YOLIA - Benefizperformance HIV ist auch in deiner Stadt 2011


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2011

HIV ist auch in deiner Stadt – Tag 2 der Tour POTSDAM

Nach ein paar Tagen off für das Team des WAT 2011 des Vereins PositivWohnen, sowie Ron Schulz und dem Ton- und Lichttechniker André der Firma ""Zound'z Unlimited"" ging es am Vorabend des Welt Aids Tages mitten hinein ins Weltkulturerbe in den Schlosspark Sanssouci. Dank der Friedenskirchengemeinde und ihrem Geschäftsführer Horst Dieter Weyrauch durften wir diese wunderschöne Kulisse für diesen Abend bespielen. Ganz vorsichtig wurden Rollkisten, Scheinwerfer und Lichtinstallationen in etwa einer Stunde in das Innere der Kirche gefahren bzw. getragen immer darauf bedacht, den wertvollen Steinboden nicht zu beschädigen. Das wichtigste auf so einer Tour ist es, dass ausreichend Kaffee vorhanden ist, dank einer großzügigen Spende der Firma ""Partyrent"" konnten wir unsere Technik schnell mit selbigem eindecken und freuten uns auf den heutigen Abend. Wie vereinbart kam auch gegen 13 Uhr die von „Massimo 18“ gesponserten Cateringplatten mit leckersten Crostini darauf und Obstsalat. Hierfür von unserer Seite herzlichsten Dank! Da uns zu diesem Zeitpunkt ein direkter Aufenthaltsraum fehlte, nutzten wir schlichtweg den Laderaum unseres 7,5t LKWs und bauten ihn zum mobilen Catering um. Etwa eine Stunde später rollten Anke Hachfeld und Claudia Engler aus Hannover gekommen vor die Kirche und schauten sich interessiert die „Bühne“ des heutigen Abends an. Da „Yolia“ erstmalig aufgeführt werden sollte in dieser Kulisse wollte alles sorgfältig geplant werden. Tänzerin Claudia Engler teilte im Vorfeld mit, dass sie für ihren Tanz Steinboden idealerweise wünsche, welchen sie nun reichlich vorfand. Auch Sängerin und Performerin Anke Hachfeld probierte die Akustik schon einmal aus und so besprachen sie in den folgenden Stunden mit unserem Technikteam einzelne Details für die Performance am Abend. Bereits im Vorfeld hatten die Ehrenamtler des Vereins an die Hotels der Stadt Freikarten für Personal und Gäste verteilt, so dass etwa 100 Freikarten im Umlauf waren. Mit einsetzender Dämmerung verwandelte sich der Kreuzgang in ein rotes Farbenmeer, dank vorher designter Lichtinstallation. Stimmungsvoll und ästhetisch wurde somit der vorbeiwandelnde Parkbesucher aufmerksam gemacht auf die Thematik HIV in seiner Stadt, bzw. der Besucher des Abends auf die Veranstaltung eingestimmt. Noch bis kurz vor Veranstaltungsbeginn postierten sich die Ehrenamtler vor den Parkeingang und verteilten Flyer mit Kondomen beklebt an die Passanten um für den Gottesdienst und das Konzert zu werben. Wer noch nicht über Plakate oder Flyerverteilaktionen Wochen vorher informiert wurde, hatte nun spontan letztmalige Gelegenheit in einmaliger Kulisse einen besonderen Abend erleben zu dürfen. Sehr unterschiedlich waren die Reaktionen der Passanten, während mir von einzelnen Herrschaften die Flyer geradezu entrissen wurden mit dem Versprechen „wir sehen uns dann später!“, lehnten andere diesen wiederum ab. Ein kleiner Junge umfuhr mich mit seinem Fahrrad öfter und traute sich schließlich doch zu fragen, was ich denn verteilen würde. Schnell entfernte ich das Kondom vom Flyer und reichte ihm diesen, woraufhin er fragte was ich denn entfernt hatte. Ehrlich sagte ich ihm, dass dies ein Kondom wäre, wofür er wohl noch etwas zu jung ist. Als sein Vater eintraf fragte er diesen nun natürlich sofort, was denn ein Kondom ist, woraufhin dieser verhalten aber fair mit seinem Sohn Aufklärung betrieb. Mit den Worten „das ist gar nicht mal so einfach zu erklären!“, verabschiedete er sich und sein Sohn winkte mir mit dem Flyer in der Hand noch nach.

