CHRISTOF GLOWALLA - Split Christof Glowalla/Bakerielle Infektion


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2001 / Genetic Music

Lange hat´s gedauert, bis die angekündigte Splitsingle des alten Minimal-Helden CHRISTOF GLOWALLA mit BAKTERIELLE INFEKTION aus Berlin nun endlich erhältlich ist, oder auch schon jetzt nicht mehr erhältlich, denn die Auflage beträgt lächerliche 499 Exemplare, die schnell weg sein dürften und den Preis der Platte schnell in die Höhe treiben werden. Zumal es eine wirklich geniale Platte ist. GLOWALLA kennt man hauptsächlich wegen der extrem gesuchten „Erde 80“ Single, die in Minimal-Electro-Kreisen wohl zu den begehrtesten Platten überhaupt gehören dürfte. Leider hat man danach nie wieder was von GLOWALLA gehört, bis diese Splitsingle zustande gekommen ist. GLOWALLA hat den 1981 aufgenommenen Titel „Science Fiction“ dafür ausgegraben und es würde mich nicht wundern, wenn er noch weitere derartige Schätzchen in seinem Archiv haben würde.

Vielleicht wird ja irgendwann mal eine CD zusammengestellt. Musikalisch ist man aus der reinen NDW-Ecke bereits heraus, geht schon eher in Richtung Synthie-Pop und ich könnte mir vorstellen, daß der Musiker damals auch gerne Fad Gadget gehört hat. Keine Frage, „Science Fiction“ wird schon bald auf den einschlägigen Partys zum Standardprogramm gehören. Genauso wie „Past / Future“ von den Berlinern BAKTERIELLE INFEKTION, die hier (Synthie-) poppig wie nie daherkommen und eigentlich auch aus Anfang der 80er Jahre stammen könnten. Ihren guten Ruf hat sich die Band auf jeden Fall absolut verdient und eigentlich wäre es an der Zeit, endlich mal ein unlimitiertes Album auf den Markt zu bringen, damit nicht immer nur ein kleiner Kreis von eingeschworenen Sammlern die Chance hat, BAKTERIELLE INFEKTION zu hören. Probiert ruhig auch mal, diese Platte bei BAKTERIELLE INFEKTION selber zu bekommen ( www.bakterielle-infektion.de ), ansonsten mal die einschlägigen Mailorder nerven. (A.P.)

E-Mail-Adresse der Band: genetic@conx.de

INKUBUS SUKKUBUS - Dark Goddess


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Resurrection Records-Alice In... / Broken Silence / ABCD666

INKUBUS SUKKUBUS treiben in der weltweiten Gothic-Szene nun auch schon fast 20 Jahre ihr Unwesen, Chef Tony McKormack selbst ist bereits seit Anfang der 80er Jahre als Musiker aktiv und war mit der Band Screaming Dead schon zu Gothic-Rock-Hochzeiten in der ersten Hälfte der 80er Jahre präsent. Lieferten Screaming Dead noch eine recht dreckige Form dieses Stils zwischen Killing Joke, Every New Dead Ghost und Play Dead ab, sind INKUBUS SUKKUBUS von Anfang an eingängiger konzipiert gewesen, was natürlich auch an der schönen Stimme von Sängerin Candia lag und liegt. Inzwischen dürften INKUBUIS SUKKUBUS eine der beständigsten Gothic-Rock-Bands der dritten Generation sein. Sie selbst haben ihren Stil immer Pagan-Rock genannt, was sich aber hauptsächlich auf die Themen der Songs bezieht. Musikalisch gab es immer ziemlich typischen Gitarren-Brit-Goth zu hören, wie ihn Anfang der 90er Jahre ziemlich viele Bands gemacht haben. Die Vorbilder dürften dabei Spät-80er Jahre Bands wie The Mission, Rose Of Avalanche oder All About Eve gewesen sein, vielleicht auch Ghost Dance und zahlreiche andere alte Helden. In den 90ern Jahren sahen sich INKUBUS SUKKUBUS dann bereits eigenen Epigonen gegenüber, so zum Beispiel Die Laughing, die recht viel versprechend waren, aber dann sang- und klanglos wieder in der Versenkung verschwanden.
Jetzt, wo zum Beispiel die alten Labelkollegen Vendemmian wieder aufgetaucht sind, war es Zeit für INKUBUS SUKKUBUS, ihr zwölftes Album „Dark Goddess“ vorzulegen, nach einer Pause von rund drei Jahren.
Zu hören gibt es wenig Neues, was den Musikstil und die Themen angeht. Straighter Gothic-Rock mit teils mystischen Themen und eingängigen Melodien. Mir fehlen zwischendurch ein paar der Alben, aber ich habe den Eindruck, die Musik ist weniger düster als früher, dafür rockiger, hier und da entfernt metallig und es werden mehr Synthies eingesetzt, die den Sound recht voluminös machen.
Das ist alles nicht besonders spektakulär und ein Gothic-Rock-Revival wird dadurch auch keinesfalls eingeläutet, aber wer in einer Zeit, in der Gitarren-Gothic kaum noch veröffentlicht wird, gerne mal wieder Old School-Brit-Goth hören möchte, macht bei INKUBUS SUKKUBUS definitiv nicht falsch. Solide und authentisch, und das ist doch schon mal eine gute Nachricht. (A.P.)

