BAKTERIELLE INFEKTION - Sleepless


Erstveröffentlichung: CD-R 1998 / A & T Records

Die CD-Besprechung dient eigentlich nur zur Information, denn kaufen kann man diese 1998er Veröffentlichung vom Stuttgarter A & T Label sicher nirgends mehr, da die Auflage der CD-R lächerliche 200 Exemplare betrug, was ausgesprochen schade ist, denn mit diesem Werk hätte die Berliner Gruppe einen kleinen Durchbruch schaffen können. Die CD-R enthält einige Tracks von frühen Tapes und einige bis dahin unveröffentlichte Titel, die jeden Fan von analoger Elektronik und minimalistischen Blubber- und Klickersounds nahe an den Orgasmus bringen dürften. Ich muß immer mal wieder an frühe Insekt Sachen denken, Klinik kommen mir auch in den Sinn und all die anderen Minimal-Elektroniker aus den 80ern. Neben anderen aktuellen Projekten wie We., Alien Skull Paint und eigentlich dem ganzen Labelprogramm von Genetic Music zählen BAKTERIELLE INFEKTION sicherlich zu den Bewahrern des Sounds der 80er Jahre, als noch bei Sythezisern an Knöpfen gedreht und rumgedrückt wurde und nicht digitale, stets gleichklingende Stücke am Heimcomputer konstruiert wurden, wie heute. Sucht Euch jemanden, der Euch die „Sleepless“ kopiert, ein Original der alten Tapes oder dieser CD-R werdet Ihr sicher nirgends mehr finden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.bakterielle-infektion.de

RAJNA - Offering


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Equilibrium Music / EQM031

Seit Ende der 90er Jahre hat das französische Projekt RAJNA schon eine ganze Reihe von Platten veröffentlicht und es ist wenig überraschend, dass es 2010 schließlich beim portugiesischen Label Equilibrium Music gelandet ist. Das Label ist bekannt für qualitativ hochwertige Veröffentlichungen aus den Bereichen Neo-Folk, Neo-Klassik und Ambient und genau in dieses Schema passt RAJNA hervorragend hinein. Sicher dürften Größen wie Dead Can Dance (zur „The Serpent’s Egg“ und „Aion“-Zeit) und Ataraxia ihre Spuren hinterlassen haben, ohne, dass RAJNA nun zur bloßen Kopie verkommen würde. Die Einflüsse stammen aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen, wobei vor allem alte Musik aus dem Orient und Osteuropa oft durchklingt. Mit moderner Musik hat das alles nichts zu tun, ist aber eine durchaus eingängige Alternative, wenn man sich mal aus dem hektischen Alltag zurückziehen möchte. Tatsächlich wird das Duo wohl mehr als zufrieden sein, wenn man seine Musik als Reise in fremde Kulturen beschreibt. Aetherical-World-Music könnte man es nennen und damit eine knappe dreiviertel Stunde wunderbar abschalten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.equilibriummusic.com

THE AUTUMN SHADES - Time Is A Murderer

Wiederveröffentlichung: CD-R 2010 / Plastic Frog Records / pfr041
Erstveröffentlichung: CD 2010 / Plastic Frog Rcords / pfr041

Bei einem Bandnamen wie THE AUTUMN SHADES und der Entstehungszeit der Songs in der zweiten Hälfte der 80er Jahre wird man fast mit der Nase (besser: mit den Ohren) darauf gestoßen, dass es sich hier um eine Gitarren-Wave-Band handeln muss. Das Label Plastic Frog Records, das die alten Aufnahmen der deutschen Band aufbereitet und veröffentlicht hat lässt ebenso darauf schließen, dass wir es hier mit gutem alten Wave zu tun haben. Und tatsächlich, ganz falsch liegt man mit der Vermutung nicht, auch, wenn keine „neuen“ Pink Turns Blue oder Marquee Moon dabei herauskommen. THE AUTUMN SHADES spielen eine Mischung aus Gitarren-Pop und Alternative-Rock, die mit einer riesigen Portion Wave aufbereitet wurde. Hier und da ein bisschen Post-Punk dazu und auch Mainstream-Rock und etwas 60s Beat klingen hin und wieder durch. Das ist, man muss es einfach sagen, schon Ende der 80er Jahre nicht so richtig innovativ gewesen, aber doch beim Aufräumen nebenbei gut anhörbar und eingängig. Irgendwo in einer Schublade mit mehr oder weniger bekannten Bands wie The Colour Red, Watercolours, Remain In Silence, Red Dancing oder They Fade In Silence. Und das waren ja alles sehr solide Gitarren-Bands. Zu den erst genannten Klassikern des Genres werden THE AUTUMN SHADES aber auch in Zukunft nicht gehören.
Das hat sich wohl auch Plastic Frog Records gedacht und die Erstauflage als gepresste CD in einer Auflage von nur 100 Exemplaren veröffentlicht. Danach ist das Album weiterhin als professionell aufgemachte CD-R erhältlich. So kann man das finanzielle Risiko bei der Veröffentlichung von (leider!) nicht ganz zeitgemäßer Musik in überschaubaren Grenzen halten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.plasticfrogrecords.com

