BREATHLESS - Green To Blue

Wiederveröffentlichung: Doppel-CD 2012 / Tenor Vossa
Erstveröffentlichung: Doppel-LP 2012 / Tenor Vossa

Manchmal gibt es schon seltsame Zufälle. Gerade gestern habe ich ein paar alte Platten von This Mortal Coil gehört und heute lese ich im Waschzettel zum neuen BREATHLESS-Album, dass der Bandgründer Dominic Appleton an deren Album „Filigree And Shadow“ mitgearbeitet hat. Das macht BREATHLESS für mich natürlich gleich noch mal doppelt so interessant, nachdem im Info schon was von Dream Pop, Shoegaze, 4 AD und der Gastsängerin Heidi Berry stand.

BREATHLESS gibt es bereits – inklusive längerer Pausen – seit Mitte der 80er Jahre und die Gruppe hat einige Alben und eine ganze Menge Singles veröffentlich und ist trotzdem leider vollkommen an mit vorbei gegangen. Schade, denn das neue Album „Green To Blue“, das erste seit 2003, ist wirklich schön und ich muss mich wirklich mal darum kümmern, auch die älteren Werke anzuhören.

Die Einflüsse von BREATHLESS sind vielseitig, Joy Division, frühe Pink Floyd und Brian Eno werden genannt, und das trifft es schon ganz gut. Slowdive und Sigur Ros darf man wohl bedenkenlos auch nennen. Die Atmosphäre ist melancholisch aber nicht düster, oft wird es gar spacig und wenn die verhallten Gitarren den Raum erfüllen, fühlt man sich an schönste Shoegaze-Zeiten in den frühen 90er Jahren erinnert. Ein Song wie „It’s Good To See You“ klingt fast, als wenn Slowdive einen Song für die David Lynch-Serie „Twin Peaks“ geschrieben hätten, direkt danach wird es bei „Walk Away“ deutlich rockiger, ein Song der wunderbar auf die „Rough Trade Music For The 90s“-CD-Serie gepasst hätte. Auch Robert Smith hat mit The Cure in den vergangenen circa 15 Jahren einige Songs in dieser Richtung gemacht. Auch „The Same Rooms Without You“ erinnert ein bisschen an diese Gruppe.

Natürlich gefallen mir die Songs am besten, die den wavigen Geist der 4 AD-Ära der mittleren 80er Jahre atmen, die space-rockig-psychedelischen mit 70er Jahre-Flair sind eher nicht so mein Ding. Schön ist es zwar, dass BREATHLESS den einzelnen Songs die Zeit gibt, sich aufzubauen und zu entwickeln, hier und da wurde das aber auch ein bisschen übertrieben. Einige Songs sind über 8 Minuten lang, einer sogar beinahe 12 Minuten. So ergibt es sich, dass auf dem Doppelalbum gerade mal 11 Lieder verteilt sind.

Trotzdem ist „Green To Blue“ ein sehr schönes Album geworden, dass perfekt in das kleine Shoegaze-Revival unserer Tage passt. Für solche verträumte Musik, die völlig ohne Schleimigkeit auskommt, ist doch eigentlich immer Platz und in einem Song mal wieder die Stimme von Heidi Berry zu hören ist auch höchst erfreulich.

Normalerweise bespreche ich keine reinen Promo-Downloads, ohne das eigentliche, fertige Album in der Hand zu halten, aber bei BREATHLESS lasse ich mich doch einmal zu einer Ausnahme hinreißen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tenorvossa.co.uk


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