BASTARDS OF LOVE - Bastards Of Love


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2004 / Privatvergnügen x.1 / We Rock Like Crazy

Ein für mich völlig neues Electroprojekt sind die BASTARDS OF LOVE, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich den Namen absolut genial oder völlig daneben finde. Die vorliegende 12“EP ist auf 150 Exemplare limitiert und enthält 6 sehr eigenwillige Electro-Tracks, die aber ein gewisses Publikum extrem ansprechen dürften.

Los geht´s mit dem schleppenden, über 8-minütigen „Track 1“ (die einzelnen Songs scheinen keine Namen zu haben, jedenfalls konnte ich auf der Vorab CD-R und der Website keine ausmachen. Der Titel erinnert extrem an ganz frühe Electro-New Wave Gruppen wie (frühe) Human League oder Fad Gadget und schraubt sich bei mehrmaligem Hören gnadenlos in die Gehörgänge. Für 80er Jahre Freaks definitiv ein echtes Muss! „Track 2“, könnte „Digitaltanz“ heißen, führt zurück in gute alte NDW-Tage, hektischer Rhythmus, Analog-Klänge und ein thematisch passender deutschsprachiger Text. Ich kenne einige Minimal-Electro-Sammler, die darauf voll abgehen werden und auch ich bin begeistert. Leichte DAF-Einflüsse, kombiniert mit dem einen oder anderen Zick Zack-Act liegen nahe. „Track 3“ geht in die gleiche Richtung, ist aber deutlich schräger und chaotischer, leider vom Sound her nicht optimal. Klingt fast schon nach Electro-Punk, wie ihn Tommi Stumpff auch eine zeitlang produziert hat. „Track 4“ ist wieder eingängiger, ohne aber eine gewisse Unruhe zu verlieren. Hier wird alles, was in den 80er Jahren an elektronischer Musik gut war, durcheinander gewirbelt, von New Wave über Synthie-Pop bis hin zu Italo-Disco. Man muss den Song einige Male hören, bis er endgültig zündet, aber dann ist er wirklich gut. Ähnlich erscheint „Track 5“, voll gepackt mit Electrospielereien und auch wieder irgendwo zwischen DAF, Tommi Stumpff und Fad Gadget anzusiedeln, ein weiterer Ohrwurm. Falls sich noch jemand an die Schweizer Nurges erinnert, darf man diese durchaus als Vergleich heran ziehen. Beim letzten Titel „Track 6“ wird´s dann ungewohnt düster und experimentell, wobei die Klänge aber ebenfalls zu fesseln vermögen. So ist die BASTARDS OF LOVE-Platte insgesamt ein sehr gelungenes Werk, dass nicht nur wegen der kleinen Auflage schnell ein gesuchtes Sammlerstück werden wird. Die Klänge zwischen 80er-Electro-New-Wave und Minimal-Electro sind einfach zu verführerisch, als dass man die Platte übergehen sollte. (A.P.)

Webadresse der Band: www.werocklikecrazy.com

WESTEND DESASTER - Frau Koma Kommt


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / Hühnerschreck Räkotz / Kernkrach / KOTZ 04/HSR04