BARBARA HORNBERGER - Geschichte Wird Gemacht


Erstveröffentlichung: Buch 2011 / Königshausen & Neumann / ISBN 978-3-8260-4288-1

Bücher über die Neue Deutsche Welle gibt es viele, einige sind gleich damals entstanden und haben ohne große Distanz eher beschrieben, was in der deutschen Musikszene so zwischen 1979 und 1983 geschah, andere sind in den letzten Jahren von Zeitzeugen verfasst worden und haben mit dem Abstand von über 20 Jahren die Zeit entweder romantisch verklärt oder grob auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.
Einen ganz anderen, nämlich trocken-wissenschaftlichen Ansatz hat Barbara Hornberger mit ihrem Buch „Geschichte wird gemacht“ gewählt und untersucht als Außenstehende, ob die NDW eine eigenständige Jugendbewegung war. Um es vorweg zu nehmen: Hornberger kommt zu dem Ergebnis, dass es so war.
Sie selber hat die NDW als Teenager nur am Rande erlebt und sich den Inhalt ihrer Arbeit über die Platten und Bücher-/Zeitungsartikel erarbeitet. Selber scheint sie keine Zeitzeugen befragt zu haben, was eigentlich unverantwortlich ist. Herausgekommen ist ein 430 Seiten dicker Wälzer, von dem sie und sicher viele Wissenschaftler-Kollegen der Meinung sein dürften, hier das nun geltende Standardwerk zum Thema geschaffen zu haben, alleine schon wegen des Umfangs. DAS ist dieses Buch aber definitiv nicht, denn dafür fehlt viel zu viel, was vielleicht nicht prägend oder langfristig wichtig war, aber eben doch die Vielseitigkeit der NDW ausgemacht hat.
In sehr wissenschaftlichem Ton mit langen Sätzen voller Fremdwörter versucht Hornberger etwas zu erklären, was sie selber offenbar – zumindest heute nicht mehr – fühlt. So bleibt sie, wahrscheinlich dem akademischen Anspruch geschuldet, ziemlich an der Oberfläche und analysiert, vermeidet aber jegliche Begeisterung für die Musik. Aber gerade diese Begeisterung war es doch, zumindest in der frühen Phase der NDW, die die musikalische Explosion erst ermöglicht hat. Die Autorin hingegen wahrt immer Distanz, Sachlichkeit geht ihr über alles. Damit verfolgt sie einen ganz anderen Ansatz als beispielsweise Teipel mit „Verschwende deine Jugend“ oder Hollow Skai mit „Alles nur geträumt“, die beide direkt aus der Szene gekommen sind und für die die NDW-Zeit eben einen wichtigen Teil ihres Lebens bedeutet hat.
Die wissenschaftliche Form wird auch sehr von hunderten Fußnoten geprägt, die auch gerne mal ein Viertel bis ein Drittel der Seiten einnehmen. Okay, in Zeiten von Guttenberg und anderen Betrügern schadet es sicher nicht, zu viel anzumerken. Vieles hätte man aber auch problemlos in den Fließtext einarbeiten können, was das Lesen erleichtert hätte.
Die ersten rund 100 Seiten, als fast ein Viertel des Buches, wird für die Einleitung genutzt und sind fast durchgehend staubtrocken zu lesen, so dass manch Leser das Buch schon etwas entnervt zur Seite legen wird. Wenn man aber durchhält, bekommt man ab da dann doch so einige interessante Ergebnisse der Forschungsarbeit präsentiert. Sicher stimmt man nicht allen Schlussfolgerungen zu, wenn man sich mit dem Thema schon beschäftigt hat, aber zumindest werden sie nachvollziehbar herausgearbeitet. Dabei konzentriert sich Hornberger auf wenige Bands, die sie als stellvertretend für alle Phasen der NDW ansieht. Die Auswahl ist zwar korrekt, aber die vielen vielen weiteren Bands und Projekte, die ja erst eine „Szene“ oder Jugendkultur ausmachen, lässt sie unerwähnt oder stempelt sie als Epigonen der von ihr ausgewählten Bands ab. So kommen wichtige und prägende Gruppen der frühen Zeit wie Geisterfahrer oder Palais Schaumburg fast nur in Nebensätzen oder Kapitelüberschriften vor.
Schade – aber wohl auch in der Form der wissenschaftlichen Abhandlung begründet – ist, dass auf den 430 Seiten gerade mal neun Abbildungen zu finden sind. Das ist definitiv zu wenig, denn gerade bei vielen NDW-Gruppen war ja die Optik, die sich eben vom Mainstream abheben wollte und sollte, sei es bei Auftritten oder der Covergestaltung, ein wichtiger Punkt.
Inhaltlich ist „Geschichte wird gemacht“ interessant, wenn man sich tiefer gehend für die Neue Deutsche Welle interessiert. Es werden alle Phasen, vom frühen Underground bis zu den späten Nachwirkungen betrachtet. Formal ist das Buch recht trocken und aufgrund der wissenschaftlichen Sprache nicht immer leicht und schon gar nicht unterhaltsam zu lesen. Als „Geschichte der NDW“ funktioniert es nicht, dafür ist die Auswahl der Musik viel zu eng und nur beispielhaft gefasst. Stattdessen geht es darum, was die NDW gesellschaftlich bewegt und verändert hat. Wer sich also für die Hintergründe der NDW interessiert, sollte das Buch lesen, wer aber nur die Musik mag, wird sich schnell langweilen. Definitiv NICHT das Standardwerk zum Thema, aber eine brauchbare Ergänzung zum „Teipel“ und zum „Döpfner/Garms“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.ndw-wiki.org

