DESERT PLANET - Mario Built My Hot Rod


Erstveröffentlichung: CD 2005 / 9PM Records / Broken Silence

DESERT PLANET aus Lappland hat sich bereits vor 5 Jahren gegründet, doch das ist meine erste Berührung mit der Band, obwohl das hier schon das dritte Album ist. Ich komme gleich zur Sache: Es ist total geil! Finnische Electro-Minimal-Computerspiel-Musik bietet uns das Duo und die Sounds wurden tatsächlich aus C64, VC20 sowie Amiga gezaubert und hin und wieder hört man noch Tüdelüd-Sounds aus Automatenspielen. Das Ganze ist dann fröhliche Instrumentalstücke verpackt und klingt trotz billiger Sounds alles andere als billig. Und gottseidank verliert man sich nicht in technoiden Klängen, sondern mixt sich Kraftwerk, Neue Deutsche Welle und Computerspielmusik mit Heimorgel-Rhythmen zusammen. Zwischendurch drummt dann der Aavikko-Drummer Tomi Leppänen hinzu. Die Stücke wirken irgendwie ein bißchen wie Raumschiff Orion, Siebzige-Agentenserien und finnischen Partystücken. Das ist Gute Laune pur und total verrückt. Höhepunkt aber ist ""Granny Hunt"", wo man ELÄKELÄISET im Hintergrund als Chor singen hört. Muss man haben. Bitte geht in den Laden und kaufen sie sich das, sowas muss man unterstützen. (H.H.)

HELEN CHASE - Franz Ferdinand - Von A Bis Z


Erstveröffentlichung: Buch 2008 / Rockbuch Verlag / ISBN 978-3-927638-44-0

Die Karriere von FRANZ FERDINAND ist schon beeindruckend. Fast aus dem Nichts kommt da eine Band, die sich mehr als deutlich am Post-Punk-Sound der späten 70er/frühen 80er Jahre orientiert und beeindruckt 30 Jahre später in einer Zeit, wo irgendwelche Pop-Soul-Nummern und Castingshows die Charts beherrschen ein junges Publikum. Ein Zeichen, dass die Hörer von langweiliger Retortenmusik die Nase voll haben? Sicher nicht, aber zumindest ein Teil der Hörer- und vor allem Käuferschaft scheint erkannt zu haben, dass es sich viel mehr lohnt, sein Geld für „richtige Musik“ auszugeben. Im Zuge von FRANZ FERDINAND konnten auch Bands wie die Arctic Monkeys unfassbare Erfolge feiern.
Klar, dass da die Geldmaschine angeworfen wird und neben der Musik noch so einiges an zusätzlichem Material auf den Markt geschmissen wird. Wenn die Band davon auch was abkriegt, sei ihr das aber auch gegönnt. Bücher über erfolgreiche Bands machen sich da immer gut. Eines der besten in den letzten Jahren ist auf jeden Fall „Franz Ferdinand von A bis Z“ von Helen Chase. Dieses Buch gibt weitaus mehr her, als die oberflächliche Biographie im Schwarzkopf & Schwarkopf-Verlag, die eben ein rein kommerzielles Produkt war, auch, wenn sie sehr schönes Fotomaterial enthält. „Von A bis Z“ ist hingegen was für die Fans.
Das Softcover-Buch im schicken fast-10“-Format mit über 180 Seiten ist eine Art Lexikon über die Band, allerdings nicht mit Stichworten in alphabetischer Reihenfolge, wie man annehmen könnte, sondern aufgeteilt in verschiedene Rubriken und weitaus tiefgehender.
Da wird ausführlich mit vielen Hintergrundinfos auf das interessante Artwork der Band eingegangen, es gibt eine Chronologie, in der unter anderem alle Auftritte der Band gelistet sind, eine umfangreiche Discographie, essayhafte Artikel über die Herkunft der Band, die Bandmitglieder, die hinter den Songs stehenden Ideen, die ungemein treuen Fans und natürlich eine ausführliche Bandgeschichte. Des weiteren alle Songtexte, Tour-Anekdoten, Pressereaktionen, Blogeinträge und vielen vieles mehr. Und natürlich jede Menge Fotos.
Ich muss wirklich sagen: so muss ein Buch über eine Band aussehen, hier stimmt wirklich alles und für Fans ist das sowieso Pflicht.
Das Buch behandelt die Bandgeschichte bis 2007 und endet während der Produktion zum dritten Album. (A.P.)

