BAUHAUS - Gotham


Erstveröffentlichung: Doppel-CD / KK Records

Well, here are the ""godfathers"" of Gothic-Rock back again with an live album, recorded on their reunion tour some time ago. What to exspect? BAUHAUS playing their hits live and let you think, that they never had gone away for years. They really sound like in their best times and they offer all the great hymns like ""Double Dare"", ""In the Flat Field"", ""She´s In Parties"", ""Terror Couple Kill Colonel"", ""Telegram Sam"", the Bowie cover ""Ziggy Stardust"", ""Hollow Hills"", ""Kick In The Eye"" and of course ""Bela Lugosi´s Dead"" plus some more.

As a little bonus, we also get a studio recording of the Dead Can Dance cover ""Severance"" (plus a live version). It is strange, but this song could also have been a BAUHAUS original. As BAUHAUS fan everybody should get this DCD (also released as limited edition in a fold out Digi-Pak), but now we await new stuff by this band and hope, that they are still good enough to create such classics, that are featured live here. (A.P.)

DIE RADIERER - Der Andlusische Bär


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Zick Zack / Indigo / ZZ 2023

DIE RADIERER aus Limburg haben Anfang bis Mitte der 80er Jahre eine Single und drei LPs sowie einige Sachen auf Tape veröffentlicht. Vielleicht war ihr „Angriff aufs Schlaraffenland“ der ultimative Neue Deutsche Welle-Song, denn das Stück war ultra-eingängig, trotzdem schräg, gut gelaunt, aber nicht oberflächlich. Wenn „Fred vom Jupiter“ zu einem Vorzeigestück der NDW geworden ist, hätte das Lied von den Limburgern eigentlich auch ein absoluter Megahit werden müssen. Wurde es aber nicht. Das zeigt deutlich, dass man damals absolut nicht vorhersagen konnte, was sich durchsetzt und was nicht. Kurz darauf eroberten die alten Plattenfirmen mit ihren Schlager-Produktionen unter dem Label NDW die Charts und für Gruppen wie DIE RADIERER blieb nichts vom großen Kuchen übrig. Schade, aber vielleicht auch gut so. Anfang des dritten Jahrtausends hat Was Soll Das? Schallplatten die Gruppe mit Vinyl-Veröffentlichungen der alten Tapes und unveröffentlichter Stücke zurück ins Bewusstsein einer kleinen Sammlerschar gebracht und die Band tat sich wieder zusammen, um hin und wieder live zu spielen. Und schließlich erschien 2008 tatsächlich das vierte Album mit neuen Stücken. Wo sonst, als auf Zick Zack, wie schon die Platten der 80er Jahre? Das nennt man Treue. Die Kernbesetzung, das Duo C.B. Bodenstein und Jürgen Beuth, ist immer noch dabei und hat neue Musiker um sich geschart, aber sonst hat sich gar nicht so viel geändert. Die Musik ist immer noch deutschsprachiger Pop mit einfachen, aber schönen Melodien, schlichten, aber nicht dummen Texten und einer Menge Humor. Vielleicht ist die Musik etwas rockiger und weniger von billigen Synthies geprägt und sicher haben sich die musikalischen Fähigkeiten seit 1984 deutlich weiterentwickelt. Aber sympathisch ist das alles immer noch oder auch wieder, je nach Perspektive. Ein Knaller, den auch Der Plan nicht besser hinbekommen hätte ist „Pommesbudenmädchen“, „Sextourist“ oder „Sterben Wie Donald Duck“ (wurde auch als Promo an Radiosender verschickt) sind kleine Hits voller Sarkasmus, ebenso „Prominent“, das ein bisschen an Die Zimmermänner erinnert. Der heimliche Hit für alte Fans dürfte aber das an DAF erinnernde „Ein Ton“ sein, wobei auch die textliche Aussage den Vergleich bestätigt. Ich bin ziemlich sicher, dass dieses Lied an DAF erinnern SOLL. 15 Lieder, keines über dreieinhalb Minuten, das verspricht herrlichen, leichten Pop, der aber eben alles andere als dumm ist. DIE RADIERER werden auch mit dieser Platte keinen kommerziellen Durchbruch schaffen, wollen das sicher auch gar nicht, aber ich hoffe, dass nicht nur die NDW-Sammler hier zuschlagen, sondern die Band auch darüber hinaus ein bisschen verdienten Respekt erntet, bei Andreas Dorau hat das doch auch geklappt. Vom reinen NDW-Klang hat sich die Gruppe jedenfalls gelöst und einen vielseitigen Sound entwickelt, der die Wurzeln aber auch nicht verleugnet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.die-radierer.com

