1997EV - Zeta Reticuli


Erstveröffentlichung: LP 2010 / Reue um Reue / T.u.T./R.u.R. / R.u.R.017

Der Projektname 1997EV klingt recht experimentell, der Plattentitel „Zeta Reticuli“ und das Artwork lassen irgendwie etwas hippieskes oder gar krautrockiges erwarten und auch, wenn das sicher alles irgendwie Einfluss hatte, trifft man damit nicht auf den Punkt. 1997EV ist anders, minimalistisch aber laut, eingängig aber schräg, elektronisch aber mit Gitarren, abwechslungsreich aber rituell. Man könnte das fortführen und trotzdem kaum beschreiben, was der Hörer nun wirklich geboten bekommt. Versuche ich es also einfach doch mal mit ganz banalen Vergleichen zu Bands, die man kennt, obwohl auch das nur eine vage Annäherung an den Sound ist. Man stelle sich vor, die Legendary Pink Dots hätten mit Clock DVA, Cabaret Voltaire und den frühen Psychic TV zusammen eine Platte aufgenommen. Klingt unglaublich und was man zu hören bekommt ist dann auch so schwer greifbar, wie man sich eine Kollaboration dieser Gruppen vorzustellen hat. Ein bisschen ambient, leicht psychedelisch und rituell strömen die Klanglandschaften aus den Boxen und werden von einer monotonen Stimme, die Texte eher spricht als singt vervollkommnet. Das ist spannend und sicher am ehesten für Freunde von ruhigem Industrial interessant, die auch die eine oder andere frühere Cold Meat Industry-Veröffentlichung lieben. Auch Fans der guten alten Swans sollten mal ein Ohr riskieren. Wer einen neuen Soundtrack zu den experimentellen Kurzfilmen von Richard Kern braucht, ist hier ebenso richtig und ahnt, was ihn erwartet.
Die Auflage von 315 Exemplaren erscheint in drei verschiedenen Vinylfarben, wobei mir das transparente goldfarbene Vinyl vorliegt, was wirklich schick ist. Eine der spannendsten von durchweg guten Veröffentlichungen auf Reue Um Reue und vielleicht die „lauteste“ Platte auf dem Label. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com


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