BETA EVERS - Eruption


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2005 / Kommando 6 / Kommando 6 / K6-XX

„Eruption“ ist die insgesamt dritte Platte von BETA EVERS, wenn ich das richtig verstanden habe, und die zweite davon auf Kommando 6, dem Label unseres Vertrauens für meist guten Electro-Sound verschiedenster Spielarten. Wenn ich mich nicht täusche, versteckt sich hinter BETA EVERS die Kommando 6-Labelchefin selbst.
4 Tracks moderner Electrosound, der aber durchaus auch Bezug auf alte Zeiten nimmt. „Don´t Be Afraid“ ist ein sehr schön eingängiger Electro-Wave-Song, der bei mir auch gerne mehrere Male hintereinander läuft. „Move In My Body Rhythm“ klingt, als wenn The Klinik den Soundtrack zu „Blade Runner“ gemacht und sich dazu eine Sängerin an Bord geholt hätten.
„Eruptive“ kommt etwas locker-flockiger daher, kann aber ebenso, wie der dunklere, wieder etwas an The Klinik erinnernde, Track „Destination Lost“ als modern klingender 80s-Electro Wave beschrieben werden.
Alle vier Titel sind richtige kleine Hits und es wundert mich, dass sie nicht längst in der Dark Wave-Szene bekannter sind. Oder sind sie das gar und ich muss mich mal wieder outen, dass ich in der Szene kaum noch was mitbekomme, weil sie mich einfach kaum noch interessiert? Das wiederum wäre peinlich für mich. Wer ausschließlich auf Minimal-Electro steht, wird hier bei dem vollen Sound wahrscheinlich nicht glücklich, wer aber auch darüber hinaus gerne gute Electro-Klänge mit Frauengesang hört, sollte schnell zugreifen, da die Patte, wie gewohnt im neutralen Cover, wahrscheinlich nur in kleiner Auflage erscheint. Vor allem „Don´t Be Afraid“ ist ein Knaller. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kommando6.de

TRAGIC BLACK - The Eternal Now


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Danse Macabre

Tragic Black – The Eternal Now
"(VÖ: 22.02.2013 Danse Macabre)


Als mich vor wenigen Tagen ein neues Promopaket erreichte sagte mir zuerst der Name „Tragic Black“ gar nichts, aber das Styling der Band ein bisschen in Visual Key Optik sprach mich sehr an.
So begann ich nach dem Erhalt des Pressetextes im Internet zu suchen und erfuhr so, dass es die Jungs aus Salt Lake City bereits seit 13 Jahren gibt, aber sich ihr Bekanntheitsgrad aktuell noch verstärkt in der amerikanischen bzw. mexikanischen Gothicszene erstreckt. Im Gespräch anschließend mit amerikanischen Freunden erwähnte ich den Namen, und siehe da, man kannte ihre Musik und legte mir besonders ihre Live Shows ans Herz. Nachdem doch ein paar Kilometer zwischen Amerika und Europa liegen und ein Live Erlebnis ausgeschlossen ist, war ich nun neugierig geworden, was mich aus dem Hause Danse Macabre erreichte und legte „The Eternal Now“ ein.

Die insgesamt zehn Stücke sind Bestandteil eines Konzeptalbums, welches sich in musikalisch in enger Beziehung zum Element Erde befindet. In zehn Songs wird dem Hörer in unterschiedlichen Szenarien - wie aus einem Fotobildband collagenartig- eine kollabierende Welt aufgezeigt. Druckvolle Gitarrenwände verstärken die Textgewalt und unterstützen den aggressiven Gesang des Frontsängers stilecht. Trotz deutlich mehr Härte im Vergleich zu bisherigen Alben, blieb man dennoch der Tradition von Konzeptalben treu. Ich hatte dann auch in die Vorgängeralben hineingehört, und schon das Debütalbum „The Decadent Requiem“ befand sich in enger Beziehung zu einem Element, in diesem Fall war es das Feuer. Auch der Nachfolger „The Cold Caress“ wiederum befasste sich mit einem Element, nämlich dem Wasser. Folgerichtig musste der Nachfolger „The Dead Fall“ sich erneut einem Element widmen, diesmal der Luft. Allen Alben kann ich eine musikalische Kraft bescheinigen, welche jedoch noch nicht so intensiv bei mir ankam, wie es jetzt mit „The Eternal Now“ erreicht wurde. Für mich stellte ich mir die Frage, woran dies liegen könnte, und machte für mich den starken Einsatz von E-Gitarren aus. Gerade durch diesen verstärkten Einsatz transportiert sich die Emotion in der Stimme des Frontsängers um so mehr und hinterlässt einen tollen etwa 60minütigen Gesamteindruck.

