BAKTERIELLE INFEKTION - Global Players E.P.


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2002 / Invisible Records

Lange angekündigt, endlich erschienen, die Live-7“ EP der Berliner BAKTERIELLE INFEKTION. Aufgenommen in Erlangen im Jahre 2001 und limitiert auf eine lächerliche Zahl von Exemplaren, dürften alle Fans, die das Vinyl ergattern, zufrieden sein. Die A-Seite enthält die Tracks „Actors On Stage“ und „Living In The Underground“, die B-Seite die Joy Division Coverversion „A Means To An End“.

Liveplatten von Electrobands sind häufig ausgesprochen langweilig, weil kaum Platz für Improvisation ist und alles meist wie auf den Studioreleases klingt. Anders bei BAKTERIELLE INFEKTION, die doch anders klingen , als gewohnt, natürlich vor allem wegen des Gesanges. Die Songs werden nicht einfach nur reproduziert,sondern klingen deutlich rauer und eben live. Leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit Uwe Marx und Roger Semsroth auf der Bühne zu erleben, aber mit dieser Single bin ich sehr gespannt darauf. Wer auf Minimal-Electro steht und da auch mal auf weniger sterile Klänge, sollte versuche, sich dieses Schätzchen zu sichern. Dürfte demnächst bei Ebay unverschämte Sumen kosten. (A.P.)

E-Mail-Adresse der Band: invisible-records@gmx.net

1997EV - Zeta Reticuli


Erstveröffentlichung: LP 2010 / Reue um Reue / T.u.T./R.u.R. / R.u.R.017

Der Projektname 1997EV klingt recht experimentell, der Plattentitel „Zeta Reticuli“ und das Artwork lassen irgendwie etwas hippieskes oder gar krautrockiges erwarten und auch, wenn das sicher alles irgendwie Einfluss hatte, trifft man damit nicht auf den Punkt. 1997EV ist anders, minimalistisch aber laut, eingängig aber schräg, elektronisch aber mit Gitarren, abwechslungsreich aber rituell. Man könnte das fortführen und trotzdem kaum beschreiben, was der Hörer nun wirklich geboten bekommt. Versuche ich es also einfach doch mal mit ganz banalen Vergleichen zu Bands, die man kennt, obwohl auch das nur eine vage Annäherung an den Sound ist. Man stelle sich vor, die Legendary Pink Dots hätten mit Clock DVA, Cabaret Voltaire und den frühen Psychic TV zusammen eine Platte aufgenommen. Klingt unglaublich und was man zu hören bekommt ist dann auch so schwer greifbar, wie man sich eine Kollaboration dieser Gruppen vorzustellen hat. Ein bisschen ambient, leicht psychedelisch und rituell strömen die Klanglandschaften aus den Boxen und werden von einer monotonen Stimme, die Texte eher spricht als singt vervollkommnet. Das ist spannend und sicher am ehesten für Freunde von ruhigem Industrial interessant, die auch die eine oder andere frühere Cold Meat Industry-Veröffentlichung lieben. Auch Fans der guten alten Swans sollten mal ein Ohr riskieren. Wer einen neuen Soundtrack zu den experimentellen Kurzfilmen von Richard Kern braucht, ist hier ebenso richtig und ahnt, was ihn erwartet.
Die Auflage von 315 Exemplaren erscheint in drei verschiedenen Vinylfarben, wobei mir das transparente goldfarbene Vinyl vorliegt, was wirklich schick ist. Eine der spannendsten von durchweg guten Veröffentlichungen auf Reue Um Reue und vielleicht die „lauteste“ Platte auf dem Label. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

TELEVISION SET/OTHERS IN CONVERSATION - November Session


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2009 / Genetic Music / gen028

