TACITURNE & THE GOREMASTER'S ULTRA HIGH TEMPERED TROOPERS OF XERO TOLERANCE - Cavos In Sorrows And Happiness


Erstveröffentlichung: MC 2011 / Treue um Treue / T.u.T. 019

Viele Musiker, die heute in mehr oder weniger bekannten Bands und Projekten sind, haben auch vorher schon, oft viele Jahre oder gar Jahrzehnte, Musik gemacht und häufig nichts veröffentlicht, weil in der Vergangenheit einfach die Möglichkeiten dazu fehlten. Eine selbstfinanzierte Platten- oder CD-Produktion war für die meisten Leute Ende der 80er Jahre und bis weit in die 90er hinein unerschwinglich. So blieben viele Aufnahmen, hauptsächlich auf Vier-Spur-Cassetten, aber auch auf ersten Heimcomputern, unveröffentlicht. Wenn diese Musiker heute ihre Archive durchstöbern findet sich so manches Schätzchen, das längst verschollen schien. Das hat auch Laszlo P.S. (Wermut, Ich Wollte Ich Könnte) getan und zahlreiche Aufnahmen seines alten Projektes TACITURNE ausgegraben, die er Ende der 80er Jahre auf seinem Amiga 1000 gemacht hat. Mit Programmen wie dem Soundtracker war sogar Sampling möglich, damals durch den Acid-Hype in aller Munde und Ohren. Ähnlich wie This Girl Is Poison, einem Projekt von Haiko Herden (Charles Lindbergh n.e.V., Anti Trust), wurde hier wild herum experimentiert, es wurden Sounds ausprobiert, Rhythmen programmiert, Samples eingebaut und so entstanden zahlreiche Miniaturen, die oft weniger Songs als Ideen waren aber was die Kreativität und die Experimentierfreude anging durchaus an den Cassetten-Underground der frühen 80er Jahre anschlossen. Fast klar, dass es in unserer Zeit, wo einem der Computer viel Arbeit abnimmt, derartige – trotz Computereinsatzes überwiegend handgemachte – Musik heute etwas anachronistisch vorkommt, zumindest, wenn die ersten drei Ziffern des Geburtsjahres 198 oder 199 sind. Wahrscheinlich auch deshalb wurde als Veröffentlichungsmedium die gute alte MusiCassette gewählt, denn erwähnenswerte Stückzahlen auf Vinyl oder CD setzt man wohl nicht mit Amiga 1000-Klängen ab. Das war Ende der 80er anders, als 16 Bit Hits wie „Changing Minds“ vorweisen konnte. Zu hören gibt es auf dieser professionell hergestellten und auf 66 Exemplare limitierten Cassette 30 kurze Stücke in rund 40 Minuten, die einerseits als Minimal-Electro-durchgehen, aber sicher auch vom damaligen Disco-, Acid- und EBM-Sound beeinflusst waren und oft wie die typischen Computerspiele der Zeit klingen. Der ganz eigene Klangkosmos des Amiga 1000 macht die Stücke aber unverwechselbar und es sind einige echte Ohrwürmer darunter.
Vielleicht ist dies wirklich ein bisschen eine nerdige Veröffentlichung, auf jeden Fall weckt sie aber viele Erinnerungen und macht Spaß. Die 66 Exemplare der Cassette sind in drei unterschiedlichen Coverfarben erschienen. Etwas verwundern tut mich allerdings das Artwork selbst, das eher nach dem Demo einer Metal-Band aussieht und so gar nicht zur Musik passt. Aber wahrscheinlich ist auch das mit einem Augenzwinkern zu sehen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com


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