DIE ALLERGIE - Virus 3


Erstveröffentlichung: CD 2000 / Rise Up / Connected

Das ist ja wahrhaft genial, was da in die BACK AGAIN-Redaktion reinflatterte. Eine CD einer Band namens DIE ALLERGIE, zuerst denkt man natürlich an eine Funpunk-Band mit Spaßtexten, doch was eien da erwartet ist ein deutschsprachiger Mix aus Hardcore, Deathmetal, Pop-Rock und Neuer Deutscher Welle, eine äußerst ansprechende Mischung, die vielbeschworene Vielfalt wird hier Wirklichkeit. Es beginnt mit Songs, die etwas von Rammstein haben, bei ""Feuer"" denkt man an die gute, alte NDW-Band Cat´s TV und ""Das große Sterben"" hat irgendwas von Extrabreit. Trotzdem ist das Hauptpotenzial der Band im Bereich Metal-Core angesiedelt. Die Band gibt es bereits seit 1993, hatte zwischenzeitlich einen Vertrag mit der EMI, hat mit coolen Bands getourt, hat sich dann aber ein anderes Label gesucht, nämlich Rise Up, einem eigens für die Band gegründetem Sublabel von Last Episode. Also, ich kann Euch die CD nur allerwärmstens ans Herz legen, einer der besten Tonträger seit langem!!! (H.H.)

BIG JIM - Not A Part Of It


Erstveröffentlichung: CD 2003 / F.A.M.E. Recordings / BMG

Im Süden was neues. Genau daher, jedenfalls aus dem Süden von Deutschlands, genaugenommen München, kommen BIG JIM. Leuten in meinem Alter ist BIG JIM sicherlich ein Begriff, allerdings eher in Form einer Actionfigur, doch darauf nimmt die Band BIG JIM eindeutig Bezug, denn Action ist auch die beste Bezeichnung für die Musik. 1999 hat man sich zusammengefunden und haben sich nach personellen Entwicklungen als Trio etabliert. BIG JIM machen Rock. Das ist schon mal sicher und Rock ist natürlich auch die Musikart, die am meisten Action bereitet. Gottseidank ist es nicht dieser grauenhafte Hitparadenrock, sondern eine fantastische Mischung aus Garagenrock, Rock´n Roll und Pop. Begonnen hat man mit einer EP mit gesamt fünf Stücken und nach guten Kritiken folgte auch schnell dieses Album hier. Es hat mir schon beim ersten Mal gefallen und hat neben tollen Melodien auch noch krachige Gitarren und unvergessliche Melodien, die sich teilweise wirklich ins Ohr bohren. Es ist zwar nicht alles bahnbrechend toll auf dem Album, aber viele Songs sind richtig toll. Schön, dass es noch so was gibt. (H.H.)

BIGOD 20 - Supercute


Erstveröffentlichung: CD 1994 / Zoth Ommog / Intercord

BIGOD 20 sind Originale, schon aktiv und erfolgreich zu Zeiten der großen EBM Welle Mitte bis Ende der 80er. Insgesamt sind sie sich auch auf dem neuen Album treu geblieben. „One“, die aktuelle Maxi startet das Album noch relativ ruhig, trotzdem aber tanzbar. Kann es sein, daß die Band am Anfang des Songs Test Dept. gesampelt hat? „Taurin“ ist ein recht hektischer Song mit dem Rhythmus entgegenge­setzten Gesang. Recht gelungen. Ein typischer BIGOD 20-Scherz scheint „Plug It In, Otis“ zu sein. Sehr chaotisch und vielleicht ein zufällig im Studio entstandenes Stück. Wie ein Dub Mix von Depeche Mode klingt „It's Easy“, sehr schön! In allen Discos und auf EBM-Par­ties wird bestimmt demnächst „Slavery Is Guaranteed“ zu hören sein. Typische BIGOD 20-Songs sind „Retortion 003“ und „Are You Homy Yet?“ die beide äußerst tanzbar sind. Recht düster ist „Swallow Me“, das gut in irgendwelche Soundtracks von Filmen im „Blade Runner“ Stil passen würde. „Infidelity Groove“ schließt an frühere BIGOD 20-Hits an. Genau die richtige Mischung aus Stampf-EBM und eingängigen Melodien. Kurz gesagt, BIGOD 20 sind sich selber treu geblieben und legen mit „Supercute“ ein solides Album vor, das Fans sicher nicht enttäuschen wird. (A.P.)

THE BIRTHDAY PARTTY - Live 1981-82


Erstveröffentlichung: CD 1999 / 4 AD / Rough Trade

What a great idea by the legendary 4 AD label to release a kind of Live-Best Of CD with all the classic hits of THE BIRTHDAY PARTY!

Many of the famous songs of this raw Punk-Blues band with singer Nick Cave are feaured here in brilliant and powerful live versions, like ""Nick The Stripper"", ""Zoo-Music Girl"", ""King Ink"", ""Junkyard"" or ""Release The Bats"" and some more plus a cover of the Stooges´ ""Funhouse"". The songs have been recorded on various dates and locations in 1981/82 and the sound is really good, so the CD is a ""must have"" for all BIRTHDAY PARTY and Nick Cave fans. Great, I love it!!! (A.P.)

THE BIRTHDAY PARTY - Hits


Erstveröffentlichung: CD 1992 / 4 AD / Rough Trade

Als sich THE BIRTHDAY PARTY Ende der 70er Jahre aus der Band The Boys Next Door gründete, ahnte wohl niemand, welchen Einfluss die Musiker auf die Underground-Musikszene ausüben würden. Die Nachfolgebands Nick Cave And The Bad Seeds und Crime & The City Solution waren durch die 80er Jahre erfolgreich und Nick Cave ist heute einer der besten Sänger und Songschreiber, der zudem auch kommerziell erfolgreich ist. Wer hätte das nach den Drogenjahren in den 80ern gedacht?

Grundsätzlich sollte man keine Platte von THE BIRTHDAY PARTY stehen lassen, wer die Band aber noch nicht kennt, macht mit dieser „Hits“-Compilation definitiv nichts falsch, denn viele Klassiker der Band sind hier vertreten und bieten einen guten Überblick über das schaffen der vielleicht besten australischen Band überhaupt. Wer Songs wie „Mr. Clarinet“, „Nick The Stripper“, „Zoo Music Girl“, „Release The Bats“ oder „Junkyard“ nicht kennt, ist entweder sehr jung und neu in der „Underground“-Szene, oder aber war in den 80er Jahren einfach ignorant.

THE BIRTHDAY PARTY waren im Geiste sicher noch ein Punkband, ließen in ihren Songs aber auch schon viele andere Einflüsse zu, bis hin zum Großstadt-Blues, den sowohl Nick Cave, als auch Crime & The City Solution später perfektioniert haben. Die selbstzerstörerische Atmosphäre und die Düsternis in vielen Songs steht zudem Bauhaus oder UK Decay viel näher, als den Sex Pistols und wenn es den Begriff damals schon gegeben hätte, müsste man zumindest bei einigen Songs schon von Gothic-Rock reden, oder wenigstens von Post-Punk. Wahrscheinlich hätte es Bands wie Ausgang oder Inca Babies gar nicht ohne Platten wie „Junkyard“ oder „Prayers On Fire“ gegeben. Nicht nur deshalb haben THE BIRTHDAY PARTY ein Stück Musikgeschichte geschrieben und „Hits“ ist der perfekte Einstieg, zumal es im Booklet recht interessante Linernotes zu lesen gibt und die CD inzwischen relativ preiswert zu kaufen ist. (A.P.)