NORTHERN SADNESS - Riddles Of Lunacy


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Echozone / BOB Media / EZ11C755

NORTHERN SADNESS ist ein deutsches Duo, das seit 2010 existiert und mit dem Album „Riddles Of Lunacy“ erstmals im größeren Rahmen an die Öffentlichkeit tritt. Zu hören gibt es laut Waschzettel Dark Electro/New Wave und die Beschreibung trifft es ganz gut. Kein Wunder, dass die Band bei Echozone gelandet ist. Offenbar ist der Einfluss der (düsteren) Musikszene der 90er Jahre doch größer, als ich sowieso schon befürchtet hatte, denn immer wieder laufen mir Bands über den Weg, die deutlich von der damaligen Dark Wave-Szene beeinflusst wurden. NORTHERN SADNESS, ein etwas unschöner Bandname, wie ich finde, gehören allerdings zu den besseren Bands dieses Stils, auch, wenn sie sicher in Zukunft nicht zu großen Szenestars werden. Klar, ihre Musik ist ganz klar Dark Wave auf elektronischer Basis, aber sie verarbeiten durchaus auch eine Menge Synth-Pop, ein bisschen Cold Wave und hier und da tanzbare EBM-Rhythmen. Das alles, gut produziert und mit eingängigen Melodien versehen, macht „Riddles Of Lunacy“ zu einem Album, das man sehr gut nebenbei hören kann, auch, wenn es vielleicht einen Tick zu lang geraten ist. Manchmal wird es etwas arg poppig, aber oft kommen auch Gedanken an Bands wie Diary Of Dreams oder Drown For Resurrection auf, was die Atmosphäre angeht. Hier und da erinnert es auch etwas an die wavige Seite von Project Pitchfork. Wer mit dem Dark Wave der frühen 90er aufgewachsen ist oder in dieser schwarzen Szene sozialisiert wurde, wird hier eine Menge Deja Vu-Erlebnisse haben und bestimmt einige Male leicht nostalgisch werden. Mir gefällt es, was ich nicht erwartet hatte, jedenfalls recht gut. (A.P.)

Webadresse der Band: www.northernsadness.com

TONGUE - At The beginning


Erstveröffentlichung: Download 2012 / Zorch Factory Records / AF Music / af170

Von einem Gothic-Rock Revival zu sprechen, wie es das Info zu dieser Veröffentlichung tut, ist wohl etwas übertrieben. Tatsache ist aber, dass zurzeit immer mal wieder interessante Veröffentlichungen aus diesem Genre erscheinen, das die letzten etwa 15 Jahre in der schwarzen Szene ziemlich an Bedeutung verloren hat. Leider, wie ich mal hinzufügen möchte.
Ob TONGUE nun wirklich „die erste Death-Rock-Band aus Tschechien“ ist, weiß ich nicht. Aus dem Nachbarland Slowakei kennt man zumindest The Last Days Of Jesus, das heißt, ganz neu ist dieser Musikstil in dieser Region in der Mitte Europas nicht.
TONGUE liefern auf ihrer Debüt-EP, die auf dem französischen Weblabel Zorch Factory Records in Zusammenarbeit mit dem deutschen Label AF Music erscheint, eine gute Mischung aus klassischem Gothic-Rock und eben, wie erwähnt, Death-Rock ab, die in kompletter Eigenregie entstanden ist und schön undergroundig klingt. Für meinen Geschmack hätte die Abmischung gerne noch etwas dreckiger sein dürfen, aber ich glaube fast, das hat mit der digitalen Erscheinung zu tun. Auf Vinyl klänge das bestimmt noch besser. Aber auch so gibt es sehr gute Songs zu hören, die mehr als einmal an alte Christian Death, Voo-Doo Church, The Plague und andere Ami-Helden der 80er erinnern. Schöne schneidende Gitarren, wummernder Bass und treibende Schlagzeugrhythmen lassen alten Säcken wie mir, die mit dieser Musik aufgewachsen sind, Nostalgietränen in die Augenwinkel treten. Natürlich ist auch mir klar, dass diese Zeiten über 20 Jahre her sind, aber man freut sich doch immer wieder, wenn man neue Bands entdeckt, die den alten Sound am Leben erhalten. Ein Intro, fünf durchweg gute Songs und ein Bonustrack, der an die guten alten Cramps erinnert, sind hier zu einer schönen EP zusammengefasst, die neugierig auf mehr macht. Bin sehr gespannt, was da als nächstes kommt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

