BEND - Bend


Erstveröffentlichung: CD 1998 / Arm

Wer sich noch an die alte und gelungene NDW-Single von Ben Gash/Kerl Fieser erinnert, wird auf dieser CD Ben Gash mit kompletter Band wieder entdecken. Musikalisch geht das selbstbetitelte Album allerdings in eine völlig andere Richtung. Gash und seine Mitstreiter haben eine Art Alternative-Rock produziert mit wummernden Bass, Mann/Frau-Wechselgesang und rockigen Gitarren. Dabei bleibt jedoch ein schönes Undergroundflair erhalten, denn für den Durchschnitts-Formatradio-Hörer dürften BEND zu schräg sein. Leider ist es für die eingefleischten Crossover-Hörer dann doch nicht abgefahren und hart genug, so dass die Band damals mit ihrem Album zwischen allen Stühlen saß. Ich muss auch gestehen, dass dieser Stil nicht gerade die von mir bevorzugte Richtung ist, zudem wäre etwas mehr Power beim Gesang schön gewesen. So bleibt BEND eine heute vergessene Gruppe, die zwar ziemlich großes musikalisches Potential hatte, das aber nicht vollständig zum Hörer transportieren konnte. (A.P.)

EFFTER - Comorbidity


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Danse Macabre

EFFTER – Comorbidity
"(VÖ: 01.03.2013 Danse Macabre)

Hast du dich jemals unwohl gefühlt während du Musik gehört hast?

Mit dieser Frage präsentieren sich Effter dem Hörer ihrer aktuellen CD „Comorbidity“ und lassen eine Erwartungshaltung beim Hörer entstehen, der sie dann aber nicht gerecht werden.
Angekündigt vor der Veröffentlichung als Industrial Album, suche ich erfreulicherweise vergeblich nach den harschen Klängen und finde mich wieder in elf stimmungsvollen und eher rockigen Songs. Getragen von Pianoklängen und gewaltigen Synthieklängen beginnt eine inhaltlich wilde Reise hin zu Gefühlen aus Angst und Wahnsinn. Der Hörer wird inhaltlich beschäftigt mit Sorgen, wird in Chaos geworfen und kreist in krankhafter Furcht. Offen bleibt jedoch wovor diese Angst besteht, warum diese Furcht? Dieses Album schmeichelt eher dem Ohr, als das es aggressiv wäre oder Unwohlsein hervorruft. Angeblich kommt mit diesem Album die Krankheit, wenn man dem Pressetext glauben möchte, jedoch eine Massen - Epedemie wird sich nun nicht durch das Hören von Effner ausbreiten. Gar keine Frage solide gearbeitet ist jeder einzelne Song des Albums, aber eben auch nicht in der musikalischen Landschaft herausragend. Der Hörer leiht sein Ohr und plötzlich ist es bereits wieder vorbei, von Magenbeschwerden oder gar Übelkeit keine Spur. Hier wäre ganz sicher mehr drin gewesen um nicht lediglich einen kleinen Infekt auszulösen, schade um die verpasste Chance! (Maximilian Nitzschke)

COMPILATION - Minimal Baby VI

Wiederveröffentlichung: CD-Boxset 2013 / SkullLine
Erstveröffentlichung: CD 2013 / SkullLine / SLCD020-13

Die „Minimal Baby“-Compilation-Reihe hat sich längst etabliert als regelmäßiger Überblick über die (vorwiegend) deutsche Minimal-Electro-Szene mit Ausflügen in andere elektronische Musikrichtungen. Neben der normalen CD-Version erscheint auch jeweils eine streng limitierte Edition mit zusätzlicher CD-R, in dem Titel entsprechender besonderer Verpackung. Bei Teil 6 ist das ein Waschhandschuh („Waschfleck“ hat meine Oma das immer genannt) mit süßem Hundebaby-Aufdruck.