BISS - Joker In The Deck


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Point Music

Die erste CD von BISS ist fast genau ein Jahr vor dieser CD erschienen. Damals hat noch das ehemalige VICTORY-Mitglied Fernando Garcia das Mikrophon geschwunden, doch dieses Mal gibt es einen neuen Sänger, nämlich Michael Bormann. Offenbar gab es wohl ein paar Probleme in der Band, wozu ich aber nichts weiter weiß. Bei „Dogfighter“ singt Bormann übrigens mit Paul Sabu zusammen, den man als schillernde Figur in der Melodicrock-Szene kennt. Musikalisch ist es insgesamt echter Melodic-Hardrock mit teilweise wirklich guten Melodien, wie zum Beispiel meinem Lieblingsstück „As Known As“, welchem man streckenweise schon echte Pop-Qualitäten (ist nett gemeint!) zubilligen kann. Im Ganzen ist das neue Album um einiges besser als das erste Album „Biss“, da man ein gutes Stück zu sich selbst gefunden hat und einen eigeneren Stil erarbeitet hat. Natürlich gibt es noch die alte Härte in den Songs, aber das Songwriting ist ausgeklügelter und mitreissender. Übrigens gibt es auf der CD noch einen 3:50 Minuten langen Videotrack. (H.H.)

BISS - Biss


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Point Music

Wer kennt noch Fernando Garcia. Metalfans wissen es wohl noch, denn er ist der Frontmann von VICTORY. Nun ist er nach elf Jahren nicht mehr dabei und hat nun mit Doc Heyne aus dem deutschen Münster ein Duo gebildet zwecks gemeinsamen Musizierens im Metalbereich. Doch Heyne hat viel solo gearbeitet und auch gruppentechnisch bei TANNER und MAD MAX gespielt. Er und Fernando Gardcia haben eine härtere Gangart eingelegt und legen hier ihr Debütalbum vor. Schneller, härter, lauter ist hier die Devise, doch trotz einiger tempoangezogener Stücke mit Double-Base sind die verspielten und detailverliebten Metalmelodien immer präsent und man merkt, dass die Musik der zwei aus ihrem innersten kommt und zeitgemäss vorgetragen wird. Übrigens ist hier auch eine Coverversion anzufinden, nämlich Falco´s „Rock Me Amadeus“, natürlich in einer gemeineren Version, vielleicht hätte der Titel auch „Mosh Me Amadeus“ heissen können. So halten wir ein Festmahl und freuen uns auf weiteren Output dieses ideenreichen Duos. (H.H.)

JACQUY BITCH - Frustration


Erstveröffentlichung: MC / Eigenproduktion

This tape of the ex Neva-singer from france is very old, I guess from the beginning of the 90s and it contains JACQUY BITCH´s soloworks from 1983 to 1990. As you can see, a long time, so the songs and even the sound vary much in their quality. It is the typical mixture of Batcave sound, Gothic-Rock and french Cold-Wave with the theatrical voice of JACQUY, somewhere between Andi Sexgang, Nik Fiend, Ollie Wisdom and Robert Smith. The music can also be described as mix of Sex Gang Children, Norma Loy, Alien Sex Fiend ánd Neva, so that this tape is much better than millions of boring Gothic-Rock releases today, JACQUY BITCH is something special. (A.P.)

JACQUY BITCH - Le Mains Du Mal


Erstveröffentlichung: MC / Eigenproduktion

This is another old tape of JACQUY BITCH, his best solo-work yet! We get to hear a combination of minimal drumcomputer sounds and shrieking guitars with the unforgettable voice of JACQUY. His music has never again been so close to Virgin Prunes meets US-Death-Rock. Just listen to the brilliant guitars on „Le Coloir Sans Retour“ and you know what I mean. Try to get a CD-R copy or tape of this release and it will not leave your CD-Player/tapedeck for a long time! Simply irresistible Gothic-Rock! (A.P.)

JACQUY BITCH - Jacquy Bitch


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Eigenproduktion / Darkside Distribution

This was the first solo CD of Neva´s former frontman JACQUY BITCH and it is definetly very good. Very 80s influenced Batcave-Gothic-Rock sound somewhere between Sex Gang Children, Virgin Prunes and Sopor Aeternus with some electro-experiments. Very original and not often heard in our Techno influenced times. Cool appetizer for the debut CD on Darkside Records. (A.P.)

JACQUY BITCH - Coram


Erstveröffentlichung: CD / Darkside Distribution

Some of you readers may know JACQUY BITCH, even if you are not from France. JACQUY has been in the 80s Cold-Wave legend Neva (see review). Now he works on his solo career and after some tapes, here is his debut CD from 1998. Hard to describe, what you get to hear on this work, but think of Bauhaus meets the Specimen meets Sex Gang Children meets Clair Obscur meets Norma Loy (to name the best known french acts from the 80s) meets Neon Judgement meets Weathermen meets... Of course you don´t find all influences in every song, but some of them you will find always. Call it Cyber-Batcave-Cold-Glam-Wave or so, but it won´t describe JACQUY BITCH at all. Just to give you a hint...if you liked Neva and the old Batcave Sound meets the solo works of Andi Sex-Gang, you will not totally fail. Really a fine CD, which is very 80s dedicated. (A.P.)

LOST IN DESIRE - 100 Grams of your Heart


Erstveröffentlichung: CD-EP 2014 / Music Obscure / Radar

Lost in Desire – 100 Grams of Your Heart“
(EP - VÖ: 29.12.2014 Label: MusicObscure Vertrieb: Radar)


Passend zur Schwermut des Dezember 2014 bzw. Januar 2015 und der damit verbundenen kalten Jahreszeit tauchen Lost in Desire mit ihrem neuen EP - Album „100 Grams of your Heart“ in eine melancholische Tiefe ein, die mich vom ersten Ton an Gefangen nimmt. Begleitet von sphärischen Klängen und Downtempo Beats, wird eine unendliche Sehnsucht ausgedrückt. Das besondere dabei ist, dass dies minimalistisch passiert und inhaltlich mit lyrischem Tiefgang. Bereits der Opener und Titelsong „100 Grams of Your Heart“ führt den Hörer in die düstere Romantik des Lost in Desire Universums ein. Eine Ballade muss eben nicht schnulzig sein, sondern kann dem Hörer dennoch den Atem rauben, einfach weil die dahinter liegende Emotion mit Kraft und Überzeugung zum Ausdruck kommt.

Mit „Play“ präsentieren Lost in Desire eine düstere Popnummer, welche mit ihrer nachdenklichen Thematik besticht. „I am just a character and this is my play, the script is telling me what I must do, what I must feel“, singt der pompöse Chor zu durchdringenden Gitarren- und Klavierklängen.
Eine Verschnaufpause bekommt der Hörer mit „Catch Me When I am Faling“, denn die verträumt romantischen Klänge erinnern ein bisschen an Synthiepop der 80er Jahre.
Sinnlicher geht es dann mit „One Question“ weiter, wo meditativ über die Bedeutung des Lebens gesungen wird, bis schließlich der Entschluss gefasst wird: „I want more of life“. Die musikalische Untermalung ist dabei hypnotisch und die kontinuierliche Wiederholung des Gitarrenriffs und des rhythmischen Beats ziehen den Hörer in einen meditativen Sog hinein. Den letzten Song bildet „Dying for the Dumb“, welcher sich mit seiner prägenden Melodie in das Gedächtnis des Hörers brennt. Hier zeigt Sänger Stephan gekonnt seine stimmliche Wandelbarkeit, während der Song in einem akustischen Inferno endet.

