DRACUL - Auf Grund


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Synthetic Symphony

DRACUL – AUF GRUND
(VÖ: 20.September 2013 Synthetic Symphony)

Ganze sechs Jahre hat es gedauert, bis Dracul mit einem neuen Album auf den Markt kommt. Das elektronische Seitenprojekt von Mozart (Umbra et Imago) war seit jeher für Provokation in Text und Bühnenshow bekannt und folgen diesem Weg unbeirrt. Für „Auf Grund“ nahmen sich Mozart und Tom O Connell fast ein Jahr Kreativzeit und produzierten zusammen mit den Sängerinnen Madeleine de Roy und Karo Hafke ein neun Songs umfassendes Album. Die musikalische Umsetzung der hintergründigen und provokant angelegten Texte wurde abwechslungsreich gestaltet, lädt hin und wieder auch durch die brachialen Beats zum Tanzen ein. Mit dem Sonargerät „Intro Sonar Terror“ geht es hinab in die Tiefe des Ozeans um „Auf Grund“ zu laufen. Inhaltlich geht es um die Kraft von Musik, eindringlich gesungen von Mozart. Mit martialischer Stimme verpackt Mozart in „Heil – Kräuter“ provokant und angsteinflößend Kritik an totalitären Systemen, gerade wenn süßlich der Mädchen-Chor einsetzt und singt „wir sind deutsche Mädel“ läuft mir ein Schauer über den Rücken. Provokation in allen Ehren, aber es stellt sich mir die Frage, ob man denn wirklich in SS Sprachduktus verfallen musste, um hier Kritik zu üben? So klingt es leider wenig distanziert von rechtem Gedankengut und lediglich der Songtitel selbst lässt auf das Augenzwinkern Mozarts hindeuten. Das ging bei Mozart schon deutlich subtiler in der Vergangenheit seine Kritik an den Hörer zu bringen! So stellt sich mir doch eher die Frage, ob man denn auch wirklich alles singen muss, was einem gerade provokativ erscheint!
Nach diesem Aufreger für den Hörer lenkt Mozart mit dem atmosphärischen „Follow Me“ wieder ein und zeigt, dass - frei von Aggressivität es ihm auch möglich ist, den Hörer gefangen zu nehmen. Auch „Die Nacht“ gesungen von den beiden Sängerinnen beweist, dass es durchaus auch ruhiger und textlich balladesker zugehen kann bei Dracul.
Leider währt dies jedoch viel zu kurz, denn mit „Wutlied“ kehren die stampfenden Beats zurück und verkündet die verzerrte Stimme „Ich verachte euch Alle!“. Eine Definition, warum dies erfolgt bleibt seitens des Sängers aus, die Erklärung muss sich der Hörer selbst suchen. Allerdings muss dieser schmerzresistent sein, denn die musikalische Umsetzung ist nervtötend und frisst sich unbarmherzig in den Gehörgang. Bereits im Vorfeld bot der dazugehörige Videoclip Anlass zur Spekulation, wie das gesamte Album ausfallen würde. Wenn sich der Sänger blutüberströmt eingepackt in Segufix-Zwangsjacke wälzt und von Uniformierten getreten wird, um mit Zahnpasta Kreuz die neue Botschaft des Songs zu verkünden, so mutet das reichlich abgefahren und eher befremdlich an. Gut das Mozart eine Affinität zu SM und Fetisch zu haben scheint, wissen wir nicht erst seit „Umbra et Imago“, dennoch war es bisher selten geschmacklos gestaltet.
Mit dem letzten Stück bietet Dracul dem Hörer „Entspannung“ an, angesichts des instrumentalen Charakters ist dies auch wirklich möglich und nicht zuletzt nötig.

Für mich ist dieses Album sehr durchwachsen ausgefallen, leider finde ich zu viele Stücke die mich als Hörer abstoßen, befremden und verständnislos zurücklassen, während sich zu wenige Stücke finden die durch ihre Atmosphäre punkten könnten. Provokation in Massen ist durchaus zu befürworten, leider übertreibt es Dracul mit „Auf Grund“ zu sehr und schafft es nicht, die benötigte Distanzierung in einzelnen Texten zu erreichen.











(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.dracul-music.de


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