Ich werde in Zukunft ein Auge auf Tragic Black behalten und kann den musikalischen Zugewinn einer überzeugenden Band nur begrüßen! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.tragicblack.com

X-VIVO - Out of the smell of Decay


Erstveröffentlichung: CD-EP 2013 / New Music

X Vivo – Out of the Smell of Decay
"(VÖ: 25.01.2013 New Music Distribution)

Was uns nicht umbringt macht uns stark, so etwa könnte wohl das Bandmotto der Berliner Industrial/ Alternative Metal Combo X-Vivo lauten, wenn man sich einmal näher mit ihrer Bandgeschichte befasst. 2005 gegründet, hat sich die Band nach diversen Rückschlägen und Besetzungswechseln neu formiert und auch das Bandkonzept gleichermaßen auf den Kopf gestellt. Inspiriert durch Bands wie Slipknot oder Nine Inch Nails vereint X-Vivo harte Riffs mit Synthieklängen, Pianosound mit elektronischen Beats im Gegenzug. Auch die vier Gesangsstimmen, welche von derben Shouts über Rapparts bis hin zu cleanem Gesang reichen, sind Stilmittel der Band.

Auf ihrer EP „Out of the Smell of Decay“ manövriert die Band den Hörer in ein Spannungsfeld zwischen Mensch auf der einen und Maschine auf der anderen Seite. Seit den Anfängen des Industrial bis heute liegen knapp 40 Jahre voller Entwickeln, Experimentieren und Einsetzen. Immer stand die Frage dabei im Raum, wer agiert und wer reagiert: Mensch oder Maschine?
Während ich sonst nicht unbedingt Fan von hartem Industrialsound bin, so konnte ich vom ersten Track an, X – Vivo etwas abgewinnen, was nicht zuletzt an guten Stimmen und einer überzeugenden Umsetzung liegt. Diese EP ist eine Remix EP des 2009er Werks „EgoPhobia“ und offenbart dem Hörer völlig neue Facetten ausgewählter Songs des Albums.

Im ersten Track „Reflection RMX“ treffen Synthie Klänge auf wütenden Männergesang gepaart mit sanften Frauenstimmen. Die Bandmitglieder präsentieren sich dem Hörer von Anfang an sehr markant. Viel Bass ist jedem der sechs Stücke inne, aufgebaut auf einem Fundament aus massiven Beats. Der Auftakt ist gelungen und machte mich neugierig auf die weiteren vier regulären Tracks der EP. Auch der zweite Track „Last Drop RMX“ prescht nicht minder vor, denn der Anfang klingt so, als würde jemand auf den unterschiedlichen Scherben eines zerbrochenen Fensters spielen. Die tragenden Elemente des Songs sind massive Gitarren- und Schlagzeugwände, der Hörer wird durch das gesprungene Glas bildlich gesprochen geworfen, verletzt und schutzlos. Emotionen als Motivation für unsere Handlungsweisen eben darum geht es auch, lässt sich der Hörer von dem Aggressionen des Sängers blenden, oder schaut er hinter die Raue Schale, erkennt die andere Seite an? Der Track „EgoPhobia RMX“ beschäftigt sich mit dem demjenigen der uns Hörer durch das Glas auf die andere Seite geworfen hat, mit den Abgründen des Menschen. Eine tiefe Sprechstimme begleitet von Industrial – Gitarren und Drums zeigen dem Hörer die vermeintliche Gleichgültigkeit der Selbstzerstörung des Menschen, während eine helle Stimme immer stärker die Erlösung und Heilung der Wunden verspricht, Der Hörer spürt, dass hier ein gedanklicher Break in der EP eingeleitet wurde, und nun die eher dunklere Seite beginnt.