MONICA RICHARDS INFRAWARRIOR - Naiades


Erstveröffentlichung: CD 2011 / Danse Macabre Records / Al!ve / 13494

Seit rund zwanzig Jahren veröffentlichen die Amerikaner MONICA RICHARDS und William Faith als Faith And The Muse Platten und verzaubern ihre zahlreichen Fans mit einer wunderschönen Mischung aus Death-Rock, Gothic-Rock und Dark Wave. Auch vorher haben beiden schon Musik in zahlreichen Bands gemacht, zum Beispiel Mephisto Walz, Strange Boutique und Wreckage. MONICA RICHARDS nimmt seit einigen Jahren nun auch solo Platten unter dem Projektnamen INFRAWARRIOR auf und kann da einige Seiten von sich präsentieren, die vielleicht nicht so ganz zu Faith And The Muse passen.
Ein wahnsinnig ambitioniertes Projekt ist dabei das neue Album „Naiades“, das in luxuriöser Aufmachung bei Danse Macare Records/Al!ve erscheint. Als Solo-Künstlerin hat sich RICHARDS hier zahlreiche Künstler und Musiker zur Unterstützung geholt, die mit ihr zusammen ein Gesamtkunstwerk geschaffen haben. Die CD erscheint in einem fetten Din A5-Buch, in dem jede Seite von einem anderen Künstler gestaltet wurde, um die abgedruckten Texte passend zu unterstützen. Obwohl William Faith als Musiker, sicher ganz bewusst, nicht mitgewirkt hat, ist eine musikalische Verwandtschaft zur Hauptband nicht ganz von der Hand zu weisen. Klar, MONICA RICHARDs Stimme ist natürlich sehr prägnant und alles andere als ein Album, das im weiteren Sinne in die schwarze Szene passt war auch nicht zu erwarten. Darüber hinaus gibt es aber viele weitere Einflüsse, die von Song zu Song variieren. Insgesamt kommt dabei eher Dark Wave als Gothic-Rock heraus, durchaus eingängig und nicht allzu düster, aber dafür tief bewegend. Man stelle sich eine Mischung aus The Creatures, Dead Can Dance und Skin vor und erhält damit einen ganz guten Eindruck, was einen hier erwartet. Ich hoffe nur, dass die Fans das Werk auch zahlreich kaufen, damit die Künstlerin auch in Zukunft solche außergewöhnlichen Kunstwerke umsetzen kann. Ich jedenfalls bin begeistert und werde auch in Zukunft die Arbeit von MONICA RICHARDS bedenkenlos durch Vorbestellungen jederzeit unterstützen, denn hier bekommt man wirklich noch etwas Besonderes für sein Geld. (A.P.)

Webadresse der Band: www.monicarichards.com

TACITURNE & THE GOREMASTER'S ULTRA HIGH TEMPERED TROOPERS OF XERO TOLERANCE - Cavos In Sorrows And Happiness


