KRYPTERIA - All Beauty must die

/ Liberatio Music
Erstveröffentlichung: CD 2011

KRYPTERIA – ALL BEAUTY MUST DIE
"(VÖ: 22.04.2011 Liberatio Music)


Hurra endlich sind Krypteria wieder da und präsentieren dem Hörer mit ihrem vierten Album einen ungemein vielschichtigen Sound aus kraftvollem Rock, diversen Metal Spielarten, Gothicanleihen und klassischen Elementen – an sich das ist nicht neu- aber die Härte und Dramatik ist neu mit der 12 hammergeile Songs präsentiert werden. Bereits die Besetzung von Krypteria ist außergewöhnlich und ein Garant für Erfolg, denn die sympathische kölsche Koreanerin Ji-In Cho als Frontfrau ist studierte Sängerin und Pianistin, Gitarrist Chris Siemons hat als Produzent bereits dutzende Gold- und Platinauszeichnungen an der Wand hängen, Bassist Frank Sturmvoll ist ein erfahrener Spezialist für Filmscores und Sounddesign und Schlagzeuger S.C. Kuschnerus hat als singender Bösewicht bereits Hauptrollen in Rockmusicalproduktionen gespielt.

In den vergangenen sechs Jahren ist aus Krypteria eine Band gereift, in der jeder einzelne für sich schon höchste Qualität einbringt, aber die als Gesamtheit für kraftvollen Rocksound steht und ungemeine Klangästhetik zwischen epischer Schwere und sanften eher klassischen Elementen verkörpert. Gerade live sind Krypteria, wie ich im Zuge ihrer Tour mit Doro Pesch letztes Jahr erleben durfte, eine Augen- und Ohrenweide. Festivalauftritte auf dem Wacken Open Air und Summer Breeze sowie Touren mit Deep Purple, Subway to Sally und eben Doro haben den Sound der Band weiterentwickelt und wie man nun mit „All Beauty must die“ auch hören kann, härter gemacht. Kraftvoll und energiegeladen erklingt jeder einzelne Song und schon der Opener „Messiah“ legt gut vor, Ji – In bewegt sich stimmlich zwischen Aggression und Zorn und weiß den Hörer extrem gut mitzureißen.
Am Songwriting der Stücke haben alle vier Bandmitglieder gleichermaßen mitgewirkt, so dass sich im ersten Moment die Frage aufdrängt, wie dann diese lineare Epik und hörbare Härte begründet ist. Gitarrist Chris meint, dies sei der gefühlten Freiheit aller in der Band verschuldet, die man sich diesmal in der Ausarbeitung und Umsetzung der Ideen gelassen hat. Dadurch ist das Album in alle Richtungen extremer geworden, sowohl härter als eben auch epischer als beispielsweise der Vorgänger „My Fatal Kiss“. Die Bedingungen um frei arbeiten zu können, haben sich Krypteria im Vorfeld bereits selbst geschaffen, denn sie gründeten eine eigene Plattenfirma um sich unabhängig von labelpolitischen Vorgaben und Machtkämpfen ganz ihrer Musik widmen zu können. Diese neu gewonnene Freiheit dürfte auch etwas sein, was sich positiv auf „All Beauty must die“ ausgewirkt hat.

Allein sich die Freiheit herauszunehmen, einen elf minütigennn Opus mit dem Titel „The Eye Collector“ aufzunehmen ist gewagt, aber schlichtweg großartig. Inhaltlich basiert der Song auf dem Thriller „Der Augensammler“ von Sebastian Fitzek – mit dem Segen des Bestsellerautors. In diesem Kunstwerk haben alle vier Bandmitglieder Leadvocals übernommen, und wechseln scheinbar mühelos von sanften Pianoklängen zu Metallriffs. Krypteria erschaffen in Sekunden scheinbar mühelos einen ganzen Kosmos an Gefühlen beim Hörer, nicht allein nur durch die eindrucksvolle Spielkunst an den Tasten von Ji-In. Kaum ist der Hörer vom Piano betört wurden, befindet er sich schon auf der nächsten Kurve der Emotionsachterbahn voller Dramatik und Dynamik – das ist richtig großes musikalisches Kino – der Film dazu läuft im Kopf des Hörers ab!
„Gerade das Unvorhersehbare ist es doch, was ein Album zu etwas Besonderem macht,“ findet Bassist Frank und dem ist in dem Fall nichts hinzuzufügen!