VITRUVIUS - I


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Dust On The Tracks / DOTT201061

Das Cover dieser CD sieht aus wie einer der unzähligen Techno-Sampler Mitte der 90er Jahre, der Bandname VITRUVIUS klingt nach Metal und im Info zum Album “I” steht was von Prog-Rock als Stilbezeichnung. Was würde mich also erwarten, wenn ich diese CD einlege? Nun, definitiv kein Techno, dafür aber viel Metal, viel Prog-Rock, ein bisschen Gothic-Metal beim Gesang und eine ganz ordentliche Ladung Alternative-Rock. Das ist alles ganz gut gemacht, gut produziert und sicher auch für eine ganze Menge Leute ein Reinhören wert. Für mich ist das alles aber so gar nichts. Wegen erwiesener Nicht-Kompetenz für diese Art von Musik werde ich nicht bewerten und einfach Progerssive-Metal-Fans empfehlen, mal irgendwo reinzuhören. Erwähnenswert, weil recht ungewöhnlich, ist sicherlich, dass die Band aus Mexiko stammt, was man ihr aber produktionstechnisch absolut nicht anhört. Da ist der Standard auf jeden Fall international. (A.P.)

Webadresse der Band: www.dott-music.com

LEGENDARY PINK DOTS - Live Hamburg Hafenklang 25.04.2011


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2011

Ein kleiner Konzertbericht. Seit Ewigkeiten habe ich Edward Ka-Spel aus den Augen verloren, ich glaube, es ist wenigstens 10 Jahre her, dass ich mein letztes Album gekauft und das letzte Konzert besucht habe. Das sollte sich nun ändern. Am 25. April 2011 besuchte die Band das Hafenklang in Hamburg, ein kleiner Club, der so 150 Personen fasste. Leider wurden die nicht einmal ansatzweise erreicht, mit rund 40 Gästen musste man sich begnügen, was aber auch wieder gewisse Reize hat, denn so wurde alles recht intim. Meine lange Abstinenz führte dann auch dazu, dass ich von dem rund 100-minütigem Programm nur ein einziges Lied kannte, nämlich ""New Tomorrow"" von ""The Crushed Velvet Apocalypse"". Die restlichen Stücke waren entweder neue (jedenfalls für mich) oder alte, dann aber sehr verfremdet wiedergegeben. Neben Herrn Ka-Spel befand sich noch der legendäre Keyboarder Phil Knight alias ""The Silverman"" sowie der Gitarrist Erik Drost auf der Bühne. Bedient wurden alte Analog-Synthies, aber auch neuere Musikinstrumente wie zum Beispiel das Tenori-on, sogar ein alter Walkman mit Kassetten kam zum Einsatz. Vermisst habe ich aber die Blasinstrumente. Insgesamt ist die Musik sehr spacig geworden, sphärisch, und die Pop-Elemente sind auch ein wenig in den Hintergrund getreten. Edward Ka-Spell, wie schon damals, immer im Zeitlupentempo auf der Bühne, war durchaus mit viel Spaß bei der Sache, auch wenn das Publikum nicht sehr zahlreich vertreten war - und ganz hanseatisch auch noch etwas unterkühlt. Und obwohl nicht viele Leute da waren, war nach dem Konzert, das nach der ersten Zugabe endete, der Merchandising-Stand schwer umlagert, wo man einen großen Haufen CDs aus dem Schaffen Ka-Spells und seiner Mannen erstehen konnte. Ebenso gab es DVDs sowie eine Kiste mit Vinyl, das ebenfalls sehr begehrt war. Ich erstand eine Live-DVD(-R) von der ""Maria Dimension Tour 1991"", was wohl auch die letzte Tour gewesen war, die ich besuchte. Ebenso konnte ich meine ""Any Day Now""-CD signieren lassen, denn immerhin ist das Werk wohl das beste aus der langen, mittlerweile 32 Jahre umfassenden Geschichte der Band. Insgesamt ein sehr schöner Abend. (H.H.)

Webadresse der Band: legendarypinkdots.org

LE SYNDICAT ELECTRONIQUE - Restrospect[r]ive 1998-2005


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2010 / Disorder Records / digital 03