Erstveröffentlichung: MC 2011 / Treue um Treue / T.u.T. 019

Viele Musiker, die heute in mehr oder weniger bekannten Bands und Projekten sind, haben auch vorher schon, oft viele Jahre oder gar Jahrzehnte, Musik gemacht und häufig nichts veröffentlicht, weil in der Vergangenheit einfach die Möglichkeiten dazu fehlten. Eine selbstfinanzierte Platten- oder CD-Produktion war für die meisten Leute Ende der 80er Jahre und bis weit in die 90er hinein unerschwinglich. So blieben viele Aufnahmen, hauptsächlich auf Vier-Spur-Cassetten, aber auch auf ersten Heimcomputern, unveröffentlicht. Wenn diese Musiker heute ihre Archive durchstöbern findet sich so manches Schätzchen, das längst verschollen schien. Das hat auch Laszlo P.S. (Wermut, Ich Wollte Ich Könnte) getan und zahlreiche Aufnahmen seines alten Projektes TACITURNE ausgegraben, die er Ende der 80er Jahre auf seinem Amiga 1000 gemacht hat. Mit Programmen wie dem Soundtracker war sogar Sampling möglich, damals durch den Acid-Hype in aller Munde und Ohren. Ähnlich wie This Girl Is Poison, einem Projekt von Haiko Herden (Charles Lindbergh n.e.V., Anti Trust), wurde hier wild herum experimentiert, es wurden Sounds ausprobiert, Rhythmen programmiert, Samples eingebaut und so entstanden zahlreiche Miniaturen, die oft weniger Songs als Ideen waren aber was die Kreativität und die Experimentierfreude anging durchaus an den Cassetten-Underground der frühen 80er Jahre anschlossen. Fast klar, dass es in unserer Zeit, wo einem der Computer viel Arbeit abnimmt, derartige – trotz Computereinsatzes überwiegend handgemachte – Musik heute etwas anachronistisch vorkommt, zumindest, wenn die ersten drei Ziffern des Geburtsjahres 198 oder 199 sind. Wahrscheinlich auch deshalb wurde als Veröffentlichungsmedium die gute alte MusiCassette gewählt, denn erwähnenswerte Stückzahlen auf Vinyl oder CD setzt man wohl nicht mit Amiga 1000-Klängen ab. Das war Ende der 80er anders, als 16 Bit Hits wie „Changing Minds“ vorweisen konnte. Zu hören gibt es auf dieser professionell hergestellten und auf 66 Exemplare limitierten Cassette 30 kurze Stücke in rund 40 Minuten, die einerseits als Minimal-Electro-durchgehen, aber sicher auch vom damaligen Disco-, Acid- und EBM-Sound beeinflusst waren und oft wie die typischen Computerspiele der Zeit klingen. Der ganz eigene Klangkosmos des Amiga 1000 macht die Stücke aber unverwechselbar und es sind einige echte Ohrwürmer darunter.
Vielleicht ist dies wirklich ein bisschen eine nerdige Veröffentlichung, auf jeden Fall weckt sie aber viele Erinnerungen und macht Spaß. Die 66 Exemplare der Cassette sind in drei unterschiedlichen Coverfarben erschienen. Etwas verwundern tut mich allerdings das Artwork selbst, das eher nach dem Demo einer Metal-Band aussieht und so gar nicht zur Musik passt. Aber wahrscheinlich ist auch das mit einem Augenzwinkern zu sehen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

SOMA SEMA - Articficial Heart


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2011 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB005

Mir ist nicht ganz klar, wonach im Hause Genetic Music entschieden wird, ob eine Veröffentlichung auf dem Hauptlabel oder dem Unterlabel No Emb Blanc erscheint. Die musikalische Ausrichtung ist doch recht ähnlich, nämlich überwiegend elektronischer Minimal-Wave-Synth-Pop, wobei mal die eine, mal die andere Variante mehr im Vordergrund steht. Vielleicht ist Genetic Music etwas mehr an den 80er Jahren orientiert und insgesamt auch minimal-elektronischer, während auf No Emb Blanc etwas wavigere Bands erscheinen, die durchaus auch moderne Einflüsse verarbeiten und insgesamt „voller“ oder „fetter“ klingen. Zumindest kann man das aus der schönen 7“ von SOMA SEMA schließen, die zwei sehr eingängige und kräftig produzierte Synth-Wave-Songs enthält. Klar sind die Einflüsse aus den 80er Jahren stark vorhanden, aber das Mann-Frau-Duo klingt sehr frisch und überhaupt nicht altmodisch. Oder ist etwa Voraussetzung zu einem Erscheinen auf No Emb Blanc, dass der Gesang von einer Frau kommt? Letztendlich ist das alles völlig egal, so lange so schöne Platten erscheinen, wie von den Schweden SOMA SEMA, die einfach sehr schöne Electro-Ohrwürmer als klassische Vinyl-Single präsentieren. Viel mehr muss man dazu gar nicht schreiben.A-Seite herrlicher Synth-Pop (wie sehr poppige Anne Clark), B-Seite wunderbarer Electro-Wave (wie weniger gruftige Danielle Dax), wer Genetic Music kennt, weiß, was ihn erwartet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.no-emb-blanc.com

THE ETERNAL FALL - MM - MMXII

Wiederveröffentlichung: Download 2012 / AF Music
Erstveröffentlichung: CD 2012 / Danse Macabre Records / Al!ve

