BLIND PASSENGER - Next Flight to Planet Earth


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Wannsee Records / Sony Music

BLIND PASSENGER – NEXT FLIGHT TO PLANET EARTH
"(VÖ: 27.08.2010 Wannsee Records)

Wenn blökende Schafe auf einer Wiese mitten im Brandenburgischen plötzlich von bizarr aussehenden NASA Schafhirten in Raumfahrtanzügen gehütet werden, oder mit Funkantennen des Fernsehturmes am Berliner Alexanderplatz Signale von außerirdischen Lebensformen geortet werden, die nicht auf den Namen E.T. Hören, dann könnte der geneigte Hörer sich schon fragen, ob er unter Umständen im falschen Film angekommen ist, oder sich entspannt zurücklehnen und einfach den Flug zur Erde genießen und sich den tanzbaren Rhythmen des jüngsten Albums von Nik Page hingeben.
Das eben erwähnte Video „Don't Drag me Down“ ist der Vorbote zum Album „Next Flight to Planet Earth“ gewesen, welchen Nik und Joke Jay (Ex And One) gemeinsam aufnahmen und auf äußerst humorvolle Weise den Wettlauf der USA und Russlands um die Vormacht im All thematisiert haben.
Nik Page selber ist nämlich als alleiniger blinder Passagier aus seinem Raumschiff gefallen um den Fans von gutem Synthie Pop nach dem Verlust der Blind Passengers einen Herzenswunsch zu erfüllen. Hatte sich Nik Page die letzten Jahre eher auf die klassischen Klänge von seinem Projekt „Songs of Lemuria“ gestürzt, so kehrt er nunmehr zurück zu seinen elektronischen Wurzeln. Ganze 15 Jahre nach seinem inzwischen zum Kult gewordenen Album „The Glamour of the Darkness“ der Blind Passengers hat er ein spannendes und durchweg tanzbares Sci-Fi Synthie Pop Album hingelegt.

Der mutige Schritt stilistisch an die frühen 80er Jahre und Beats der Wave Ära anzuknüpfen und Melodien groß zu gestalten ist Nik Pages Soloaktivitäten – etwa schon mit der Sacrifight Army- immer schon eigen gewesen, aber zudem beweist er durch seine Art und stimmliche Umsetzung einmal mehr, dass Electro – Pop keineswegs immer gleichförmig klingen muss, sondern stattdessen unterhaltsam gestaltet werden darf und in meinen persönlichen Augen auch sollte. Titel wie „Electrocop“ oder „Sincity“ folgen knalligen Sci – Fi Headlines zu treibenden EBM Klängen, während Nik und Bandkollegen optisch die Spacemans mimen, die dem ganzen den Charme verleihen.

Den Albumeinstieg bildet besagtes „Don't Drag me Down“ zusammen mit Joke Jay aufgenommen, welches bereits die Richtung des Albums vorgibt. Eingängig und tanzbar erklingt Synthiepop auf angenehm professionellem Niveau, der sich festsetzt und nicht belanglos klingt. Inspiriert von trashigen Science – Fiction Filmen alla „Robocop“ erzeugt Nik Page eine Zukunftsvision mit „Electrocop“ die von einer Zukunft spricht, in der Maschinen den Menschen ersetzen – einer Welt die unweigerlich laut Nik in Anarchie enden muss. Deutlich elektronischer unterlegt erklingt „Sincity“ ein Song der von Nik aus seinen Soloalben heraus gelöst wurde und in einer Synthie – Pop Neuinterpretation erklingt. Der vierte Song „Heart of a Sun“ ist fast schon eine elektronisch – popige Ballade und hebt sich dadurch heraus aus den anderen Songs. Nik Page erklärt dies damit, dass er dieses Stück für seine Traumfrau komponiert habe und er dadurch eine Ausnahmestellung von sich aus schon innehatte. Da die Platte „The Glamour of Darkness“ der Blind Passengers eine der Hauptinspirationsquellen zum neuen Album darstellte durfte ein Klassiker dieser Zeit auf keinen Fall fehlen, und so befindet sich „Small Town Nights 2010“ auf der Platte.
Mit knisternden Funkgeräuschen wird „Chemical Rocket Engines“ dargebracht, eigentlich ein Instrumentalstück irgendwo, was aber durch die verzerrten Störgeräusche wie aus dem Cockpit der Raumkapsel der Spacemens zu stammen scheint und somit doch Laute von sich gibt. Bizarr schräg aber dennoch fügt sich der Titel gut hinein ins Album. Mit Selbstironie versehen erklingt „Galaxy of Passion“ mit Victoria Valo im Duett gesungen. Das Wechselspiel zwischen den hingehauchten Textfragmenten von Victoria und der charismatischen Stimme von Nik erzeugen eine interessante Atmosphäre, die textlich aber durch Ironie wieder von selber gebrochen wird.
Botschaften aus dem Weltraum – durchs Megaphon gesprochen- leiten „Neverland“ ein, der sehr rhythmisch angelegt wieder einmal das Gespür von Nik verdeutlicht, Hits für die Tanzfläche zu produzieren. Der Titelsong „Last Call for Planet Earth“ wurde angeblich in einer fremden Galaxie komponiert, wo Putenschnitzel an den Bäumen wachsen. In der Tat klingt der Track so abgespacet das man meinen könnte, er kann nur irgendwo mitten in der Milchstraße entstanden sein, direkt auf der interplanetarischen Umgehungsstraße neben dem Restaurant am Ende des Universums. Als Gastmusiker Nummer Zwei konnte Nik für den Song „Fight“ einen weiteren Helden der Synthie Pop Szene gewinnen – Gary Wagner von Dance or Die, der dieser Nummer einen geilen Akzent setzt. Das Schlusslicht des Albums bildet „Riding on my Rocket Horse“ welcher erneut treibende und energiegeladene Beats steht und Lust macht mitzutanzen.

Es sei abschließend zu erwähnen, dass dieses Album einer Hündin gewidmet ist, aber nicht einfach irgendeiner, sondern vielmehr der ersten Botschafterin die ihr Leben opfern musste für den Traum in den Kosmos aufbrechen zu können - sollte diese Welt mal nicht mehr lebenswert sein. Sie wagte zwar den ersten Schritt hinein in unbekannte Welten, jedoch starb die russische Hündin Laika an Überhitzung in einer schlecht isolierten Raumkapsel.
Mir sei trotz aller Wissenschaft und allem Forscherdrang die ketzerische Frage erlaubt, warum der Mensch immer zuerst nach den Sternen greifen muss, bevor er sich seiner eigenen Welt annimmt und diese so lebenswert wie möglich gestaltet. Vielleicht ist ja dieser „Next Flight to Planet Earth“ auch als eine Entdeckungsfahrt zu den eigenen Schönheiten unseres Planeten und letztlich zu uns selbst zu verstehen!?









(Maximilian Nitzschke)



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