DUNKELSCHöN - Zauberwort


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Screaming Banshee / Alive

Es hat ganze zwei Jahre gedauert, bis der nunmehr fünfte Longplayer der Mittelalter Folk Band Dunkelschön „Zauberwort“ das Licht der Welt erblickt hat und durch musikalische Frische und emotionalen Tiefgang besticht. Die musikalische Erweiterung der Band durch einen Drummer und Bassisten tat dem Rockanteil der Stücke hörbar gut, denn insgesamt betrachtet klingt der Sound im Gegensatz zu Vorgängeralben kraftvoller und rockiger. Wer allerdings ein reines Rockalbum vermutet, dem sei gesagt, dass dies nicht der Vielfältigkeit der Band entsprechen würde. Dunkelschön wusste es gekonnt auszuloten, wo rockige Elemente hineinpassen – etwa bei Songs wie „Spielmann“ oder „Zauberwort“, und wo man lieber balladeske Klanglandschaften erblühen lässt. All die dunkelschönen Klangfarben aus Harfe, Flöte, Leier und Nyckelharpa vereinigen sich mit verspielten Gitarren und Cellipassagen auf der einen Seite und E-Gitarren oder Drums auf der anderen Seite. Abwechslung und Entwicklung wird auf „Zauberwort“ großgeschrieben und so verwundert es nicht, dass man dieses Album als einen Spiegel der eigenen musikalischen Weiterentwicklung von Dunkelschön selbst betrachten kann. Die Band ist gereift und gewachsen an sich selbst, so dass wir als Hörer die Frische der Stücke zu spüren bekommen. Bereits auf der Winter Tour 2010 von Subway to Sally durften sich 20.000 Besucher der Tour durch Dunkelschön als Support schon mit „Spielmann“ und „Zauberwort“ einstimmen lassen auf dieses Album, dass nun in seiner ganzen klanglichen Reife ausgepackt wurde und alles besitzt was die Fans zum Tanzen, Träumen und Feiern einlädt. Ich selbst habe es als traurig empfunden, dass dieses kunstvoll gestaltete Album „nur“ 10 Stücke beinhaltet, die fast zu schnell wieder vorbei sind. Somit ist im Spätsommer ein Album erschaffen worden, dass zum verweilen und Träumen einlädt und durch musikalische Qualität zu erfreuen weiß! (Maximilian Nitzschke)

OMNIA - Musick & Poetree


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2011 / Screaming Banshee / Alive

2011 war ein weiteres äußerst erfolgreiches und auch ereignisreiches Jahr für die niederländischen Power Paganfolker „Omnia“ und damit um Steve Sic und Jenny. Waren sie zu Beginn des Jahres nur Insidern bekannt, die sie schon zu zurückliegenden WGT Festivalauftritten genießen durften, hat sich dies seit ihrer Deutschlandtour im Frühjahr nun schlagartig geändert. Die Live Intensität und spielerische Kraft wissen sie schon lange in immer wieder kunstvoll gestaltete Alben zu bannen und so veröffentlichen Omnia seither jedes Jahr ein neues Album. Bereits zur Deutschlandtour konnten die ersten Songs des mittlerweile vierzehnten Studioalbums „Musick & Poetree“ gehört werden und wurde „Free“ oder „I don’t speak human“ frenetisch gefeiert.
Im Gegensatz zu bisherigen Alben, welche alle im Alleingang von Omnia entstanden waren, ist dieses neue Produkt zusammen mit Christopher Juul – einem Mitglied der Bands Euzen und Valravn, produziert worden. Ich empfinde diese Tatsache als sehr erfrischend, hat es doch zur Bereicherung des Sounds von Omnia gesorgt und auch für die Idee eines „2 CD Albums“ gesorgt. Die erste der beiden CDs mit dem Titel „Musick“ enthält mit 21 Minuten Spielzeit fünf fröhliche Omnia Songs, die in Dänemark zusammen mit Philip, Maral und Daphyd aufgenommen worden sind. Man spürt hier die bewegende Musik und spirituelle Kraft die Omniatexten zu Grunde liegt, denn erneut werden in den bereits erwähnten Stücken „Free“, in der es um die persönliche Freiheit des Menschen geht und „I don’t speak human“ – welcher von der Liebe zur Natur und der zerstörerischen Kraft des Menschen spricht , die Ideale und Naturphilosophie von Omnia vertreten.
Die zweite CD hingegen „Poetree“ enthält sieben ruhige, verträumte Vertonungen von Stücken, welche für Steve Sic und Jenny selbst eine tiefe emotionale Bedeutung besitzen. Hierbei handelt es sich um Lieder mit denen sie aufgewachsen sind oder die sie dazu inspiriert haben, ihren eigenen Spirit und ihre eigene Weltanschauung offensiv zu leben. Erstaunlich ist auch hierbei die Vielfältigkeit, denn mal ist es ein schwedisches Volkslied mit dem Titel „Gröne Lunden“, mal eine Interpretation des deutschen Klassikers „Lili Marleen“ oder aber der „Mercy Seat“ von Nick Cave. Die Stimmung der sieben Stücke ist intimer gehalten, was daran liegen dürfte, dass Steve und Jenny diese im Alleingang und in einem Durchgang eingespielt haben. Auch diese CD hat eine Spielzeit von 21 Minuten, so dass beide CDs zusammen 42 Minuten Gesamtspielzeit haben.
Auch die Optik der CDs darf sich erneut sehen lassen, nach den bildschönen Zeichnungen von Alan Lee auf dem „Alive“ Album war es nun an der Zeit weitere Familienmitglieder von Steve und Jenny das Artwork mitgestalten zu lassen, so dass der Tierzeichner Renso Tamse Rabe und Eule beisteuerte und Marjolein Kruijt ihr Talent im Booklet beisteuerte.
Während die Benelux Staaten bereits im August die Veröffentlichung feiern dürfen, muss sich Deutschland noch bis Mitte September gedulden, jedoch findet die Releaseparty in Deutschland auf dem Festival Mediaval in Selb am 10. September statt. Fühlt euch frei um mit poetischen Liedern der Natur zu huldigen und aus vollen Kehlen zu singen „I don’t speak human! I won’t understand a word you’re saying!“, wenn der Mensch mal wieder denkt, das Tiere keine Gefühle haben! Erneut gelang Omnia ein Album vorzulegen, dass Ihnen, ihrer Philosophie und ihrem künstlerischen Anspruch gerecht wird!
(Maximilian Nitzschke)