Spanien war schon in den 80er Jahren ein gutes Pflaster für düstere Bands, von New Wave über Gothic-Rock und Minimal-Electro bis hin zu Dark Wave. In den 90er Jahren machte die Band Gothic Sex lange auf sich aufmerksam und auch im dritten Jahrtausend lebt die spanische Szene ganz offenbar immer noch. Ein Beleg dafür ist die Band THE ETERNAL FALL, die seit 2000 ihre Musik unter die Menschen bringt. Grund genug, einen Überblick über 12 Jahre Bandgeschichte zusammenzustellen, der auch über das Heimatland für interessierte Hörer sorgen dürfte.
Zu hören gibt es sehr schönen altmodischen – im positiven Sinne – Sound, der stark an viele alte Helden des Genres erinnert. Einflüsse von Gothic-Rock, Gitarren-Wave, Dark Wave und ein kleines bisschen Death-Rock wechseln sich ab und es kommen eine ganze Menge potenzieller Club-Hits dabei heraus. Fans von Bands wie Clan Of Xymox werden jedenfalls begeistert sein, aber auch die Brit-Goth-Welle in den frühen 90er Jahren hat ihre Spuren hörbar hinterlassen. Manches erinnert auch an italienische Bands wie Wasteland oder Artica oder an so manche CD des italienischen Energeia-Labels. Das ist alles sehr schön und gefällig und auch, wenn sich kein Song als zukünftiger Klassiker herausstellt, kann man das ganze Album doch immer wieder wunderbar am Stück hören. Überraschend ist, dass es sich eigentlich um ein Ein-Mann-Projekt (+ Live-Gitarrist) handelt und sich insgesamt meist doch wie eine Band anhört. Wer gerne old-school Gothic/Dark Wave hört und auch mal Bands aus „exotischen“ Ländern eine Chance gibt, muss unbedingt reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

AL ANDALUZ PROJECT - Abuab Al Andalus


Erstveröffentlichung: DVD + Audio-CD 2012 / Galileo Music / Galileo Music

AL ANDALUZ PROJECT – Abuab al Andalus
"(VÖ: 09.03.2012 Galileo Music Production)

Die Möglichkeiten in der heutigen Zeit, dass sich Kulturen vermischen ist im Zuge der Globalisierung immer leichter geworden. Dennoch wird diese Debatte des Nebeneinander her und der gegenseitigen Einflussnahme heute zu gern politisch geführt und nicht selten mit Waffengewalt verteidigt. Michael Popp und seine deutschen,spanischen und arabischen Mitstreiter im Al Andaluz Project haben sich hingegen dafür entschieden, mit ihren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln durch die Kraft der Musik einen Blick zu gewähren in die Vergangenheit Andalusiens. Das maurisch regierte Spanien war bekannt für Toleranz, Gelehrsamkeit, Wohlstand, Handel und blühendes Kunstschaffen. Menschen muslimischer, jüdischer und christlicher Religion lebten Jahrhunderte lang miteinander und beeinflussten sich gegenseitig. Am Hof eines abendländischen Herrschers wie Alfonso X.il Sabio versammelten sich Philosophen, Dichter und Musiker und brachten eine Blütezeit der Kultur hervor.Über alle religiösen Grenzen hinweg wurde nach philosophischer, wissenschaftlicher und kultureller Wahrheit geforscht. Toledo etwa war im 11.Jahrhundert die intellektuelle Hauptstadt Europas geworden, eine christliche Stadt, in der Arabisch die Sprache der Kultur und Gelehrsamkeit blieb. Der Eindruck macht sich breit, dass das Mittelalter in Al Andaluz in vielen Aspekten eine Zeit war fernab der Finsternis und ein derartiges Ausmaß religiöser und kultureller Verschmelzung in der Folgezeit nie wieder erreicht wurde.
Die Formation „Al Andaluz Project“ versucht auf künstlerisch hohem Niveau diese Aspekte von Al Andaluz für die Gegenwart lebendig werden zu lassen. Im Studium und der gemeinsamen Vertonung der alten Lieder entstand ein neues musikalisches Klangbild, eine Vision von Toleranz durch die Verschmelzung von Sprach- und Musikkulturen.

