MICK MILK - Half Lives


Erstveröffentlichung: LP-Box 2012 / Anna Logue Records / ANNA 038.2011

Der Amerikaner MICK MILK hat 1982 eine ziemlich unbeachtet gebliebene Platte veröffentlicht, die feinsten Früh-80er Synth-Pop bot und trotzdem ist er selbst in der sammelwütigen Minimal-Electro-Szene so unbekannt geblieben, dass die Platte verhältnismäßig leicht und zu moderaten Preisen gefunden werden kann. Noch – möchte man sagen.
Wer sonst als Anna Logue Records sollte den Kerl ausfindig gemacht haben und nun seine Musik mit 30jähriger Verspätung mehr Hörern zugänglich machen? Natürlich in fantastischer Aufmachung in weißem Vinyl (die LP), Innencover, Poster, Postkarte und mit eine schwarzen Bonus-7“. Mehr geht kaum! Schon alleine deswegen sollte jeder Sammler die Platte kaufen, damit Anna Logue Records nicht die Lust verliert, sich an so wunderschöne Veröffentlichungen zu machen, denn das ist viel Arbeit, Zeitaufwand und kostet ordentlich Geld.
Zu hören gibt es wunderbaren 80er Electro Sound zwischen Synth-Pop und – wie es heute genannt wird – Minimal-Electro. Casio, Korg und Roland haben die Musik gemacht, feine Ohrwürmer, meist tanzbar, aber durchaus auch etwas experimentell. Mark Lane, Ultravox und vielleicht Devo wären so Eckpunkte, um den Sound zu beschreiben. Manches klingt auch nach einigen Helden der frühen deutschen Cassetten-Szene, kein Wunder, stammen die hier erstmals auf Vinyl gepressten Aufnahmen doch auch von einem alten Demotape, das wohl nie richtig veröffentlicht wurde. Hin und wieder klingt es auch wie der Soundtrack des ultra-merkwürdigen Underground-Films „Liquid Sky“, aber auch Gary Newman und frühe Human League haben bestimmt ein paar Spuren hinterlassen, ebenso wie der damalige Disco-/frühe Italo-Disco-Sound. Und wie es sich gehört, wird auch noch Kraftwerk Tribut gezollt. Die Mischung stimmt also, die Aufmachung ebenso, was sollte einen also vom Kauf abhalten? (A.P.)



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