RAMMSTEIN - Made in Germany


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Vertigo / Universal

Rammstein – Made in Germany 1995 - 2011
" (VÖ: 02.12.2011 Vertigo/Universal)

Nein ein Rammstein Denkmal ganz aus weißem Marmor gibt es noch nicht, dennoch könnte man in Anbetracht des neuen Covers von „Made in Germany“ vermuten, dass ein Standbild in der Ruhmeshalle des deutschen Rock vorbereitet wird und hier die Gipsmodelle präsentiert werden. Verdient hätte Rammstein ein Denkmal nun ganz sicher, zählen sie doch zu der möglicherweise erfolgreichsten deutschen Rockband, welche internationalen Erfolg feiert, musikalisch zu überzeugen weiß und obendrein durch ihre Live Show für ausverkaufte Touren sorgt.
Als 1995 die erste Promo CD mit den Titeln „Du riechst so gut“ und „Hallo Hallo“ in einem deutschen Musikmagazin klebte ahnte wohl noch niemand – inklusive mir- dass diese Herren mit dem freien Oberkörper vor einer gigantisch hässlichen Chrysantheme einmal einen internationalen Erfolg feiern würden. Eher wirkten sie ein bisschen wie „Boygroup“ nur passten schon damals die mehr als provokanten Texte am Rande der Geschmacklosigkeit nicht zu diesem Bild. Das besagte Bild zierte ihr Debütalbum „Herzeleid“ und offenbarte mir das Provokationspotenzial, welches schon früh in der Band steckte. Die gestählten Körper im Zusammenspiel mit brachialer Musik gepaart mit finsteren und brutal ehrlichen Texten sorgte nicht selten für Verwirrung und Abscheu. Lange Zeit waren die Texte von Rammstein mir zu blutrünstig und zu brutal, ehe ich hinter die bildhafte Sprache und Poesie Till Lindemanns blickte. Offenbar ist das Urteil bei Kritikern schnell da, wenn Musiker martialisch und betont männlich auftreten, rechts gerichtet zu sein. Mit dieser Verurteilung hatten die Jungs sehr lange zu kämpfen, wobei dabei gern vergessen wird, dass alle Mitglieder zu DDR Seiten in links gerichteten Formationen spielten. Das Video zum Depeche Mode Cover „Stripped“ wurde unter der Verwendung von Olympia Filmmaterial von Leni Riefenstahl verwendet und bestätigte die Vormeinung der Kritik. Nur Folgerichtig bezog die Band auf „Mutter“ Stellung zu den Vorwürfen und bezog mit „Links 2, 3, 4“ klare Position. Der Kunst anzuecken blieben Rammstein bis heute treu, wo die medienwirksame Provokation möglich ist, scheint es langen Rammstein hin und nutzen diese Gelegenheit.
Wann genau Amerika auf Rammstein aufmerksam wurde ist für mich schwer zu sagen, möglicherweise liegt es an der Idee David Lynchs, ihre Songs „Heirate Mich“ und „Rammstein“ als Soundtrack für seinen Film „Lost Highway“ zu benutzen. Das zweite Album „Sehnsucht“ wurde – begleitet von einer Tournee durch die Staaten- zum Erfolg in Übersee. Aber Rammstein wären nicht Rammstein wenn sie ihr Verhältnis zu den Staaten nicht provokant thematisieren würden und mit der nötigen Portion Sarkasmus würzten. Ihre persönliche US Hymne „Amerika“ wurde erst auf „Reise Reise“ aufgenommen in der Ära Bush und kann aus heutiger Sicht als Statement zum Weltmachtgehabe der Regierung Bush gewertet werden, wobei kein einziger Satz des Textes explizit politisch wurde. Vielleicht macht dies auch ein Teil der Faszination Rammsteins aus, denn Erklärungen innerhalb der Texte gibt man nicht, sondern wirft eher Fragen auf. Verpackt in poetische Sprache werden die mitunter harten Texte wie eine feine Praline, fast weiß und makellos, bis ihre aufwühlenden Bilder hervorbrechen und die weiße Weste, möglicherweise auch des Hörers beschmutzen. Nein, nett sind Rammstein ganz sicher nicht, aber dafür stehen sie seit nunmehr 16 Jahren auch nicht. Ich finde mit dieser Überlegung im Kopf die Farbe weiß also durchaus sehr passend, zumal man auch die leeren Seiten- welche mit weiteren Songs gefüllt werden wollen für mindestens weitere 16 Jahre, damit symbolisieren kann.

Je nach persönlichem Geldbeutel beinhaltet die Werksschau eine CD, zwei CDs oder das Audio Doppel und drei DVDs. Der Standardtonträger zeichnet schlicht die bewegte Bandgeschichte in eigener Dramaturgie nach, während die Bonus CD der Special Edition die Anerkennung durch Musikerkollegen belegt. Remixe von Faith No More, den Pet Shop Boys oder Hurts belegen eindrucksvoll den massiven Erfolg der Band auch szeneintern. Auf der DVD findet man sämtliche Songvideos der letzten Jahre – eindeutig denkmalwürdig!
(Maximilian Nitzschke)



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