Nach ziemlich langer Zeit legt das auf punkige Klänge spezialisierte Kernkrach-Schwester-Label Hühnerschreck-Räkotz die insgesamt vierte Veröffentlichung vor. Es handelt sich um eine Single der Frankfurter Wave-Punk-Band WESTEND DESASTER, bei der wohl Leute der alten NDW-Punk-Band Bildstörung dabei sind, die Anfang der 80er Jahre ein paar gute Platten veröffentlicht hat. Nun, rund 30 Jahre später will man es noch einmal wissen und liefert zwei kraftvolle Stücke ab, die den Geist des Punk noch spüren lassen, aber so gar nicht altmodisch klingen. „Liberate Me Ex Infernis“ ist eine brodelnde Mischung aus deutschem Früh-Punk, Fehlfarben, Sex Pistols und frühem Gothic-Rock oder so ähnlich, schwer zu beschreiben, aber echt gut. Textlich geht es in eine trashige Fehlfarben-Richtung. Musikalisch klarer zu beschreiben ist „Frau Koma Kommt“. Hier klingt die Musik und auch der Gesang deutlich nach der Art Punk, wie man es von Dackelblut kannte und liebte. Dazu ein bisschen Abwärts (auch im Text zitiert), EA80 und Family 5, also eher kein Deutsch-Punk mit Parolengedresche, sondern eine ordentliche Portion Wave dabei und sicher der bessere Song. Die Zitate (auch Alice Cooper) sind sicher bewusst gewählt und die Anlehnung an den Sound der frühen 80er Jahre ist mit Sicherheit auch gewollt. Passt gut in eine Zeit, in der Bands wie Love A, 1000 Robota und ähnliche die Klänge von damals erfolgreich wieder beleben.
Ich finde diese kleine Veröffentlichung richtig gut, weil sie nicht versucht, etwas vorzugaukeln, was sie nicht ist, sondern ehrlich rüber kommt. Danke Hühnerschreck, das macht wirklich Spaß. Die Platte ist auf 150 Exemplare limitiert, kommt in schwarzem Vinyl mit Textblatt und verpackt in einen individuell gestalteten Plattenversandkarton. Als Beilage gibt es noch zwei 3,5 Zoll Disketten, wobei ich nicht weiß, ob darauf etwas Veröffentlichungs-bezogenes ist, da ich keinen PC mit Diskettenlaufwerk mehr habe. Außerdem gibt es ein kleines Stück Gummifolie mit Noppen. Sicher in Zukunft mal viel Geld wert, also nicht wegschmeißen, auch wenn der Bezug zur Platte nicht erkennbar ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

HEIDEVOLK - Batavi


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Napalm Records

Heidevolk – Batavi
"(VÖ: 02. März 2012 Napalm Records)


Nur wenige konnten sich im Jahre 2002 die glorreiche Zukunft der niederländischen Pagan Metal Band Heidevolk vorstellen, und doch eroberten die Holländer seit ihrer Gründung mit ihrem charakteristischen Gesang zahllose Bühnen Europas. Gerade der doppelte Klargesang und ihre eingängigen Songs setzen sie von der Konkurrenz ab und brachten ihnen in allen Ländern unzählige Fans ein. Die Bandbreite an epischen, brutalen und mitreißenden Songs hält sich gut die Waage und werden mit feurigem und heidnischen Stolz präsentiert. Heidevolk stehen für eine kompromisslose musikalische Einstellung, intensive Shows unddd das Verschwimmen der Grenze zwischen Künstler und Publikum. 2003 veröffentlichten Sie ihre Debüt CD „De strijdlust is geboren“, auf welche zwei Jahre später die EP „Wotan Heerst“folgte. Beide musikalische Lebenszeichen wurden 2008 von Napalm Records auf einer CD wieder veröffentlicht. Das zweite Album „Walhalla Wacht“ folgte 2008 und nur zwei Jahre später der dritte Longplayer „Uit oude grond“ auf welchem Heidevolk ihre Folk Wurzeln mit reiferem Songwriting verbanden. Bis dato war dieses Album das abwechslungsreichste und für die Band selbst ein richtiges Highlight, da es die Türen öffnete zu größeren Tourneen und Festivalauftritten. Wie gesagt bisher war es das abwechslungsreichste Album, aber nun kommt „Batavi“und stellt alle bisherigen Alben in den Schatten für mich.

Der Hörer wird entführt in eine Zeit vor 2000 Jahren als unzählige Germanenstämme und das Römische Reich um die Vorherrschaft im Nordwesten Europas kämpften – insbesondere an den Ufern des Rheins. Inmitten dieser Fronten befanden sich die besungenen Bataver – Protagonisten und Namensgeber des Albums „Batavi“. Man spürt sehr schnell, auch wenn man vom niederländischen Text im Grunde nichts versteht, dass „Batavi“ ein Konzeptalbum ist, welches sich mit der früheren Geschichte des Stammes der Bataver beschäftigt.
Heidevolk zeichnet musikalisch die Geschichte dieses Stammes nach von der Geburtsstunde während einer Revolte gegen eines der größten Reiche, das die Welt je gesehen hat. Auf dem Hintergrund von Kriegen, Verrat und einer stürmischen Ära, erzählt „Batavi“ die Geschichte eines Volkes, welches sich selbst an der Front wiederfindet und um sein Überleben kämpfen muss.

