einsetzen und Birgit durch Dudelsack den Klang bereichert. Inhaltlich ist dieser Song eine Ehrung an all jene unter den Fans von Schandmaul, die schwarz als ihre Lieblingsfarbe betrachten und die Nacht zum Tage machen. Instinktiv denk ich hat sich hier eine kleine interne Schandmaul – Hymne für die Fans ergeben und das macht ja dann doch auch stolz zu wissen, das hier für die Treue zur Band musikalisch Danke gesagt wird. Gebürtig zum Tanze lädt das nächste Instrumentalstück „Fiddlefolkpunk“ und in der Tat fiedelt Anna auf ihrer Geige als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her. Die erzeugte Stimmung erinnert mich instinktiv an einen irischen Pub, reichlich Whiskey und jede Menge lachende und trinkende Iren. Richtig cooler Speedfolk der hier an den Hörer gebracht wird, wo sich wiederum die bekanntesten deutschen Speedfolker „Fiddler's Green“ locker eine Scheibe abschneiden können! Über innere Ängste und Panik berichtet „Augen Auf!“ das nächste Stück und lässt uns als Hörer auf die Gestalten aus Alpträumen treffen und der Geisterwelt. Wir sind mitten in der Anderswelt und spüren auch die Gefahren die von ihr ausgehen können.
Die Angst vor dem Vollmond spürt der Protagonist des nächsten Stückes „Wolfsmensch“ am eigenen Leibe, denn dann überwiegt das Tier in ihm und nimmt Besitz von seiner Seele. Die Familie heult bereits nach ihrem Kind, dass sich vehement wehrt etwas blutrünstiges tun zu müssen. Einstmals angefallen von einem Untier wurde der junge Mann zum Werwolf und hofft sehnlichst darauf, dass dieses Untier zurück kommt und ihn erlöst von dem Fluch: „Der Wolfsmensch findet mich, erlöst mich, und es sei, dann bin ich frei!“
Von dem Gefühl der Rache spricht das nächste Stück „Drei Lieder“ in welchem ein Sängerwettstreit ausgefochten wird am Hofe des Königs. Kaum hat der letzte Barde sein Liedlein vorgetragen, tritt ein junger Mann hervor und möchte ebenfalls sein Gesangstalent dem Volk präsentieren. Ebenjener König an dessen Hofe er nun singt zerstörte einst sein Dorf singt er und erschlug den Bruder des Sängers, wofür dieser nun Rache fordert und vor versammelter Mannschaft blank zieht. „Ich nahm ein Schwert und tat den Schwur der Rache und des Rechts, nach vielen Jahren steh ich hier, die Klinge nach dir lechzt..“
Den musikalischen Ausklang aus der Anderswelt bildet ein poetisches Schlaflied würde ich es nennen, denn mit „Prinzessin“ könnte ein Kleinkind gemeint sein, welches sanft in den Schlaf gesungen wird. Es ist ein so liebevoller und poetischer Text der hier einerseits die Welt mit kindlichen Augen erklärt, andererseits aber auch vom Schutz und der Geborgenheit durch den Erwachsenen spricht. Sowohl musikalisch spürt man den Ausdruck der Liebe und Fürsorge und das Erstaunen über ein Wunder der Natur. Wie mag wohl diese neue Umgebung für ein junges Leben wirken – wie eine andere Welt, eine „Anderswelt“? Letztlich erzählt uns dieses Album mittels mal märchenhaften, mal poetischen Bildern verbunden mit Schalk, Ironie oder Tragik von Märchenwesen, Untieren, Urinstinkten und Gefühlszuständen. In gewisserweiße nimmt uns Schandmaul aus dem Alltag heraus und versetzt uns als Hörer selbst in einen kindlich staunenden Blick, bei welchem Feen, Elfen, Werwölfe und Prinzessinnen teil der Realität sind. Die Pforten zur „Anderswelt“ sind zuweilen ganz weit geöffnet, wenn wir in uns selbst nur oft genug den Schlüssel finden um das Eingangstor aufzuschließen!


















(Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: info@schandmaul.com
Webadresse der Band: www.schandmaul.com


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