EMERALD PARK - For Tomorrow

Wiederveröffentlichung: Download 2008 / AF-Music
Erstveröffentlichung: CD 2008 / Danse Macabre / Al!ve / 7320470104835

Aus Schweden hat man in der Vergangenheit schon viel gute Musik gehört, wobei vor allem das Synthie-Pop-Genre auf der einen und erdige Rockmusik auf der anderen Seite hervorstachen. Aber auch Popmusik gab es schon zu hören und damit meine ich nicht zuerst ABBA.
EMERALD PARK haben sich der Popmusik verschrieben und liefern mit „For Tomorrow“ ein leicht zu konsumierendes Album ab, das zunächst einmal recht einfach als Gitarren-Pop beschrieben werden kann. Der schnuckelige Indie-Pop der zweiten Hälfte der 80er dürfte hier nachhaltig Einfluss ausgeübt haben, man denke an Labels wie Sarah oder Creation. Dazu hier und da eine Prise Alternative-Rock und ein paar Sprengsel New Order-Wave. Das ist sehr gefällig, eingängig und schön melodiös, kippt aber leider auch immer mal wieder auf die sehr seichte Seite rüber. Um sich damit gegen die zahlreichen Konkurrenten durchzusetzen, hätte es hier und da doch ein paar mehr Ecken und Kanten gebraucht. So ist „For Tomorrow“ leider nur ein gefälliges Sommeralbum, das man prima nebenbei hören kann, aber auch wieder schnell vergessen hat. Da wäre mehr drin gewesen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

WALDSONNE - Wanderer


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Eigenveröffentlichung / R.A.I.G.

Nach einer sehr schönen, selbst produzierten 4-Track-CD legt das russische Neo-Folk-Projekt WALDSONNE nun mit „Wanderer“ das erste komplette Album vor, das, um es vorweg zu nehmen, jedem Neo-Folk-Liebhaber sehr gut gefallen dürfte. Wie gehabt gibt es melancholische akustische Klänge zu hören, die vor allem von der Akustikgitarre und der Violine leben und durch bezaubernden Gesang erfreuen. Vor allem durch die Violine ergibt sich mehr als bei „Strahl“ eine traurige osteuropäische Atmosphäre, die der Band mehr Eigenständigkeit verleiht. Wieder werden auch einige deutschsprachige Texte verwendet, die den nicht gerade lebensfrohen Charakter der Songs noch unterstreichen. Die oft beschworene traurige russische Seele zeigt hier wieder einmal ihr beeindruckendes Gesicht.
Sicher liefern WALDSONNE mit „Wanderer“ kein innovatives Album ab, dafür aber ein sehr schönes, das mit den bekannten Versatzstücken des Genres spielt. Ein einfaches, aber schönes Cover-Artwork rundet das Album ab. Neo-Folk-Fans sollten unbedingt reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: waldsonne.woods.ru

AKANOID - Usual Freak


Erstveröffentlichung: CD-EP 2007 / Echozone / SPV / CD-EP 14832

AKANOID ist ein Projekt, das inzwischen schon einige Jahre durch die Musikszene geistert und regelmäßig Platten veröffentlicht. Dabei steigt die Fanschar stetig, ohne, dass die Musiker den richtigen kommerziellen Durchbruch schaffen. Das erinnert hier und da an die Band Northern Light, ohne, das beide nun musikalisch vergleichbar wären. Solide muss und darf man das wohl nennen, aber der große Knaller, der den Durchbruch bringt fehlt einfach noch. AKANOID liefern eingängigen Electro-Sound ab, der tanzbar ist, ohne oberflächlich zu sein. Dabei werden Einflüsse von Techno über Dub bis Future-Pop zusammen gemischt und immer wieder Remixe abgeliefert, die sowohl in Mainstream-Clubs, als auch auf „schwarzen“ Parties ihre Hörer und Tänzer finden können. Interessant dabei ist, dass einer der Musiker in den 90er Jahren vor allem im Rock- und Metal-Genre aktiv war, während sich der andere dem Synthie-Pop gewidmet hat. Gerade diese unterschiedlichen Werdegänge sind wohl der Grund, für den recht eigenen und vielseitigen Sound von AKANOID. „Perfect Sin“ ist ein hübscher Popsong, der im Info allerdings nicht ganz korrekt mit New Order vergleichen wird. Da ist wohl eher der Wunsch mit den alten Helden mitzuhalten, als dass man sich wirklich mit ihnen messen könnte. Ohrwurmcharakter hat der Song aber trotzdem. Neben Remixen aus dem Album „Cocktail Pop“ gibt es zudem noch eine Coverversion von Nine Inch Nails´ „Sin“, die aber natürlich ganz anders klingt, als das Original.
AKANOID ist ein Electro-Projekt, das wahrscheinlich auch in Zukunft immer kurz vor dem kommerziellen Erfolg stehen wird, ob der dann wirklich einmal kommt, hängt eben einfach davon ab, ob mal ein echter Hit veröffentlicht wird, der dann das dazugehörige Album mitreißt. (A.P.)