Batavi präsentiert Heidevolk von einer sehr entschlossenen und schnellen Seite in nur 9 Songs ist volle Power drin und Epik. Kraftvolle Gitarren und schnelle donnernde Drums wurden zum Sound Heidevolk 2012 gemixt und liefern die Stütze für die Doppelgesänge des Albums. Der Zuhörer wird auf das Schlachtfeld geführt und entweder bildet er eine Phalanx oder wird Teil der Revolte!
Die Atmosphäre ist stimmig und die Zeitreise funktioniert perfekt, wenngleich auch der Text der Songs unverständlich bleibt, aber das stört nicht, sondern verstärkt eher das Feeling der vergangenen tage und der Rauheit de Schlachtfeldes! Für mich ein gern gehörtes Album des Monats März mit dem Prädikat :“Hörenswert!“
(Maximilian Nitzschke)

HEIDEVOLK - Batavi


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Napalm Records

Heidevolk – Batavi
"(VÖ: 02. März 2012 Napalm Records)


Nur wenige konnten sich im Jahre 2002 die glorreiche Zukunft der niederländischen Pagan Metal Band Heidevolk vorstellen, und doch eroberten die Holländer seit ihrer Gründung mit ihrem charakteristischen Gesang zahllose Bühnen Europas. Gerade der doppelte Klargesang und ihre eingängigen Songs setzen sie von der Konkurrenz ab und brachten ihnen in allen Ländern unzählige Fans ein. Die Bandbreite an epischen, brutalen und mitreißenden Songs hält sich gut die Waage und werden mit feurigem und heidnischen Stolz präsentiert. Heidevolk stehen für eine kompromisslose musikalische Einstellung, intensive Shows unddd das Verschwimmen der Grenze zwischen Künstler und Publikum. 2003 veröffentlichten Sie ihre Debüt CD „De strijdlust is geboren“, auf welche zwei Jahre später die EP „Wotan Heerst“folgte. Beide musikalische Lebenszeichen wurden 2008 von Napalm Records auf einer CD wieder veröffentlicht. Das zweite Album „Walhalla Wacht“ folgte 2008 und nur zwei Jahre später der dritte Longplayer „Uit oude grond“ auf welchem Heidevolk ihre Folk Wurzeln mit reiferem Songwriting verbanden. Bis dato war dieses Album das abwechslungsreichste und für die Band selbst ein richtiges Highlight, da es die Türen öffnete zu größeren Tourneen und Festivalauftritten. Wie gesagt bisher war es das abwechslungsreichste Album, aber nun kommt „Batavi“und stellt alle bisherigen Alben in den Schatten für mich.

Der Hörer wird entführt in eine Zeit vor 2000 Jahren als unzählige Germanenstämme und das Römische Reich um die Vorherrschaft im Nordwesten Europas kämpften – insbesondere an den Ufern des Rheins. Inmitten dieser Fronten befanden sich die besungenen Bataver – Protagonisten und Namensgeber des Albums „Batavi“. Man spürt sehr schnell, auch wenn man vom niederländischen Text im Grunde nichts versteht, dass „Batavi“ ein Konzeptalbum ist, welches sich mit der früheren Geschichte des Stammes der Bataver beschäftigt.
Heidevolk zeichnet musikalisch die Geschichte dieses Stammes nach von der Geburtsstunde während einer Revolte gegen eines der größten Reiche, das die Welt je gesehen hat. Auf dem Hintergrund von Kriegen, Verrat und einer stürmischen Ära, erzählt „Batavi“ die Geschichte eines Volkes, welches sich selbst an der Front wiederfindet und um sein Überleben kämpfen muss.

Batavi präsentiert Heidevolk von einer sehr entschlossenen und schnellen Seite in nur 9 Songs ist volle Power drin und Epik. Kraftvolle Gitarren und schnelle donnernde Drums wurden zum Sound Heidevolk 2012 gemixt und liefern die Stütze für die Doppelgesänge des Albums. Der Zuhörer wird auf das Schlachtfeld geführt und entweder bildet er eine Phalanx oder wird Teil der Revolte!
Die Atmosphäre ist stimmig und die Zeitreise funktioniert perfekt, wenngleich auch der Text der Songs unverständlich bleibt, aber das stört nicht, sondern verstärkt eher das Feeling der vergangenen tage und der Rauheit de Schlachtfeldes! Für mich ein gern gehörtes Album des Monats März mit dem Prädikat :“Hörenswert!“
(Maximilian Nitzschke)

SARAH KUTTNER - Mängelexemplar


Erstveröffentlichung: Buch 2009 / Fischer / ISBN 3596184940

Karo ist so um die 30, hat grad ihren Job verloren, Freunde aus dem Adressbuch gestrichen und dann auch noch Schluss gemacht mit ihrem egomanischen Freund. Eigentlich könnte das ein toller Punkt für einen Neuanfang sein, stattdessen kriegt sie Angstattacken. Der konsultierte Psychiater diagnostiziert eine Depression, verschreibt Antidepressiva, schon geht es ihr wieder besser. Als dann ein neuer Freund ins Haus steht und im Grunde alles wieder repariert erscheint, beginnt sie die Tabletten abzusetzen, aber ist das nicht vielleicht zu früh?