Beinahe aus dem Nichts tauchte 1999 das Label Invasion Planete aus Frankreich auf, veröffentlichte einige Jahre ziemlich viele Platten von weitgehend unbekannten Electro-Bands und Projekten, gründete einige Sublabels und verschwand dann etwa 5 Jahre später genauso plötzlich wieder im Nichts. Das Ganze war ein Projekt von Alexandre Gand, der selber hinter einigen der Bands/Projekte steckte, wenn nicht sogar, bis auf wenige Aufnahmen und die Sampler, hinter fast allen.
Sein Hauptprojekt war aber LE SYNDICAT ELECTRONIQUE, das innerhalb weniger Jahre eine unfassbare Anzahl an LPs, 7“s, CDs und Samplerbeiträge auf den Markt gebracht hat, ohne dabei jemals langweilig geworden zu sein. Alexandre muss eine ungeheuer kreative Phase gehabt haben, was vielleicht auch erklärt, dass plötzlich gar nichts mehr kam.
Zu hören gab es eine sehr eigene Mischung aus Minimal-Electro, Space-Sound und Experimental-Sound, der in den industrialistischen Momenten am ehesten mit den frühen Cabaret Voltaire vergleichbar ist und in den eingängigeren Augenblicken schon fast an Synthie-Pop heranreicht. Heute noch eine komplette LE SYNDICAT ELECTRONIQUE-Sammlung zusammen zu bekommen dürfte fast unmöglich, zumindest aber recht teuer sein. So ist es dem Berliner Label Disorder Records, das 2003 bereits eine 7“ des Franzosen veröffentlicht hat, hoch anzurechnen, dass nun mit „Restrospect[r]ive 1998-2005“ eine Zusammenstellung einiger Stücke vorliegt. Aufgrund der Fülle der Veröffentlichungen ist es dann dankenswerterweise gleich eine Doppel-CD geworden. Wer Disorder Records kennt weiß, dass dahinter unter anderem ein Teil der Bakterielle Infektion-Leute steckt, womit sich der Kreis ein wenig schließt, denn die Berliner Minimal-Elektroniker haben auch zu Samplern von Invasion Planete beigetragen. Und auch musikalisch geht das gut zusammen, denn beide Bands/Projekte haben doch hier und da einige Ähnlichkeiten im Sound vorzuweisen. Beide bewegen sich zwischen Minimal-Electro und Industrial und haben es geschafft, ein paar echte kleine Szene-Hits zu erschaffen. Natürlich bietet sich der vergleich zu den The Klinik der 80er Jahre auch an, dazu wie erwähnt Cabaret Voltaire, vielleicht hier und da auch Die Form oder ganz frühe The Human League und Clock DVA. Und, Alexandre wird es vielleicht gar nicht so gerne hören, die Radikalität und Konsequenz, mit der er sein Ding durchgezogen hat erinnert mich entfernt an seinen Landsmann Costes – natürlich keinesfalls musikalisch, aber doch konzeptionell.
Die erste CD ist die eigentliche Compilation, enthält sie doch 18 Tracks von fast allen Veröffentlichungen, die auf verschiedenen Labels erschienen sind. So ist die Zeit von 1999 bis 2005 gut abgedeckt. CD 2 liefert drei weitere bereits veröffentlichte Stücke ab, ist aber der eigentliche Grund für Sammler, die Doppel-CD anzuschaffen, denn hier gibt es neun bisher unveröffentlichte Tracks aus den Jahren 1998 bis 2003. Das Archiv von LE SYNDICAT ELECTRONIQUE muss wohl fast unerschöpflich sein, denn die Stücke sind kein Ausschuss, sondern hätten jederzeit auch problemlos auf regulären Veröffentlichungen erscheinen können, ohne negativ aufzufallen.
Auch, wenn LE SYNDICAT ELECTRONIQUE heute fast vergessen ist, so war das Projekt in der ersten Hälfte der 00er-Jahre doch recht weg weisend und sicher nicht ganz unwichtig für eine aufblühende Minimal-Electro-Szene. Das Invasion Planete-Label dürfte auch Inspiration für so manche Gründung diverser Mini-Labels gewesen sein. So konsequent wie der Franzose hat aber kaum jemand sein Konzept durchgezogen und dann auch wieder beendet.
Schön also, dass Disorder Records mit dieser Zusammenstellung, natürlich im schlicht-schönen Artwork, die Erinnerung an LE SYNDICAT ELECTRONIQUE aufrecht erhält. Für Liebhaber von experimentellem Minimal-Electro-Sound ist dies hier auf jeden Fall Pflicht, sei es zum kennenlernen oder zum sammeln. (A.P.)

Webadresse der Band: www.disorder-records.de

ESCAMA SERRADA - Echis Carinatus


Erstveröffentlichung: LP 2010 / Reue um Reue / T.u.T./R.u.R. / R.u.R. 016

Mir war das spanische Projekt ESCAMA SERRADA bis zu dieser LP nicht bekannt. Zuvor gab es nur eine Split-Veröffentlichung mit Ô Paradis aus dem Jahr 2009 als Doppel-CD. Gespannt legte ich also die Platte auf und erwartete, wie man es ja von Reue um Reue gewohnt ist, eher experimentelle, vielleicht auch ambiente Klänge. Mit dieser Erwartung lag ich dann auch ziemlich richtig. ESCAMA SERRAADA liefern dunkle Klangcollagen ab, die elektronische Klänge und Geräusche kombinieren und mit monoton gesprochen Texten ergänzt werden. Immer wieder kommen aber auch fast schon poppige Momente hervor, aber auch Maschinenhallen-Sounds und Stimmsamples. Die Mischung ist wirklich sehr eigen und kaum mit anderen Bands oder Projekten vergleichbar. Hier und da fühle ich mich an so manche Veröffentlichung aus der avantgardistischen Tapeszene der frühen 90er Jahre erinnert, ab und zu klingt es nach dem weitgehend unbekannt gebliebenen Danny Antonelli („Endless Avanues“) oder auch nach den experimentelleren Momenten von Esplendor Geometrico. Trotz dieser Vergleiche ist ESCAMA SERRADA nur schwer zu fassen und man muss es vielleicht am ehesten mit einem alternativen Soundtrack zu Derek Jarman-Filmen oder David Lynchs „Eraserhead“ vergleichen. Ich glaube, mit dieser Einordnung können auch die Macher ganz gut leben. Bei einigen Stücken haben Leute von Wermut/Ich Wollte, Ich Könnte, Ô Paradis und His Divine Grace/De Grâce mitgewirkt. Das Cover-Artwork ist recht schlicht, aber sehr schön gehalten und kommt diesmal ohne zusätzlichen Schnickschnack daher. Die Auflage wurde auf knapp über 300 Exemplare limitiert und erscheint in hübschem, farbigem Vinyl. Für Reue um Reue-Fans definitiv wieder ein Pflichtkauf. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

