AFTER FOREVER - Decipher


Erstveröffentlichung: CD 2001 / Transmission Records

Nach dem Album „Prison Of Desire“ aus dem Jahre 2000 erscheint nun die neue Scheibe von AFTER FOREVER. Lasst Euch eines sagen: Die Scheibe ist monumental und brachial, noch monumentaler und brachialer, als man sie sich vorstellen kann. Das liegt daran, dass diese Metaltracks nur in zweiter Linie Metaltracks sind. In erster Linie sind es melodiöse Song, die basieren auf klassischen Instrumentierungen und vor allem voluminösen Chorparts. So etwas habe ich im Metalbereich bisher noch nie gehört, die perfekte Synthese aus Orchester und virtuos gespielten Gitarren. Die perfekte Synthese aus dem göttlichen und aus dem teuflischen. Und über allem steht die soprane Stimme von Floor Jansen. Was würde man mehr wollen? Das ist nahezu perfekt für eine Metalband. Ja, regelrecht göttlich. Oder aber auch teuflisch, doch die Grenzen sind natürlich fliessend. (H.H.)

MARIO BARTH - Langenscheidt Deutsch-Frau / Frau-Deutsch


Erstveröffentlichung: Buch 2004 / Langenscheidt / ISBN 3468731221

Comedian Mario Barth kennt man ungefähr seit dem Jahre 2001 und sein Programm ist es, über Frauen zu erzählen. Von Anfang an trug er seine gelben T-Shirts mit der Langenscheidt-Optik und dem Aufdruck „Deutsch-Frau / Frau-Deutsch“ und das ist auch das, worüber er redet. Was sagen Frauen und was meinen sie eigentlich. Dazwischen klaffen mitunter riesige Lücken, wie sicherlich die meisten wissen. Und natürlich gibt es bei Frauen eine eigene Logik, die für Männer nicht nachvollziehbar ist. Das ist ja tatsächlich so und wurde bereits mehrfach sowohl in ernster, als auch in humoristischer Weise aufgezeigt. Während zum Beispiel Loriot (ich denke an „Das Frühstücksei“) die Sache mit einem sehr trockenen, subtilen Humor darstellt, bringt MARIO BARTH das Thema ein bisschen mehr mit dem Holzhammer, moderner eben, denn das Publikum von heute will sich nicht mehr anstrengen müssen, um etwas zu verstehen. Live ist MARIO BARTH damit auch wirklich äußerst vergnüglich, sein Bühnenprogramm „Männer sind Schweine, Frauen aber auch“ hat keine Längen und birgt sehr viele Lacher, auch wenn man nicht alle gesagten Dinge aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann. Nun hat BARTH offenbar einen guten Deal mit dem Langenscheidt-Verlag gemacht und sein Buch zur Tour dort herausgebracht. Mit gewohntem Langenscheidt-Aussehen und dem bekannten gelben Gummi-Einband. Was hier geboten wird, ist eigentlich „nur“ das Bühnenprogramm und davon natürlich auch nur ein Teil. Viele neue Ideen gibt es im Grunde nicht, es wurde nur (teilweise wortwörtlich) niedergeschrieben und in Form gebracht, was auch live von ihm gesagt wird. Das kommt manchmal natürlich in der gewohnt-schnoddrigen Weise, doch gerade in der schriftlichen Form hätte ich mir ein wenig mehr Trockenheit gewünscht. Wörterbücher sind ja nun auch eher trocken und ich denke, der Witz wäre größer gewesen, wäre es etwas subtiler gelungen. Insbesondere, da es logisch ist, dass eine schriftliche Form des Bühnenprogrammes es um einiges schwieriger haben dürfte, als wenn man es live darstellt. Hier wird leider manchmal klar, wie dünn und dürftig manche Gags eigentlich sind, entreißt man sie einer mitreißenden Präsentation. Ein bisschen mehr Satire und etwas weniger Klamauk wäre schön gewesen. Nun ja, bei der nächsten Tour bin ich sicherlich wieder anzutreffen, beim nächsten Buch eher nicht. (H.H.)

BASTARDS OF LOVE - Split Bastards Of Love/Geneviéve Pasquier


Erstveröffentlichung: 10 Inch 2005 / Petting Zoo / Flexx Distribution

5 Veröffentlichungen auf nunmehr 3 Labels (We Rock Like Crazy: I Satellite und Psyche, Privatvergnügen: 2 x Bastards Of Love und nun Petting Zoo: Bastards Of Love/Genevieve Pasquier 10“). Warum diese ganzen Scheiben nicht unter einem Labelnamen erscheinen, ist mir nicht klar, aber wahrscheinlich wollen die Macher für jede Musikrichtung eine eigene Labelidentität schaffen. Ist ja letztendlich auch egal, so lange die Musik zu begeistern weiß und das tat sie bisher durchgehend.

Neues Label, Petting Zoo, neues Konzept, Split 10“, und zwei nicht ganz unbekannte Namen, BASTARDS OF LOVE und GENEVIÉVE PASQUIER, was soll da schon schief gehen? Zudem ist das 10“ Format einfach liebenswert.

BASTARDS OF LOVE gibt es nach ihren beiden eigenen Maxis diesmal mit zwei Tracks zu hören. „Wheel Of Passion“ ist ein schöner 80s Synthie-Pop-Song mit Tanzflächentauglichkeit. Erinnert ein wenig an die frühen Psyche-Sachen. „Classification“ ist experimenteller und dürfte die Minimal-Electro-Freaks ansprechen. Wieder einmal gute Musik aus dem Femme Fatale/Der Künstliche Dilettant-Umfeld.

Dunkles Basswummern eröffnet die Plattenseite von GENEVIÈVE PASQUIER, wobei ich nicht sicher bin, ob das Stück für 33 oder 45 UPM ausgelegt ist, irgendwie funktioniert beides, richtig ist aber natürlich, wie auch bei BASTARDS OF LOVE, 45 UPM. Zu gefühllosem Sprechgesang gibt es verzerrte Sounds zu hören. Wie gewohnt sind beide Stücke „Fairy Tale“ und „Female Senses“ ziemlich düster und gewollt monoton und eher dem Industrial, als dem Minimal-Electro zuzuordnen. Wie schon bei der Single auf Disorder Records muss man sich erst ein wenig in die Stücke reinhören, doch dann erscheinen sie wie surreale Ohrwürmer, die auch so manchen Fan von (gemäßigteren) Power-Electronics erfreuen dürften.

Diese Platte in einer Auflage von 500 Exemplaren wird sich problemlos in der Szene festsetzen und vielleicht sogar mal zu einem kleinen Klassiker werden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.werocklikecrazy.com

BASTARDS OF LOVE - Bastards Of Love


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2004 / Privatvergnügen x.1 / We Rock Like Crazy

Ein für mich völlig neues Electroprojekt sind die BASTARDS OF LOVE, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich den Namen absolut genial oder völlig daneben finde. Die vorliegende 12“EP ist auf 150 Exemplare limitiert und enthält 6 sehr eigenwillige Electro-Tracks, die aber ein gewisses Publikum extrem ansprechen dürften.

Los geht´s mit dem schleppenden, über 8-minütigen „Track 1“ (die einzelnen Songs scheinen keine Namen zu haben, jedenfalls konnte ich auf der Vorab CD-R und der Website keine ausmachen. Der Titel erinnert extrem an ganz frühe Electro-New Wave Gruppen wie (frühe) Human League oder Fad Gadget und schraubt sich bei mehrmaligem Hören gnadenlos in die Gehörgänge. Für 80er Jahre Freaks definitiv ein echtes Muss! „Track 2“, könnte „Digitaltanz“ heißen, führt zurück in gute alte NDW-Tage, hektischer Rhythmus, Analog-Klänge und ein thematisch passender deutschsprachiger Text. Ich kenne einige Minimal-Electro-Sammler, die darauf voll abgehen werden und auch ich bin begeistert. Leichte DAF-Einflüsse, kombiniert mit dem einen oder anderen Zick Zack-Act liegen nahe. „Track 3“ geht in die gleiche Richtung, ist aber deutlich schräger und chaotischer, leider vom Sound her nicht optimal. Klingt fast schon nach Electro-Punk, wie ihn Tommi Stumpff auch eine zeitlang produziert hat. „Track 4“ ist wieder eingängiger, ohne aber eine gewisse Unruhe zu verlieren. Hier wird alles, was in den 80er Jahren an elektronischer Musik gut war, durcheinander gewirbelt, von New Wave über Synthie-Pop bis hin zu Italo-Disco. Man muss den Song einige Male hören, bis er endgültig zündet, aber dann ist er wirklich gut. Ähnlich erscheint „Track 5“, voll gepackt mit Electrospielereien und auch wieder irgendwo zwischen DAF, Tommi Stumpff und Fad Gadget anzusiedeln, ein weiterer Ohrwurm. Falls sich noch jemand an die Schweizer Nurges erinnert, darf man diese durchaus als Vergleich heran ziehen. Beim letzten Titel „Track 6“ wird´s dann ungewohnt düster und experimentell, wobei die Klänge aber ebenfalls zu fesseln vermögen. So ist die BASTARDS OF LOVE-Platte insgesamt ein sehr gelungenes Werk, dass nicht nur wegen der kleinen Auflage schnell ein gesuchtes Sammlerstück werden wird. Die Klänge zwischen 80er-Electro-New-Wave und Minimal-Electro sind einfach zu verführerisch, als dass man die Platte übergehen sollte. (A.P.)

Webadresse der Band: www.werocklikecrazy.com

BAUHAUS - Gotham


Erstveröffentlichung: Doppel-CD / KK Records

Well, here are the ""godfathers"" of Gothic-Rock back again with an live album, recorded on their reunion tour some time ago. What to exspect? BAUHAUS playing their hits live and let you think, that they never had gone away for years. They really sound like in their best times and they offer all the great hymns like ""Double Dare"", ""In the Flat Field"", ""She´s In Parties"", ""Terror Couple Kill Colonel"", ""Telegram Sam"", the Bowie cover ""Ziggy Stardust"", ""Hollow Hills"", ""Kick In The Eye"" and of course ""Bela Lugosi´s Dead"" plus some more.

As a little bonus, we also get a studio recording of the Dead Can Dance cover ""Severance"" (plus a live version). It is strange, but this song could also have been a BAUHAUS original. As BAUHAUS fan everybody should get this DCD (also released as limited edition in a fold out Digi-Pak), but now we await new stuff by this band and hope, that they are still good enough to create such classics, that are featured live here. (A.P.)

BAZOOKAS - 17M


Erstveröffentlichung: 7 Inch / Fanboy Records, a division of Dr.Bone Enterprises

Eine sehr interessante Scheibe erreichte meinen Briefkasten und damit auch das uralte Gerät mit dem Stiel, das auf meinen CD-Player steht. Froh, endlich neues Futter für dieses Gerät, ich hab den Namen vergessen, zu haben, plazierte ich die Nadel auf den Rillen dieses hamburgianischen Tonträgers und hörte mir „17M“ an. Ich wußte ja vorher nicht so genau, was 17M eigentlich ist und da dachte ich erst an Klebeband, bis mir dann einfiel, daß ja 3M Klebeband ist, bzw. solche seltsamen Streifen, die man auf die Autos klebt, damit sie windschnittiger aussehen. 17M ist, wenn ich es richtig kapiert habe, ein uralter Fort Taunus. Doch das ist jetzt nicht wichtig, denn wichtig ist die Musik, wie man ja schon seit immer weiß. Es handelt es sich hier pauschal gesagt um Punkrock. Etwas tiefergehend muß man sagen, daß es Punk´n Roll ist, der schrammelnden Art, also der schmutzigen Art, also der positiven Art, man könnte sagen, der echten, punkigen Art. Die Band besteht aus drei männlichen Musikern und einer weiblichen Gesangsstimme und hat bislang leider erst eine Single (mit der hier zwei) und ein paar Samplerbeiträge an die Öffentlichkeit gebracht, jedenfalls auf Tonträgern, Auftritte hatte das Quartett schon viele. Abgesehen davon, daß Vinyl ja sowieso Besitz-Pflicht ausstrahlt, ist nicht nur die Platte sehr gelungen, sondern auch das witzige Cover, über das ich hier nicht viel sagen möchte, weil Ihr Euch ja die Platte zulegen sollt. (H.H.)

B.B. KING - Sweet 16


Erstveröffentlichung: DVD / Icestorm Entertainment

Den Namen B.B. KING hat ja wohl schon jederman gehört, auch wenn man sich nicht für seine Musik interessieren mag. Ohne Frage ist der Mann wohl einer der größten und bekanntesten Musiker dieser Erde und der wahrscheinlich beste Blues-Spieler aller Zeiten, der jetzt noch im hohen Alter seine Gitarre zupft, die er übrigens zärtlich Lucille nennt. Unzählige Musiker haben sich von seinem Sound beeinflussen zahlen, ähnlich viele haben versucht, ihn zu kopieren, freilich ohne jemals seine Klasse zu erreichen. Das Wort „Blues“ ist wahrscheinlich direkt für den Mann erfunden worden.

Die DVD „Sweet 16“ von Icestorm Entertainment präsentiert ein altes Konzert des Meisters aus dem Jahre 1974 in Afrika, genau genommen in Kinshasa. Als Muhammed Ali gegen George Foreman kämpfte, gab es im Rahmen des Programmes ein dreitägiges Konzert mit etlichen Größen der Musikwelt, hauptsächlich aber schwarz- und lateinamerikanische Stars. Aufgezeichnet wurde das Konzert von Leon Gast, Regisseur von „WE WERE KINGS“ aus dem Jahre 1996. Übrigens kann man in kurzen Einstellungen die Boxlegende Muhammed Ali in der ersten Reihe sitzen sehen. (H.H.)

THE BEAMING LIARS - Demo 1


Erstveröffentlichung: MC / Eigenproduktion

Eine Band, zu der ich leider nur infohalber sagen kann, daß sie sich im November 1996 zusammengefunden hat im französischem Poitiers. Die Band bewegt sich, wie sie selbst behauptet, im Bereich des Noisy-Pop. Es gibt schrammelige Gitarren zu hören mit ziemlich genöhltem Gesang, der die Musik doch manchmal etwas stört. Etwas mehr Melodie im Gesang könnte bestimmt helfen. Daß die Sound-Qualität des Tapes natürlich auch nicht 100%-ig ist, liegt natürlich daran, daß alles zu Hause aufgenommen und gemischt wurde. Dafür finde ich es dann allerdings schon wieder ganz in Ordnung. Wie gesagt, wenn man am Sänger und an der Aufnahmequalität noch arbeiten könnte, dann kann aus den BEAMING LIARS eine wirklich interessante Band werden, denn das Songmaterial ist wirklich gut! (A.P.)

BEATSTEAKS - Launched


Erstveröffentlichung: CD / Epitaph

Auch wenn es den BEATSTEAKS nur sekundär interessant ist und sie können es wahrscheinlich auch gar nicht mehr hören und wahrscheinlich schon gar nicht lesen, aber es ist nunmal wirklich erwähnenswert, daß die BEATSTEAKS die allererste Band aus deutschen Landen sind, die eine CD auf dem allseits geachtetsten Punkrock-Label EPITAPH sind. So, nun ist es raus. Die netten, sympathischen Jungs von nebenan wurden einfach so entdeckt bei einem Konzert und durften gleich ihren zweiten Longplayer für EPITAPH einspielen. Das Debüt-Album, dessen stolzer Besitzer ich ebenfalls bin (es heißt 48/49) war damals noch etwas kantiger und teilweise auch härter, aber nun geht alles etwas straighter voran und man kann gar nicht anders, als zu wippen und vor meinem geistigen Auge sehe ich die Massen pogen, schade, ein Konzert konnte ich noch nicht sehen, aber sobald auch meine Heimatstadt gebeatsteakt wird, bin ich dabei und ich hoffe Ihr auch! (H.H.)

BEATSTEAKS - 48/49


Erstveröffentlichung: CD / X.N.O. Records

Die BEATSTEAKS sind eine Punkband und kommen aus Berlin. Wobei Punk vielleicht zu kategorisch gesagt ist, im Prinzip konnte es auch eine punkige Hardcoreband mit Melodien sein. Aber wie auch immer, die Songs gehen ab und haben Substanz. Live soll die Band auch ein ziemlich Hammer sein, fetzig, schweißtreibend und vor allem Spaßbereitend. Die Musik ist dreckig, satt, schnell, rockig und der Sänger bringt´s auch. Die Texte sind ebenfalls vielfältig und reichen von Spaß über kritisch bis Ernst. Ich möchte zu dieser Band eingentlich gar nicht so viel schreiben, denn zu derart geiler Musik läßt sich einfach nix schreiben, was es fassen könnte. Anspieltip meinerseits ist der Titelsong ""48/49"" mit einem Spaßtext, bzw. der Vorstellung der Band. (H.H.)

THE BEATLES - Love Me Do - Eine Rock´n Roll Dokumentation


Erstveröffentlichung: DVD 2004 / Laser Paradise

Gibt es eine größere und bekanntere Band auf Erden? Nein. Und es wird wohl auch lange keine größere mehr in der Zukunft geben, wenn man sich das traurige Popmusik-Bild der heutigen Zeit anschaut. Diese Dokumentation neueren Datums enthält in der Hauptsache ein Interview von Victor Spinetti, der in drei Filmen der Band mitgespielt hat und ein Freund der Fab Four war. Dazu kommen viele weitere Leute dieser Zeit zu Wort, wie zum Beispiel der erste Beatles-Manager Alan Williams (als die Band noch „The Beat Brothers“ hieß, weil Deutsche den Namen „Beatles“ nicht verstehen würden), Regisseur Richard Lester, Tony Sheridan und viele viele weitere. Dazu gibt es jede Menge historische Filmschnipsel zu sehen, alte Interviews mit den Pilzköpfen und selbst für Verschwörungstheorien-Fans ist etwas dabei, denn als es um den Mord an John Lennon geht, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Mörder niemals verurteilt wurde und man eigentlich auch niemals irgendetwas über hin zu hören bekam. Das ist aber natürlich nicht wahr, denn Mark Chapman sitzt im Knast und hat bereits zum dritten Mal erfolglos um Freilassung gebeten. Wie dem auch sei, die Doku fängt ein bisschen schleppend an, denn es gibt die ersten Minuten so gut wie nur Interviews, Livemusik von Beatles-Freunden und Filmschnippsel, die wenig Aussagekraft haben, doch mit der Zeit wird das anders und man bekommt tatsächlich viele Informationen und rares Bildmaterial zu sehen. Insofern eine interessante Ergänzung zur Anthology-Box für jeden Beatles-Fan.

Die deutsche DVD von Laser Paradise präsentiert den Film in Deutsch und Englisch (Dolby Digital 2.0) sowie im Bildformat 4:3. Untertitel sind in Deutsch verfügbar. Als Extras gibt es ein Interview mit Alan Williams (41:18 Min.), eine Slideshow sowie Biographien der Vier und der Band an sich.

Darsteller. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Victor Spinetti (H.H.)

MONICA RICHARDS - The Strange Familiar


Erstveröffentlichung: CD-EP 2011 / Danse Macabre / Danse Macabre

Monica Richards – The Strange Familiar EP
"(VÖ: 13. Mai 2011 Danse Macabre)

Ich denke Monica Richards vorstellen zu müssen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen, denn getrost kann man sie mittlerweile als lebende Legende bezeichnen. Sie ist die weibliche Hälfte des Duos Faith and the Muse und gehört wohl seit Jahren zu den interessantesten und innovativsten Köpfen des amerikanischen Death – Rock. Ihr Talent stellt sie nicht nur mit ihrer Hauptband unter Beweis, sondern auch als Solokünstlerin. Im vergangenen Jahr anlässlichh des 20igsten Wave Gotik Treffens in Leipzig durfte ich Zeuge werden ihrer großartigen Show „Infrawarrior“, welches kein Konzert im klassischen Sinn bot, sondern viel mehr eine Inszenierung aus Musik, Film und interaktiver Darstellungskunst bot. Während des Konzertes lief ein kompletter Film hinter der Bühne ab, mit dem Monica Richards während ihrer Darbietung interagierte, und somit eine intensive künstlerische Melange aus Konzert, Theater und Improvisation bildete. Thematisch widmete sie sich dabei feministischer Betrachtungen matriarchaler Mythen in der heutigen Kultur und Gesellschaft. Das Debutalbum „Infrawarrior“ aus dem Jahr 2007 lies bereits aufhorchen und so freute ich mich umso mehr, gerade auch nach dieser spannenden Konzerterfahrung, als aus dem Hause Danse Macabre neue Informationen kamen. 2012 wird also „Naiades“ als Nachfolgealbum erscheinen und mit „The Strange Familar“ der Vorgeschmack als EP geliefert. Es bleibt abzuwarten, ob Monica Richards das Niveau auf ihrem neuen Album halten kann, aber die EP bietet schon einmal interessante Einblicke und weckt in jedem Fall die Neugierde.

Die fünf Track EP „The Strange Familiar“ startet mit „Armistice“ einer sehr treibenden und tanzbaren Death – Rock Nummer mit viel Power und einem Rhythmus der unweigerlich ins Blut geht. Ganz anders und dadurch sehr überraschend klingt hingegen der zweite Track „The Mighty“, denn er beginnt mit einem langen und sphärischen Intro sowie gesprochenen Worten, bevor dann erst sehr wuchtig die Drums einsetzen und Monicas Gesang fast ein wenig an Ethnoklänge erinnert.
Der Titeltrack „The Strange Familiar“ erinnert etwas an die frühe Phase von Lisa Gerrard und Dead Can Dance, bevor Drums und Gesang einsetzen und ihn plötzlich zu einem sehr poppigen Stück werden lassen. Vom ersten Album noch bekannt ist das vierte Stück „A Good Thing“, welches sich hier als Remix deutlich elektronischer präsentiert als das Original und insgesamt eine neue musikalische Facette hervorschauen lässt die Spaß macht und von Mut zeugt. Zu guter Letzt erklingt „Oreides“, welcher für mich im Gesamtbild der EP eher abfällt, aber durch die anderen Stücke wiederum abgefangen wird. Insgesamt lässtt sich feststellen, dass der Ideenreichtum der Stücke, die zwar untereinander unterschiedliche Gestaltung bekommen haben von Monica Richards, die Vorfreude auf ein Gesamtalbum wachsenlässtt, insbesondere wie sie es schaffen wird, ein einheitliches Klang- und Stimmungsbild zu erzeugen. Ich freu mich schon jetzt darauf!
(Maximilian Nitzschke)

APASSIONATA - Gemeinsam bis ans Ende der Welt


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012

APASSIONATA 2012 - Gemeinsam bis ans Ende der Welt

Im Mittelpunkt dieser Show stehen Reiter und Pferde so unterschiedlicher Rassen wie Lusitano-Schimmel, Friesen, Shagya-Araber oder Shetland-Ponys. Bei den vorgeführten Reitkünsten werden sowohl künstlerische als auch sportliche Stile gezeigt. Das Unternehmen wurde 2002 von Peter Massine und Robert Wagner gegründet, die für das Projekt Apassionata 2004 mit dem Unternehmerpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurden. Als Show des Jahres 2010 erhielt die Gesellschaft den LEA.

APASSIONATA hat seit neun Jahren inzwischen knapp fünf Millionen Besucher zum Staunen, Träumen und Lachen gebracht. Die magischen Begegnungen zwischen Mensch und Pferd begeistern jedes Jahr aufs Neue mit prachtvollen Pferden, atemberaubender Reitkunst, einzigartigen Lichteffekten und wundervoller Musik.
In der neuen Show nimmt sie unser Hauptdarsteller „Daniel“ mit auf eine traumhafte Reise zu den entferntesten Orten der Welt und lüftet die Geheimnisse, die Mensch und Pferd seit Jahrhunderten verbinden – ein wahres Erlebnis für die Sinne! Zwischen freilaufenden Camargue-Stuten und ihren Fohlen am Meer findet er einen Brief, der ihm den Weg in eine faszinierende Welt öffnet. Zu den Klängen einer live gespielten „NewStrad“-Geige (vereinigt jahrhundertealte Geigenbaukultur Stradivaris und moderne Technologie) trifft er auf duftende Orangen-Gärten, verwunschene Wasserspiele, eine Ballerina in einer imposanten Spieluhr, einen Eispalast und einen feurigen Wüstenritt. (Maximilian Nitzschke)

THE LAST CRY - Walking To The Edge

Wiederveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / Bob Media / EZ11C829
Erstveröffentlichung: CD 2009 / A Day Like Today

England gilt zu Recht als Geburtsland des Gothic-Rock und Bands von der Insel haben in mehreren Wellen diesen Stil geprägt. Auch heute noch gibt es dort mehr Gitarren-Gothic-Bands als irgendwo sonst, wobei die Beeinflussung durch Metal an England offenbar weitgehend vorbei gegangen ist und viele Bands ziemlich old-school sind. THE LAST CRY zählt auch dazu. Wie es aussieht, hat sich die Band so um 1987 herum gegründet, irgendwann in den 90ern aufgehört und macht jetzt wieder Musik. Leider gibt weder die My Space- noch die Facebook-Seite viele Infos her und eine richtige Band-Website gibt es offenbar nicht. Auf jeden Fall hat es wohl in der Vergangenheit mehrere Vinyl- und CD-Veröffentlichungen gegeben und nun hat sich Echozone die Band geschnappt und das Album „Walking To The Edge“ auf den Markt geschmissen. Das Album wurde wohl schon 2009 von der Band selbst veröffentlicht und vertrieben und eben jetzt auch für den deutschen/europäischen Markt lizenziert.
Zu hören gibt es eben guten alten Gothic-Rock, der einige ordentliche Portionen Gitarren-Wave inhaliert hat und so eine sehr ordentliche Mischung aus The Chameleons, Altered States, Children On Stun, The Cure, The Justice League Of America, Eyes Of The Nightmare Jungle und vielen anderen alten Helden ergibt. Für Leute, die in den 80ern schon Wave/Gothic mochten, sind THE LAST CRY eine sichere Bank, vor allem, weil es solche Musik ohne sehr starke Metal- oder Electro-Enflüsse sonst kaum noch gibt. Gut ist die Stimme des Sängers, an die man sich erst ein bisschen gewöhnen muss, die aber eben gerade nicht wie die von all den anderen Brit-Goth-Bands klingt. Ansonsten wäre bei der Musik aber hier und da etwas mehr Eigenständigkeit schön gewesen, aber auch so lässt sich „Walking To The Edge“ sehr gut hören. (A.P.)

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NEO bedeutet NEW ELECTRONIC ORDER, womit man gleich jede menge Assoziationen auslöst, zum einen zur Band New Order, die ja für die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik mit ihrem „Blue Monday“ von extremer Wichtigkeit war, zum anderen zum Charakter „Neo“ aus der „Matrix“-Filmreihe, womit der Bogen von der Vergangenheit zur Cyberspace-Gegenwart geschlagen wäre. Wenn dann ein Album noch „Sindustrial“ heißt, dürfte ziemlich klar sein, in welche Richtung es auf dieser CD geht: tanzbare Electro-Klänge mit vielfältigen Einflüssen von Die Form und Up/Rotor über Genevieve Pasquier und Pzycho Bitch bis hin zu modernem Techno. Angereichert mit schrägen Sounds, vielen Samples und bewusst monoton gehaltenen Rhythmen ist „Sindustrial“ ein Album, das in der Cyber-Goth-Szene sicher viele Freunde finden wird. Von Körperschall Records ist man derartige Klänge gewöhnt, aber über fast eine Stunde Laufzeit passiert letztendlich nicht viel, es fehlt einfach ein bisschen Abwechslung. Aber das kommt wohl durch die Nähe zum Techno, der mir bis heute immer noch fremd geblieben ist. Wäre „Sindustrial“ eine 20minütige EP, würde ich die Veröffentlichung als großartig bezeichnen, über die volle Länge bleibt aber immerhin noch guter Electro-dustrial, der sicher auf den Tanzflächen der Electro-Clubs, vielleicht sogar szeneübergreifend, für Bewegung sorgen wird. (A.P.)

NEO - Sindustrial


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Körperschall Records/Echozone / Bob Media / EZ11C749

NEO bedeutet NEW ELECTRONIC ORDER, womit man gleich jede menge Assoziationen auslöst, zum einen zur Band New Order, die ja für die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik mit ihrem „Blue Monday“ von extremer Wichtigkeit war, zum anderen zum Charakter „Neo“ aus der „Matrix“-Filmreihe, womit der Bogen von der Vergangenheit zur Cyberspace-Gegenwart geschlagen wäre. Wenn dann ein Album noch „Sindustrial“ heißt, dürfte ziemlich klar sein, in welche Richtung es auf dieser CD geht: tanzbare Electro-Klänge mit vielfältigen Einflüssen von Die Form und Up/Rotor über Genevieve Pasquier und Pzycho Bitch bis hin zu modernem Techno. Angereichert mit schrägen Sounds, vielen Samples und bewusst monoton gehaltenen Rhythmen ist „Sindustrial“ ein Album, das in der Cyber-Goth-Szene sicher viele Freunde finden wird. Von Körperschall Records ist man derartige Klänge gewöhnt, aber über fast eine Stunde Laufzeit passiert letztendlich nicht viel, es fehlt einfach ein bisschen Abwechslung. Aber das kommt wohl durch die Nähe zum Techno, der mir bis heute immer noch fremd geblieben ist. Wäre „Sindustrial“ eine 20minütige EP, würde ich die Veröffentlichung als großartig bezeichnen, über die volle Länge bleibt aber immerhin noch guter Electro-dustrial, der sicher auf den Tanzflächen der Electro-Clubs, vielleicht sogar szeneübergreifend, für Bewegung sorgen wird. (A.P.)

Webadresse der Band: www.neo-music.de

THE CURE - Bestival Live 2011


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2011 / Sunday Best Recordings / PIAS / SBESTCD50

Wenn THE CURE den seit 1992 vorherrschenden 4-Jahres-Rhythmus für neue Alben einhalten, wäre 2012 eigentlich mal wieder ein neues Werk dran. Angekündigt ist noch nichts, aber bei Robert Smith weiß man ja nie, was so kommt. Zumindest sind für den Sommer 2012 zahlreiche Festival-Auftritte bestätigt, die Band existiert also noch. Das hat sie schon 2011 bewiesen, als neben den bejubelten „Reflections“-Auftritten in Australien und London auch einige Konzerte in den USA gegeben wurden und dazu ein großes Festival auf der Isle Of Wight gespielt wurde. Dieses Festival wurde mitgeschnitten und im Dezember 2011 als Doppel-CD veröffentlicht. Es ist das erste offizielle Livealbum seit 1993 (wenn man mal von den „Trilogy“ und „Festival 2005“-DVDs absieht) und das erste Livealbum, das ein komplettes Konzert enthält (wenn man auch hier mal von den „Trilogy“ und „Festival 2005“-DVDs absieht). Fans dürfen sich also freuen. THE CURE können inzwischen aus einem Repertoire schöpfen, das in über 30 Jahren entstanden ist und so gibt es wohl nie zwei genau gleiche Konzerte (abgesehen natürlich von den konzeptionellen „Trilogy“ und „Reflections“-Shows). Dabei gibt es fast immer einen Mischung von Songs aus allen Phasen der Band, hier von „Grinding Halt“ bis „The Hungry Ghost“. Auf Festivals konzentriert sich die Gruppe dabei natürlich – man muss ja bedenken, dass man ein sehr gemischtes Publikum bedienen muss – auf die bekannteren Songs. So sind von den hier in 140 Minuten gespielten 32 Songs alleine 21 Singleauskopplungen vertreten, wenn ich mich auf die Schnelle nicht verzählt habe. Schon beeindruckend. Dazu gibt es einige echte CURE-Klassiker wie „Plainsong“, „Play For Today“, „Shake Dog Shake“, „One Hundred Years“ und „10:15 Saturday Night“, aufgefüllt mit weiteren alten und neuen Songs, wie „Push“, „Open“ und „End“. Die Mischung weiß zu gefallen, auch, weil nach der rockigen Phase als Quartett ohne Keyboards nun Gitarrist Porl Thompson mal wieder die Gruppe verlassen hat (wie lange wohl diesmal?) und dafür der langjährige Keyboarder Roger O’Donnell wieder dabei ist. Auch, wenn die rockige CURE-Variante alles andere als schlecht war, so mag ich sie mit Synthies lieber, weil diese den bekannten CURE-Sound nachhaltig geprägt haben. „Plainsong“ oder „Play For Today“ waren in ihrer „puren“ Form doch lange nicht so bezaubernd wie im Original. Dies bekommt man hier jetzt wieder zu hören und das ist auch gut so. Kaum eine andere Band schafft die Gratwanderung zwischen „sich selbst treu bleiben“ und „sich stetig verändern“ so gut, wie THE CURE und die müssen nun wirklich niemandem mehr etwas beweisen. Dass sie eine großartige Liveband sind sowieso nicht und so gibt es auch hier den typischen kraftvollen Sound, der allerdings nur zur vollen Entfaltung kommt, wenn man das Album ziemlich laut hört. Schlagzeuger Jason Cooper spielt präzise wie immer, der Bass von Simon Gallup wummert herrlich, die Flächensynthies sorgen für die nötige Raum füllende Atmosphäre, Smiths Gitarre ist unverkennbar und sein Gesang…nun, dazu muss man nun wirklich nichts mehr schreiben.
„Bestival Live 2011“ ist sicher kein ganz spektakuläres Album für CURE-Verhältnisse, aber doch ein beeindruckendes Zeugnis für die immer noch bestehenden Live-Qualitäten der Band. Und für die Fans ist es ein Lebenszeichen, das Hoffnung auf ein neues Album oder mal wieder eine richtige Tour macht. Schön wäre es natürlich auch, wenn die „Reflections“-Shows auf DVD und Blu Ray kämen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com

DOWNSTAIRS LEFT - Waiting For The Golden Age


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Echozone / Intergroove / EZ10C477

Dark Wave aus Deutschland zum millionsten Mal. Klar, der große, auch kommerzielle, Durchbruch der schwarzen Musikszene ging Anfang der 90er Jahre von Deutschland aus und machte heutige Mega-Erfolgs-Bands wie Unheilig erst möglich. Aber irgendwie ist seit dem nichts mehr viel Neues aus Deutschland gekommen. Dark Wave im Stile von Das Ich, Deine Lakaien und Dreadful Shadows – genau in diesem illustren Dreieck findet man nämlich DOWNSTAIRS LEFT – erscheint immer noch regelmäßig. Das ist auch okay und offenbar gibt es dafür ja auch eine Hörerschaft, aber mir ist das schnell zu langweilig geworden, wahrscheinlich auch, weil mich immer die eher rockigen Klänge angezogen haben und mir irgendwann bewusst wurde, dass man mit Selbstmitleid nicht so richtig voran kommt.
DOWNSTAIRS LEFT liefert eine ruhige Gothic-Variante ab mit vielen akustischen Gitarren, eher Gothic-Balladen als Gothic-Rock, wobei die Songs sogar ganz ordentlich produziert sind. Aber „Waiting For The Golden Age“ kann halt in keinem Moment mitreißen, weil man das alles schon zigmal gehört hat. Erinnert auch ein bisschen an die leider vergessenen Cream 8, die es auch nie so richtig zu großer Bekanntheit gebracht haben. Ein paar 70er Rock-Oper-Anleihen gibt es auch noch, ebenso immer wieder typische Streicher-Synthies. Hätten DOWNSTAIRS LEFT 1993 im Vorprogramm von Love Like Blood getourt, wären sie sicher ziemlich bekannt geworden, heute könnte man sie sich gut auf gemeinsamen Konzerten mit The House Of Usher vorstellen. Nicht spektakulär oder aufregend, aber auch nicht richtig schlecht. Dark Wave zum nebenbei hören halt. Fans von Silke Bischoff ab dem zweiten Album dürften auch gerne mal reinhören. (A.P.)

SHINO - Transition


Erstveröffentlichung: Download 2011 / AF Music / afm118

SHINO ist ein deutsches Ein-Mann-Dark-Wave-Projekt, dass mit der Werkschau “Transition” bereits die vierte Veröffentlichung vorgelegt hat. Zu hören gibt es langsamen, akustischen Gothic-Folk-Pop oder so ähnlich, der von einer meist dunklen Männerstimme begleitet wird, die irgendwo zwischen Nick Cave, Andrew Eldritch und Johnny Cash sein möchte, aber leider von keinem dieser Künstler auch nur annähernd das Charisma erreicht. Das ist sowieso kaum möglich und gerade deswegen sollte man sich nicht unbedingt an ihnen orientieren. Wer aber den Gesang bei Bands wie The Escape, The House Of Usher oder Cream 8 mag und dazu eben gerne akustische Gitarren hört, ist hier genau richtig. Die Songs sind ganz okay und haben oft gute Melodien, aber bei 21 Songs hintereinander wird es doch ein wenig langweilig. Zudem finde ich reine Akustikgitarren-Musik immer ein wenig hippiemäßig und das liegt mir in dieser Konzentration dann doch gar nicht. Wer Lagerfeuer-Romantik braucht und mal auf die bedeutungsschwangeren Bands wie Death In June verzichten will, kann ja mal reinhören, zumal das Album kostenfrei unter einer Creative Commons License runtergeladen werden kann. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

APASSIONATA - Gemeinsam bis ans Ende der Welt Live in Berlin


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012

28.01.2012 „Gemeinsam bis ans Ende der Welt“ 02 World Berlin

Die Show Appasionata hat seit nunmehr neun Jahren knapp fünf Millionen Zuschauer zum Staunen und Träumen gebracht, nicht zuletzt deshalb, weil die magischen Begegnungen zwischen Pferden, Reitern und Tänzern gepaart mit stimmungsvollen Lichteffekten und eigens komponierter Musik ein gelungenes Gesamtshowkonzept ergeben. Jedes Jahr gastiert Apassionata auch in der Hauptstadt und auch wie jedes Jahr in der 02 World, denn immerhin reist man doch mit einem ganzen Reitstall von über 40 Tieren an und benötigt auch Platz für die Reitarena, da eignet sich die 02 World natürlich perfekt für. Da es in Berlin plötzlich anfängt zu schneien, strömen die Besucher auch sogleich ins wärmende Innere und hoffen darauf, dass Ihnen die Show nun auch das Herz erwärmen möge. Es fällt auf, wie breit gefächert das Publikum ist, denn Mütter mit ihren Kindern sitzen neben dem Rentnerehepaar und schauen zusammen in das gerade gekaufte Programmheft, oder zwei Herren im Businessanzug unterhalten sich über ihr letztes Pferdeturnier – man merkt also das Publikum eint die Leidenschaft für Pferde und Unterhaltung mit Niveau.
Vor Beginn der Show wird diese Familienfreundlichkeit verdeutlicht, denn in kaum einer anderen Show darf ausdrücklich fotografiert werden – ohne Blitz natürlich um die Tiere nicht zu verschrecken- und freut man sich über jeden Beitrag auf YouTube oder facebook. Das finde ich in der heutigen Zeit des Social – Networking sehr gut mitgedacht und werbewirksam für das Unternehmen selbst.