Sarah Kuttner, Ex-VIVA-Moderatorin und Kolummnistin, bringt mit ""MÄNGELEXEMPLAR"" ihren ersten Roman auf den Markt. Es geht um Depressionen, die sie, so die Wikipedia, bei ihren Bekannten beobachtet hat. Das Buch bietet keinen tiefgründigen Einblick in das Thema, ist ja aber auch kein Sachbuch. ist aber auch nicht witzig, so wie ihre Kolummnen es sind. Es liest sich gut, es liest sich schnell, ist manchmal vergnüglich, manchmal traurig, zeigt ein bisschen, wie Depressionen wirken, ist ein bisschen ironisch, aber kein Riesenwurf, über den man viele Worte verlieren müsste. Einfach ein netter Zeitvertreib. (H.H.)

COMPILATION - Svenst Bonnasynth


Erstveröffentlichung: Mini-LP 2011 / Enfant Terrible / ET006

Viel muss man über diese wunderschöne Platte gar nicht schreiben: Enfant Terrible hat drei der neueren schwedischen Electro-Bands gebeten, jeweils zwei Titel für die Mini-LP beizusteuern und MONSTER APPARAT, KORD und ADOLF FILTER ließen sich nicht lumpen und haben ausschließlich Hits geschickt. Minimal-Synth-Wave-Sound vom feinsten, klar in den 80er Jahren verwurzelt, aber alles andere als altmodisch, minimalistisch aufgenommen, aber einwandfrei und tanzbar produziert. Wavige Synth-Pop-Perlen, die absolut im Ohr bleiben. Dazu ein einfaches, aber gelungenes Cover und eine Art „hidden Track“ nach der Auslaufrille auf Seite B. So muss eine gelungene Minimal-Platte klingen, schlicht und eingängig. Limitiert auf 320 Exemplare. Ich bin begeistert! (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