LOTUS FEED - A Different Place

Wiederveröffentlichung: Download 2011 / AF Music / afm123
Erstveröffentlichung: CD 2011 / AF Music

Wir leben schon in seltsamen Musikzeiten. Da existiert eine Band wie LOTUS FEED aus Köln seit Mitte der 90er Jahre und kann trotz einfachster und bezahlbarer Möglichkeiten noch keine „richtige“ Veröffentlichung vorweisen. Eine richtige Website gibt es nicht, sondern nur Bandseiten in diversen Sozial-Medien und fast scheint es so, dass die mir jetzt vorliegende CD des ersten Albums eher zur Promotion der eigentlichen Download-Veröffentlichung anzusehen ist, jedenfalls bin ich nicht sicher ob und wo es das Album auch als CD käuflich zu erwerben gibt. Sicher auf den Konzerten der Band.
Die Bandseiten bei My Space habe ich mir nicht näher angeguckt, da sie nach dem immer gleichen Schema aufgebaut sind, bei Facebook bin ich gar nicht angemeldet.
Tja, Pech, da muss ich mich bei der Besprechung also ganz auf die Musik konzentrieren, aber so soll es ja eigentlich auch sein.
Und da machen LOTUS FEED eine Menge richtig. Da es die Band nun schon so lange gibt, liefert sie, trotz zahlreicher Besetzungswechsel im Laufe der Zeit, spielerisch sehr gutes und musikalisch ausgereiftes Material ab. Zu hören gibt es eine Mischung aus Gitarren Wave, Gothic Rock, Post Punk und Dark Wave, dazu ein paar deutliche Alternative Rock-Anklänge und ein bisschen Psychedelic. Die Atmosphäre ist recht dunkel und das alles klingt wie eine Mischung aus Fields Of The Nephilim, Into The Abyss, Blessing In Disguise und dem Früh-/Mitt-90er Brit-Goth von Bands wie Restoration, Return To Khaf’ji, Dream Disciples, Redemption oder Flowers Of Sacrifice. Das ist gut gemacht und erfreulicherweise ziemlich old schoolig. Bewegt sich so in einer Liga mit anderen aktuellen Bands wie Sinbeats, Loom Light, Monozid oder Stromble Fix und das sind ja Bands, die zwar nicht so richtig den Durchbruch geschafft, aber alle gutes Material abgeliefert haben.
Ich kann mir vorstellen, dass LOTUS FEED vor allem live recht überzeugend sind, was sie wohl auch live schon als Support für einige ziemlich bekannte Bands gezeigt haben.
Solider Post Punk/Gothic Rock/Dark Wave, der aber natürlich nicht so richtig innovativ ist. Schöne Gitarren, treibende Bässe und voranpreschendes Schlagzeug, aber leider kein Ohrwurm, der sofort hängenbleibt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

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KRYPTERIA - All Beauty must die

/ Liberatio Music
Erstveröffentlichung: CD 2011

KRYPTERIA – ALL BEAUTY MUST DIE
"(VÖ: 22.04.2011 Liberatio Music)


Hurra endlich sind Krypteria wieder da und präsentieren dem Hörer mit ihrem vierten Album einen ungemein vielschichtigen Sound aus kraftvollem Rock, diversen Metal Spielarten, Gothicanleihen und klassischen Elementen – an sich das ist nicht neu- aber die Härte und Dramatik ist neu mit der 12 hammergeile Songs präsentiert werden. Bereits die Besetzung von Krypteria ist außergewöhnlich und ein Garant für Erfolg, denn die sympathische kölsche Koreanerin Ji-In Cho als Frontfrau ist studierte Sängerin und Pianistin, Gitarrist Chris Siemons hat als Produzent bereits dutzende Gold- und Platinauszeichnungen an der Wand hängen, Bassist Frank Sturmvoll ist ein erfahrener Spezialist für Filmscores und Sounddesign und Schlagzeuger S.C. Kuschnerus hat als singender Bösewicht bereits Hauptrollen in Rockmusicalproduktionen gespielt.