In dieser neuen Show dreht sich nun alles um Hauptdarsteller Daniel, welcher das Publikum mitnimmt auf eine traumhafte Reise zu den entferntesten Orten der Welt, um dabei die Geheimnisse zu lüften, die Mensch und Pferd seit Jahrhunderten verbinden. Inhaltlich gehaltvoll ist das nun nicht gerade, aber es bildet die Rahmenhandlung an der sich vor den Augen der Zuschauer die poetisch – sinnlichen Bilder der Reiter und ihrer Tiere entfalten können. Inmitten von freilaufenden Camargue Stuten und ihren Fohlen am Meer findet er einen Brief, der ihm die faszinierende Weite der Welt eröffnet und hinein stößt in duftende Orangen Gärten, in Schlossgärten mit Wasserspielen, zu einer Ballerina in einer imposanten Spieluhr sowie in die exotische Wüste. Auf einem bretonischen Kaltblüter, einem sehr robusten und arbeitswilligenn Pferd, präsentierte Laurent Jahan Dressurlektionen, welche eigentlich für diese schweren massiven Tiere ungewöhnlich sind. Im Hintergrund läuft per Video ein provenzalisches Lavendelfeld, so dass die Sehnsucht nach Südfrankreich verstärkt wird beim Publikum. Wer regelmäßig zu Apassionata Shows kommt, kennt Laurent Jahan bereits, denn er arbeitet seit nunmehr sieben Jahren in dieser Showproduktion mit. Laurent gilt als einer der beeindruckendsten Reiter Frankreichs und besitzt zudem ein großes schauspielerisches Talent. Auch als Schmetterlingsfänger im Regenwald im zweiten Teil der Show weiß er mit seinem Witz und reiterischen Können zu überzeugen. Der Abschied aus seinem Dorf wird mittels Videoprojektion auf einen toskanischenen Dorfplatz verlagert und in Dressurbildern von den Reitern um delegendärenen portugiesischen Reitmeister Luis Valenca gestaltet. Er ist der Grandseigneur der Portugiesischen Schule des Reitens und hat als Ehrenmitglied der portugiesischen Hofreitschule sein Leben ganz auf die Ausbildung edler Lusitanos gelegt. Sein Team präsentiert auf edlen Hengsten alle Facetten der portugiesischen „Hohen Schule“. Es ist dabei scheinbar egal ob an der Hand oder unter dem Reiter – die wunderschönen Tiere beherrschen sämtliche Lektionen wie Kapriole, Courbette oder Levade in Perfektion! Auf die optisch sinnlichen Bilder folgt nun angefeuert durch die Klänge einer „NewStrad“ - Geige eine wilde Reiterstuntshow der Voltigeurs de Monde. Bei diesem Team handelt es sich um eine wechselnde und immer wieder neu formierte Gruppe von Spitzenvoltigeuren Frankreichs, die sich extra für spezielle Projekte und Auftritte zu einer Equipe zusammenschließen. Das Publikum lässt sich in Berlin mitreißen von ihren waghalsigen Kunststücken auf, über und unter den Pferden und spürt das Temperament der Reiter und nicht zuletzt der Pferde.

Wir werden zurückgeführt in die ruhigen und emotional aufgeladenen Bilder von Freiheit durch die Eleganz von Camargue Pferden in Freiheitsdressur. Seit 1976 hat Tobias Horstmann sein Herz an diese Tiere verloren. Durch seinen stetigen Import von Pferden aus der Camargue ist seine Zucht die größte in Deutschland derzeit. Gemeinsam mit ihren Fohlen brachte er die robusten Tiere in Freidressur auf die Bühne und erklärt, dass eine solche Show wie Apassionata für die Tiere kein Problem darstellt. Seine Pferde zeigten während der Darbietung die Ihnen eigene Nervenstärke und ruhten in sich, was sie für den Dresseur zu einem verlässlichen Partner machten.

Unser Hauptdarsteller Daniel erblickt auf seiner Reise nun ein Schloss, und wird teil der höfischen Festgesellschaft mit der er gemeinsam tanzt und die Nacht im Schlosspark mit Wasserfontänen verbringt. Mit edlen Lusitanohengsten zeigt die Familie Hasta Luego aus Südfrankreich eine spektakuläre Courbette unter dem Reiter während die Töchter das Publikum mit einem Pas de Deux im Damensattel verzaubern. Seit nunmehr dreißig Jahren bereisen sie die ganze Welt und begeistern Pferdefreunde und Fachpresse durch ihr reiterliches und artistisches Können. Die Brüder Christophe und Erik Hasta – Luego sammeln seit den 70er Jahren begehrte Titel und Ehrungen mit ihren edlen Hengsten. Optisch ein toller Hingucker ist es, als tatsächlich zur Kulisse des Schlossparks mit Wasserspielen aus den Seitenaufbauten der Reitarena Wasserfontänen schießen und Reiter und Ross mit dem Wasser tänzelnd zu agieren wissen. Alex Giona weiß mit der nächsten Nummer, immer noch in der Kulisse des Schlosses angesiedelt, wahrlich zu begeistern. 10 weiße Pferde lassen sich allein durch seine Stimme und seine Gesten leiten, eine wahre Meisterleistung die nicht zuletzt 2009 mit dem Silbernen Clown des Zirkusfestivals von Monte Carlo aus den Händen von Prinzessin Stephanie gewürdigt wurde. Ein Leben ohne Pferde können sich die Giona Brothers nicht vorstellen, denn ihre Leidenschaft zieht sich nunmehr schon in die dritte Generation. Eine imposante Spieluhr wird auf die Bühne getragen, in welcher sich eine Primaballerina befindet und gemeinsam mit Daniel beginnt zu tanzen zum Gesang der Voice of Apassionata Arndis Halla. Ihren musikalischen Weg begann die in Island geborene Sängerin 1998 an der Komischen Oper Berlin. Einen internationalen Namen machte sie sich schließlich in der Rolle der Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte. Seit 2006 ist sie die Stimme der Show Appasionata und überzeugt seither mit ihrer besonderen Art der Darbietung. Sie legt gewissermaßendie Stimmung des Auftrittes für Miguel Barrionuevo, welcher seine spanische Reitkunst auf monumentalen Podesten präsentiert. Man spürt seine Leidenschaft beim Reiten und die Liebe zum barocken Pferd. Seine leichte und feine Reitweise machten ihn auch weit über die Grenzen Spaniens hinaus bekannt. Das Pferd steht bei den Auftritten der Familie Barrionuevo im Mittelpunkt, der Reiter gibt ihm den Raum selbst der Künstler zu sein. Das Publikum spürt den Umgang der Reiter durch die scheinbare Leichtigkeit und Flexibilität der Dressur ganz nah am Temperament des Pferdes. Diese gezeigte enge Verbindung ist einer der Erfolge der Familie und ein klar erklärtes Ziel innerhalb ihrer Dressur.

Nach einer zwanzig minütigen Pause wechseln wir in der Kulisse in die Savanne und thematisch mit unserem Hauptdarsteller in die Wüstenlandschaften des fernen Afrikas. Optisch erleben wir die Verbindung von elegantem Tanz und afrikanischer Rhythmik im Einklang mit dem wilden Temperament der Pferde. Pierre Giona reitet stehend ohne Sattel auf acht Pferden die Ungarische Post über Hindernisse und begeistert das Publikum zum einen durch seine eigene Körperbeherrschung bei dieser waghalsigen Nummer, wie die Perfektion im Umgang mit seinen Pferden. Hier wird dem berliner Publikum einiges geboten und nicht wenige schauen nervös, als schließlich auch noch Feuer mit ins Spiel kommt. Alejandro Barrionuevo präsentiert eine „Feuer Garrocha“ bei der zu bewundern ist, wie scheinbar wenig Scheu seine Tiere vor dem Feuer haben. In der Regel ist Feuer sofort ein Grund für Pferde aus Panik durchzugehen, aber hier dreht und tänzeln sie um die Feuersäulen herum als ginge keine Gefahr vin ihnen aus, dahinter steckt sichtbar langes Training. Diese enge Verbindung zwischen Pferd und Reiter, die ich schon erwähnte, hatte hier sichtbar einen Höhepunkt erreicht. Nachdem Daniel dieses ferne Land erlebt und gespürt hat zieht ihn die Sehnsucht wieder nach Hause zurück auf den ihm so vertrauten Dorfplatz und auch das Publikum wird retour geholt in das optische Bild des toskanischen Dorfplatzes des ersten Teils der Show. Die Reiter der Voltigeurs de Monde überzeugen erneut durch ihre artistischen Stunts auf Andalusiern und Lusitanos im und unter dem Sattel, ehe wir aus der Wildheit mehrerer Pferde optisch reduziert werden auf nur einen weißen Pura Raza Espagnol, einer spanischen Pferderasse in reglementierter Zucht. Spanische Flamencoklänge lassen das wunderschöne Tier tänzeln, während die Bewegungen des Tieres von einer Flamencotänzerin aufgenommen und zur Einheit verwoben werden.

Während seiner Reise hat sich unser Hauptdarsteller verändert und sieht nun sein kleines Dorf als gar nicht mehr so klein an, da sich sein eigener persönlicher Horizont erweitert hat. Er findet zu seiner wahren Liebe und bildet mit ihr eine Einheit und Harmonie, so dass sie fortan „Gemeinsam bis ans Ende der Welt“ gehen können. Zu den Klängen der „New Strad Geige“ bewegen sich dazu in Freiheitsdressur erneut weiße Camargue Pferde, unbeschwert und harmonisch, ehe Arndis Halla mit „Keep on Walking“ den Titelsong der Show präsentiert. Llive eingesungen und im Nebel des wabernden Meeres reiten die Reiter des Teams Luis Valencas auf vier Andalusiern die Schlußbilder, welche noch einmal die Eleganz zwischen Pferd und Reiter zum Abschluss der Show hervorheben.

Berlin ist begeistert und feiert „ihre“ Apassionata Stars 2012 im Schlussapplaus als diese gemeinsam in die Arena reinreiten. Zudem während einige Besucher schon den Heimweg antreten aus der 02 World die Reiter mit ihren Tieren für Fotos oder Streicheleinheiten der Besucher mit den Tieren stehen bleiben. Dies ist familienfreundlich durch und durch und zeigt einmal mehr, das diese Show nur in Verbindung zur Liebe der Reiter zu ihren Tieren und ihrem Publikum möglich ist und zugleich auch diese Liebe für die Tiere beide Seiten eint. Somit würde ich fast sagen, das die eigentlichen Stars des Abends zweifelsfrei die Pferde sind, die verbindend wirken! (Maximilian Nitzschke)

ZACKENFLANKE - Mit der Zeyt


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Totentanz Records

Kaum einer wird bisher wirklich Notiz genommen haben von den sechs Individualisten aus Süddeutschland, es sei den er war im vergangenen Jahr - wie ich zum Wave Gotik Treffen- öfter im heidnischen Dorf unterwegs und durfte ihrer wilden Performance auf der Bühne zusehen und lauschen. Ich finde deswegen, dass es sich lohnt ein Auge und das Ohr etwas genauer auf Zackenflanke zu lenken, und euch eine Band abseits der großen Namen der Szene vorzustellen. Im Grunde haben die sechs Individualisten alle ganz unterschiedliche musikalische Vorlieben und so ist Zackenflanke eine der Bands, die sich stilistisch zwar nach mittelalterlicher Marktmusik anhören, sich jedoch weder einschränken noch in ihrer Ausrichtung Grenzen setzen. Das klingt vielleicht für den Leser so,als würde eine völlige Kakophonie an Tönen erzeugt werden, aber erfreulicher Weise geht dieses Erfolgsrezept auf. Die Band selbst ist bereits sechs Jahre alt, dennoch befinden sich die Spielleute nach Selbsteinschätzung noch mitten in der Selbstfindung, wobei bereits zwei Werke schon das Licht der Welt erblickt haben auf diesem Weg bisher. In welche Richtung sich Zackenflacke entwickeln würde war ziemlich unklar 2006, denn die Rocker unter ihnen kannten sich mit den mittelalterlichen Klängen überhaupt nicht aus und die Sackpfeifer unter ihnen waren wiederum unsicher ob sich die Rocker mit dieser Art der Musik anfreunden können. Niemand hatte damals ernsthaft damit gerechnet, dass Zackenflanke länger als ein Jahr bestehen würde. Doch gerade dieser Mut sich auf das Wagnis einzulassen hebt sie für mich aus der Masse der Dudelkapellen die mittelalterliche Märkte so gern bevölkern hervor.

Die aktuelle CD „Mit der Zeyt“ kredenzt dem Hörer ein amüsantes Popourri aus mittelalterlichen Klangkaskaden ein, gepaart mit diversen Einflüssen ganz anderer Musikstile. Deutlich spiegelt sich die Weiterentwicklung der Band wieder und vereint die unterschiedlichen Musikgeschmäcker der Musiker gekonnt. Für Stücke wie „Apokalyptische Piper“ oder „Aestvus“ bilden Folk und Rock die Basis, während in anderen Stücken etwa „Ben el Habib“ oder „Fruere et Vivere“ orientalische Zutaten hinzugetan wurden. Wieder andere hören sich nach Mittelalterock an, etwa „Gerdundula“ kurz“Gundula“ oder „Valeriana“. .

Ich persönlich empfehle mal hineinzuhören in „Mit der Zeyt“, einer CD die für Eigenwilligkeit steht und dem Hörer kurzweilige Unterhaltung bietet. Natürlich solltet ihr auch hinsehen, wenn ihr Zackenflanke live erleben könnt 2012.
(maximilian nitzschke)

Zackenflanke – Mit der Zeyt
(VÖ: 2011 Totentanz Records)

Kaum einer wird bisher wirklich Notiz genommen haben von den sechs Individualisten aus Süddeutschland, es sei den er war im vergangenen Jahr - wie ich zum Wave Gotik Treffen- öfter im heidnischen Dorf unterwegs und durfte ihrer wilden Performance auf der Bühne zusehen und lauschen. Ich finde deswegen, dass es sich lohnt ein Auge und das Ohr etwas genauer auf Zackenflanke zu lenken, und euch eine Band abseits der großen Namen der Szene vorzustellen.
Im Grunde haben die sechs Individualisten alle ganz unterschiedliche musikalische Vorlieben und so ist Zackenflanke eine der Bands, die sich stilistisch zwar nach mittelalterlicher Marktmusik anhören, sich jedoch weder einschränken noch in ihrer Ausrichtung Grenzen setzen. Das klingt vielleicht für den Leser so,als würde eine völlige Kakophonie an Tönen erzeugt werden, aber erfreulicher Weise geht dieses Erfolgsrezept auf. Die Band selbst ist bereits sechs Jahre alt, dennoch befinden sich die Spielleute nach Selbsteinschätzung noch mitten in der Selbstfindung, wobei bereits zwei Werke schon das Licht der Welt erblickt haben auf diesem Weg bisher.
In welche Richtung sich Zackenflacke entwickeln würde war ziemlich unklar 2006, denn die Rocker unter ihnen kannten sich mit den mittelalterlichen Klängen überhaupt nicht aus und die Sackpfeifer unter ihnen waren wiederum unsicher ob sich die Rocker mit dieser Art der Musik anfreunden können. Niemand hatte damals ernsthaft damit gerechnet, dass Zackenflanke länger als ein Jahr bestehen würde. Doch gerade dieser Mut sich auf das Wagnis einzulassen hebt sie für mich aus der Masse der Dudelkapellen die mittelalterliche Märkte so gern bevölkern hervor.

Die aktuelle CD „Mit der Zeyt“ kredenzt dem Hörer ein amüsantes Popourri aus mittelalterlichen Klangkaskaden ein, gepaart mit diversen Einflüssen ganz anderer Musikstile. Deutlich spiegelt sich die Weiterentwicklung der Band wieder und vereint die unterschiedlichen Musikgeschmäcker der Musiker gekonnt. Für Stücke wie „Apokalyptische Piper“ oder „Aestvus“ bilden Folk und Rock die Basis, während in anderen Stücken etwa „Ben el Habib“ oder „Fruere et Vivere“ orientalische Zutaten hinzugetan wurden. Wieder andere hören sich nach Mittelalterock an, etwa „Gerdundula“ kurz“Gundula“ oder „Valeriana“. .

Ich persönlich empfehle mal hineinzuhören in „Mit der Zeyt“, einer CD die für Eigenwilligkeit steht und dem Hörer kurzweilige Unterhaltung bietet. Natürlich solltet ihr auch hinsehen, wenn ihr Zackenflanke live erleben könnt 2012. (Maximilian Nitzschke)

LIQUID GREY - Grey Matter


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / BOB-Media / EZ11C756

LIQUID GREY ist ein Soloprojekt des Norwegers „Mr. Grey“, der in der Vergangenheit schon verschiedene Bands hatte und dabei auch Wayne Hussey als Produzent traf.
Das Label beschreibt das Album als „Alternative/Goth/Post Punk“ oder „Goth Rock for Highways“, was weitgehend auch passt. Ich würde allerdings schon auch noch Rock und entfernt ein bisschen Metal dazunehmen, dann trifft es die Sache recht gut. Wer ein reines „schwarzes“ Gothic-Rock-Album möchte, ist hier auf jeden Fall an der falschen Adresse. Wer aber den Rock vom letzten Sisters Of Mercy-Album „Vision Thing“ und der dazugehörigen Single „More“ mag, könnte hier bei einigen Songs erfreut aufhorchen. Das klingt alles nicht schlecht und ist auch ganz gut produziert, aber mir gefällt der Gesang nicht so richtig gut, was aber auf jeden Fall Geschmackssache ist. Musikalisch sind einige ziemlich gute Songs dabei, die tatsächlich an den Gitarren-Wave und Gothic-Rock der 80er denken lassen, aber überwiegend ist das Album eben doch eher normaler Rock, was mich nicht zu Begeisterungsstürmen veranlasst, denn ich habe diese Zeit bewusst miterlebt und schon damals Gitarren-Soli gehasst. Hier kriegt man leider immer mal wieder welche zu hören, die alle Klischees des Schweine-Rock erfüllen. Ich denke, „Grey Matter“ hätte es schon in der „schwarzen Szene“ der frühen 90er Jahre schwer gehabt, als Gitarren-Gothic noch eine Macht war. Ob es heute auf Begeisterung stößt, weiß ich nicht, aber vielleicht ist das ja was für die vielen Metaller, die das hier echt für Gothic-Rock halten. Ich schätze mal, mit Schlagzeuger statt Drummachine wäre hier mehr möglich gewesen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.echozone.de

REVERIE - Wandel


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Napalm Records

RÊVERIE – WANDEL
"(VÖ: 09.12.2011 Napalm Records)


Kaum einer kannte bis vor kurzem noch den plötzlichen Stern am Dark Metal Himmel und auch mir war bis in den Januar diesen Jahres „Rêverie“ kein wirklicher Begriff. Dabei lohnt es sich intensiv hineinzuhören in die melancholischen Songs des Albums „Wandel“ welches im Dezember 2011 erschien. Stücke wie „Mond“, „Sommer“ oder „Ewigkeit“ sind durchzogen von einer musikalischen wie lyrischen Melancholie, welche von verträumten Pianostücken, intensiven Riffs und abwechslungsreichem düstererem Gesang getragen werden. Gleichzeitig verlieren Rêverie stilistisch ihre Metalwurzeln nicht aus den Augen und arbeiten etwa beim Stück „Hexe“ sogar mit wütenden Blastbeats und Black Metal Gesang. Kompositorisch trägt das Album die Handschrift des jungen Bandgründers Max Leonhardt, welcher elegant die schroffen Klänge der Metalwelt mit gefühlvollen und akustisch sinnlichen Elementen zu einem in sich stimmigen Ganzen verbindet.

Mit seiner beschwörend düsteren Stimme und vereinzelten Growls trägt er seine Geschichten des Wandels vor, die herbstliche Motive ebenso aufgreifen wie Schauergeschichten und zuweilen auch mystische Elemente einbauen. Besondere Erwähnung muss dass Stück „Mond“ finden, welches auch als Single ausgekoppelt wurde, denn hierfür stand Rêverie niemand Geringeres als In Extremo Sänger Michael Rhein für ein Duett zur Seite. Max und Micha kennen sich wohl schon eine Weile und so sendete er ihm das erste Demo des Albums zu, um zu erfahren,was der erahrene Sänger davon hält. Unerwartet für Max leonhardt war Michael so begeistert, dass er von sich aus eine Zusammenarbeit anbot. Interessant ist diese Verbindung stimmlich, denn während Max eine sehr ruhige Klangfarbe besitzt, steuert Micha seine Rockröhre hinzu und liefert einen tollen Kontrast ab.

Einen weiteren großen Namen der Musikszene hatten Rêverie auf ihrer Seite, denn als Produzent stand Thomas Heimann – Trosien zur Verfügung, welcher schon für Bands und Chartstürmer wie Schandmaul oder Saltatio Mortis den passenden Sound gefunden hat. Man spürt, dass Rêverie von seiner Erfahrung ungemein profitiert haben. Für ein Debütalbum erklingt „Wandel“ mit sattem Sound ausgetattet, bei dem sämtliche Feinheiten der detailverliebten Arrangements klar zu erkennen sind.

Rêverie bilden mit „Wandel“ den Soundtrack des Lebensrhythmus, welcher nach Max Leonhardt geprägt ist von Veränderungen und Wandlungen. Das Debütalbum stellt für mich einen lang erwarteten hoffnungsvollen Newcomer vor im Bereich des rockigen Dark Metal und nimmt den Hörer mit auf eine emotionale Traumreise die sich mehr als lohnt!
(Maximilian Nitzschke)

THE HELLIPHANTS - Devil's Masquerade


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Eigenveröffentlichung / HLP002

Ende der 90er Jahre schwappte eine ganze Welle von skandinavischen Rock’n’Roll-Bands durch die Welt, von denen Turbonegro und die Hellacopters die bekanntesten sind. Aber auch Namen wie Gluecifer und Backyard Babies sind noch heute bekannt. Diese rohe Musik war wohl auch eine Reaktion auf die Weinerlichkeit der grunge-Bands, die seit Anfang der 90er den Musikmarkt erobert hatten. Klar, dass sich überall auf der Welt Bands gründeten, die diesen dreckigen Sound nachspielen wollten, der so herrlich nach versifften Clubs mit tropfenden Heizungsrohren an der Decke und viel Bier, Rauch und Schweiß in der Luft klang. Die deutschen THE HELLIPHANTS gründeten sich entsprechend bereits 1998 und veröffentlichten seitdem zwei Demo-CDs mit ihrem „Kick-Ass-Rock’n’Roll-From-Hell“, wie sie es selber nennen. 2010 schließlich erschien das selbst vertriebene Album „Devil’s Masquerade“, das hält, was es verspricht. Dreckiger Biker-Rock mit viel Punk, etwas Hard Rock, und natürlich einer Menge Rock’n’Roll. Nicht gerade meine Lieblingsmusik, aber gut produziert und mit viel Energie rübergebracht. Aber ganz klar: live dürfte die Band jede Menge Spaß machen. Wer oben erwähnte Bands und vielleicht auch den frühen Glenn Danzig und Queens Of The Stone Age mag, ist auch hier richtig. (A.P.)

Webadresse der Band: www.helliphants.de

NI JU SAN - Bis Einer Weint


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Nix Gut Records / NG85

Wenn sich jemand fragen sollte, was der Bandname NI JU SAN der deutschen Punks bedeutet, einfach mal laut vorlesen. Alternativ heißt das wohl auch „23“ auf Japanisch. Nachdem das geklärt ist, kann man sich beruhigt dem vierten Album der Gruppe aus Wermelskirchen (irgendwo in Nordrhein Westfalen, nicht allzu weit von Köln, Wuppertal und Solingen entfernt). Interessanterweise gab es in dem Ort schon immer eine sehr aktive Punk- und Hardcore-Szene mit vielen Konzerten. Gute Arbeit des Alternativen Jugendzentrums in dem Ort, schätze ich mal.
Die Band gibt es seit Mitte der 90er Jahre und hat bis heute einige Besetzungswechsel durchgemacht, aber recht kontinuierlich Platten veröffentlicht und live gespielt. Dass man auf dem Label Nix Gut schnell in die Deutsch-Punk-Ecke gesteckt wird, ist klar, ganz falsch ist das auch nicht, aber eben auch nicht ganz richtig. Zum einen gibt es ziemlich treibenden Punk-Rock mit deutschsprachigen Texten, die sich aber nicht in Bullen-Bier-Bumsen-Klischees verlieren, sondern eher persönlich sind. Schon teilweise kritisch, aber nicht allzu platt und näher an den Ärzten als an Atemnot. Die Produktion ist ein bisschen metal-mäßig, also sehr fett und auch bei den Gitarren nicht immer reiner Punk, ansonsten aber gut zu hören. Wer auf die Punk-Welle der 90er Jahre mit Bands wie Fuckin’ Faces, Lost Lyrics und Public Toys steht und auch ein bisschen Dritte Wahl mag, kann hier gerne reinhören. Jugendzentrums-Punk, der sicher live noch besser kommt, als auf CD, aber das ist bei Punk ja grundsätzlich so. (A.P.)

Webadresse der Band: www.nijusan.de

DER FLUCH - Die Nacht Des Jägers


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Teenage Rebel Records / TR CD 087

OHL um den Sänger und einziges Dauermitglied Deutscher W gehört zu den langlebigsten deutschen Punk-Bands überhaupt und war vor allen in den 80er Jahren politisch in der Szene immer umstritten. Das lag allerdings weniger daran, dass die Platten Anfang bis Mitte der 80er Jahre auf dem Rock-o-Rama-Label erschienen, das damals noch nicht politisch rechte Platten veröffentlichte, sondern, weil die Band sowohl gegen rechte als auch linke Extremisten Position bezog.
Um von den radikalen, politischen Statements der frühen Jahre eine Abwechslung zu haben und sich dem neben Punk weiteren Hobby „Horror“ zu widmen, wurde 1982 das Nebenprojekt DER FLUCH ins Leben gerufen. Neben der selbstbetitelten LP erschien auch eine 12“EP und ein paar Stücke auf dem „Die Deutschen Kommen“-Sampler, alles ebenfalls auf Rock-o-Rama und damals von der Punk-Szene eher belächelt und kein großer Erfolg. Bis in die 90er Jahre wurde das Projekt dann auch wieder auf Eis gelegt.
Musikalisch orientierte man sich an Bands wie The Cramps, The Meteors und den Misfits…ich weiß, die Vergleiche, die überall auftauchen, aber so ist es nun mal. Dazu singt Deutscher W deutschsprachige Texte, die durch alte Horrorfilme inspiriert waren und nicht nur deswegen rückblickend einen großen Bezug zur damals noch nicht so genannten Gothic-Rock-Szene offenbarten. Tatsächlich kann man DER FLUCH neben den Geisterfahrern und X-Mal Deutschland zu den ersten deutschen Bands dieses Genres zählen. Spätestens Anfang der 90er Jahre wurden die 1982er Veröffentlichungen zu gesuchten Sammlerstücken, sowohl in der Deutsch-Punk-Szene, als auch unter Gothic-Rock-Freaks, so dass die Originale extrem hohe Preise auf Plattenbörsen und später im Internet erzielten. Gut also, dass mit „Die Nacht Des Jägers“ diese frühen Aufnahmen komplett zusammengefasst und zum günstigen Preis zugänglich gemacht werden. Rückblickend sind die Aufnahmen wirklich stil prägend für den deutschen Gothic-Rock gewesen, ohne sich so furchtbar ernst zu nehmen, wie viele andere Vertreter des Genres. Statt selbstmitleidige Frustgeschichten gibt es hier in den Texten handfesten Horror, der auch Spaß macht. Dass das Projekt trotz des relativen Misserfolges Anfang der 80er Jahre einigen Einfluss auf die Musik der Hauptband OHL hatte, zeigt sich in späterem düsteren Songs zum Beispiel auf dem Album „Jenseits Von Gut Und Böse“ und auch Chaos Z könnten bei ihren Beiträgen zu diversen Samplern nach ihrer Single und LP schon von DER FLUCH beeinflusst worden sein bevor sie sich in Fliehende Stürme umbenannten.
Neben den Originalaufnahmen gibt es noch vier Bonustracks, die allerdings erst 1994/95 entstanden sind und Neuaufnahmen, beziehungsweise Akustikversionen einiger alter Songs beinhalten. Das Booklet ist ganz schön geworden, enthält es doch ein paar Texte/Interviews zur Band und stimmungsvolle Bilder aus alten Horrorfilmen. Schön wäre es allerdings noch gewesen, das Artwork der alten Platten abzubilden. Aber auch so ist „Die Nacht Des Jägers“ ein aufregendes Zeitdokument, wenn auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Für den deutschen Punk eine beschmunzelnswerte Fußnote, für den deutschen Gothic-Rock aber richtig wichtig. (A.P.)

Webadresse der Band: www.teenage-rebel.de

NO MORE - Sunday Mitternacht Remixes


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Rent A Dog / Al!ve / bone 3017-2

Mit dem Album „Midnight People & Lo-Life Stars“ und der Single “Sunday Mitternacht” konnten die Alt-Waver von NO MORE ein beeindruckendes Comeback nach über 20 Jahren hinlegen. Wohl hauptsächlich um das Album zu promoten, hat man gleich noch den Single Song „Sunday Mitternacht“ verschiedenen Musikern aus Vergangenheit und Gegenwart zum remixen gegeben und die Ergebnisse auf dieser CD veröffentlicht. Elf teilweise recht unterschiedliche Versionen sind dabei herausgekommen, wobei die Qualität natürlich Geschmackssache ist, Licht und Schatten sich jedoch abwechseln. Vielleicht hat auch die lange Remix-Geschichte des NO MORE-Songs „Suicide Commando“ bei der Idee eine Rolle gespielt. Ein toller Song ist „Sunday Mitternacht“ allemal, aber eignet er sich auch, um ihm neue musikalische Seiten abzugewinnen? Die CD kommt mit einem kleinen Einleger in einer runden Blechdose und dürfte limitiert sein.
Die Hamburger Serpents hatten immer ein wenig den Ruf, Epigonen von DAF zu sein, was aber nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Ihr Remix legt die Gesangsspur über einen sehr reduzierten, galoppierenden Rhythmus und atmosphärische Synthies, tanzbar auch für Minimal-Partys. Der Venus 45 Remix aus dem NO MORE-eigenen Umfeld ist weitaus waviger, klingt aber trotzdem ziemlich modern mit seinen breakbeatigen Rhythmen. Hier wird der Mitt-80er NO MORE-Sound sehr gut in die Gegenwart transportiert. Wie es sich für spacig-experimentellen Minimal-Techno gehört, hat Evomania aus dem Track praktisch ein komplett neues Stück macht, das eigentlich gar nichts mehr mit dem Original zu tun hat. Ob remixen tatsächlich so weit gehen muss, dass nur noch einzelne Sounds und Gesangsfetzen übrigbleiben und sogar die Gesangsmelodie verändert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Obwohl das Stück an sich ganz interessant ist, lehne ich es als Remix von NO MORE aber doch ab. Hitpotential für manche Clubs ist aber sicher vorhanden. Eine Mischung aus altem Electro-Industrial-Sound und neuerem Techno liefert, wie nicht anders zu erwarten, Plastic Noise Experience ab. Da ist sicher für so manchen schwarzen Club ein neuer Tanzflächenfüller entstanden. Konsequenten 4/4-Takt mit gnadenlos tanzbaren Sequenzerläufen und verfremdeten Original-Elementen des Songs bietet Pneus’ Remix. Ein bisschen Soundtrack-Gefühl kommt dabei auch noch auf. Die alten EBM-Helden Vomito Negro sorgen ebenfalls für Tanzbarkeit, machen dies aber im Stile einer 80er Jahre Depeche Mode-B-Seite, sicher einer der interessantesten Remixe auf dieser CD. Schnell vergessen ist dann der ziemlich zerhackstückelte Mix von Channel 3. Belanglos, wirkt wie schnell mal zwischendurch eingeschoben, eine Auftragsarbeit halt. Technoir liefern hingegen eingängigen Old School-Electro/EBM-Klang ab, das macht gleich wieder mehr Spaß. Eher auf den Gesang ausgerichtet, unterlegt mit einem recht verworrenen Klang-Misch-Masch ist die Version von For Greater Good. Einige Elemente sind ganz interessant, da hätte man schön etwas in Richtung frühe Laibach oder Test Dept. draus machen können. So bleibt es aber etwas ziellos, wenn auch mit guten Ansätzen. Eine etwas merkwürdige Mischung aus Alternative-Rock-Anklängen und Electro-Sounds kommt von Jantronix Schulte. Zumindest einer der ungewöhnlichsten Remixe, aber doch etwas anstrengend. Ausklingen tut diese CD dann schließlich mit einer Art Blade-Runner-Soundtrack-Dub-Electro-Mixtur von Yvy Demina. Durchaus interessant und einer der eingängigeren Remixe.
Trotzdem, das Konzept, einen einzigen Titel von zahlreichen Leuten remixen zu lassen und dann als Album zu veröffentlichen, kann ich nicht allzu viel abgewinnen. Auch, wenn die Versionen sehr unterschiedlich sind, darunter drei oder vier richtig gut, kommt ein bisschen Langeweile auf. Ein völliger Flop ist nicht dabei und NO MORE behalten ihren guten Ruf als eine der wichtigen Bands der 80er Jahre aus Deutschland, die auch heute noch Musik macht, ohne peinlich zu wirken, aber so richtig notwendig war das Album nun auch nicht. Man muss ja nicht um jeden Preis zeitgemäß wirken wollen… (A.P.)