TELEVISION SET als Soloprojekt von Roger Semsroth (Skanfrom, Bakterielle Infektion) kennt man durch feine Vinylveröffentlichungen schon einige Jahre. OTHERS IN CONVERSATION haben vor gar nicht mal so langer Zeit mit einer sehr schön wavigen Single begeistert. Bereits im Jahr 2008 haben sich die Musiker beider Projekte zusammengetan und eine sehr schöne Kollaborations-Single aufgenommen, die 2009 bei Genetic Music erschienen ist. Es ist keine Split-Single, wie man zunächst erwarten könnte, sondern tatsächlich eine Zusammenarbeit. Und wie es bei so einer gemeinsamen Session sein sollte, kommt durch die unterschiedlichen Einflüsse der Musiker etwas Neues heraus, das den Geist beider Bands transportiert, durchaus auch den jeweiligen Stil durchklingen lässt, aber eben auch anders klingt. Die A-Seite „Words Unspoken“ klingt, als hätte der For Against-Gitarrist bei einem Bakterielle Infektion-Stück mitgespielt, also monotone Minimal-Rhythmen, simple Ohrwurm-Keyboardlinien und sehr schön wavige Gitarren von M. Steward.
Tanzbarer und mit fettem Bass versehen, ansonsten aber in die gleiche Richtung gehend ist die B-Seite „Untitled 08“. Purer 80er Jahre Sound mit einer leicht curigen Gitarre, wobei mir allerdings der Gesang fehlt. Ja, ich würde sogar sagen, Gesang hätte diesen Instrumentaltitel zu einem echten Hit gemacht. So liegt bei mir aber doch „Words Unspoken“ mit der Stimme von Helena Roos knapp vorne, aber was heißt das schon bei einer schlicht gestalteten 2-Track-Single? Schöne Platte für all die heimlichen Alt-Waver unter uns. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

OTHERS IN CONVERSATION/TELEVISION SET - November Session


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2009 / Genetic Music / gen028

TELEVISION SET als Soloprojekt von Roger Semsroth (Skanfrom, Bakterielle Infektion) kennt man durch feine Vinylveröffentlichungen schon einige Jahre. OTHERS IN CONVERSATION haben vor gar nicht mal so langer Zeit mit einer sehr schön wavigen Single begeistert. Bereits im Jahr 2008 haben sich die Musiker beider Projekte zusammengetan und eine sehr schöne Kollaborations-Single aufgenommen, die 2009 bei Genetic Music erschienen ist. Es ist keine Split-Single, wie man zunächst erwarten könnte, sondern tatsächlich eine Zusammenarbeit. Und wie es bei so einer gemeinsamen Session sein sollte, kommt durch die unterschiedlichen Einflüsse der Musiker etwas Neues heraus, das den Geist beider Bands transportiert, durchaus auch den jeweiligen Stil durchklingen lässt, aber eben auch anders klingt. Die A-Seite „Words Unspoken“ klingt, als hätte der For Against-Gitarrist bei einem Bakterielle Infektion-Stück mitgespielt, also monotone Minimal-Rhythmen, simple Ohrwurm-Keyboardlinien und sehr schön wavige Gitarren von M. Steward.
Tanzbarer und mit fettem Bass versehen, ansonsten aber in die gleiche Richtung gehend ist die B-Seite „Untitled 08“. Purer 80er Jahre Sound mit einer leicht curigen Gitarre, wobei mir allerdings der Gesang fehlt. Ja, ich würde sogar sagen, Gesang hätte diesen Instrumentaltitel zu einem echten Hit gemacht. So liegt bei mir aber doch „Words Unspoken“ mit der Stimme von Helena Roos knapp vorne, aber was heißt das schon bei einer schlicht gestalteten 2-Track-Single? Schöne Platte für all die heimlichen Alt-Waver unter uns. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

MY NAME IS MUSIC - We Are Terrorists


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Pate Records / Edel / pate 80

MY NAME IS MUSIC aus Österreich haben 2010 ihr erstes Album „Revolution“ veröffentlicht und konnten damit international einige kleinere Achtungserfolge verbuchen. Nun legt das Frau-Mann-Duo das zweite Album vor, das nach „Revolution“ folgerichtig „We Are Terrorists“ heißt und den beiden sicher noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen wird. Mit total reduziertem Instrumentarium und staubtrockener Produktion werden zwölf Pop/Rock-Songs in weniger als 45 Minuten abgeliefert, die hier und da sogar ein bisschen Hitpotential haben. Die Bandkonstellation, aber auch der Sound, erinnert stark an Größen wie The Kills und White Stripes, was kaum ein Zufall sein dürfte. Darüber hinaus gibt es einige Anklänge an den Garagen-Sound so mancher 60er/70er Jahre Underground-Band und man könnte sich vorstellen, dass ein Regisseur wie Quentin Tarantino was von der Gruppe verwenden würde, wenn er einen zweiten Teil von „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ drehte. Mir persönlich ist die Stimme von Sängerin Phoebe Hall gelegentlich zu soulig und die Instrumentierung von Niki Altmann hier und da etwas zu reduziert retromäßig. So fehlt vielleicht der richtige Hit, der eben Bands wie The Kills („No Wow“) und White Stripes („Seven Nation Army“) zum Durchbruch verholfen hat, oder anders ausgedrückt: der große Überraschungsmoment, der MY NAME IS MUSIC aus der Masse hervorhebt bleibt aus.
Trotzdem kriegt man hier ein interessantes, teilweise sogar sehr gutes Album zu hören, dass einige kleine Hits wie „Straight And Simple“, „Kill The Beat“, „Pop Is Dead“ und „We Are Terrorists“ enthält und dazu noch eine ganz gelungene Coverversion von The Cures „Killing An Arab“. Dazu gibt es ein recht aufwändig und gut gestaltetes Booklet. Alternative-Garagen-Rock mit Soul-Anklängen oder so ähnlich muss man das wohl nennen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.mynameismusic.com

