NO MORE - Sunday Mitternacht Remixes


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Rent A Dog / Al!ve / bone 3017-2

Mit dem Album „Midnight People & Lo-Life Stars“ und der Single “Sunday Mitternacht” konnten die Alt-Waver von NO MORE ein beeindruckendes Comeback nach über 20 Jahren hinlegen. Wohl hauptsächlich um das Album zu promoten, hat man gleich noch den Single Song „Sunday Mitternacht“ verschiedenen Musikern aus Vergangenheit und Gegenwart zum remixen gegeben und die Ergebnisse auf dieser CD veröffentlicht. Elf teilweise recht unterschiedliche Versionen sind dabei herausgekommen, wobei die Qualität natürlich Geschmackssache ist, Licht und Schatten sich jedoch abwechseln. Vielleicht hat auch die lange Remix-Geschichte des NO MORE-Songs „Suicide Commando“ bei der Idee eine Rolle gespielt. Ein toller Song ist „Sunday Mitternacht“ allemal, aber eignet er sich auch, um ihm neue musikalische Seiten abzugewinnen? Die CD kommt mit einem kleinen Einleger in einer runden Blechdose und dürfte limitiert sein.
Die Hamburger Serpents hatten immer ein wenig den Ruf, Epigonen von DAF zu sein, was aber nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Ihr Remix legt die Gesangsspur über einen sehr reduzierten, galoppierenden Rhythmus und atmosphärische Synthies, tanzbar auch für Minimal-Partys. Der Venus 45 Remix aus dem NO MORE-eigenen Umfeld ist weitaus waviger, klingt aber trotzdem ziemlich modern mit seinen breakbeatigen Rhythmen. Hier wird der Mitt-80er NO MORE-Sound sehr gut in die Gegenwart transportiert. Wie es sich für spacig-experimentellen Minimal-Techno gehört, hat Evomania aus dem Track praktisch ein komplett neues Stück macht, das eigentlich gar nichts mehr mit dem Original zu tun hat. Ob remixen tatsächlich so weit gehen muss, dass nur noch einzelne Sounds und Gesangsfetzen übrigbleiben und sogar die Gesangsmelodie verändert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Obwohl das Stück an sich ganz interessant ist, lehne ich es als Remix von NO MORE aber doch ab. Hitpotential für manche Clubs ist aber sicher vorhanden. Eine Mischung aus altem Electro-Industrial-Sound und neuerem Techno liefert, wie nicht anders zu erwarten, Plastic Noise Experience ab. Da ist sicher für so manchen schwarzen Club ein neuer Tanzflächenfüller entstanden. Konsequenten 4/4-Takt mit gnadenlos tanzbaren Sequenzerläufen und verfremdeten Original-Elementen des Songs bietet Pneus’ Remix. Ein bisschen Soundtrack-Gefühl kommt dabei auch noch auf. Die alten EBM-Helden Vomito Negro sorgen ebenfalls für Tanzbarkeit, machen dies aber im Stile einer 80er Jahre Depeche Mode-B-Seite, sicher einer der interessantesten Remixe auf dieser CD. Schnell vergessen ist dann der ziemlich zerhackstückelte Mix von Channel 3. Belanglos, wirkt wie schnell mal zwischendurch eingeschoben, eine Auftragsarbeit halt. Technoir liefern hingegen eingängigen Old School-Electro/EBM-Klang ab, das macht gleich wieder mehr Spaß. Eher auf den Gesang ausgerichtet, unterlegt mit einem recht verworrenen Klang-Misch-Masch ist die Version von For Greater Good. Einige Elemente sind ganz interessant, da hätte man schön etwas in Richtung frühe Laibach oder Test Dept. draus machen können. So bleibt es aber etwas ziellos, wenn auch mit guten Ansätzen. Eine etwas merkwürdige Mischung aus Alternative-Rock-Anklängen und Electro-Sounds kommt von Jantronix Schulte. Zumindest einer der ungewöhnlichsten Remixe, aber doch etwas anstrengend. Ausklingen tut diese CD dann schließlich mit einer Art Blade-Runner-Soundtrack-Dub-Electro-Mixtur von Yvy Demina. Durchaus interessant und einer der eingängigeren Remixe.
Trotzdem, das Konzept, einen einzigen Titel von zahlreichen Leuten remixen zu lassen und dann als Album zu veröffentlichen, kann ich nicht allzu viel abgewinnen. Auch, wenn die Versionen sehr unterschiedlich sind, darunter drei oder vier richtig gut, kommt ein bisschen Langeweile auf. Ein völliger Flop ist nicht dabei und NO MORE behalten ihren guten Ruf als eine der wichtigen Bands der 80er Jahre aus Deutschland, die auch heute noch Musik macht, ohne peinlich zu wirken, aber so richtig notwendig war das Album nun auch nicht. Man muss ja nicht um jeden Preis zeitgemäß wirken wollen… (A.P.)



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