Wie immer wird eine solide Mischung aus bekannten und bisher noch neuen Gruppen und Projekten geboten, teilweise bereits mit CD- und Vinyl-Veröffentlichungen, teilweise erstmals einer breiteren Hörerschaft vorgestellt. Zu den fast schon guten Freunden und alten Bekannten gehören ALIEN SKULL PAINT (waviger Electro im Stile von The Arch, Siglo XX…), CHARLES LINDBERGH N.E.V. (Electro-Wave, Neuaufnahme eines News On Friday Stückes von Mitte der 80er), EPIC DREAMS (herrlicher 80er Minimal-Synth-Pop mit Ohrwurm-Qualitäten), NEJET NOK und SICKDOLL. Platten gibt es auch schon von ANY LEAVE (schöner Electro-Wave), AVONRIM (verspielter Minimal-Synth-Pop), SELOFAN (leicht experimenteller Electro-Wave) und STALTRAD (toller Früh-Mute-Records-Sound). Dazu einige Überraschungen von bisher mir unbekannten Bands und Projekten wie ADAM BERCES (treibender Synth-Pop mit Andre Szighety-Anklängen), CHRISTIAN ZANDER (mit Sounds wie aus alten Videospielen), LINOX (spaciger Synth-Pop im Stil der späten 70er), LOLA KUMTUS (erinnert an Fad Gadget/The Normal), PIO D´ORCO (klingt fast wie Koto aus der Italo-Disco-Welle), BREMSSTRAHLUNG SYNTH POP (Minimal-Electro mit Gothic-Einflüssen, eine interessante Mischung), PARADOX SEQUENZ (Vorbild „Heimat“ von Stratis?) und NACHTANALYSE (Minimal-Electro-NDW-Punk, remember Elesde oder Pzychobitch). Dazu noch BOYKOTT KOMMUNIKATION, DER LUSTIGE KERL, NOT READY, RICKY ZETA und VAARISTYMA. Wieder mal ein stilitischer Rundumschlag mit vielen sehr guten Tracks, überwiegend guter Musik und keinen richtigen Ausfällen.

Die Bonus CD-R präsentiert weitere Songs einiger Bands von der Haupt-CD und ein paar weitere Acts, wobei die musikalische Ausrichtung natürlich die gleiche ist. ANTI TRUST bietet den gewohnt 80er-beeinflussten Electro-Wave, BREMSSTRAHLUNG SYNTH POP erinnert hier etwas an Kirlian Camera, CHRISTIAN ZANDER covert Kraftwerks „Das Model“ mit Amanda Lear-artiger Stimme, EPIC DREAMS präsentiert sich mal etwas spaciger und weniger synth-poppig, KLINGELTON 17 hat ein weiteres experimentell-elektronisches Minimal-Stück aus dem Archiv hervorgekramt und soundtechnisch aufgefrischt, PARADOX SEQUENZ liefert zweimal rhythmischen Minimal Electro mit Bakterielle Infektion-Anklängen ab, SELOFAN schafft eine neue Musikrichtung, nämlich Monumental-Minimal-Electro und BABSIE PER DU covert „Hade“ von Vita Noctis. Weiterhin dabei VAARISTYMA, NOT READY und LOLA KUMTUS.

Alles in allem 34 Tracks für wenig Geld, ohne das irgendwas Schlechtes dabei wäre, auch wenn man sicher nicht jeden Song gleich mag. Lohnenswert ist die „Minimal Baby“-Reihe vor allem für Leute, die gerne neue Bands und Projekte entdecken und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir einige der bisher noch nicht so bekannten Acts bald wiederhören werden. Ich freue mich schon auf „Minimal Baby VII“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.skullline.de