Monoton umhüllt von Pianoklängen stürzt der Hörer mit „Daymares RMX“ in Leere, die erhoffte Erlösung war nicht mehr als eine Illusion, ein Traumbild. Bang stellt sich die Frage, ob man bereits wach ist, oder der Altraum erst jetzt begonnen hat. Brachiale Bässe reißen die Wunden weiter auf, drücken dich an die Wand, machen die Ohnmacht spürbar und hinterlassen emotionale Leere.
Mit wenigen Mitteln erzeugt die Band eine eindrucksvolle Atmosphäre, die durch ihre Aggression im Refrain den Hörer wieder aus der Ohnmacht fortreißt und wie auf einer Achterbahn durch den Emotionstunnel schüttelt, ehe du am Ende der Fahrt gar nicht recht weißt, wie dir geschah.
Kaum ausgestiegen aus der Gondel ist die Stadt um dich herum zerstört, nur wenige Punkte inmitten der Dunkelheit zeugen vom einstigen Glanz. Aggressiv schreit der Sänger seine warnenden Verse hinaus in die Stille, nur du vernimmst ihn dabei. Die Realität von „Realität RMX“ ist der Zerfall, die Zerstörung. Doch jede Zerstörung bietet auch Platz für neues, sollte der befreiende Chor am Ende des Songs, möglicherweise bereits den Neuanfang einleiten?
Als Bonus packt X-Vivo „Irrtümer RMX“ mit auf die Scheibe, ein ruhiger Song dann als Ausklang.













(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.x-vivo.de

HELEN DONLON - David Lynch Talking


Erstveröffentlichung: Buch 2008 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 978-3-89602-801-3

Seit über 30 Jahren schafft Regisseur David Lynch Filme, die sich jenseits der gängigen Regeln bewegen und trotzdem, oder auch gerade deswegen immer wieder für Aufsehen sorgen. Lynch selbst ist längst Kult, obwohl er das sicher gar nicht so gerne hört. Abgesehen von rein experimentellen Werken wie „Eraserhead“ über eher mystische Sachen wie „Lost Highway“, „Mulholland Drive“ oder „Inland Empire“ bis hin zu großem Hollywood-Kino wie „Der Wüstenplanet“ hat der Mann immer seine eigene Handschrift behalten und mit „Der Elefantenmensch“, „Blue Velvet“, „Wild At Heart“ oder der TV-Serie „Twin Peaks“ auch kommerziell mehr als erfolgreiche Bilderwelten erschaffen. Am meisten herausstechen aus seinem Werk tut wahrscheinlich der ruhige und sehr einfache „The Straight Story“.
Bücher oder Examensarbeiten und wissenschaftliche Abhandlungen über den Mann selbst und seine Filme gibt es in großer Zahl, aber wie sieht er selbst seine Arbeit?
Dieser Frage geht das Buch „David Lynch Talking“ von Helen Donlon nach. In Form von Zitaten des Meisters wird sein Weg seit Ende der 60er Jahre beleuchtet und es ist immer wieder verblüffend, was Lynch im Laufe der Jahre so von sich gegeben hat. Es wird klar, dass er manchmal missverstanden wurde, er widerspricht sich selbst, bestätigt oder widerlegt Meinungen über seine Filme und gibt Privates preis. Die Kapitel sind nach Themen gegliedert und innerhalb der Kapitel wird nach und nach zu allen Filmen etwas erzählt. So findet man durchaus Passagen, die als Interpretationshilfe dienen können, in anderen merkt man, dass er gerne auch überinterpretiert wird. Manchmal ist eine Kuh eben doch nur eine Kuh.
Helen Donlon hat aus zahlreichen Interviews diese Zitate zusammengeklaubt, thematisch sortiert und in diesem Buch veröffentlicht. Keine Frage, als Fan von David Lynch erfährt man viel Interessantes über ihn und insgesamt kommt er als recht netter Kerl rüber, der aber genau weiß, was er will und auch die eine oder andere Macke hat.
Schließlich gibt es noch ein hochinteressantes Kapitel, in dem Wegbegleiter, Mitarbeiter und Freunde in Zitaten Auskunft über Lynch geben, was teilweise ein spannender Kontrast ist. Abgerundet wird der leicht zu lesende und durchaus auch unterhaltsame Band mit 32 Seiten voller Fotos und einer Filmographie, die die wichtigsten Informationen zu den Produktionen zusammenfasst.
Fans werden das Buch so oder so verschlingen, aber auch, wer allgemein Filmliebhaber ist und ein bisschen über einen der wichtigsten und einflussreichsten Regisseure der letzten gut 30 Jahre erfahren will, ist hier richtig. (A.P.)