UV POP - Anyone For Me / Bendy Baby Man


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Genetic Music / GEN036

Heute kennt jeder, der sich ein bisschen für Wave-Musik aus den 80er Jahren und Minimal-Electro interessiert die englische Band (lange Zeit ein Soloprojekt von John White) UV POP, die ihre Cassetten und Vinyl-Schallplatten überwiegend in der ersten Hälfte der 80er Jahre veröffentlicht hat. Ich weiß nicht, ob und wie erfolgreich die Band damals war, war sie doch im Grunde nur eine der unzähligen Gruppen zwischen Wave und Pop, die zu der Zeit existierten. Ihr kleiner Hit „Serious“ überlebte jedoch in den Clubs und war Ende der 80er/Anfang der 90er immer noch in vielen Ohren. Eine herrliche Wave-Pop-Hymne mit unwiderstehlicher Melodie. Darüber hinaus war die Gruppe aber ziemlich in Vergessenheit geraten, auch, weil die Platten schwer zu finden waren. In den 90er Jahren entdeckten immer mehr Leute weitere kleine Ohrwürmer von UV POP wie „Anyone For Me“ oder „No Songs Tomorrow“ und vor allem „Sleep Don’t Talk“ und die alten Platten wurden langsam aber sicher gesuchte und vor allem teure Sammlerstücke. Auch im dritten Jahrtausend hielt das neue Interesse an der Band an und so wundert es, dass außer einer Wiederveröffentlichung von „Serious“ Mitte der 90er Jahre niemand den Back-Catalogue veröffentlichte. Erst 2011 brachte UV POP selbst eine Best Of/Singles-CD heraus und nun hat Genetic Music nachgezogen und die LP „Bendy Baby Man“ zusammen mit der 12“EP „Anyone For Me“ auf CD veröffentlicht.
Musikalisch wird wunderbarer Sound zwischen Pop, New Wave, Gitarren Wave und noch mal ultramelodiösem Pop geboten. Man nehme eine Prise weniger melancholische For Against, eine Portion frühe Smiths – wobei man bedenken muss, dass UV POP schon vor denen angefangen haben – etwas The The vor „Infected“, einen weniger folkigen Frank Tovey und heraus kommt ganz zauberhafte Musik, die voll und ganz UV POP ist. Es würde mich nicht wundern, wenn die alten holländisch-deutschen Helden The Convent um Carlo van Putten hier so einiges an Inspiration hrausgezogen haben. Hatte das erste Album „No Songs Tomorrow“ noch ein paar Ausreißer nach oben, so ist „Bendy Baby Man“ weitaus homogener und in sich geschlossener. Ein Album zum „immer hören“ im besten Sinne, wie es sonst nur ganz große Bands wie New Order (in anderem musikalischen Zusammenhängen) oder eben die Smiths hinbekommen haben. Dass die sehr seltene 12“EP „Anyone For me“ gleich noch mit auf die CD genommen wurde, dürfte manchen Suchenden mehr als glücklich machen, sofern es ihm in erster Linie um die Musik an sich geht. Endlich gibt es die fünf großartigen, weitaus elektronischeren, Songs wieder regulär zu kaufen und das zu einem fairen Preis. Interessant auch der Vergleich der beiden recht unterschiedlichen Platten. Schließlich hat UV POP, längst wieder auf Tour durch die Welt, noch zwei Bonustracks spendiert, nämlich je eine Liveversion und eine 2011er Neuaufnahme von „No Songs Tomorrow“. Gerade letzteres Lied schürt die Hoffnung, dass UV POP sich nicht auf den alten Lorbeeren ausruht, sondern vielleicht noch einmal neue Songs schreibt und veröffentlicht.
Die CD kommt in einem schlicht gestalteten DigiPak, das von der Aufmachung her ein bisschen an alte Factory-Platten erinnert. Schön wäre es gewesen, wenn man noch das Original-Artwork abgebildet hätte und vielleicht ein paar Liner Notes dazu, aber man kann nicht alles haben. Auch so gilt: Wave-Geschichte vom feinsten, die alten Säcken wie mir die eine oder andere Nostalgie-Träne in die Augenwinkel treibt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

AME DE BOUE - L'Inconfort Nécessaire


Erstveröffentlichung: LP 2012 / Treue um Treue / T.u.T./R.u.R. / T.u.T. 021

AME DE BOUE ist ein Projekt aus dem Umfeld von Dolina, die auf Treue um Treue ja auch schon ein sehr schönes Album vorgelegt haben. War deren Platte noch ziemlich synthpoppig, nicht ohne einen gewissen Wave-Anteil zu versprühen, geht es bei AME DE BOUE doch viel eindeutiger in die Cold Wave-Richtung, die man aus Frankreich und den Benelux-Ländern aus den 80er Jahren kannte. Da wird dann auch mal eine Gitarre zu den elektronischen Klängen hinzugenommen oder ein Stück mit eher avantgardistischen Sounds abgeliefert. Dazu eine Spur Dark Wave der frühen 90er Jahre und hier und da spacige Synthie-Sounds. Eine Mischung aus The Silicon Scientist und den frühen The Eternal Afflict mit einer sehr kühlen Atmosphäre, so oder so ähnlich kann man AME DE BOUE vielleicht beschreiben. Auf jeden Fall liegt man aber richtig, wenn man es als Musik für schwarz gekleidete Leute mit hochtoupierten Haaren, die auf den Tanzflächen nicht gerade durch ausschweifenden Bewegungsdrang hervorstechen beschreibt. Das meine ich positiv. Dabei ist die Musik gar nicht so düster, eher melancholisch, und teilweise sogar recht verspielt und eingängig. Cold Wave-Fans werden ihre Freude daran haben. Die ausgesprochen gelungene Coverversion des Italo-Disco-Klassikers „Self Control“ dürfte vor allem in Minimal-Electro-Kreisen für Begeisterung sorgen, ebenso wie „Confusion“ (nein, kein New Order-Cover), das ein bisschen wie eine B-Seiten-Version von A Flock Of Seagulls „Modern Love Is Automatic“ kombiniert mit der Single von The Normal wirkt. Ja, tatsächlich hätte sich das Stück sehr gut als frühe Single auf Mute Records gemacht, bietet es doch auch ein bisschen Fad Gadget-Feeling. Vielseitigkeit, im Rahmen von minimalen Electro-Wave-Klängen, ist also garantiert und deshalb lohnt sich die Platte absolut. Die Platte erscheint in schwarzem Vinyl in einer Auflage von rund 250 Exemplaren und bietet ein schönes Covermotiv von dem japanischen Künstler Akira Inumaru. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

ARSINE TIBé - Good Evening, The Mountain Said


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / BOB Media / EZ11C758

ARSINE TIBÉ ist ein neues Projekt von Manfred Thomaser, der mal vor ganz langer Zeit bei Catastrophe Ballet gespielt hat, später dann einige Jahre in der schönen Wave-Band Disorder war und heute bei Distain! mitmischt. Nun also dieses Soloprojekt mit der Hilfe von einigen Freunden und Musikern. Und wie man es nicht anders erwarten durfte, kommen schön eingängige Klänge dabei heraus, die sehr atmosphärisch sind und oft an guten alten Wave erinnern. Dabei gibt es eine Mischung aus elektronischen und gitarrigen Klängen, angereichert mit modernen Rhtyhmen und einigen stilfremden Einflüssen. Die Stimmung erinnert immer mal wieder an The Cure, hier und da kommen auch Elemente des guten alten Shoegaze/Dream Pop-Sounds durch, aber auch loungige Stimmung macht sich breit. Sicher hat Thomaser in der Vergangenheit auch ein bisschen Trip Hop im Stile von Massive Attack oder Portishead gehört. Für den großen kommerziellen Durchbruch ist die Mischung wahrscheinlich nicht poppig genug, obwohl man das Ganze schon Electro-Pop nennen könnte. Für die „schwarze Szene“ hingegen ist das wiederum zu poppig und vielleicht etwas zu modern und weit weg vom Dark Wave und verwandten Stilen. Ich finde das Album trotzdem sehr schön, für mich hätte es aber gerne noch waviger und vielleicht hier und da beim Frauengesang etwas „kühler“ sein können. Für musikalisch vielseitig interessierte Waver auf jeden Fall mal ein Reinhören wert. So könnte es klingen, wenn vielleicht Robert Smith und Alan Wilder zusammen ein Trip-Hop/Lounge-Projekt machen würden. Sehr schön ist auch das Artwork, das wie eine Mischung aus einem frühen Echo And The Bunnymen-Album und dem Cover einer CD mit spiritueller Musik erscheint. (A.P.)

Webadresse der Band: www.arsinetibe.com

EA80 - Mehr Schreie


Erstveröffentlichung: LP 1987 / Eigenveröffentlichung

1987 erschien das dritte EA80-Album, wie immer komplett in Eigenregie und natürlich ohne große inhaltliche und stilistische Neuerungen, was ja aber gerade das Gute ist. Die Band ist etwas reifer geworden – für diese Beschreibung wird sie mich hassen – liefert aber vor allem textlich mit das beste Album ihrer nun schon rund 30 Jahre dauernden Karriere ab. Nicht umsonst heißt das Album „Mehr Schreie“ und spielt damit deutlich auf das erste Album „Vorsicht Schreie“ an. Die Rohheit ist immer noch vorhanden, vom parolenhaften Deutsch-Punk ist man immer noch meilenweit entfernt, hat aber trotzdem was zu sagen. Die Musiker selber sind immer noch nicht wichtig und alles in allem kann man die Stimmung der Platte in einem Wort beschreiben: schwarz! Heute nennt man das wahrscheinlich Emo-Core, doch EA 80 haben diese Musik schon gemacht, bevor überhaupt nur irgendjemandem dieser schwammige Begriff eingefallen ist und vor allem ohne jede Weinerlichkeit, sondern mit purer Aggression und echten Gefühlen. Der Beweis, dass Punk eben mehr ist, als „haut die Bullen platt wie Stullen“ (obwohl das natürlich auch seine Berechtigung hatte). Im Grunde enthält die Platte nur Hits, wobei ich „Ein Tag An Meinem Fenster“ und „Sie Zerstörten Alles“ ein bisschen hevorheben möchte. Und dann sind da noch meine beiden absoluten EA80-Lieblingslieder, nämlich das ultramelodiöse „Auf Wiedersehn“ und das tief depressive „Nr. 1“. Intensiver kann man totale Verzweiflung wohl kaum ausdrücken. Ein Klassiker des deutschen Punk, kein Zweifel! (A.P.)

WESTEND DESASTER - Frau Koma Kommt


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / Hühnerschreck Räkotz / Kernkrach / KOTZ 04/HSR04

Nach ziemlich langer Zeit legt das auf punkige Klänge spezialisierte Kernkrach-Schwester-Label Hühnerschreck-Räkotz die insgesamt vierte Veröffentlichung vor. Es handelt sich um eine Single der Frankfurter Wave-Punk-Band WESTEND DESASTER, bei der wohl Leute der alten NDW-Punk-Band Bildstörung dabei sind, die Anfang der 80er Jahre ein paar gute Platten veröffentlicht hat. Nun, rund 30 Jahre später will man es noch einmal wissen und liefert zwei kraftvolle Stücke ab, die den Geist des Punk noch spüren lassen, aber so gar nicht altmodisch klingen. „Liberate Me Ex Infernis“ ist eine brodelnde Mischung aus deutschem Früh-Punk, Fehlfarben, Sex Pistols und frühem Gothic-Rock oder so ähnlich, schwer zu beschreiben, aber echt gut. Textlich geht es in eine trashige Fehlfarben-Richtung. Musikalisch klarer zu beschreiben ist „Frau Koma Kommt“. Hier klingt die Musik und auch der Gesang deutlich nach der Art Punk, wie man es von Dackelblut kannte und liebte. Dazu ein bisschen Abwärts (auch im Text zitiert), EA80 und Family 5, also eher kein Deutsch-Punk mit Parolengedresche, sondern eine ordentliche Portion Wave dabei und sicher der bessere Song. Die Zitate (auch Alice Cooper) sind sicher bewusst gewählt und die Anlehnung an den Sound der frühen 80er Jahre ist mit Sicherheit auch gewollt. Passt gut in eine Zeit, in der Bands wie Love A, 1000 Robota und ähnliche die Klänge von damals erfolgreich wieder beleben.
Ich finde diese kleine Veröffentlichung richtig gut, weil sie nicht versucht, etwas vorzugaukeln, was sie nicht ist, sondern ehrlich rüber kommt. Danke Hühnerschreck, das macht wirklich Spaß. Die Platte ist auf 150 Exemplare limitiert, kommt in schwarzem Vinyl mit Textblatt und verpackt in einen individuell gestalteten Plattenversandkarton. Als Beilage gibt es noch zwei 3,5 Zoll Disketten, wobei ich nicht weiß, ob darauf etwas Veröffentlichungs-bezogenes ist, da ich keinen PC mit Diskettenlaufwerk mehr habe. Außerdem gibt es ein kleines Stück Gummifolie mit Noppen. Sicher in Zukunft mal viel Geld wert, also nicht wegschmeißen, auch wenn der Bezug zur Platte nicht erkennbar ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

HEIDEVOLK - Batavi


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Napalm Records

Heidevolk – Batavi
"(VÖ: 02. März 2012 Napalm Records)


Nur wenige konnten sich im Jahre 2002 die glorreiche Zukunft der niederländischen Pagan Metal Band Heidevolk vorstellen, und doch eroberten die Holländer seit ihrer Gründung mit ihrem charakteristischen Gesang zahllose Bühnen Europas. Gerade der doppelte Klargesang und ihre eingängigen Songs setzen sie von der Konkurrenz ab und brachten ihnen in allen Ländern unzählige Fans ein. Die Bandbreite an epischen, brutalen und mitreißenden Songs hält sich gut die Waage und werden mit feurigem und heidnischen Stolz präsentiert. Heidevolk stehen für eine kompromisslose musikalische Einstellung, intensive Shows unddd das Verschwimmen der Grenze zwischen Künstler und Publikum. 2003 veröffentlichten Sie ihre Debüt CD „De strijdlust is geboren“, auf welche zwei Jahre später die EP „Wotan Heerst“folgte. Beide musikalische Lebenszeichen wurden 2008 von Napalm Records auf einer CD wieder veröffentlicht. Das zweite Album „Walhalla Wacht“ folgte 2008 und nur zwei Jahre später der dritte Longplayer „Uit oude grond“ auf welchem Heidevolk ihre Folk Wurzeln mit reiferem Songwriting verbanden. Bis dato war dieses Album das abwechslungsreichste und für die Band selbst ein richtiges Highlight, da es die Türen öffnete zu größeren Tourneen und Festivalauftritten. Wie gesagt bisher war es das abwechslungsreichste Album, aber nun kommt „Batavi“und stellt alle bisherigen Alben in den Schatten für mich.

Der Hörer wird entführt in eine Zeit vor 2000 Jahren als unzählige Germanenstämme und das Römische Reich um die Vorherrschaft im Nordwesten Europas kämpften – insbesondere an den Ufern des Rheins. Inmitten dieser Fronten befanden sich die besungenen Bataver – Protagonisten und Namensgeber des Albums „Batavi“. Man spürt sehr schnell, auch wenn man vom niederländischen Text im Grunde nichts versteht, dass „Batavi“ ein Konzeptalbum ist, welches sich mit der früheren Geschichte des Stammes der Bataver beschäftigt.
Heidevolk zeichnet musikalisch die Geschichte dieses Stammes nach von der Geburtsstunde während einer Revolte gegen eines der größten Reiche, das die Welt je gesehen hat. Auf dem Hintergrund von Kriegen, Verrat und einer stürmischen Ära, erzählt „Batavi“ die Geschichte eines Volkes, welches sich selbst an der Front wiederfindet und um sein Überleben kämpfen muss.

Batavi präsentiert Heidevolk von einer sehr entschlossenen und schnellen Seite in nur 9 Songs ist volle Power drin und Epik. Kraftvolle Gitarren und schnelle donnernde Drums wurden zum Sound Heidevolk 2012 gemixt und liefern die Stütze für die Doppelgesänge des Albums. Der Zuhörer wird auf das Schlachtfeld geführt und entweder bildet er eine Phalanx oder wird Teil der Revolte!
Die Atmosphäre ist stimmig und die Zeitreise funktioniert perfekt, wenngleich auch der Text der Songs unverständlich bleibt, aber das stört nicht, sondern verstärkt eher das Feeling der vergangenen tage und der Rauheit de Schlachtfeldes! Für mich ein gern gehörtes Album des Monats März mit dem Prädikat :“Hörenswert!“
(Maximilian Nitzschke)

HEIDEVOLK - Batavi


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Napalm Records

Heidevolk – Batavi
"(VÖ: 02. März 2012 Napalm Records)


Nur wenige konnten sich im Jahre 2002 die glorreiche Zukunft der niederländischen Pagan Metal Band Heidevolk vorstellen, und doch eroberten die Holländer seit ihrer Gründung mit ihrem charakteristischen Gesang zahllose Bühnen Europas. Gerade der doppelte Klargesang und ihre eingängigen Songs setzen sie von der Konkurrenz ab und brachten ihnen in allen Ländern unzählige Fans ein. Die Bandbreite an epischen, brutalen und mitreißenden Songs hält sich gut die Waage und werden mit feurigem und heidnischen Stolz präsentiert. Heidevolk stehen für eine kompromisslose musikalische Einstellung, intensive Shows unddd das Verschwimmen der Grenze zwischen Künstler und Publikum. 2003 veröffentlichten Sie ihre Debüt CD „De strijdlust is geboren“, auf welche zwei Jahre später die EP „Wotan Heerst“folgte. Beide musikalische Lebenszeichen wurden 2008 von Napalm Records auf einer CD wieder veröffentlicht. Das zweite Album „Walhalla Wacht“ folgte 2008 und nur zwei Jahre später der dritte Longplayer „Uit oude grond“ auf welchem Heidevolk ihre Folk Wurzeln mit reiferem Songwriting verbanden. Bis dato war dieses Album das abwechslungsreichste und für die Band selbst ein richtiges Highlight, da es die Türen öffnete zu größeren Tourneen und Festivalauftritten. Wie gesagt bisher war es das abwechslungsreichste Album, aber nun kommt „Batavi“und stellt alle bisherigen Alben in den Schatten für mich.

Der Hörer wird entführt in eine Zeit vor 2000 Jahren als unzählige Germanenstämme und das Römische Reich um die Vorherrschaft im Nordwesten Europas kämpften – insbesondere an den Ufern des Rheins. Inmitten dieser Fronten befanden sich die besungenen Bataver – Protagonisten und Namensgeber des Albums „Batavi“. Man spürt sehr schnell, auch wenn man vom niederländischen Text im Grunde nichts versteht, dass „Batavi“ ein Konzeptalbum ist, welches sich mit der früheren Geschichte des Stammes der Bataver beschäftigt.
Heidevolk zeichnet musikalisch die Geschichte dieses Stammes nach von der Geburtsstunde während einer Revolte gegen eines der größten Reiche, das die Welt je gesehen hat. Auf dem Hintergrund von Kriegen, Verrat und einer stürmischen Ära, erzählt „Batavi“ die Geschichte eines Volkes, welches sich selbst an der Front wiederfindet und um sein Überleben kämpfen muss.

Batavi präsentiert Heidevolk von einer sehr entschlossenen und schnellen Seite in nur 9 Songs ist volle Power drin und Epik. Kraftvolle Gitarren und schnelle donnernde Drums wurden zum Sound Heidevolk 2012 gemixt und liefern die Stütze für die Doppelgesänge des Albums. Der Zuhörer wird auf das Schlachtfeld geführt und entweder bildet er eine Phalanx oder wird Teil der Revolte!
Die Atmosphäre ist stimmig und die Zeitreise funktioniert perfekt, wenngleich auch der Text der Songs unverständlich bleibt, aber das stört nicht, sondern verstärkt eher das Feeling der vergangenen tage und der Rauheit de Schlachtfeldes! Für mich ein gern gehörtes Album des Monats März mit dem Prädikat :“Hörenswert!“
(Maximilian Nitzschke)

SARAH KUTTNER - Mängelexemplar


Erstveröffentlichung: Buch 2009 / Fischer / ISBN 3596184940

Karo ist so um die 30, hat grad ihren Job verloren, Freunde aus dem Adressbuch gestrichen und dann auch noch Schluss gemacht mit ihrem egomanischen Freund. Eigentlich könnte das ein toller Punkt für einen Neuanfang sein, stattdessen kriegt sie Angstattacken. Der konsultierte Psychiater diagnostiziert eine Depression, verschreibt Antidepressiva, schon geht es ihr wieder besser. Als dann ein neuer Freund ins Haus steht und im Grunde alles wieder repariert erscheint, beginnt sie die Tabletten abzusetzen, aber ist das nicht vielleicht zu früh?

Sarah Kuttner, Ex-VIVA-Moderatorin und Kolummnistin, bringt mit ""MÄNGELEXEMPLAR"" ihren ersten Roman auf den Markt. Es geht um Depressionen, die sie, so die Wikipedia, bei ihren Bekannten beobachtet hat. Das Buch bietet keinen tiefgründigen Einblick in das Thema, ist ja aber auch kein Sachbuch. ist aber auch nicht witzig, so wie ihre Kolummnen es sind. Es liest sich gut, es liest sich schnell, ist manchmal vergnüglich, manchmal traurig, zeigt ein bisschen, wie Depressionen wirken, ist ein bisschen ironisch, aber kein Riesenwurf, über den man viele Worte verlieren müsste. Einfach ein netter Zeitvertreib. (H.H.)

COMPILATION - Svenst Bonnasynth


Erstveröffentlichung: Mini-LP 2011 / Enfant Terrible / ET006

Viel muss man über diese wunderschöne Platte gar nicht schreiben: Enfant Terrible hat drei der neueren schwedischen Electro-Bands gebeten, jeweils zwei Titel für die Mini-LP beizusteuern und MONSTER APPARAT, KORD und ADOLF FILTER ließen sich nicht lumpen und haben ausschließlich Hits geschickt. Minimal-Synth-Wave-Sound vom feinsten, klar in den 80er Jahren verwurzelt, aber alles andere als altmodisch, minimalistisch aufgenommen, aber einwandfrei und tanzbar produziert. Wavige Synth-Pop-Perlen, die absolut im Ohr bleiben. Dazu ein einfaches, aber gelungenes Cover und eine Art „hidden Track“ nach der Auslaufrille auf Seite B. So muss eine gelungene Minimal-Platte klingen, schlicht und eingängig. Limitiert auf 320 Exemplare. Ich bin begeistert! (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

COMPILATION - Salad Bowl Dialog


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Aktion Musik

Nazimusik!
So, jetzt habe ich für diese Besprechung erstmal alle Aufmerksamkeit. Und natürlich wird auf unseren Seiten keine Musik von Nazibands besprochen, schon gar nicht positiv. Stattdessen aber gerne Musik von Leuten, die was gegen Nazis haben. Bekannt ist, dass die NPD seit einigen Jahren so genannte „Schulhof-CDs“ verteilt oder zum kostenlosen Download bereitstellt. Diese Zusammenstellungen enthalten Musik von einschlägigen Bands verschiedner Stile mit ebenso eindeutigen Texten, wobei penibel darauf geachtet wird, dass keine strafrechtlich relevanten Sachen dabei sind. Da man die Aktionen – mit dem Ziel, junge, politisch noch unentschlossene Jugendliche auf die rechte Seite zu ziehen - nur schwer verhindern oder gar verbieten kann, hat sich eine Gruppe von Leuten aus Niedersachsen überlegt, was man dagegen tun kann. Herausgekommen ist die Zusammenarbeit mit zahlreichen Gruppen und Vereinigungen in Form eines kostenlos verteilten CD-Samplers, der als Tauschobjekt gegen den Nazi-Schrott dienen soll.
Idee: sehr gut; Engagement: fantastisch; Umsetzung: na ja, man hat sich Mühe gegeben.
Natürlich ist es immer sehr gut, junge (wohl überwiegend lokale) Bands und Nachwuchsgruppen zu fördern, aber um jemanden zum Herausgeben der Nazimusik zu bewegen, muss natürlich ein bisschen Spektakel geboten werden und dafür wäre 2-3 bekanntere Bands als „Köder“ gut gewesen und natürlich eine auffälligere Aufmachung der ganzen Veröffentlichung. Das Auge „isst“ ja schließlich mit. Zu sehen gibt es aber nur kleine Bilder der Bands + Internetadressen, ein echt hässliches Frontcover und zu lesen findet man einige kurze Texte, die mir wie Sozialarbeitergeschwätz erscheinen. Ob man junge Leute damit erreicht weiß ich nicht.
Die Auswahl der 17 Bands ist sicher Geschmackssache. Mir war bisher kein Name ein Begriff, aber das muss ja nichts heißen. Stilistisch gibt man sich völlig offen, wobei schon Alternative-Rock und verwandte Stile wie Emo, Screamo und Grunge vorherrschen. Aber auch poppiges, metalliges und bluesiges ist zu hören. Überwiegend sind die Bandmitglieder junge Leute, von denen auffällig viele sich die Haare ins Gesicht gekämmt haben. Für diese Mode bin ich wohl einfach zu alt, aber wenn ich bedenke, wie ich als Teenager rumgelaufen bin, darf ich eh nichts sagen. Zu hören gibt es Songs von MONKEYMEDIA, PAAN, THE SALTY BLUE NOTES, TOSKA & THE SMOOD BROTHERS, DRESCO (Tipp!), TINITUS, HAGS (für Ärzte-Fans interessant), DEADEMOTION, RELATIVLAUT, AARON GROWN, A SEPARATE SENTENCE, LETHAL INJECTION, ELIS, EQUALITY VAIN, BROKEN MARBLE, ZADOK und COUNTERFEIT GANG. Gut ist, dass plumpe linkspolitische Statements hier nicht allzu plakativ im Vordergrund stehen, sondern solide Musik geboten wird. Auffällig ist, dass in 17 Bands mit ungefähr 70 Musikern deutlich weniger als zehn Mädchen/Frauen dabei sind. Wollen die nicht oder dürfen die nicht? Und etwas kritisch sehe ich auch, dass man sich mit dem „Förder-Logo“ des Familienministeriums schmückt. Das ist nun wirklich kein Qualitätsmerkmal und es wäre schöner gewesen, das ganze Projekt unabhängig durchzuziehen.
Trotz der Kritik und obwohl mich selber die gebotene Musik nicht unbedingt vom Hocker reißt, ist dies ein absolut unterstützenswertes Projekt, das auch mit diversen Live-Release-Partys bekannt gemacht wurde. (A.P.)

Webadresse der Band: www.szenepunkt.de

XANDRIA - Neverworlds End


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Napalm Records

Xandria – Neverworld's End
"(VÖ: 10.März 2012 Napalm Records)

Mit großer Freude aufgenommen wurde von mir Anfang des Jahres, dass es neues Material aus dem Hause Xandria geben wird. In den letzten Jahren war es nach dem Weggang von Lisa Middelhauve ruhig geworden um die kraftvolen Symphonic Metaller aus Bielefeld und ich hatte schon befürchtet, dass das finale Kapitel mit der Werksschau „Now and Forever“ aufgeschlagen wurde. Zum Glück ist dies nicht eingetreten, ganz im Gegenteil, mit neuer Sängerin wagen Xandria den musikalischen Neuanfang und hören sich dabei reifer und kräftiger an als jemals zuvor. Was mich jedoch verwunderte ist, die Thematik des Albums, denn für mich sind zu große Parallelen zum Konzept von „Imaginearum“ der finnischen Konkurrenz Nightwish zu erkennen. Der Titel des neuen Albums „Neverworld's End“ weckt Assoziationen zu Nimmerland und Peter Pan, den verlorenen Jungs und dem Wunsch partout nicht erwachsen werden zu wollen. Stattdessen flüchtet Peter Pan in seine Traumwelt, einen Ort an dem man lediglich an etwas glauben muss, damit es dann passiert. Diese Bilder erzeugten auch Nightwish wie gesagt und so muss man leider die Frage aufwerfen, ob dieser unweigerliche Vergleich mit der Konkurrenz nötig war, nachdem sich Xandria in den letzten Jahren ihren Platz innerhalb der Goth – Rock Szene gut erarbeitet hatte. Nach eingehender Prüfung stell ich für mich fest, das der Vergleich mit Bands wie Nightwish in Zukunft stärker werden wird bei Xandria aufgrund eines gelungenen Stilwechsels in epischen Symphonic Metal und damit die musikalische Ausgestaltung ähnliche Züge aufweisen wird, deren spezifische Bandgestaltungen gilt es für den Hörer zu ergründen.

Marco Heumann, Mastermind der Band meint, dass die Assoziationen zu Peter Pan und Nimmerland natürlich gewollt waren und in einigen Songs auch ganz direkt auch mit dieser Thematik gespielt wird, wie etwa „The Lost Elysion“, aber die Kernessenz des Albums im wesentlichen darin bestünde, sich seine Träume zu bewahren und am Leben zu erhalten.. Auffallend ist die Offenheit Marcos im Songwriting, denn auch wenn er versucht hat das neue Album unter dem Deckmantel der Allgemeinheit zu betrachten, entdeckt man als Hörer der ersten Stunde Xandrias doch sehr viel mehr persönliche Einblicke als auf den Vorgängeralben. Er selbst gibt bereitwillig zu, dass er gelernt hat sich nach außen zu öffnen und in diesem Prozess jahrelang verdrängte Erlebnisse wieder hochkamen. Offensichtlich lag ihm einiges auf der Seele, welches so kraftstrotzend und energiereich wie nie zuvor präsentiert wird. Xandria haben die Gefilde des Goth – Rock verlassen und bekennen sich zu mehr Härte durch Metaleinschläge, lyrische Epik und bombastische Arrangements – Symphonic Metal dominiert das neue Kind. Um einen solchen Schritt zu vollziehen bedurfte es auch musikalischer Veränderungen und so wurde insgesamt das Tempi angezogen, die einzelnen Rhythmen komplexer und Gitarren und Schlagzeug ausgefeilter zum Einsatz gebracht. Wer den Vorgänger „Salomé“ bis dato für ein hartes Album hielt, dem wird es jetzt fast zu weichgespült erscheinen im Vergleich. Auch dies dürfte auf die Veränderungen im Produzentenprozess zurückzuführen sein, denn erstmals zeichnet sich hierfür Marco Heumann selbst aus. Einen Außenstehenden, welcher sich hätte einmischen können in den künstlerischen Entstehungsprozess
gab es nicht, somit musste der Xandria Kopf sich geistig zwei teilen und sich einerseits in Details vertiefen und zugleich die Distanz waren um nicht die Fäden zu verlieren. Somit folgt dieses Album hörbar einer Vision, was bei „Salomé“ so nicht der Fall gewesen war. Damals gab es einige Differenzen innerhalb der Band und so ist der Vorgänger ein Stück weit ein Kompromissalbum geworden. Der rote Faden fehlte, da die Band selbst auch nicht ganz wusste, wohin sie eigentlich möchte. Im Nachhinein hat dieser Umstand Marco dazu veranlasst, eine klare musikalische Entscheidung zu treffen. Innerhalb der Songs wurde ausprobiert wie opulent man diese gestalten kann und dabei unerwartete Wechsel einzubauen. Ein Beispiel hierfür bildet „Soulcrusher“, welcher etwa ab der Hälfte nicht mehr so weitergeht, wie es der Hörer erwarten würde. Inhaltlich geht es um das Problem gemobbt zu werden und auch musikalisch wird der Wahnsinn des Songs immer mehr gesteigert.

Neverworlds End hat den Neuanfang fulminant eingeläutet und bildet ein klares Statement. Künftig wird man Xandria als Symphonic Metal Band bewerten müssen und Xandria wiederum sich daran messen müssen. Die Messlatte ist hochgelegt worden und nun gilt es weiterhin zu überzeugen! (Maximilian Nitzschke)

FORKYS - My Spirit Freed At Last


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Dead Scarlet Records

FORKYS ist ein griechisches Duo, das 2003 seine erste CD-EP veröffentlicht hat und 2005 mit dem Album „My Spirit Freed At Last“ das Debütalbum nachlegt. Benannt nach einer Figur aus der altgriechischen Mythologie, klingt die Musik aber alles andere als altmodisch. Vielmehr wird mit alten Klängen und modernen elektronischen Rhythmen und Sounds experimentiert, so dass eine Mischung aus Electronic Body Music, Techno und Breakbeat herauskommt, die sehr tanzbar ist, sich aber vor allem auch eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Zielgruppe dürften sicher Besucher der Clubs der Dark Wave-Szene sein, obwohl die Musik nicht besonders düster ist. Aber das liegt wohl eher daran, dass sich die Szene selbst ziemlich verändert hat. Während die Musik aber recht direkt ist, sind die von einer guten Frauenstimme hervorgebrachten Inhalte wohl tatsächlich – zumindest teilweise – von der griechischen Mythologie beseelt. Zum Ende hin lebt die Band auch noch ein paar etwas experimentellere Vorlieben aus, was dann auch die spannendsten Momente auf diesem Album sind, während „Attack Of Insanity“ sicher in dem einen oder anderen Club erfolgreich sein könnte. Zu dem Track gibt es schließlich auch noch einen Videoclip auf der CD, der zwar relativ einfach, aber doch ganz wirkungsvoll produziert wurde. Auch das Artwork, vor allem im Booklet sticht positiv hervor. So wird ein oberflächlich betrachtetes „normales“ Electro-Album doch zu einem Werk, mit dem man sich ein bisschen länger beschäftigen kann. Solide Dancefloor-Klänge aus Griechenland, nicht mehr und nicht weniger. (A.P.)

TYPHOON MOTOR DUDES - Stranded In Hell


Erstveröffentlichung: CD 2009 / ANR Music & More / Broken Silence / ANR 032

Punk aus Norddeutschland ist grundsätzlich mal interessant, weniger, weil der immer gut ist, als aus einem gewissen Lokalpatriotismus heraus, den ich mir als Hamburger einfach mal erlaube.
TYPHOON MOTOR DUDES stammen aus Kiel und liefern mit „Stranded In Hell“ ihr zweites Album ab, das nicht mehr und nicht weniger als eine straighte Punk-Rock-Packung ist. Ein bisschen Schweden-Rock’n’Roll, etwas amerikanischer Westküsten-Punk, viel Melody-Core und eine gute Portion Rotzlöffeligkeit, sowie eingängige Refrains mit „whooooohoooohhaaa“-Chören. Und auch die Misfits (die Musik, nicht die Texte) haben die Kieler sicher schon mehr als einmal gehört. Das macht Spaß, ist nach 38 Minuten schon wieder um und man fühlt sich einfach gut gelaunt. Natürlich kriegt man hier nicht die innovative Zukunft zum Thema Rockmusik zu hören, sondern einfach voll-nach-vorne-Punk-Rock, aber genau das will die Band wohl auch und ich finde das gut, auch, weil die 12 Songs schön kraftvoll produziert sind. Macht live bestimmt noch mal doppelt so viel Spaß. Und wie es sich für eine zünftige Punk-Band gehört, gibt es im Booklet auch ein Klo-Bild der Gruppe zu sehen. Das ist dann schon wieder herrlich old-school. (A.P.)

Webadresse der Band: www.anr-music.org

LOGOSAMPHIA - Passage Omni


Erstveröffentlichung: MC 2012 / Enfant Terrible / ET013

LOGOSAMPHIA ist ein holländisches Projekt von Sadra Hemati, das schon auf dem “Kamp Holland”-Sampler zu hören war.
Nun gibt es ein 20minütiges Tape zu hören, das ganz andere Musik bietet, als auf dem Sampler. Hemati hat alle Klänge auf dieser Cassette mit einem Suzuki Omnichord System 2 OM-84 eingespielt, ein sehr eigenwilliger Synthesizer aus den frühen 80er Jahren, der klangmäßig hier an eine alte Heimorgel erinnert und somit stark das Gefühl aufkommen lässt, man würde sich mitten in den späten 60er und den 70er Jahren befinden. Die vier Stücke klingen wie eine Mischung aus Ambient und Krautrock und hätten auch wunderbar auf Treue um Treue/Reue um Reue erscheinen können. Schön spacig und skurril und weit entfernt von Minimal-Electro, New Wave oder Industrial, wie man es sonst eigentlich von Enfant Terrible kennt. Auch Avantgarde trifft es nicht genau. Hier und da fühle ich mich an die elektro-akustischen Werke von Artemiy Artemiev aus Russland erinnert. Die analoge Cassette ist auf jeden Fall das perfekte Medium hierfür, denn derartige Heimexperimente kennt man auch und vor allem aus der Tapeszene der frühen 80er Jahre, als weltweit junge Leute begannen, mit den inzwischen erschwinglichen elektronischen Instrumenten und Vierspurgeräten herumzuexperimentieren. Natürlich ist das kaum Musik für einen breiteren Hörerkreis, aber ob eine Limitierung auf nur 60 Exemplare sinnvoll ist, stelle ich mal in Frage, immerhin dürfte es heutzutage ja doch ein paar mehr Sammler des Labels geben. So hat das ganze, sicher nicht ungewollt, auch einen gewissen Kunstanspruch. Spannend, aber alles andere als Alltagsmusik zum nebenbei konsumieren. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

DIE RADIERER - Der Andlusische Bär


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Zick Zack / Indigo / ZZ 2023

DIE RADIERER aus Limburg haben Anfang bis Mitte der 80er Jahre eine Single und drei LPs sowie einige Sachen auf Tape veröffentlicht. Vielleicht war ihr „Angriff aufs Schlaraffenland“ der ultimative Neue Deutsche Welle-Song, denn das Stück war ultra-eingängig, trotzdem schräg, gut gelaunt, aber nicht oberflächlich. Wenn „Fred vom Jupiter“ zu einem Vorzeigestück der NDW geworden ist, hätte das Lied von den Limburgern eigentlich auch ein absoluter Megahit werden müssen. Wurde es aber nicht. Das zeigt deutlich, dass man damals absolut nicht vorhersagen konnte, was sich durchsetzt und was nicht. Kurz darauf eroberten die alten Plattenfirmen mit ihren Schlager-Produktionen unter dem Label NDW die Charts und für Gruppen wie DIE RADIERER blieb nichts vom großen Kuchen übrig. Schade, aber vielleicht auch gut so. Anfang des dritten Jahrtausends hat Was Soll Das? Schallplatten die Gruppe mit Vinyl-Veröffentlichungen der alten Tapes und unveröffentlichter Stücke zurück ins Bewusstsein einer kleinen Sammlerschar gebracht und die Band tat sich wieder zusammen, um hin und wieder live zu spielen. Und schließlich erschien 2008 tatsächlich das vierte Album mit neuen Stücken. Wo sonst, als auf Zick Zack, wie schon die Platten der 80er Jahre? Das nennt man Treue. Die Kernbesetzung, das Duo C.B. Bodenstein und Jürgen Beuth, ist immer noch dabei und hat neue Musiker um sich geschart, aber sonst hat sich gar nicht so viel geändert. Die Musik ist immer noch deutschsprachiger Pop mit einfachen, aber schönen Melodien, schlichten, aber nicht dummen Texten und einer Menge Humor. Vielleicht ist die Musik etwas rockiger und weniger von billigen Synthies geprägt und sicher haben sich die musikalischen Fähigkeiten seit 1984 deutlich weiterentwickelt. Aber sympathisch ist das alles immer noch oder auch wieder, je nach Perspektive. Ein Knaller, den auch Der Plan nicht besser hinbekommen hätte ist „Pommesbudenmädchen“, „Sextourist“ oder „Sterben Wie Donald Duck“ (wurde auch als Promo an Radiosender verschickt) sind kleine Hits voller Sarkasmus, ebenso „Prominent“, das ein bisschen an Die Zimmermänner erinnert. Der heimliche Hit für alte Fans dürfte aber das an DAF erinnernde „Ein Ton“ sein, wobei auch die textliche Aussage den Vergleich bestätigt. Ich bin ziemlich sicher, dass dieses Lied an DAF erinnern SOLL. 15 Lieder, keines über dreieinhalb Minuten, das verspricht herrlichen, leichten Pop, der aber eben alles andere als dumm ist. DIE RADIERER werden auch mit dieser Platte keinen kommerziellen Durchbruch schaffen, wollen das sicher auch gar nicht, aber ich hoffe, dass nicht nur die NDW-Sammler hier zuschlagen, sondern die Band auch darüber hinaus ein bisschen verdienten Respekt erntet, bei Andreas Dorau hat das doch auch geklappt. Vom reinen NDW-Klang hat sich die Gruppe jedenfalls gelöst und einen vielseitigen Sound entwickelt, der die Wurzeln aber auch nicht verleugnet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.die-radierer.com

NORTHERN SADNESS - Riddles Of Lunacy


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / BOB Media / EZ11C755

NORTHERN SADNESS ist ein deutsches Duo, das seit 2010 existiert und mit dem Album „Riddles Of Lunacy“ erstmals im größeren Rahmen an die Öffentlichkeit tritt. Zu hören gibt es laut Waschzettel Dark Electro/New Wave und die Beschreibung trifft es ganz gut. Kein Wunder, dass die Band bei Echozone gelandet ist. Offenbar ist der Einfluss der (düsteren) Musikszene der 90er Jahre doch größer, als ich sowieso schon befürchtet hatte, denn immer wieder laufen mir Bands über den Weg, die deutlich von der damaligen Dark Wave-Szene beeinflusst wurden. NORTHERN SADNESS, ein etwas unschöner Bandname, wie ich finde, gehören allerdings zu den besseren Bands dieses Stils, auch, wenn sie sicher in Zukunft nicht zu großen Szenestars werden. Klar, ihre Musik ist ganz klar Dark Wave auf elektronischer Basis, aber sie verarbeiten durchaus auch eine Menge Synth-Pop, ein bisschen Cold Wave und hier und da tanzbare EBM-Rhythmen. Das alles, gut produziert und mit eingängigen Melodien versehen, macht „Riddles Of Lunacy“ zu einem Album, das man sehr gut nebenbei hören kann, auch, wenn es vielleicht einen Tick zu lang geraten ist. Manchmal wird es etwas arg poppig, aber oft kommen auch Gedanken an Bands wie Diary Of Dreams oder Drown For Resurrection auf, was die Atmosphäre angeht. Hier und da erinnert es auch etwas an die wavige Seite von Project Pitchfork. Wer mit dem Dark Wave der frühen 90er aufgewachsen ist oder in dieser schwarzen Szene sozialisiert wurde, wird hier eine Menge Deja Vu-Erlebnisse haben und bestimmt einige Male leicht nostalgisch werden. Mir gefällt es, was ich nicht erwartet hatte, jedenfalls recht gut. (A.P.)