DIE LOKALMATADORE - Dicke Am Damm


Erstveröffentlichung: Doppel-DVD 2012 / Teenage Rebel Records / TR DVD 136

Fast 30 Jahre DIE LOKALMATADORE, das muss natürlich gefeiert werden. Platten und CDs haben die Ruhrpott-Originale genug gemacht und eine einfache Best Of-CD wäre auch etwas langweilig gewesen, warum also nicht endlich mal ein Konzertmitschnitt auf DVD? Genau genommen ist es dann sogar eine Doppel-DVD geworden, die rund 27 Jahre Bandgeschichte von 1985 bis 2012 enthält. Runde Jubiläen sind doch fürn Arsch. Und „Arsch“ ist auch gleich das richtige Motto für die Veröffentlichung, denn die LOKALMATADORE sind neben den mächtigen Kassierern wohl die ultimative Proll-Punk-Band Deutschlands mit schönen Songtiteln wie „Fußball Ficken Alkohol“, „Pillemann Fotze Arsch“, „König Alkohol“ oder „Pipi Machen Muss Man“. Ist schon schön schräg, wenn inzwischen ziemlich reife Herren, die abgesehen von den ultimativ hässlichen pinken Rüschenhemden recht normal aussehen (und wahrscheinlich auch gefestigt im Alltagsleben stehen), diese Songs auf der Bühne präsentieren. Der professionell mit mehreren Kameras gefilmte Auftritt vom „Back To Future“-Festival 2007 geht, wie es sich für ein Festival gehört, als „Greatest Hits“-Programm durch, inklusive Bandklassikern wie „Steigerlied“, „Fußball Ficken Alkohol“, „Mülheim/Ruhr“ und meinem persönlichen Favoriten „Ich Bin Dumm“. Lediglich die zahlreichen Schalke-Lieder hat man weggelassen. Abgeliefert wird lupenreiner Punk-Rock der alten Schule mit vielen Mitgröhl-Refrains, wobei es in Stücken wie „Asis“ auch mal in Richtung Biker-Rock geht, was man aber verschmerzen kann. Nach so langer Bandgeschichte sind die instrumentalen Fähigkeiten natürlich immer besser geworden, so dass die Band auf der Bühne richtig was bieten kann. Vielleicht hat man sich wegen der Kameras etwas professioneller gegeben als sonst, aber man will ja auch für so eine DVD was Ordentliches abliefern. Der Spaß der Gruppe kommt aber gut rüber und auch das Publikum hatte sichtbar Spaß.

Diese DVD alleine wäre schon eine schöne Veröffentlichung gewesen, aber dann hat man noch zahllose alte VHS-Kassetten aus den letzten fast 30 Jahren ausgegraben und gesichtet und auf der zweiten DVD einen etwa 100minütigen Bandfilm mit dem Titel „Lokalerlei“ zusammengeschnitten, der die Geschichte der Band von 1985 bis 2011 ziemlich gut wiedergibt. Selbst gebastelte Videoclips, jede Menge Live-Raritäten und sonstiger herrlicher Blödsinn, alles chronologisch geordnet, was die Veränderung der Bandmitglieder und auch der Musik schön aufzeigt. Dabei gibt es sehr frühe und noch ganz andere Versionen von Songs, die erst Jahre später auf Platte veröffentlicht wurden und im Booklet kurze Anmerkungen zu jedem Stück. Natürlich ist vieles von dem Material in einer Bild- und Tonqualität zu sehen (und hören), die nur Fans wirklich begeistern kann, dafür ist das alles wunderbar authentisch und der Videodokumentation einer Punkband mehr als würdig. Wer hier rummeckert, hat Punk im Allgemeinen und die LOKALMATADORE (und deren Humor) im Speziellen wohl nicht verstanden und sollte die Finger hiervon lassen. Alle anderen Fans von solidem Punk-Rock mit derb-albern-prolligen Texten über „Fußball Ficken Alkohol“ können hier bedenkenlos zugreifen und die beiden DVDs bei der nächsten Party mit Freunden und viel Bier laufen lassen.

Außer der Musik bietet die Doppel-DVD leider nichts. Dabei müsste es doch aus der Bandgeschichte auch unzählige wunderschöne Fotos für eine Bildergalerie geben, ein Interview, eine Diskographie oder so hätte man sicher auch noch hinzufügen können, aber vielleicht ist das nicht richtig punkig. Trotzdem ist „Dicke Am Damm“ über zweieinhalb Stunden großartige Unterhaltung und ein Monument in der LOKAMATADORE-Bandgeschichte. Ist es vermessen, wenn ich mir etwas ähnliches auch mal von den Kassierern wünsche? Da könnte ich dann sogar auch noch selbstgedreht Aufnahmen aus den 90ern beisteuern.

Schade, dass man dem Cover nicht ein Wendecover ohne das hässliche FSK-Logo spendiert hat. (A.P.)

KOMMANDO SONNE-NMILCH - You Pay I Fuck

Wiederveröffentlichung: LP 2013 / Major Label / Brocken Silence / ML062LP
Erstveröffentlichung: CD 2013 / Major Label / Broken Silence / ML062