UNHEILIG - Heimreise


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2011 / Fansation

Unheilig – Heimreise Tour 2011
"(07.08.2011 Berlin Wuhlheide)

Das hätte ich nun wirklich nicht gedacht, laut dem örtlichen Veranstalter hat seine Grafschaft es an zwei Tagen hintereinander geschafft mit dem “Konzerthighlight 2011“ ganze 17.000 Fans in die Wuhlheide zu ziehen. Das Wetter war absolut göttlich an diesem Sonnabend Abend in Berlin und im Laufe de Zeit finden sich die Fans des Grafen ein. Ich bin doch sehr gespannt,wie sehr der Erfolg beigetragen hat, dass unterschiedlichste Publikum anzulocken und ob ich im Gothicstyle hier plötzlich negativ auffallen werde. Gut etwas bizarr ist es schon, wenn Oma,Opa, Mamma und Papa und Sohn Tim gemeinsam am Merchandise stehen und auch alle Fans von Unheilig sind. Im ersten Moment denk ich mir wo ist die alte Fanbase hin,aber i Laufe es Abends vermischen sich alte Anhänger mit neu hinzugewonnenen und werden sie alle unter dem Banner der Großen Freiheit vereint. Nein eine Ausnahme bin ich zum Glück nicht, die schwarze Szene ist ihm trotz anders lautender Berichte noch treu geblieben. Während Oma und Opa nun zum Wurststand schlendern, darf der kleine Tim hinter die Bühne, denn dort steht für die jüngsten Unheilig Fans ein Spieltruck als Indoor Spielplatz, der die Wartezeit bis zum Auftritt de Grafen durch kurzweilige Unterhaltung verkürzen soll. Hier werden Kinder in ihren Wünschen wahr- und ernst genommen und Familien der Konzertbesuch verschönert. Auf der Bühne spielt die erste der insgesamt 3 Vorbands, nicht wirklich weiter bemerkenswert aber immerhin ohne Ohrenpein zu hinterlassen. Hier hätte im Grunde mit „Livingston“ eine Vorband gereicht, aber drei waren eindeutig zu viel. Ich nutze die Zeit noch mich ein wenig an den Merchandise Ständen umzusehen, an denen es vom Badetuch bis zur Kuschelpuppe wirklich alles erdenkliche und blödsinnig nutzlose gibt – na ja Ferne Welt ich komme würde ich sagen. Dies geht dank dem neuen Golf Modell „Graf Edition“ auch noch einen Zacken schneller, über die Notwendigkeit mag man geteilter Meinung sein!