Webadresse der Band: www.northernsadness.com

TONGUE - At The beginning


Erstveröffentlichung: Download 2012 / Zorch Factory Records / AF Music / af170

Von einem Gothic-Rock Revival zu sprechen, wie es das Info zu dieser Veröffentlichung tut, ist wohl etwas übertrieben. Tatsache ist aber, dass zurzeit immer mal wieder interessante Veröffentlichungen aus diesem Genre erscheinen, das die letzten etwa 15 Jahre in der schwarzen Szene ziemlich an Bedeutung verloren hat. Leider, wie ich mal hinzufügen möchte.
Ob TONGUE nun wirklich „die erste Death-Rock-Band aus Tschechien“ ist, weiß ich nicht. Aus dem Nachbarland Slowakei kennt man zumindest The Last Days Of Jesus, das heißt, ganz neu ist dieser Musikstil in dieser Region in der Mitte Europas nicht.
TONGUE liefern auf ihrer Debüt-EP, die auf dem französischen Weblabel Zorch Factory Records in Zusammenarbeit mit dem deutschen Label AF Music erscheint, eine gute Mischung aus klassischem Gothic-Rock und eben, wie erwähnt, Death-Rock ab, die in kompletter Eigenregie entstanden ist und schön undergroundig klingt. Für meinen Geschmack hätte die Abmischung gerne noch etwas dreckiger sein dürfen, aber ich glaube fast, das hat mit der digitalen Erscheinung zu tun. Auf Vinyl klänge das bestimmt noch besser. Aber auch so gibt es sehr gute Songs zu hören, die mehr als einmal an alte Christian Death, Voo-Doo Church, The Plague und andere Ami-Helden der 80er erinnern. Schöne schneidende Gitarren, wummernder Bass und treibende Schlagzeugrhythmen lassen alten Säcken wie mir, die mit dieser Musik aufgewachsen sind, Nostalgietränen in die Augenwinkel treten. Natürlich ist auch mir klar, dass diese Zeiten über 20 Jahre her sind, aber man freut sich doch immer wieder, wenn man neue Bands entdeckt, die den alten Sound am Leben erhalten. Ein Intro, fünf durchweg gute Songs und ein Bonustrack, der an die guten alten Cramps erinnert, sind hier zu einer schönen EP zusammengefasst, die neugierig auf mehr macht. Bin sehr gespannt, was da als nächstes kommt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

MONICA RICHARDS INFRAWARRIOR - Naiades


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Danse Macabre Records / Al!ve / 13494

Seit rund zwanzig Jahren veröffentlichen die Amerikaner MONICA RICHARDS und William Faith als Faith And The Muse Platten und verzaubern ihre zahlreichen Fans mit einer wunderschönen Mischung aus Death-Rock, Gothic-Rock und Dark Wave. Auch vorher haben beiden schon Musik in zahlreichen Bands gemacht, zum Beispiel Mephisto Walz, Strange Boutique und Wreckage. MONICA RICHARDS nimmt seit einigen Jahren nun auch solo Platten unter dem Projektnamen INFRAWARRIOR auf und kann da einige Seiten von sich präsentieren, die vielleicht nicht so ganz zu Faith And The Muse passen.
Ein wahnsinnig ambitioniertes Projekt ist dabei das neue Album „Naiades“, das in luxuriöser Aufmachung bei Danse Macare Records/Al!ve erscheint. Als Solo-Künstlerin hat sich RICHARDS hier zahlreiche Künstler und Musiker zur Unterstützung geholt, die mit ihr zusammen ein Gesamtkunstwerk geschaffen haben. Die CD erscheint in einem fetten Din A5-Buch, in dem jede Seite von einem anderen Künstler gestaltet wurde, um die abgedruckten Texte passend zu unterstützen. Obwohl William Faith als Musiker, sicher ganz bewusst, nicht mitgewirkt hat, ist eine musikalische Verwandtschaft zur Hauptband nicht ganz von der Hand zu weisen. Klar, MONICA RICHARDs Stimme ist natürlich sehr prägnant und alles andere als ein Album, das im weiteren Sinne in die schwarze Szene passt war auch nicht zu erwarten. Darüber hinaus gibt es aber viele weitere Einflüsse, die von Song zu Song variieren. Insgesamt kommt dabei eher Dark Wave als Gothic-Rock heraus, durchaus eingängig und nicht allzu düster, aber dafür tief bewegend. Man stelle sich eine Mischung aus The Creatures, Dead Can Dance und Skin vor und erhält damit einen ganz guten Eindruck, was einen hier erwartet. Ich hoffe nur, dass die Fans das Werk auch zahlreich kaufen, damit die Künstlerin auch in Zukunft solche außergewöhnlichen Kunstwerke umsetzen kann. Ich jedenfalls bin begeistert und werde auch in Zukunft die Arbeit von MONICA RICHARDS bedenkenlos durch Vorbestellungen jederzeit unterstützen, denn hier bekommt man wirklich noch etwas Besonderes für sein Geld. (A.P.)

Webadresse der Band: www.monicarichards.com

TACITURNE & THE GOREMASTER'S ULTRA HIGH TEMPERED TROOPERS OF XERO TOLERANCE - Cavos In Sorrows And Happiness


Erstveröffentlichung: MC 2011 / Treue um Treue / T.u.T. 019

Viele Musiker, die heute in mehr oder weniger bekannten Bands und Projekten sind, haben auch vorher schon, oft viele Jahre oder gar Jahrzehnte, Musik gemacht und häufig nichts veröffentlicht, weil in der Vergangenheit einfach die Möglichkeiten dazu fehlten. Eine selbstfinanzierte Platten- oder CD-Produktion war für die meisten Leute Ende der 80er Jahre und bis weit in die 90er hinein unerschwinglich. So blieben viele Aufnahmen, hauptsächlich auf Vier-Spur-Cassetten, aber auch auf ersten Heimcomputern, unveröffentlicht. Wenn diese Musiker heute ihre Archive durchstöbern findet sich so manches Schätzchen, das längst verschollen schien. Das hat auch Laszlo P.S. (Wermut, Ich Wollte Ich Könnte) getan und zahlreiche Aufnahmen seines alten Projektes TACITURNE ausgegraben, die er Ende der 80er Jahre auf seinem Amiga 1000 gemacht hat. Mit Programmen wie dem Soundtracker war sogar Sampling möglich, damals durch den Acid-Hype in aller Munde und Ohren. Ähnlich wie This Girl Is Poison, einem Projekt von Haiko Herden (Charles Lindbergh n.e.V., Anti Trust), wurde hier wild herum experimentiert, es wurden Sounds ausprobiert, Rhythmen programmiert, Samples eingebaut und so entstanden zahlreiche Miniaturen, die oft weniger Songs als Ideen waren aber was die Kreativität und die Experimentierfreude anging durchaus an den Cassetten-Underground der frühen 80er Jahre anschlossen. Fast klar, dass es in unserer Zeit, wo einem der Computer viel Arbeit abnimmt, derartige – trotz Computereinsatzes überwiegend handgemachte – Musik heute etwas anachronistisch vorkommt, zumindest, wenn die ersten drei Ziffern des Geburtsjahres 198 oder 199 sind. Wahrscheinlich auch deshalb wurde als Veröffentlichungsmedium die gute alte MusiCassette gewählt, denn erwähnenswerte Stückzahlen auf Vinyl oder CD setzt man wohl nicht mit Amiga 1000-Klängen ab. Das war Ende der 80er anders, als 16 Bit Hits wie „Changing Minds“ vorweisen konnte. Zu hören gibt es auf dieser professionell hergestellten und auf 66 Exemplare limitierten Cassette 30 kurze Stücke in rund 40 Minuten, die einerseits als Minimal-Electro-durchgehen, aber sicher auch vom damaligen Disco-, Acid- und EBM-Sound beeinflusst waren und oft wie die typischen Computerspiele der Zeit klingen. Der ganz eigene Klangkosmos des Amiga 1000 macht die Stücke aber unverwechselbar und es sind einige echte Ohrwürmer darunter.
Vielleicht ist dies wirklich ein bisschen eine nerdige Veröffentlichung, auf jeden Fall weckt sie aber viele Erinnerungen und macht Spaß. Die 66 Exemplare der Cassette sind in drei unterschiedlichen Coverfarben erschienen. Etwas verwundern tut mich allerdings das Artwork selbst, das eher nach dem Demo einer Metal-Band aussieht und so gar nicht zur Musik passt. Aber wahrscheinlich ist auch das mit einem Augenzwinkern zu sehen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

SOMA SEMA - Articficial Heart


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2011 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB005

Mir ist nicht ganz klar, wonach im Hause Genetic Music entschieden wird, ob eine Veröffentlichung auf dem Hauptlabel oder dem Unterlabel No Emb Blanc erscheint. Die musikalische Ausrichtung ist doch recht ähnlich, nämlich überwiegend elektronischer Minimal-Wave-Synth-Pop, wobei mal die eine, mal die andere Variante mehr im Vordergrund steht. Vielleicht ist Genetic Music etwas mehr an den 80er Jahren orientiert und insgesamt auch minimal-elektronischer, während auf No Emb Blanc etwas wavigere Bands erscheinen, die durchaus auch moderne Einflüsse verarbeiten und insgesamt „voller“ oder „fetter“ klingen. Zumindest kann man das aus der schönen 7“ von SOMA SEMA schließen, die zwei sehr eingängige und kräftig produzierte Synth-Wave-Songs enthält. Klar sind die Einflüsse aus den 80er Jahren stark vorhanden, aber das Mann-Frau-Duo klingt sehr frisch und überhaupt nicht altmodisch. Oder ist etwa Voraussetzung zu einem Erscheinen auf No Emb Blanc, dass der Gesang von einer Frau kommt? Letztendlich ist das alles völlig egal, so lange so schöne Platten erscheinen, wie von den Schweden SOMA SEMA, die einfach sehr schöne Electro-Ohrwürmer als klassische Vinyl-Single präsentieren. Viel mehr muss man dazu gar nicht schreiben.A-Seite herrlicher Synth-Pop (wie sehr poppige Anne Clark), B-Seite wunderbarer Electro-Wave (wie weniger gruftige Danielle Dax), wer Genetic Music kennt, weiß, was ihn erwartet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.no-emb-blanc.com

THE ETERNAL FALL - MM - MMXII

Wiederveröffentlichung: Download 2012 / AF Music
Erstveröffentlichung: CD 2012 / Danse Macabre Records / Al!ve

Spanien war schon in den 80er Jahren ein gutes Pflaster für düstere Bands, von New Wave über Gothic-Rock und Minimal-Electro bis hin zu Dark Wave. In den 90er Jahren machte die Band Gothic Sex lange auf sich aufmerksam und auch im dritten Jahrtausend lebt die spanische Szene ganz offenbar immer noch. Ein Beleg dafür ist die Band THE ETERNAL FALL, die seit 2000 ihre Musik unter die Menschen bringt. Grund genug, einen Überblick über 12 Jahre Bandgeschichte zusammenzustellen, der auch über das Heimatland für interessierte Hörer sorgen dürfte.
Zu hören gibt es sehr schönen altmodischen – im positiven Sinne – Sound, der stark an viele alte Helden des Genres erinnert. Einflüsse von Gothic-Rock, Gitarren-Wave, Dark Wave und ein kleines bisschen Death-Rock wechseln sich ab und es kommen eine ganze Menge potenzieller Club-Hits dabei heraus. Fans von Bands wie Clan Of Xymox werden jedenfalls begeistert sein, aber auch die Brit-Goth-Welle in den frühen 90er Jahren hat ihre Spuren hörbar hinterlassen. Manches erinnert auch an italienische Bands wie Wasteland oder Artica oder an so manche CD des italienischen Energeia-Labels. Das ist alles sehr schön und gefällig und auch, wenn sich kein Song als zukünftiger Klassiker herausstellt, kann man das ganze Album doch immer wieder wunderbar am Stück hören. Überraschend ist, dass es sich eigentlich um ein Ein-Mann-Projekt (+ Live-Gitarrist) handelt und sich insgesamt meist doch wie eine Band anhört. Wer gerne old-school Gothic/Dark Wave hört und auch mal Bands aus „exotischen“ Ländern eine Chance gibt, muss unbedingt reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

AL ANDALUZ PROJECT - Abuab Al Andalus


Erstveröffentlichung: DVD + Audio-CD 2012 / Galileo Music / Galileo Music

AL ANDALUZ PROJECT – Abuab al Andalus
"(VÖ: 09.03.2012 Galileo Music Production)

Die Möglichkeiten in der heutigen Zeit, dass sich Kulturen vermischen ist im Zuge der Globalisierung immer leichter geworden. Dennoch wird diese Debatte des Nebeneinander her und der gegenseitigen Einflussnahme heute zu gern politisch geführt und nicht selten mit Waffengewalt verteidigt. Michael Popp und seine deutschen,spanischen und arabischen Mitstreiter im Al Andaluz Project haben sich hingegen dafür entschieden, mit ihren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln durch die Kraft der Musik einen Blick zu gewähren in die Vergangenheit Andalusiens. Das maurisch regierte Spanien war bekannt für Toleranz, Gelehrsamkeit, Wohlstand, Handel und blühendes Kunstschaffen. Menschen muslimischer, jüdischer und christlicher Religion lebten Jahrhunderte lang miteinander und beeinflussten sich gegenseitig. Am Hof eines abendländischen Herrschers wie Alfonso X.il Sabio versammelten sich Philosophen, Dichter und Musiker und brachten eine Blütezeit der Kultur hervor.Über alle religiösen Grenzen hinweg wurde nach philosophischer, wissenschaftlicher und kultureller Wahrheit geforscht. Toledo etwa war im 11.Jahrhundert die intellektuelle Hauptstadt Europas geworden, eine christliche Stadt, in der Arabisch die Sprache der Kultur und Gelehrsamkeit blieb. Der Eindruck macht sich breit, dass das Mittelalter in Al Andaluz in vielen Aspekten eine Zeit war fernab der Finsternis und ein derartiges Ausmaß religiöser und kultureller Verschmelzung in der Folgezeit nie wieder erreicht wurde.
Die Formation „Al Andaluz Project“ versucht auf künstlerisch hohem Niveau diese Aspekte von Al Andaluz für die Gegenwart lebendig werden zu lassen. Im Studium und der gemeinsamen Vertonung der alten Lieder entstand ein neues musikalisches Klangbild, eine Vision von Toleranz durch die Verschmelzung von Sprach- und Musikkulturen.

Nach einem Auftritt von Estampie überreichte Michael Popp ein junger Zuhörer eine CD mit den Worten „Das wird wohl vor ihrem kritischen Ohr bestehen können..“ und sollte Recht behalten. Die Aufnahme stammte von der aus Valencia stammenden Gruppe L'Ham de Foc, die sich in der internationalen Weltmusikszene durch ihre eigenständige Mischung aus mediterraner, orientalischer und mittelalterlicher Musik einen Namen gemacht hatte. Mit ihrem auf sephardische Musik fokussierten Nebenprojekt Amán Amán gastierte die Band nur wenige Wochen später in München und Michael Popp nutze die Gelegenheit und sprach die Musiker nach ihrem Konzert auf ein gemeinsames Projekt hin an. So wurde der Grundstein gelegt für eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit. So wurde mit „Deus Et Diabolus“ die erste Aufnahme in den Handel gebracht, aufgenommen im November 2006 in einem Dominikanerkloster in der Nähe von Sevilla. 2010 folgt der Nachfolger „Al Maraya“, bevor nun mit „Abuab Al Andalus“ ein Live Album bzw. eine Live DVD präsentiert wird, die einen Gesamteindruck der bisherigen Arbeit zu dokumentieren weiß.

Mitgeschnitten wurde dieses wunderbare Konzert in der Münchner Reithalle im Januar 2011 und bietet dem interessierten Hörer und Betrachter einen faszinierenden Querschnitt durch das bisherige Schaffen dieses multinationalen Teams. Die fremden Klänge erklingen seltsam vertraut, und erschaffen dabei eine tiefgehende Emotionalität durch die professionelle Vortragsweise und die entstehende intime Atmosphäre des Konzertabends. Was so mühelos in Bildern festgehalten und auf CD gebannt wurde war für Michael Popp gar nicht so leicht zu realisieren, was nicht zuletzt an den unzähligen Verpflichtungen bei Qntal, Estampie und VocaMe lag. Ständig treibt er hier neue Dinge voran, so dass es gar nicht so leicht war, sich wieder auf ein vergangenes Ereignis wie diese Live Aufnahme zu konzentrieren. Normalerweise haftet einem Künstler eine solche DVD Produktion nicht ganz so lange an, meint Michael Popp, wie es nun hier der Fall war. Dennoch an Außenwirkung der präsentierten Stücke hat sich auch ein Jahr später nichts geändert. Im Gegensatz zu Versionen der Stücke auf CD befinden sich hingegen ganz neue Stücke darauf und ältere Lieder mit veränderten Arrangements. Man spürt wie sehr die Tourerfahrung der Musiker die Stücke geprägt und in der Live Aufnahme an ihrer Dynamik hinzugewonnen haben. Ich selber mag genau aus diesem Grund Live Aufnahmen immer besonders gerne, weil man die Wirkung der Stücke hinsichtlich ihrer Gesamtwirkung auf ein Publikum viel stärker spüren kann und erfasst.
Als Zutat zu einem ohnehin schon sehr vielschichtigen Konzert bietet die DVD zusätzlich noch sehr ausführliche Interviews mit den Musikern und Informationen zu den Hintergründen einzelner Stücke. Ich finde es dabei sehr schön die Begeisterung und Faszination der Musiker für andalusische Musik nachvollziehbar visuell präsentiert zu bekommen und die Möglichkeit zu haben, diese unterhaltsam auf hohem künstlerischen Niveau zu teilen.

Für die nähere Zukunft stehen für Michael Popp bereits neue Aufgaben an, denn mit Estampie befinden sich Syrah und er mit ihren Mitmusikern gerade in einer sehr heißen Phase. Bereits im letzten Jahr sind bereits Stücke aufgenommen worden, mit denen er dann aber eher unzufrieden war. Somit wurde nochmals daran gearbeitet und seither arbeiten alle Musiker gut an der Bearbeitung der skandinavischen Grundlagen. Auch mit Qntal wird es in nächster Zeittergehen, nach ersten Treffen , wird nach der Tour mit VocaMe die Veröffentlichung von Estampie folgen und dann Qntal aktive von sich hören lassen. Wir sind schon jetzt gespannt! (Maximilian Nitzschke)

MOON.74 - Newborn


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Echozone / BOB-Media / EZ10C413

Ich bin wohl zu sehr aus der „schwarzen Szene“ raus. Früher habe ich eigentlich immer mitbekommen, was so an neuen Bands aus dem Underground aufgetaucht ist, oft schon, bevor sie ihre erste „richtige“ Veröffentlichung vorweisen konnten. Da hat man in zahlreichen Fanzines und bei kleinen Konzerten ständig neue, gute und schlechte, Gruppen entdecken können. Heute hat sich das dank der modernen Computertechnik und dem Internet alles ziemlich verändert. Oft sind die neuen Acts gar keine Bands mehr, sondern im Heimstudio entstandene Soloprojekte, die dann über My Space, Facebook und andere soziale Netzwerke ihre erste Verbreitung finden. Konzerte in stickigen kleinen Clubs sind da gar nicht mehr nötig, um relativ schnell die Ohren der Zielgruppe zu erreichen. Das kann man gut finden und ich kritisiere das auch gar nicht, aber für Leute wie mich, die nicht bei diesem ganzen Social Media-Kram mitmachen wollen, wird es dadurch deutlich schwerer, neue gute Bands zu finden. So stößt man erst darauf, wenn eben doch eine CD im heimischen Player landet.
MOON.74 aus Deutschland ist ein gutes Beispiel für diese veränderten Karrierewege. Macher des ganzen ist Dominic Hein, die ersten Aufnahmen tauchten 2008 bei My Space auf, eine richtige Website gibt es nicht mehr, nur eine Newsseite, von der man dann im Prinzip zu Facebook etcetera eingeladen wird. Lobenswert ist zumindest, dass MOON.74 immer wieder Liveauftritte spielt, auch in kleinstem Rahmen oder als Support (für De/Vision zum Beispiel, die übrigens aus der gleichen südhessischen Ecke stammen wie MOON.74).
Nach so viel Einleitung nun aber endlich zur Musik auf „Newborn“. Das Label Echozone lässt es schon ahnen, hier gibt es irgendwas im Bereich Dark Wave, Synth-Pop, Wave zu hören und genau aus diesen Stilen besteht die Mischung. Von den Melodien und der überwiegenden Instrumentierung her geht es sehr deutlich in die mittelschnelle Synth-Pop-Richtung (auch, wenn das Cover eher nach Metal aussieht), gerne auch mal mit ein paar Gitarren erweitert. Klingt wie eine Mischung aus Silke Bischoff, Performance und Book Of Love, gerne auch mal etwas darkwavig angehaucht und hin und wieder natürlich auch mit ganz leichten Depeche Mode-Anklängen. Das ist sehr gefällig und eingängig und die Stimme von Dominic Hein ist ziemlich angenehm. Dennoch hätte das Ganze für meinen Geschmack ein paar mehr Ecken und Kanten haben dürfen, oft ist es doch sehr seicht. Musik zum Nebenbeihören beim Wohnung-Saubermachen am Samstagvormittag. Und das klingt jetzt böser, als es eigentlich gemeint ist.
(A.P.)

Webadresse der Band: www.moon74.de

DECADENCE WITHIN - Speed Hippy


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 1986 / Floating Gerbil Records / RUSK 001

Eine interessante kleine Perle, die weitgehend unbekannt geblieben ist, ist diese Single der Engländer DECADENCE WITHIN, die bis in die 90er Jahre hinein diverse weitere Platten veröffentlicht haben, die mir allerdings nicht bekannt sind. „Speed Hippy“ scheint die erste Veröffentlichung des Quintetts gewesen zu sein und wurde komplett in Eigenregie veröffentlicht, inklusive einem schicken Postercover. Musikalisch bewegt sich die Band, wie das Erscheinungsjahr 1986 schon erahnen lässt, zwischen vielen Stühlen, dürfte aber aus der Punk-Szene kommen. Trotzdem sind so einige Post-Punk- (Bone Orchard) und Death-Rock- (45 Grave) Einflüsse zu hören, dazu eine Spur Punk (Crass, Cravats) und jede Menge vom damals angesagten Hardcore, was heißt, das ordentlich aufs Tempo gedrückt wird. Die vier Songs kommen schön rotzig aus den Boxen und textlich geht es vor allem um Tierschutz und Polizeiterror, was wechselweise von einer guten Sängerin (daher auch der Bone Orchard-Vergleich) und einem Sänger vorgebracht wird. Sicher gehört diese Platte nicht in die Kategorie „Klassiker“, aber sie macht sich schön in der Sammlung, möglicherweise auch, wenn man ein hardcore-aufgeschlossener Death-Rock-Hörer ist, zumindest beim Song „Atrocity“. (A.P.)

UNHEILIG - Lichter der Stadt


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Fansation / Universal

UNHEILIG – LICHTER DER STADT
(16.03.2012 Fansation)


Grelle Scheinwerfer umkreisen den Himmel und locken in die Großstadt. Neonlichter an den Fassaden weisen dir den Weg in die Spielhallen, Kinos oder Diskotheken. Überfüllte Straßen, Gestank von Autoabgasen und dunkle Straßenecken – nicht überall leuchten die „Lichter der Stadt“. Damit sind wir mitten im neuen Album der Band „Unheilig“ welches nach der Schiffsfahrt in die Große Freiheit nach seiner Heimreise Tour nun in der Großstadt angekommen ist. Bereits zwei Stücke seines Albums „Lichter der Stadt“ hatte er live präsentiert und die Neugierde auf die neue Reise von Unheilig geweckt. Musikalisch werden wir nun angezogen von den flackernden Lichtern der Großstadt und ihrem pulsierenden Leben. Tagtäglich fließt der Verkehr in völliger Hektik, hetzen die Menschen zeitlos durch die Straßen, eine anonyme Masse inmitten der Hochhäuser. Jeder einzelne von Ihnen hat seine Geschichte, strahlt seine Emotionen an seine Mitmenschen ab oder isoliert sich und bleibt in der Anonymität gefangen. Geweckte Sehnsüchte inmitten der Straßenschluchten, stetiger Wandel im Straßenbild und emotionale Verführungen verstecken sich in den Ladenlokalen und hinter den Fenstern der Hochhausburgen. Diese Schnelllebigkeit und die pulsierende Kraft der Stadt versucht der Graf in sechzehn Songs zu beleben und akustisch hörbar zu machen. Kirchenglocken und Vogelgezwitscher künden im Intro „Das Licht“ von der Energie des Lichts, als Lebensspender und Motivator den Tag anzufangen. Zudem spricht der Graf die Fülle der Emotionen innerhalb der Stadt an, den Atem der unterschiedlichen Menschen, das beginnende Leben am Anfang des Tages. Der Hörer wird von Unheilig in diese unsere Welt hinein gesogen, bereit ihm in die verwinkelten Gassen zu folgen. Druckvoll nimmt Unheilig uns mit in den pulsierenden Verkehr der Stadt, denn Gitarren und Schlagwerk rocken ordentlich. Der Einstieg ist gelungen mit „Herzwerk“, in dem Unheilig inhaltlich die Schlote von Kraftwerken und die Erzeugung von Energie mit den Träumen und der Lebensenergie eines jeden Einzelnen verbindet, hier wird die Energie geliefert, einerseits für die Helligkeit der Stadt und den technischen Fortschritt, andererseits werden die Urwünsche nach Wärme und Licht befriedigt. Sein Talent für Balladen hat der Graf schon jahrelang bewiesen und hat auch auf „Lichter der Stadt“ dieses einmal wieder mit „So wie du warst“ beweisen wollen. Hymnenartig setzt Unheilig auf die großen Gefühle gepaart mit Pathos, das gelegentlich auch sehr angeschmalzt auf mich wirkte. Es geht um Abschiednahme und Erinnerungen an die Größe eines ganzen Lebens. Was wird bleiben, wenn ein geliebter Mensch von uns geht? Ein ganzes Leben zieht vorbei, aber die Erinnerungen und emotionalen Momente bleiben. Irgendwie klingt es für mich wie die Wiederholung von Motiven aus „An deiner Seite“ und „Geboren um zu leben“, aber wesentlich chansonhafter und beliebiger.
Ich persönlich nehme diese gesungene Emotion so nicht ganz ab, weil sie für sich selbst stehend zu wenig Neues bietet, zu wenig persönliche Empfindung preisgibt, sich stattdesen eher in Floskeln verliert.
Die Glaubwürdigkeit der Gefühle kehrt für mich mit „Tage wie Gold“ zurück, in dem Unheilig von der Außergewöhnlichkeit einzelner Tage spricht, welche in der Hektik des Alltags oft verloren gehen. Der Moment ist wichtig und das Gefühl, eigene Träume nicht über die Lebensjahre hinweg verschenkt zu haben. Der Graf genießt das Leben, ohne schon an den nächsten Tag und seine Aufgaben denken zu müssen, - so sein Credo. Ich schätze diese emotionale Echtheit der Zeilen, resultierend aus dem Wissen, dass der Graf selbst in den letzten Monaten sehr oft Momente seines Lebens reflektierend betrachten musste. Einerseits sehnt sich jeder Künstler nach über 13 Jahren im musikalischen Geschäft nach Erfolg und Ruhm, den Unheilig zweifelsfrei haben. Dennoch stürmt plötzlich die Welle der Beachtung von allen Seiten so auf dich ein, dass die Momente der Ruhe und Ausgeglichenheit weniger werden. Mit „Tage wie Gold“ scheint inhaltlich dieser kurze Moment des Innehaltens spürbar gemacht zu sein und schafft persönliche Nähe und Verständnis für Unheilig. Die Reflexion geht augenblicklich weiter mit „Wie wir waren“, denn wir betrachten die Wandelungen inmitten der Stadt über viele Jahre, die zum Symbol der eigenen Veränderungen geworden sind. Was hat sich verändert? Wenn sich auch unsere Heimat verändert hat, ist es dann noch Heimat? Wie waren wir, als wir noch kindlich naiv die Welt betrachtet haben, ohne Vorurteile und neugierig – und wie sehr hat uns die Lebenserfahrung verändert? Unheilig stellt im ersten Duett des Albums Fragen und überlässt die Beantwortung dem Hörer selbst. Erneut liefert der Graf eine Ballade, welche mich sehr wohl emotional berührt hat. Der Titel „Unsterblich“ öffnet die Beziehungsebene inhaltlich, denn es geht um das persönliche Glück und den Erhalt von Liebe und Zuneigung. Auch wenn die Zeit und der Wandel des Lebens von außen rüttelt, so wird das Band immer enger zwischen zwei Liebenden. Ihre Gefühle sind so eng, dass sie füreinander unsterblich sein möchten. Wunderschön poetisch und einfühlend gesungen, beweist der Graf sein immenses Talent für die Vertonung von Emotionen, die man sofort nachempfinden kann. Es ist ein Traum von einer idealen Verbindung, perfekter Harmonie und unbändiger Liebe – welcher Traum könnte schöner sein?
Wieder mit ordentlich Druck versehen erklingt „Feuerland“, in dem der Wunsch geäußert wird, der Tristess von Wolkenkratzern ohne Leben und Straßenschluchten tief wie Meere zu entfliehen und sich in ein anderes Land „Feuerland“ zu katapultieren, in dem es Wärme,Liebe und Emotionen gibt. Heraus aus der Anonymität der grellen Neonlichter, die vermeintlich Glück, Liebe und Befriedigung von Träumen versprechen, hinein in echte Gefühlswelten und Traumbewahrung. Kraftvoll geht es weiter mit dem Titeltrack „Lichter der Stadt“,welcher eingängig ins Ohr geht. Wir erhalten Draufblick auf die Stadt von ihren Dächern aus. Hier oben stört uns niemand und der Blick von oben lässt uns einen Moment der inneren Entspannung erleben. Unter uns pulsiert das Leben, fließt der Verkehr und trägt jeder Mensch sein tägliches Päckchen. Arm und reich, Not und Zuversicht in einem wirren Konglomerat, welches wir aus der Distanz heraus betrachten. Während die Hektik die Menschen unter uns ergreift, nehmen wir uns durch Unheilig die Zeit, Betrachter zu sein und aus dem Alltag kurzfristig auszubrechen – ehe auch wir wieder nur ein Zahnrädchen im Getriebe der Stadt sind.
Eine weitere ergreifende Ballade bildet für mich „Ein guter Weg“, in der es um Kraft geht, dann nämlich, wenn das Leben einmal wehtut und man sich selbst schwach fühlt. Gemeinsam diese schwere Zeit durchzustehen und wortlos zu verstehen, was der andere braucht, ist Inhalt dieses Stückes. Es geht nicht um Mitleid, nicht um wahre Worte, sondern um Halt und Gemeinsamkeit. Am schönsten finde ich die Botschaft des Grafen „Es wird schon weitergehen, auch wenn es sinnlos scheint, es hat so oft geholfen, wenn man zusammen weint“, die mich selbst sehr rührte.
Positiv und lebensbejahend geht es auch mit „Ein großes Leben“ weiter, in dem der Graf dem Hörer ein großes Leben voll Zuversicht und Glück wünscht. Er appelliert an die Fähigkeit, an seine Träume zu glauben und die Kraft zu besitzen, diese im Laufe seines Lebens zu verwirklichen. Hier sei besonders ein Wunsch hervor gehoben: „Ich wünsche Dir, dass du immer glücklich bist und das Licht deiner Augen niemals erlischt!“ Mit „Brenne auf!“ führt der Graf mehrere Bedeutungsebenen zusammen, denn einerseits betreten wir erneut die Dächer der Stadt, um den Himmel zu betrachten und uns in der Helligkeit der Sterne nicht allein zu fühlen, zum anderen ist der Stern auch als Symbol für die eigene Liebe im Herzen verwendet worden. Unheilig startet hiermit einen kraftvollen Aufruf an sich selbst, nicht zu verrohen und abzustumpfen innerhalb ihrer eigenen Botschaften, sondern emotional packend zu bleiben. Das ist eine Herausforderung, die erst einmal geleistet sein will und sicherlich mit Argusaugen angesichts des Erfolges einer einstigen Undergroundband der schwarzen Szene von Kritikern wie Fans gleichermaßen betrachtet wird.
Hier setzt die „Zeitreise“ ein, ein Blick zurück in der Zeit, als alles noch Neuland war. Für den Grafen heißt das ein Rückblick auf dreizehn Jahre Unheilig, unzählige Konzerte, Bekanntheit als Künstler der Gothic Szene und stetig wachsenden Erfolg. Höhen und Tiefen einer Karriere und plötzliche Chartplatzierungen, mit denen vor „An deiner Seite“ so wohl keiner gerechnet hätte.
Warum nun allerdings ein Künstler wie Xavier Naidoo mit seinem spirituellen ewig gleichklingenden Gesang als Duettpartner sein musste, bleibt mir verborgen. Der an sich schöne Song ist für mich, der Xavier Naidoos Stimme nicht mehr ertragen kann, völlig versaut und verschenkt!
Dann wirklich lieber den Blick nach vorn mit dem rhytmischen und tanzbaren Song „Leben ist schön“, welcher inhaltlich nun an die Zukunft adressiert, den Blick nach vorn richtet, um aus der Vergangenheit zu lernen. Das Leben ist, will man dem unheiligen Grafen glauben, zu schön um eine Sekunde zu verschenken und somit gilt es, wach zu sein und offen für all die Momente des kleinen Glücks, welches in jeder Seitenstraßenecke lauern kann.
Martialisch und schwer kommt der „Eisenmann“ daher, eine Kreatur aus Stahl geschmiedet, welche an sich kein Herz besitzt, aber mit Willensstärke und der Kraft eines Blitzes plötzlich Gefühle entwickeln kann. Er soll hinaustreten in die Welt und nach seiner Liebe suchen. Ein bisschen ist es die Vertonung einer Frankenstein-Geschichte, oder besser die Fortführung von „Maschine“ aus den älteren Tagen von Unheilig.
Wieder sanftere Töne schlägt „Vergessen“ an und vereint die Motive des Albums in sich. Fast vergessen waren die Träume, die man hatte und der Wunsch, sich diese gemeinsam zu erfüllen, genauso wie der Wunsch, nicht vergessen zu werden und Liebe zu spüren. Vergessen heißt auch Verzeihen und Kleinigkeiten wahrzunehmen, die Vertrauen schaffen. Sanft und poetisch eröffnet Unheilig all diese Motive und sagt dem Hörer als Botschaft: Keine Angst, auch wenn du dich allein fühlst, du wirst nicht vergessen sein, denn dadurch, dass du uns hörst und Teil unserer musikalischen Reise bist, trägst du dazu bei, dass wir nicht vergessen werden.
So verpackt kann auch die Angst vor dem Vergessenwerden die Angst vor dem Scheitern und die vor dem Vertrauensverlust der Fans sein.
Mit diesem Dank an uns entlässt uns der Graf instrumental opulent mit dem Outro „Die Stadt“ wieder hinaus in die Straßenschluchten der Großstadt auf der Suche nach persönlichem Glück oder der Suche nach Erfüllung von Träumen und Wünschen. Mit seinen sechzehn Stücken hat er einen Querschnitt durch die unterschiedlichen Emotionen von Menschen gegeben vor dem Hintergrund der Lebendigkeit einer Stadt. Diese Unterschiedlichkeiten der Menschen galt es inhaltlich und musikalisch zu vermitteln, auch wenn ihm dies zweifelsohne gelungen ist, so fällt dennoch auf, dass er etwas Wichtiges dabei in der Produktion übersehen hat. Menschen nämlich haben Ecken und Kanten, seine Stücke jedoch kaum, zu glatt gebügelt wirken sie insgesamt, zu sehr für das Ohr der Masse erzeugt. Das ist schade, denn auch die opulentesten Hymnen des Grafen können dadurch wie im genannten Fall von „So wie du warst“ schnell an Glaubwürdigkeit verlieren. Warum wagt man nicht, wenn man schon auf „Zeitreise“ geht, ein bisschen mehr der alten lyrischen Sprache und erzeugt nicht nur Stimmungsbilder, sondern erzählt Geschichten, die wie etwa „Bestie“ oder „Jetzt noch nicht“ aufrüttelten und kritisch das Weltgeschehen betrachteten. Diese Texte fehlen mir auf „Lichter der Stadt“ und führen mich zu der Erkenntnis, dass man wohl als Fan der ersten Stunde spätestens seit „Große Freiheit“ von Unheilig 2.0 reden muss, wenn man den Grafen heute betrachtet.

(Maximilian Nitzschke)

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VLAD IN TEARS - Welcome To Vladyland


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / BOB-Media / Ez11C744

Nach dem letzten Album „Underskin“ legt die italienische Band VLAD IN TEARS nun auf Echozone in Deutschland ihr Nachfolgewerk vor. Dabei gilt im Großen und Ganzen das Gleiche wie für den Vorgänger. Rockmusik, die eher Wurzeln im Metal als im Punk hat und damit dem Gothic-Metal/-Rock seit den 90ern näher steht, als dem ursprünglichen Sound, der mal den Namen Gothic-Rock bekommen hat. Allerdings ist das alles gar nicht düster und inzwischen aufgrund vermehrter elektronischer Einflüsse weitaus kommerzieller geworden. So spricht der Waschzettel auch nicht mehr von Gothic in irgendeiner Form, sondern von Alternative-Rock, was dem Sound auch viel näher kommt. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist „Welcome To Vladyland“ besser geworden. Die Band versucht nicht mehr krampfhaft, irgendwelchen Vorbildern nachzueifern, sondern hat ein Album eingespielt, das frischer und eigenständiger klingt, obwohl man, wenn man möchte, natürlich auch jetzt noch viele Vergleiche ziehen könnte. Schrammelige Gitarren, eingängige Elektronik, treibende Rhythmen und rockiger Gesang, dazu eine ordentliche Spur Progressive-Rock ergeben ein Album, das zwar kaum wirklich oft bei mir laufen wird, aber zumindest die Band in einem guten Licht zeigt. Mit Gothic-Rock hat das alles nichts mehr zu tun, aber aufgeschlossene Hard Rock-Hörer und „normale“ Rockfans sollten hier mal ein Ohr riskieren. Mit etwas Fantasie könnte man hier und da auch The Mission als Vergleich heranziehen, aber waren die nach „Children“ jemals wieder Gothic-Rock?
Mir ist zwar nicht ganz klar, was an „Welcome To Vladyland“ ein Konzeptalbum sein soll, sind die Themen Entfremdung, Isolation, Mut, Liebe, Verlust und Vampirismus (laut Labelinfo) doch sehr vielfältig, aber das muss ja jeder selbst entscheiden.
Irgendwie gar nicht mein Geschmack, aber doch solide und eigentlich sympathisch. Dazu gibt es auch noch ein künstlerisch ansprechendes Booklet. (A.P.)

