THE DARK SHADOWS - Autun Still...


Erstveröffentlichung: CD 2013 / Halb 7 Records/Select-A-Vision Records / Broken Silence / HALB 77-2

Promo-Agenturen habe es schwer, müssen sie doch oft völlig unterschiedliche Veröffentlichungen einer möglichst breiten Hörerschaft zugänglich machen. Dabei kommt dann heraus, dass das Album von THE DARK SHADOWS als „New Wave/Punk/Indie/Alternative“ angepriesen wird und der erste Satz im Info dann von „Dark Pop“ spricht. Im weiteren Text kommen dann Begriffe wie Rockabilly, Garage und Punk, dann Postpunk und Gothic-Rock, etwas später „atmosphärisch-düstere Klänge“, danach „bedrohlich-treibende Umtempo-Feger“, „stimmungsvoll getragene Wave-Hymnen“, „wunderschön harmonische Balladen“ bis wieder zu Rockabilly und Psychobilly, Düsterpunk, Wave, Gothic-Rock, Pop, Indie und Alternative.

Damit dürfte klar sein, was einen bei dieser CD erwartet: ein All-Styles-Sampler.

Wird man der Band damit gerecht? Kann man sich eine Vorstellung machen, was man beim anhören geboten bekommt? Ich glaube nicht und somit ist der Waschzettel, wie so oft überflüssig und man sollte ihn eigentlich nie vor dem Anhören eines neuen Albums lesen.

Mal abgesehen vom leicht klischeebehafteten Bandnamen, der eine 90er Jahre Dark Wave-Band erwarten lässt, wird hier eigentlich nicht mehr und nicht weniger als schön eingängiger Gothic-Wave geboten, recht treibend und straight ohne allzu viel Schnörkel. Warum kann man das nicht im Info auch einfach so nennen? Weil der Stil nicht so angesagt ist und mit „Indie/Alternative“ ein breiteres Interesse erreicht wird? Egal, ob die Leute dann entäuscht werden?

Dabei müssen sich die Australier THE DARK SHADOWS absolut nicht verstecken, hat ihr Sound doch ein ordentliches Ohrwurm-Potenzial und ist bei weitem nicht so düster, wie der der Bandname vermuten lässt. Durch Sängerin Brigitte Handley kommen schnell Gedanken an Brit-Goth-Bands wie Inkubus Sukkubus oder Die Laughing auf. Ab und zu gibt es ein paar 70er Jahre Art-Rock-Anklänge, so dass man auf jeden Fall auch All About Eve als Einflüsse vermuten darf.

Dass eine Gothic/Wave-Band aus Australien kommt, ist schon seit den 80er Jahren nicht mehr ungewöhnlich. Mit Lemon Avenue oder Big Electric Cat gab es auch weltweit erfolgreiche Gothic-Acts und Ikon behaupten sich seit über 20 Jahren in der Szene. Dass aber eine reine Frauen-Band auf sich aufmerksam machen kann, ist eher selten. Insofern haben THE DARK SHADOWS tatsächlich fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Sehr interessant ist eine Coverversion von Grauzones „Eisbär“, die dem Song eine ganz neue, rockige Seite abgewinnt und zur seltenen Kategorie „gute Coverversion“ gezählt werden darf.
Ansonsten gibt es im Grunde keine herausragenden Lieder auf dem Album, aber eben auch keine Ausfälle, so dass man „Autumn Still…“ wunderbar am Stück durchhören kann, wenn man auf schönen old-school Gothic/Wave-Sound steht. Dass die Promoagentur im Info nicht auf den Punkt kommt, dafür kann die Band ja nichts. Ein schlicht-schön gestaltetes Pappcover und Booklet gibt es noch dazu und alle Alt-Waver über 35 sollten unbedingt mal ein Ohr riskieren. Erfreulicherweise gibt es das Album auch in limitierter Auflage auf Vinyl. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thedarkshadows.com.au


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