206 - Ein Freundlicher Geist


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2012 / Ritchie Records / Flight 13-Broken Silence / RITREC 061

Mit Bands wie Love A, 1000 Robota und einigen anderen haben junge Gruppen den guten alten Post Punk-Sound der frühen 80er wieder entdeckt, diesen aber in unsere Zeit übertragen und entstaubt. In England waren unter anderem Franz Ferdinand die Vorreiter dieses (kleinen) Hypes. Vielleicht gab es derartige Bands aber auch immer irgendwo im Untergrund, nur sitzen jetzt in den Plattenfirmen die Leute an den entscheidenden Stellen, die mit diesem Sound aufgewachsen sind und fördern diese Gruppen entsprechend. Mir ist es mehr als recht, denn auch ich wurde mit Bands wie PIL, Gang Of 4, Wire, Wipers und vielen anderen groß.

Eine weitere Band dieser Kategorie ist 206, deren erste LP 2011 bei Ritchie Records (Vinyl) und Zick Zack (CD) erschienen ist. Bei Zick Zack klingelt es spätestens…vielleicht das wichtigste Label für deutschsprachige Musik der letzten 35 Jahre, da wird man hellhörig. Nun also eine neue Download-Single auf Ritchie Records, die in einer limitierten Auflage von 512 Exemplaren (je 206 in schwarzem und weißem Vinyl). Zu hören gibt es rohen Gitarrensound mit einer gewissen „leckt uns doch alle am Arsch“-Attitüde, aber gleichzeitig hohem Ohrwurmpotenzial. Man vermische die Musik von Leben Und Arbeiten (Zick Zack!), Fehlfarben und frühe Hamburger Schule gut durch und bekommt 206. Dass das mit der Hamburger Schule nicht ganz falsch ist – auch wenn damit heute sicher keine junge Band verglichen werden will – zeigt sich an der Coverversion „Bourgeois With Guitar“, im Original von Kristof Schreuf (Kolossale Jugend) und Tobias Levin (Cpt. Kirk &.), beides wichtige Leute dieser nicht existenten Szene. Textlich und vom Gesangsstil her, dürfte einmal mehr Peter Hein ein ganz großer Einfluss gewesen sein.

Ich weiß nicht, ob die neuen Bands diesen Sound aufgreifen, weil das, was ihre Eltern als Jugendliche gehört haben gar nicht so schlecht war und dann daraus ihr eigenes Ding machen, oder gerade, um ihre spießigen Eltern zu ärgern. Beides ist aber lobenswert. Und für uns alte Säcke ist es ja schön, dass die Musik weiterlebt und man nicht nur immer wieder die alten Platten hervorkramen muss.

Schöne Single, die mich dazu veranlasst, das Album „Republik Der Heiserkeit“ nachträglich mal zu kaufen – und ein größeres Lob gibt es für eine Band ja eigentlich nicht. (A.P.)



[ ZURUECK ]