DIVINE TO THE END - Firestrike


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2010 / FNR / Amazon

DIVINE TO THE END sind mir völlig unbekannt gewesen, obwohl es das (zunächst) Projekt, beziehungsweise die (heute) Band bereits seit 2006 gibt. Die vier deutschen Musiker waren aber auch vorher schon in verschiedenen Bands unterwegs und so ist es nicht überraschend, dass sie ihre Instrumente beherrschen. Zu hören gibt es eine Mischung aus Alternative-Rock und Metal mit einer ganzen Menge zusätzlicher Einflüsse und einer Kombination aus deutschen und englischen Texten. Das ist durchaus eingängig, wenn man auf die Art von Musik steht und außerdem gut, wenn auch ein bisschen zu glatt produziert. Aufgepeppt wird der Sound mit einigen Keyboard-Klängen.
Die drei Songs sind ganz offenbar als Demos gedacht, um vielleicht bald bei einer größeren Plattenfirma unterzukommen und mit mehr Kohle im Rücken am breiteren Durchbruch zu arbeiten. Mir persönlich ist der Sound zu unspektakulär und ohne viel Eigenständigkeit. So was hat man schon zigfach gehört und mich hat es deshalb nicht vom Hocker. Wer aber auf technisch ordentlichen Alternative-Sound steht, kann ja mal reinhören. Ein Live-Video des Titelstücks gibt es auch noch dazu. (A.P.)

BLACK-OUT BEAUTY - Horrortrip


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2010 / Nörze Records / Radar

Oh Mann, was ist denn das? Maschinengewehr-Drums, wummernder Bass und sägende Gitarren, dazu eine Stimme, die klingt, als wenn ein Grizzly-Bär versucht zu singen. Psykecore nennt die luxemburgische Band BLACK-OUT BEAUTY ihren Musikstil selbst und wer wäre ich, dass ich das anzweifle. Im Info stehen dann zum Glück auch noch Begriffe wie Death Metal und Grindcore, die ich zumindest schon mal gelesen habe. Ich kann nicht sagen, ob das, was BLACK-OUT BEAUTY auf dieser 4-Track-CD machen gut oder schlecht ist, weil ich einfach keine Ahnung habe, was in diesen Genres die Qualitätsmerkmale sind. Die Stücke habe eine Menge Energie, erscheinen aber ziemlich unstrukturiert. Ich nehme an, sie sind komplett digital aufgenommen und abgemischt worden. Das ist definitiv keine Musik für CDs oder gar MP3s, sondern hier müsste mit alten Mikros analog aufgenommen und dann auf Vinyl gepresst werden, damit die Dreckigkeit, die die Band versprühen möchte auch aus den Boxen klingt. Trotz aller Härte und Heftigkeit bleibt so aber ein bisschen ein fast schon glatter Eindruck, obwohl hier natürlich keinerlei Kommerzialität zu finden ist. Da dies absolut nicht meine Musik ist, lasse ich die Bewertung mal sein und empfehle den Metalheads, die auf den ganz derben Grunz-Sound stehen, mal reinzuhören. (A.P.)