COMPILATION - Salad Bowl Dialog


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Aktion Musik

Nazimusik!
So, jetzt habe ich für diese Besprechung erstmal alle Aufmerksamkeit. Und natürlich wird auf unseren Seiten keine Musik von Nazibands besprochen, schon gar nicht positiv. Stattdessen aber gerne Musik von Leuten, die was gegen Nazis haben. Bekannt ist, dass die NPD seit einigen Jahren so genannte „Schulhof-CDs“ verteilt oder zum kostenlosen Download bereitstellt. Diese Zusammenstellungen enthalten Musik von einschlägigen Bands verschiedner Stile mit ebenso eindeutigen Texten, wobei penibel darauf geachtet wird, dass keine strafrechtlich relevanten Sachen dabei sind. Da man die Aktionen – mit dem Ziel, junge, politisch noch unentschlossene Jugendliche auf die rechte Seite zu ziehen - nur schwer verhindern oder gar verbieten kann, hat sich eine Gruppe von Leuten aus Niedersachsen überlegt, was man dagegen tun kann. Herausgekommen ist die Zusammenarbeit mit zahlreichen Gruppen und Vereinigungen in Form eines kostenlos verteilten CD-Samplers, der als Tauschobjekt gegen den Nazi-Schrott dienen soll.
Idee: sehr gut; Engagement: fantastisch; Umsetzung: na ja, man hat sich Mühe gegeben.
Natürlich ist es immer sehr gut, junge (wohl überwiegend lokale) Bands und Nachwuchsgruppen zu fördern, aber um jemanden zum Herausgeben der Nazimusik zu bewegen, muss natürlich ein bisschen Spektakel geboten werden und dafür wäre 2-3 bekanntere Bands als „Köder“ gut gewesen und natürlich eine auffälligere Aufmachung der ganzen Veröffentlichung. Das Auge „isst“ ja schließlich mit. Zu sehen gibt es aber nur kleine Bilder der Bands + Internetadressen, ein echt hässliches Frontcover und zu lesen findet man einige kurze Texte, die mir wie Sozialarbeitergeschwätz erscheinen. Ob man junge Leute damit erreicht weiß ich nicht.
Die Auswahl der 17 Bands ist sicher Geschmackssache. Mir war bisher kein Name ein Begriff, aber das muss ja nichts heißen. Stilistisch gibt man sich völlig offen, wobei schon Alternative-Rock und verwandte Stile wie Emo, Screamo und Grunge vorherrschen. Aber auch poppiges, metalliges und bluesiges ist zu hören. Überwiegend sind die Bandmitglieder junge Leute, von denen auffällig viele sich die Haare ins Gesicht gekämmt haben. Für diese Mode bin ich wohl einfach zu alt, aber wenn ich bedenke, wie ich als Teenager rumgelaufen bin, darf ich eh nichts sagen. Zu hören gibt es Songs von MONKEYMEDIA, PAAN, THE SALTY BLUE NOTES, TOSKA & THE SMOOD BROTHERS, DRESCO (Tipp!), TINITUS, HAGS (für Ärzte-Fans interessant), DEADEMOTION, RELATIVLAUT, AARON GROWN, A SEPARATE SENTENCE, LETHAL INJECTION, ELIS, EQUALITY VAIN, BROKEN MARBLE, ZADOK und COUNTERFEIT GANG. Gut ist, dass plumpe linkspolitische Statements hier nicht allzu plakativ im Vordergrund stehen, sondern solide Musik geboten wird. Auffällig ist, dass in 17 Bands mit ungefähr 70 Musikern deutlich weniger als zehn Mädchen/Frauen dabei sind. Wollen die nicht oder dürfen die nicht? Und etwas kritisch sehe ich auch, dass man sich mit dem „Förder-Logo“ des Familienministeriums schmückt. Das ist nun wirklich kein Qualitätsmerkmal und es wäre schöner gewesen, das ganze Projekt unabhängig durchzuziehen.
Trotz der Kritik und obwohl mich selber die gebotene Musik nicht unbedingt vom Hocker reißt, ist dies ein absolut unterstützenswertes Projekt, das auch mit diversen Live-Release-Partys bekannt gemacht wurde. (A.P.)

Webadresse der Band: www.szenepunkt.de

XANDRIA - Neverworlds End


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Napalm Records

Xandria – Neverworld's End
"(VÖ: 10.März 2012 Napalm Records)

Mit großer Freude aufgenommen wurde von mir Anfang des Jahres, dass es neues Material aus dem Hause Xandria geben wird. In den letzten Jahren war es nach dem Weggang von Lisa Middelhauve ruhig geworden um die kraftvolen Symphonic Metaller aus Bielefeld und ich hatte schon befürchtet, dass das finale Kapitel mit der Werksschau „Now and Forever“ aufgeschlagen wurde. Zum Glück ist dies nicht eingetreten, ganz im Gegenteil, mit neuer Sängerin wagen Xandria den musikalischen Neuanfang und hören sich dabei reifer und kräftiger an als jemals zuvor. Was mich jedoch verwunderte ist, die Thematik des Albums, denn für mich sind zu große Parallelen zum Konzept von „Imaginearum“ der finnischen Konkurrenz Nightwish zu erkennen. Der Titel des neuen Albums „Neverworld's End“ weckt Assoziationen zu Nimmerland und Peter Pan, den verlorenen Jungs und dem Wunsch partout nicht erwachsen werden zu wollen. Stattdessen flüchtet Peter Pan in seine Traumwelt, einen Ort an dem man lediglich an etwas glauben muss, damit es dann passiert. Diese Bilder erzeugten auch Nightwish wie gesagt und so muss man leider die Frage aufwerfen, ob dieser unweigerliche Vergleich mit der Konkurrenz nötig war, nachdem sich Xandria in den letzten Jahren ihren Platz innerhalb der Goth – Rock Szene gut erarbeitet hatte. Nach eingehender Prüfung stell ich für mich fest, das der Vergleich mit Bands wie Nightwish in Zukunft stärker werden wird bei Xandria aufgrund eines gelungenen Stilwechsels in epischen Symphonic Metal und damit die musikalische Ausgestaltung ähnliche Züge aufweisen wird, deren spezifische Bandgestaltungen gilt es für den Hörer zu ergründen.

