THE CURE - Bestival Live 2011


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2011 / Sunday Best Recordings / PIAS / SBESTCD50

Wenn THE CURE den seit 1992 vorherrschenden 4-Jahres-Rhythmus für neue Alben einhalten, wäre 2012 eigentlich mal wieder ein neues Werk dran. Angekündigt ist noch nichts, aber bei Robert Smith weiß man ja nie, was so kommt. Zumindest sind für den Sommer 2012 zahlreiche Festival-Auftritte bestätigt, die Band existiert also noch. Das hat sie schon 2011 bewiesen, als neben den bejubelten „Reflections“-Auftritten in Australien und London auch einige Konzerte in den USA gegeben wurden und dazu ein großes Festival auf der Isle Of Wight gespielt wurde. Dieses Festival wurde mitgeschnitten und im Dezember 2011 als Doppel-CD veröffentlicht. Es ist das erste offizielle Livealbum seit 1993 (wenn man mal von den „Trilogy“ und „Festival 2005“-DVDs absieht) und das erste Livealbum, das ein komplettes Konzert enthält (wenn man auch hier mal von den „Trilogy“ und „Festival 2005“-DVDs absieht). Fans dürfen sich also freuen. THE CURE können inzwischen aus einem Repertoire schöpfen, das in über 30 Jahren entstanden ist und so gibt es wohl nie zwei genau gleiche Konzerte (abgesehen natürlich von den konzeptionellen „Trilogy“ und „Reflections“-Shows). Dabei gibt es fast immer einen Mischung von Songs aus allen Phasen der Band, hier von „Grinding Halt“ bis „The Hungry Ghost“. Auf Festivals konzentriert sich die Gruppe dabei natürlich – man muss ja bedenken, dass man ein sehr gemischtes Publikum bedienen muss – auf die bekannteren Songs. So sind von den hier in 140 Minuten gespielten 32 Songs alleine 21 Singleauskopplungen vertreten, wenn ich mich auf die Schnelle nicht verzählt habe. Schon beeindruckend. Dazu gibt es einige echte CURE-Klassiker wie „Plainsong“, „Play For Today“, „Shake Dog Shake“, „One Hundred Years“ und „10:15 Saturday Night“, aufgefüllt mit weiteren alten und neuen Songs, wie „Push“, „Open“ und „End“. Die Mischung weiß zu gefallen, auch, weil nach der rockigen Phase als Quartett ohne Keyboards nun Gitarrist Porl Thompson mal wieder die Gruppe verlassen hat (wie lange wohl diesmal?) und dafür der langjährige Keyboarder Roger O’Donnell wieder dabei ist. Auch, wenn die rockige CURE-Variante alles andere als schlecht war, so mag ich sie mit Synthies lieber, weil diese den bekannten CURE-Sound nachhaltig geprägt haben. „Plainsong“ oder „Play For Today“ waren in ihrer „puren“ Form doch lange nicht so bezaubernd wie im Original. Dies bekommt man hier jetzt wieder zu hören und das ist auch gut so. Kaum eine andere Band schafft die Gratwanderung zwischen „sich selbst treu bleiben“ und „sich stetig verändern“ so gut, wie THE CURE und die müssen nun wirklich niemandem mehr etwas beweisen. Dass sie eine großartige Liveband sind sowieso nicht und so gibt es auch hier den typischen kraftvollen Sound, der allerdings nur zur vollen Entfaltung kommt, wenn man das Album ziemlich laut hört. Schlagzeuger Jason Cooper spielt präzise wie immer, der Bass von Simon Gallup wummert herrlich, die Flächensynthies sorgen für die nötige Raum füllende Atmosphäre, Smiths Gitarre ist unverkennbar und sein Gesang…nun, dazu muss man nun wirklich nichts mehr schreiben.
„Bestival Live 2011“ ist sicher kein ganz spektakuläres Album für CURE-Verhältnisse, aber doch ein beeindruckendes Zeugnis für die immer noch bestehenden Live-Qualitäten der Band. Und für die Fans ist es ein Lebenszeichen, das Hoffnung auf ein neues Album oder mal wieder eine richtige Tour macht. Schön wäre es natürlich auch, wenn die „Reflections“-Shows auf DVD und Blu Ray kämen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com


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