Die physische Edition der EP ist limitiert und nur auf Konzerten oder im Webshop der Band (www.lostindesire.com) erhältlich. Die gesamte CD ist dort auch als gratis Download erhältlich.
(Maximilian Nitzschke)

MELOBAR - Wellenbrecher


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Timezone / Radar

MELOBAR – Wellenbrecher
(VÖ: 29.12.2014 – Label: Timezone Vertrieb: Radar)


Bereits seit Ende 2009 spielen die vier Südoldenburger Britta Drees, Christian Hörstmann, Andre Fahrenkamp und Christoph Wilkens zusammen als „Melobar“. Mit „Wellenbrecher“ erscheint nun ihr Debütalbum, nachdem sie vorher verschiedene EP Veröffentlichungen getätigt haben.

Musikalisch liegen die zehn Stücke -mit einem eingängigen Sound- zwischen Pop und Indie Rock mit deutschsprachigen Texten. Diese erzählen bezaubernde Geschichten wie Tagebuchnotizen, erwecken sentimentale Erinnerungen und sprechen über unerfüllte Sehnsüchte. Britta Drees singt dabei voller Leidenschaft und offenbart sich dem Hörer sehr nah und dicht. Das schöne dabei ist, dass dieses Album gänzlich unaufgeregt ist, was mitunter bei Debütalben gern passieren kann,. Ganz im Gegenteil, die Stücke klingen harmonisch. Es ist die Mischung aus Neugier und Zerbrechlichkeit in der Stimme, die einen gefangen nimmt, und den Eindruck erwecken Teil einer Verabredung unter Freunden zu sein.

Live haben sich „Melobar“ bereits beweisen können, etwa in kleineren Kneipen, auf Festivals wie dem Stapelfelder Open Air oder dem Rocko Pluton – Umsonst & Draußen.
Ich freue mich bereits jetzt darauf, im Sommer Melobar auf Festivals zu erleben, denn mit „Wellenbrecher“ ist der perfekte Sound für den Sommer gelegt. In Sachen Songwriting, so sagt auch der Terrorverlag, brauchen Melobar scheinbar keine Nachhilfe mehr, denn jede Note sitzt!
Für eine debütierende Band ist „Wellenbrecher“ ein erstaunlich frisches und überzeugendes Album!
(Maximilian Nitzschke)

OBERER TOTPUNKT - Desiderat


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Danse Macabre / Alive

Oberer Totpunkt – Desiderat
(VÖ: 14.03.2014 Vertrieb Alive! Label Danse Macabre)


Mit dem Album „Desiderat“ der Electro Formation „Oberer Totpunkt“ bekommt das gesprochene Wort eine besondere Bedeutung. Die elf Stücke ordnen sich musikalisch im Bereich Electro/ Dark Poetry Beats ein, und sind lyrische Hammerschläge gegen die empfindsame Seele des Hörers. Pumpende Bässe und aggressive Drums treffen auf apokalyptische Lyrics. Von einem Gesang kann dabei nicht die Rede sein, vielmehr hören wir einer Gedichtslesung zu, jedes Wort wird bedrohlich erhöht. Durch die musikalische Untermalung wird dies sehr unangenehm mit der Zeit, gerade auch da die Texte keinerlei Gnade zulassen und nichts hoffnungsvolles vermitteln. Jedes Wort schneidend, die erzeugte Welt wirkt verstörend. Welchen Stellenwert haben unser Wünschen und Sehnen, unsere Lebensträume und unser Streben vor dem Hintergrund der Endlichkeit? Diesen Gedanken verfolgen Oberer Totpunkt auf ihrem Album, und anstatt den Hörer zu lähmen, soll dieser aufmerksam gemacht werden für die eigene Lebenszeit. Jeder Mensch soll sorgfältig seine Ziele auswählen, weil die Zeit diese umzusetzen begrenzt ist. Das ist sicherlich richtig, doch der Aspekt von Hoffnung kommt bei mir als Hörer des Albums nicht an, streckenweise öden die Texte an, da diese mit Bedeutungsdramatik aufgeladen wurden, die teilweise schon albern wird. Durch die musikalische Umsetzung bleibt nur Aggression hörbar zurück, die möglicherweise den Weg auch auf Tanzflächen finden kann, aber insgesamt wenig überzeugt um die Botschaft des Albums tragen zu können.
(Maximilian Nitzschke)

PROTAFIELD - Nemesis


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Universal / Caroline Records

Protafield – Nemesis
(VÖ: 23.05.2014 Vertrieb: Caroline Records Label: Universal)


Einigen unter Euch dürften Protafield noch unter dem Namen „Jayce Lewis“ bekannt sein, aber dieser Name ist nun seit geraumer Zeit Geschichte und macht Platz um mit einem langersehnten neuen Album an den Start zu gehen. Die Briten um Mastermind Jayce haben mit „Nemesis“ einen erstklassigen britischen Mix aus Punk und Industrial abgeliefert, der einerseits dreckig klingt und andererseits gefühlvollen, kraftvollen Sound anbietet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie es scheinbar mühelos schaffen verschiedene Musikrichten harmonisch zu verbinden. Der aufmerksame Hörer kann Danceelemente, EBM, Rocksound, Metalriffs und natürlich Punkattitüden heraushören, aber dank Portafield entsteht ein ganz eigener unverbrauchter Sound daraus. In jedem Song stecken musikalische Überraschungen die man als Hörer erkunden kann, was die Vielschichtigkeit der Arrangements unterstreicht.

Das Album enthält zudem vier ganz besondere Gäste: Roger Taylor (Queen), Gary Numann, Mattias la Eklundh und Lance Henriksen (Aliens/ Alien vs. Predator). Gary Numann lobt Protafield als, „Einer der besten Acts, die ich je auf Tour mit hatte!“. In der Tat ist dem nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass „Nemesis“ das Potenzial besitzt zu einem Durchstarter-Album zu werden!

(Maximilian Nitzschke)

UNTERSCHICHT - Monster Akt 2: Wir sind was wir sind


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Danse Macabre

Unterschicht – Monster Akt 2: Wir sind was wir sind
(VÖ: 16.01.2014 Danse Macabre)

Wie eine rostige und zugleich stumpfe Nadel bohrt sich das neue Album „Monster Akt II Wir sind was wir sind“ in den Gehörgang des Konsumenten und hinterlässt – möglicherweise bleibende Schäden im Hirn. Angenehm ist wirklich anders, aber mit dieser Absicht ist das EBM Album auch keinesfalls an den Start gegangen. Kein Jahr nach der Veröffentlichung des ersten Aktes der Monster-Trilogie legt die Elektro Formation „Unterschicht“ um den Frontmann Sven Hegewald gewalttätig nach. Rhythmisch penetrante Drums paaren sich mit treibenden Bässen und giftigen Leadsynthies peitschen den Hörer durch die 14 Albumtracks, die die Geschichte um das Monster in uns weiter erzählen. Da kommt etwa der „Sandmann“ und drängt sich in den Traum hinein, übernimmt die Kontrolle und tötet das schlafende Opfer. Oder der Geist wird durch „Pillen“ vernebelt und mittels Drogen der Wille gestärkt, sowie die Schmerzen des Lebens gestillt. In „Mental Isolation“ geht es um weggeschlossene Persönlichkeiten und die Flucht in die eigene Isolation um nicht sich und andere zu gefährden.