FRIEDRICH - MYTHOS UND TRAGöDIE - Mythos und Tragödie Musical


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012 / Spotlight Musicalproduktion

Musical Welturaufführung in Potsdam Juni 2012


"FRIEDRICH – Mythos und Tragödie

Jung, rebellisch und leidenschaftlich, dies ist die andere Seite Friedrich des Großen, wie in kaum jemand kennt. Anlässlich seines 300. Geburtstages wird der Mythos um das Leben des wohl bekanntesten Preußenkönig zum Musicalstoff. Am 01. Juni 2012 erlebt das Musical „Friedrich – Mythos und Tragödie“ am Originalschauplatz Potsdam seine Welt – Uraufführung und zeigt das aufregende zweite Gesicht einer großen historischen Figur. Betrachtet man sich das Lebenn des alten Fritz so bietet es einen herausragenden Ausgangspunkt für die Musicalbühne,denn Schwärmerei, Leidenschaft und Rebellion prägen die schillernden Jugendjahre Friedrichs des Großen, bevor er zu Europas erfolgreichstem Herrscher aufsteigt. Sein Naturell als Monarch, Feldherr und Musiker ist facettenreich und widersprüchlich.

Als Friedrich der Große am 17. August 1786 starb, war er längst zur Legende und zur unumstritten bekanntesten Persönlichkeit seines Jahrhunderts geworden. Friedrich wurde zum Ende seiner Schaffenszeit verehrt, aber auch abgelehnt. Auf der einen Seite steht der aufgeklärte Philosoph, der talentierte Musiker, der große Staatsmann und Begründer einer deutschen Identität. Dem gegenüber steht der absolutistische Despot, der misstrauische Kontrollfreak und der ruhmsüchtige Feldherr. Das Musical „Friedrich – Mythos und Tragödie“ wird durch die akribische Recherche der Autoren, aber auch den erzählerischen Spielraum eine interessante Bühnenadaption der biographischen Daten liefern.

Das Musical soll in zweieinhalb Stunden dem Zuschauer einen Eindruck vom Menschen Friedrich geben, hierbei wird das konfliktreiche Vater – Sohn Verhältnis und das daraus resultierende Kindheitstrauma der Hinrichtung Hans Hermann von Kattes in den Fokus rücken. Nur wenige Zeitgenossen drangen bis zum Menschen Friedrich vor, im Musical wird dies seiner Schwester Wilhelmine gelingen. Dieses neue Musical soll vor allem eines, die Emotionen ansprechen und dabei kurzweilig und packend sein. Hierfür wurden die besten Musicaldarsteller verpflichtet, so wird Tobias Bieri in der Rolle des Kronprinzen Friedrich zu sehen sein, welcher besonders durch seine starke Stimme und Bühnencharisma geschaffen war für diese Rolle. Seine Schwester Wilhelmine wird von Elisabeth Hübert gespielt, welche als Jane in der Deutschen Uraufführung von „Tarzan“ bisher brillierte. Den gealterten Friedrich gibt Chris Murray, welcher unter anderem als Jean Valjean in „Les Miserables“ 2003 am Theater des Westens Berlin hervorstach.

Den idealen Schauplatz wird das Musical „Friedrich“ in der hochmodernen Metropolis Halle am Filmpark Babelsberg erhalten. Auf einer 20 Meter breiten Bühne wird der Raum geboten für eine spektakuläre Bühneninszenierung, in der eine überlebensgroße preußische Uniformjacke den Focus auf sich zieht. Darüber hinaus wird das Stück durch opulente Kostüme und mitreißende Choreographien auffallen. Für Liedtexte und Libretto sind Dennis Martin und Peter Scholz verantwortlich, welche beide bereits „Die Päpstin“ realisierten. Christoph Jilo zeichnet sich für die Dramaturgie verantwortlich und Marc Schubring für die Musik der Produktion. Die Regie wird Holger Hauer führen, den manche aus Prodution wie „Tatort“, „Rote Rosen“ oder „GZSZ“ kennen dürften.

Freuen wir uns schon jetzt auf eine spektakuläre Bühnenfassung des Lebens Friedrich des Großen inmitten seines Potsdams, seines Refugiums, welches durch sein Schloss auf dem Weinberg „Sanssouci“ in aller Welt bekannt wurde. Lernen wir den Monarchen einmal fern ab des Windhund Klischees und fern der Tabakgesellschaften kennen!
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.friedrich-musical.de

BLOODSPOT - Embrace The End


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Finest Noise / Radar / FNR011011

Schickes Covermotiv und guter Bandname, das sieht doch schon mal viel versprechend aus. Nun ist Metal in all seinen Spielarten nicht unbedingt meine Musik. Trotzdem hat „Embrace The End“ eine Energie, die sogar mich hier und da mitreißt. Death/Trash-Metal nennt das Info dies, ich würde mal gerne den Begriff Splatter-Metal benutzen, denn er gibt das, was Cover, Name und Texte rüberbringen ganz gut wieder. Mich erinnert es ein bisschen an das Sodom-Album „Til Death Do Us Unite“, das mit „Fuck The Police“ und „Gisela“ zwei Knaller hatte, die sogar mir richtig gut gefallen haben, weil dahinter eine gewisse Punk-Rotzigkeit durchklang. Auch Body Count oder die Mitt-90er Ministry kommen mir in den Sinn, weniger was die Musik angeht, als die Energie, die aus den Boxen knallt. Klar, Kenner des Metal-Genres werden die Vergleiche wahrscheinlich nicht nachvollziehen können, aber in Ermangelung passender Vergleiche muss ich das so beschreiben. Und es ist ja positiv gemeint. Wo es bei mir eben immer hakt ist, dass ich den Groll/Kreisch-Gesang in diesem Genre nicht mag und das Album dann letztlich doch wieder nicht richtig gut finden kann. Musikalisch aber allemal ein echt kraftvolles Brett und eine Metal-CD, die bei mir nicht gleich auf dem „einmal und nie wieder“-Stapel landet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.bloodspot.music.de

MONTREAL - Montreal


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Hamburg Records / HHREC 0242

Deutsche Pop- und Rockmusik ist in, das habe ich wahrscheinlich schon in mehreren Kritiken zu neueren deutschsprachigen Bands geschrieben. Trifft aber zu und MONTREAL aus Hamburg passen gut in das Schema. Die sind jung, deutschsprachig, extrem eingängig und vor allem live sehr aktiv, was eine Musikgruppe ja eigentlich erst zu einer Band macht.
Mitte der Nuller-Jahre gegründet, liefert das Trio mit „Montreal“ bereits das dritte Album ab, nebst einer EP. Zu hören gibt es ohrwurmträchtigen Rock zwischen Alternative, Pop und Punk, was sehr frisch und kraftvoll klingt. Dazu solide Texte zwischen ernst, persönlich und lustig und vieler „ooohhhooohhhooohoooo“-Chöre. Kann man irgendwo zwischen Madsen, Die Ärzte und Green Day einsortieren und macht eine Menge Spaß. Aber wie es so richtig im Info steht: den besten Eindruck von MONTREAL bekommt man sicherlich live, wo ziemlich die Post abgehen dürfte. Ansonsten: grundsolide, ehrliche Musik mit großem Unterhaltungswert und ziemlich sympathisch. (A.P.)

Webadresse der Band: www.montrealmusic.de

ERWIN EISWüRFEL - Zeitgerät


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / F.K.K. / Kernkrach / FKK009

Wo gräbt das F.K.K.-Label bloß immer wieder diese neuen Bands aus, die schicke kleine Singles mit ultraeingängigem Minimal-Synth-Pop veröffentlichen und von denen man fast durchgehend vorher noch nichts gehört hat? Ich glaube ja, dass dahinter immer mal wieder schon bekannte Musiker anderer Bands stecken, die einfach mal Lust haben ein kleines Nebenprojekt zu machen. ERWIN EISWÜRFEL ist so ein Name, den man bisher noch nicht vernommen hat – nicht zu verwechseln mit „Ernst Eiswürfel“, einer schrägen Fernsehserie aus den späten 80er Jahren, der die Hamburger Band Johnny Beton bereits Mitte der 90er ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. Allerdings glaube ich schon, dass ERWIN EISWÜRFEL sich auch auf die Serie bezieht, wenn man das Beiblatt zu dieser Single liest („Die Welt ist schön.“) und auch einen Blick in die Auslaufrille wirft („Aus Spaß wurde Ernst“). „Zeitgerät“ ist wunderbarer, ziemlich kraftvoller NDW-Synth-Pop mit Ohrwurmqualitäten. „Haunebu Paradox“ hingegen ist weitaus waviger und klingt ein bisschen wie so mancher Spät-70er-Space-Synth-Erguss, als alle möglichen Musiker begannen, die neue, jetzt auch erschwingliche Technik auszuprobieren. Zwei recht unterschiedliche, aber eben gute Stücke. Wenn ERWIN EISWÜRFEL noch mehr so schöne, vielseitige Synthie-Musik hat, würde ich gerne mehr hören. Definitiv nicht innovativ neu, sondern, im Gegenteil, wohl vertraut und deswegen schön. Im üblichen F.K.K.-Einheitscover mit Beiblatt und auf 150 Exemplare limitiert. (A.P.)

POLICE DES MOEURS - N´en Parlons Plus


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / F.K.K.-Musik / Kernkrach / FKK008

Die A-Seite fängt an, wie „Nur Geträumt“ von Nena, geht dann aber über in einen schönen „richtigen“ NDW-Wave-Song auf Französisch. POLICE DES MOEURS ist ein französisches Duo und wie es scheint, nicht „nur“ ein anonymes Nebenprojekt eines Musikers. Dafür spricht, dass das Beiblatt diesmal durchaus informativ ist und sogar eine Kontakt-E-mail-Adresse enthält. Zudem gab es von der Band schon vorher eine Single-Veröffentlichung, die mir leider nicht vorliegt.
„N´en Parlons Plus“ klingt ein bisschen wie die fantastischen Soma Sema auf ihrer Single bei No Emb Blanc/Genetic Music. Das ist herrlicher Wave vom feinsten. Die B-Seite „Un Monde Sans Evasion Possible“ ist dunkler und kühler, im Prinzip also Cold Wave im Stile von Trisomie 21 oder Twice A Man. Diese Single hätte so auch gut bei Genetic Music oder Anna Logue Records erscheinen können und sie wirkt deswegen ein bisschen untypisch für F.K.K.-Musik, was sie aber deswegen nicht schlechter macht, im Gegenteil, sie ist sogar eine der besten in der Serie bisher. 150 Stück im Einheitscover mit Beiblatt, alles wie gewohnt also, musikalisch aber ein Stück über dem sowieso schon hohen Durchschnitt. (A.P.)

LES MULTIPRICES - Facade


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / F.K.K.-Musik / Kernkrach / FKK010

Und wieder ein bisher völlig unbekanntes Projekt mit einer Single auf F.K.K.-Musik, Scheinbar aus Frankreich kommend, vermute ich dahinter aber doch einen deutschen Musiker, der sonst mit mindestens zwei Bands aktiv ist, zumindest, wenn man das Bild des Typen auf dem Beiblatt anguckt. Ist ja letztlich auch egal. Zu hören gibt es diesmal sehr wavige Klänge, die tatsächlich musikalisch wie der französische Cold Wave der mittleren 80er klingen, aber wohl heute entstanden sind. Ich mag das schön schräge in „Facade“ auf der A-Seite und auch den Sound, der – sicher bewusst – so klingt, als wäre er von einem uralten Tape gemastert worden. So manche Minimal-Freaks werden damit vielleicht nicht so viel anfangen können, zumindest, wenn sie sehr engstirnig darauf festgelegt sind. Erinnert entfernt etwas an „No Tears“ von Tuxedo Moon und ähnliche alte Knaller aus den Ruhrpott-Discos der 80er/90er. Die B-Seite „After-Love Croisade“ ist instrumental und etwas melodiöser und klingt ein bisschen wie manche Sachen von Trisomie 21. Alte Waver werden also mit dieser Single viel Freude haben. F.K.K.-;usik ist also immer wieder für eine Überraschung gut. Wie immer: 150 Stück im Einheitscover mit Beiblatt. (A.P.)

NEUE MODE - 45 Runden Pro Minute


Erstveröffentlichung: LP 2012 / WSDP / WSDP 122

Einmal mehr deutsche Tapegeschichte auf WSDP. Wie gewohnt hat der gute Franck treffsicher ein altes Tape von NEUE MODE herausgesucht, das 1983 auf dem Zweckfrei-Label erschienen ist. „45 Runden Pro Minute“ ist eigentlich nicht der Titel, der Platte, denn die Kassette war damals unbetitelt, aber es ist so schön auf das Plattenlabel aufgestempelt und wird deswegen wohl langfristig als Name in die Hirne der Sammler und Jäger eingehen.
Minimal-Electro- und NDW-Fans werden eventuell enttäuscht sein, denn zu hören gibt es dunklen Gitarren-Wave, der recht typisch für die damalige Zeit war und irgendwo zwischen The Cure und Fehlfarben einsortiert werden kann. Wie für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich kommt bei den deutschsprachigen Texten eine schöne „Kalter Krieg“-Stimmung durch und ein wenig fühle ich mich an Westdeutsche Christen und ähnliche Bands erinnert. Obwohl acht Songs auf der Platte sind, handelt es sich bei einer Laufzeit von rund 20 Minuten doch eher um eine Mini-LP. Der Sound ist etwas dünn, was aber klar ist, wurde doch mit einfachsten Mitteln aufgenommen. Dafür klingt es aber wunderbar authentisch. Sicher gab es Bands wie NEUE MODE Anfang der 80er zigfach, aber es ist auch diesmal wieder viel besser, als jede Band, die heutzutage versucht, so wie die damaligen zu klingen. Das Cover ist sehr schlicht gestaltet und erinnert an das Artwork von Factory Records. Sehr schön. Nett wäre allerdings noch gewesen, wenn man das Original-Artwork der alten Zweckfrei-Kassette zumindest als fotokopiertes Beiblatt beigelegt hätte, einfach aus dokumentarischen Gründen.
Die Auflage beträgt diesmal 150 Exemplare und dürfte längst vergriffen sein. Alles in allem eine sehr typische WSDP-Veröffentlichung und das ist natürlich als Kompliment gemeint. (A.P.)

DIE SHADOCKS - Motor Im Kopf


Erstveröffentlichung: LP 2012 / WSDP / WSDP 121

Bremen war schon früh eine kleine deutsche Punk- und New Wave-Hochburg, was oft neben den großen Zentren Düsseldorf, Hamburg und Berlin vergessen wird. Schon früh gab es eine lebendige Szene mit vielen, oft kurzlebigen, Bands, Plattenveröffentlichungen und Labels. Dass davon heute nicht mehr so viel bekannt ist mag daran liegen, dass es irgendwie keine Band geschafft hat, langfristig im Gedächtnis zu bleiben oder gar einen Hit zu landen. Dafür hat sich in Bremen aber eine Szene entwickelt, die häufig Punk und New Wave verbunden hat, wie zum Beispiel die doch recht bekannte Band A5. DIE SHADOCKS haben sich 1981 aus Musikern von verschiedenen aufgelösten Bands formiert und eine blutjunge 14jährige Sängerin dazugeholt. Zwei selbstveröffentlichte EPs und ein paar Samplerbeiträge waren mehr, als die meisten anderen Bremer Bands zustande bekommen haben, dazu ist man sogar zweimal richtig durch Deutschland getourt.
WSDP setzt der ausgesprochen sympathisch rüber kommenden Band nun ein kleines Denkmal, indem eine LP mit einigen Stücken der ersten Single und zwei raren Samplerbeiträgen sowie jeder Menge unveröffentlichter Aufnahmen veröffentlicht wird. Eine Plattenseite ist der ersten Sängerin gewidmet, die andere ihrer Nachfolgerin ab 1983. Zu hören gibt es schön eingängigen Sound, der seine Wurzeln im Punk hat, aber durch einen kleinen Casio-Synthie und eingängige Melodien auch Pop-Appeal liefert und eigentlich zur damaligen NDW-Zeit das Zeug für einen größeren Durchbruch gehabt hätte, wenn ein findiger Produzent auf die Band aufmerksam geworden wäre. Das klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Bärchen Und Die Milchbubis (zu Zeiten ihrer LP) und den ersten beiden Nichts-LPs. Auch Östro 430 und deren Nachfolgeband II. Invasion, sowie Malaria! (auf der B-Seite) kommen mir in den Sinn. Die sonst damals üblichen Ideal- und Fee-Anklänge gibt es hingegen zum Glück nicht. Vielleicht haben auch die ganz frühen The Cure ihren Einfluss hinterlassen? „Er Weiß Es Nicht“ jedenfalls hat eine Basslinie, die verdächtig an die Cult Heros-Single erinnert. Und auch Siouxsie And The Banshees und Fehlfarben hatten damals schon Spuren hinterlassen. Bei den Songs mit der neuen Sängerin wurde es dann jedenfalls insgesamt waviger und etwas dunkler
Schade, dass zwei Songs der ersten Single und die komplette zweite Single hier fehlen, damit es ein Komplettwerk geworden wäre, aber das hätte wohl nicht auf eine LP gepasst. Vielleicht kann man sagen, dass DIE SHADOCKS sich recht gut auf dem Schallmauer-Label gemacht hätten. 1984 war es jedenfalls vorbei und die Musiker gingen ihre eigenen Wege. Umso schöner, dass WSDP die Band jetzt wieder in Erinnerung gerufen hat, wenn auch nur in kleiner 150er Auflage. Als Beilage gibt es eine Kopie des 1983er Tourplakats mit Fotos und Kurzbiografie auf der Rückseite. Eine tolle Veröffentlichung, die wirklich Spaß macht und mir die gute alte Zeit in Erinnerung ruft (obwohl ich als 13jähriger DIE SHADOCKS natürlich nicht kannte). Ich freue mich auch, dass WSDP nicht mehr überwiegend NDW/Minimal-Electro-Platten macht, sondern auch gute New Wave-Bands berücksichtigt werden. Denn die Vielseitigkeit macht’s! (A.P.)

TEATRO SATANICO - Gold In Blei


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2011 / Treue Um Treue / TuT018

TEATRO SATANICO aus Italien gibt es nun auch schon bald 20 Jahre und in der Zeit entstanden zahlreiche, wohl musikalisch recht vielseitige Veröffentlichungen. Ich muss sagen, dass ich den Namen zwar seit vielen Jahren kenne und sicher auch einzelne Stücke, aber sonst eigentlich ein Unwissender bin, was dieses spannende Projekt angeht. Dank Treue Um Treue habe ich nun auch meine erste TEATRO SATANICO-Platte und bin sehr angetan. Die Single im edlen Cover überzeugt mich vom ersten Anhören an. Die A-Seite „Ulrike Meinhof“ ist ein treibend-rhythmisches Stück, das in bester Tradition der frühen Sixth Comm-Sachen zu „Morthogenesis“-Zeiten steht. Schön hypnotisch und mitreißend. Auf Seite B wird „Ilse Koch“ besungen und das erinnert dann sehr stark an die Landsleute Pankow zu ihrer frühen Phase. Mir ist bis heute nicht ganz klar, warum Musiker aus dem weiten Industrial-Bereich oft so eine Faszination für selbsternannte Freiheitskämpfer, die ihre Ziele mit Mord durchsetzten (A) und Nazis (B) hegen. Das heißt sicher nicht, dass die Musiker selber Nazis oder Linksradikale sind, aber ein gewisser Beigeschmack bleibt oft, denn als Provokation taugt das schon lange nicht mehr. Gleiches gilt eigentlich für die Faszination von Charles Manson. Über das magisch-satanische Trara mag jeder denken, was er will, aber alles immer mit „Ironie“ erklären zu wollen, ist ein bisschen wenig.
Musikalisch jedenfalls sind beide Stücke auf dieser Single großartig und, ohne, dass ich den Musiker persönlich kenne und mir eine Meinung bilden kann, genieße ich die Musik erstmal und blende die diskussionswürdigen Themen zunächst aus.
Die Single erscheint bei unseren Freunden von Treue Um Treue, wie gesagt im sehr schicken Cover, leider ohne weiterführende Infos, die hier wünschenswert gewesen wären, in einer Auflage von 314 Exemplaren, wovon je die Hälfte in dunkel-silbergrauem- und goldfarbenem Vinyl kommen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

W.D. ROHR - Signale vom Mars


Erstveröffentlichung: Buch 1980 / Erich Pabel Verlag, Rastatt

Dr. Albertus und ein Team macht sich auf den Weg zum Mars. Zum ersten Mal werden Menschen ihren Fuß auf den Roten Planeten setzen. Tatsächlich schafft die Mannschaft es, bis dorthin zu gelangen, doch dann geschieht etwas Unerwartetes. Der Marsmond Deimos scheint zu explodieren, doch dem ist nicht so: Eine unheimliche Kraft zwingt das Raumschiff zur Landung und Albertus muss erkennen, dass der Mars nicht nur bewohnt ist, sondern dass die Zivilisation dort um einiges weiter entwickelt ist als die Menschheit. Ob die Marsbewohner auch friedlich sind? Als Chester Torre, Chef der Zeitung ""New World"" auf der Erde die Nachricht erhält, dass der Mond Deimos ohne jeden Zweifel ein Morse-SOS funkt, schickt man ein zweites Schiff auf die Reise...

Bei ""SIGNALE VOM MARS"" handelt es sich um einen Roman von Wolf Detlef Rohr, der im Jahr 1953 erschienen ist und zu seiner Reihe ""Planetenromane"" gehört. 1956 wurde es in der Reihe ""Luna Utopia-Roman"" noch einmal auf den Markt gebracht sowie 1980, kurz vor Rohrs Tod, erneut. Wie immer bei so alten Science-Fiction-Romanen kommt das Ganze hier herrlich retro und wunderbar altbacken daher, das Buch macht aber Spaß, speziell in den Augenblicken, wenn die Raumfahrer mit der Technik und den Roboterwesen auf dem Mars in Berührung kommen. Hier hätte man sich insgesamt noch ein wenig mehr Detailfreude gewünscht. ""SIGNALE VOM MARS"" spiegelt wieder einmal auf plastische Weise den Zeitgeist der 1950er Jahre wider, düstere und technikfeindliche Dinge bekommt man nicht geboten, man schaut noch mit freudigem Blick in die Zukunft, die Wohlstand verspricht. Und Frauen sind, ganz im Geist der Fünfziger, auch einfach nur so da. (H.H.)

ACCOLADE - Festivalia


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Private Release / Projekt Records

Auf dem Info zur selbst veröffentlichten Debüt-CD „Festivalia“ überschreibt das kalifornische Duo ACCOLADE seine Musik mit „Gothic – Renaissance – Dark Ethereal“ – und damit ist schon fast alles gesagt, denn genau das wird hier eine gute Stunde lang geboten. Allerdings wäre es falsch, die Band allzu schnell in der Schublade verschwinden zu lassen, denn dafür ist das Album einfach zu schön und sollte unbedingt mehrfach gehört werden. Die Mischung macht es: Der Gesang von Sängerin Stefanie Renee bleibt im Gedächtnis und steigert sich hier und da in fast schon Gläser zersprengende Höhen, was mir persönlich manchmal etwas zu weit geht. Die Musik von Aaron Goldstein ist stark vom Gothic-Rock, teilweise sogar vom Death-Rock beeinflusst, ergänzt von etwas elektronischem Dark Wave und Ethereal Wave, wie man ihn von Labels wie Projekt Records oder Middle Pillar kennt. Ein bisschen Neo-Klasik und Mittelalter-Klänge lassen auch Liebhaber des portugiesischen Equilibrium-Labels aufhorchen und sicher mögen die Beiden auch die Platten von Sopor Aeternus And The Ensemble Of Shadows. In den besten Momenten, wenn eine Mephisto Walz-artige Gitarre von Orgelklängen ergänzt wird und die Stimme nicht in allzu schrille Höhen entschwindet, hat dieses Album fast schon Klassiker-Potenzial. Hin und wieder klingt es ein bisschen wie Requiem In White – ohne aber natürlich ganz an die Klassiker des Hammer-Paares heranzureichen. Bewusst wird auch immer wieder eine Kirmes-Orgel benutzt, ebenso wie Walzer-Rhythmen.
Auch, wenn manches etwas zu klischeehaft für die musikalischen Welten, in denen ACCOLADE sich bewegen, erscheint und das Album etwas zu lang ist, ist es schön, zu sehen und zu hören, dass sich im amerikanischen Gothic-Underground noch etwas tut, denn in den letzten Jahren kam da nicht so richtig viel Interessantes. Ich werde ACCOLADE jedenfalls im Auge behalten und könnte mir vorstellen, dass da noch spannende Entwicklungen stattfinden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.accoladesf.com

SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Siouxsie & The Banshees - The Authorised Biography


Erstveröffentlichung: Buch 2003 / Sanctuary Publishing / ISBN 1-86074-375-7

Sanctuary Publishing – England – ISBN 1-86074-375-7

SIOUXSIE & THE BANSHEES gehören vielleicht zu den wichtigsten englischen Bands der letzten 40 Jahre. Als die Gruppe im Rahmen der großen Punk-Explosion 1976 ihren ersten Auftritt hatte, ahnte niemand, die Band selber wohl am wenigsten, was für einen einflussreichen Verlauf die Karriere nehmen würde.

Als Teil der ersten Punkwelle um die Sex Pistols fand die Gruppe schnell einen ganz eigenen Weg, der vom Punk („The Scream“) über Gothic-Rock („Join Hands“) und New Wave („Kaleidoscope“, „Juju“, „A Kiss In The Dreamhouse“) zum großen Pop („Peepshow“, „Superstition“) führte und eine ganze Menge Charthits („Dear Prudence“, „Cities In Dust“, „Peek-a-Boo“, „Kiss Them For Me“) mit sich brachte. Optisch hat wohl keine andere Sängerin den Stil der Gothic-Szene so geprägt, wie Siouxsie Sioux. Zusammen mit Bauhaus, Joy Division und The Cure haben SIOUXSIE & THE BANSHEES eine ganze Musikszene nachhaltig geprägt. So ist eigentlich verwunderlich, dass es nicht jede Menge Bücher gibt.

Zum Glück ist aber 2003 in England die autorisierte Biografie von Autor Mark Paytress erschienen, die auf knapp 280 Seiten die ganze Geschichte der Gruppe bis zur Reunion-Tour 2002 Revue passieren lässt.
Gut ist natürlich, dass es eine offizielle Veröffentlichung ist und der Autor deswegen auf Interviews mit allen Bandmitgliedern und vielen Wegbegleitern zurückgreifen konnte, wobei die Aussagen durchaus nicht positiv verklärend, sondern oft selbstkritisch und realistisch sind.

So ist immer wieder ausschweifender Drogen- und Alkoholkonsum ein Thema und die bandinternen Probleme, vor allem zur Zeit der letzten beiden Alben, werden nicht geschönt. Ganz offenbar ist, dass spätestens nach „Peepshow“ (1988) die Chemie nicht mehr stimmte und man eher krampfhaft versuchte, die Band am Leben zu erhalten.

Wie es in solchen Büchern oft ist, nehmen die Phase der Bandgründung und die ersten Jahre einen recht großen Teil des Buches ein, während die späteren Jahre eher kurz abgehandelt werden. Spätestens ab „Hyaena“ (1984) werden die einzelnen Alben, Tourneen und Besetzungswechsel recht nummernrevueartig erzählt. Oft denkt man sich, dass es doch viel mehr erwähnenswerte Ereignisse und Anekdoten geben müsste, über die zu schreiben sich lohnen würde. Wenn man bedenkt, dass die Band zum Zeitpunkt der Bucherscheinung bereits über 25 Jahre existierte, ist der Umfang von etwa 280 Seiten (inklusive über 60 Seiten Bildteil, Vorwort und Anhang) doch eher dünn.

Das ändert nichts daran, dass man eine Menge erfährt und zumindest die wichtigen Ereignisse der Bandgeschichte kompakt zusammengefasst werden. Leider ist der Bildteil nicht besonders umfangreich, da hätte man gerne mehr gesehen. Dafür ist der Anhang mit einem Personenverzeichnis, Stichwortregister, offizieller Discografie und einer sehr ausführlichen Gigografie recht informativ.

Dass es das Buch nicht als deutsche Übersetzung gibt, sollte kaum jemandem davon abhalten, es trotzdem zu kaufen, wenn man SIOUXSIE-Fan ist, denn mit normalen Schulenglisch-Kenntnissen dürfte man ohne größere Probleme den Inhalt und die Zusammenhänge – wenn auch sicher nicht jedes Wort – verstehen.
Für Fans ist das Buch auf jeden Fall ein Pflichtkauf, denn man erfährt hier vieles aus erster Hand. Aber auch Leute, die sich für die Geschichte der englischen New Wave-/Pop-Musik der Mitt-70er bis Früh-90er Jahre interessieren, erfahren hier eine Menge. (A.P.)

SIOUXSIE AND THE BANSHEES - The Seven Year Itch


Erstveröffentlichung: DVD 2003 / Wonderland / Sanctuary Records / SVED3025

Nach dem letzten regulären Album „The Rapture“ und der dazugehörigen Tour im Jahr 1995 trennte sich die Band SIOUXSIE AND THE BANSHEES. Das Kern-Trio Siouxsie Sioux, Steve Severin und Budgie hatte sich nichts mehr zu sagen, aber man war sich zumindest einig, dass die Band nichts mehr zu sagen hatte und so gingen Sioux und Budgie als The Creatures ihren eigenen Weg, während Steve Severin sich musikalisch ganz anderen Welten zuwandte und unter anderem Soundtrack-Musik schrieb und aufnahm.

Sieben Jahre später, im Jahr 2002 kam das Angebot, ein paar Reunion-Auftritte in Amerika zu spielen und es ist nicht ganz klar, ob es das verlockende Geld war oder ein Nostalgie-Gefühl, jedenfalls rauften die drei sich zusammen und vertrugen sich so gut, dass gleich eine ganze Tour daraus wurde. Voraussetzung war, hier nicht einfach ein „Greatest Hits“-Programm runterzuspielen, sondern das auf die Bühne zu bringen, was SIOUXSIE AND THE BANSHEES ausmachte, nämlich intensive, eigenwillige und kraftvolle Musik aus 20 Jahren Bandgeschichte. Zusammen mit dem ehemaligen Psychedelic Furs-Gitarristen Knox Chandler stand die Band ohne große Show (außer einer witzigen Einlage bei „Peek-A-Boo“) und Schnick Schnack (keine Keyboards, Streicher, Akkordeons oder sonst was) als Quartett auf der Bühne, nur begleitet von einer passenden Lightshow. Keine Frage, dass das Ereignis festgehalten werden musste und so wurde das Konzert vom 10. Juli 2002 in London als CD und DVD aufgenommen. Und der Zauber der Band lebte! Siouxsie Sioux bringt immer noch die unnahbare Ausstrahlung einer großen Diva genial auf die Bühne, Schlagzeuger Budgie hatte sichtbar Spaß, Steve Severin ist tief versunken in sein prägnantes Bass-Spiel (taut bei „Peek-A-Boo“ aber dann doch auf) und Knox Chandler ist vielleicht der beste Gitarrist in der Gruppe seit John McGeoch Mitte der 80er Jahre die Band verlassen hat.

Die Songauswahl spinnt den Bogen von Frühwerken wie „Pure“ und „Jigsaw Feeling“ über die legendärste Phase der Band mit Alben wie „Kaleidoscope“, „Juju“ und „Tinderbox“ bis hin zum innovativen „Peek-A-Boo“, was ausgesprochen unterhaltsam dargeboten wird. Die beiden Alben der 90er Jahre werden komplett außen vor gelassen (bis auf die 1992er B-Seite „I Could Be Again“), was nicht verwundert, entstanden sie doch nur noch unter schwierigen und verkrampften Umständen und spiegeln kaum das wieder, was SIOUXSIE AND THE BANSHEES tatsächlich darstellten. Natürlich fehlen jede Menge Klassiker, aber das ist bei einer so langen Bandgeschichte in einem 90 Minuten-Konzert ganz klar.

Verblüffend ist, dass die Band hier mehr nach Gothic klingt, als jemals zuvor, wo sie doch dieses Image immer rundherum abgelehnt hatte, aber „Jigsaw Feeling“, eigentlich ein Song aus der frühen Punk-Phase, klingt hier fast wie ein Vorzeigewerk für diesen Stil, „Icon“ war sowieso immer eine Gothic-Hymne und „Spellbound“ ist jenseits von Gut und Böse einzuordnen. Bandklassiker und Fan-Favoriten wie „Metal Postcard“, „Red Light“, „Happy House“, „Christine“, „Night Shift“ und „Monitor“ reihen sich hintereinander, ergänzt durch „Lullaby“, „Land´s End“, den Chart-Hit „Cities In Dust“, „Voodoo Dolly“ und das offenbar neue „Blue Jay Way“ (ein Beatles-Cover? Ich kenne mich da nicht so aus).
Ganz offenbar hat die Band Frieden untereinander und mit der eigenen Bandgeschichte geschlossen und kommt deswegen locker und völlig überzeugend rüber. Der Verlockung, einfach ein Programm nach kommerziellen Aspekten zusammenzustellen hat man widerstanden und stattdessen ziemlich gut herausgestellt, was SIOUXSIE AND THE BANSHEES ausgemacht hat. Ganz sicher hat man damit viele Fans, die man nach „Peepshow“ verloren hatte, wieder versöhnt und beendet die Bandgeschichte noch einmal mit einem absoluten Höhepunkt, so dass man mit erhobenem Haupt abtreten konnte.

Die DVD liefert das, nach „Nocturne“ von 1983, zweite veröffentlichte Livekonzert in sehr guter Bild- und Tonqualität ab und dürfte keine oder nur wenige Overdubs enthalten. Die Atmosphäre auf der (zum Glück) nicht überdimensionierten Bühne des Shepherds Bush Theaters in London wurde mit mehreren Kameras gut eingefangen und beim Schnitt hat man zum Glück nicht den Fehler gemacht, es modern-stakkatohaft zu schneiden, so dass man dem Auftritt problemlos folgen kann und die Bandmitglieder nicht nur sekundenweise zu sehen bekommt. Die Bandmitglieder sind zwar sichtbar älter geworden, haben sich aber allesamt gut gehalten, wobei Severin und Sioux immerhin bereits über 45 Jahre alt waren, als dieses Konzert aufgenommen wurde. Das sollen ihnen viele andere Altstars mal nachmachen.
Als Bonus zum kompletten Konzertmitschnitt gibt es einen Rundgang mit Budgie durch den verwinkelten Backstage-Bereich und ein paar Behind-The-Scenes-Aufnahmen vom Soundcheck und den Konzertvorbereitungen, unter anderem Siouxsie Sioux ungeschminkt! (A.P.)

NOVVA FALLA - Teslacar


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / F.K.K. / Kernkrach / FKK011

Alles neu im Hause F.K.K.? Seit einigen Platten fällt eine wavigere musikalische Ausrichtung auf, was aber natürlich auch Zufall sein könnte. Natürlich gibt es immer noch minimal-elektronische Musik zu hören. Wer auch immer diesmal hinter dem bislang unbekannten Projekt NOVVA FALLA stecken mag – und es ist bestimmt wieder ein Musiker, der mit anderen Bands/Projekten lange bekannt ist – diesmal wird es etwas experimenteller. Ich könnte mir vorstellen, dass hier The Normal und die frühen Klinik und Die Form ihre Spuren hinterlassen haben, dazu eine ordentliche Portion Ruhrpott-Wave der späten 80er Jahre und etwas Electro-Wave im Stile von Das Kabinette und ähnlichen Bands. Die A-Seite ist dabei eher was zum zu Hause hören – hätte aber auch gut auf den ersten „Zwischenfall“-Sampler gepasst - während die B-Seite noch minimaler ist, aber trotzdem auch die Tanzflächen einiger Minimal-Partys beschallen könnte. Ist gut, macht Spaß und klingt sogar einigermaßen authentisch alt, obwohl die Aufnahmen von heute stammen dürften. Wieder eine Platte, die nicht nur die jungen Minimal-Freaks erfreuen dürfte, sondern auch vor allem die Übriggebliebenen aus den 80er Jahren eine Träne der Rührung ins Knopfloch drücken wird.
Und das eigentlich Neue an dieser Platte, wie am Anfang erwähnt? Farblich neues Cover-Artwork! Dazu gibt es zwei gleiche Beiblätter in verschiedenen Größen und farbiges Vinyl und natürlich ist das alles wieder auf 150 Exemplare limitiert. Solide F.K.K.-Veröffentlichung, bei der Sammler der Reihe nichts falsch machen. (A.P.)