Nach einem Auftritt von Estampie überreichte Michael Popp ein junger Zuhörer eine CD mit den Worten „Das wird wohl vor ihrem kritischen Ohr bestehen können..“ und sollte Recht behalten. Die Aufnahme stammte von der aus Valencia stammenden Gruppe L'Ham de Foc, die sich in der internationalen Weltmusikszene durch ihre eigenständige Mischung aus mediterraner, orientalischer und mittelalterlicher Musik einen Namen gemacht hatte. Mit ihrem auf sephardische Musik fokussierten Nebenprojekt Amán Amán gastierte die Band nur wenige Wochen später in München und Michael Popp nutze die Gelegenheit und sprach die Musiker nach ihrem Konzert auf ein gemeinsames Projekt hin an. So wurde der Grundstein gelegt für eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit. So wurde mit „Deus Et Diabolus“ die erste Aufnahme in den Handel gebracht, aufgenommen im November 2006 in einem Dominikanerkloster in der Nähe von Sevilla. 2010 folgt der Nachfolger „Al Maraya“, bevor nun mit „Abuab Al Andalus“ ein Live Album bzw. eine Live DVD präsentiert wird, die einen Gesamteindruck der bisherigen Arbeit zu dokumentieren weiß.

Mitgeschnitten wurde dieses wunderbare Konzert in der Münchner Reithalle im Januar 2011 und bietet dem interessierten Hörer und Betrachter einen faszinierenden Querschnitt durch das bisherige Schaffen dieses multinationalen Teams. Die fremden Klänge erklingen seltsam vertraut, und erschaffen dabei eine tiefgehende Emotionalität durch die professionelle Vortragsweise und die entstehende intime Atmosphäre des Konzertabends. Was so mühelos in Bildern festgehalten und auf CD gebannt wurde war für Michael Popp gar nicht so leicht zu realisieren, was nicht zuletzt an den unzähligen Verpflichtungen bei Qntal, Estampie und VocaMe lag. Ständig treibt er hier neue Dinge voran, so dass es gar nicht so leicht war, sich wieder auf ein vergangenes Ereignis wie diese Live Aufnahme zu konzentrieren. Normalerweise haftet einem Künstler eine solche DVD Produktion nicht ganz so lange an, meint Michael Popp, wie es nun hier der Fall war. Dennoch an Außenwirkung der präsentierten Stücke hat sich auch ein Jahr später nichts geändert. Im Gegensatz zu Versionen der Stücke auf CD befinden sich hingegen ganz neue Stücke darauf und ältere Lieder mit veränderten Arrangements. Man spürt wie sehr die Tourerfahrung der Musiker die Stücke geprägt und in der Live Aufnahme an ihrer Dynamik hinzugewonnen haben. Ich selber mag genau aus diesem Grund Live Aufnahmen immer besonders gerne, weil man die Wirkung der Stücke hinsichtlich ihrer Gesamtwirkung auf ein Publikum viel stärker spüren kann und erfasst.
Als Zutat zu einem ohnehin schon sehr vielschichtigen Konzert bietet die DVD zusätzlich noch sehr ausführliche Interviews mit den Musikern und Informationen zu den Hintergründen einzelner Stücke. Ich finde es dabei sehr schön die Begeisterung und Faszination der Musiker für andalusische Musik nachvollziehbar visuell präsentiert zu bekommen und die Möglichkeit zu haben, diese unterhaltsam auf hohem künstlerischen Niveau zu teilen.

Für die nähere Zukunft stehen für Michael Popp bereits neue Aufgaben an, denn mit Estampie befinden sich Syrah und er mit ihren Mitmusikern gerade in einer sehr heißen Phase. Bereits im letzten Jahr sind bereits Stücke aufgenommen worden, mit denen er dann aber eher unzufrieden war. Somit wurde nochmals daran gearbeitet und seither arbeiten alle Musiker gut an der Bearbeitung der skandinavischen Grundlagen. Auch mit Qntal wird es in nächster Zeittergehen, nach ersten Treffen , wird nach der Tour mit VocaMe die Veröffentlichung von Estampie folgen und dann Qntal aktive von sich hören lassen. Wir sind schon jetzt gespannt! (Maximilian Nitzschke)