Diese Songs sind nur Beispiele, aber stellvertretend für die Inhalte des Albums, welches vor Niedertracht und menschlichen Abgründen geradezu trieft. Das bedauerliche dabei ist, das sich fast kein Unterschied innerhalb der einzelnen Songs findet, denn das Arrangement ist jedem Song gleich. Die Synthieklänge bleiben monoton, der Bass zehrt gnadenlos an der Ertragbarkeit und stimmlich ist vom Text vor lauter Verfremdung kaum etwas wirklich verständlich.
Für mich bleibt hierbei eh die Frage offen, inwieweit uns ein Album zeigen muss, wie verdorben scheinbar der Mensch ist, oder ob uns dies momentan nicht vielmehr die Realität vor der Haustür viel besser vor Augen führt!?


FLIGHT FACILITIES - Down to Earth


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Future Classic

Artist: Flight Facilities
Titel: Down To Earth
Label: Future Classic
Format: CD / LP / Digital
VÖ: 01.2015 [Europa]
Style: POP / Downtempo / DeepHouse
Flight Facilities – Down To Earth [Future Classic]
Nachdem das Debutalbum des australischen Duos Flight Facilities in ihrer Heimat schon im Oktober des vergangen Jahres veröffentlicht wurde, schlägt ihr „Down To Earth“ dieser Tage nun auch auf dem kontinentaleuropäischen Festland auf und verführt mit seiner äusserst angenehmen Mischung aus DeepHouse, Vocals und loungigen Elementen all diejenigen, deren elektronischer Musikgeschmack die Adjektive "elegant" und "popaffin" vereint. Schon das einer Cockpit­Ansage nachempfundene Intro kündigt den Beginn einer musikalischen Reise an und die darauffolgende Kollaboration „Two Bodies“ mit der
Sängerin Emma Louise entführt den geneigten Konsumenten auf die Tanzfläche eines Beach­Ressorts freier Wahl, während es mit Reggie Watts am Mikro und „Sunshine“ auf den Ohren von geschmeidigem Funk verwöhnte Gefilde zu erkunden gibt. Leicht cheesy und partiell esoterisch wabernd wird es dann mit dem streicherbeladenen Downbeat­ / Balearic­Erguss „Waking Bliss“, dass für den Geschmack des Rezenseten ein wenig zu zuckerklebrig daherkommt, „Stand Still featuring Micky Green“ präsentiert sich als
leichtfüssiges Pop­ / Electro­Drum n Bass­Crossover, das selbst an trüben Wintertagen zum Mitswingen einlädt und sich dank der besonderen, zuweilen an Dillon­erinnernden Stimme Micky Greens schnell in den Gehörgängen der Konsumenten festsetzt, der mit dem dezent pumpenden Housetrack „Apollo“ direkt im Anschluss in die letzten Stunden einer rauschenden Clubnacht versetzt wird. Doch wie schon für „Waking Bliss“ gilt auch für „Apollo“, dass epische Streicher und Flächenkonstrukte zuweilen besser mit Vorsicht
als im Überfluss eingesetzt werden sollten.
Sängerin Christine Holberg veredelt die dezente DeepHouse­/Balearic­Nummer „Claire De Lune“ mit glockenhellen Vocals, die einen perfekten Kontrast zur zurückhaltenden, tiefen Melancholie des Beat­ und Synthgerüstes liefern, Stee Downes verleiht dem funkverkehr­samplenden PlasticSoul von „Hold Me Down“ den richtigen Sexdrive und die Vocals von Owl Eyes bringen in „Heart Attack“ dem TechHouse das Funkeln bei.
„Merimbula“ liefert im Intro eine kurze, wenn auch eindeutige Liebeserklärung an Brooklyn, deren Prägnanz allerdings im weiteren Verlauf von der etwas merkwürdigen Soundästhetik des mit der Handbremse agierenden 4/4­Taktes, weichspülenden Flächen und obskur zerhackten, zuweilen auch zu präsent abgemischten Stimmsplittern weggewaschen wird. So grundgereinigt konzentriert sich das Ohr des an FrenchTouch­ Ästhetik a la „One More Time“ gewöhnten Konsumenten lieber auf den Titeltrack des vorliegenden Albums, der – obwohl zweifelsfrei extremst hitlastig – im direkten Vergleich
nicht so verstörend penetrant daherkommt, wie die musikalische Vorlage der
helmtragenden Franzosen. Mit Bishop Nehru am Mikrofon präsentiert sich „Why Do You Feel“ musikalisch als romantischer Schlafzimmer­HipHop, Kylie Minogue hat ihren Gastauftritt im Reprise des grössten Flight Facility­Hits bis dato ­ „Crave You“ ­, der als Originalversion mit Sängerin Giselle das Album final in bester Popmanier abschliesst und als musikalischer Fun Fact für Musiknerds nebenher der meistgespielte Titel ever auf dem australischen Radiosender Triple J ist.

Unser Fazit: abwechslungsreiches Popalbum mit elektronischen Grundzügen, dass vor allem in unbeschwert verliebten Frühjahrsmomenten ein guter Freund sein kann, zuweilen aber doch ein wenig zu dick aufträgt. 7/10 Points
[baze.djunkiii / www.nitestylez.de]

QNTAL - Qntal VII


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Drakkar Records

QNTAL – Qntal VII
(VÖ: 21.11.2014 Drakkar Records)


Im Jahr 1982 fegte ein gerade frisch gegründetes Projekt mit nur einem einzigen Clubhit für immer die modrigen Staubschichten von der mittelalterlichen Musikwelt. Mit „Ad Mortem Festinamus“ aus dem Llibre Vermell de Montserrat, einer Sammlung spätmittelalterlichen Liedguts aus dem 14. Jahrhundert, verblüffte „Qntal“ damals nicht mit authentischer Aufführungspraxis mit historischen Instrumenten, sondern durch eine innovative Neuinterpretation mittels elektronischer Klangwelten. Ernst Horn (Deine Lakaien) hatte ganze Arbeit geleistet und wuchtige Beats mit treibenden Synthie-Flächen verpartnert zu einem harmonischen Zusammenspiel, welches durch den einnehmenden Mezzosopran von Sigrid „Syrah“ Hausen den anspruchsvollen Musikliebhaber in den Bann zog.
Qntal definierte vor nunmehr ganzen 33 Jahren die Definition von Alter Musik völlig neu und macht sie bis heute lebendig und spürbar.

Nach zwei sehr virtuosen und expressiven Alben, welche ungekünstelt „I“ und „II“ betitelt wurden, konzentrierten sich die beiden Kreativköpfe hinter Qntal Michael Popp und Sigrid „Syrah“ Hausen vorrangig auf ihr rein akustisches Ensemble Estampie, um nach einer achtjährigen Pause und mit neuer Besetzung zurückzukommen. Wenngleich die folgenden Werke nach „III“ sowohl klanglich wie textlich unterschiedlichen Schwerpunkten folgen, so loten sie alle das Mittelalter in all seinen Facetten neu aus. Immer wieder bezeichnet sich Michael Popp als letzter lebender Troubadour, welcher gleich auf mehreren Ebenen mit Historie verbunden ist. „Für mich als Künstler ist es wichtig tiefer zu gehen und nicht nur auf der Erscheinungsoberfläche zu bleiben“, ist auch nach mehr als 20 Jahren im turbulenten Musikgeschäft sein Credo. „Ich verlange da letztendlich mehr, nämlich dass man sich mit den Dingen wirklich auseinandersetzt, ein wenig mehr in sich geht und sich selbst auch hinterfragt.“ Diese bewundernswerte Sicht auf ihre Arbeit, dürfte auch der Grund sein, warum ihm und seiner Weggefährtin „Syrah“ ein einziges Ausdrucksmedium nicht ausreichen. Nach der letzten Studioscheibe „Qntal VI – Translucida“ aus dem Jahr 2008 zog das Duo erneut vermehr mit Estampie durch die Lande und gründete mit „VocaMe“ gleich noch ein völlig neues, der Klassik zugewandtes Ensemble für Alte Musik.

