SCHANDMAUL - Das "Unendlich"e Interview 2014




Interview mit „Schandmaul“ zu 15 Jahren Schandmaul und „Unendlich“, geführt mit Birgit Muggenthaler-Schmack in Berlin 04.04.2014


Back Again: Hallo liebe Birgit, seid herzlich Willkommen in Berlin. 15 Jahre Schandmaul, Hochachtung von uns, das ist eine wahnsinnig lange Zeitspanne. 2008 das riesige Konzert im Zenith zum Geburtstag und im letzten Jahr nun ein eigenes Festival. Wie lange hat dafür die Planung gedauert, bis es letztlich zur Ausführung kam?

Birgit: Vielen lieben Dank für die Begrüßung! 15 Jahre Schandmaul, dazu muss ich anmerken das vor 10 oder gar fünfzehn Jahren nie einer von uns sechs gedacht hätte, dass man einmal an diesen Punkt gelangen würde. Bereits nach dem 2008er Konzert im Zenith kam bei uns die Frage auf, wie wir dieses für uns wahnsinnige Konzert denn noch toppen könnten. Irgendwie war das schon schwer vorstellbar, aber die Idee zu einem kleinen Open-Air Konzert gab es schon sehr früh. Die Idee reifte in uns und schnell wurden wir uns einig, dass wir dafür einen zentraleren Ort als München wählen möchten. Der Kölner Tanzbrunnen erschien uns von allen Orten Deutschlands am zentralsten gelegen und so wurden aus der Idee konkrete Planungen. Diese Vorbereitungen starteten dann vor gut zwei Jahren vor dem eigentlichen Event, und ein Jahr vorher begannen wir bereits mit dem Vorverkauf. Als wir dann vor der Bühne standen und wussten, das steht dort alles nur für uns und diese zwei Tage, dass war überwältigend! Im Film der Deluxe Version des aktuellen Albums gibt es eine Szene, bei der ich vor der Bühne stehe und mir die Tränen kommen. Daran ist kein bisschen gekünstelt, das ist 100% echt! Ich war völlig überwältigt durch das Wissen, dass dies alles nur für uns dort gebaut wurde. Der Stolz war einfach enorm!

Back Again: Du sprichst gerade von Stolz, das gibt mir das Stichwort. Ich entsinne mich an eure ersten Konzerte nach der legendären Hexe und gestehe, euch bis dato als weitere Band des mittelalterlichen Musiksektors gesehen zu haben. Heute sieht das erfreulicherweise ganz anders aus, nicht zuletzt habt ihr einen eigenen Stil entwickelt und anderen Bands als Inspirationsquelle gedient. Gründe gibt es mehr als genug von Stolz zu sprechen. Wie seht ihr das denn selbst rückblickend?

Birgit: Na wie bereits gesagt, dass Schandmaul einmal so groß werden würde wie wir sechs heute sind, das hat damals ganz sicher keiner für möglich gehalten. Eigentlich war nur dieses eine, mittlerweile legendäre, Konzert in unserer Stammkneipe Hexe in Gröbenzell gedacht als Projekt. Zum Glück kam es dann alles ein bisschen anders und ja es erfüllt mich mit Stolz Teil dieser Band zu sein. Das was wir geschafft haben in musikalischer Hinsicht nimmt uns keiner mehr und auch wir selbst sind gereift. Ich glaube wir haben in den 15 Jahren alle zwischenmenschlichen Höhen und Tiefen durchlebt und können mit Stolz sagen, daran nicht zerbrochen, sondern gewachsen zu sein. Nicht gerade selten haben wir untereinander unsere eigenen Schwächen kennengelernt und sind über Schatten gesprungen um persönliche Eitelkeiten hinten an zu stellen. Entstanden ist eine verschworene Zweitfamilie und die besten Freunde die man haben kann. Ich denk da gehört auch gehörig Glück dazu, dass wir so gut harmonieren.

Back Again: Ich hörte davon, dass der Albumtitel und das Artwork des neuen Albums Unendlich einst ganz anders gedacht war, was genau ist passiert?

