SCHANDMAUL - Sinnfonie


Erstveröffentlichung: DVD + Audio-CD 2009 / Fame Recordings / Fame Recordings

Schandmaul – Sinnfonie DVD/CD
"(VÖ: 2009 Fame Recordings)


Wie feiert man am allerbesten einen Bandgeburtstag? Im Falle von Schandmaul am 14.11.2008 wurde ein Megakonzert aus der Taufe gehoben, wie es so denke ich in der gesamten 10 jährigen Schandmaul – Geschichte kein größeres, emotionaleres und spektakuläreres gegeben hat. Das Münchner Zenith ist mir als ehemaliger Münchner als Konzertort wohl vertraut, jedoch hätte ich es niemals für möglich gehalten das 7000 Menschen darin Platz haben könnten, dennoch sie kamen aus dem bayrischen Wald, Oberfranken, Rust, Cleve und diversen anderen Städten um einer Band zum Geburtstag gratulieren zu können, die sich seit nunmehr 10 Jahren ihren eigenen Stil aus der Mischung von Metalelementen und Folkrock erdacht hat und zweifelsfrei zu den Größen der deutschen Mittelalterszene zu rechnen sind: SCHANDMAUL. Bereits am 13.11.2008 um 12 Uhr mittags wurde die gesamte Technik in die Halle gefahren um dieses Konzert in Licht und Klang einzigartig werden zu lassen, eine gigantische Arbeit die sich mehr als gelohnt hat. Während in der Halle die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, reisen Teile der Fans in 22 Reisebussen nach München. Aus einer Bierlaune der Band heraus entstand die Idee, dass man Fans ermöglicht in Reisebussen nach München zu kommen in Form von Sternfahrten und für diese in München 1000 Hotelbetten zu reservieren. Aus der Idee wurde Realität und so befanden sich bereits am 13.11.2008
der Großteil der Schandmaul – Fans auf der Autobahn. Liebevoll von der Band mit Erinnerungstüten bedacht, in denen neben Süßigkeiten auch ein Buch '10 Jahre Schandmaul' sehr persönliche Resümees zieht, wird hierbei die Nähe zu den eigenen Fans und der Wunsch sich selbst und den Fans etwas unvergessliches zu schenken deutlich. Bereits am 13.11. erfolgt in der Halle der erste Soundcheck um auch zu prüfen wie Mischpulte, Lichtpulte und vor allem die 12 Kameras, welche dieses Konzert ins heimische Wohnzimmer transportieren sollen im Frühjahr 2009, eingestellt werden müssen. Währenddessen auf der Autobahn entstehen die ersten Reisefreundschaften, denn wenngleich sich der Großteil der anreisenden Fans erst einmal nicht kennt, so ist das Gesprächsthema schnell gefunden – Schandmaul- und werden etwa Salate oder andere Speisen schnell bei einer Rast für alle aufgeteilt. Egal ob Metalfreak, Punk oder Mittelalterfan dies ist völlig irrelevant und ich denke genau das ist der gelebte Grundgedanke von Musik – Brücken zu Bauen und Menschen zu verbinden, die sich vorher vielleicht nie begegnet wären. Am 14.11.2008 steigt die Spannung bei allen Beteiligten, Thomas hat gerade einmal 2h geschlafen vor lauter Aufregung, was er wohl einigen Fans gemein haben dürfte. Teilweise seit 8 Uhr früh stehen diese schon vor der Halle nur um sicher zu gehen, die begehrtesten Plätze in der ersten Reihe zu bekommen. Den gesamten Tag über stehen sie vor der Halle und singen sich in Euphorie, laut Schandmaul hat man die Chöre noch durch geschlossene Scheiben gehört.