Im Jahr 2014 beginnt für Qntal nun jedoch eine ganz neue Schaffensperiode! Die Musikerin Sarah „Mariko“ Newman unterstütze die Band bisher nur bei Live-Darbietungen, gehört ab sofort zum festen Lineup. Neuer Elektronikmagier ist nun Leon Rodt, der Philipp „Fil“ Groth fortan an den Tasten ersetzen wird. Er hat sich bereits sehr einfühlsam in die Produktion des neuen Albums eingebracht. Ganz neu ist zudem, dass sich erstmals in der Geschichte von Qntal auch Michael Popp als begnadeter Sänger beweist. Damit läutet das siebte Studioalbum mit all seinen Neuerungen nun das dritte Zeitalter von Qntal ein und bleibt trotz aller Änderungen doch den ursprünglichen Tugenden treu.

Man spürt in den Juwelen dieses Albums mit wie viel Feingefühl und Sachverstand sich die Musikern den jahrhundertealten Texten und Melodien genährt haben und sie in moderne Arrangements transformiert haben. Herausgekommen sind anmutige Kunstwerke mit tanzbarer Eingängigkeit, immer der geschichtlichen Tragweite der Originale verpflichtet.
Neben mittelalterlichen Quellen wie der Liederhandschrift Carmina Burana (Frühlingslied), dem Theologen Meister Eckhart (In Dem Begyn), dem Minnesänger Heinrich von Morungen (Swebend) oder dem Ars nova Komponisten Guillaume de Machaut (Flame Amoreuse), stoßen Qntal verstärkt auch in das 17., 18. und 19. Jahrhundert vor. So wird der britische Dichter Lord Byron mit seinem Poem „By The Light Of The Moon“ ebenso in feinste Klangkunst verwandelt, wie der „Tyger“ des Naturmystikers William Blake. Ich denke man kann erahnen, dass die Romantik nicht nur klanglich sondern auch epochal ein Bestandteil des Albums geworden ist. Mit dem Titel „Schnee“ wagt sich Qntal dann sogar in die Gegenwart vor, denn die Zeilen entstammen der Feder des Fantasy Autors Markus Heitz. Dieser ist der Schöpfer von Zwergenromanen oder Albaetrilogien und ersann diese Ode an die „ewige Nacht“. Ganz gleich aus welchem Jahrhundert die Zeilen der einzelnen Stücke stammen, sie sind universell zeitlos in Klangkunstwerke veredelt worden, und machen Qntals Werk „VII“ zu einem absoluten Highlight!


(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.drakkar.de

RANDALE - Randale Rock and Roll


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Newtone / Cargo

KRITIK 1: RANDALE - „Randale Rock N Roll“ (VÖ: 12.09.2014 Label: Newtone Vertrieb: Cargo) Seit zehn Jahren spielen die Jungs von Randale aus Bielefeld bereits ihre ganz eigene Version für Rockmusik, welche sich nämlich inhaltlich an den jüngsten Rockern orientiert. Kinder sind die Adressaten, der Jubiläums CD „Randale Rock N Roll“, was sich allein schon in Texten wie „Kinderzimmer Punk“ oder „Omma und Oppa“ wiederfindet. Kompromisslos wie nie, vermengen RANDALE Rock und Punk, Ska und Reggae, Pop und Metal, Indie und einen Hauch von BossaNova. Welches Kind hasst es nicht, wenn es sein Zimmer aufräumen, oder die Hausaufgaben machen soll? Der „Kinderzimmer Punk“ jedenfalls rebelliert genau dagegen, aber eben nur in seinem Kinderzimmer. Als sich die Band 2004 gründete, hatte sicherlich keiner gedacht, was aus dieser Musikgruppe einmal werden würde. Kindermusik zwar inhaltlich, aber nicht nur für die Kinder erdacht, sondern als Familienspaß. Gute Rockmusik wurde mit intelligenten Arrangements und Texten auf Kinder zugeschnitten. Musikalisch gibt es da Punk und Rock genauso wie Ska und Reggae. Der „Hardrockhase Harald“ etwa ist längst ein Klassiker und läuft schon mal auf dem Zeltplatz des Wacken Open Air Festivals. So manche Feuerwehr hört auf dem Weg zum Einsatz das „Feuerwehrlied“. Mehr als 500.000 CDs haben die Jungs bisher schon verkauft und freuen sich darauf, auf der Erfolgswelle weiterzuschwimmen. (Maximilian Nitzschke)

BLUTENGEL - Omen


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Out of Line

Blutengel – OMEN (VÖ: 13.Februar 2015 Out of Line) Die Berliner Dark-Pop Legende „Blutengel“ schlagen mit ihrem neuen Album „Omen“, dem Nachfolger ihres Top 5 Charts Erfolges „Monument“, ein beeindruckendes und neues Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte auf. Kaum eine Band vermag es derartig auf der Klaviatur der Gefühle ihrer Zuhörer zu spielen, wie es Blutengel seit etlichen Jahren bereits tun. Schwelgerisch huldigen sie der dunklen Seite, die in jedem von uns steckt und setzen mit jedem Album ein fesselndes und eingängiges Denkmal. Einmal melancholisch und düster um im nächsten Moment einen nahtloser Übergang zu schaffen mit treibenden und elektronischen Beats, welche dann ein ganz großes Feuerwerk für die Tanzflächen zünden. Nach dem orchestralen Intro ertönen die gigantischen Klänge der Hit-Single „Sing“, welche wiederum abgelöst werden durch treibenden Gothic-Electro Sound (wie in „The Siren“ oder dem nostalgisch angehauchten „Asche zu Asche“). Hymnenartig hingegen „Wir sind was wir sind“, das eine düstere Prophezeiung in mitreißende Klänge bettet. Man merkt schon nach den ersten vier Stücken, dass sich Masterminder Chris Pohl und Ulrike Goldmann auf ihrem neuen Werk so vielschichtig wie noch nie zeigen. Für mich entfalten die Stücke auf „Omen“ einen unwiderstehlichen „Sog“, der aus der meisterlichen Verbindung von Gegensätzen entsteht. Da ist zum einen der ewige Konflikt zwischen Himmel und Hölle (zum Beispiel in Dein Gott) , dann Erotik und Gefühl (etwa in Save your Tears), atmosphärisches Kopf-Kino im Gegensatz zu Club-Feeling. Dadurch ist das Album inhaltlich sowohl sexy, wie düster und opulent gestaltet, aber auch zerbrechlich und tanzbar auf der anderen Seite. Das Album erscheint als reguläre Album -CD, als Deluxe Doppel-CD mit exklusivem zweiten Album und als streng limitierte Edel-Fanbox, das neben der Doppel-CD die exklusive Akustik CD „Dark & Pure Vol.2“ enthält. Darauf befinden sich Blutengel Songs ganz akustisch nur mit Piano und Akustikgitarre eingespielt. Außerdem ein A5 deluxe Booklet mit allen Texten und vielen exklusiven Fotos sowie fünf Kunstdrucke von gemalten Blutengel-Portraits. Sehr lohnenswert sind die visuellen Erlebnisse des Songs „Asche zu Asche“ und „Sing“, denn beide sind wie Kurzfilme gestaltet. Während sich „Asche zu Asche“ mit dem Konflikt einer Profi-Killerin und ihren Opfern beschäftigt, bezieht sich „Sing“ auf die Liebe inmitten der römischen Architektur und stellt den Konflikt zwischen Glauben und sexueller Lust in den Vordergrund. Die Aufnahmen zu beiden Videos sind in Rom entstanden, unter der Regie von Carlo Roberti. (Maximilian Nitzschke)

KEINE ZäHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN - Die Biellmann-Pirouette


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Broken Silence Records / Broken Silence

Alle paar Jahre legt die Kieler Band mit dem – nun ja – ungewöhnlichen Namen KEINE ZÄHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN eine neue Platte vor. Der Output ist nicht riesig, aber immer hörenswert und den Namen behält man gerade wegen seiner Sperrigkeit im Gedächtnis. Nun also das neue Werk „Die Biellmann-Pirouette“, das nahtlos an „Postsexuell“ anschließt und die eigenwillige Mischung aus Punk und Electro fortführt. Durch die elektronischen Elemente entsteht eine schöne Eingängigkeit, die durch rauen Indie-Rock und Punk aber nie zu glatt wird.