DEPECHE MODE - Tour Of The Universe: Barcelona 20./21.11.2009


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2010 / Venusnote-Mute Records / LDMDVD6/5099991981998

Mit “101” haben DEPECHE MODE Ende der 80er Jahre ihr erstes Live-Album vorgelegt, das bis heute in diesem Genre als Klassiker gelten darf. Danach folgte Mitte der 90er „Songs Of Faith And Devotion Live“ und eine ganze Reihe halboffizieller Livemitschnitte der „Touring The Angel“-Tour 2006. Auf Video und DVD gibt es „The World We Live In And Live In Hamburg“, „One Night In Paris“ und „Touring The Angel – Live in Milan“. DEPECHE MODE-Fans sind also wirklich verwöhnt, was Livemitschnitte ihrer Lieblingsband angeht, mal ganz abgesehen davon, dass unzählige Konzerte in Bootlegform erschienen sind. Warum also nach nur einem neuen Album, „Sounds Of The Universe“, schon wieder ein Livemitschnitt? Finanzielle Gründe kann das aus Bandsicht kaum haben, denn wenn DEPECHE MODE nicht ausgesorgt haben, welche Band dann? Klar, für die Plattenfirma ist es leicht verdientes Geld, ohne gleich neue Songs raushauen zu müssen. Aber irgendwie habe ich bei DEPECHE MODE das Gefühl, dass hier wirklich wert darauf gelegt wird, die Tour als großes Ereignis zu konservieren, denn die Engländer zählen fraglos zu den größten Bands der Welt. Und showtechnisch bietet die Gruppe immer wieder Außergewöhnliches. Die Fans dürfen sich also auch bei „Tour Of The Universe“ auf großartige Unterhaltung freuen. In bester Ton- und Bildqualität liefert die Band einen Querschnitt ihrer Bandgeschichte von 1985 bis 2009 ab, wobei natürlich jede Menge Top 10-Singles ebenso vertreten sind wie unbekanntere LP-Stücke. Schade nur, dass vor dem 1985er „Fly On The Windscreen“ kein Stück ausgewählt wurde, die ersten vier Alben also völlig außen vor gelassen wurden. Nun gut, man kann es natürlich auch verstehen, dass eine Gruppe ihre 25-30 Jahre alten Lieder nicht unbedingt mehr jeden Abend auf der Bühne spielen möchte und ganz klar, ein großer Teil der heutigen Fans ist mit den DEPECHE MODE seit „Songs Of Faith And Devotion“ aufgewachsen. Trotzdem sind viele alte Hits dabei, die auch die älteren Fans glücklich machen werden, „Stripped“, „Walking In My Shoes“, „A Question Of Time“, „Policy Of Truth“, natürlich „Enjoy The Silence“, „Never Let Me Down Again“, „Behind The Wheel“ und „Personal Jesus“. Und dann natürlich Hits ab “Ultra” wie “Home”, “It’s No Good”, „Precious“ und “Wrong”. Das 2009 aktuelle Album „Sounds Of The Universe“ ist überraschend schmal vertreten, aber klar, eine Band wie DEPECHE MODE muss ja förmlich ein „Greatest Hits“-Programm präsentieren, wenn man in den größten Arenen der Welt spielt. Die Mischung stimmt also schon mal und die Versionen sind auch gelungen. Man kennt DEPECHE MODE als großartige Liveband und Sänger Dave Gahan als guten Entertainer, der auch ein so gigantisches Publikum wie hier problemlos mitreißen kann. Dazu ein Bühnenbild, das vom Genie Anton Corbijn gestaltet wurde und eine mehr als monumentale LED-Videowand und Lightshow. Da wird schon eine ganze Menge fürs Auge und Ohr geboten und wohl kaum ein Fan wird enttäuscht sein. Damit auch wirklich jeder das bekommt, was er sich wünscht, ist „Tour Of The Universe“, zugegeben, ein etwas hochtrabender Titel, in verschiedenen Formaten und Versionen erschienen, als Doppel-Blu Ray, als 2CD+DVD-Version und als Super-Deluxe-Set mit jeweils 2 DVDs und CDs. Die 2 CDs und die DVD enthalten die gleiche Tracklist, wobei die DVD dann noch vier Bonustracks bietet. Die zusätzliche DVD der Deluxe Edition liefert dazu noch Backstage/Soudcheck-Material und die Bühnen-Hintergrundvideos, eine kurzen Tourfilm und die Videoclips zu den Singles aus „Sounds Of The Universe“. Das ist für Fans natürlich ein Rundum-Wohlfühl-Paket, der „Normal“-Hörer wird sich mit der normalen Doppel-CD/DVD-Version zufriedengeben.
Etwas schade finde ich, dass die Veröffentlichung aus zwei verschiednen Konzerten zusammengeschnitten wurde. Das merkt man zwar nicht unbedingt, aber der Dokumentationscharakter, der eben auch kleine Patzer beinhalten würde, geht etwas verloren zugunsten der Perfektion. Als nun unverrückbares Dokument einer gigantischen Tour steht „Tour Of The Universe“ aber fest. Die erste Hälfte präsentiert DEPECHE MODE fast als Rock-Band, während zum Ende hin alle alten Fans die eine oder andere nostalgische Träne verdrücken werden. Man kann wohl ziemlich sicher sein, dass „Sounds Of The Universe“ und die dazugehörige Tour noch nicht das letzte Statement von DEPECHE MODE war. Die Frage ist nur, wie soll sich die Band live noch steigern? Ein Konzert auf dem Mond? Gerne, und Anton Corbijn inszeniert das Ganze. (A.P.)