Jens Rachut. Das wäre die Antwort auf die Frage nach „gutem Punk-Rock aus Deutschland“. KOMMANDO SONNE-NMILCH ist inzwischen die langlebigste Band des Hamburger Urgesteins, nach Angeschissen, Das Moor, Blumen Am Arsch Der Hölle, Dackelblut und Oma Hans ausgerechnet die mit dem schlechtesten Namen. Aber schlechter Geschmack ist ja auch ein Statement und die bisherigen fünf Platten waren ebenso vielseitig wie gut. Nun also das sechste Album mit dem schönen Titel „You Pay I Fuck“, ungewöhnlicherweise ein englischer Titel. Aber keine Sorge, die Texte sind gewohnt gut und auf Deutsch. Und auch musikalisch gibt es keine großen Überraschungen. Lieferte KOMMANDO SONNE-NMILCH anfangs noch eine sehr eigene Mischung aus Punk und Electro ab, hat man sich inzwischen nach personellen Veränderungen wieder zum fast reinen Punk-Rock entwickelt. Wie man es von Hamburger Bands und Rachut gewohnt ist, recht rockig und eher an Razzia als an Normahl und Konsorten erinnernd. Treibende Rhythmen, bratzende Gitarren, fette Bässe und hektischer Gesang ergeben eine kraftvolle, brodelnde Mischung, die ich einfach mal als Störtebecker-Punk bezeichnen möchte. Dazu immer wieder ein paar Frauenchöre, die dem Ganzen noch eine besondere Note verleihen und KOMMANDO SONNE-NMILCH von anderen Bands abheben. Dass ich die Texte von Rachut immer noch und immer wieder für die besten in Deutschland und auf Deutsch halte, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

14 Songs in unter 40 Minuten, also klassische LP-Länge, da kommt keine Langeweile auf. Gesanglich ist Rachut anscheinend etwas rotziger geworden, aber in 30 Jahren Punk-Rock muss (und darf!) man auch nicht immer das Gleiche machen. Mit Produzent Tobias Levin hat man zudem einen Mann an Bord, der durchaus vorsichtig ein paar Klänge jenseits vom millionenfach gehörten Punk-Rock einbringt. Vielleicht erinnert mich mancher Song in seiner Schwere auch deshalb an so einige Hamburger Spät-80er-Größen wie George & Martha, Der Schwarze Kanal, Kolossale Jugend oder Buxom Coxcomb.
Nimm Deine traurigen Lieder und schmeiß sie in den Mülleimer…hör lieber „You Pay I Fuck“ von KOMMANDO SONNE-NMILCH, um mal wieder richtig brodelnde Wut und Aggression in Dir zu spüren. Jede Band mit Jens Rachut als Sänger – wobei ich die übrigen Bandmitglieder nicht zurücksetzen will – ist ein Anhören wert. (A.P.)

DISTEL - Puur


Erstveröffentlichung: LP 2013 / Enfant Terrible / enfant22

Interessanterweise hat bei Enfant Terrible aus Holland in letzter Zeit eine Veränderung in der Veröffentlichungspolitik stattgefunden. Allgemein hat Martijn van Gessel den künstlerischen Anspruch hochgeschraubt, was in der Veröffentlichung einiger praktisch reiner Kunstobjekte gipfelte. Aber auch musikalisch hat man sich ein bisschen aus der Masse von Minimal-Electro/Minimal-Wave-Veröffentlichungen freigeschwommen. Aus meiner Sicht die richtige Entscheidung, denn in den letzten zwei Jahren wurde der Markt geradezu mit alten und neuen Minimal-Electro-Aufnahmen geflutet, was irgendwann auch zu einer Übersättigung geführt hat.

Bei Enfant Terrible hat man sich konzeptionell mehr in experimentellere Gefilde gewagt, wobei die Musik absolut im Vordergrund steht. Zwar ist auch die erste LP von DISTEL durchgehend elektronisch und minimalistisch, aber dem Industrial näher als dem Synth-Pop. Da werden rhythmische Electro-Sounds mit ambienten und auch mal krachigen Elementen verbunden und mehr als einmal erinnert es an frühe The Klinik. Gegenüber der LP war die erste Single noch verhältnismäßig eingängig. Es ist offenkundig, dass DISTEL zumindest zurzeit eine experimentierfreudige Phase hat, was mir aber ausgesprochen gut gefällt. Und wie es sich für einen derart reduzierten Sound gehört, gibt es auch kein Artwork. Die Platte kommt in der Erstauflage in einem komplett schwarzen Cover mit Din A 5-Fotobeilage (mit den nötigen Infos auf der Rückseite). Ganz erschließen tut sich mir der Sinn allerdings nicht, denn die zweite Auflage erscheint in 200er Auflage mit gedrucktem Cover und einer zusätzlichen 2-Track 7“. Will man hier die Hardcore-Sammler verarschen, indem man eine künstliche Rarität schafft? Das wäre allerdings schon wieder eine Kunstaktion für sich. Ich ärgere mich jedenfalls ein bisschen, dass mir nun zwei DISTEL-Tracks fehlen, wenn ich die normale Auflage nicht auch noch zusätzlich kaufe. Ich fürchte allerdings, dass man den einen oder anderen Sammler doch ein bisschen verärgert.