Marco Heumann, Mastermind der Band meint, dass die Assoziationen zu Peter Pan und Nimmerland natürlich gewollt waren und in einigen Songs auch ganz direkt auch mit dieser Thematik gespielt wird, wie etwa „The Lost Elysion“, aber die Kernessenz des Albums im wesentlichen darin bestünde, sich seine Träume zu bewahren und am Leben zu erhalten.. Auffallend ist die Offenheit Marcos im Songwriting, denn auch wenn er versucht hat das neue Album unter dem Deckmantel der Allgemeinheit zu betrachten, entdeckt man als Hörer der ersten Stunde Xandrias doch sehr viel mehr persönliche Einblicke als auf den Vorgängeralben. Er selbst gibt bereitwillig zu, dass er gelernt hat sich nach außen zu öffnen und in diesem Prozess jahrelang verdrängte Erlebnisse wieder hochkamen. Offensichtlich lag ihm einiges auf der Seele, welches so kraftstrotzend und energiereich wie nie zuvor präsentiert wird. Xandria haben die Gefilde des Goth – Rock verlassen und bekennen sich zu mehr Härte durch Metaleinschläge, lyrische Epik und bombastische Arrangements – Symphonic Metal dominiert das neue Kind. Um einen solchen Schritt zu vollziehen bedurfte es auch musikalischer Veränderungen und so wurde insgesamt das Tempi angezogen, die einzelnen Rhythmen komplexer und Gitarren und Schlagzeug ausgefeilter zum Einsatz gebracht. Wer den Vorgänger „Salomé“ bis dato für ein hartes Album hielt, dem wird es jetzt fast zu weichgespült erscheinen im Vergleich. Auch dies dürfte auf die Veränderungen im Produzentenprozess zurückzuführen sein, denn erstmals zeichnet sich hierfür Marco Heumann selbst aus. Einen Außenstehenden, welcher sich hätte einmischen können in den künstlerischen Entstehungsprozess
gab es nicht, somit musste der Xandria Kopf sich geistig zwei teilen und sich einerseits in Details vertiefen und zugleich die Distanz waren um nicht die Fäden zu verlieren. Somit folgt dieses Album hörbar einer Vision, was bei „Salomé“ so nicht der Fall gewesen war. Damals gab es einige Differenzen innerhalb der Band und so ist der Vorgänger ein Stück weit ein Kompromissalbum geworden. Der rote Faden fehlte, da die Band selbst auch nicht ganz wusste, wohin sie eigentlich möchte. Im Nachhinein hat dieser Umstand Marco dazu veranlasst, eine klare musikalische Entscheidung zu treffen. Innerhalb der Songs wurde ausprobiert wie opulent man diese gestalten kann und dabei unerwartete Wechsel einzubauen. Ein Beispiel hierfür bildet „Soulcrusher“, welcher etwa ab der Hälfte nicht mehr so weitergeht, wie es der Hörer erwarten würde. Inhaltlich geht es um das Problem gemobbt zu werden und auch musikalisch wird der Wahnsinn des Songs immer mehr gesteigert.

Neverworlds End hat den Neuanfang fulminant eingeläutet und bildet ein klares Statement. Künftig wird man Xandria als Symphonic Metal Band bewerten müssen und Xandria wiederum sich daran messen müssen. Die Messlatte ist hochgelegt worden und nun gilt es weiterhin zu überzeugen! (Maximilian Nitzschke)

FORKYS - My Spirit Freed At Last


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Dead Scarlet Records

FORKYS ist ein griechisches Duo, das 2003 seine erste CD-EP veröffentlicht hat und 2005 mit dem Album „My Spirit Freed At Last“ das Debütalbum nachlegt. Benannt nach einer Figur aus der altgriechischen Mythologie, klingt die Musik aber alles andere als altmodisch. Vielmehr wird mit alten Klängen und modernen elektronischen Rhythmen und Sounds experimentiert, so dass eine Mischung aus Electronic Body Music, Techno und Breakbeat herauskommt, die sehr tanzbar ist, sich aber vor allem auch eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Zielgruppe dürften sicher Besucher der Clubs der Dark Wave-Szene sein, obwohl die Musik nicht besonders düster ist. Aber das liegt wohl eher daran, dass sich die Szene selbst ziemlich verändert hat. Während die Musik aber recht direkt ist, sind die von einer guten Frauenstimme hervorgebrachten Inhalte wohl tatsächlich – zumindest teilweise – von der griechischen Mythologie beseelt. Zum Ende hin lebt die Band auch noch ein paar etwas experimentellere Vorlieben aus, was dann auch die spannendsten Momente auf diesem Album sind, während „Attack Of Insanity“ sicher in dem einen oder anderen Club erfolgreich sein könnte. Zu dem Track gibt es schließlich auch noch einen Videoclip auf der CD, der zwar relativ einfach, aber doch ganz wirkungsvoll produziert wurde. Auch das Artwork, vor allem im Booklet sticht positiv hervor. So wird ein oberflächlich betrachtetes „normales“ Electro-Album doch zu einem Werk, mit dem man sich ein bisschen länger beschäftigen kann. Solide Dancefloor-Klänge aus Griechenland, nicht mehr und nicht weniger. (A.P.)

