ALTE SAU - Alte Sau

Wiederveröffentlichung: LP 2014 / Major Label / Broken Silence
Erstveröffentlichung: CD 2014 / Major Label / Broken Silence / ML071

ALTE SAU ist die neue Band von Jens Rachut. Wer das ist, werde ich jetzt mal nicht weiter erwähnen, das sollte nun wirklich nicht mehr nötig sein, wenn man sich in den letzten 25 Jahren mit Punk aus Deutschland auch nur ein bisschen beschäftigt hat. ALTE SAU ist nicht, wie man vielleicht aufgrund des Namens vermuten könnte, eine Deutsch-Punk-Band, sondern ein Trio, das komplett auf Gesang, Schlagzeug und E-Orgeln, beziehungsweise Synthesizer setzt – was allerdings oftmals punkiger rüberkommt, als so manche komplette Gruppe mit Gitarre/Bass/Schlagzeug. Natürlich liegt das auch an der unverwechselbaren Stimme von Rachut, der sich hier aber gleichberechtigt von Sängerin Rebecca Oehms unterstützen lässt. Das fette, treibende Schlagzeug von Raoul Doré erinnert kongenial an die hektischen Rhythmen des ersten Bloc Party-Albums.

Aufgrund des elektronischen Klänge wird das alles auch noch recht eingängig und man könnte es fast als Synth-Punk beschreiben, nicht ganz im Stile von den wichtigsten Bands des Genres Screamers und Nervous Gender, aber doch auf der gleichen Baustelle. Hier und da erinnert es auch an das erste Album von Novotny TV aus den 90er Jahren. Erinnert sich noch jemand an geniale Stücke wie „Butterfahrt im Gaza-Streifen“ und ähnliche Meisterwerke?

Musikalisch heben ALTE SAU sich also schon mal von eigentlich allen anderen Bands ab. Dazu kommen natürlich noch die Texte von Jens Rachut, die immer noch zu den wenigen gehören, die man in Deutschland ernst nehmen kann. Irgendwo zwischen EA80 und Fehlfarben, gar nicht mal so politisch oder persönlich sondern gesellschafts-beobachtend und passend kommentierend. „Besitz“ beispielsweise ist ein Jahrzehnt-Song, „Hexenjagd“ könnte auch problemlos auf Minimal-Wave-Partys laufen und die Tanzfläche füllen

Man muss sich auf ALTE SAU einlassen, denn die Widersprüche aus Bandname, Instrumentierung, teilweise roher Sprache und intelligenten Inhalten ist nicht unbedingt sofort greifbar. Nach ein paar Mal Hören aber durchaus stimmig und fesselnd, dabei aber gleichzeitig auch eingängig. Für mich wird „Alte Sau“ garantiert in meinen persönlichen Jahres Top 5 recht weit oben stehen. (A.P.)



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