DIE SHADOCKS - Motor Im Kopf


Erstveröffentlichung: LP 2012 / WSDP / WSDP 121

Bremen war schon früh eine kleine deutsche Punk- und New Wave-Hochburg, was oft neben den großen Zentren Düsseldorf, Hamburg und Berlin vergessen wird. Schon früh gab es eine lebendige Szene mit vielen, oft kurzlebigen, Bands, Plattenveröffentlichungen und Labels. Dass davon heute nicht mehr so viel bekannt ist mag daran liegen, dass es irgendwie keine Band geschafft hat, langfristig im Gedächtnis zu bleiben oder gar einen Hit zu landen. Dafür hat sich in Bremen aber eine Szene entwickelt, die häufig Punk und New Wave verbunden hat, wie zum Beispiel die doch recht bekannte Band A5. DIE SHADOCKS haben sich 1981 aus Musikern von verschiedenen aufgelösten Bands formiert und eine blutjunge 14jährige Sängerin dazugeholt. Zwei selbstveröffentlichte EPs und ein paar Samplerbeiträge waren mehr, als die meisten anderen Bremer Bands zustande bekommen haben, dazu ist man sogar zweimal richtig durch Deutschland getourt.
WSDP setzt der ausgesprochen sympathisch rüber kommenden Band nun ein kleines Denkmal, indem eine LP mit einigen Stücken der ersten Single und zwei raren Samplerbeiträgen sowie jeder Menge unveröffentlichter Aufnahmen veröffentlicht wird. Eine Plattenseite ist der ersten Sängerin gewidmet, die andere ihrer Nachfolgerin ab 1983. Zu hören gibt es schön eingängigen Sound, der seine Wurzeln im Punk hat, aber durch einen kleinen Casio-Synthie und eingängige Melodien auch Pop-Appeal liefert und eigentlich zur damaligen NDW-Zeit das Zeug für einen größeren Durchbruch gehabt hätte, wenn ein findiger Produzent auf die Band aufmerksam geworden wäre. Das klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Bärchen Und Die Milchbubis (zu Zeiten ihrer LP) und den ersten beiden Nichts-LPs. Auch Östro 430 und deren Nachfolgeband II. Invasion, sowie Malaria! (auf der B-Seite) kommen mir in den Sinn. Die sonst damals üblichen Ideal- und Fee-Anklänge gibt es hingegen zum Glück nicht. Vielleicht haben auch die ganz frühen The Cure ihren Einfluss hinterlassen? „Er Weiß Es Nicht“ jedenfalls hat eine Basslinie, die verdächtig an die Cult Heros-Single erinnert. Und auch Siouxsie And The Banshees und Fehlfarben hatten damals schon Spuren hinterlassen. Bei den Songs mit der neuen Sängerin wurde es dann jedenfalls insgesamt waviger und etwas dunkler
Schade, dass zwei Songs der ersten Single und die komplette zweite Single hier fehlen, damit es ein Komplettwerk geworden wäre, aber das hätte wohl nicht auf eine LP gepasst. Vielleicht kann man sagen, dass DIE SHADOCKS sich recht gut auf dem Schallmauer-Label gemacht hätten. 1984 war es jedenfalls vorbei und die Musiker gingen ihre eigenen Wege. Umso schöner, dass WSDP die Band jetzt wieder in Erinnerung gerufen hat, wenn auch nur in kleiner 150er Auflage. Als Beilage gibt es eine Kopie des 1983er Tourplakats mit Fotos und Kurzbiografie auf der Rückseite. Eine tolle Veröffentlichung, die wirklich Spaß macht und mir die gute alte Zeit in Erinnerung ruft (obwohl ich als 13jähriger DIE SHADOCKS natürlich nicht kannte). Ich freue mich auch, dass WSDP nicht mehr überwiegend NDW/Minimal-Electro-Platten macht, sondern auch gute New Wave-Bands berücksichtigt werden. Denn die Vielseitigkeit macht’s! (A.P.)



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