In den vergangenen sechs Jahren ist aus Krypteria eine Band gereift, in der jeder einzelne für sich schon höchste Qualität einbringt, aber die als Gesamtheit für kraftvollen Rocksound steht und ungemeine Klangästhetik zwischen epischer Schwere und sanften eher klassischen Elementen verkörpert. Gerade live sind Krypteria, wie ich im Zuge ihrer Tour mit Doro Pesch letztes Jahr erleben durfte, eine Augen- und Ohrenweide. Festivalauftritte auf dem Wacken Open Air und Summer Breeze sowie Touren mit Deep Purple, Subway to Sally und eben Doro haben den Sound der Band weiterentwickelt und wie man nun mit „All Beauty must die“ auch hören kann, härter gemacht. Kraftvoll und energiegeladen erklingt jeder einzelne Song und schon der Opener „Messiah“ legt gut vor, Ji – In bewegt sich stimmlich zwischen Aggression und Zorn und weiß den Hörer extrem gut mitzureißen.
Am Songwriting der Stücke haben alle vier Bandmitglieder gleichermaßen mitgewirkt, so dass sich im ersten Moment die Frage aufdrängt, wie dann diese lineare Epik und hörbare Härte begründet ist. Gitarrist Chris meint, dies sei der gefühlten Freiheit aller in der Band verschuldet, die man sich diesmal in der Ausarbeitung und Umsetzung der Ideen gelassen hat. Dadurch ist das Album in alle Richtungen extremer geworden, sowohl härter als eben auch epischer als beispielsweise der Vorgänger „My Fatal Kiss“. Die Bedingungen um frei arbeiten zu können, haben sich Krypteria im Vorfeld bereits selbst geschaffen, denn sie gründeten eine eigene Plattenfirma um sich unabhängig von labelpolitischen Vorgaben und Machtkämpfen ganz ihrer Musik widmen zu können. Diese neu gewonnene Freiheit dürfte auch etwas sein, was sich positiv auf „All Beauty must die“ ausgewirkt hat.

Allein sich die Freiheit herauszunehmen, einen elf minütigennn Opus mit dem Titel „The Eye Collector“ aufzunehmen ist gewagt, aber schlichtweg großartig. Inhaltlich basiert der Song auf dem Thriller „Der Augensammler“ von Sebastian Fitzek – mit dem Segen des Bestsellerautors. In diesem Kunstwerk haben alle vier Bandmitglieder Leadvocals übernommen, und wechseln scheinbar mühelos von sanften Pianoklängen zu Metallriffs. Krypteria erschaffen in Sekunden scheinbar mühelos einen ganzen Kosmos an Gefühlen beim Hörer, nicht allein nur durch die eindrucksvolle Spielkunst an den Tasten von Ji-In. Kaum ist der Hörer vom Piano betört wurden, befindet er sich schon auf der nächsten Kurve der Emotionsachterbahn voller Dramatik und Dynamik – das ist richtig großes musikalisches Kino – der Film dazu läuft im Kopf des Hörers ab!
„Gerade das Unvorhersehbare ist es doch, was ein Album zu etwas Besonderem macht,“ findet Bassist Frank und dem ist in dem Fall nichts hinzuzufügen!

Eine großartige Duettpartnerin konnte für die packende Hymne „Victoria“ gewonnen werden, bei der die Metall Queen schlechthin Doro Pesch dem Song zusätzliche Kraft verleiht. Eigentlich war eine Zusammenarbeit beider Bands wie gesagt nur naheliegend. Als Support für Doros letzte Tour ,tourten beide Bands schon mehrfach gemeinsam und mögen sich persönlich auch sehr gerne. Doro lud Ji – In zu ihrem 25jährigen Jubiläum (wie auf der DVD Doro – 25Years in Rock zu sehen ist) auf die Bühne und so wollten sich Krypteria nun ihrerseits revanchieren. „Sie singt großartig, und die Zusammenarbeit hat riesig Spaß gemacht,“ gesteht Ji – In, was man ihr bei diesem Ergebnis getrost glaubt.

Einen weiteren Gastmusiker bildet Tobias „Eggi“ Exxel der Bassist der Band Edguy, welcher dem kraftvollen Metall – Song „Higher“ ein traditionelles Metal – Solo beisteuert. Eggi ist ein langjähriger Freund von Krypteria, eine Zusammenarbeit war schon lange geplant, aber bisher stimmte das Timing nie so ganz – bis jetzt und das rockt richtig gut!
Was sicherlich sehr dazu beiträgt, dass dieses Album so kraftvoll klingt, dürfte der gesangliche Gegensatz sein zwischen Ji-In und gelegentlichem Co-Sänger „Kuschi“ der mit seiner rauen charismatischen Stimme etwa Songs wie „Turn the World Around“ zu Bombast Rock Nummern verhilft.

Hört man sich die Texte des Album nach ihrem inhaltlichen Gehalt an, so wird man auch hier ein sehr durchdachtes Textkonzept wiederfinden. Sound des Albums und Text bilden eine Einheit und transportieren die Gefühle der Sängerin schlichtweg hervorragend. Beschrieben wird die Geschichte einer Person, die gerade verdammt harte Zeiten durchmacht, sich aber dennoch nicht entmutigen lässt und an ihren Träumen festhält. Wie die Band verrät ist dies durchaus autobiographisch zu sehen, denn in den letzten Jahren hat Krypteria auch die hässlichen Seiten des Musikgeschäftes gleich mehrfach und mit voller Härte erfahren müssen. Wo andere Bands wohl längst daran zerbrochen wären, gibt es Krypteria noch immer und sind als Einheit noch enger zusammen geschweißt worden.
Etwas besonderes gibt es gleich in doppelter Form einerseits enthält das Digipack als Bonus zwei überarbeitete Neuaufnahmen von früheren Hits der Band, nämlich einerseits „Get the Hell Out of my way“ und die Ballade „Liberatio“, die als Benefiz Single für die Tsunami Opfer seinerzeit mit Gold ausgezeichnet wurde.