LINEA ASPERA - Linea Aspera

Wiederveröffentlichung: CD 2012 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB008
Erstveröffentlichung: LP 2012 / Dark Entries / DE-031

Das amerikanische Label Dark Entries ist dafür bekannt, qualitativ hochwertige Vinyl-Veröffentlichungen von Bands aus den 80er Jahren auf den Markt zu bringen, seien es bislang unveröffentlichte (oder nur auf Tape erschienene) Sachen oder Wiederveröffentlichungen von kleinen Klassikern. Mit LINEA ASPERA aus England hat man aber ein topaktuelles Duo entdeckt, das perfekt in das Labelprogramm zwischen New Wave, Electro Wave und Minimal-Electro passt und nach zwei selbstproduzierten Tapes das erste Album veröffentlicht. Und wie es sich gehört, wurde von No Emb Blanc/Genetic Music gleich noch die CD-Version nachgeschoben, damit auch alle glücklich sind.

Lange habe ich den – kleinen – Szeneerfolg keiner Gruppe mehr so gegönnt, wie LIENA ASPERA, denn die acht Tracks in knapp 35 Minuten sind so wunderschön, dass einem fast schwindlig ist. Obwohl im 3. Jahrtausend der modernen Zeitrechnung entstanden, atmet die Musik doch wie bei kaum einer anderen Band den Geist der 80er Jahre. Man kann es ganz gut mit einer synth-poppigeren Variante der frühen Kirlian Camera vergleichen, oder, wenn man aktuellere vergleiche wünscht: irgendwo zwischen Soma Sema und Martial Canterel.

Der Sound ist ultra-eingängig, melodiös und warm und in die Stimme von Sängerin Alison Lewis verliebt und verliert man sich sofort, wenn man in den 80er Jahren groß geworden ist. Dabei klingen die Lieder aber überhaupt nicht verstaubt. Wenn LINEA ASPERA als Vorgruppe von Hurts auf Tour gingen, würde ich fast den ganz großen Durchbruch prophezeien. So wird aber die kleine aber feine New Wave/Minimal-Szene gierig auf neues Material warten, das hoffentlich schnell nachgeschoben wird. Bis dahin ist das Debüt von LINEA ASPERA definitiv einer der Pflichtkäufe des Jahres 2012. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

TRAGIC BLACK - The Eternal Now


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Danse Macabre

Tragic Black – The Eternal Now
"(VÖ: 22.02.2013 Danse Macabre)


Als mich vor wenigen Tagen ein neues Promopaket erreichte sagte mir zuerst der Name „Tragic Black“ gar nichts, aber das Styling der Band ein bisschen in Visual Key Optik sprach mich sehr an.
So begann ich nach dem Erhalt des Pressetextes im Internet zu suchen und erfuhr so, dass es die Jungs aus Salt Lake City bereits seit 13 Jahren gibt, aber sich ihr Bekanntheitsgrad aktuell noch verstärkt in der amerikanischen bzw. mexikanischen Gothicszene erstreckt. Im Gespräch anschließend mit amerikanischen Freunden erwähnte ich den Namen, und siehe da, man kannte ihre Musik und legte mir besonders ihre Live Shows ans Herz. Nachdem doch ein paar Kilometer zwischen Amerika und Europa liegen und ein Live Erlebnis ausgeschlossen ist, war ich nun neugierig geworden, was mich aus dem Hause Danse Macabre erreichte und legte „The Eternal Now“ ein.