VENDEMMIAN - One In A Million


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / Sony Music / EZ11C582

Nach einigen Cassetten und Minialben belieferte uns die englische Band VENDEMMIAN in der ersten Hälfte der 90er Jahre mit einigen Alben und Singles – und zahlreichen Sampler-Beiträgen - und gehörte zur Speerspitze der damals bereits dritten englischen Gothic-Rock-Generation, die sich am ehesten an Bands wie The Mission und Field Of The Nephilim orientierte. VENDEMMIAN brachten dazu immer einen gewissen Gitarren-Wave-Einfluss mit, der ihre Musik oft etwas frischer erscheinen ließ, als es bei vielen anderen Bands der Fall war. Düsternis stand nicht unbedingt im Vordergrund und vor allem live rockte die Band ordentlich ab. Dann, ab 1997, verschwand die Band plötzlich von der Bildfläche und erst 2008 meldete sich die Gruppe mit einem neuen Album zurück, das fast nahtlos an die älteren Aufnahmen anschloss.
2011 ist nun auf dem deutschen Label Echozone das fünfte Album „One In A Million“ erschienen, das die Qualitäten der Band problemlos wieder aufleben lässt und Fans von Brit-Goth der alten Schule erfreuen dürfte. Recht eingängig, und manchmal bei den Gitarren vielleicht etwas zu glatt produziert, gibt es eine ganze Reihe potentieller Hits für Old School-Gothics, wobei das Problem leider ist, dass dieser Stil derzeit in der schwarzen Szene kaum angesagt ist. Trotzdem ist das Album richtig gut und schafft es, den alten Stil in unsere Zeit herüber zu retten. Das heißt, die Musik klingt eben nicht altbacken, wie man erwarten könnte, sondern sehr treibend und frisch. Die Einflüsse von vielen Größen des Gothic-Rock der letzten knapp 30 Jahre sind deutlich hörbar, dafür aber keinerlei Anbiederungen an den Metal-Bereich, was mich sehr freut. So manche gute Gothic-Rock-Band ist in der Vergangenheit der Versuchung erlegen, sich mittels Metal-Einflüssen eine breitere Käuferschicht zu erschließen zu wollen.
Mit unter 45 Minuten Spielzeit kommt auch niemals Langeweile auf.
Hit ist für mich gleich der Opener „One In A Million“, der auch ein paar Anklänge an The Essence bietet, aber auch „Innocent“ hat fast schon Hymnencharakter mit herrlicher Wave-Gitarre.
Aufs ganze Album bezogen hätte es insgesamt gerne etwas rauer mit ein paar mehr Ecken und Kanten sein dürfen, doch auch so lässt One In A Million“ wohlige Erinnerungen an die Szene der frühen 90er Jahre aufkommen. (A.P.)

POKETT - Three Free Trees


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Dust On The Tracks / DOTT201041