TYPHOON MOTOR DUDES - Stranded In Hell


Erstveröffentlichung: CD 2009 / ANR Music & More / Broken Silence / ANR 032

Punk aus Norddeutschland ist grundsätzlich mal interessant, weniger, weil der immer gut ist, als aus einem gewissen Lokalpatriotismus heraus, den ich mir als Hamburger einfach mal erlaube.
TYPHOON MOTOR DUDES stammen aus Kiel und liefern mit „Stranded In Hell“ ihr zweites Album ab, das nicht mehr und nicht weniger als eine straighte Punk-Rock-Packung ist. Ein bisschen Schweden-Rock’n’Roll, etwas amerikanischer Westküsten-Punk, viel Melody-Core und eine gute Portion Rotzlöffeligkeit, sowie eingängige Refrains mit „whooooohoooohhaaa“-Chören. Und auch die Misfits (die Musik, nicht die Texte) haben die Kieler sicher schon mehr als einmal gehört. Das macht Spaß, ist nach 38 Minuten schon wieder um und man fühlt sich einfach gut gelaunt. Natürlich kriegt man hier nicht die innovative Zukunft zum Thema Rockmusik zu hören, sondern einfach voll-nach-vorne-Punk-Rock, aber genau das will die Band wohl auch und ich finde das gut, auch, weil die 12 Songs schön kraftvoll produziert sind. Macht live bestimmt noch mal doppelt so viel Spaß. Und wie es sich für eine zünftige Punk-Band gehört, gibt es im Booklet auch ein Klo-Bild der Gruppe zu sehen. Das ist dann schon wieder herrlich old-school. (A.P.)

Webadresse der Band: www.anr-music.org

LOGOSAMPHIA - Passage Omni


Erstveröffentlichung: MC 2012 / Enfant Terrible / ET013

LOGOSAMPHIA ist ein holländisches Projekt von Sadra Hemati, das schon auf dem “Kamp Holland”-Sampler zu hören war.
Nun gibt es ein 20minütiges Tape zu hören, das ganz andere Musik bietet, als auf dem Sampler. Hemati hat alle Klänge auf dieser Cassette mit einem Suzuki Omnichord System 2 OM-84 eingespielt, ein sehr eigenwilliger Synthesizer aus den frühen 80er Jahren, der klangmäßig hier an eine alte Heimorgel erinnert und somit stark das Gefühl aufkommen lässt, man würde sich mitten in den späten 60er und den 70er Jahren befinden. Die vier Stücke klingen wie eine Mischung aus Ambient und Krautrock und hätten auch wunderbar auf Treue um Treue/Reue um Reue erscheinen können. Schön spacig und skurril und weit entfernt von Minimal-Electro, New Wave oder Industrial, wie man es sonst eigentlich von Enfant Terrible kennt. Auch Avantgarde trifft es nicht genau. Hier und da fühle ich mich an die elektro-akustischen Werke von Artemiy Artemiev aus Russland erinnert. Die analoge Cassette ist auf jeden Fall das perfekte Medium hierfür, denn derartige Heimexperimente kennt man auch und vor allem aus der Tapeszene der frühen 80er Jahre, als weltweit junge Leute begannen, mit den inzwischen erschwinglichen elektronischen Instrumenten und Vierspurgeräten herumzuexperimentieren. Natürlich ist das kaum Musik für einen breiteren Hörerkreis, aber ob eine Limitierung auf nur 60 Exemplare sinnvoll ist, stelle ich mal in Frage, immerhin dürfte es heutzutage ja doch ein paar mehr Sammler des Labels geben. So hat das ganze, sicher nicht ungewollt, auch einen gewissen Kunstanspruch. Spannend, aber alles andere als Alltagsmusik zum nebenbei konsumieren. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl


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