Bleibt am Ende nur zu sagen, dass Krypteria auch zum nunmehr vierten Mal ein hervorragendes Album gelungen ist, welches mich durch und durch zu überzeugen weiß und nicht zuletzt durch seine gesangliche Vielfältigkeit und musikalische Experimentierbreite besticht. Das Albumkonzept ist völlig durchdacht und geht auf, so dass man enttäuscht ist wenn der letzte Song im CD Player verklingt und man voller Lust erneut auf Play drückt um die Schönheit die dort sterben muss noch länger am Leben zu erhalten! (Maximilian Nitzschke)

OMNIA - Tour 2011


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2011 / Pagan Scum Records

OMNIA - Wolf Love Die TOUR ANKÜNDIGUNG

Auf die niederländischen Paganfolkband „Omnia“ stieß ich im Zuge eines Konzertes der Band Faun etwa 2004 in München, bei der sie als Vorband auftraten. Damals den meisten der Gäste kaum ein Begriff, erspielten sie durch ihre natürliche und aufrichtige Art ganz schnell die Herzen der Zuschauer. Das Publikum wollte die Musiker am liebsten gar nicht mehr von der Bühne lassen, und das obwohl sie ja eigentlich für Faun gekommen waren. Das erste reguläre Album welches in meiner Sammlung einen Platz fand, war im selben Jahr „Live Religion“ - ein Live Album – aufgenommen in einer niederländischen Kirche. Mittlerweile gibt es das Album nicht mehr regulär zu kaufen. Schon dieses Album zeugt von jenem, dass nun auch das neueste Werk prägt – musikalisches Können und tiefer Spiritualität in Wort und Ton. Jenny spielt keltische Harfe, Flügel, Drehleier, irische Bodhran und singt mit weicher sanfter Stimme. Steve Sic hingegen spielt irische Bouzuki, irische Flöten, skandinavische Obertonflöten, neo – keltische Doppelflöten und Darabuka, außerdem singt auch er, rezitiert Gedichte oder spricht ganz lässig über das Leben. Auf dem im Februar 2004 erschienenen Album „Crone of War“ huldigen Omnia bereits den heidnischen Gottheiten Taranis und insbesondere der Kriegsgöttin Morrigan. Gerade dieses kraftvolle Stück darf seither in keinem Live – Set mehr fehlen. Zum Wave Gotik Treffen 2004 meinte Steve Sic augenzwinkernd nur zum Publikum, dass er sich doch sehr wundern muss, dass gerade die Worte „Kill Maim Fight Slay Die!“ so leidenschaftlich mitgesungen werden... Zwei Jahre bleibt es dann leider recht ruhig um Omnia, wobei sie gemeinsam mit ihrer Band in den Jahren sich quer durch Europa getourt haben. Als Weggefährten der fast ersten Stunde sind in diesem Zusammenhang der Folkmusiker und Künstler Luka Aubri – Krieger zu nennen, der vor allem für die erdigen Töne sich verantwortlich zeichnet, denn er bringt die Töne Australiens durch Didgeridoo und sogar Slideridoo mit in den Sound der Band ein. Seit „Paganfolk“ fest verankert als Bandmitglied wurde Joe Hennin, der durch seine Dadgar Gitarre für die ergänzenden sanften Töne zur Harfe von Jenny beiträgt. Ich denke auch ihm sind nicht zuletzt durch diese neue Klangfarbe die keltischen Märchenstücke in der Tradition der irischen Songwriter zu verdanken. Songs wie „The Well“ oder „Two Corbiez“ sind die eigenen Interpretationen humorvoller Geschichten.