In den 80er Jahren gab e seine Zeit, als Indie-Pop richtig groß und erfolgreich war, vor allem in England. Der Stil hat sich gehalten, auch, wenn er seltener geworden ist, seit Grunge die Gitarrenmusik merkwürdigerweise komplett umgekrempelt hat. Dennoch gibt es immer wieder Bands, die sich an den fluffigen Gitarrenklängen versuchen, gerne kombiniert mit etwa raueren Alternative-Rock Elementen. Genau in diese Kerbe, verfeinert mit ein bisschen Folk und Acoustic-Geklimper schlägt auch die französische Band POKETT. In kompakten 33 Minuten werden neun Tracks abgeliefert, die hier und da ein wenig sehr glatt erscheinen und nicht unbedingt einen Spektakularitäts-Preis abräumen würden, aber angenehm im Ohr bleiben und als leichte Hintergrundmusik bei der Hausarbeit genau richtig sind. Das klingt jetzt vielleicht böser, als es gemeint ist, aber tatsächlich hat man ein gutes Gefühl, wenn die CD zu Ende ist, weiß aber nach ein paar Minuten wahrscheinlich schon gar nicht mehr, woher das eigentlich kommt. Ein paar mehr Ecken und Kanten beim nächsten Album, dann kann das vielleicht noch richtig was werden. So ist es einfach nur nett im positiven Sinne. Für den Videoclip zu „Someone You Know“ liegt die notwendige 3-D-Brille bei. (A.P.)

Webadresse der Band: www.dott-music.com

LES FLEURS DU MAL - I


Erstveröffentlichung: CD-EP 2011 / Malicious Release / Echozone / MARE001

Bands mit dem Namen LES FLEURS DU MAL gab es in den letzten Jahrzehnten so einige. Charles Baudelaires Gedichtband dieses Namens hat es Menschen, die die eher dunkle Seite der Kunst lieben, schon immer angetan. So auch dem schwedischen Musiker Axel Grim, der sein neues Projekt so benannte. Und der Name passt, das kann man schon mal vorweg nehmen. Es ist kaum verwunderlich, dass es hier eine Mischung aus altem Gothic-Rock und Dark Wave zu hören gibt, wobei Bands wie Joy Division, Clan Of Xymox und The Sisters Of Mercy auf der einen und spätere Epigonen wie The Escape, The Merry Thoughts und The Garden Of Delight auf der anderen Seite ihre Spuren hinterlassen haben. Zusammen mit einer ordentlichen Portion Flächen-Synthies kommt hier eine sehr schöne Mischung raus. Obwohl oder gerade weil das alles relativ klischeehaft erscheint, machen die fünf Tracks dieser CD-EP richtig Spaß und dürften vor allem Old School-Fans erfreuen. Eine etwas fettere Produktion wäre zwar schön gewesen, aber auch so bleibt eine Menge Positives hängen. Mich erinnert es auch an manche Früh-90er-Band wie After Darkness, Memoires D’Automne, Lucie Cries, Nuit D’Octobre, Land Of Passion oder so manch andere leider viel zu unbekannt gebliebene Gruppe der damaligen Zeit. Ich nehme mal an, dass diese CD-EP auch käuflich zu erwerben ist, auch, wenn „Promo“ auf dem Cover drauf steht. Ist wohl hauptsächlich dazu gedacht, Labels für eine größere Veröffentlichung aufmerksam zu machen. Wenn jetzt zufällig gerade ein Old School-Gothic-Revival starten würde, wären LES FLEURS DU MAL vielleicht ganz vorne dabei. Wer beispielsweise die Australier Ikon mag, sollte auch hier mal reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.lesfleursdumal.se

BLOODYGRAVE & DIE LUST - Bloodygrave & Die Lust


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2010 / Hertz-Schrittmacher / Kernkrach / hertz032

BLOODYGRAVE & DIE LUST ist eine Zusammenarbeit zweiter deutscher Musiker, die zuvor schon in verschiedenen anderen Bands und Projekten zwischen Punk, Wave, Electro und Prog-Rock aktiv waren. In Berlin lernten die beiden sich zufällig kennen und begannen zusammen Musik zu machen. Das Ergebnis sind nun diese vier Tracks auf kleinem Vinyl, das bei Kernkrach erschienen ist. Damit ist die Richtung Minimal-Electro-Wave schon ziemlich klar und genau das wird auch geboten, allerdings mit einer gewissen Punk-Attitüde, ohne aber Electro-Punk zu sein.
Los geht es aber mit einer Coverversion des Deutsch-Punk-Klassikers „S.O.S.“ von Toxoplasma, die ausgesprochen gut gelungen ist. Das erinnert von der Idee her stark an das Razzia-Cover „Arsch im Sarge“ von Bakterielle Infektion. Ob „Chlorleichen“ ebenfalls ein Cover ist oder sonst etwas mit der gleichnamigen Punkband von Anfang der 80er Jahre zu tun hat, weiß ich nicht sicher, es würde mich aber nicht wundern. „Rattengift“ ist aber auf jeden Fall keine Electro-Version vom Der Fluch-Song dieses Namens. „Minimalerei“ beendet schließlich die Platte dann schon wieder mit etwas schrägeren Minimal-Klängen, die irgendwo zwischen Der Plan und frühen Cabaret Voltaire einzuordnen sind.
Das Kernkrach-typische Gefühl vermitteln die limitierte Auflage von 300 (laut Website) oder 250 (laut Coververmerk) Exemplaren, das farbige Vinyl, die diversen Beilagen und das handgemachte Cover. Alles in allem also eine „normale“ Kernkrach-Veröffentlichung im allerbesten Sinne. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