LA MORT DE L´HIPPOCAMPE - Symphonie Neuronale


Erstveröffentlichung: LP 2012 / Enfant Terrible/Verbascripta / Enfant21/Verba01

Unser niederländischen Freunde vom Enfant Terrible-Label haben sich schon immer neben der Veröffentlichung von Minimal-Electro und wavigen Klängen aus den 80er Jahren um schrägere, avantgardistische Sounds gekümmert und dabei einige bemerkenswerte Platten herausgebracht. Ich finde das sehr gut und kann diesem Konzept der Vielseitigkeit eine Menge abgewinnen. So mancher Minimal-Purist wird damit eher Probleme haben. Umso besser, dass Enfant Terrible sich da nicht beirren lässt. Hier ist durchaus eine gewisse Verwandtschaft mit dem lange verblichenen französischen Label Invasion Planete zu erkennen, das sich auch nicht in erster Linie um kommerzielle Verwertbarkeit gekümmert hat und stattdessen auch die eine oder andere eher schwer verdauliche Platte unters Volk schmiss. Und damit ist auch schon der Bogen zu LA MORT DE L´HIPPOCAMPE gespannt, denn hierbei handelt es sich um ein Projekt von Porn.Darsteller, der eben auch Anfang des Jahrtausends bei Invasion Planete veröffentlicht hat. Leider ist der Musiker wohl im Jahr 2011 verstorben, so dass dies und ein weiteres angekündigtes Album sein Vermächtnis sein dürfte.
„Symphonie Neuronale“ ist kein Pop, kein Wave, kein Industrial, kein Electro, aber doch von all dem beeinflusst. Es ist, wie der Titel schon sagt, eher an klassische Musik angelehnt, irgendwo zwischen Underground-Oper und Musiktheater. Verglichen wurde das schon mit Die Tödliche Doris, was von der Grundidee gar nicht mal so abwegig ist. Moderne Klassik-Komponisten wie Strawinsky, Stockhausen und Schönberg dürften auch ihren Einfluss hinterlassen haben. Entfernt könnte man auch an das französische Kunstprojekt Rosa Crux denken. Man ahnt es schon, hier wird schwer verdauliche Musik geboten, die aber durchaus fasziniert, wenn man sich darauf einlässt. Komischerweise kommt mir der Gedanke, dass solche Musik auch gut aus Island kommen könnte. Und erfreulich ist, dass die 250er Auflage dieser LP beim Label schnell ausverkauft war, es also offensichtlich doch einige Leute gibt, die auch ungewöhnlichen Klängen mal eine Chance geben. Neben der Limitierung überzeugt die Platte auch noch mit einem sehr speziellen Artwork und kommt in weißem Vinyl. Ein echtes Sammlerstück also. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

KARL GOTT - Jugend - Oh Süsse Jugend


Erstveröffentlichung: LP 2012 / WSDP / WSDP 124

Wie ein kleiner (weg gelassener) Buchstabe den Unterschied zwischen Schlager und New Wave ausmachen kann, zeigt die österreichische Band KARL GOTT. Um 1982 herum nahm die Gruppe in Wien einige Songs unter einfachen Bedingungen auf, steuerte ein Stück zum Film „Cafe Malaria“ bei und spielte hier und da live. Damit wäre die Band wahrscheinlich in ewiger Vergessenheit gelandet, wenn nicht in den 90er Jahren ihre Musik für die „Flieger“-CD-Sampler-Reihe ausgegraben worden und im Jahr 2012 auf WSDP diese schicke LP erschienen wäre. Die A-Seite enthält die wenigen Studioaufnahmen der Band (eine aus den 90er Jahren), die typischen Austro-Wave bieten, der sich von der gleichzeitig grassierenden NDW positiv abhob. Erinnert schon mehr an Blümchen Blau, Leider Keine Millionäre und ähnliche Bands, also einerseits eingängig, andererseits aber schräg genug, um hörenswert zu sein. Die B-Seite liefert dann einen nachbearbeiteten Livemitschnitt eines Konzertes von 1981 oder 1982. Dazu enthält die auf 150 Exemplare limitierte Platte ein Beiblatt mit den Songtexten und der Bandgeschichte, was sehr hilfreich ist, da man nach rund 30 Jahren kaum Infos über die Gruppe finden kann. Schön also, dass mal wieder deutschsprachige Musikgeschichte aufgearbeitet wird und der Sammler etwas in die Ohren bekommt, was zwar typisch für die damalige Zeit klingt, aber eben noch nicht zigmal verheizt worden ist. Ein Schönes Sammlerstück aus dem Hause WSDP. (A.P.)

MODURETIK - Ty/Ja


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / F.K.K. / Kernkrach / F.K.K.012

Stetig läuft die F.K.K.-Singles-Serie wie ein Uhrwerk weiter. Regelmäßig werden schicke (Minimal-) Electro/Synth-Pop-Platten von weitgehend unbekannten Bands und Projekten aus verschiedenen Ländern veröffentlicht. Diesmal stellt sich MODURETIK vor, ein Einmann-Projekt aus Tschechien, das sich ganz dem klassischen Minimal-Electro-Klang verschrieben hat. Zwischen The Normal, frühen No More, Transparent Illusion und vielen anderen alten Helden kann man den Sound von MODURETIK einsortieren. Das ist zwar nicht unbedingt originell oder gar innovativ, aber doch gut gemacht, so dass die beiden Tracks im Ohr bleiben. Guter Durchschnitt in der Serie, aber nach einigen wirklich großartigen Platten diesmal ein bisschen weniger auffällig. Limitiert auf 150 Exemplare, in verschiedenfarbigem Vinyl und mit Beiblatt, also alles wie immer. (A.P.)

DAS M - Vom Tanzboden In Den Narrenturm


Erstveröffentlichung: LP 2012 / Hertz-Schrittmacher / Kernkrach / Hertz 034

Schon die dritte Platte von DAS M aus Deutschland auf Kernkrach/Hertz-Schrittmacher. Das will schon was heißen. Kann man ja schon fast als „Haus“band des Labels bezeichnen. Nun hat DAS M aber offenbar auch ein nahezu unerschöpfliches Archiv an Material. Neben zahlreichen Tapes aus den 90er Jahren als DAS M gab es einige Nebenprojekte und sicher auch so einiges Unveröffentlichtes. Schön also, dass Kernkrach noch einmal eine Zusammenstellung aus verschiedenen Tapes gebastelt hat, denn der minimal-elektronische Sound ist ausgesprochen sympathisch und eingängig und soundtechnisch zudem auf sehr gutem Niveau im Gegensatz zu so manchen auf Vinyl wieder veröffentlichten Tapes aus den frühen 80er Jahren. Im Grunde hat DAS M einfach den guten alten NDW-Synth-Pop-Sound in die 90er transportiert, das heißt, es gibt einfache Synthie-Linien, Ohrwurmmelodien und witzige deutsche Texte. Sicher gehörten zu den Vorbildern Bands und Musiker wie Der Plan und Andreas Dorau in ihren poppigen Momenten. So ist es sicher kein Zufall, dass sogar eine Andreas Dorau-Coverversion auf der Platte ist. Aber auch eine ordentliche Prise New Wave wird immer mit reingepackt, so dass es nicht zu seicht wird.
Die LP kommt als sehr schöne Picture-Disc und ist auf 300 Exemplare limitiert. Die ersten 50 Exemplare davon kommen mit einer personalisierten Anpressung im schwarzen Vinyl, was zwar jetzt nicht unbedingt ein echter Mehrwert ist, Sammler aber natürlich trotzdem erfreuen dürfte. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

DIE ÄRZTE - Rock Classics-Sonderheft Nr. 7


Erstveröffentlichung: Buch 2012 / Rock Classics Magazin / Slam Media GmbH/MVZ

Ein neues ÄRZTE-Album, das verspricht höchste Chartsplatzierungen, gute Single-Auskopplungen mit meist noch besseren Videoclips und mindestens eine lange, ausverkaufte Tour. Kurz: jede Menge mediale Aufmerksamkeit. Keine Frage, dass hier und da jemand etwas von der Aufmerksamkeit abhaben möchte und auf den mit Volldampf fahrenden Zug aufspringt. Zum Beispiel das Musik-Magazin „Rock Classics“, das dem Anlass gleich mal ein Sonderheft widmet. Nach (brutto) 30 Jahren Bandgeschichte kann man das Berliner Trio BelaFarinRod tatsächlich schon zu den „Classics“ zählen, auch, wenn sie immer noch weitaus frischer klingen und relevanter sind, als die meisten aktuellen Gruppen.

Gut, dass auf der Titelseite nicht irgendwo „Alles über Die Ärzte“ steht, denn das wäre bei einem 132 Seiten-Heft verglichen mit dem vor einigen Jahren erschienenen Mammut-Standardwerk von Markus Karg über die Band doch sehr vermessen. Deshalb gilt: langjährige Fans der ÄRZTE werden hier kaum was Neues entdecken, abgesehen von aktuellen Interviews und Bildmaterial. Interessant ist das trotzdem allemal, zumal auch Interviews mit einigen frühen Wegbegleitern (Jäki Hildisch und Micky Meuser) geführt wurden. Dazu gibt es eine einigermaßen ausführliche Bandgeschichte, die bei der Vorgängerband Soilent Grün beginnt und Anmerkungen über die frühe deutsche Punk-Szene, dem Umfeld also, aus dem die Gruppe kommt. Weiterhin findet man eine Übersicht über einige der teuersten ÄRZTE-Sammlerstücke, eine kommentierte Album-Diskografie, ein paar Poster und eine große Verlosung, die allerdings kaum was mit der Band zu tun hat. Als besonderen Bonus gibt es dann noch eine CD, die allerdings mit den ÄRZTEn auch überhaupt nichts zu tun hat, außer, dass sie Musik enthält, die aus der gleichen Szene wie die Band kommt. Es handelt sich um eine Promo-CD des Labels Sireena, die einige Tracks des Samplers „No Fun“ und weiteren Veröffentlichungen des Labels enthält. Dabei sind Bärchen Und Die Milchbubis, Cretins, A5, Der Moderne Man, Daily Terror, Hans-A-Plast, Kaltwetterfront und Rotzkotz. Nettes Gimmick, das sicherlich vielen jüngeren ÄRZTE-Fans das erste Mal diese Musik zu Gehör bringt und erfreulich unkommerziell geraten ist. Wenn man damit nur ein paar junge Leute auf den richtigen Weg bringt, ist schon viel gewonnen.

Sicher ist dieses Heft für „harte“ ÄRZTE-Fans nicht allzu interessant, aber für alle, die noch nicht jedes Detail wissen oder sogar nur die Singles und vielleicht ein paar Alben kennen, ist es ein guter Einstieg. (A.P.)

POISON DWARFS - Labil


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Timezone Records / Timezone Distribution / TZ739

Die deutschen POISON DWARFS gehörten die ganzen 80er Jahre hindurch zu den sehr aktiven Bands der Cassetten-Szene mit zahlreichen Tape-Veröffentlichungen auf verschiedenen Labels, einer LP und jeder Menge Sampler-Beiträge. Die 90er und 00er Jahre hindurch legte man eine „Pause“ ein und begann in alter Besetzung 2010 mit der Fortführung des Projektes. Beeindruckendes Lebenszeichen ist nun die CD „Labil“, die aus nostalgischen Gründen auch in einer kleinen Cassetten-Auflage erscheint. Man will an alte musikalische Zeiten anknüpfen, dabei aber nicht aus den Augen und Ohren verlieren, dass eben 20 Jahre Lebenserfahrung und neue musikalische Einflüsse dazwischen liegen. So setzen sich Hans Castrup und Ralf-Dieter Dlubatz selber keine Grenzen. Heraus kommt eine Mischung aus Avantgarde-Wave, Krautrock, Noise-Rock und ein paar modernen Sounds, die sich kaum durchgehend mit anderen Bands vergleichen lässt. Klar kommen hin und wieder Gedanken an einzelne Bands auf, aber eben immer nur momentweise. Die Idee ist vielleicht mit dem „Alles geht“-Gedanken der „Genialen Dilletanten“ vergleichbar, nur, dass bei den POISON DWARFS natürlich durch die jahrzehntelange Erfahrung mehr musikalisches Potenzial dahintersteckt. Ein weiterer Eckpunkt wäre vielleicht der New Yorker No Wave der frühen 80er. Wer es konkreter braucht, sollte sich eine Mischung aus Legendary Pink Dots, Sonic Youth, This Heat, Nagorny Karabach und Sigur Ros vorstellen. Nicht möglich? Die Bands sind viel zu verschieden, um sie in einem Satz zu nennen? Die POISON DWARFS zeigen, dass es möglich ist. Allerdings ist das nur eine Annäherung an das, was man tatsächlich zu hören bekommt. Und obwohl das alles ziemlich schräg erscheint, ist das Album nicht „unhörbar“, man sollte ihm nur eine Chance geben und es vor allem mehrfach anhören. Natürlich wird „Labil“ niemals die Charts entern oder auch nur ein Kultalbum werden, aber auf jeden Fall ist die Musik wahnsinnig spannend und verbreitet den Geist der grenzenlosen Tapeszene mit heutigen Mitteln. (A.P.)

Webadresse der Band: www.poisondwarfs.wordpress.com

DEUTSCHDENCK - Kalter Lärm - Weiße Stille

Wiederveröffentlichung: LP 2012 / WSDP / WSDP 126
Erstveröffentlichung: MC 1980 / Eigenveröffentlichung

Die Vielseitigkeit der frühen deutschen Cassetten-Szene Anfang der 80er Jahre hat zur Folge, dass auch die Veröffentlichungen des Labels WSDP entsprechend vielseitig sind. Gut, dass sich der liebe Franck nicht nur auf einen bestimmten Stil konzentriert, also zum Beispiel, NDW, New Wave, Industrial, Avantgarde oder Minimal-Elektronik, sondern allen einen gewissen Raum einräumt. Da kommen dann so schräge Sachen wie DerPilz/Der Dritte Schritt, Der Kohlenklau oder P16.D4 neben Sugalo und Andi Arroganti oder Gorilla Aktiv neben DEUTSCHDENCK. Die LP von DEUTSCHDENCK dürfte eine der frühesten deutschen Cassetten-Veröffentlichungen wiedergeben und stammt bereits von 1980. Mit dabei war Krupps-Mann Ralf Dörper, wenn ich es richtig verstehe. Während die Krupps aber die tanzbaren Möglichkeiten der neuen Synthie-Welt ausprobierten, gibt es bei DEUTSCHDENCK reine Experimente Da wird an den analogen Synthesizern gedreht, geschraubt, geregelt, gesteckt und heraus kommen schräge, ultraminimalistische Klänge, die nicht eingängig aber doch extrem faszinierend sind. Purer Experimentierwille und Improvisationslust. Eine Version von Dörpers „Eraserhead“ ist auch dabei und der Film könnte im Prinzip die Verbilderung der „Musik“ von DEUTSCHDENCK sein. Das ist schwer verdaulich und wohl kaum was für reine Minimal-Electro- oder NDW-Freaks, aber auf jeden Fall eine extrem spannende Aufarbeitung deutscher Underground-Musik-Geschichte. Selten hat ein Titel so gut zur Musik gepasst wie bei „Kalter Lärm – Weiße Stille“. Natürlich ist die Platte wieder extrem limitiert und wird sehr schnell vergriffen sein. Hoffen wir, dass die wenigen Exemplare auch wirklich bei Leuten landen, die sich dafür interessieren und nicht nur eine „Wertanlage“ haben wollen. (A.P.)

THE SURREAL FUNFAIR - Navigation Lost


Erstveröffentlichung: 12 Inch Boxset 2012 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB007

Sascha Beyer aus Berlin macht seit vielen Jahren Musik, sei es in Bands wie Chromatron (fantastische Single auf NLW!), unter dem Namen Sick oder mit seinem langjährigen Soloprojekt THE SURREAL FUNFAIR. Tatsächlich haben wir bei NLW vor kurzem überlegt, das Stück „Mono“ als schicke kleine Vinyl-Single zu veröffentlichen. Umso schöner, dass unsere Freunde von No Emb Blanc/Genetic Music die gleiche Idee hatten und daraus gleich ein komplettes Album gemacht haben. Bei „Navigation Lost“ handelt es sich um eine Zusammenstellung von Titeln verschiedener Eigenveröffentlichungen von THE SURREAL FUNFAIR, wobei man aufgrund der musikalischen Vielseitigkeit kaum von einer „Best Of“ sprechen kann. Die Auswahl der Stücke dürfte ziemlich subjektiv sein und enthält – kaum verwunderlich bei No Emb Blanc – Stücke, die irgendwie im weitesten Sinne New Wave sind, mit Einflüssen aus Minimal-Electro, Soundtrack-Musik und experimentellen Anklängen. Im Info zur Veröffentlichung steht ganz richtig „experimental but catchy“ und Vergleiche werden mit den Residents, den Legendary Pink Dots und Musik aus Tim Burton-Filmen gezogen. Mich erinnert ein Stück wie „Winnetou 1“ aber auch an frühe Sachen vom Mute-Label, Fad Gadget dürfte Sascha Beyer sicher auch beeinflusst haben. Auch der Bandname selbst gibt Hinweise darauf, was den Hörer erwartet. Dabei ist auch immer ein angenehmer Skurrilitäts-Faktor, der wahrscheinlich einen größeren Bekanntheitsgrad bisher verhindert hat. Hoffentlich ändert sich das mit dieser schicken Veröffentlichung, die als LP mit zusätzlicher CD (gleiche Tracklist) kommt. Ich bin No Emb Blanc wirklich dankbar, dass die den Mut aufbringen, so ein ungewöhnliches Album zu veröffentlichen, denn eine bestimmte Käuferschicht spricht man damit eher nicht an. Stücke wie „Winnetou 1“ und das geniale „Mono“ (The Normal-Fans sollten aufhorchen!) dürften aber auf jeden Fall auch Minimal-Electro-Freaks erfreuen, ansonsten müssen auch Freunde von gutem alten New Wave-Sound ein Ohr riskieren. Mich erinnert es irgendwie an die „In Strict Tempo“-LP von Dave Ball – und das ist ja nun wirklich ein Klassiker! (A.P.)

Webadresse der Band: www.no-emb-blanc.com

FRIEDRICH MYTHOS UND TRAGöDIE - Mythos und Tragödie Musical


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012 / Spotlight Musicalproduktion

Friedrich – Mythos und Tragödie
„Sanssouci“ oder: „Mein Traum von Freiheit“

"Welturaufführung am 01.06.2012 Metropolis Halle Potsdam

In einer fulminanten Welturaufführung präsentierte die spotlight Musicalproduktion ihr neuestes Kind, „Friedrich – Mythos und Tragödie“ unweit des traditionsreichen Filmparks Babelsberg. In Laufweite zur Wirkungsstätte des Alten Fritz durfte das Publikum eintauchen in das Leben des so zwiespältigen Menschen Friedrich des Großen.
Nach einem kleinen Sektempfang im Foyer des Theaters, bei welchem unter anderem Stars und Sternchen aus Politik, Fernsehen und Musik gesichtet wurden, hob sich der Vorhang und gab den Blick frei auf eine 20m umfassende, zweckmäßige und repräsentative Bühne. Der alternde König, Friedrich der Große, überzeugend umgesetzt von Chris Murray, diktiert, alt und verbittert, in seinem Schloss Sanssouci einem Biographen gerade seine Autobiographie, als er jäh unterbrochen wird. Ein Geist aus den frühen Jugendtagen, der General Hans Hermann von Katte, tritt zu ihm und zwingt ihn das schmerzlichste Ereignis seines Lebens, – die Hinrichtung seines Freundes, noch einmal zu durchleben. Der König, weder als gealterter Mann, noch als junger Mann – gespielt von Tobias Bieri – schafft es, ohne das Gefühl der Schuld hier zusehen zu können.
Das Musical geht nun der Frage nach, was den Freigeist des jungen Kronprinzen Friedrich so gebrochen hat, dass er schließlich im Alter so allein und verbittert geworden ist. Die Antwort wird in den frühen Jugendtagen gesucht, und so sehen wir den jungen Kronprinzen im Kreise seiner Familie. Während seine Mutter seiner Schwester Wilhelmine und ihm die Sitten des englischen Hofes und Etikette beibringt, besitzt der Vater den preußischen Kasernenton und verlangt von seinem späteren Nachfolger bereits mit 6 Jahren Gehorsam und Disziplin. Für die musische und literarische Begeisterung seines Sprösslings hat er nichts übrig und hält diese Vorlieben nur für eine Art Revolte gegen seine Autorität. Einzig die Schwester Wilhelmine – gespielt von Elisabeth Hübert- scheint die feinsinnige Seite des Bruders zu teilen und so musizieren beide heimlich und unbeobachtet. Eine Option zum Ausbruch aus der Enge und der Engstirnigkeit Preußens bildet ein Besuch am sächsischen Hof von August dem Starken. Als Aufpasser auf Kronprinz und -prinzessin ist vom Vater der preußische General Hans Hermann von Katte eingesetzt, welcher für Friedrich zum besten Freund und für Wilhelmine sogar zum Liebhaber wird. Der herrische Vater freilich weiß von dieser Liebschaft seiner Tochter nichts, bemerkt aber die Freundschaft Kattes zu seinem Sohn. Als der Kronprinz nach Preußen zurückkehrt, zeigt er sich als jugendlicher Rebell, geprägt von den aufklärerischen Gedanken seiner Zeit, der sich über die starren Regeln und Regimenter seines Vaters hinwegsetzt. Es bleibt nur eine Frage der Zeit bis dies zum Konflikt mit seinem Vater führt, dem die Rhetorik seines Sohnes zuwider und suspekt erscheint. Als er diesen schließlich vor versammeltem Regiment und Hof fast zu Tode prügelt und als „die Schande Preußens“ tituliert, eskaliert das Verhältnis und der junge Kronprinz plant die Flucht mit seinem Freund Katte nach England zur Familie seiner Mutter. Leider wird dieser Fluchtplan vereitelt und der Soldatenkönig bezichtigt seinen Sohn vor Gericht des Hofverrats. Wenn der junge Friedrich auf die Erbfolge verzichtet, würde der Vater über diesen hinwegsehen, Friedrich wiederum verweigert ihm diese Option, denn „ich habe keinen Treueeid geschworen, ich bin nicht für die Uniform geboren!“
Das Gericht verweigert die Zuständigkeit und so obliegt es dem Vater selbst, seinen Sohn zu bestrafen. Als der Soldatenkönig begreift, dass er nicht ohne Ansehensverlust seinen Sohn hinrichten lassen könnte, wird ihm ein Beweisstück zugespielt zur Beteiligung von Hans Hermann von Katte an der Flucht. Der König sieht seine Chance gekommen, seinen Sohn zu brechen und beschließt die Hinrichtung Kattes und zwingt den jungen Prinzen dieser Hinrichtung von seiner Zelle aus zuzusehen.
Bis hierhin brilliert das Musical durch einfache Bühnenwechsel und opulente Kostüme, welche die Stimmgewalten der Darsteller im besten Sinne noch unterstützen und unterstreichen konnten. Der Zuschauer wird hineingezogen in eine Familiengeschichte und durchleidet die Hinrichtung des jungen Katte im Sessel mit. So tragisch diese Geschichte ist, so sehr unterhält sie auch durch durchdachte Choreographien, gepaart mit Humor und Augenzwinkern. Immer dann, wenn der Vater als der Übermensch über den Wünschen des jungen Friedrich steht, hebt sich eine überdimensionierte Preußenuniform über die Bühne und steht mit hohem Symbolgehalt alles überthronend über der Szenerie. Der Schatten der Uniform wirft einen Schatten auf die Bühne und ihre Akteure, die gleichwohl gefangen sind in der „Wüste Brandenburg“, wie sie der junge Kronprinz nennt. Als Friedrich schließlich selbst König wird, betäubt er seinen Schmerz über den Verlust des Freundes durch das Streben nach Ruhm auf dem Schlachtfeld und wird zu Europas führendstem Feldherren. Sein „moderner Wellnesstempel“, wie es Voltaire im Musical nennt, wird zum Rückzugsort des Königs, in dem er scheinbar „sorgenfrei“ der Welt trotzen kann. In Altherrenrunden und mit Philosoph Voltaire - hinreißend amüsant gespielt von léon van Leeuwenberg, debattierend gibt er sich als aufgeklärter Monarch und ist im Herzen doch einsam. Seine Schwester Wilhelmine ist nach Bayreuth verheiratet worden und ihm genauso wie Katte entrissen worden. Als diese den alternden König in Sanssouci besucht, erkennt sie ihren Bruder nicht wieder. Hier setzt das Musical auf die großen Gefühle und rührt den Zuschauer zu Tränen, denn all die hohen Wünsche und Ziele des jungen Friedrich scheinen der Bitterkeit gewichen zu sein. Chris Murray brilliert, gibt den zynischen, menschenverachtenden Griesgram, der so ganz und gar zu dem geworden ist, was er selbst nie sein wollte. Voller Trauer über sich selbst und Verzweiflung erkennt der gealterte Monarch „Vater – vor dir steht dein Sohn, dein Ebenbild!“ Dieser Satz erzeugte Gänsehaut und macht deutlich, wie sehr aus dem Feingeist ein so zwiegespaltener Mensch werden konnte! Erst im Sterben findet der Monarch sein „Sanssouci“ und die Vergebung seines Freundes Katte, der Friedrich im Moment des Sterbens sagt „Es war nicht deine Schuld!“
Der Spagat zwischen historischer Treue und Bühnenadaption ist überzeugend gelungen und sowohl Bühnenausstattung, als auch Kostüm und Requisite haben ihren Anteil an der mitreißenden Gesamtinszenierung. Die schauspielerischen Leistungen sind alle samt zu loben, so lebt Chris Murray als alternder König seine Rolle und brilliert stimmlich. Drei Jahre lang, so sagte er zur Premierenfeier, hat er sich mit „dem Großen Fritzen“ beschäftigt und betrachte es als eine Ehre, ihn nun verkörpern zu dürfen. Tobias Bieri als junger Friedrich ist ein überzeugender Sympathieträger, was sicherlich auch an seiner Ausstrahlung nebst Stimme liegt. Elisabeth Hübert als Wilhelmine wusste das Musicalpublikum bereits als „Jane“ im Musical „Tarzan“ in Hamburg zu überzeugen und schafft dies erneut in Potsdam.
Das Publikum würdigte die Leistung des Ensembles und des Teams der Spotlight Musical Production mit donnerndem Applaus und nicht zuletzt Standing Ovations. Auf der anschließenden Premierenfeier wurden die Stars des Abends immer wieder um Autogramme und Erinnerungfotos an einen wahrlich „Großen“ Abend gebeten und regelrecht belagert. Das Musical ist in Potsdam angekommen und kann sich „sorgenfrei“ auf einen Monat Spielzeit in Potsdam freuen!
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.spotlight-musical.de

NEW ORDER - Berlin, Tempodrom


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012-06-21

Ich habe sie fast alle gesehen, meine großen musikalischen Helden. The Cure, ungefähr zehnmal, Soft Cell zweimal, ebenso wie Deutsch Amerikanische Freundschaft und Fehlfarben, außerdem Ultravox, Depeche Mode, OMD, Christian Death, Human Leagu, Yazoo, Kraftwerk, Einstürzende Neubauten, Morrissey, The Damned, Blondie, Misfits, New Model Army, Siouxsie And The Banshees, Slime, Test Dept., Dead Can Dance, Cocteau Twins, The Sisters Of Mercy, Phillip Boa, The Pogues und Die Erde. Da fehlt nur noch wenig, was mich wirklich noch reizt. Joy Division ist unmöglich, The Smiths extrem unwahrscheinlich. Bleibt NEW ORDER, eine der absolut großartigsten Bands aller Zeiten.

Seit Jahrzehnten warte ich darauf, dass sich die Gelegenheit bietet, diese Legende, die mit „Blue Monday“ unter anderem die meistverkaufte Maxi-Single der Musikgeschichte veröffentlicht hat und nachhaltigen Einfluss auf die Popmusik hatte, live zu erleben. Zahlreiche bekannte Livemitschnitte der letzten 30 Jahre und einige ausgesprochen gelungene Live-DVDs versprachen ein großes Erlebnis und als für Juni 2012 ein Konzert im Berliner Tempodrom angekündigt wurde, war es für Haiko und mich keine Frage, ob wir umgehend Eintrittskarten besorgen sollten. Gleich noch Lars mit verpflichtet und am Donnerstag, 21. Juni 2012 standen wir pünktlich zum Einlass um 19 Uhr vor dem Berliner Tempodrom im Nieselregen. Schnell trafen wir den ersten Hamburger Bekannten und sinnierten darüber, ob der Altersschnitt des Publikums nun über 35 oder doch über 40 lag. Wir einigten uns auf Letzteres.

In der Halle sicherten wir uns gleich gute Sitzplätze auf der Empore und lauschten dem DJ, der live vor sich hin mixte. Dabei kam durchaus einiges Interessantes heraus, allerdings viel zu laut und nach einer halben Stunde fing es an, zu nerven. Nach einer Stunde wurde es unerträglich. Nicht nachvollziehbar, wie Millionen Menschen sich so etwas nächtelang anhören können…Haiko meinte, er verstehe jetzt, warum Drogen in der Technoszene so weit verbreitet sind. Nun, man hat schon schlimmere DJs im Vorprogramm erlebt, so den beim Hamburger DAF-Konzert 2003.

Kurz vor halb Neun war der Mischpult-Mensch dann fertig und New Order betraten unter großem Jubel des Publikums in der sehr gut gefüllten Halle die Bühne und legten wenig überraschend mit „Elegia“ und „Crystal“ los. Es folgten „Regret“ und die allererste Single „Ceremony“, die noch ursprünglich von Joy Division stammte. Als mit „Isolation“ der erste alte Joy Division-Song kam, war der Bann gebrochen und das Publikum begeistert. Die Band wurde auch lockerer und es entwickelte sich ein wirklich tolles Konzert. NEW ORDER wissen, was ihre Fans sich wünschen und liefern ziemlich genau das ab, nämlich eine Mischung aus allseits beliebten Singles wie „Thieves Like Us“, „Bizarre Love Triangle“, „True Faith“, „Krafty“ und „The Perfect Kiss“ und legendären Album-Tracks wie dem unsterblichen „Age Of Consent“ und „5 8 6“. Als nach knapp einer Stunde die ersten Takte von „Blue Monday“ durch die Halle peitschten, war die Masse nicht mehr zu halten, der Höhepunkt war aber direkt danach eine unfassbar grandiose Version von „Temptation“, die alleine die Reise lohnenswert gemacht hätte. Nach kurzem, obligatorischem Zugabe-Gerufe kam die Band, sichtbar gut gelaunt, noch einmal auf die Bühne und spielte die beiden Joy Division-Klassiker „Transmission“ und „Love Will Tear Us Apart“. Die Halle kochte und ich hatte Gänsehaut, denn ich hätte kaum zu hoffen gewagt, dass ich „Love Will Tear Us Apart“ in meinem Leben von immerhin der Hälfte der Joy Division-Originalbesetzung live hören dürfte. So wäre dies ein guter Moment zum Sterben gewesen, ich habe mich aber entschlossen, doch weiter zu leben, um wenigstens noch diese hemmungslos subjektive Konzertkritik zu schreiben.

Nach gut 70 Minuten war es dann auch schon wieder vorbei. Wir hatten es nicht anders erwartet, denn NEW ORDER waren noch nie bekannt dafür, mehrstündige Konzerte zu geben. Auch, wenn der Sound zum einen deutlich zu laut und zum anderen etwas „matschig“ abgemischt war, waren jedoch alle mit dem Auftritt mehr als zufrieden, denn es wurde ziemlich genau das geboten, was man erwartet hatte. Und das war eben genau das, was man sich gewünscht hatte. Ein rundum gelungener Konzertabend also und zumindest für mich gibt es jetzt kaum noch eine Band, für die ich viel geben würde, um sie live zu sehen. Meine alten „Helden“ habe ich sozusagen recht vollständig „abgehakt“. Allerdings würde ich jederzeit wieder auf ein NEW ORDER-Konzert gehen, wenn sich die Möglichkeit ergibt und ich würde das auch jedem, der fragt, empfehlen. So was nennt man dann wohl „Legende“! (A.P.)

NOVY SVET - ...Into Your Skies


Erstveröffentlichung: LP 2011 / Reue um Reue / TuT/RuR / R.u.R.019

Gut 10 Jahre werkelte das österreichische Industrial/Neo-Folk/Minimal-Projekt NOVY SVET an seiner ganz eigenen Idee von Musik und hat in der Zeit auf verschiedenen Labels jede Menge Schallplatten, CDs und Tapes veröffentlicht, die sehr unterschiedlich klingen.
Nachdem das Duo 2008 angekündigt hat, keinen neuen Platten mehr aufzunehmen, ist nun die Zeit angebrochen, die Archive zu plündern und das befreundete Label Reue um Reue macht den Anfang mit einem Album, das ursprünglich zwischen 2001 und 2003 mit englischsprachigen Folksongs geplant war, aber nie erschienen ist.
Die Songs sind sehr reduziert, durchgehend mit Akustikgitarre instrumentiert und ziemlich entspannt. Auch, wenn man es eigentlich vermeiden möchte, kommt doch immer wieder der Vergleich mit den großen Namen der Apocalyptic-Folk-Szene auf, namentlich Death In June und Current 93. Deren Einfluss auf das Neo-Folk-Genre ist einfach zu prägend und übermächtig, so dass jede Gruppe dieser Richtung unwillkürlich mit ihnen verglichen wird.
Ich bin kein großer Fan von Gitarrengeklimper und Lagerfeuer-Romantik mit bedeutungsschwangeren Texten. Wenn ich dann doch mal Lust auf solche Klänge habe, lege ich gerne Bands auf, bei denen es etwas für mich Neues zu entdecken gibt. Und da mir von NOVY SVET bisher eben eher experimentelle, elektronischen und ambiente Klänge geläufig waren, ist es immerhin interessant, so eine andere Seite der Österreicher kennenzulernen. Die Songs sind schlicht und mit absolut spärlichen Mitteln aufgenommen worden, zudem sind sie überwiegend kurz und fangen somit nicht an, zu nerven. Manches wirkt sogar noch ein wenig unfertig. Mein bevorzugter Musikstil wird Neo-Folk aber dadurch auch nicht werden.
Mein Wohlwollen steigt bei Veröffentlichungen von Treue um Treue/Reue um Reue aber immer auch durch das ausgefeilte, oftmals mehr als grandiose Artwork, das immer auch zeigt, dass Künstler und Label sich Gedanken darüber machen und viel Liebe hineinstecken. „..Into Your Skies“ kommt im schwarzen Vinyl in einer wunderschön gestalteten Hülle, die sich zu einem Riesenposter ausfalten lässt und in drei unterschiedlichen Farbvarianten erscheint. Die Auflage ist auf gut 500 Exemplare limitiert. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

CEREMONY - Safranin Sounds

Wiederveröffentlichung: Doppel-LP 2012 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB006
Erstveröffentlichung: CD 2012 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB006

Mit dem schönen Debütalbum der Gitarren-Wave-Band Curious hatte Genetic Music vor einigen Jahren schon mal probiert, seine Käuferschaft auch für andere Klänge als Minimal-Electro zu begeistern Leider war das wohl damals nicht besonders erfolgreich und so verschwand dieser Sound wieder aus dem Programm. Zumindest gab es erstmal keine weiteren Veröffentlichungen von jungen Gitarren-Bands. Mit dem Schwester-Label No Emb Blanc hat man jedoch eine Plattform geschaffen, auf der man ein bisschen mehr experimentieren kann. Das kann warmer, gar nicht so minimaler Electro-Sound sein oder eher schräger Wave wie The Surreal Funfair oder eben jetzt ein Gitarren-Wave/-Rock-Album wie das von den beiden Amis CEREMONY.
Die CD/Doppel-LP enthält zwei ältere selbstveröffentlichte CD-Rs, ergänzt durch zwei (CD) beziehungsweise vier (Doppel-LP) bisher unveröffentlichte Songs.
Bandname und Cover-Artwork lassen natürlich gleich Gedanken an Joy Division und Factory Records aufkommen und das ist sicher auch gewollt. Im Info wird die Musik als „Shoegaze/Indie“ bezeichnet, was natürlich stimmt, wenn man den typischen Indie-Sound meint, der Ende der 80er/Anfang der 90er durch die Musiklandschaft geisterte. Also oft gitarren-poppiger Sound, der noch stark vom Wave beeinflusst war, aber eine herrliche Leichtigkeit besaß und von Labels wie Creation, 4 AD, One Little Indian oder Rough Trade (auf der „Music For The 90s“-Sampler-Serie) verbreitet wurde.
CEREMONY bewegen sich irgendwo zwischen The Jesus And Mary Chain, Slowdive und dem „Madchester“-Sound der frühen 90er, mal eher atmosphärisch mit schön wavigen Gitarren, mal schon fast alternative-rockig, gelegentlich auch düster. Andere Eckpunkte könnten die S-Haters, For Against und James sein. Die Melodien und die Gitarren erinnern auch oft an die fantastischen The House Of Love oder man stelle sich vor, The Cure würden Songs von Sad Lovers And Giants covern. Mit „Eurotrain“ gibt es sogar eine kleine Hommage an „Dr. Avanlanche“, die gute alte Sisters Of Mercy-Drum-Machine. Neben so einigen elektronischen Momenten gibt es sogar klitzekleine Gothic-Rock-Anleihen zu hören.
Zugegeben, meine Beschreibung lässt nicht unbedingt darauf schließen, dass CEREMONY etwas völlig Neues, Eigenständiges geschaffen haben, aber das ist wohl auch gar nicht die Idee hinter dem Projekt. Vielmehr glaube ich, die beiden Musiker wollen mit CEREMONY einfach vielen ihrer alten Helden huldigen und eine Art von Gitarren-Wave am Leben erhalten, den man heute nur noch selten zu hören bekommt, der aber immer noch eine Menge Fans hat. Niemand hat behauptet, dass die Gruppe einen Innovationspreis gewinnen möchte. Stattdessen dürfen Fans solcher Musik sich voll in die Klänge fallen lassen, ich jedenfalls bin begeistert und verdrücke ganz heimlich die eine oder andere Nostalgie-Träne, wenn gerade keiner hinguckt. Vor einigen Tagen New Order live gesehen und heute so ein herrliches Album gehört…kann die Woche noch besser werden? (A.P.)