Als Pfarrer Markus Schütte mitsamt Organist eintraf wurden noch letzte Details besprochen, bevor er über den Taufstein mit rotem Organzastoff eine Schleife bildete. Diese sollte während des Gottesdienstes zum Ort des Gedenkens werden. Nach und nach trafen die Gäste ein und so läuteten 19.26 Uhr die Kirchenglocken um den Abend zu beginnen. Pfarrer Markus Schütte begrüßte die Gäste des Abends in Potsdam und eröffnete seine Andacht mit einem Gedicht von Erich Fried „Es ist was es ist“. In diesem geht es um alle möglichen Gründe an der Kraft der Liebe und dem Gefühl zu zweifeln, sei es das die Vernunft es für Unsinn halte, oder die Angst den Schmerz nur im Vordergrund sieht. Pfarrer Schütte unterstreicht mit seinen Worten die Liebe füreinander und das tiefe Verständnis von Menschen, auch wenn die Krankheit HIV oder das fortgeschrittene Stadium Aids dazwischen liegt. Aber er appelliert auch, an die menschliche Nächstenliebe Verständnis und Solidarität mit Betroffenen und Angehörigen zu haben und sich über mögliche Rationalität hinwegzusetzen. Ängste können nur gemeinsam abgebaut werden, durch liebevolle Stärke und Kraft und Vertrauen zueinander und in Gott. Schütte gedenkt auch den Verstorbenen Menschen, die dieses Jahr von uns genommen wurden und fordert die Gemeinde auf ein Licht zu entzünden auf der roten Schleife. Die Gemeinde folgte seiner Aufforderung und so flackerten während des gesamten Abends die Lebenslichter lieber Menschen die Gott zu sich rief. Jeder der Anwesenden wird andere Gedanken mit dem Entzünden verbunden haben, ich selber gedenke eines lieben Freundes welcher mit nur 23 Jahren verstarb. Seine Eltern verstreuten seine Asche ohne große Trauerfeier auf der „grünen Wiese“, so dass sich außer alljährlich in Form einer Gedenkkerze kein Ort um den Verlust deutlich zu machen. Ich denke tief drinnen er sieht es vielleicht von irgendwo und kann außer in meinem Herzen Teil des Abends sein.

Nach der Andacht folgten Videoeinspieler, welche die Gäste direkt auf die Thematik HIV und Aids einstimmten fern des kirchlichen Rahmens. Da dem Moderatorenteam Ron Schulz, Ted Baxter und Max leider durch plötzliche Erkrankungen kein Live Gast zur Verfügung stand für den ersten Gesprächsblock, hörten die Gäste ein rumpelndes und schepperndes Geräusch nun den Kirchgang entlang. Schon deutlich ramponiert und von fünf Monaten Prävention in Brandenburg gezeichnet zogen das Moderatorenteam Ted und Max das „Präventionsmobil“ den langen Kirchgang vor das Rollup „Prävention in Brandenburg Ohne Moos nix los“ und im Anschluss auf die Bühne. Fassungslos betrachtete Moderator Ron den ungewöhnlichen fahrbaren Untersatz aus Einkaufstrolley und Postkisten und fragte, ob denn nichts anderes leistbar gewesen sei. Moderator Ted musste ihm dies verneinen, erklärte ihm und dem Publikum, dass man in Brandenburg seitens der Landesregierung kein erhebliches Landesinteresse für Prävention habe. Somit wurde dieses Präventionsmobil aus der Not heraus geboren und gebaut. In der nächsten halben Stunde informierten auch in Potsdam die Moderatoren über die Lebenssituation Hivpositiver Jugendlicher im Flächenland Brandenburg an konkreten jedoch anonymisierten Fällen innerhalb ihrer Beratung. Besonders deutlich eingegangen wurde in der Landeshauptstadt auf die Fördersituation von ehrenamtlicher Präventionsarbeit im Land Brandenburg, nachdem seit Gründung des Vereins im Sommer 2009 keinerlei Förderung bisher erfolgte. Jede Aktion des Vereins muss sich durch Spendengelder finanzieren, oder über Sponsoren. Das man von einer rot-roten Landesregierung die Förderung von Präventionsarbeit erwartet, unterstreicht Schirmherrin Elisabeth Schroedter in ihrer Videobotschaft aus Brüssel ganz deutlich. Hätten „Aktion Mensch“ und all die anderen freundlichen Sponsoren dieser Tour nicht ihre Hilfe und Unterstützung gezeigt, wäre „HIV ist auch in deiner Stadt“ nicht möglich gewesen. Dafür bedankte sich auch in Potsdam das Moderatorenteam ganz ausdrücklich direkt von der Bühne und durch einen Videotrailer.