Birgit: Das stimmt, der ursprüngliche Titel sollte eigentlich eher in Richtung Gangs of New York gehen bzw. einen Boxkampf in den Fokus rücken. So fuhr Stefan mit unseren Ideen als zur Produktionsfirma und stellte unser Konzept vor. Leider musste er feststellen, dass unsere Idee gar nicht so gut ankam wie erhofft. Beim Brainstorming ergab sich vor Ort dann die liegende Acht. Einerseits ist es eine gelungene Umsetzung dafür, dass es das achte Studioalbum von uns ist, andererseits steht das Symbol für unendlich. Damit fanden wir letztlich auch den Titel für das Album, welcher sehr gut auch die unendliche Geschichte unserer musikalischen Einheit aufzeigt. Hinter uns liegen etliche Jahre Geschichte und vor uns liegt auch noch etliches zu entdecken, da passt der Titel dann sehr gut!

Back Again: Was auffällig ist ist, dass ihr den inhaltlichen Fokus stärker wieder auf Geschichten gerichtet habt. Während Traumtänzer eher von persönlichen Gefühlen getragen gewesen ist, hört man hier verstärkter märchenhafte Züge heraus.

Birgit: Das stimmt ganz sicher, während wir Traumtänzer erdacht und produziert hatten, waren wir fast alle gerade verliebt oder beim Aufbau von Partnerschaften. Das hat das vorige Album sehr stark geprägt, wohingegen wir nun die Familien gegründet haben und Eltern geworden sind. Als Feedback unserer Fans kam im Anschluss oft, dass man sich wieder mehr Geschichten wünscht von uns. Somit haben wir in uns hineingehorcht und diesem Wunsch schließlich Folge geleistet. Backagain: Gab es denn, wenn man von neuen Instrumenten an einigen Stellen absieht, Änderungen im Produktionsprozess? Birgit: Ja in der Tat gab es diese diesmal. Während wir bisher immer in eine sehr detaillierte Vorproduktion gegangen sind bevor es dann ins Studio geht, haben wir uns diesmal etwas mehr Freiheiten gelassen. Dadurch entstand dann im Studio eine sehr kreative Arbeit und ein großer künstlerischer Freiraum. Das hat uns allen sehr gut getan! Außerdem haben wir erstmals für einen Song mit einem neuen Produzenten gearbeitet. Für „Euch zum Geleit“ haben wir uns Roland Spremberg geholt, welcher eher aus der Popecke kommt. Ich finde er hat in dem Stück nochmal ganz neue Klangfarben gefunden, und zu einer Bereicherung für das Album beigetragen. Alle anderen Stücke sind wie bisher von Trosi (Anm. Thomas Heimann-Trosien) produziert worden.

Back Again: Ich würde gern auf einzelne Stücke eingehen. Etwa „Baum des Lebens“, „Saphira“ und „Märchenmond“, wer zeichnet sich den für welchen Song verantwortlich, und mit welchen Inspirationsquellen?

Birgit: Der erstgenannte Song stammt von mir, die anderen beiden Texte sind aus Thomas Lindners Feder. Bei mir war die Inspiration über meinen Vater gekommen, als wir uns über Opern und nicht zuletzt Richard Wagner unterhalten hatten. Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr genau weiß in welcher seiner Opern diese Episode über den Vater Siegfrieds vorkommt, aber ich empfand dies als Bereicherung zur Trilogie. Was Märchenmond angeht so ist der Text ein alter Text von der Band der Jungs Weto, und was Saphira betrifft so ist Thomas Fan der Eragon Bücher und hat sich inspirieren lassen. Die Texte von Euch zum Geleit und Bunt nicht braun sind von Ducky.

Back Again: Ungewöhnlich ist erstmalig ein politischer Song, damit hattet ihr euch bisher zurückgehalten „Bunt nicht braun“ spricht nun ganz klare Worte, warum?

Birgit: Das stimmt bisher war dies nicht unsere Art, aber bisher war es auch nicht nötig sich so klar zu positionieren. Im Zeitalter der digitalen Netzwerke jedoch, welches Schandmaul mittlerweile auch nutzen, stellten wir fest dass wir etliche Freundesanfragen bekamen und sich hinter manchem auch rechtes Gedankengut fand. Das hatte uns sehr geschockt und so wurde es uns ein Bedürfnis, ein Zeichen zu setzen und unsere Haltung musikalisch mitzuteilen. Schandmaul macht zwar deutschsprachige Musik aber lässt sich nicht vor irgendeinen ideologischen Karren spannen!

Back Again: Liebe Birgit vielen lieben Dank für deine Zeit, es war mir ein Vergnügen! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.schandmaul.de


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