SVEN REGENER - Der Kleine Bruder

Wiederveröffentlichung: Taschenbuch 2010 / Goldmann / ISBN 978-3-442-47031-0
Erstveröffentlichung: Buch 2007 / Goldmann

Nachdem Frank Lehmann bei der Bundeswehr ausgemustert wurde, reist er Anfang der 80er Jahre mit seinem Kumpel Wolli nach Berlin, um seinen Bruder Manfred zu besuchen. Dort angekommen ist Manfred, Freddie, wie ihn alle hier nennen, nicht auffindbar und scheinbar weiß keiner, wo er hin ist. Frank kommt zunächst in Freddies Zimmer unter und lernt in der WG Karl, Erwin und Chrissie kennen. Sofort ist er irgendwie mitten im Geschehen und erlebt 3 Tage im Berliner Künstler-Underground, die sein Leben irgendwie verändern, auch, wenn er das gar nicht will…

„Herr Lehmann“ ist ein moderner Klassiker deutscher Literatur, die Fortsetzung (beziehungsweise Vorgeschichte) „Neue Vahr Süd“ war durchaus unterhaltsam, aber teilweise etwas langatmig. Mit „Der Kleine Bruder“ hat Musiker und Autor Sven Regener den abschließenden, mittleren Teil der Trilogie um Frank Lehmann vorgelegt. Um es vorweg zu nehmen, „Der Kleine Bruder“ ist wieder deutlich kürzer als „Neue Vahr Süd“ und kehrt zurück zu den Stärken von „Herr Lehmann“, ohne dieses Meisterwerk jedoch ganz zu erreichen. Die Handlung spielt direkt im Anschluss an „Neue Vahr Süd“ und umfasst lediglich drei Tage, die es aber für unseren Helden in sich haben. In den ersten Tagen in Berlin passiert eigentlich nicht viel, außer, das Lehmann eben seinen späteren besten Freund Karl Schmidt und seinen zukünftigen Chef und Vermieter Erwin kennenlernt. Außerdem sucht Lehmann eben seinen scheinbar verschollenen Bruder und trifft dabei auf einige mehr oder weniger durchgeknallte Leute, die in der „Berlin-Mauerstadt“-Atmosphäre ein oftmals schräges Leben führen, sei es als Künstler, Dichter oder Keipenwirt. Bei Karl Schmidt hat man sofort wieder Detlev Buck in dieser Rolle aus der „Herr Lehmann“-Verfilmung vor Augen und man muss diesen schrägen Typen, der liebenswert naiv durch die Berliner Szene torkelt einfach lieb haben.
Die Handlung ist eigentlich gar nicht richtig erwähnenswert, aber so unterhaltsam und leicht zu lesen geschrieben, dass man die rund 300 Seiten der Taschenbuchausgabe schnell weg liest und sich dabei bestens unterhalten fühlt. Lehmann ist einfach inzwischen so etwas wie ein guter alter Bekannter geworden, der mit einem recht realistischen und sympathischen Blick auf die Welt durchs Leben stolpert. Im Grunde wünscht man sich, dass man selber so gewesen wäre, als man in dem Alter (um die 20) gewesen ist.

Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, wird so manches Detail und die eine oder andere Episode auch autobiographische Momente aus dem Leben von Sven Regener enthalten.

Der Roman kommt wieder einmal herrlich unaufgeregt daher, weiß durchgehend zu unterhalten und enthält auch den einen oder anderen dramatischen Moment.
Auch, wenn die Romane über das Leben von Frank Lehmann nun abgeschlossen sein sollen, wage ich doch zu hoffen, dass man irgendwann mal wieder etwas über den sympathischen Wahlberliner lesen wird. Am liebsten eine Fortsetzung des ursprünglichen Bandes „Herr Lehmann“, man möchte doch zu gerne wissen, was aus Karl Schmidt geworden ist, nachdem er seinen Zusammenbruch hatte. Bis dahin muss man sich eben die drei erhältlichen Bände ab und zu mal wieder rauskramen und daran erfreuen. „Deer Kleine Bruder“ ist jedenfalls wieder eine absolute Empfehlung. (A.P.)