Nach einer kurzen Vorstellung der Künstlerinnen Anke Hachfeld und Claudia Engler wurde übergeleitet in die Performance „Yolia“. Claudia Engler band sich mittels einer Korsage an einen Pfeiler des Altars fest, während Anke Hachfeld in meditative Klagegesänge verfiel und Bewegung Claudia Englers und Stimmgewalt Ankes zu einer Einheit verschmolzen wurden. Ausdrucksstark und ästhetisch tanzte Claudia mal an einem Stuhl sich hochziehend an imaginären Fäden marionettengleich, als wolle sie den Faden des Lebens durchtrennen während sie Anke musikalisch zurückstößt, hinein in das Leben. Mit Spieluhrmelodien weckt sie kindliche Gefühle, erzeugt sie Wärme und bei der Tänzerin wurden augenblicklich die Bewegungen weicher und lustbetonter.
Das Publikum lauschte beeindruckt Anke Hachfelds Stimme und versuchte die Bewegungen Claudias in den Einklang zum Gesang zu bekommen, aber so kurz eine Tanzhaltung eingenommen war, so schnell verflüchtigte sich diese auch – wie Lebensjahre in der Gesamtheit des Universums. Bilder aus vergangenen Lebensabschnitten stopft die Tänzerin sich in den Mund, hält sich bei der monotonen Stimme die fordernd zum Betrachten zwingt die Ohren zu, blendet die Realität aus. Sollte sich hierin vielleicht eine Metapher auch zu HIV und Aids innerhalb der Gesellschaft finden, ich persönlich fand dieses geschaffene Bild sehr stark und interpretierbar. Anke Hachfeld half schließlich Claudia Engler in ein weißes Brautkleid, während Claudias Gesicht von einer weißen Totenmaske verdeckt blieb. Auf einem Stuhl stehend tanzte diese sich nun in Rage, und gab dem Tod Ästhetik und Anmut, gab möglicherweise dem letzten Lebensabschnitt des Menschen ein Gesicht. Im Schlussbild sind beide Hand in Hand am Altar stehend verharrt. Eine Einheit bildend und in Zweisamkeit vereint. Das Publikum in Potsdam applaudierte den beiden Künstlerinnen, während sie von den Moderatoren zum Dank rote Rosen überreicht bekamen, denn rot ist nicht nur die Farbe unseres Blutes, die Farbe der Liebe, sondern auch die Farbe des Kampfes.

Zu guter Letzt stellten die Moderatoren dem Publikum noch den jungen Berliner Künstler René Melzer vor, welcher bereits in Bad Freienwalde zur Musik von ""Bacio di ToscaToscaein Gemälde hat entstehen lassen und gaben den Ausblick, dass auch zum Welt Aids Tag selbst in Eberswalde zur Musik der Spielmannstruppe „Nachtwindheim“ ein solches entstehen wird.wird.

Damit endete ein stimmungsvoller zweiter Tourtag und die Gäste traten den Heimweg an, für das WAT Team begann nun der Abbau und so wurden aus dem gesamten Team schnell Roadies, die Kisten und Koffer wieder zurück in den LKW hievten um morgen in Eberswalde das Finale einläuten zu können.

Webadresse der Band: www.singtundtanztyolia.de


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