Webadresse der Band: www.no-emb-blanc.com

THE JELLY BOYS - Love Like Bombs EP


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2010 / Eigenveröffentlichung

Melody-Punk kennt man ja eigentlich vor allem aus Kalifornien, um mal das Klischee zu bedienen. Im Laufe der letzten 20 Jahre haben sich aber natürlich weltweit Bands gegründet, die diesen Stil am Leben erhalten. Zum Beispiel die seit 2009 aufspielenden THE JELLY BOYS vom Bodensee. Ganz richtig nennt das Infoblatt die Musik dann auch „California Punkrock vom Bodensee“ und das ist sympathisch, denn hier wird gar nicht erst versucht, die Musik der Jungs als die große musikalische Innovation darzustellen. Das wäre auch vermessen, denn es gibt eben schön melodischen Punk zu hören, der gut losrockt, eingängig ist aber trotzdem ein paar Ecken und Kanten behalten hat. Da wird es auch gerne mal etwas schepperig, was aber gerade das Gute ist. Mit Sicherheit macht das im örtlichen Jugendzentrum live wahnsinnig viel Spaß und mal ehrlich: Punks sind ja eher konservativ, was die Musik angeht, große Experimente und andere Einflüsse sind zumindest live gar nicht so willkommen. Das deutsche Trio steht zu dem, was es macht, nämlich Punk, der wie eine räudige Kombination aus vielen bekannten Bands klingt, von Blink 182 über Green Day und Bad Religion bis hin zu den Bates. Und sicher haben die Jungs auch die eine oder andere Misfits-Platte im Schrank. Macht Spaß, bleibt eine Weile im Ohr und man hat anschließend ein Lächeln im Gesicht. Zudem gibt es die 4-Song-EP inzwischen als kostenlosen Download…was will man also mehr?

Webadresse der Band: www.myspace.com/jellyboys

EGOTRIP - Egotrip


Erstveröffentlichung: CD 2010 / 7Music/7Hard

EGOTRIP als „Band“name eines Musiker auf Solopfaden von der eigentlichen Gruppe ist nicht besonders innovativ, zumal der hier verantwortliche Thorsten Dietrich natürlich auch nicht der erste ist, der auf diese Idee gekommen ist. Dietrich spielt sonst bei der hessischen Punkband Nevermind und wird im Info zu dieser Solo-CD „Fuldas Antwort auf Bela B.“ genannt. Die Musik wird dann auch noch als „Punk Rock für Fans von Ärzte oder Tote Hosen“ beschrieben und damit dürfte klar sein, was einen erwartet. Rockiger Sound zwischen Punk und Pop mit deutschen Texten. Dazu immer mal wieder punkuntypische Instrumente und persönliche, leicht kritische und nachdenkliche Texte, aber keine offenen politischen Inhalte. Das ist eingängig, unterhaltsam und solide, aber ehrlich gesagt bleiben die Songs nach dem Hören nicht lange hängen. An die großen Vorbilder, ich würde mal vorsichtig Wizo und vielleicht Die Heiligen 3 Könige (aus den 90ern, nicht die NDW-Band) ergänzen, kommt EGOTRIP niemals heran und ich weiß nicht, ob es nicht eher schädlich ist, im Info solche Größen zu nennen, weil ja doch Erwartungen geweckt werden. Zudem ist das alles auch etwas sehr glatt produziert, so dass viele Tracks eher an angesagten Deutsch-Pop als an Punk erinnern, aber vielleicht ist das ja die Schiene, die hier gefahren werden soll. Für meinen Geschmack fehlt einfach ein bisschen Rotzigkeit, so ist das Album zwar sehr okay – zum Beispiel Songs wie „Flamme“ und besonders „Eine Zeile“ - aber schnell wieder vergessen. (A.P.)

CLASSIC AM GENDARMENMARKT - Classic Open Air 2012


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012

Classic am Gendarmenmarkt 05.06. – 09.06. 2012 Berlin

In wenigen Tagen wird das historische Herz Berlins und der wohl schönste Platz der Stadt, der Gendarmenmarkt zum nunmehr einundzwanzigsten Mal zum beeindruckenden Schauplatz des Open Air Festivals „Classic am Gendarmenmarkt“. An hoffentlich lauen Sommerabenden werden Fans von Oper, Operette, Tanz und Musical auf ihre Kosten kommen und mit Sicherheit unvergessliche Konzertabende erleben.
Der erste Abend steht ganz im Zeichen von Opernarien und –duetten, denn mit der „First Night – Best of Classics“ am 05.Juli 2012 um 19.30 Uhr wird der Moderator Herbert Feuerstein einen Abend lang die Melodien präsentieren, welche weltweit den Weg in die Herzen der Menschen gefunden haben. Die musikalische Palette des Eröffnungsabends erstreckt sich von der berühmten Rigoletto-Arie „La Donna é Mobile“ über George Bizets „Habanera“ aus der Oper Carmen bis hin zu den unvergessenen Melodien Leonard Bernsteins und der West Side Story. Vorgestellt werden die Evergreens an diesem Abend in solistischen und Ensemblebildern, geistvoll zusammengehalten vom „Altmeister des Entertainments“ Herbert Feuerstein. Mit Hilfe von Orchester, Solisten, Chor und einem Feuerwerksfinale über dem Dach des Konzerthauses wird für das Publikum ein fulminanter Auftakt gegeben.
Am zweiten Abend mit dem Titel „Dance Dance Dance“ am 06.Juli 2012 19.30 Uhr wendet sich das Festival den unterschiedlichen Facetten des Tanzes zu, und wird in einer mitreißend – fetzigen Show verschiedene Tanzstile vom klassischen Ballett über modernen Ausdruckstanz bis hin zu Breakdance präsentieren. Tänzer und Tänzerinnen des Deutschen Fernsehballetts, des Ballettensembles des Anhaltischen Theaters Dessau und der Staatlichen Ballettschule Berlin gestalten für Sie diesen Abend und werden dabei durch ein echtes Highlight unterstützt. Die Berliner Formation „The Flying Steps“ unterbrechen extra ihre ausverkaufte Europa Tournee und präsentieren ihre Breakdance Performance „Red Bull Flying Bach“ – eine Interpretation von Bachs „Wohltemperierten Klavier“. 2010 gewannen sie hierfür den Echo Award und gelten als die erfolgreichste Urban Dance Crew weltweit. Für die musikalische Umsetzung zeichnet sich die Neue Elbland Philharmonie, verstärkt durch die Band Rumpelstil, verantwortlich. Akustisch wird das Publikum des Abends Tschaikowskis Schwanensee neben Ravels Bolero hören und Musicalhymnen neben elektronischen Beats!
Am Samstagabend dem 07. Juli 2012 verwandelt sich der Gendarmenmarkt in die Toskana, denn mit „Opera Italiana“ dürften die Herzen der Liebhaber italienischer Opernwelterfolge höher schlagen. Duette und Chöre aus den Opern von Verdi, Rossini und Puccini werden erklingen, Namen wie La Bohéme, Turandot, der Barbier von Sevilla oder La Traviata an ihrem musikalischen Ohr erklingen. Viele dieser Opernarien sind bereits losgelöst vom Hauptwerk Welthits, man denke hier nur an „Nessum Dorma“ aus der Oper Turandot, welche einem gerade durch die Interpretation von Luciano Pavarotti in ewiger Erinnerung bleiben wird. Berlin hat das große Glück drei etablierte Opernhäuser zu haben, welche die Arien der großen italienischen Opern in ihrem Repertoire haben. Sechs hervorragende Interpreten werden stellvertretend für ihre Opernhäuser Ausschnitte aus dem aktuellen Spielplan präsentieren und italienischen Zauber entfachen.

Am Sonntagabend dem 08. Juli 2012 wird das Publikum mit „Let it Swing“ zurückversetzt in die Glanz Zeit des Swing. Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra sind eine der besten Swing Big Bands Deutschlands. Unterstützt wird das Ensemble von David Hermlin der durch seinen eleganten Stepp – Tanz an Fred Astaire erinnert. Außerdem wird die Gustav Brom Big Band für den authentischen Charme auf dem Gendarmenmarkt sorgen, mit Mikrophonen, Instrumenten und eleganter Garderobe entsprechen alle Akteure den amerikanischen Originalen jener Zeit. Während sich Andrej Hermlin und sein Swing Orchestra vornehmlich auf die Musik der 30er und 40er Jahre spezialisiert haben, wird sich die Gustav Brom Big Band dem Swing der 50er und 60er Jahre widmen. Als besonderer Gast ist Sarah Connor geladen und wird für das I-Tüpfelchen auf dem besonderen Abend sorgen!
Am letzten Tag des Festivals dem 09.07.2012 krönt niemand geringeres als die gebürtige Georgerin Katie Melua mit „Secret Symphony Tour 2012“ das diesjährige Festival. Mit über 11. Millionen verkauften Tonträgern zählt sie zu den erfolgreichsten britischen Sängerinnen des neuen Jahrtausends. Im Alter von 17 Jahren wurde sie an der BRIT School entdeckt, hat Katie Melua mittlerweile vier Studio – Alben veröffentlicht und führte sie auf mehrere Welttourneen. Zusammen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg wird Katie Melua das neue Album „Secret Symphony“ präsentieren und das berliner Publikum begeistern!
Backagain wünscht schon jetzt fünf erlebnisreiche Tage in Berlin mit herausragenden Konzerterlebnissen!









(Maximilian Nitzschke)

CLASSIC AM GENDARMENMARKT - Classic Open Air 2012


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012

Classic am Gendarmenmarkt 05.07. – 09.07. 2012 Berlin

In wenigen Tagen wird das historische Herz Berlins und der wohl schönste Platz der Stadt, der Gendarmenmarkt zum nunmehr einundzwanzigsten Mal zum beeindruckenden Schauplatz des Open Air Festivals „Classic am Gendarmenmarkt“. An hoffentlich lauen Sommerabenden werden Fans von Oper, Operette, Tanz und Musical auf ihre Kosten kommen und mit Sicherheit unvergessliche Konzertabende erleben.
Der erste Abend steht ganz im Zeichen von Opernarien und –duetten, denn mit der „First Night – Best of Classics“ am 05.Juli 2012 um 19.30 Uhr wird der Moderator Herbert Feuerstein einen Abend lang die Melodien präsentieren, welche weltweit den Weg in die Herzen der Menschen gefunden haben. Die musikalische Palette des Eröffnungsabends erstreckt sich von der berühmten Rigoletto-Arie „La Donna é Mobile“ über George Bizets „Habanera“ aus der Oper Carmen bis hin zu den unvergessenen Melodien Leonard Bernsteins und der West Side Story. Vorgestellt werden die Evergreens an diesem Abend in solistischen und Ensemblebildern, geistvoll zusammengehalten vom „Altmeister des Entertainments“ Herbert Feuerstein. Mit Hilfe von Orchester, Solisten, Chor und einem Feuerwerksfinale über dem Dach des Konzerthauses wird für das Publikum ein fulminanter Auftakt gegeben.
Am zweiten Abend mit dem Titel „Dance Dance Dance“ am 06.Juli 2012 19.30 Uhr wendet sich das Festival den unterschiedlichen Facetten des Tanzes zu, und wird in einer mitreißend – fetzigen Show verschiedene Tanzstile vom klassischen Ballett über modernen Ausdruckstanz bis hin zu Breakdance präsentieren. Tänzer und Tänzerinnen des Deutschen Fernsehballetts, des Ballettensembles des Anhaltischen Theaters Dessau und der Staatlichen Ballettschule Berlin gestalten für Sie diesen Abend und werden dabei durch ein echtes Highlight unterstützt. Die Berliner Formation „The Flying Steps“ unterbrechen extra ihre ausverkaufte Europa Tournee und präsentieren ihre Breakdance Performance „Red Bull Flying Bach“ – eine Interpretation von Bachs „Wohltemperierten Klavier“. 2010 gewannen sie hierfür den Echo Award und gelten als die erfolgreichste Urban Dance Crew weltweit. Für die musikalische Umsetzung zeichnet sich die Neue Elbland Philharmonie, verstärkt durch die Band Rumpelstil, verantwortlich. Akustisch wird das Publikum des Abends Tschaikowskis Schwanensee neben Ravels Bolero hören und Musicalhymnen neben elektronischen Beats!
Am Samstagabend dem 07. Juli 2012 verwandelt sich der Gendarmenmarkt in die Toskana, denn mit „Opera Italiana“ dürften die Herzen der Liebhaber italienischer Opernwelterfolge höher schlagen. Duette und Chöre aus den Opern von Verdi, Rossini und Puccini werden erklingen, Namen wie La Bohéme, Turandot, der Barbier von Sevilla oder La Traviata an ihrem musikalischen Ohr erklingen. Viele dieser Opernarien sind bereits losgelöst vom Hauptwerk Welthits, man denke hier nur an „Nessum Dorma“ aus der Oper Turandot, welche einem gerade durch die Interpretation von Luciano Pavarotti in ewiger Erinnerung bleiben wird. Berlin hat das große Glück drei etablierte Opernhäuser zu haben, welche die Arien der großen italienischen Opern in ihrem Repertoire haben. Sechs hervorragende Interpreten werden stellvertretend für ihre Opernhäuser Ausschnitte aus dem aktuellen Spielplan präsentieren und italienischen Zauber entfachen.

Am Sonntagabend dem 08. Juli 2012 wird das Publikum mit „Let it Swing“ zurückversetzt in die Glanz Zeit des Swing. Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra sind eine der besten Swing Big Bands Deutschlands. Unterstützt wird das Ensemble von David Hermlin der durch seinen eleganten Stepp – Tanz an Fred Astaire erinnert. Außerdem wird die Gustav Brom Big Band für den authentischen Charme auf dem Gendarmenmarkt sorgen, mit Mikrophonen, Instrumenten und eleganter Garderobe entsprechen alle Akteure den amerikanischen Originalen jener Zeit. Während sich Andrej Hermlin und sein Swing Orchestra vornehmlich auf die Musik der 30er und 40er Jahre spezialisiert haben, wird sich die Gustav Brom Big Band dem Swing der 50er und 60er Jahre widmen. Als besonderer Gast ist Sarah Connor geladen und wird für das I-Tüpfelchen auf dem besonderen Abend sorgen!
Am letzten Tag des Festivals dem 09.07.2012 krönt niemand geringeres als die gebürtige Georgerin Katie Melua mit „Secret Symphony Tour 2012“ das diesjährige Festival. Mit über 11. Millionen verkauften Tonträgern zählt sie zu den erfolgreichsten britischen Sängerinnen des neuen Jahrtausends. Im Alter von 17 Jahren wurde sie an der BRIT School entdeckt, hat Katie Melua mittlerweile vier Studio – Alben veröffentlicht und führte sie auf mehrere Welttourneen. Zusammen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg wird Katie Melua das neue Album „Secret Symphony“ präsentieren und das berliner Publikum begeistern!
Backagain wünscht schon jetzt fünf erlebnisreiche Tage in Berlin mit herausragenden Konzerterlebnissen!









(Maximilian Nitzschke)

DYSTOPIAN SOCIETY - Cages

Wiederveröffentlichung: Download 2012 / AF-Music
Erstveröffentlichung: CD 2012 / Af-Music/Danse Macabre / Al!ve

Dass Italien schon immer eine gute Quelle für interessanten Post Punk und Gothic-Rock war, wissen wir, seit in den 80ern Bands wie Death In Venice, Weimar Gesang, Sturm Und Drang oder die Dead Relatives fantastische Musik gemacht haben und in der ersten Hälfte der 90er gab es jede Menge gut Gothic-Rock Bands, bevor die Dark Wave-Einflüsse in der Szene stärker wurden. Trotzdem gab es im Underground auch immer Bands, die sich am düsteren Gitarrenstil der 80er Jahre orientierten, wobei viele Bands eher von der amerikanischen Gothic-/Death-Rock-Szene beeinflusst waren, als vom englischen Sisters/Fields-Sound, mir fallen da die fantastischen Spiritual Bats, oder Holylore ein und natürlich das erste Tape der Deviate Ladies. Vor allem die italienische Sprache passt ja auch ziemlich gut zu den eher härteren Gitarren und verbindet sich perfekt zu einem kraftvollen Mix, der zwar sehr leidend und finster rüberkommt, aber nicht weinerlich.
DYSTOPIAN SOCIETY gehören zu den neueren Bands, die sich ganz offen am Post Punk der frühen 80er Jahre orientieren – auch sprachlich, was ich schade finde - und das auch offen sagen. Hier versucht niemand von der Band oder dem Label, dem Hörer weis zu machen, dass das Album total innovativ sei. Die Vorbilder werden genannt, darunter Christian Death, Blood & Roses, Dead Kennedys und UK Decay. Ich würde auch noch Gruppen wie die grandiosen französischen Ausweis, die englische Ausgang, Actifed, Bauhaus oder die düstere, weniger trashige Seite von Exploited nennen. Oder wenn man eine neuere Band nennen soll, fallen mir die Holländer Götterdämmerung ein. Die Musik des Debütalbums „Cages“ bewegt sich also irgendwo zwischen Post Punk, Dark Punk, Death-Rock und frühem Gothic-Rock. Selber nennt die Band es Positive Punk, was wiederum an die englische Szene der frühen 80er und der Prä-Batcave-Ära anknüpft. Mit weniger als 40 Minuten Laufzeit, in der die Band 12 Songs unterbringt, besteht gar nicht erst die Gefahr, dass Langeweile aufkommt. Mal abgesehen von den Texten, hätte DYSTOPIAN SOCIETY auch gut Anfang der 80er bei Crass Records oder Small Wonder erscheinen können, wo neben dem harten Punk von Crass auch Bands wie Rudimentary Peni, The Cravats, Lack Of Knowledge, Zounds, Flux Of Pink Indians und viele andere gar nicht mal so typische Punkbands erschienen sind.
Ich bin regelrecht begeistert von diesem Album, das allerdings extrem old-schoolig ist und wohl in der heutigen Szene nicht unbedingt für den großen Durchbruch der Band sorgen wird. Trotzdem sage ich einfach mal, dass die amerikanische Szene gerne mal wieder so ein Album raus bringen würde, es aber seit Jahren nicht schafft. Danke also nach Italien, dass ihr uns alten Säcken mal wieder so viel Freude macht. Dass das Album unter einer Creative Common License erscheint, also unverändert und ohne kommerzielle Interessen frei weiterkopiert werden darf, ist gleich mal doppelt sympathisch und hilft der Gruppe hoffentlich, schnell bekannt zu werden, ich würde sie nämlich sehr gerne mal live erleben. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

CONSCIENCE - Your Frequency


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Echozone-Newexrecords / BOB-Media / EZ1C945

RI – Macher hinter CONSCIENCE und offenbar etwas schüchtern, so dass er seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit verbreiten möchte – betreibt das Projekt bereits seit Anfang der 90er Jahre, anfangs noch mit Cassetten-Veröffentlichungen, parallel zur damaligen Band Encounter. Seit 1992 hat CONSCIENCE kontinuierlich Musik veröffentlicht, immer wieder auch in Zusammenarbeit mit bekannten Musikern, ohne jedoch den großen Durchbruch geschafft zu haben. Das ist bedauerlich, denn qualitativ steht die Musik des Projekts anderen, weitaus bekannteren Acts in nichts nach, vielleicht fehlte einfach ein engagiertes Label, dass auch ein bisschen Geld in die Promotion steckt oder aber RI liebt es, für sich selbst zu komponieren und nur ab und zu auch mal was auf eine interessierte Hörerschaft loszulassen. Dabei kommt eine vielseitige Mischung heraus, die vor allem die Wurzeln in den 80er Jahren hat und zwischen Synth-Pop, EBM und New Wave zu finden ist. Dabei gibt es auch experimentelle Momente und einige moderne Anklänge und so wirkt die Mischung angenehm frisch und eingängig, ohne sich dem längst abgehalfterten Future Pop anzubiedern.
Warum reine Elektronik, wenn hier und da doch auch eine schöne Wave-Gitarre past oder auch mal Drums und Bass oder eine akustische Gitarre für Abwechslung sorgen können? Das Grundgerüst bleibt aber der gute alte – aber nicht altmodische – Synth-Pop und wenn man so will, könnte man das als eine Mischung aus Wolfsheim und Elegant Machinery beschreiben, wobei der Schweden-Synth-Anteil klar den größeren Part ausmacht. Dank einiger zusätzlicher Remixe ist auch für Clubtauglichkeit gesorgt. Verschiedene Gastsänger und –musiker sorgen ebenfalls für Abwechslung.
Sicher ist „Your Frequency“ kein spektakuläres Album geworden, das nun die Charts von hinten aufrollen wird, dafür aber ein schön zeitloses Electro-Pop-Werk, das man jederzeit auflegen kann. (A.P.)

Webadresse der Band: www.conscience-music.de

KREFTICH - Bis Hierhin Und Dann Weiter


Erstveröffentlichung: CD 2012 / SN-Punx / New Music Distribution / SNP012CD

„Bis Hierhin Und Dann Weiter“ ist bereits das zweite Album der deutschen Punkband KREFTICH. Ich kannte die Band bisher nicht, dabei erschien das Debüt bereits 2008 und die Band selbst gibt es noch ein paar Jahre länger und spielt sich den Arsch ab, wo immer man sie lässt. Sehr sympathisch.
Zu hören gibt es typischen deutschsprachigen Punk-Rock, der ganz gute Texte hat und musikalisch wie eine Mischung aus zahlreichen Bands klingt. Hier etwas Fuckin` Faces und Lost Lyrics, da ein bisschen Schwarze Schafe, ein wenig Die Heiligen Drei Könige und auch etwas Ärzte und Tote Hosen, gut durchgerührt und heraus kommt kraftvoller Punk-Rock, wie man ihn vor allem aus den 90er Jahren kennt. Solide, aber leider etwas wenig eigenständig. So richtig zur Geltung kommt das Gebräu wahrscheinlich erst live in den schwitzigen Jugendzentren des Landes, wo man dann aber mit Sicherheit viel Spaß haben dürfte. Wer keine Punk-Offenbarung erwartet, sondern einfach Geradeaus-Punk mag, sollte mal reinhören. Immerhin umschifft man die Klippe Stumpf-/Assi-/Sauf-Punk problemlos. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kreftich.de

IVORY TOWER - IV


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Dust On The Tracks / DOTT201121

Wenn man sich das Cover von “IV” – kaum überraschend: das vierte Album – der Band IVORY TOWER anschaut, erwartet man als Laie am ehestens eines der unzähligen Gothic-Metal-Alben, die seit Mitte der 90er Jahre den Musikmarkt überflutet haben. Tatsächlich gibt es auch ein paar wenige Einflüsse dieses Stils auf dem Album (in „Expelled From Heaven“), andere Anklänge überwiegen jedoch bei weitem. Im Info wird der Stil in die Schublade „Power Progressive Metal“ gesteckt und ganz offen wird der Vergleich mit den bekannten Dream Theater gezogen. Auch weitere der zahlreichen Metal-Sungenres werden gestreift, bis hin zum Trash-Metal und Faith No More-Einflüssen. Das ist für mich definitiv nichts, aber ich muss doch positiv vermerken, dass hier fähige Musiker und eine gute Produktion geboten werden und erfreulicherweise zumindest teilweise ein schön roher Sound geblieben ist und nicht alles glattgebügelt wurde. Meine Tasse Bier wird diese Art von Musik aber nie sein, vor allem wegen der schrecklichen Gitarrensoli. Wenn ich dem Info mal glaube, dann sollten Fans von Dream Theater, Gamma Ray und Queensryche reinhören. Anspieltipps: „Expelled From Heaven“ und „Wailing Wall“, vielleicht, weil das die untypischen Stücke sind. (A.P.)

SPEICHELBROISS - Nix Gesehn


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Nix Gut Records / NG87

Bei Bands mit „oi“ im Namen guckt man ja sicherheitshalber immer zweimal hin, ob da nicht unschönes oder „unpolitisches“ Gedankengut dahintersteht. Bei den SPEICHELBROISS, die sich bereits 1994 formiert haben, muss man da keine Sorge haben, positionieren sie sich doch ganz klar antifaschistisch. So kann man ihren kraftvollen Streetpunk frohen Mutes genießen. Die Band spielt sich seit Ewigkeiten im In- und Ausland auf kleinen Konzerten und großen Festivals den Arsch ab und kommt immer noch sehr glaubwürdig und szenenah rüber. Für 2013 ist sogar eine kleine Südostasien-Tour in Planung und welche deutsche Band kann das schon in ihre Bandgeschichte schreiben?
Die Texte sind ziemlich intelligent und heben sich vom Deutsch-Punk-Parolen-Gegröhle ab. „Weiße Wölfe“ bezieht klar Stellung gegen das braune Pack, „Schwarz Rot Gold“ gegen rechtsoffene Tendenzen in der Punkszene, „Ich Muss Hier Raus“ beschäftigt sich mit den eigenen Zukunftsperspektiven und „Punkrockgirl“ ist ein lupenreiner Partysong, der mit Sicherheit auch live für eine Menge Bewegung vor der Bühne sorgen wird. Dabei wird mal deutsch, mal englisch gesungen, irgendwelche Szenegesetze werden einfach mal beiseite gefegt, Wenn schon Deutsch-Punk im 3. Jahrtausend, dann doch bitte so energiesprühend und sympathisch. 12 Songs in gut 31 Minuten garantieren dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Wer Vergleiche braucht (rein musikalisch, nicht textlich), darf sich die SPREICHELBROISS irgendwo zwischen Dritte Wahl und OHL vorstellen. Endlich mal wieder eine Deutsch-Punk-Veröffentlichung, die ich mehr als einmal anhören werde. (A.P.)

Webadresse der Band: www.speichelbroiss.de

COMPILATION - Le Label Noir Vol. 1


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Le Label Noir / LN001

Unfassbar, wie viele kleine und kleinste Label sich in den letzten Jahren gegründet haben, um die Musik der 80er Jahre – New Wave, Synth-Pop, Minimal-Electro, Industrial… - am Leben zu erhalten. Obskurste Platten und Tapes wurden ausgegraben, ebenso wie unveröffentlichtes Material vieler Bands und Projekte, und auf Vinyl in Kleinstauflagen unter die Leute gebracht.
Genau in diesem Umfeld bewegt sich auch das französische Label Le Label Noir, allerdings mit einigen kleinen Unterschieden. Zum einen, erscheinen die Compilations auf CD, zumindest die eine, die es bisher gibt, Teil 2 und 3 sind aber in Arbeit, und zum anderen wird nicht unüberlegt viel Material in kurzer Zeit rausgeballert. Stattdessen hat man sich ein Konzept überlegt und eine Zusammenstellung gebastelt, die Sinn ergibt und musikalisch zusammenpasst. Zu hören gibt es 17 Tracks, die fast alle aus der ersten Hälfte der 80er Jahre stammen (mit 2 Ausnahmen) und sich im weiteren Sinne als atmosphärischer Electro-Wave mit experimentellen Einflüssen beschreiben lassen. Dabei gibt es eine gute Mischung aus „großen“ Bands wie PORTION CONTROL, TWILIGHT RITUAL, DER PLAN, THE KLINIK, MARTIN REV, SKINNY PUPPY und DATA BANK-A, Szenehelden wie MARK LANE, LUC VAN ACKER, ENDE SHNEAFLIET und MATTHIAS SCHUSTER sowie weniger bekannten Acts wie DOXA SINISTRA, BANDE BERNE CREMATOIRE, LIQUID G., FRIEDER BUTZMANN, SMERSH und MYNOX LAYH. Erfreulicherweise hat man nicht unbedingt die großen, allseits bekannten Hits der Gruppen ausgewählte, sondern jeweils die Titel, die stilistisch in den Rahmen dieser Zusammenstellung passen. Heraus kommt eine stimmige CD, die man wunderbar am Stück durchhören kann, die immer Spannung aufbaut und nicht unbedingt auf die Tanzflächen der Clubs abzielt. Ich finde das mal ganz erfrischend und es hebt sich konzeptionell von den meisten anderen Labels ab. Reine Minimal-Freaks werden vielleicht enttäuscht sein, wer aber auch gerne experimentelle Klänge anhört, liegt hier auf keinen Fall falsch. Das Ganze ist in ein schönes DigiPak verpackt und ich freue mich Fall schon auf die Fortsetzungen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/lelabelnoir

EXIT REFUGIUM PECCATORUM - Kaos


Erstveröffentlichung: LP 2010 / Eigenveröffentlichung

Die italienische Band Exit Refugium Peccatorum, kurz ERP, existiert seit Anfang der 90er Jahre und hat zwei Alben und einige Singles/EPs veröffentlicht, soweit ich nachvollziehen kann, alles in Eigenregie. Anfangs bewegte man sich noch im Gothic-Rock-Bereich, entwickelte sich aber aus düsteren Soundgefilden hin zu mehr Alternative-Rock, bis man ab Mitte der 90er Jahre nichts mehr von der Band hörte.
2010 liegt nun das neue Album „Kaos“ vor, das die Gruppe in deutlich weiterentwickelten musikalischen Gebieten zeigt. Zum einen werden vermehrt elektronische Elemente in die Stücke eingebaut und mit „Rock“ in irgendeiner Form hat das nur noch selten was zu tun. Vielmehr bekommt man eine durchaus spannende Mischung aus Trip Hop und Ambient zu hören, die hier und da durch Bass und Gitarre ergänzt wird. Einige dieser Stilmittel wurden auch schon in den 90ern benutzt, da aber im Rahmen eines eher rauen Gitarren-Sounds. Heute ist das teilweise recht poppig umgesetzt, so zum Beispiel in „Solaris“, was sogar ein bisschen Hitcharakter hat. Trotzdem klingen ERP heute ganz anders als vor knapp 20 Jahren und Fans der alten Sachen sollten lieber erstmal reinhören, bevor sie die LP kaufen. Wenn man sich eine Mischung aus Massive Attack, Dead Can Dance, 90er Jahre Attrition, Sleeping Dogs Wake und 90er Delerium vorstellen kann, kommt man der Sache schon recht nahe. Wenn das portugiesische Equilibrium Music-Label einen „Dance“-Ableger gründen würde, könnte ich mir ein Album wie „Kaos“ gut darauf vorstellen. Das Album ist nur auf Vinyl in einer 500er Auflage erhältlich. Schon interessant, was für eine Entwicklung manche Band so nimmt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.erp-music.com

IVAN IVANOVICH & THE KREML KRAUTS - Peregar


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Sumor Rex / Broken Silence

Na, wenn hinter dieser irrsinnigen Band nicht mal Musiker stecken, die man sonst aus anderen Gruppen kennt und die einfach mal Lust hatten, ein Spaß-Projekt zu starten!
Schon das mehrfach aufklappbare DigiPak und das Poster-Booklet sind eine Augenweide und herrlich abgefahren. Und dann die Musik: Wie der Name der Gruppe schon vermuten lässt, gibt es eine fetzige Mischung aus russischer Folklore und Punk zu hören, dazu jede Menge Polka, Ska und mehr. Das hat Energie, geht ins Ohr und dürfte live eine Granate sein und für eine Menge Bewegung sorgen. Erinnert alles ein bisschen an die ebenso verrückten Finnen von Eläkeläiset, nur, dass hier keine Polkaversionen bekannter Hits gespielt werden. Ansonsten ist die Ähnlichkeit aber schon da und eine gemeinsame Tour beider Gruppen würde wahrscheinlich die Auswirkungen einer Supernova haben. Mit 45 Minuten Länge kommt definitiv keine Langeweile auf, denn man muss auch sagen, dass die meisten Lieder ziemlich ähnlich klingen. Wirklich klasse ist auch die Idee eines doppelten „Hidden Tracks“. Normalerweise mag ich so was nicht und das auf dem Cover nicht genannte Instrumentalstück (Live im Studio oder Proberaum?) ist belanglos. Danach kommt aber nach einer kurzen Pause noch ein völlig absurdes Akustikstück, dessen Text („Als ich noch ein kleines Kätzchen war…“) wohl nur durch zu viel Wodka-Konsum entstanden sein kann. Also: Auf jeden Fall die CD bis zum wirklichen Ende durchlaufen lassen, um dieses Meisterwerk moderner Musikkultur nicht zu verpassen!
Auch, wenn man IVAN IVANOVICH & THE KREML KRAUTS sicher vor allem live erleben sollte, hat diese CD großes Spaßpotenzial und kann bestimmt so manche lahme Party zusammen mit viel Alkohol retten. Wer eine Mischung aus den leider längst vergessenen aber ausgesprochen genialen Novotny TV („Butterfahrt im Gaza-Streifen“ ist ein ganz großer Song!) und Eläkeläiset hören will, sollte hier sein Geld investieren. Wie schon am Anfang geschrieben: irrsinnig!
Das Album erscheint übrigens unter einer Creative Common License, soll also ausdrücklich weiterverbreitet werden, so lange die Band als Urheber genannt wird, keine kommerziellen Interessen bestehen und die Musik unverändert bleibt. (A.P.)

DESCENDANTS OF CAIN - Songs From A Vanishing World


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / Bob-Media / EZ11C759

Für ein Album, das im weitesten Sinne als Gothic-Rock vermarktet wird fängt „Songs From A Vanishing World“ verdammt ruhig an. Das Intro „The Final Awakening“ ist deutlich von Dead Can Dance inspiriert – und nun komme mir keiner mit dem Hinweis, das sei ja auch eine Gothic-Band. Ist sie spätestens seit dem Album „Aion“ nicht mehr.
Danach liefern die Engländer aber das ab, was man von ihnen erwartet, nämlich eine Mischung aus Gothic-Rock und Alternative-Rock, die durch einige Metal-Anklänge und Einflüsse vom Progressive-Rock der 70er ergänzt wird. Aber auch einige Synth-Pop-Momente findet man wieder. Als Verstärkung hat sich das Trio einige illustre Gäste eingeladen, von denen Wayne Hussey (The Mission) und Ashley Dayour (Whispers In The Shadow“ sicher die bekanntesten sind. Wie schon beim Vorgänger-Album, handelt es sich hier um ein Konzeptalbum mit dem Thema „Leben in einer postapokalyptischen Welt“.
Warum die Band immer noch und immer wieder als Gothic-Rock vermarktet wird, ist mir nicht ganz klar. Klar, die Gitarren gehen schon oft in die Richtung, andere Einflüsse sind aber mindestens ebenso stark und im Prinzip gilt das gleiche, wie beim letzten Album: eher Dark Wave, der recht glatt daher kommt und deutlich eine Vorliebe für die 70er Jahre erkennen lässt. Oder vielleicht: so würde Marillion vielleicht klingen, wenn es eine Dark Wave-Band wäre… (A.P.)

CHROMAGAIN - Any Colour We Liked

Wiederveröffentlichung: LP 2011 / Anna Logue Records/Mannequin / Anna 028.2011 / MNQ 010
Erstveröffentlichung: CD 2011 / Anna Logue Records/Mannequin / ANNA 028-CD.2011 / MNQ 010

Italien ist wirklich ein Land der zahllosen musikalischen Entdeckungen. Immer wieder tauchen längst vergessene Bands aus den 80er Jahren auf, die damals nur eine oder zwei Platten gemacht haben, die meist das Heimatland nicht verließen. CHROMAGAIN habe ich vor einigen Jahren zufällig in einem Blog entdeckt und deren einzige Scheibe „Any Colour You Like“ auf meiner Suchliste vermerkt. Einmal mehr ist es ein Verdienst von Anna Logue Records, dass diese schöne Platte nun einer breiteren Hörerschaft als Wiederveröffentlichung unter dem Titel „Any Colour We Liked“ zugänglich ist. Dabei werden Vinyl- und CD-Fans gleichermaßen bedient, denn die Platte erscheint in beiden Formaten mit unterschiedlichen Artworks, wobei die digitale Version zusätzlich noch sechs bisher unveröffentlichte Bonustracks enthält. Beide Versionen liefern aber gegenüber der Originalversion noch zwei zusätzliche Tracks von Samplern ab, einen in einer Alternativversion. Die optische Gestaltung ist natürlich wie immer schlicht und schön.
Musikalisch geht es in herrliche atmosphärisch wavige Gefilde, verbunden mit etwas Synth-Pop und ein bisschen typischem 80er Pop. Schmeichelt sich sofort im Ohr fest und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand, der von sich behauptet, auf die Musik der 80er zu stehen, diese Songs nicht mögen könnte. Geht so ein bisschen in Richtung Images In Vogue, zumindest hin und wieder, nur meistens poppiger. Auch New Order oder Tears For Fears dürften so einigen Eindruck bei den Italienern hinterlassen haben. Schöne Musik zum immer hören.
Die Platte und CD erscheinen in Zusammenarbeit mit dem italienischen Mannequin-Label. (A.P.)

Webadresse der Band: http://annaloguerecords.blogspot.de

PERLAINE - A Journey Into The Inside Of Things Just Known From The Outside


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Finest Noise / Radar

Es gibt ja offenbar ziemlich viele Leute, die Alternative-Rock mögen, was sich in immer mal wieder erfolgreichen Sachen in den Charts widerspiegelt und auch darin, dass es eine Unmenge an Veröffentlichungen in diesem Bereich gibt. Manches, vielleicht sogar vieles, ist gut gemacht, eingängig und hörenswert, die überwiegende Masse ist aber leider eher mies und bestensfalls auf Schülerband-Niveau.
Als Schülerband will ich die deutschen PERLAINE nicht abstempeln, aber wirklich interessant ist die Band auch nicht. Normaler Alternative-Rock, hier und da mit etwas Hard-Rock, etwas 70s Rock und merkwürdigen Osteuropa-Folk-Anklängen. Gut produziert, aber mich langweilt es einfach nur. Nichts für ungut… (A.P.)