Pünktlich laut Bühnenablaufplan ertönt die Schiffshupe und kündet davon Reisegepäck zu verstauen und die Bordkarten bereit zu halten, damit der unheilige Pott nun bald ablegen kann. Aus den Boxen schmettert Hildegard Knef mit“Für dich soll es rote Rosen regnen“, bis der Countdown über zwei LED Wände ein gezählt wird. Die Fans klatschen schon jetzt ordentlich mit und als die Gitarren und Bässe einsetzen wir der Jubel richtig frenetisch. Die Taue sind vom Kai gelöst worden und es wird Zeit Unheilig zum Meer zu folgen, oder kommt vielmehr der Graf zum Menschenmeer, das hier in Berlin auf ihn wartet? Altarkerzen brennen auf der Bühne und scheinen fast die Erwartungshaltung der Fans wiederzuspiegeln, denn auch sie brennen darauf sogleich in „Seenot“ zu geraten. Dieser entert die Bühne mit Blitzgewitter auf den LED Wänden um sogleich auf große Fahrt im hellen Schein der Lichtshow zu gehen. Wie immer ist er aristokratisch gekleidet, im schwarzen Gehrock mit goldenen Knöpfen, weißem Hemd,schwarzer Hose und schwarzer Krawatte. Nach dem Start mit neuem Song geht Unheilig zum Album „Puppenspiel“ und streckt mit seinem Publikum gemeinsam die Hände zum Himmel aus um den „Feuerengel“in Berlin zu begrüßen. Die Wuhlheide ist spürbar Feuer und Flamme für Unheilig, einige singen eher die neuen Stücke mit – selbst die Kleinsten Fans- während einige auch die älteren Stücke durchweg mitsingen können. Es ist schön zu sehen, dass der Graf getragen wird von der Welle der Emotionen die seine Musik auslöst und gerührt bedankt er sich bei seinen Berliner Fans. Der nächste Song „Schenk mir ein Wunder“ wird mit der Frage eingeleitet, ob Berlin bereit ist für ein Wunder, welche durch Applaus mit „Ja!“ beantwortet wird. Der musikalische Fundus von Unheilig ist groß und der Graf besitzt ein gutes Gespür dafür, welche Stücke eingängig sind und inhaltlich einen runden Bogen spannen. Er lebt seine Lieder auf der Bühne, lässt uns Teil seiner Emotionen werden, während er mit jeder Faser singt. Ich denk das ist es auch, was Unheilig seit Jahren auszeichnet – die Authentizität sich selbst, seiner Musik und allen voran seinen Fans gegenüber. So ist es keinesfalls kitschig, wenn er hingebungsvoll im Song „Sternbild“ singt, dass Liebe wie ein Sternbild sein kann. Die Fans danken ihm diese Worte, die sich durch die tiefe markante Stimme auch im Gehörgang und im Herzen fest graben. Euphorisiert und getragen von der Welle der Begeisterung bedankt sich der Graf und bekommt prompt aus unzähligen Kehlen „Bitteschön!“ zurück. Im nächsten Jahr wird es bereits das nächste Album „Lichter der Stadt“ von Unheilig geben, und so verwundert es nicht, dass bereits ein neuer Song vorgestellt wird, in Form der Ballade „Ein guter Weg“. Es ist eine typisch unheilige Ballade in der es um das unausgesprochene Verständnis zweier Menschen zu gehen scheint. Henning Verlage begleitet ihn allein am Klavier und schafft einen stimmungsvollen und zugleich überraschenden Moment innerhalb des Konzertabends. Wir bleiben in dieser Stimmung und gehen zu den Anfängen von Unheilig zurück, bei mir entsteht etwas Nostalgie, denn diesen Song hörte ich mit 17 Jahren – 12 Jahre ist dies nun her- das allererste Mal. Mit „Sage Ja!“ blickt der Graf zu seinen düsteren Zeiten zurück und erregt blasphemische Lust und die Gier nach nackter Haut. Ganz akustisch klingt dieser Song immens kraftvoll und schafft einen Moment der Ruhe und Stille und ich steh mit leichten Tränen in den Augen da. Kraftvoll steuert Unheilig sein Publikum durch die nächste Nummer „Halt mich“ während er auf der Schiffskulisse steht und das große Kino dank seiner Band inszeniert. Die Fans applaudieren und feiern Unheilig, sichtlich gerührt nimmt der Graf diesen entgegen. Manchmal hab ich schon noch das Gefühl, dass er ein bisschen wie ein kleiner Junge auf die Welle des plötzlichen Erfolges blickt – ungläubig aber immens dankbar – und wissend, dass er dies vor allem den Menschen zu verdanken hat, die heute Abend wegen ihm die Wuhlheide gefüllt haben – seinen Fans. Er meint er wird in jeder Stadt immer wieder gern von Reportern gefragt, ob er denn geschafft hat auch etwas Sightseeingtour zu betreiben, was er regelmäßig eher mit „Nein“ beantworten muss - somit sind nun die Fans gefragt ihm etwas touristische Highlights vorzustellen.
So erfährt er, dass Teltow eine eigene Stadt ist die er mal besuchen soll und er wenn er zu Besuch käme auch gleich eine Pizza bekommen würde. Mit Augenzwinkern und Schalk im Nacken würde er durchaus annehmen, aber nur wenn seine fast 80 köpfige Crew auch zum Essen kommen darf.Ja da hört man wie viel Menschen am Gelingen dieses Abends und des voran gegangenen Tages beteiligt sind und bedankt sich mit dem gebührenden Applaus bei der unheiligen Crew.
Ein weiterer Song aus dem 2012 erscheinenden Album „Lichter der Stadt“ wird vorgestellt, bei dem das Berliner Publikum als großer Chor fungiert, mit dem Titel „Brenne auf mein Licht“. Auch dem neuen Stück ist eine klare Eingängigkeit zu bescheinigen und die Vorfreude auf das neue Album wächst schon jetzt, denn es scheint wieder geballte Emotionen zu liefern. Mit rockigen Klängen unterstreicht er „Ich gehör nur mir“ und lässt auch durch seine diabolische Performance überhaupt keinen Zweifel an dieser Aussage entstehen. Ein Highlight setzt er als er während des Songs „Abwärts“ sich auch tatsächlich abwärts ins Publikum begibt und mit den Fans gemeinsam bis auf den letzten Mann abfeiert. Wir wechseln zur aktuell wohl erfolgreichsten Ballade „Geboren um zu Leben“ und alle Fans in der Wuhlheide werden zum Chor und nachdem es allmählich dunkel geworden ist, entfachen sie mit Leuchtstäben, Handys oder Feuerzeugen auch das stimmungsvolle Lichtermeer. Nach Setliste wäre dies die letzte Nummer gewesen, aber so einfach wird Unheilig freilich nicht von der Bühne gelassen und so beginnt nun der Zugabeblock. Beginnend mit „Für immer“ rockt der Graf noch einmal ordentlich mit seinen Fans um danach sanfte Töne anzuschlagen und mit „Unter deiner Flagge“ unverhohlen von der Kraft und Liebe zur eigenen Mutter zu singen. Der Graf singt so innig und voller Hingabe das man seine Gefühle beim Schreiben dieses Songs – seine Mutter weinte beim ersten Hören – regelrecht spüren kann. Ich hab mich in so mancher Situation gefragt, wie Eltern es schaffen, wie Löwen zu kämpfen und jede schwierige Situation zu meistern, bekam von meiner Mamma nur die Antwort – das ist die Liebe einer Mutter – und das trifft es wohl! Den mittlerweile obligatorischen Ausklang aus dem Abend mit Unheilig bildet „Mein Stern“ und so entfacht das Publikum ein Meer aus Lichtern um lauter kleine Sterne in die Nacht zu entsenden. Sicher trägt jeder einzelne von diesen kleinen Lichtpunkten, ob aus Handy, Feuerzeug oder Leuchtstab der Gesamtstimmung bei, aber das hellste Licht strahlt in den Augen der Fans, die die Gewissheit haben Teil eines tatsächlichen Konzerthighlights 2011 geworden zu sein und voller Vorfreude auf 2012 in die Realität und damit in die „Lichter der Stadt“ Berlin entlassen werden. ES fällt schwer den Grafen und seine musikalische Welt zu verlassen, und so verwundert es mich nicht, dass viele Fans nach dem Konzert mit dem Konzertmitschnitt auf USB Stick nach Hause laufen um die unvergesslichen Momente zumindest akustisch nachspüren zu können!



























