PASCAL FINKENAUER - Pascal Finkenauer


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Trocadero / Indigo / TR 20512

Erstmals aufgefallen ist mir PASCAL FINKENAUER vor einigen Jahren, als er mit Fettes Brot das Stück „An Tagen Wie Diesen“ aufnahm, begleitet durch ein spektakuläres Video und einen verstörend-genialen Auftritt bei der Comet-Verleihung. Danach blieb mir der Name geläufig, aber ich hakte den Hamburger als einen der zahllosen Liedermacher in einer Szene um Tomte, Kettcar und viele andere ab. Ein Fehler offenbar, wie sich mit dem neuen, selbst betitelten Album herausstellt. Schon das vorab auf You Tube gezeigte Video „Den Bach Runter“ zeigte einen nachdenklichen, aber doch eingängigen Musiker, der in seinen Songs die melancholischen Seiten des Lebens herausstellt. „Verzerrt“ beginnt wie ein guter Song von The Cure und die Stimmung in den Strophen erinnert an Wolfsheim, während der Refrain fast schon monumental erscheint. Selten wird es mal lauter und treibender wie in „Maschine“, das musikalisch den Titel sehr gut wieder gibt und nicht nur textlich Fehlfarben nahesteht. Balladen wie „Wellen“ oder „Müdigkeit“ tanzen förmlich auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und Lärm, bei „Lautes Lachen“ bewegt sich Finkenauer fast schon in Richtung Deutsch-Rock – wenn man böse sein will, könnte man den Namen Peter Maffay nennen – kriegt aber rechtzeitig die Kurve vor der Grenze zur Peinlichkeit. Auch „Brennende Autos“ ist eher ruhig gehalten (bist auf einen kurzen, echt lauten Ausbruch), so dass nach einem richtig starken Start des Albums, die Mitte etwas verflacht, bevor zum Ende hin wieder etwas mehr aufgedreht wird. „Alles In Rage“ kann problemlos mit den Größen des internationalen Indie-Rock mithalten, sehr kraftvoll und mitreißend.

Die schwarz-weiße Schlichtheit des DigiPaks und des eingehefteten Booklets erscheint gleichzeitig angenehm zurückhaltend und edel und die ernst schauenden nicht mehr ganz jungen Männer auf den Fotos stellen klar, dass hier kein fröhliches Popalbum erwartet werden sollte. Eher als wenn The Cure das Soloalbum von Tomte-Sänger Thees Uhlmann aufgenommen hätten. Starke, meist persönliche Texte, eine Stimme, der man gerne zuhört, gute Melodien, Anklänge an manche bekannte Band, aber doch eigenständig und vielfältig. Dazu eine ausgesprochen gute Produktion ohne Schnickschnack und sehr direkt. Ein richtig gutes deutschsprachiges Pop-/Rock-Album mit Tiefgang, aber ohne die Verkopftheit so mancher Hamburger Schule-Band. Trotzdem natürlich irgendwo in einer Reihe mit Bands wie Kettcar und Tomte auf der einen und Blumfeld und Tocotronic auf der anderen Seite. Vielleicht das fehlende Glied dazwischen und der Beweis, dass Hamburg musikalisch immer noch wichtig ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.pascalfinkenauer.com


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