MOON.74 - Newborn


Erstveröffentlichung: CD 2010 / Echozone / BOB-Media / EZ10C413

Ich bin wohl zu sehr aus der „schwarzen Szene“ raus. Früher habe ich eigentlich immer mitbekommen, was so an neuen Bands aus dem Underground aufgetaucht ist, oft schon, bevor sie ihre erste „richtige“ Veröffentlichung vorweisen konnten. Da hat man in zahlreichen Fanzines und bei kleinen Konzerten ständig neue, gute und schlechte, Gruppen entdecken können. Heute hat sich das dank der modernen Computertechnik und dem Internet alles ziemlich verändert. Oft sind die neuen Acts gar keine Bands mehr, sondern im Heimstudio entstandene Soloprojekte, die dann über My Space, Facebook und andere soziale Netzwerke ihre erste Verbreitung finden. Konzerte in stickigen kleinen Clubs sind da gar nicht mehr nötig, um relativ schnell die Ohren der Zielgruppe zu erreichen. Das kann man gut finden und ich kritisiere das auch gar nicht, aber für Leute wie mich, die nicht bei diesem ganzen Social Media-Kram mitmachen wollen, wird es dadurch deutlich schwerer, neue gute Bands zu finden. So stößt man erst darauf, wenn eben doch eine CD im heimischen Player landet.
MOON.74 aus Deutschland ist ein gutes Beispiel für diese veränderten Karrierewege. Macher des ganzen ist Dominic Hein, die ersten Aufnahmen tauchten 2008 bei My Space auf, eine richtige Website gibt es nicht mehr, nur eine Newsseite, von der man dann im Prinzip zu Facebook etcetera eingeladen wird. Lobenswert ist zumindest, dass MOON.74 immer wieder Liveauftritte spielt, auch in kleinstem Rahmen oder als Support (für De/Vision zum Beispiel, die übrigens aus der gleichen südhessischen Ecke stammen wie MOON.74).
Nach so viel Einleitung nun aber endlich zur Musik auf „Newborn“. Das Label Echozone lässt es schon ahnen, hier gibt es irgendwas im Bereich Dark Wave, Synth-Pop, Wave zu hören und genau aus diesen Stilen besteht die Mischung. Von den Melodien und der überwiegenden Instrumentierung her geht es sehr deutlich in die mittelschnelle Synth-Pop-Richtung (auch, wenn das Cover eher nach Metal aussieht), gerne auch mal mit ein paar Gitarren erweitert. Klingt wie eine Mischung aus Silke Bischoff, Performance und Book Of Love, gerne auch mal etwas darkwavig angehaucht und hin und wieder natürlich auch mit ganz leichten Depeche Mode-Anklängen. Das ist sehr gefällig und eingängig und die Stimme von Dominic Hein ist ziemlich angenehm. Dennoch hätte das Ganze für meinen Geschmack ein paar mehr Ecken und Kanten haben dürfen, oft ist es doch sehr seicht. Musik zum Nebenbeihören beim Wohnung-Saubermachen am Samstagvormittag. Und das klingt jetzt böser, als es eigentlich gemeint ist.
(A.P.)

Webadresse der Band: www.moon74.de

DECADENCE WITHIN - Speed Hippy


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 1986 / Floating Gerbil Records / RUSK 001

Eine interessante kleine Perle, die weitgehend unbekannt geblieben ist, ist diese Single der Engländer DECADENCE WITHIN, die bis in die 90er Jahre hinein diverse weitere Platten veröffentlicht haben, die mir allerdings nicht bekannt sind. „Speed Hippy“ scheint die erste Veröffentlichung des Quintetts gewesen zu sein und wurde komplett in Eigenregie veröffentlicht, inklusive einem schicken Postercover. Musikalisch bewegt sich die Band, wie das Erscheinungsjahr 1986 schon erahnen lässt, zwischen vielen Stühlen, dürfte aber aus der Punk-Szene kommen. Trotzdem sind so einige Post-Punk- (Bone Orchard) und Death-Rock- (45 Grave) Einflüsse zu hören, dazu eine Spur Punk (Crass, Cravats) und jede Menge vom damals angesagten Hardcore, was heißt, das ordentlich aufs Tempo gedrückt wird. Die vier Songs kommen schön rotzig aus den Boxen und textlich geht es vor allem um Tierschutz und Polizeiterror, was wechselweise von einer guten Sängerin (daher auch der Bone Orchard-Vergleich) und einem Sänger vorgebracht wird. Sicher gehört diese Platte nicht in die Kategorie „Klassiker“, aber sie macht sich schön in der Sammlung, möglicherweise auch, wenn man ein hardcore-aufgeschlossener Death-Rock-Hörer ist, zumindest beim Song „Atrocity“. (A.P.)



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