Unabhängig davon bietet „Puur“ aber wahnsinnig interessante, dunkle Experimental-Elektronik, die Enfant Terrible selbst irgendwo zwischen Coil und dunklen Autechre einordnet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

SID LE ROCK - Foreign Love


Erstveröffentlichung: Download 2013 / My Favorite Robot / 071

Hit? Hit. Mit der Teasersingle zu seinem für April angesetzten Album landet Sheldon Thompson einen ebensolchen zwischen Techno und Electroclash, überzeugt durch konsequent in Moll gehaltene Stimmungen, Tiefe und zurückgenommene Vocals, die trotz ihrer tragenden Rolle nie wirklich im Vordergrund stehen sondern sich wie ein weiterer Layer ins Geflecht der verführerischen Melodien einbetten. Irgendwo schon fast Trance, ohne jedoch Trance zu sein und ein ganz großer Moment auf der Tanzfläche. Gleiches gilt für den überraschend gelungene Acid Pauli Remix, der sich mit seiner Neuinterpretation in neokosmische Gefilde wagt, während der US-Amerikanr Brett Johnson sich des Themas vermittels dunkel-oldskooliger Basswellen, epischer Stringarrangements und verspulter Vocalbearbeitungen annimmt und dabei genau die richtigen Töne trifft, um Clubgänger weltweit zu entflammen. Gut. [baze.djunkiii / www.nitestylez.de]

(((S))) - The Moon Is My Sun


Erstveröffentlichung: CD 2012 / T & E Records-Danse Macabre / Al!ve / 1008-2012

In schöner Regelmäßigkeit bringt das dänische Projekt mit dem unaussprechlichen Namen (((S))) neue Platten raus, die vor allem die Liebhaber von 80er Jahre-Wave erfreuen, wobei die musikalische Bandbreite dabei trotzdem weit gestreut ist. Mit dem nun schon dritten Album „The Moon Is My Sun“ wird die poppige und hin und wieder minimal-elektronische Seite der 80er Jahre beleuchtet und es gibt eine ganze Reihe von schön eingängigen Songs, die aber weit von damaligem Mainstream-Pop entfernt sind. Trotzdem tanzbar und mit Ohrwurmqualitäten. Damals haben diese Klänge Leute in spitzen Schnallenschuhen und mit Vogelnest-Frisuren auf die Tanzflächen gelockt. Schnell wird klar, dass hier New Order einen großen Einfluss hatten, aber auch andere Factory-Bands wie Section 25 oder die Stockholm Monsters. Auf der anderen Seite erinnert es manchmal auch an „kühlere“ Electro-Bands wie Trisomie 21 und Twice A Man. Welchem aus den 80ern übriggebliebenen Alt-Waver da nicht warm (wahlweise: kühl) ums kleine schwarze Herz wird, der ist wohl inzwischen endgültig im Alltagsleben zwischen Job und Familie angekommen und tut seine „schwarze“ Zeit in den 80ern als „schräge Phase, bis man erwachsen geworden ist“ ab. Ohne unnötigen Schnick Schnack werden hier 11 Songs, die fast alle eine Länge zwischen 3 und 4 Minuten haben, abgeliefert, von denen kein einziger als Ausfall bezeichnet werden kann. Mehr Old School oder Retro geht fast nicht mehr und genau deshalb ist (((S))) eine Empfehlung wert, denn man bekommt genau das, was man erwartet und erhofft. (A.P.)

TINY BOYS - Tiny Boys

Wiederveröffentlichung: Download 2012 / AF Music
Erstveröffentlichung: CD 2011 / Parismusic

Ein Quartett mit zwei Frauen und zwei Männern aus Schweden? ABBA werden doch nicht…nein, keine Sorge. Die TINY BOYS haben nur zufällig die gleiche Personenkonstellation wie Schwedens größter Pop-Export, liefern aber ganz andere Musik ab. Das erste Album des jungen Vierers ist bereits 2011 in Schweden auf CD erschienen, wird nun aber auch als Download über AF Music vertrieben und ein Reinhören ist auf jeden Fall zu empfehlen.