SCOFFERLANE - Veto

Wiederveröffentlichung: Download 2012 / AF Music
Erstveröffentlichung: CD 2012 / AF Music/Danse Macabre / Al!ve

Es ist eigentlich merkwürdig, dass seit Ende des Kalten Kriegs vor gut 20 Jahren nicht eine wahre Welle von Wave/Gothic/Electro-Bands aus Russland die Szene überrollt hat. Immer mal wieder sind einzelne Gruppen und Projekte aufgetaucht, aber wenn man die Größe und Einwohnerzahl Russlands bedenkt, ist das doch überraschend wenig geblieben. Dabei ist die Schwarze Szene in Osteuropa groß, aber wie es aussieht, bevorzugen die Leute dort auch die Musik aus den klassischen Gothic-Ländern wie USA, England und Deutschland.
Trotzdem konnte die Band SCOFFERLANE mit zwei Download-EPs weltweit ein bisschen Aufsehen erregen und hat mit „Veto“ nun das erste Album vorgelegt, das dank AF Music/Danse Macabre/Al!ve auch als CD im größeren Rahmen vertrieben wird.
Alle Welt und auch der Waschzettel zur CD stecken SCOFFERLANE in die Post Punk-Schublade und das ist auch ganz richtig so, trifft den Nagel aber nicht voll auf den Kopf. Zusätzlich gibt es nämlich noch zig weitere Einflüsse vom Großstadt-Blues der frühen Nick Cave And The Bad Seeds über ein paar Batcave-Anklänge bis hin zum Gitarren-Wave. Klar, an großen Namen wie Bauhaus, Joy Division und frühe Siouxsie And The Banshees kommt man kaum vorbei, auch UK Decay oder And Also The Trees haben Spuren hinterlassen und der eine oder andere –billy-Moment ist auch vorhanden. So erinnert „I Awoke“ nicht nur ein bisschen an Ghoultown oder die Cramps. Ich finde sogar, dass auf diesem Album eine ordentliche Portion 16 Horsepower mitschwingt. Die Mischung ist wirklich toll und man bekommt heutzutage nur noch selten eine so konsequente Portion Old School-Sound geliefert. Und das alles klingt dabei absolut international. „Veto“ ist ein herrlich konsequentes Album, bis hin zum gelungenen Artwork und dürfte vor allem ältere Schwarzkittel hoch erfreuen. Vielleicht bringt SCOFFERLANE ja auch ein paar Jüngere, die nicht mit dieser Art von Musik aufgewachsen sind, dazu, sich damit zu befassen. Man sollte Augen und vor allem Ohren viel mehr in Richtung Osteuropa offenhalten, da gibt es bestimmt noch eine Menge zu entdecken. (A.P.)

Webadresse der Band: www.scofferlane.com

CROSS X - This Is The Time


Erstveröffentlichung: CD-EP 2012 / District 763 Records / New Music Distribution / CD36021

Sieben Songs in 17 Minuten…das ist kurz, oder aber die Lieder werden ziemlich schnell gespielt. Letzteres ist der Fall. Mit kräftiger Energie prügeln die Deutschen ihre Songs dem Hörer um die Ohren, in einer Mischung aus Hardcore, Punk und etwas Metal. Am besten gefallen mir die punkigen Momente. Gut gemacht, viel Power, aber so richtig mitreißend wohl erst live auf der Bühne. Kurz und schmerzvoll, was hier ausnahmsweise mal positiv gemeint ist. (A.P.)

THE BEE GEES - The Story Of


Erstveröffentlichung: DVD 2012 / Intergroove

Eigentlich ist das gar nicht meine Musik, trotzdem mochte ich die Bee Gees seit jeher, aber jeder Musikfan hat wohl so ein paar Ausreißer im persönlichen Geschmack. Diese relativ kurze Doku mit ca. 45 Minuten Laufzeit zeigt die Karriere der Band, was aufgrund dieser Laufzeit natürlich nur recht oberflächlich ist, aber natürlich trotzdem viele Informationen bereit hält. Beginnend mit Aufnahmen, wie die Jungs im Kindesalter bereits auf der Bühne standen, und zwar lebte die Familie Gibb – eigentlich Engländer – zu dieser Zeit in Australiens Brisbane, weiter mit Aufnahmen aus den 60er-, 70er- und auch 80er-Jahre. Die Doku besteht aus Interviews mit den Bandmitgliedern, vielen Ausschnitten aus Konzerten, Musikvideos und jeder Menge Hits. Hier wird mal wieder klar, wie wichtig die Band für die Geschichte des Pops (Untergenre: Disco) war und ist. Als besonderes Schmankerl gibt es im Bonusmaterial dann noch einen 25-minütigen Liveauftritt aus der späten Phase der Band. Was soll man also sagen? Preis-Leistungsverhältnis ist gut, man kann nicht klagen.

Die deutsche DVD von Intergroove präsentiert den Film in Deutsch und Englisch (jeweils Dolby Digital 2.0) sowie im Bildformat 1.78:1 (16:9 anamorph). Die Bildqualität ist durchwachsen, was aber an dem teilweise sehr alten Material liegt und somit in Ordnung geht. Als Bonusteil gibt es den erwähnten Livemitschnitt, der zwar bekannte Stücke, aber nicht die ganz großen Hits enthält. (Haiko Herden) (H.H.)

MICK MILK - Half Lives


Erstveröffentlichung: LP-Box 2012 / Anna Logue Records / ANNA 038.2011

Der Amerikaner MICK MILK hat 1982 eine ziemlich unbeachtet gebliebene Platte veröffentlicht, die feinsten Früh-80er Synth-Pop bot und trotzdem ist er selbst in der sammelwütigen Minimal-Electro-Szene so unbekannt geblieben, dass die Platte verhältnismäßig leicht und zu moderaten Preisen gefunden werden kann. Noch – möchte man sagen.
Wer sonst als Anna Logue Records sollte den Kerl ausfindig gemacht haben und nun seine Musik mit 30jähriger Verspätung mehr Hörern zugänglich machen? Natürlich in fantastischer Aufmachung in weißem Vinyl (die LP), Innencover, Poster, Postkarte und mit eine schwarzen Bonus-7“. Mehr geht kaum! Schon alleine deswegen sollte jeder Sammler die Platte kaufen, damit Anna Logue Records nicht die Lust verliert, sich an so wunderschöne Veröffentlichungen zu machen, denn das ist viel Arbeit, Zeitaufwand und kostet ordentlich Geld.
Zu hören gibt es wunderbaren 80er Electro Sound zwischen Synth-Pop und – wie es heute genannt wird – Minimal-Electro. Casio, Korg und Roland haben die Musik gemacht, feine Ohrwürmer, meist tanzbar, aber durchaus auch etwas experimentell. Mark Lane, Ultravox und vielleicht Devo wären so Eckpunkte, um den Sound zu beschreiben. Manches klingt auch nach einigen Helden der frühen deutschen Cassetten-Szene, kein Wunder, stammen die hier erstmals auf Vinyl gepressten Aufnahmen doch auch von einem alten Demotape, das wohl nie richtig veröffentlicht wurde. Hin und wieder klingt es auch wie der Soundtrack des ultra-merkwürdigen Underground-Films „Liquid Sky“, aber auch Gary Newman und frühe Human League haben bestimmt ein paar Spuren hinterlassen, ebenso wie der damalige Disco-/frühe Italo-Disco-Sound. Und wie es sich gehört, wird auch noch Kraftwerk Tribut gezollt. Die Mischung stimmt also, die Aufmachung ebenso, was sollte einen also vom Kauf abhalten? (A.P.)

TORPEDO BOYZ - Ich Bin Ausländer (Leider Zum Glück)


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / Hertzschrittmacher / Kernkrach / HERTZ 3000

Ich habe den Namen TORPEDO BOYZ wohl irgendwo schon mal aufgeschnappt, konnte da mit aber bis zum Erscheinen dieser Single auf Hertzschrittmacher/Kernkrach nicht viel anfangen. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass die Band schon einige Veröffentlichungen in den letzten Jahren vorgelegt hat. Das ist aber nicht das einzige Ungewöhnliche an dieser Single, kennt man von dem Label doch eigentlich Veröffentlichungen von bisher weitgehend unbekannten Bands und Projekten. Auch die Tatsache, dass die Songs eine Auskopplung aus dem 2010er Album sind und die Single in einer normalen – sehr schicken – Hülle kommt sind wohl der Grund, dass sie nicht in die normale Nummerierung einsortiert wurde, sondern als eine Art Spezialveröffentlichung kommt. Wahrscheinlich war das für Band und Label ein Freundschafts-Deal – die Band darf sich freuen, dass Vinyl erscheint und das Label, dass man einen bekannteren Namen im Programm hat.
Aber das ist alles ja auch ziemlich egal, denn die Musik rechtfertigt die Veröffentlichung allemal. Ich kenne die Musik der Band sonst nicht, sie wird aber gerne mal als „funky Breakbeat“ beschrieben. So nehme ich mal an, dass für diese Single die am meisten kompatiblen Songs ausgesucht wurden. Zu hören gibt es durchaus fetten, modernen Electro, der total im Ohr bleibt aber seine Wurzeln schon noch in den 80ern hat, inklusive ein paar NDW-Einflüssen bei den Texten. Klingt dann wie eine Mischung aus Ascii Disco und Stereo Total, ist also nicht unbedingt der gewohnte Minimal-Sound. Dafür dürften aber die Tanzflächen einiger Clubs beben.
Die Single erscheint mit dem bereits erwähnten sehr schönen Siebdruck-Cover in einer Auflage von 175 Exemplare (100 x schwarzes Vinyl, 75 x rotes Vinyl). (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

GEORGIE D. - Diedrich-Diederichsen Wird Getötet Werden

Wiederveröffentlichung: LP 2012 / WSDP / WSDP125
Erstveröffentlichung: MC 1982 / Datenverarbeitung / data0013

Ich werde gar nicht viele Worte zu dieser Veröffentlichung verlieren, denn sie ist so essenziell für Leute, die sich für Minimal-Electro und den deutschen Tape-Underground der frühen 80er Jahre interessieren, dass man gar nicht lange nachdenken sollte, wenn einem wirklich mal ein Exemplar der Platte (oder des Original-Tapes) zu einem realistischen Preis unter die Finger kommt.
Dieses Tape, 1982 auf Datenverarbeitung erschienen ist aus meiner Sicht eine Art Quintessenz dessen, was den damaligen Aufbruch eigenständiger deutscher Musik jenseits der kommerziellen NDW ausmachte. Kompromisslose Experimentierfreude mit dem damals erschwinglichen Electro-Equipment, keinerlei kommerzielle Hintergedanken, fast schon dadaistische und kafkaeske Texte und doch teilweise durchaus eingängig, abgesehen von einigen wirklich rein experimentellen Spielereien (zwischen ganz frühen SPK, P16.D4 und Die Tödliche Doris).
Die Vinyl-Wiederveröffentlichung des Tapes ist natürlich ultra-limitiert, hat ein handgemachtes Siebdruck-Cover und eine Kopie des damaligen Tape-Beiblatts. Müsste ich jemandem vorspielen, was die Tapeszene ausgemacht hat, würde ich wohl diese Veröffentlichung heranziehen. (A.P.)

NIEDOWIERZANIE/STAUB - Influences Errantes - A Metampsychotic Séance


Erstveröffentlichung: MC 2012 / Reue um Reue / R.u.R. 029

Seit ungefähr zwei Jahren gibt es tatsächlich im Electro/Industrial-Underground ein kleines Tape-Revival. Einige Labels bringen exklusive Tape-Veröffentlichungen in professioneller Aufmachung auf den Markt, wenn auch nur in kleinen und kleinsten Auflagen. Aber offenbar laufen die Sachen, so dass man annehmen muss, dass einige Sammler vom CD-Vinyl-Download-Overkill der letzten Jahre in dem Bereich genervt sind. Ich selber mag das gute alte Tapeformat auch gerne, hat es doch etwas nostalgisches und echt undergroundiges.
Unsere Freunde von Reue um Reue liefern dabei die gestaltungstechnisch schönsten Sachen ab – wie nicht anders zu erwarten war.

Das Split-Tape von NIEDOWIERZANIE und STAUB kommt mit schicker, beidseitig bedruckter Inlay-Card, die zusätzlich noch mit ebenfalls bedrucktem transparentem Pergamentpapier umhüllt ist. Das sieht ziemlich edel aus. Auch die Cassette wurde professionell vervielfältigt und bietet dementsprechend durchgehend guten Klang.

Wie man es von Reue um Reue und natürlich von den beiden beteiligten Projekten gewohnt ist, gibt es weitgehend ambiente Klänge zu hören, die ihre Wurzeln im Industrial haben und hier und da auch eine gewisse Fabrikhallen-Atmosphäre verbreiten, die aber nie wirklich hart wird. Das Konzept hierbei ist eine Art musikalische Séance, die ergründet, was nach dem körperlichen Tod geschieht. Dunkel wummernde Drones wechseln sich mit schwebenden Synthie-Flächen ab und erschaffen eine Atmosphäre, die man sich wirklich bei einer spiritistischen Sitzung vorstellen könnte – mir fehlt da die Erfahrung. Da bauen sich dann auch mal voluminöse Klangteppiche ganz langsam auf, so dass eine meditative Stimmung entsteht.

Ich bin sicher kein großer Fan oder gar Kenner von solchen Ambient-Klängen und ehrlich gesagt klingt in dem Bereich vieles für mich auch sehr ähnlich, weil ich die Feinheiten nicht richtig unterscheiden/erkennen kann, aber hin und wieder mag ich so etwas doch gerne mal hören, weil es schön auf der Klinge zwischen Spannung und Entspannung tanzt.

Die Cassette ist auf 80 Exemplare limitiert und kommt in vier verschiedenen Covervarianten. Für Ambient-Fans definitiv ein Leckerbissen und Sammlerstück. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

STAUB/NIEDOWIERZANIE - Influences Errantes - A Metampsychotic Séance


Erstveröffentlichung: MC 2012 / Reue um Reue / R.u.R. 029

Seit ungefähr zwei Jahren gibt es tatsächlich im Electro/Industrial-Underground ein kleines Tape-Revival. Einige Labels bringen exklusive Tape-Veröffentlichungen in professioneller Aufmachung auf den Markt, wenn auch nur in kleinen und kleinsten Auflagen. Aber offenbar laufen die Sachen, so dass man annehmen muss, dass einige Sammler vom CD-Vinyl-Download-Overkill der letzten Jahre in dem Bereich genervt sind. Ich selber mag das gute alte Tapeformat auch gerne, hat es doch etwas nostalgisches und echt undergroundiges.
Unsere Freunde von Reue um Reue liefern dabei die gestaltungstechnisch schönsten Sachen ab – wie nicht anders zu erwarten war.

Das Split-Tape von NIEDOWIERZANIE und STAUB kommt mit schicker, beidseitig bedruckter Inlay-Card, die zusätzlich noch mit ebenfalls bedrucktem transparentem Pergamentpapier umhüllt ist. Das sieht ziemlich edel aus. Auch die Cassette wurde professionell vervielfältigt und bietet dementsprechend durchgehend guten Klang.

Wie man es von Reue um Reue und natürlich von den beiden beteiligten Projekten gewohnt ist, gibt es weitgehend ambiente Klänge zu hören, die ihre Wurzeln im Industrial haben und hier und da auch eine gewisse Fabrikhallen-Atmosphäre verbreiten, die aber nie wirklich hart wird. Das Konzept hierbei ist eine Art musikalische Séance, die ergründet, was nach dem körperlichen Tod geschieht. Dunkel wummernde Drones wechseln sich mit schwebenden Synthie-Flächen ab und erschaffen eine Atmosphäre, die man sich wirklich bei einer spiritistischen Sitzung vorstellen könnte – mir fehlt da die Erfahrung. Da bauen sich dann auch mal voluminöse Klangteppiche ganz langsam auf, so dass eine meditative Stimmung entsteht.

Ich bin sicher kein großer Fan oder gar Kenner von solchen Ambient-Klängen und ehrlich gesagt klingt in dem Bereich vieles für mich auch sehr ähnlich, weil ich die Feinheiten nicht richtig unterscheiden/erkennen kann, aber hin und wieder mag ich so etwas doch gerne mal hören, weil es schön auf der Klinge zwischen Spannung und Entspannung tanzt.

Die Cassette ist auf 80 Exemplare limitiert und kommt in vier verschiedenen Covervarianten. Für Ambient-Fans definitiv ein Leckerbissen und Sammlerstück. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

CAUDA PAVONIS - Peace Through Superior Firepower


Erstveröffentlichung: CD 2012 / CPX Records/Danse Macabre / Al!ve / CPX4010-CDLP

Fast 15 Jahre existiert die englische Band CAUDA PAVONIS jetzt schon und hat in der Zeit eine ganze Menge Veröffentlichungen in Eigenregie veröffentlicht und sich in ihrer Heimat offenbar eine solide Fanschar erspielt. Auftritte mit zahlreichen großen Bands des Dark Wave/Gothic-Genres und bei großen Szene-Festivals haben die Band bekannt gemacht. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Gruppe bisher ziemlich an mir vorbeigegangen ist und ich erstmals bewusst ihre Musik auf dem inzwischen fünften Album „Peace Through Superior Firepower“ anhöre, das digital und als CD in Zusammenarbeit mit AF Music/Danse Macabre vertrieben wird.
Zu hören gibt es eine ziemlich merkwürdige Mischung aus Dark Wave, Gothic Rock, Pop und 70er Jahre Progressive-/Art-Rock, die sehr treibend ist. Ebenso merkwürdig ist der Gesang, der weit von Grabesstimmen wie Carl Mc Coy oder Andrew Eldritch entfernt ist, was einerseits natürlich positiv ist, andererseits den Songs aber auch jede Düsternis nimmt. Erst spät wurde mir klar, dass hier eine Frau singt, die klingt, wie ein Mann mit ungewöhnlich hoher Stimme. Daran muss man sich definitiv erst gewöhnen und auch dann ist nicht sicher, dass man sie mag. Ziel der Gruppe ist es wohl – laut Info – den „Stil des 18. Jahrhunderts, gemischt mit der Technologie des 21. Jahrhunderts“ zu kombinieren. Manche Gesangsmelodie erinnert dabei an Irish Folk. Ob das gelingt, muss jeder Hörer selbst entscheiden. Für Gothic-Rock ist es mit zu viel Synthies unterlegt, für Dark Wave ist es nicht dunkel genug und für Neo-Batcave zu poppig. Zudem sieht das Cover eher nach einer mäßigen Metal-Veröffentlichung aus, was sich musikalisch aber nicht widerspiegelt. Trotzdem nehme ich stark an, dass zumindest einige Bandmitglieder sich durchaus auch in der Metal-Szene zuhause fühlen.
Ich kann mich nicht entscheiden, wie ich das nun finde, sicher muss man sich das Album mehrfach anhören. Dass hier ein ziemlich eigenständiges Werk herausgekommen ist, vor allem auch wegen des Gesangs. Aber wenn das hier ein Hit in der heutigen „schwarzen Szene“ ist oder werden sollte, dann bin ich da wohl endgültig raus.
Irgendwie erscheint mir das alles sehr theatralisch und irgendwie geht mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass das hier die richtige Musik für Live-Rollenspieler kombiniert mit dem passenden Sound für die japanische Visual Kei-Szene ist. Ich glaube, bei solchen Conventions könnten CAUDA PAVONIS ziemlich abräumen. Sicher alles andere als ein schlechtes Album – mit unter 40 Minuten zum Glück auch nicht überlang – aber alles andere als meine Tasse Bier. (A.P.)

Webadresse der Band: www.caudapavonis.com

DREAM INTO DUST - So Beautiful And So Dangerous


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Chthonic Streams / MYRK 023

DREAM INTO DUST ist wie ein guter alter Freund. Alle paar Jahre machen Derek Rush (December, Loretta’s Doll, A Murder Of Angels, Of Unknown Origin…) und Bryin Dall (A Murder Of Angels, 4th Sign Of The Apocalypse, Thee Majesty…) eine neue Platte, die immer wieder überrascht und verzaubert. „So Beautiful And So Dangerous“ ist das erste Album seit 2003 und es scheint fast so, als wenn DREAM INTO DUST immer wieder wie eine Heimkehr der beiden Musiker von den diversen weiteren Projekten ist, bei denen sie so aktiv sind – eine Vielzahl neben den bereits genannten. Hier können die beiden machen, was sie wollen und sind stilistisch nicht so sehr festgelegt. Im Grunde ist es Dark Wave, aber die Einflüsse reichen von Synthie-Pop über Industrial, EBM, Neo Folk und experimentellen Klängen bis hin zu Shoegaze und 80er Wave. Ergänzt durch eine oft hohe Eingängigkeit kommt ein ganz eigener Stil heraus, der bei jeder neuen Veröffentlichung wieder überrascht.

Das neue Album fängt ungewohnt an, fast wie eine Platte von Foetus verbunden mit der Schwere der guten alten Swans, schräg, treibend und tanzbar. Und um die Verwirrung vollständig zu machen, folgt ein Akustik-Intro, das in einen schön eingängigen Dark Wave-Song übergeht, der so auch gut bei Projekt Records hätte erscheinen können. Doch auch hier gibt es Brüche, die den Hörer davon abhalten, allzu schnell ins nebenbei hören zu geraten. „Suspended In Fear“ hat einen sehr straighten old school EBM-Rhythmus verbunden mit schleifenden Sounds, was in den schwarzen Clubs für volle Tanzflächen sorgen könnte. Dann düster-soundtrackartige Klänge, wie aus einem Derek Jarman-Film. „Secondhand Daylight“ klingt wie eine Kollaboration von Robert Smith (The Cure) mit Robin Guthrie (Cocteau Twins) und Gordon Sharp (Cindytalk), was wirklich fantastisch ist und definitiv einer der Höhepunkte des Albums. So schöner dunkler Wave wird heute nur noch selten gemacht. Mit „Perfect Vision“ folgt dann gleich ein schöner Ohrwurm mit leichten Marc Almond-Anklängen. Der Song verhält sich zum vorherigen wie The Cures „Japanese Whispers“ zu „Faith“, also beides auf seine Art wunderbar, aber sehr verschieden. So geht es weiter, eingängige Ohrwürmer wechseln sich mit dunklen Momenten ab, tanzbare Rhythmen folgen auf wavige Atmosphäre und doch ist trotz der Vielseitigkeit immer der ganz eigene Stil von DREAM INTO DUST erkennbar und der Albumtitel „So Beautiful And So Dangerous“ könnte nicht besser gewählt sein. Die früher oft genannten Vergleiche zu Coil sind nicht mehr so im Vordergrund, unterschwellig aber hin und wieder noch zu spüren. Bei einigen Stücken haben Rush und Dall sich Unterstützung von Mario Padron und Scott Reiter geholt, wobei Reiter nicht das erste Mal mit den beiden zusammengearbeitet hat.

„So Beautiful And So Dangerous“ ist ein echter Geheimtipp und lässt sich gut auch häufiger hören, weil man immer wieder was Neues entdeckt. DREAM INTO DUST ist eine Art geheime Lieblingsband von mir, die man immer mal aus den Augen und Ohren verliert, wenn länger keine Veröffentlichung kommt, die man aber umso lieber auch immer wieder neu entdeckt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.chthonicstreams.com

BAKTERIELLE INFEKTION - In Grief

Wiederveröffentlichung: CD-EP 2011 / Genetic Music / GEN035CD
Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2011 / Genetic Music / GEN035

BAKTERIELLE INFEKTION aus Berlin gehen auch schon bald auf 20 Jahre Bandgeschichte zu, gute 15 Jahre haben sie nach ihrem ersten Demo von 1996, noch auf Musikkassette, jedenfalls schon hinter sich. Anfangs habe ich das Duo eher belächelt, lernte ich doch erste Stücke auf einem Sampler des damals recht bekannten „Bodystyler“-Magazins kennen, das dafür bekannt war, alles ins Lächerliche zu ziehen und dabei nicht immer lustig war. Merke: Satire funktioniert nicht, wenn man drauf schreibt, dass es Satire sein soll! Mein Fehler war jedoch, BAKTERIELLE INFEKTION damit in einen Topf zu werfen. Diverse kleinere CD- und Vinyl-Veröffentlichungen folgten, bis man auf Genetic Music eine immer noch existierende Heimat fand, wobei einzelne Veröffentlichungen auch weiterhin bei verschiedenen anderen Labels erschienen, vor allem auf Vinyl. Zahlreiche Samplerbeiträge füllten die Discographie weiter auf und schon lange hat sich BAKTERIELLE INFEKTION als feste Größe in der deutschen Electro-Szene etabliert. Anfangs lieferte man eine spannende Mischung aus Klinik-Klängen verbunden mit etwas Industrial ab, zwischenzeitlich tendierte man mehr in Richtung purer Minimal-Electro, hat inzwischen aber die Kehrtwende zurück zu einigen experimentellen Sounds gefunden. Mich freut das sehr, denn gerade das, verbunden mit dunkel-tanzbarem Electro ist es, was BAKETERIELLE INFEKTION am besten kann.
Die Pause nach dem 2005er Album „Cities Of Glass“ und der Compilation „Early Recordings“ (2007) war lang und beide Musiker haben sich in anderen Projekten ausgetobt. Für „In Grief“ haben sie 2011 wieder zusammengefunden und ein wirklich tolles Mini-Album auf Vinyl und CD vorgelegt. 8 Tracks in unter 21 Minuten…das klingt nach dem guten alten klassischen Popsong-Format von zweieinhalb Minuten. Eingängig sind einige Tracks durchaus, Pop allerdings nicht, zumindest nicht im kommerziellen Sinne. Die verhältnismäßig kurzen Songs garantieren dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Musikalisch orientiert sich BAKTERIELLE INFEKTION weiterhin an den eigenen Wurzeln, dass heißt eine Mischung aus klassischem Belgien-EBM der dunklen Art (The Klinik, Vomito Negro, Insekt…), schrägen Soundcollagen und Metall-Samples und minimalem Synth-Pop im Stile von Absolute Body Control. Passend zur dunklen Musik ist das Artwork gestaltet, so dass man sich fast vollständig in die Mitt-80er Jahre zurückversetzt fühlt. Dabei sind die meisten Tracks durchaus tanzbar, allerdings fürchte ich, dass nur noch wenige DJs in den bekannteren Szene-Clubs diese Musik auflegen, sondern das auf eher spezialisierte Partys beschränkt bleibt. Aber als Fan solcher Musik freut man sich natürlich auch ein bisschen, wenn man einen exklusiven Musikgeschmack hat, mit dem man angeben kann. Wer auf belgischen EBM der 80er mit Industrial-Einflüssen steht, kommt an BAKTERIELLE INFEKTION jedenfalls nicht vorbei. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

DEPECHE MODE - Just Can´t Get Enough


Erstveröffentlichung: Buch 2011 / Heyne / ISBN 978-3453640504

Zur Band DEPECHE MODE muss man wohl nichts mehr sagen - oder gibt es jemanden, der diese britische Band nicht kennt? Nein, wusste ich doch. ""Wie alles begann"", das ist die Devise bei dieser Biografie. Als Ausgangspunkt und immer wiederkehrender roter Faden wird die Heimatstadt Basildon immer wieder erwähnt, eine Stadt aus der Retorte in der Nähe von London, die sich maßgeblich auf die Psyche der Jugend und natürlich auch auf deren Musik niederschlug. Basildon wird am Anfang des Buches eine Menge Raum gewährt, es dauert lange, bis der Autor von der Stadt hinüberwechselt zu den Bandmitgliedern. Bis dahin ist das Ganze relativ langweilig, dann nimmt es an Fahrt auf. Auch wenn die Bandmitglieder selbst hier nicht zu Wort kommen, aber anhand von Interviews mit Wegbegleitern und Freunden füllt sich das Buch auf angenehme Weise mit jeder Menge Informationen, die auch ganz viele Hintergründe beleuchten. Musikalische, gesellschaftliche und menschliche Einflüsse kommen zur Sprache, man erfährt so einiges, wie das Musikbusiness Anfang der Achtziger Jahre funktionerte, und man bekommt Lust, mal wieder die alten Platten zu hören. Alles ist schon recht ausführlich, und trotzdem hätte man sich noch mehr Informationen gewünscht, zum Beispiel über die verschiedenen Touren, die hier mitunter mit einem Satz abgehandelt werden. Und schade ist es, dass 1986 Schluss ist. Aber eine Fortsetzung wird ganz zaghaft angedeutet. Hoffen wir es mal, denn es gibt ja auch nach 1986 noch jede Menge zu berichten. Wie soll man diese Kritik abschließen? Mit einem Standardsatz wie ""Ein Muss für Fans von Depeche Mode"" vielleicht? So ein Quatsch, denn wer sollte so ein Buch sonst kaufen. (H.H.)

NOTRE DESSEIN - Comme Un Mer De Verre


Erstveröffentlichung: LP 2010 / Just Another Winter / T.u.T./R.u.R. / JAW02

Es ist immer wieder unglaublich, Welch zahlreiche und musikalisch vielfältige Projekte Laszlo P.S. so betreibt. Wermut kennt man gut, Ich Wollte Ich Könnte hat schöne Platten veröffentlicht, De Grace und Taciturne haben Eindrücke hinterlassen und dann gibt es sicherlich noch diverse weitere Projekte, von denen man früher oder später etwas hören wird. Unter verschiedenen Pseudonymen und eben Projektnamen wird immer der passende für die zu veröffentlichende Musik gesucht, was Sinn ergibt, denn all die verschiedenen Klänge unter einem Namen rauszubringen würde wohl für Verwirrung sorgen.
Das Label Just Another Winter hat es sich zur Aufgabe gemacht, eigenwillige Klänge auf Vinyl und Tape zu bringen, die durch klassischen Black Metal beeinflusst sind, was aber nicht unbedingt heißt, dass es auch immer wie Black Metal klingt. „Comme Une Mer De Verre“ passt genau in das Konzept: verzerrte Gitarren und kaum verständliche Gesänge zwischen Kreischen und Grollen. Ich bin kein Fachmann auf diesem Gebiet, aber herausgekommen ist eine ungewöhnliche Platte mit fünf langen Stücken, die alleine mit Gitarre (nein, keine Akustikgitarre, dies hier ist Metal-inspiriert und kein Neo-Folk!), Bass, etwas Elektronik und Gesang aufgenommen wurden, völlig ohne Schlagzeug. Die Atmosphäre wirkt sehr verzweifelt und düster, was nicht verwundert, denn die Stücke sind von der „Offenbarung des Johannes“ aus der Bibel – also der Apokalypse – inspiriert. Dazu passt das finstere, sehr schlichte, aber gerade deswegen schöne Artwork. Ohne weiteren Schnick-Schnack oder viele Informationen ist dafür gesorgt, dass es keine Ablenkung von der Musik gibt. Diese klingt sehr roh und wurde wahrscheinlich im heimischen Keller ohne allzu viel technischen Aufwand aufgenommen, was ich aber gut finde, denn eine größere Studioproduktion hätte sicher viel von der Atmosphäre kaputtgemacht. Mich erinnert es etwas an das erste Tape der italienischen Deviate Ladies aus den 90er Jahren.
Wenn man eine sehr avantgardistische Form des klassischen Black Metal mag, ist man hier genau richtig. Limitiert auf 212 Exemplare.
(A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

SASCHE MüLLER - Booty Flop 2


Erstveröffentlichung: Diskette 2012 / Pharmacom Records

Was macht ein hochproduktiver Künstler wie der in Uelsen beheimatete Sascha Müller mit seinen mittlerweile 49 Alben und 234 veröffentlichten Singles (Stand August 2012) seit 1998, wenn sein nicht enden wollender auch die rein digitalen Vertriebswege an ihre Grenzen bringt? Er verlegt sich wieder auf das physische Produkt und konzentriert sich in diesem Rahmen auf Hyperlimitierung und krude Formate. So erscheint seine „Booty Flop“-Serie in Form von 3.5“ Disketten in handnummerierter Auflage von jeweils 10 Stück und umfasst dem begrenzten Speicherplatz des Mediums geschuldet jeweils ein mp3 mit je nach Laufzeit variierender Auflösung von 48 oder 64 kpbs. Im zweiten Teil der Reihe widmet er sich einem experimentell zerfilterten Ansatz von House Music im weitesten Sinne, erinnert in seiner rohen und vor allem bassfernen Herangehensweise partiell an das ebenfalls in 2012 auf Matthew Herberts Accidental erschienene DJ Empty-Album „Meaningless“ und arbeitet sich vor allem im letzten Drittel des Tracks an einer klassischen LatinHouse-Variation ab, die vor allem bei altgedienten Liebhabern des Genres für gespitzte Ohren sorgen wird. Das gilt zumindest dann, wenn sie sich mit einer Klangästhetik anfreunden können, die an Musikhören durch einen uralten Telefonhörer an einer antiken Analogleitung erinnert.
File under: KonzeptHouse für ganz Wahnsinnige. [baze.djunkiii]

REPTILE YOUTH - Reptile Youth


Erstveröffentlichung: CD 2012 / hfn music

Kaum eine Band hat in den letzten zwei Jahren eine derart fanatische Fangemeinde hinter sich versammeln können wie das dänische Duo Mads Damsgaard Kristiansen und Esben Valloe a.k.a. Reptile Youth, die – wohlgemerkt ohne einen einzigen Tonträger veröffentlicht zu haben – mittlerweile zwei Mal um die Welt getourt sind und erst mit der Veröffentlichung ihrer 7“ „Speeddance“ in 2012 die komplette Energie, den kompletten Wahn ihrer gefeierten Live-Shows komprimiert kanalisieren konnten. Nun erscheint also das erste Album der beiden auf dem Hamburger Label hfn music, Heimat für so ebenso illustre wie gefeierte Acts wie Trentemöller, Darkness Falls oder Human Woman, und erst mit diesem zeigen Reptile Youth die gesamte Bandbreite ihrer Fähigkeiten. Vom Happy-Go-Lucky IndieElectro in „Morning Sun“ über den alles zerstörenden ElectroPunk von „Speeddance“, das zwischen Dubstep, Wave- und Industrialanleihen angesiedelte „Dead End“ mit seinen epischen Lyrics, der aktuellen Single „Shooting Up Sunshine“, dem Ohrwurmfaktor des schrägen, aber doch äußerst Pop-affinen „Be My Yoko Ono“, dem Funk-strotzenden „Heart Blood Beat“ bis hin zum reduziert instrumentierten, dafür um so eindringlicheren Sing-Along-Popsong „Flash In The Forest“, das seinen Platz im Daytime-Radio wohlverdient hätte – Reptile Youth verleihen jeder der genannten Varianten ihren ureigenen Touch ohne dabei beliebig zu wirken. Vielmehr begeistern sie mit ihrem Stilmix sowohl die Indiekids, rocken (No)Wave-Anhänger und sind eine der wenigen Bands, auf die sich auch ein Mainstream-orientiertes Publikum ohne lange Airplay-Gewöhnung und TV-Spot-Überdosis sofort einlassen kann, obwohl sich die Band nicht im Geringsten um die Regeln des gleichgeschalteten Major-Business schert. File under: Pop(NotPop) und eines der ganzen großen Alben des Jahres 2012. [baze.djunkiii]

CLASSIC AM GENDARMENMARKT - Dance Dance Dance


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2012

Classic Open Air am Gendarmenmarkt Berlin


Freitag, 6. Juli 2012

„Dance Dance Dance“

Das spektakuläre Show-Konzert von Schwanensee bis Breakdance
Special Guest: Flying Steps



Neue Elbland Philharmonie, Dirigent: Christian Voß; Deutsches Fernsehballett; Ballett-Ensemble des Anhaltischen Theaters Dessau und der Oper Poznan
Gesangssolisten: Cornelia Marschall und David Ameln;
Staatliche Ballettschule Berlin; Rumpelstil; Peter Schenderlein und Christoph Hagel, Klavier
(Angaben aus dem Programm 2012)


Neue Elbland Philharmonie, Dirigent: Christian Voß; Deutsches Fernsehballett; Ballett-Ensemble des Anhaltischen Theaters Dessau und der Oper Poznan
Gesangssolisten: Cornelia Marschall und David Ameln;
Staatliche Ballettschule Berlin; Rumpelstil; Peter Schenderlein und Christoph Hagel, Klavier
(Angaben aus dem Programm 2012)



Von „Schwanensee“ bis „Flying Bach“

Der zweite Abend des Classic Open Air am Gendarmenmarkt war den unterschiedlichen Facetten des Tanzes gewidmet. In zwei Stunden Showprogramm genoss das Publikum bei endlich sommerlichen Temperaturen eine mitreißende Show vom klassischen Ballett in Form von Ausschnitten aus „Schwanensee“ über modernen Show- Ausdruckstanz, wie zum Beispiel in Ausschnitten aus „West Side Story“, bis hin zu Urban Dance und nicht zuletzt Breakdance. Tänzerinnen und Tänzer des Deutschen Fernsehballetts prägten unter anderem die Show. Diese außergewöhnliche Compagnie besteht nunmehr 50 Jahre und das dürfte Weltrekord sein. Spezielle Ballettensembles für Fernsehshows entstanden in den 1960er Jahren als die TV Unterhaltung eine eigene Ästhetik gewann. Tanz - Projekte gab es viele, aber nur das Deutsche Fernsehballett hat die unzähligen kulturellen Brüche überlebt. Hierin liegt wohl auch eine der großen Stärken dieser Compagnie, durch ihre Anpassungsfähigkeit sind die Akteure flexibel und experimentierfreudig, wie das Publikum auch an diesem Abend visuell erleben durfte. Gemeinsam mit den Kollegen des Ballettensembles des Anhaltinischen Theaters Dessau und der Staatlichen Ballettschule Berlin führten sie das Publikum durch die Jahrhunderte und spannten gekonnt den Bogen vom eleganten „pas de deux“ des weißen und schwarzen Schwanes aus „Schwanensee“ zu Maria aus „West Side Story“.


Ob Tschaikowsky, Leonard Bernstein, Maurice Ravel oder Jacques Offenbach, die Expressivität der Tänzer steckt an und begeisterte den Gendarmenmarkt. Ungewöhnlich war auch die Altersstruktur an diesem Abend, denn im Publikum saßen sehr viele junge Menschen, welche vermutlich noch nie vorher im Ballett gewesen sind. Begründet liegen dürfte dies nicht zuletzt im für mich faszinierendsten Crossover des Abends, nämlich den vierfachen Breakdance Weltmeistern „Flying Steps“. Wer bisher dachte, dass ein tradierter Komponist wie Johann Sebastian Bach mit zeitgemäßem Tanz nicht vereinbar sei, wurde eines Besseren belehrt. Die Klassikwelt steht ihretwegen Kopf, denn mit ihrer Übersetzung des „Wohltemperierten Klaviers“ von Bach sprengen sie die Grenzen zwischen Hoch- und Jugendkultur. Im April 2010 erlebte Berlin die Premiere und Flying-Steps-Mitglied Bassil erzählt „Ich erinnere mich noch gut, wie nervös wir waren. Wir waren uns nicht sicher, ob die Zuschauer unsere Message verstehen, ob sie es mögen oder nicht. Doch die Resonanz war fantastisch.“ In der Tat, auf dem Gendarmenmarkt jubelte und tobte das Publikum vor Begeisterung. Zum Abschluss der drei Ausschnitte gab es Standing Ovations und selbst der kritischste Zuschauer war überzeugt, ein Highlight an einem ohnehin schon tollen Abend erlebt zu haben! (Maximilian Nitzschke)



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