WAITING IN VAIN - Awake Again EP

Wiederveröffentlichung: CD 2011 / Eigenveröffentlichung / AF Music / WiV006
Erstveröffentlichung: Download 2011 / Eigenveröffentlichung / AF Music / WiV 006

WAITING IN VAIN kannte ich ehrlich gesagt bisher noch nicht, was schade ist, denn wenn die bisherigen Veröffentlichungen in Eigenregie auch so gut sind, wie diese 33-minütige Download-EP, habe ich wahrscheinlich eine Menge guter Musik verpasst. Rockmatic-Pop nennt der Waschzettel die Musik der deutschen Band und auch der Begriff Electro-Rock wird benutzt, wobei der griffiger und nachvollziehbarer ist, als eine selbstkreierte Fantasiebezeichnung.
Wenn man Electro-Rock einfach als gleichberechtigte Kombination aus Gitarren und Elektronik beschreibt, passt der Begriff sogar ziemlich gut. So manche Electro- oder Synthie-Pop-Band hat versucht, sich mittels der Hinzunahme von Gitarren weiter zu entwickeln, mir fallen da spontan De/Vision und die Blind Passengers ein. Leider war das nur selten überzeugend, weil es oft sehr verkrampft wirkte, nur um zu zeigen, dass man eben nicht nur auf „einfachen“ Synthie-Pop festgelegt werden wollte. Die den anderen fehlende Lockerheit bieten aber WAITING IN VAIN auf dieser Remix-EP. Obwohl ich kein großer Fan von Remixen bin, macht diese EP Spaß, weil sie kraftvoll ist, mal technoid, mal eher rockig, hier und da auch ein bisschen gothic, aber immer schön eingängig. Das Quäntchen, das die Band über vergleichbare Acts hinaushebt, ist der sehr angenehme Gesang, der nicht vermixt oder mit schlechten Effekten versaut wurde. Das Beste ist aber, dass der Download kostenlos und eine Weiterverbreitung (natürlich ohne kommerzielle Hintergedanken!) ausdrücklich erwünscht ist. Für alt-schulige Musikfans gibt es aber auch eine CD-Version mit einem Bonustrack, die dann aber sicher nicht umsonst.
Sympathische Band, lobenswerte Vermarktungsstrategie und einfach gute Musik, die zwar kaum Neues bietet, aber ausgesprochen frisch klingt. Da wünscht man der Band doch gleich richtig den größeren Erfolg. (A.P.)

Webadresse der Band: www-af-music.de

THE DARK UNSPOKEN - Rotten Memories


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Darkun Ratrec/Codeline Records / RR14CD/CDL 012

Nach dem regulären Debütalbum „Die By Echos“ von 2006 legt das Projekt THE DARK UNSPOKEN nun 2008 den Nachfolger vor, wiederum weitgehend als Eigenproduktion mit Unterstützung des Labels Codeline Records. Grundsätzliches geändert hat sich musikalisch nicht und Mastermind Darkun schätzt sich auch ganz realistisch ein, wenn er als Einflüsse den Dark Wave und Electro der 90er Jahre nennt. Größen wie Project Pitchfork haben da nachhaltig Eindruck hinterlassen.
Wie schon beim ersten Album schafft es THE DARK UNSPOKEN aber ziemlich gut, eingängigen Electro-Wave mit düsteren Dancefloor-Rhythmen zu kombinieren und da das alles recht gut und fett produziert ist, könnte man den einen oder anderen Song auch gut mal in den einschlägigen Clubs hören.
Das ist alles nicht besonders innovativ, aber solide und damit schon besser, als so viele andere Heimproduktionen. Neben den elf regulären Songs bietet die CD auch noch vier Remixe und ein durchaus gelungenes Artwork. (A.P.)



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