(Maximilian Nitzschke)

UNHEILIG - Große Freiheit Live DVD


Erstveröffentlichung: Doppel-DVD 2010 / Universal

Unheilig – Grosse Freiheit Live DVD
"(VÖ: 11.06.2010 Universal)


An Unheilig in irgendeiner Weise vorbei zukommen ist eigentlich völlig unmöglich derzeit, denn
der Videoclip zum Song „Geboren um zu leben“ zum Beispiel läuft seit Monaten quasi in Viva Dauerrotation und auch bei Shows wie „The Dome“ oder dem unsäglichen Stefan Raab kann man den Grafen sehen und hören. Innerhalb der schwarzen Szene aus der er einstmals hervorging sieht man diese Entwicklung von Unheilig durchaus sehr kritisch, wobei ich mir sage das es nur legitim ist, wenn massentaugliche Musik mit Anspruch auch den gewünschten Erfolg für den Künstler bringt. Der Trend war abzusehen, denn einerseits seit Jahren bei Universal unter Vertrag produziert der Graf Songs die sich gut vermarkten lassen und an die Gefühle und Hoffnungen eines jeden Menschen appellieren – egal in welchem Alter.

Von der diesjährigen Live Präsenz und der Atmosphäre der Tour „Große Freiheit“ kann man sich nun auf DVD überzeugen, und das auch gleich zweimal. Dennoch ist nur „die musikalische Reise“ genießbar. Denn es ist eine optische Zumutung was man dem Fan mit DVD 1 „Das Konzert“ aus Köln mitgeschnitten antut. Songs wie „Seenot“ oder „Freiheit“ sind durchweg völlig unscharf, und zwar so dass ich ernsthaft dachte mein Laptop sei kaputt, denn so miese Qualität hab ich selten gesehen und konnte es mir nicht vorstellen, dass es dennoch der Wahrheit entspricht. Damit ist leider die Hälfte der DVD schlicht ungenießbar,was völlig schade ist, denn die Stimmung des Abends ist völlig verloren gegangen.