Seit ich Omnia nun kenne sind sie eine wunderbare Liveband, denn ihre Musik ist abwechslungsreich und Ausdruck ihres persönlichen Lebensgefühls und der engen Verbundenheit mit der Natur. Die Klänge jedes Album entsprießen ihrer Seele und dank dem feinsinnigen Gefühl für Kompositionen gepaart mit instrumentalem Können ergeben sich ganz unterschiedliche Stimmungsbilder. Laut Steve Sic trägt jeder Omnia Song autobiographische Züge, denn wenn Steve und Jenny traurig sind schreiben sie eher traurige Lieder, wenn sie recht fertig sind entstehen eher psychotische Lieder, schweben sie ganz und gar auf Pilzen oder Hanf entstehen eher die schamanischen Songs und wenn sie halt einmal Sex im Wald haben, dann entstehen eben Songs über die Liebe und die Natur. In den letzten Jahren kam bei beiden, ganz in der Tradition der Heidenvölker, auch die Hingabe zu edler Lyrik hinzu, die ihren Ausdruck findet in der Vertonung von Gedichten oder Dramenfragmenten. William Shakespeares Hexen aus dem Drama „Macbeth“ fanden ihren Weg in den Kosmos Omnia in Form des Stückes „Witches Brew“ - bei dem man allein durch die Wahl der Worte das brodeln des Kessels akustisch zu hören glaubt. Noch deutlicher wird dies auf dem Album „Alive!“, denn hier wurde das komplette Gedicht Edgar Allan Poes „The Raven“ vertont und erhält durch Jennys Harfenspiel zum einen etwas sanftes melancholisches, aber durch Steves Stimme wieder die nötige Mystik des Stoffes.
Berührungsängste scheinen etwas zu sein, dass Omnia nicht kennen, denn bereits 2007 verschmolzen sie wuchtige Paganfolkhymnen mit technoider Elektronik – was unvereinbar zu sein schien – erwies sich als überaus hörbar und clubtauglich. Auch jetzt mit dem neuen Album bzw. bereits auf „World of Omnia“ (2009) fand ein weiteres Instrument Eingang in die Klangwelt von Omnia. Jenny entdeckte das Klavier für sich und seither ist der weiche Klang des Pianos zu einem weiteren elementaren Bestandteil der Ausdruckskraft geworden. Was ungewöhnlich erscheinen mag, ist es im Grunde in keinster Weise, denn letztlich sind Omnia in meinen Augen als die Pioniere der „PaganFolk“ Bewegung zu betrachten, und aus etymologischer Sicht bedeutet dies nichts anderes als „naturreligiöse, traditionelle, indigene Musik.“

Dennoch, auch oder vielleicht gerade deshalb, Kreativität und Naturverbundenheit wurden durch ein restriktives Management Omnia in der Vergangenheit hinter den Kulissen entzogen, sah man in ihnen eher die Musiker und den möglichen Profit. Davon befreiten sich Omnia nun und verfechten ihre wieder erlangte Freiheit, indem sie mit dem neuen Album „Wolf Love“ mit alten bisher bekannten Konventionen brechen. Das komplette musikalische Spektrum der Band wurde einbezogen und erweitert. Mit den insgesamt 16!! neuen Songs entsteht der Eindruck, dass dieses Album nicht nur das Produkt einer Band ist, sondern vielmehr das Produkt mehrerer Bands. Beherrschend dabei ist und bleibt das Instrumentarium der Band und die gesanglichen Harmonien von Steve, Jenny und Luka, die jeden einzelnen Song zum neuen Produkt des Klangkosmos werden lassen. Die Einigkeit zieht sich außerdem auch durch die Lyrics der meisten Stücke hindurch, Motive des Wolfes, des Mondes und des Wahnsinns paaren sich mit der Analogie Mensch ist Tier bzw. das Tier ist Mensch. „Wolfs Love“ ist dadurch sicherlich das bisher düsterste Album von Omnia, wobei es auf der anderen Seite auch das poppigste sein wird, begründet durch die Einarbeitung vieler neuer Songstrukturen.
Nach kürzlichem Besetzungswechsel wird Omnia ihrer Wolfsliebe nun in der Besetzung Steve Sic, Jenny, Philip, Maral, Tom und Joe nach Deutschland bringen und das Publikum von ihrer Live Qualität überzeugen. Folgende Städte werden bereist:
14.05. Festung Mark, Magdeburg, 15.05. Maschinenhaus Berlin, 01.06. Ulmer Zelt, Ulm, 17.06. Clubshow mit Haggard in Pratteln (CH), 18.06. Feuertanz Festival Burg Abendberg, 02.07. Hörnerfest Brande, 05.08. Castlefest Lísse (NL)
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.worldofomnia.com

BLIND PASSENGER - Next Flight to Planet Earth


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Wannsee Records / Sony Music

BLIND PASSENGER – NEXT FLIGHT TO PLANET EARTH
"(VÖ: 27.08.2010 Wannsee Records)

Wenn blökende Schafe auf einer Wiese mitten im Brandenburgischen plötzlich von bizarr aussehenden NASA Schafhirten in Raumfahrtanzügen gehütet werden, oder mit Funkantennen des Fernsehturmes am Berliner Alexanderplatz Signale von außerirdischen Lebensformen geortet werden, die nicht auf den Namen E.T. Hören, dann könnte der geneigte Hörer sich schon fragen, ob er unter Umständen im falschen Film angekommen ist, oder sich entspannt zurücklehnen und einfach den Flug zur Erde genießen und sich den tanzbaren Rhythmen des jüngsten Albums von Nik Page hingeben.
Das eben erwähnte Video „Don't Drag me Down“ ist der Vorbote zum Album „Next Flight to Planet Earth“ gewesen, welchen Nik und Joke Jay (Ex And One) gemeinsam aufnahmen und auf äußerst humorvolle Weise den Wettlauf der USA und Russlands um die Vormacht im All thematisiert haben.
Nik Page selber ist nämlich als alleiniger blinder Passagier aus seinem Raumschiff gefallen um den Fans von gutem Synthie Pop nach dem Verlust der Blind Passengers einen Herzenswunsch zu erfüllen. Hatte sich Nik Page die letzten Jahre eher auf die klassischen Klänge von seinem Projekt „Songs of Lemuria“ gestürzt, so kehrt er nunmehr zurück zu seinen elektronischen Wurzeln. Ganze 15 Jahre nach seinem inzwischen zum Kult gewordenen Album „The Glamour of the Darkness“ der Blind Passengers hat er ein spannendes und durchweg tanzbares Sci-Fi Synthie Pop Album hingelegt.