2LHUD - Steckdose >> Licht


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Nix Gut / NG91

Warum gibt eine Band sich einen Bandnamen, von dem erstmal niemand weiß, wie man ihn ausspricht? Und warum wird das dann noch im Booklet in Lautschrift erklärt? Da interessiert mich schon gar nicht mehr, ob der Name überhaupt eine Bedeutung hat. Das ist fast so, als wenn über einem Artikel „Satire“ steht, weil man Angst hat, die Leser würden das nicht erkennen oder so, als wenn man einen Witz erklären muss.
Naja, es kommt ja auf die Musik an. 2 LHUD liefern ihre eigene Form von Punkrock ab, nicht Deutsch-Punk, trotz deutschsprachiger Texte, und in die Ecke will die Band sicher auch nicht gestellt werden. Mit musikalischer Vielseitigkeit (Punk, Ska, Reggae, Pop, Rock…) und Texten, die wohl in die Tiefe gehen sollen und die ganz eigenen Ansichten der Band darstellen, wird ein gewisser Anspruch aufgebaut, der mir persönlich aber ein bisschen zu studentisch erscheint. Wahrscheinlich tue ich den Bandmitgliedern unrecht, aber ich kann mir irgendwie nicht richtig vorstellen, mit denen Party zu machen und die regen sich bestimmt auch über die Siffpunks am Bahnhof aus, die nichts aus ihrem Leben machen. Ja, ich habe hier Vorurteile und lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber so kommt die Band bei mir einfach rüber. Die Vorbilder sind garantiert Gruppen wie …But Alive, EA 80, Razzia, Exil/Turbostaat, Dackelblut/Oma Hans, Muff Potter und ähnliche Helden.
Die Richtung stimmt, aber zünden tut das Album bei mir trotzdem nicht. Schönes Booklet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.nix-gut.de

4 EXPERIMENTELLE DIE NUR 2 SIND - Typewriter


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Pumpkin Records / pump24-2007

Das österreichische Label Pumpkin Records ist ja immer für ungewöhnliche Veröffentlichungen gut, aber mit „Typewriter“ hat man sich selbst übertroffen!
Mal ganz abgesehen vom wirklich absurden Bandnamen 4 EXPERIMENTELLE DIE NUR 2 SIND und dem extrem minimalistischen Booklet, das an Kraftwerk-Ästhetik anschließt, liefern die Österreicher eine sehr skurrile eigene Interpretation von Popmusik ab, die durchaus eingängig ist, aber kaum mit etwas Bekanntem verglichen werden kann. Aus allen möglichen Richtungen von NDW über Pop, Rock, Chanson bis hin zu New Wave und Minimal-Electro kreiert die Gruppe ein ganz eigenes Ding, garniert mit einer ordentlichen Portion Anarchie. Manchmal fühlt man sich an eine zeitgemäße Mischung aus Palais Schaumburg, Der Plan und Joachim Witt erinnert, ohne, dass man das Ganze nun voll und ganz der NDW zuordnen könnte. Wenn man überhaupt eine aktuelle Gruppe als Referenz heranziehen kann, dann vielleicht Die Türen, aber auch nur ganz entfernt und von der Herangehensweise, bei der einfach alles respektlos und schräg verwurstet wird.
Aufgrund der extrem unterschiedlichen Stücke wird kaum jemand alles gut finden, aber jeder kann seine persönlichen Favoriten entdecken. Mir gefallen Stücke wie „Alles Hat Es falsch“ und ganz besonders „Hausbrauch“ (Palais Schaumburg at ist best!) und „Im Fernsehen“ (Der Plan/Dorau-mäßig) am besten, und das sind nun mal die Stücke, die an die Neue Deutsche Welle erinnern. Aber auch die übrigen Songs sind schön abgefahren und ich glaube, hier sind Leute am Werk, die einfach Spaß an der ganzen Sache haben. Jedenfalls kommt das sehr gut rüber. Totaler Geheimtipp aber absolut entdeckenswürdig! (A.P.)

Webadresse der Band: www.kuerbis.at

ABSENT FOR A WEEK - Made By Destiny


Erstveröffentlichung: CD-EP 2005 / Finest Noise Recordings / radar-Motion FX

Lupenreiner Alternative-Rock mit ordentlich Druck und fetter Abmischung, dazu Frauengesang und ganz gute Melodien. Keine Frage, da kommen Gedanken an Bands wie Die Happy und Guano Apes auf, um mal die bekanntesten Vertreter dieser Richtung zu nennen.
Und ziemlich genau in diese Richtung geht es bei den Deutschen ABSENT FOR A WEEK auch. Das ist nicht schlimm, weil es gut gemacht ist und zusätzlich noch eine Prise Emo-Core eingebaut wird. Eine Spur eigenständiger dürfte es aber trotzdem sein bei der nächsten Veröffentlichung. (A.P.)