Die zweite DVD „die musikalische Reise“ stimmt mich wesentlich glücklicher, denn hier ist wenigstens die Qualität so,dass die Stimmung des Konzertes in München sich auch auf den Fan vor dem Fernseher überträgt. Der Graf hat seine Fans im Griff und nimmt sie in der Tat mit an Bord seines Schiffes um sie aus der „Seenot“in die „Freiheit“ zu führen. Die Performance des Grafen, welcher die Bühne rockt und keine Minute stillsteht ist eine optische Freude, zumal die Chemie zwischen ihm und dem Publikum von der ersten Minute an harmoniert. Das Intro liefert „Das Meer“ in Szene gesetzt durch Videoeinspielungen des Grafen, wie er von der Privatperson zur Bühnenfigur wird und zum Auftrittsort gefahren wird, bevor wir am Meer stehen und Möwen beim Flug zusehen. Das Publikum in München wird aufgefordert mit Unheilig zum Meer zu gehen um neue Wege zu bestreiten und kann jede Textzeile über Videowände mitsingen. Während Blitze auf den Leinwänden die „Seenot“ ankündigen springt der Graf auf die Bühne und feiert sich und seine neuen Songs gemeinsam mit den Fans. Auffallend ist die opulente Inszenierung der Show, Schiffsaufbauten und die obligatorischen Kerzen bilden die Spielwiese für den Grafen, die er vollends ausfüllt. Er rennt,springt und tanzt auf diesen Brettern die für ihn schon immer die Welt bedeutet haben und bezieht sein Publikum gekonnt ein und sie folgen ihrem Kapitän. Ich denk das es an der Mischung er Songs liegt das auch jeder Unheilig Fan, jene die ihm seit Jahren verfallen sind und neue die ihn erst durch die aktuelle CD kennen, für sich Highlights finden werden. Natürlich, wie sollte es anders sein, der Fokus liegt auf den neuen Stücken, aber mit „Feuerengel“, „Maschine“ oder „Freiheit“ werden auch die älteren Veröffentlichungen nicht ausgespart. Rocksongs wechseln mit sanften Balladen und bilden einen stimmigen Konzertabend.

Für mich hätte es nur diese DVD 2 gebraucht und dafür lieber Interviews,oder andere kreative Einfälle als ein verwackeltes Konzert mit fast identischer Songliste. Das ist Schade und gerade der Live Qualität die Unheilig an den Fan trägt nicht angemessen. Somit bleibt beim Kauf ein Wermutstropfen leider bestehen, sonst ist „die musikalische Reise“ ein gelungenes Zeugnis des zu Recht erworbenen Erfolges von Unheilig!
(Maximilian Nitzschke)

BIG ART PETERS - Quit Horsing Around


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Rhythm Bomb Records / RBR 5723

Nur, weil man eine Art lebende Punk-Legende ist, muss nicht alles, was man als Alterswerk solo veröffentlicht auch wirklich beachtenswert sein. Okay, ein TV Smith (The Adverts) konnte sich seine „Credibility“ als durch Clubs und Jugendzentren tingelnder Alleinunterhalter erhalten.
Arthur Billingsley, besser bekannt als Arturo Bassick von The Lurkers und den Blubberry Hellbellies ist da ein gegenteiliges Beispiel. Mit den Lurkers gehörte er zur Speerspitze der frühen Punk-Szene und seine Blubberry Hellbillies geisterten durchaus erfolgreich durch die 80er Jahre mit ordentlichem Cow-Punk.
Dass er unter dem Namen BIG ART PETERS nun aber solo zumindest musikalisch fast alles verrät, wofür Punk mal stand, ist nicht so richtig nachvollziehbar und lässt den Verdacht aufkommen, dass hier jemand mit seinem guten Namen noch einmal etwas Aufmerksamkeit erregen will.
Country ist wohl die reaktionärste und konservativste Musikart, die es gibt und klassischer Rock’n’Roll wirkt heute auch nicht mehr besonders rebellisch, wenn er es denn überhaupt jemals war. Genau das sind aber die beiden Pole, zwischen denen sich „Quit Horsing Around“ bewegt. Punk’n’Roll und auch Cow-Punk können durchaus unterhaltsam sein, aber beides gibt es hier nicht zu hören. Stattdessen liefert Billingsley eine völlig humorfreie und dabei noch langweilige Performance ab, die sicher keinen alten Lurkers-Fan auch nur einen Furz entlocken wird. Da nützt es auch nichts, dass die Texte nicht ganz so peinlich sind, wie die Musik und der Mann noch strubbelige Haare und ein Lurkers-T-Shirt trägt.
Was er hier abliefert erinnert mit gaaaaanz viel gutem Willen entfernt an eine Mischung aus Cramps, Shakin’ Stevens, Wall Of Voodoo und Ghoultown, allerdings ohne jegliche Ironie, wie es die genannten Bands teilweise über Jahrzehnte brillant abgeliefert haben. Da rettet es das Album auch nicht, dass Musiker von Mad Sin und Tex Morton dabei sind. Konsequent wäre es gewesen, für dieses Album gar nicht in der Punk-Szene Werbung zu machen, denn damit hat es absolut nichts mehr zu tun. Wenn Billingsley heute gerne Country mag, ist das völlig okay, dann soll er aber nicht versuchen, sich aus kommerziellen Gründen mit der Punk-Vergangenheit anzubiedern. Da hilft auch nicht, dass mit „Punk Rock“ ein Song dabei ist, der entfernt das wieder gibt, was er verspricht, aber auch nur am Anfang.
Für Country-Fans vielleicht ein reinhören wert, das kann ich nicht so gut beurteilen, mit Punk hat das aber nichts mehr zu tun. (A.P.)

