NIEDOWIERZANIE - Attendre


Erstveröffentlichung: LP 2011 / Reue um Reue / T.u.T./R.u.R. / R.u.R.021

Nach längerer Zeit erscheint wiederum bei Reue Um Reue das zweite Album des berlinerisch-französischen Projektes NIEDOWIERZANIE. War die erste LP noch oftmals von Coil beeinflusst, so ist dieser Vergleich jetzt zwar nicht hinfällig, aber insgesamt bekommt man etwas leichter zugängliche Musik zu hören, die sich hier und da schon fast an gängige Musikstrukturen anlehnt. Dezente Rhythmen, mächtige Orgelklänge, das alles aber sehr zurückhaltend produziert und unaufgeregt. Das ist fast eine Art Düster-Easy-Listening, mit einer Attitüde, die irgendwie jazzig erscheint, ohne das die Musik an sich irgendwas mit Jazz zu tun hätte. Eher schon mit einer Art Lounge-Musik, die zum Ende der Nacht hin in einer sich leerenden Bar für die letzten Gäste gespielt wird. Ein letzter Drink, Verabschiedungen ohne Worte und dann das Entschwinden in den sich mit leichtem Nebel ankündigenden Morgen. So bildhaft, wie diese Beschreibungen sind, erscheint auch die Musik. Wenn zu den musikalischen Klängen hin und wieder auch Geräusche zu hören sind, erinnert das fast ein bisschen an manche Sachen von Test Dept., allerdings keinesfalls an die frühen krachigen und noch weniger an die späteren elektronischen. Mir kommt das fantastische Album „Terra Firma“ in den Sinn, auch, wenn es eher die Atmosphäre als die konkreten Klänge trifft. Man könnte jetzt denken, dass hier wie so oft bei Reue um Reue eine sehr ambiente Platte entstanden ist, aber das ist nur in wenigen Momenten der Fall. Eher schon ließe sich der Vergleich zu einem Filmsoundtrack ziehen. Kann man sich nicht das letzte Stück der A-Seite perfekt in Derek Jarmans „Blue“ vorstellen? Hier und a kommt es mir auch so vor, als wenn jeden Moment die berühmten bulgarischen Frauenchöre Le Mystere Des Voix Bulgares einsetzen würden, ja ein leichter osteuropäischer Einfluss scheint manchmal durchzuklingen. Alles in allem also ein angenehm unspektakuläres aber trotzdem spannendes Album, das vollkommen ohne irgendwelche vordergründigen Effekte auskommt. Die Platte ist auf 198 Exemplare limitiert und kommt in einem Cover, das nun wirklich überhaupt nicht darauf schließen lässt, welche Musik auf den Hörer wartet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com


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