Klar kommen da Erinnerungen an Bands wie Alte Sau und Kommando Sonne-nmilch oder manche Stücke von den Goldenen Zitronen auf. Und auch bei den Texten laviert man sich nicht an den üblichen Punk-Klischees entlang. Statt Saufen-Bullenschweine-Scheiß Staat-Pöbeleien gibt es persönliche und gesellschaftskritische Inhalte, die aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen. Das Ganze ist oft melancholisch aber nie weinerlich, stattdessen ziemlich kraftvoll. Irgendwie eine typisch norddeutsche Herangehensweise an Punk (vergleiche Razzia) und irgendwo zwischen Fehlfarben und Turbostaat würde ich mal sagen. Ich kann mir vorstellen, dass bei den Auftritten eine sehr angenehme, freundliche und nicht aggressive Stimmung herrscht.

Dabei dürften Songs wie „Das Sind Auch So Existenzen“ und „60 Watt Sonne“ auch für Bewegung vor der Bühne sorgen, wenn auch nicht unbedingt in klassischer Pogomanier. „Dem Teufel Geld“ könnte auch Tomte- oder Kettcar-Fans gefallen, wobei einem klar sein sollte, dass es hier eine ganz andere Stimme zu hören gibt.

Sehr schön ist auch „Und Immer Noch Nicht Gebumst“, dessen Text wohl fast jeder in den späten 60ern und frühen 70ern Geborene nachvollziehen kann. Musikalisch gibt es hier allerdings leider eine Art Schweine-Rock im Stile des frühen Westernhagen.

Alles in allem schön rockiger Wave-Punk oder auch waviger Punk-Rock, der jedem Fan der zahlreichen genannten Bands auch gefallen sollte. KEINE ZÄHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN ist eine Band, die zwar keinen komplett neuen Sound abliefert, aber absolut glaubwürdig wirkt bei dem, was sie macht.
(A.P.)

Webadresse der Band: www.keinezaehne.de

XTR HUMAN - Atavism

Wiederveröffentlichung: LP 2014 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB018
Erstveröffentlichung: CD 2014 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB018

Es ist schon immer wieder spannend, was für bisher weitgehend unbekannte, aber großartige Bands No Emb Blanc/Genetic Music aus dem Hut zaubert. Das zeigt, wie szenenah das Label immer noch ist und sicher dürfte der gute Ruf auch Bands animieren, sich von sich aus dort zu melden. Nach zwei kleinen CD-R- und Download-Veröffentlichungen in Eigenregie gibt es nun ein ganzes Album der deutschen Band XTR HUMAN und das gleich wie in guten alten Zeiten auf CD und Vinyl.

Die drei Musiker sehen auf den Fotos gar nicht mehr so ganz jung aus, umso überraschender ist es, dass sie offenbar vorher nicht in anderen Bands gespielt haben oder zumindest keine kommerziellen Veröffentlichungen vorweisen können. Weniger verwunderlich ist aber natürlich, dass sich das Trio an eher altmodischen Klängen versucht, ohne dabei aber langweilig und unzeitgemäß zu klingen. Bands wie Interpol, Editors, Franz Ferdinand und viele andere haben gezeigt, dass der so genannte Post Punk-Sound der frühen 80er Jahre auch heute noch hörenswert ist. Und genau diesem haben sich auch XTR HUMAN verschrieben.

Dürfte ich nur eine Band als Orientierungshilfe nennen, so wäre das ganz sicher Trisomie 21. Die Mischung aus 80er Synthies, fettem Bass und verzerrten Gitarren, verbunden mit „kaltem“ Gesang erinnert wirklich oft sehr stark an die Franzosen, womit natürlich auch der Begriff Cold Wave fallen muss. XTR HUMAN hätten sehr gut auf das Lively Art-Label aus Frankreich gepasst und dort eine gute Figur neben Little Nemo oder Asylum Party gemacht. Auch Einflüsse von The Cure, Joy Division und Fallen Apart sind zu hören, so dass 80er Jahre-Fans mit damals wild toupierten Haaren ihre helle Freude haben werden.

Klar, dass XTR HUMAN hiermit keinen Innovationspreis gewinnen werden, aber ganz sicher wollen sie das auch nicht, sondern einfach die Musik spielen, mit der sie vermutlich aufgewachsen sind und die sie immer noch lieben.

Kann die Vinyl-Version mit einem edlen Klappcover begeistern, so lockt die CD mit einem Bonustrack, Sammler müssen also eigentlich beide Versionen kaufen, aber das lohnt in diesem Falle auf jeden Fall. Ein Tipp für alle Old School-Waver. (A.P.)

TANZWUT - Freitag der 13te


Erstveröffentlichung: CD 2015 / AFM Records

TANZWUT Freitag der 13te
(VÖ: 13.02.2015 AFM Records)


Freitag der 13. gilt ja generell im Volksglauben als der Tag, an dem besonders viele Unglücke
passieren. Da an diesem Tag angeblich Jesus Christus starb und die Zahl 13 als Unglückszahl herhalten musste. Lieber Leser drum nehmt euch in Acht vor schwarzen Katzen, die gemeingefährlich von CD-Covern blicken, denn hier könnte der leibhaftige Teufel drin stecken!

Herzlich Willkommen in der Welt der Mystik und des Aberglaubens, und damit inmitten von 13 brandneuen Songs aus der teuflischen Musikschmiede von Tanzwut. Die Mittelalter-Rocker rund um den charismatischen Sänger Teufel legen mit „Freitag der 13te“ ihr bis dato ausgefeiltestes Album vor.