Eine großartige Duettpartnerin konnte für die packende Hymne „Victoria“ gewonnen werden, bei der die Metall Queen schlechthin Doro Pesch dem Song zusätzliche Kraft verleiht. Eigentlich war eine Zusammenarbeit beider Bands wie gesagt nur naheliegend. Als Support für Doros letzte Tour ,tourten beide Bands schon mehrfach gemeinsam und mögen sich persönlich auch sehr gerne. Doro lud Ji – In zu ihrem 25jährigen Jubiläum (wie auf der DVD Doro – 25Years in Rock zu sehen ist) auf die Bühne und so wollten sich Krypteria nun ihrerseits revanchieren. „Sie singt großartig, und die Zusammenarbeit hat riesig Spaß gemacht,“ gesteht Ji – In, was man ihr bei diesem Ergebnis getrost glaubt.

Einen weiteren Gastmusiker bildet Tobias „Eggi“ Exxel der Bassist der Band Edguy, welcher dem kraftvollen Metall – Song „Higher“ ein traditionelles Metal – Solo beisteuert. Eggi ist ein langjähriger Freund von Krypteria, eine Zusammenarbeit war schon lange geplant, aber bisher stimmte das Timing nie so ganz – bis jetzt und das rockt richtig gut!
Was sicherlich sehr dazu beiträgt, dass dieses Album so kraftvoll klingt, dürfte der gesangliche Gegensatz sein zwischen Ji-In und gelegentlichem Co-Sänger „Kuschi“ der mit seiner rauen charismatischen Stimme etwa Songs wie „Turn the World Around“ zu Bombast Rock Nummern verhilft.

Hört man sich die Texte des Album nach ihrem inhaltlichen Gehalt an, so wird man auch hier ein sehr durchdachtes Textkonzept wiederfinden. Sound des Albums und Text bilden eine Einheit und transportieren die Gefühle der Sängerin schlichtweg hervorragend. Beschrieben wird die Geschichte einer Person, die gerade verdammt harte Zeiten durchmacht, sich aber dennoch nicht entmutigen lässt und an ihren Träumen festhält. Wie die Band verrät ist dies durchaus autobiographisch zu sehen, denn in den letzten Jahren hat Krypteria auch die hässlichen Seiten des Musikgeschäftes gleich mehrfach und mit voller Härte erfahren müssen. Wo andere Bands wohl längst daran zerbrochen wären, gibt es Krypteria noch immer und sind als Einheit noch enger zusammen geschweißt worden.
Etwas besonderes gibt es gleich in doppelter Form einerseits enthält das Digipack als Bonus zwei überarbeitete Neuaufnahmen von früheren Hits der Band, nämlich einerseits „Get the Hell Out of my way“ und die Ballade „Liberatio“, die als Benefiz Single für die Tsunami Opfer seinerzeit mit Gold ausgezeichnet wurde.

Bleibt am Ende nur zu sagen, dass Krypteria auch zum nunmehr vierten Mal ein hervorragendes Album gelungen ist, welches mich durch und durch zu überzeugen weiß und nicht zuletzt durch seine gesangliche Vielfältigkeit und musikalische Experimentierbreite besticht. Das Albumkonzept ist völlig durchdacht und geht auf, so dass man enttäuscht ist wenn der letzte Song im CD Player verklingt und man voller Lust erneut auf Play drückt um die Schönheit die dort sterben muss noch länger am Leben zu erhalten! (Maximilian Nitzschke)



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