HEAVY CURRENT - Edacious


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Sonorium / Icare Media / Sonorium CD 009

Vom Label Sonorium haben wir bisher überwiegend Gothic Rock und Gitarren Wave-Sachen zu hören bekommen. Mit der deutschen Band HEAVY CURRENT und ihrem dritten Album „Edacious“ hat man nun auch die Tanzflächen der schwarzen Clubs im Auge. Wenn ich mich nicht ganz täusche, hat die Gruppe zuvor überwiegend elektronischen Sound produziert und sich damit schon eine kleine Fanschar erspielt. Nun wurden verstärkt Gitarren dazu genommen, die tanzbaren Electrobeats aber nicht verdrängt. Dabei hätte so etwas wie die späten Blind Passengers herauskommen können, was ich wenig spannend gefunden hätte. Stattdessen klingt das aber alles nach einer recht eingängigen Mischung aus Dark Wave, Electro und Gothic und mir fallen als fast perfekter Vergleich Dance Or Die in den 90er Jahren ein. Nicht das schlechteste Vorbild. Ansonsten gab es da ja noch Gruppen wie The Fair Sex und The Invincible Spirit, die auch ihre Spuren im Sound der aktuellen HEAVY CURRENT hinterlassen haben, angereichert auch mit einer Spur Synthie Pop. Das ist gefällig, tanzbar und bleibt im Ohr, ist aber nicht besonders neu. Für die Clubs ist das aber alles sehr gut geeignet und wird sicherlich so manches Tanzbein in Bewegung versetzen. (A.P.)

HOTEL PRESTIGE - Take A Souvenir From Your Teenage Confusion


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Pumpkin Records / Trost / pump25-2007

Irgendwo zwischen Gitarren-Pop, Songwriter-Pop und Country bewegt sich HOTEL PRESTIGE auf dieser CD, hier und da gibt es auch ein paar klitzekleine Ska- und Wave-Einflüsse und sogar Osteuropa- und Mariachi-Anklänge. Dazu deutsche und englische Texte und sehr angenehme Gesangsmelodien mit einer natürlichen Stimme. Das ist wenig spektakulär und will es wohl auch gar nicht sein. Trotzdem oder auch gerade deswegen fressen sich Songperlen wie „No TV On“ als Ohrwürmer in den Kopf. In die Reihe aktueller deutscher Gitarren-Pop-Gruppen wie Kettcar und Tomte auf der einen Seite und Madsen oder gar Sportfreunde Stiller auf der anderen wollen HOTEL PRESTIGE gar nicht so richtig passen und doch gehören sie irgendwie dazu, wobei deutsch natürlich vor allem deutschsprachig meint, denn die Gruppe kommt schließlich aus Österreich. Deutsch-Pop also im besseren Sinne, aber sicher nicht mit dem Potential, den ganz großen Durchbruch zu schaffen. Aber wenn solche Musik von den Radiosendern gespielt würde, sähe die Radiolandschaft in Deutschland (und sicherlich auch in Österreich), gleich viel besser aus. Auf jeden Fall ein Album zum immer hören, und das können nun wirklich nicht viele Platten von sich behaupten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kuerbis.at

BLUE BIRDS REFUSE TO FLY - Xenomorph Angel


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Decadance Records / Nova Media / CD0118

Schon das 2004er Album „Anapteroma“ von der griechischen Band BLUE BIRDS REFUSE TO FLY konnte durch wunderbar eingängigen Dark-Pop mit vielfältigen Einflüssen überzeugen. Wiederum auf dem italienischen Label Decadance Records erscheint nun 2007 der Nachfolger „Xenomorph Angel“, der den begonnenen Weg konsequent weiterführt. Die Songs erscheinen noch ausgereifter, genauso vielseitig beeinflusst von Future Pop über Disco, Techno und Wave bis hin zum Gothic, klingen aber wie aus einem Guss und sind vor allem durchweg tanzbar. „Morning Star“ hätte absolut das Zeug zum Clubhit und wäre dementsprechend eine potentielle Auskopplung, die auch kommerziell für Aufmerksamkeit sorgen könnte. So klingt 80er Jahre Pop, der unpeinlich ins dritte Jahrtausend rübergeschwappt ist. Zum frischen, kraftvollen Sound trägt vor allem auch die neue Sängerin bei, die eine leicht kindliche, aber sehr schöne Stimme hat. Die technoiden Anklänge sind sicher größer geworden und nicht jeder moderne Dance-Rhythmus begeistert bis ins Letzte, aber alles in allem lässt sich das Album wunderbar am Stück durchhören und gerne würde man ab und zu solche Popmusik im Radio hören. Nun, das wird in Deutschland eher nicht passieren, aber es bleibt zu hoffen, dass doch einige Leute diese Gruppe entdecken und man noch mehr von ihr zu hören bekommt. Keine innovative Erleuchtung, aber allemal ein feines Gespür für tanzbaren Pop mit Wave-Anklängen. (A.P.)



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