Mastermind Teufel und seine Mitstreiter haben sich hörbar ins Zeug gelegt und geben schon im Eröffnungssong „Brot und Spiele“ alles was das Herz eines Tanzwut-Fans begehrt. Hypnotische Dudelsäcke paaren sich mit knallharten Rhythmen und veredeln einen gesellschaftskritischen Text dabei. Eine schöne Hymne folgt gleich im Anschluss mit „Brüder im Geiste“, in dem es um die Höhen und Tiefen von Freundschaften geht. Es verwundert mich nicht, dass diesen Song auch gleich ein Video krönt. Die Vorab-Single des Titeltracks „Freitag, der 13te“ dürfte zwar schon bekannt sein, trotzdem überzeugt der eingängige Refrain auch nach mehrmaligem Hören. Mit Selbstironie wird hier der Aberglaube vor dem legendären Tag aufs Korn genommen. Mit das „Spielzeugland“ wird es wieder etwas leichter als man es eigentlich von Tanzwut gewohnt ist. Aber mitunter muss es nicht der tiefstschürfende Text sein um für Gute Laune zu sorgen. Im Anschluss „Die Zeit heilt alle Wunden“, ein nachdenklicher Song darüber wieder Kraft zu finden wenn die Verletzungen der Vergangenheit zu groß waren. Wieder frecher und wilder kommt „Ohne Sünde“ dann daher, in dem es um die Sündhaftigkeit des Menschen geht. Wer davon frei ist, solle den ersten Stein werfen! Von der Lebenszeit des Hörers ernährt sich „Der Zeitdieb“, ein Mensch der sich klettenartig an sein „Opfer“ klebt und die wertvolle Zeit durch Banalitäten klaut. Wenn man nachdenkt, gibt es für mich selbst viel zu viele solcher Zeitdiebe! Die Stimmung ändert sich, denn Tanzwut setzen direkt eine Ballade dahinter mit „Niemals mehr“. Schwermütig und rau klagt Teufel uns sein Leid. Aber so schlimm kann es eigentlich gar nicht sein, wie das rockige nächste Stück „Des Teufels Braut“ beweist. Hier wird die Liebe und die Zugehörigkeit zweier Menschen zueinander zelebriert. Jedoch gibt es mit „Vorbei ist Vorbei“ auch das Stück, für das Beziehungsende quasi. Der Song „Spiegelkabinett“ erinnert mich stark an „Ihr wolltet Spaß“, was damit zu tun haben dürfte, dass es auch um Masken und Eitelkeiten einzelner Menschen geht. Das Stück ist zynisch und textlich mit der nötigen Prise schwarzen Humors gewürzt.
Insgesamt betrachtet macht es Spaß den teuflischen Machenschaften nach der „Höllenfahrt“ mit „Freitag der 13.“ zu lauschen. Die Songs sind mit Liebe zum Detail entstanden und beweisen ein weiteres Mal, dass es richtig war für Teufel auf das Produkt „Tanzwut“ auch weiterhin zu setzen.











(Maximilian Nitzschke)

NENA - Oldschool


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Laugh & Peas / Sony

Gut 35 Jahre ist NENA jetzt schon musikalisch aktiv – wenn man ihre Zeit in der Band The Stripes mitrechnet – und kaum eine andere deutsche Popmusikerin, Schlagersängerinnen mal außen vor gelassen, kann auf eine so lange, erfolgreiche Karriere zurückblicken.
Nach einer längeren Pause gibt es nun ein komplett neues Album, bei dem die inzwischen fast 55jährige die Zeit reflektiert, mal angenehm entspannt, mal augenzwinkernd, mal selbstironisch. Für die Musik hat sie sich Samy Deluxe ins Boot geholt, was zeitgemäßen Sound und eine perfekte Produktion garantiert.

Ich höre die Musik von NENA tatsächlich seit der Single „Nur Geträumt“ und kenne fast alle Alben mehr oder weniger gut. Kein Album hat mir durchgehend gefallen, aber alle hatten gute Songs drauf und nichts anderes habe ich von „Oldschool“ erwartet. Genau das wird dann auch geboten und die Platte reiht sich ziemlich genau in die Reihe der bisherigen Alben ein.

NENA war in ihrer Solokarriere immer aufgeschlossen dafür, mit neuen Musikstilen zu experimentieren, so mit Techno- und Electro-Elementen und hat sich auch nicht gescheut, ihre Klassiker und alten Hits den modernen Zeiten anzupassen. Dabei blieb es aber immer Popmusik und dementsprechend nicht wirklich innovativ. NENA solo war nie Vorreiter, aber das ist ja nicht schlimm.

Bei „Oldschool“ werden wie der Name schon andeutet jede Menge „alte“ Sounds eingebaut, das Album wird sogar mit den Klängen eines Casio VL-Tone eröffnet. Nur leider klingt das eben nicht oldschoolig, sondern so, wie heutige Musiker sich den Sound der 80er vorstellen und diesen mit modernem Instrumentarium umsetzen. Die Klänge sind schon 80er, der Geist dahinter aber eben nicht. Und das wollte NENA wahrscheinlich auch gar nicht. Dadurch, dass die Musik von Samy Deluxe eingespielt wurde, ist sie natürlich sehr rhythmisch geworden und hat auch einige Hip Hop-Elemente, was zur Folge hat, das NENA auch eher rhythmisch singt – aber nicht rappt – als melodisch. Die Klänge wirken sehr frisch, eingängig sowieso und oft auch tanzbar.

Wie üblich bei NENA-Alben wechseln sich eher schwache mit ein paar richtig guten Songs ab. Der Opener „Oldschool“ dient als Intro und gibt die Richtung vor, „Lieder Von Früher“ ist die erste Single, die durchaus chartstauglich ist. „Genau Jetzt“ sticht nicht besonders hervor, dafür aber „Ja Das War´s“ und besonders „Betonblock“ als wahrscheinlich bestes Stück des Albums. Da fühlt man sich tatsächlich ein wenig in alte Zeiten zurückversetzt. „Mach Doch Was Ich Will“ ist ebenfalls gut, gefolgt von „Berufsjugendlich“, das musikalisch von an Ideal anknüpfen soll und sich textlich mit den Kritikern der Sängerin auseinandersetzt und eine „ich mach einfach, worauf ich Bock habe“-Botschaft transportiert. Mit „Sonnemond“ und „Jeden Tag“ flacht die Kurve etwas ab. Das sind Songs von der Art, die zumindest ich immer schnell wieder vergesse, weil sie ein bisschen vor dich hindudeln. „Ein Wort“ ist ganz hübsch, aber solche Lieder können Klee einfach besser. „Magie“ ist ein guter Popsong, der wohl melodiöseste des Albums, und könnte durchaus eine weitere Singleauskopplung werden. Musikalisch interessant und auch textlich spannend ist „Kreis“, neben „Betonblock“ der beste Song hier, vielleicht, weil das Lied gerade nicht so sehr nach NENA klingt. Den Rap-Part von Samy Deluxe hätte man allerdings weglassen können. Weniger spannend für meinen Geschmack ist dann wiederum „PI Ich Rechne Mit Allem“, das ist nichts halbes und nichts ganzes, auch, wenn es einer der wenigen Tracks ist, der wirklich nach „früher“ klingt. „Peter Pan“ ist auch wieder so ein Song, den Klee oder Zweiraumwohnung besser hinbekommen würden. „Bruder“ ist schließlich noch die persönlich gefärbte, tiefsinnige Ballade, die aber an dieser Stelle des Albums ein wenig untergeht. Ruhig klingt „Oldschool“ dann mit „Schicksal“ aus. Die Promo-CD enthält dazu noch eine Liveversion des Uralt-Songs „Zaubertrick“, wobei ich keine Ahnung habe, ob der auf dem normalen Album auch mit drauf ist.

Wie gesagt, sehr gute Songs wechseln sich mit belanglosen ab, so war es bei NENA-Alben schon immer. Sehr deutlich wird, dass die erste Hälfte des Albums stärker ist, vielleicht weil sie die eher rhythmischen Songs enthält, die besser im Ohr bleiben, während die zweite Hälfte mehr Melodie hat, aber etwas vor sich hinplätschert. Hörenswert ist „Oldschool“ aber trotzdem, die Zusammenarbeit von NENA mit Samy Deluxe hat auf jeden Fall funktioniert und zeigt, dass sich NENA auch heutzutage nicht verstecken muss. Die Rückbesinnung auf die Anfangszeit ihrer Karriere, vor allem textlich, wirkt zwar ein bisschen aufgesetzt, aber es ist wohl auch nicht verwunderlich, wenn man nach so langer Zeit mal zurückblickt. Für die Promofotos wurde sogar wieder ein Rolling Stones-T-Shirt übergezogen, wenn auch mit mehr Bling-Bling versehen als früher. Wer weiß, was aus dem Album geworden wäre, wenn NENA hier mit Andreas Dorau statt Samy Deluxe zusammengearbeitet hätte? (A.P.)

