DYSTOPIAN SOCIETY - Cages

Wiederveröffentlichung: Download 2012 / AF-Music
Erstveröffentlichung: CD 2012 / Af-Music/Danse Macabre / Al!ve

Dass Italien schon immer eine gute Quelle für interessanten Post Punk und Gothic-Rock war, wissen wir, seit in den 80ern Bands wie Death In Venice, Weimar Gesang, Sturm Und Drang oder die Dead Relatives fantastische Musik gemacht haben und in der ersten Hälfte der 90er gab es jede Menge gut Gothic-Rock Bands, bevor die Dark Wave-Einflüsse in der Szene stärker wurden. Trotzdem gab es im Underground auch immer Bands, die sich am düsteren Gitarrenstil der 80er Jahre orientierten, wobei viele Bands eher von der amerikanischen Gothic-/Death-Rock-Szene beeinflusst waren, als vom englischen Sisters/Fields-Sound, mir fallen da die fantastischen Spiritual Bats, oder Holylore ein und natürlich das erste Tape der Deviate Ladies. Vor allem die italienische Sprache passt ja auch ziemlich gut zu den eher härteren Gitarren und verbindet sich perfekt zu einem kraftvollen Mix, der zwar sehr leidend und finster rüberkommt, aber nicht weinerlich.
DYSTOPIAN SOCIETY gehören zu den neueren Bands, die sich ganz offen am Post Punk der frühen 80er Jahre orientieren – auch sprachlich, was ich schade finde - und das auch offen sagen. Hier versucht niemand von der Band oder dem Label, dem Hörer weis zu machen, dass das Album total innovativ sei. Die Vorbilder werden genannt, darunter Christian Death, Blood & Roses, Dead Kennedys und UK Decay. Ich würde auch noch Gruppen wie die grandiosen französischen Ausweis, die englische Ausgang, Actifed, Bauhaus oder die düstere, weniger trashige Seite von Exploited nennen. Oder wenn man eine neuere Band nennen soll, fallen mir die Holländer Götterdämmerung ein. Die Musik des Debütalbums „Cages“ bewegt sich also irgendwo zwischen Post Punk, Dark Punk, Death-Rock und frühem Gothic-Rock. Selber nennt die Band es Positive Punk, was wiederum an die englische Szene der frühen 80er und der Prä-Batcave-Ära anknüpft. Mit weniger als 40 Minuten Laufzeit, in der die Band 12 Songs unterbringt, besteht gar nicht erst die Gefahr, dass Langeweile aufkommt. Mal abgesehen von den Texten, hätte DYSTOPIAN SOCIETY auch gut Anfang der 80er bei Crass Records oder Small Wonder erscheinen können, wo neben dem harten Punk von Crass auch Bands wie Rudimentary Peni, The Cravats, Lack Of Knowledge, Zounds, Flux Of Pink Indians und viele andere gar nicht mal so typische Punkbands erschienen sind.
Ich bin regelrecht begeistert von diesem Album, das allerdings extrem old-schoolig ist und wohl in der heutigen Szene nicht unbedingt für den großen Durchbruch der Band sorgen wird. Trotzdem sage ich einfach mal, dass die amerikanische Szene gerne mal wieder so ein Album raus bringen würde, es aber seit Jahren nicht schafft. Danke also nach Italien, dass ihr uns alten Säcken mal wieder so viel Freude macht. Dass das Album unter einer Creative Common License erscheint, also unverändert und ohne kommerzielle Interessen frei weiterkopiert werden darf, ist gleich mal doppelt sympathisch und hilft der Gruppe hoffentlich, schnell bekannt zu werden, ich würde sie nämlich sehr gerne mal live erleben. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de


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