Der mutige Schritt stilistisch an die frühen 80er Jahre und Beats der Wave Ära anzuknüpfen und Melodien groß zu gestalten ist Nik Pages Soloaktivitäten – etwa schon mit der Sacrifight Army- immer schon eigen gewesen, aber zudem beweist er durch seine Art und stimmliche Umsetzung einmal mehr, dass Electro – Pop keineswegs immer gleichförmig klingen muss, sondern stattdessen unterhaltsam gestaltet werden darf und in meinen persönlichen Augen auch sollte. Titel wie „Electrocop“ oder „Sincity“ folgen knalligen Sci – Fi Headlines zu treibenden EBM Klängen, während Nik und Bandkollegen optisch die Spacemans mimen, die dem ganzen den Charme verleihen.

Den Albumeinstieg bildet besagtes „Don't Drag me Down“ zusammen mit Joke Jay aufgenommen, welches bereits die Richtung des Albums vorgibt. Eingängig und tanzbar erklingt Synthiepop auf angenehm professionellem Niveau, der sich festsetzt und nicht belanglos klingt. Inspiriert von trashigen Science – Fiction Filmen alla „Robocop“ erzeugt Nik Page eine Zukunftsvision mit „Electrocop“ die von einer Zukunft spricht, in der Maschinen den Menschen ersetzen – einer Welt die unweigerlich laut Nik in Anarchie enden muss. Deutlich elektronischer unterlegt erklingt „Sincity“ ein Song der von Nik aus seinen Soloalben heraus gelöst wurde und in einer Synthie – Pop Neuinterpretation erklingt. Der vierte Song „Heart of a Sun“ ist fast schon eine elektronisch – popige Ballade und hebt sich dadurch heraus aus den anderen Songs. Nik Page erklärt dies damit, dass er dieses Stück für seine Traumfrau komponiert habe und er dadurch eine Ausnahmestellung von sich aus schon innehatte. Da die Platte „The Glamour of Darkness“ der Blind Passengers eine der Hauptinspirationsquellen zum neuen Album darstellte durfte ein Klassiker dieser Zeit auf keinen Fall fehlen, und so befindet sich „Small Town Nights 2010“ auf der Platte.
Mit knisternden Funkgeräuschen wird „Chemical Rocket Engines“ dargebracht, eigentlich ein Instrumentalstück irgendwo, was aber durch die verzerrten Störgeräusche wie aus dem Cockpit der Raumkapsel der Spacemens zu stammen scheint und somit doch Laute von sich gibt. Bizarr schräg aber dennoch fügt sich der Titel gut hinein ins Album. Mit Selbstironie versehen erklingt „Galaxy of Passion“ mit Victoria Valo im Duett gesungen. Das Wechselspiel zwischen den hingehauchten Textfragmenten von Victoria und der charismatischen Stimme von Nik erzeugen eine interessante Atmosphäre, die textlich aber durch Ironie wieder von selber gebrochen wird.
Botschaften aus dem Weltraum – durchs Megaphon gesprochen- leiten „Neverland“ ein, der sehr rhythmisch angelegt wieder einmal das Gespür von Nik verdeutlicht, Hits für die Tanzfläche zu produzieren. Der Titelsong „Last Call for Planet Earth“ wurde angeblich in einer fremden Galaxie komponiert, wo Putenschnitzel an den Bäumen wachsen. In der Tat klingt der Track so abgespacet das man meinen könnte, er kann nur irgendwo mitten in der Milchstraße entstanden sein, direkt auf der interplanetarischen Umgehungsstraße neben dem Restaurant am Ende des Universums. Als Gastmusiker Nummer Zwei konnte Nik für den Song „Fight“ einen weiteren Helden der Synthie Pop Szene gewinnen – Gary Wagner von Dance or Die, der dieser Nummer einen geilen Akzent setzt. Das Schlusslicht des Albums bildet „Riding on my Rocket Horse“ welcher erneut treibende und energiegeladene Beats steht und Lust macht mitzutanzen.

Es sei abschließend zu erwähnen, dass dieses Album einer Hündin gewidmet ist, aber nicht einfach irgendeiner, sondern vielmehr der ersten Botschafterin die ihr Leben opfern musste für den Traum in den Kosmos aufbrechen zu können - sollte diese Welt mal nicht mehr lebenswert sein. Sie wagte zwar den ersten Schritt hinein in unbekannte Welten, jedoch starb die russische Hündin Laika an Überhitzung in einer schlecht isolierten Raumkapsel.
Mir sei trotz aller Wissenschaft und allem Forscherdrang die ketzerische Frage erlaubt, warum der Mensch immer zuerst nach den Sternen greifen muss, bevor er sich seiner eigenen Welt annimmt und diese so lebenswert wie möglich gestaltet. Vielleicht ist ja dieser „Next Flight to Planet Earth“ auch als eine Entdeckungsfahrt zu den eigenen Schönheiten unseres Planeten und letztlich zu uns selbst zu verstehen!?









(Maximilian Nitzschke)



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