Die TINY BOYS sind deutlich vom Indie-Rock der 80er Jahre inspiriert und ergänzen das mit einer ordentlichen Prise Gitarren-Wave und Post-Punk. Das klingt dann erfrischend rockig, irgendwo zwischen Pixies und Skeletal Family und dürfte auch live eine Menge Spaß machen. Wäre das Album in den 80er Jahren erschienen, wäre es heutzutage sicher ein kleiner Klassiker und der eine oder andere Song würde noch immer in den Clubs gespielt werden. Heute erreicht man mit dieser Musik als neue Band leider nur noch eine relativ kleine Hörerschaft. Gut wäre es, als Vorband von The Killers oder Editors auf Tour zu gehen, um viele Leute zu erreichen, dann könnte es tatsächlich einen kleinen Durchbruch geben. Da das für so kleine Bands aber sehr schwer ist, tingelt man halt weiter durch Jugendzentren und kleine Clubs. Aber das ist ja auch nicht so schlimm, denn gerade das sind oft die besonderen Erlebnisse. Also: wer guten alten Indie-Rock/Gitarren-Wave hören mag, sollte hier mal antesten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

A BLUE OCEAN DREAM - On The Road To Wisdom


Erstveröffentlichung: CD 2005 / A Different Drum / ADDCD1247

Von A BLUE OCEAN DREAM aus Schweden hatte ich noch nie gehört, bevor Todd vom amerikanischen A Different Drum-Label mir die CD „On The Road To Wisdom“ zugeschickt hat. Natürlich hat man es hier mit Synth-Pop zu tun, oder, wie man es heute oft nennt: Future-Pop, der Verbindung aus dem Synth-Pop der 80er Jahre mit modernen, vom Techno beeinflussten Elementen, vor allem bei den Rhythmen. So klingt A BLUE OCEAN DREAM dann auch so, wie man es vom Synth-Pop aus Schweden schon oft gehört hat. Natürlich gibt es Depeche Mode-Anklänge, verbunden mit ausgetüftelten Rhythmen, großer Eingängigkeit und einer gewissen Tanzbarkeit, obwohl die Songs alle eher mittelschnell sind. Das reine Studioprojekt von Owe Emfestav lässt aber auch einige Einflüsse von Kraftwerk durchklingen und hier und da werden Sounds verwendet, die direkt vom Italo-Disco der 80er Jahre kommen könnten. Insgesamt also zeitgemäßer Electro-Pop, der zwar kaum innovativ ist, aber ausgesprochen eingängig und gefällig aus den Boxen klingt. Solide nennt man das dann wohl. (A.P.)

Webadresse der Band: www.adifferentdrum.com

SOLOLUST - Sololust


Erstveröffentlichung: Mini-LP 2013 / Gooiland Elektro / Enfant Terrible Productions / ET019

Mit dem neuen Label Gooiland Elektro haben unsere holländischen Freunde von Enfant Terrible Productions eine neue Plattform für eigenwillige elektronische Musik gegründet. Hier erscheinen in minimalistischster Aufmachung zeitgemäße elektronische Klänge, die bei weitem nicht nur im Minimal-Electro-Bereich zu finden sind, sondern alle möglichen Spielarten präsentieren.
Den Anfang hat die Mini-LP-Compilation „Les Années Folles“ gemacht, die unter anderem auch en Stück von SOLOLUST enthielt. Das holländische Projekt setzt dann auch gleich die Reihe von Veröffentlichungen fort. Nach einer Single und drei Samplerbeiträgen auf Enfant Terrible ist SOLOLUST offenbar fast ein bisschen so etwas wie die Hausband des Labels geworden. Und wenn auf der Website steht, diese unbetitelte Mini-LP wäre im „typischen SOLOLUST Stil“ gehalten, so heißt das nichts anderes, als dass man als Hörer eine recht vielfältige Mischung aus verschiedenen elektronischen Stilen geboten bekommt, die SOLOLUST zu etwas eigenem vermengt. Allen sechs Tracks ist gemein, dass die Atmosphäre eher dunkel ist. Das geht von Minimal-Electro über Ambient und experimentelle Sounds bis hin zu wavigen Synth-Pop. Selbst Anklänge an Techno und House kann man erahnen.
Wirklich ein spannender Auftakt zu einer ganzen Reihe von Platten bisher eher unbekannter Bands und Projekte, die jeweils in Auflagen von 200 bis 300 Exemplaren erscheinen. Da heißt es schnell zugreifen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl


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