MOONRISE - Ten Flowers For The Shade


Erstveröffentlichung: CD 2012 / Echozone / BOB Media / EZ12C1157

MOONRISE aus Hamburg gibt es schon an die 20 Jahre laut Waschzettel, aber ich muss ehrlich sagen, ich habe von der Band oder den Musikern noch nie bewusst gehört, obwohl ich Hamburger bin und in den 90er Jahren ziemlich tief in der „schwarzen Szene“ verwurzelt und aktiv war. Bin ich wirklich schon so lange raus?
Seit 1997 sind vier CD-EPs im Eigenvertrieb und ein Album bei AF Music/Danse Macabre erschienen und nun das zweite Album bei Echozone. Im Info wird der Stil der Band als Alternative/Wave/Rock bezeichnet, was natürlich ziemlich viel heißen kann. Tatsächlich bekommt man aber eine Mischung aus Alternative-Rock und Gitarren-Wave zu hören, die für alte Waver wie mich eine Menge guter Melodien und 80s-Gitarren bietet, die auch mal ein paar Gothic-Rock-Anklänge liefert, zum Beispiel im Song „Rhododendron“, bei dem man sich in etwa so fühlt, als wenn frühe The Convent mit Skeletal Family zusammen was aufgenommen hätten. Sicher einer der Hits des Albums und Anfang der 90er, als mit Bands wie Love Like Blood der Gothic-Rock in Deutschland eine Blütezeit erlebte, wäre das ein sicherer Hit in den Clubs und auf den Bühnen der Nation gewesen. Songs wie „In Die Ferne“ (da wird unverzeihlicherweise wirklich Schmerz auf Herz gereimt!!!!) und „Ribbons“ erinnern an guten Wave-Rock im Stile von Blessing In Disguise oder Untitled. „Don’t Look Back“ darf man schamlos irgendwo zwischen The Cure und The Essence einordnen. Etwas rockiger wird es bei „Kite“, das aber immer noch wavig genug ist. Das im Infozettel hervorgehobene „Miss Havisham“ finde ich allerdings nicht „extrovertiert“, sondern eher langweilig. Da hat die Gruppe wohl versucht, auch mal was anderes zu machen, was aus meiner Sicht missglückt und außerdem auch völlig unnötig ist. Mehr Hitcharakter, wenn auch eher für heutige „Schwarze“, hat dann das treibende „Purgatory“ mit einigen elektronischen Elementen. „Ready To Leave“ ist schließlich eine Art Outro mit ein paar experimentellen Momenten. Etwas herausstechen, weil deutlich moderner und tanzbarer, tut „Bataillon“, aber ein Kandidat für die Tanzflächen der heutigen Clubs muss wohl dabei sein, während „Autumn Leaves“ die obligatorische Ballade ist. „Bataillon“ gibt es dann zusätzlich – noch tanzflächentauglicher gemischt – als Remix von Sven Friedrich, der ja mit seiner Band Dreadful Shadows in den 90ern selbst fleißig im Gothic-Rock-Genre mitgemischt hat. Als weiteren Bonustrack gibt es mit „The Curse 2012“ eine Neuaufnahme eines älteren MOONRISE-Tracks, die sich allerdings zu sehr dem normalen Rock annähert.
Ich muss sagen, ich wundere mich, das ich von dieser Band bisher nichts mitbekommen habe, obwohl sie aus meiner Heimatstadt kommt und ich habe ehrlich gesagt ein klein bisschen ein schlechtes Gewissen, meckere ich doch auch gerne mal rum, dass die „Szene“ hier einfach uninteressant ist. Zur Produktion und Abmischung hat man sich die Hilfe von Axel Ermes geholt, der seit gut 25 Jahren ja mit Girls Under Glass, Cancer Barrack und zahlreichen Projekten und seiner Tätigkeit als Produzent selber eine Genre-Legende ist (wenn er das liest, lacht er sicher…). Seine große Erfahrung hört man dem Album jedenfalls an, auch wenn ich mir hier und da etwas mehr Druck gewünscht hätte.
Insgesamt gefällt mir die wavigere – vielleicht etwas altmodische – erste Hälfte des Albums besser, aber alles in allem hat MOONRISE mit „Ten Flowers For The Shade“ ein sehr schönes (Gitarren-) Wave-Album vorgelegt, von dem ich mir gut vorstellen könnte, dass man es auf einer gemeinsamen Tour mit Clan Of Xymox präsentieren könnte, um die richtige Hörerschaft zu erreichen, obwohl – oder gerade weil – das alles so vertraut klingt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.moonrise.de


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