Dann Punkt 20 Uhr beginnt schließlich das 3 stündige Konzert der Schandmäuler, wobei man als Betrachter der DVD noch Szenen sieht, was hinter der Bühne vor dem Auftritt passiert. Noch niemals zuvor habe ich in den Augen der Band, insbesondere von Thomas Lindner, eine derartige Anspannung und Konzentration gesehen wie in diesen Bildern. Das Publikum freilich bekommt hiervon nichts mit, es sieht vorerst nur die Silhouetten der Band auf riesigen weißen Tüchern, welche die Bühne verhüllen. Die Halle ist gerappelt voll, das Konzert restlos ausverkauft und 7000 Menschen bilden ein gigantisches Fanmeer das nur erahnen lässt, welche Stimmung in München geherrscht haben muss. Als der Vorhang fällt brandet tosender Beifall auf und fangen die Kameras wirklich jede kleinste Bewegung auf der Bühne und im Raum ein und machen diese DVD zu einem Augen – und Ohrenschmaus. Den Opener bildet „Vor der Schlacht“ vom Album „Mit Leib und Seele“ der automatisch bei mir Assoziationen zur Schlacht um Minas Thirith oder Hellms Klamm aus dem Herrn der Ringe weckt. An diesem Abend könnte die Schlacht aber auch viel kleiner gemeint sein, denn 3h Konzert können auch gerne als Schlacht durch 10 Jahre Bandgeschichte verstanden werden. Vor dem nächsten Stück begrüßen die Schandmäuler ihre zahlreichen Fans: „Einen schönen guten Abend, ich weiß nicht ob ihr euch das vorstellen könnt, aber von hier oben seht ihr Scheiße geil aus!“ Das ist in keinster Weise übertrieben, denn das Meer an Fans, die das Ende der Halle gerade einmal erahnen lassen ist ein Anblick, der schier unglaublich ist und selbst beim Betrachten der DVD Gänsehaut und tiefen Respekt in mir auslöst. Wie ja bereits gesagt reisten tausende Fans mit Reisebussen zu diesem Konzert an, welche Thomas ganz besonders begrüßt und auf die aberwitzige Situation daran aufmerksam macht. Sonst sitzt die Band im Reisebus um zu ihren Fans zu gelangen und nun war es einmal komplett umgekehrt, woran man eben sieht, dass „Kein Weg zu weit“ war um hier dabei sein zu können. Vor dem nächsten Stück „Wolfsmensch“ wurde die Farbigkeit im Bild der Kameras heraus genommen und so sehen wir das Bühnengeschehen mit den Augen des Tieres. Wölfe sehen ihre Umgebung in schwarz – weiß und wohl auch auf dem Kopf stehend, insofern eine tolle Idee visuell den Song spannend zu gestalten.
Für „der Hofnarr“ ist die Farbigkeit wieder da und wird ein weiteres Instrument mehr als eingeweiht: die Stimme des Fans, denn die Chöre die den Refrain mitsingen sind gigantisch – klar 7000 Kehlen erzeugen ein ordentliches Klangbild. Die Spielfreude ist gerade Anna und Birgit von Anfang an anzusehen, während Thomas noch sehr angespannt wirkt, die sich aber mit „Leb!“ auch gelegt hat. Der Song ist schlichtweg ein Fest für die Band auf der Bühne und das Publikum, es wird mitgesungen und getanzt und Lebensfreude zelebriert. Einige Songs wurden extra für dieses eine Konzert umgeschrieben und neu arrangiert, so entstand aus „die letzte Tröte“ und „Mitgift“ ein mitreißendes Medley. Für den nächsten Song haben sich die Schandmäuler angeblich Rat bei Phil Collins geholt, wenn man den Worten von Thomas Lindner Glauben schenken mag, und warten mit einem dreistimmigen Backgroundchor auf. Somit tauchen wir kraftvoll ein in die „Anderswelt“. Hatte man mit „Kunststück“ 2005 schon einmal den Mut zu bombastischen Stücken bewiesen, sagten sich Schandmaul offenbar, warum nicht noch einmal und holten sich Gastmusiker mit auf die Bühne um die Geige von Anna Kränzlein durch zusätzliche Streicher zu bereichern. Somit komplettieren Schandmaul am Cello Benni Cellini, an der Violine Muttis Stolz – beide Letzte Instanz und an der zweiten Geige Frau Schmitt von Subway to Sally. Somit kommt es getragen und klassisch gehalten zur vermutlich einzigen Live Aufführung von „Königin“, was man angesichts dieser Klangfülle und stimmlichen Perfektion von Thomas Lindner total bedauert. Schandmaul setzen eines der unzähligen Highlights dieses Konzertes und übertreffen zweifellos die Erwartungen. Das Instrumentalstück „Das Mädchen und der Tod“ wird zu einem optisch ausgefochtenen Kampf zwischen Anna Kränzleins Geige und Birgit Muggenthaler – Schmacks Flöte. Herrlich zu sehen mit welcher Spielfreude und Konzentration zugleich die beiden Mädels hier bei der Sache sind. Für „Das Geisterschiff“ sind wieder alle Musiker auf der Bühne und verwandelt sich das Fanmeer in ein Wunderkerzenmeer – romantisch und wunderschön anzusehen.

Auf DVD 2 starten Schandmaul mit Hüpf- und Springübungen und stimmen die Fans ein für den Rhythmus von „Gebt Acht!“ und in der Tat springen die Fans mit was das Zeug hält. Eine tolle Kamerafahrt sieht der DVD Betrachter während des Stückes „Frei“, denn ganz dicht an Anna können wir ihr Fingerspiel während dem Betätigen der Drehleier sehen, etwas was doch seltener möglich ist. Das ist eh eine Qualität dieser DVD, zum einen sind die Bilder gestochen scharf und in HD Qualität aufgenommen – was man gerade bei der Beleuchtung der Show sehr deutlich sieht- und zum anderen bleibt die Kamera immer ganz dicht an den Musikern. Der Blick über die Schulter, auf die Finger und in die Mimik ist erlaubt und gewünscht und erzeugt Nähe zum Fan, der nicht in München sowieso schon live dabei war. Eine Aufwertung mittels Streichereinsatzes erhält „Walpurgisnacht“, welcher ebenfalls getragener klingt und bombastischer – eine Klangfarbe die dem Song sehr gut steht finde ich. Für „Sturmnacht“ wird die Bühnenbeleuchtung ins bläuliche gedimmt und auf Birgit und ihren Dudelsack fokussiert, optisch ein totaler Hingucker. Die Kamera lässt der Musikerin genügend Raum der Entfaltung und diese entlockt ihrem Dudelsack auch satte klare Töne das es zum optischen noch ein akustisches Fest wird. Das märchenhafte „Prinzessin“ wird sehr akustisch gespielt und somit erklingt er fast noch poetischer als schon die Studioversion.

Den Abschluss des Konzertes bildet „Dein Anblick“ und es ist keinesfalls untertrieben, wenn ich sage, dass sowohl der Anblick der Fanmasse, noch der der spielerischen Perfektion und Freude der Band den Anblick dieser mehr als gelungenen DVD und das Hören der dazugehörigen CD mehr als lohnen. War ich noch von „Sinnbilder“ als Vorbote zu 10 Jahren Schandmaul etwas enttäuscht, so haben sich Schandmaul hier zum einen selbst, den Fans und nicht zuletzt den Fans die es erst noch werden, ein exzellentes Geschenk gemacht und bewiesen das sie trotz des immensen Erfolges immer eines geblieben sind: bodenständige und künstlerisch ambitionierte Menschen!






















(Maximilian Nitzschke)

E-Mail-Adresse der Band: info@schandmaul.com
Webadresse der Band: www.schandmaul.com


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