Die insgesamt zehn Stücke sind Bestandteil eines Konzeptalbums, welches sich in musikalisch in enger Beziehung zum Element Erde befindet. In zehn Songs wird dem Hörer in unterschiedlichen Szenarien - wie aus einem Fotobildband collagenartig- eine kollabierende Welt aufgezeigt. Druckvolle Gitarrenwände verstärken die Textgewalt und unterstützen den aggressiven Gesang des Frontsängers stilecht. Trotz deutlich mehr Härte im Vergleich zu bisherigen Alben, blieb man dennoch der Tradition von Konzeptalben treu. Ich hatte dann auch in die Vorgängeralben hineingehört, und schon das Debütalbum „The Decadent Requiem“ befand sich in enger Beziehung zu einem Element, in diesem Fall war es das Feuer. Auch der Nachfolger „The Cold Caress“ wiederum befasste sich mit einem Element, nämlich dem Wasser. Folgerichtig musste der Nachfolger „The Dead Fall“ sich erneut einem Element widmen, diesmal der Luft. Allen Alben kann ich eine musikalische Kraft bescheinigen, welche jedoch noch nicht so intensiv bei mir ankam, wie es jetzt mit „The Eternal Now“ erreicht wurde. Für mich stellte ich mir die Frage, woran dies liegen könnte, und machte für mich den starken Einsatz von E-Gitarren aus. Gerade durch diesen verstärkten Einsatz transportiert sich die Emotion in der Stimme des Frontsängers um so mehr und hinterlässt einen tollen etwa 60minütigen Gesamteindruck.

Ich werde in Zukunft ein Auge auf Tragic Black behalten und kann den musikalischen Zugewinn einer überzeugenden Band nur begrüßen!

(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.tragicblack.com

GOTHIKA - Yomi


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Danse Macabre

Gothika – Yomi
" (VÖ: 22.02.2013 Danse Macabre)


Etwas überrascht war ich als ich den Namen dieser außergewöhnlichen Electro Formation las, denn bisher assoziierte ich eher keine Musik sondern den Horror Film aus dem Jahre 2003 und Halle Berry mit „Gothika“. Das es hier keine Namensrechtsprobleme gibt verwundert mich dann doch sehr.

Hinter der musikalischen Welt von „Gothika“ verbirgt sich eine ungewöhnliche EMB/Synthiepop Band, welche sich nach einem Jahr der Stille mit zehn brandneuen Songs zurück meldet. Ihr aktuelles Album „Yomi“ umfasst neun komplett neue Songs und etliche Remixe, welche eine spannende Mischung aus europäischem Synthiepop und japanischer Tradition darstellen. Übersetzt heißt „Yomi“ soviel wie „die andere Seite“ und so bin ich gespannt, wie mir diese musikalisch präsentiert wird.

Als Fazit kann ich sagen, dass alle Stücke extrem druckvoll und gradlinig sind. Durchweg tanzbar, bohren sich die insgesamt sechzehn Stücke in den Gehörgang in einer gesanglichen Mischung aus englisch und japanisch. Etliche der Texte sind Vermischungen englischer Textpassagen und japanischer Refrains oder eben umgekehrt, was dem Album etwas exotisches und gleichsam vertrautes gibt. Exotisch deswegen, weil es so scheinbar fremd klingt wenn etwa „Broken“ erst englisch beginnt und dann ganz selbstverständlich in japanisch wechselt und vertraut deshalb, weil der musikalische Weg der Band hörbar europäisch geprägt ist. Der Spagat mag für das EBM Ohr sehr gewagt erscheinen, weil die hämmernden Bässe auch das Gehör stressen können, aber es lohnt sich sehr genau hinzuhören. Reingezogen in den Kosmos Gothika nickt man unweigerlich anerkennend, da dieses Album in fast jedem Song eine neue Überraschung bereit hält.
Ebenso überraschend war für mich die Liste der Remixe auf dem Album, denn etwa Covenant, Freakangel oder Encephalon haben ihre eigene Handschrift einzelnen Songs des Albums verpasst.

Ich wünsche euch viel Spaß beim hineinhören! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.facebook.com/gothikatokyo


[ ZURUECK ]