DER KLINKE - Square Moon


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / EZ11C584

Es ist keine Frage, dass der Bandname DER KLINKE für deutsche Ohren erstmal schräg klingt, aber wenn man weiß, dass die Band aus Belgien kommt, verzeiht man den kleinen grammatikalischen Fehler. Vor allem, wenn man gute Musik zu hören bekommt.
Das ist der Fall, auch, wenn man keine Innovationen oder eine neue Megaband erwarten sollte. Im Info als „klassischer New Wave/Cold-Electro-Sound“ beschrieben, trifft das den Punkt zwar nicht genau, aber in der heutigen schwarzen Szene gilt als „klassisch“ ja vor allem das, was in den frühen 90er Jahren musikalisch geschehen ist. Und genau in diese Zeit passt DER KLINKE hinein. Mit New Wave hat das nur wenig zu tun, aber Electro-Dark-Wave trifft es schon ganz gut. Man nehme recht eingängige The Eternal Afflict, ein bisschen Project Pitchfork, etwas Dance Or Die und die eine oder andere Prise anderer alter Helden von vor knapp 20 Jahren und man erhält einen ganz guten Eindruck, was DER KLINKE abliefern. Dabei hört sich das gar nicht mal so klischeehaft wie erwartet an und bei einigen Stücken klingt tatsächlich ein klitzekleines bisschen 80er Cold Wave wie bei Trisomie 21 durch. So bei „Surrender“, sicher dem Hits des Albums, der auch ältere Hörer erfreuen wird. Aber auch darüber hinaus gibt es einige schön eingängige Dark Wave-Songs, die das Genre nicht neu erfinden, aber erfreulicherweise auch nicht mehr versprechen, als sie abliefern. Man könnte das als „unaufgeregt“ beschreiben und das ist viel Wert in Zeiten, wo jede neue Band als das nächste „große Ding“ angepriesen wird und dann grandios scheitert. Wenn man dann noch den The Arch-Sänger als Gast gewinnen kann und Dirk Ivens und Martin Bowes im Booklet dankt (wofür auch immer), merkt man, dass die Band ihre Geschichtslektion gelernt und gut umgesetzt hat. Ein überraschend gutes Dark Wave-Album ohne Peinlichkeiten. (A.P.)

LOVE A - Eigentlich

Wiederveröffentlichung: LP 2011 / Rookie Records / Cargo Records
Erstveröffentlichung: CD 2011 / Rookie Records / Cargo Records / RR 108

LOVE A haben sich vor gar nicht mal so ganz langer Zeit als Love Academy gegründet, den Namen dann aber griffig verkürzt. Auf Rookie Records erscheint nun das Album „Eigentlich“, das im Waschzettel als Post-Punk/Indie/Pop angepriesen werden, wobei dann im Promotext auch noch die Begriffe NDW und Hamburger Schule fallen und schließlich auch noch Deutsch Punk. Und ziemlich genau eine Mischung aus all diesen Stilen wird hier brodelnd auf die Hörer losgelassen. In den letzten Jahren haben junge Bands wie 1000 Robota und Front schon gezeigt, dass der schräge Post-Punk-Sound der frühen 80er Jahre auch heute noch spannend sein kann und genau in diese Kerbe schlagen auch LOVE A. Dazu eine Prise Poppigkeit der Farin Urlaub-Solosachen, Peter Hein-Verehrung und so manche Erinnerung an …But Alive oder Turbostaat und heraus kommt ein Album, das eine heftige Unruhe im Bauch verursacht, was die meisten heutigen Pop- und Rock-Produktionen nicht mehr hinbekommen. Das sind keine Wohlfühlklänge, die man nebenbei konsumiert und sofort wieder vergisst. Stattdessen erwischt man sich als Hörer, dass man das kurze, auf den Punkt gebrachte Album mehrmals hintereinander anhört. Will man einen Vergleich zu einer schon einer breiteren Masse bekannten Band ziehen, so fällt mir nur Madsen ein und das ist durchaus als Lob gemeint. Hier und da kommen auch Erinnerungen an Jens Rachuts unsterbliche Band Dackelblut auf und es würde mich wundern, wenn sich LOVE A nicht über diesen Vergleich freuen würden, denn die zahlreichen Projekte und Bands von Rachut in den letzten über 20 Jahren gehörten zu dem Besten, was aus dem deutschsprachigen Underground hervorgekrochen ist, wenn man vielleicht mal von der Institution EA80 absieht. Noch ist LOVE A wohl kaum mehr als ein Geheimtipp, aber ich würde mich wirklich freuen, wenn sie den Erfolg von 1000 Robota bald übertreffen würden, denn Songs wie „Wal“ sollten unbedingt einer breiteren Hörerschaft bekannt werden. Für mich eines der Alben des Jahres 2011. (A.P.)

Webadresse der Band: www.love-a.de


[ ZURUECK ]