Webadresse der Band: www.nena.de

IMAGINARY WAR - The Way We Fell


Erstveröffentlichung: Download 2015

Ich muss zugeben, dass ich IMAGINARY WAR bisher nicht kannte bis zu dieser Download-Single. So richtig durchstarten will die deutsche Band aber auch jetzt erst, auch wenn es bereits 2012 ein – vermutlich selbst veröffentlichtes - Album gab. Mir sagen die Namen der Bandmitglieder zwar nichts, aber zumindest zwei von Ihnen scheinen bereits in einer eher harten Gitarrenband gespielt zu haben und auch die anderen haben vermutlich bereits in anderen Gruppen Erfahrungen gesammelt. Mit harten Gitarren hat IMAGINARY WAR aber nun gar nichts zu tun. Viel eher gibt es bei dem Track „The Way We Feel“ eine Mischung aus etwas 80er Synth-Pop, Spät-90er Future-Pop und einer monumentalen Pop-Produktion. Dazu eine Prise Melancholie und fertig ist ein Lied, das durchaus Ohrwurm-Charakter hat. Ich kann mir vorstellen, dass die Band auch ein bisschen auf einen Überraschungshit in den Popcharts schielt, aber ich vermute, dazu ist der Song ein wenig zu introvertiert. Für einen kleinen Szenehit könnte es aber langen, denn die Eingängigkeit und die Tanzbarkeit für die einschlägigen Clubs und Parties ist vorhanden. Mich erinnert es etwas an eine Mischung aus manchen Sachen von Wolfsheim und typischem Schweden-Electro-Pop oder auch an eine englischsprachige Version vom LEICHTMATROSEn. Solider, gut produzierter Electro-Pop ist es allemal. Nun bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich ein vielleicht bald kommendes Album entwickelt. Zum Song gibt es einen schön gemachten Videoclip auf You Tube. (A.P.)

Webadresse der Band: www.imaginarywar.de

SKI PATROL - Versions Of A Life (Recordings 1979-1981)


Erstveröffentlichung: LP 2014 / Dark Entries / DE-063

Oft ist es so, dass eine Band einen Hit oder auch nur einen Kult-Song hatte, der bis heute in den Clubs überlebt hat. Darüber hinaus wird dann oft übersehen, dass die Gruppe teilweise weitaus mehr Platten veröffentlicht hat, die aber einfach vergessen wurden. SKI PATROL aus den frühen 80er Jahren ist so eine Band. Ihr „Agent Orange“, 1980 als Single auf dem Killing Joke-Label Malicious Damage veröffentlicht war durch die 80er und 90er Jahre in fast jedem Underground-Club ein Tanzflächenfüller und wurde sogar 1992 auf CD wieder veröffentlicht. Die anderen drei Singles der Gruppe kannte aber kaum jemand, obwohl „Everything Is Temporary“ 1980 zumindest in Belgien ein kleiner Underground-Hit gewesen sein soll.

Schön, dass sich heutzutage enthusiastische Musikliebhaber darum kümmern, auf ihren Klein-Labels solche Bands wieder zu entdecken, diese ausfindig machen und teilweise sogar bisher unveröffentlichtes Material ausgraben und den Sammlern in kleinen Auflagen zugänglich machen. Dark Entries aus den USA ist so ein Label, das in relativ kurzer Zeit jede Menge musikalischer Schätze wieder zugänglich gemacht hat, unter anderem eben die vorliegende LP von SKI PATROL.

Die Gruppe hat 1980-1982 vier Singles veröffentlicht und eine Peel-Session eingespielt. Ein Großteil dieses Materials, nämlich die ersten drei Singles „Everything Is Temporary“, „Agent Orange“ und „Cut“ (in alternativer Version) inklusive B-Seiten sowie einige unveröffentlichte Songs/Remixe/Dub-Mixe finden sich auf dieser LP. Die CD-Version vom Label Definitive Gaze bietet zusätzlich noch die Peel-Session und einen weiteren Bonustrack.

Musikalisch passte SKI PATROL sehr gut auf das Label von Killing Joke. Zwar gab es um 1980 herum so einige Bands, die einen ähnlichen Sound spielten, der zwar noch deutlich vom Punk inspiriert war, aber auch andere Einflüsse zuließ (vor allem Funk-/Dub-Bass) und schnell die Bezeichnung Post-Punk und New Wave erhielt. Killing Joke waren zwar deutlich rauer und wütender, aber die musikalische Verwandtschaft ist trotzdem hör- und spürbar. Auch die frühen The Cure zu Zeiten von „Three Imaginary Boys“ mit ihren eingängigen Melodien lassen sich als Vergleich heranziehen, oder Bauhaus ohne die düster-mystische Seite. Wenig überraschend ist dann auch, dass beide Bands wie auch Sänger Ian Lowerys (leider 2001 verstorben) vorherige Band The Wall auf Small Wonder Records Platten veröffentlicht haben.

SKI PATROL waren damals sicher keine besonders hervorstechende Band, denn die Musik, die sie spielten war in der Post-Punk-Szene weit verbreitet. Wenn man sich das Foto auf der Rückseite des LP-Covers ansieht, kommen einem auch Joy Division in den Sinn. In jedem Fall sind SKI PATROL aber eine Band gewesen, die man heute noch gut hören kann und die in Zeiten vom Erfolg von Bands wie Franz Ferdinand, Editors oder Interpol deutlich ihre Spuren hinterlassen haben. Zeit, sie mit dieser LP oder der CD-Version wieder zu entdecken. Die LP enthält als Bonus ein schön gestaltetes Beiblatt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.darkentriesrecords.com

FUNDETTA - Mein Talent Ist Leben


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Echozone / Bon-Media / EZ14C1526

Ich bin inzwischen zu lange aus der „Schwarzen Szene“ raus, um wirklich beurteilen zu können, was da musikalisch so angesagt ist. Im Grunde ist schon in der Hochzeit der Szene in den mittleren 90ern unheimlich viel Mist erschienen, der heute kaum noch hörbar ist – aber natürlich auch eine Menge wirklich gute Musik. Was aber das deutsche Duo FUNDETTA mit seinem zweiten Album „Mein Talent Ist Leben“ im Jahr 2014 aussagen will, ist mir nicht ganz klar, zumindest nicht sofort. Der Name deutet es schon an, dass man die beiden jungen Leute vielleicht nicht allzu ernst nehmen sollte („FUNdetta“). Ich hoffe sehr, dass das Album als Parodie auf die „Neuen Deutschen Todeskünstler“ in der ersten Hälfte der 90er gedacht ist, mal eher wie Goethes Erben, mal wie Das Ich und mal wie Umbra Et Imago. Musikalisch gibt es überwiegend elektronischen Dark Wave mit einigen Neo-Klassik-Anwandlungen, der hier und da auch mal mit einer Gitarre angereichert wird, aber insgesamt viel zu glatt produziert wurde. Ecken und Kanten fehlen fast vollkommen und der deutschsprachige Gesang erinnert eben an die genannten Acts. Bestes Stück, weil ganz eingängig und mit interessantem Gesang im Stile von Nina Hagen oder Lene Lovich, ist „Ein Abgestürzter Engel“. Das David Bowie-Cover „Helden“ hingegen muss man wohl als Beleidigung für einen der innovativsten Musiker der letzten 45 Jahre werten. Das Konzept ist ganz okay, für ein paar Songs, trägt aber kein ganzes Album, und sollte das alles ernst gemeint sein, funktioniert es schon gar nicht und wirkt nur peinlich. Ich hoffe wirklich, dass dies nicht die derzeit angesagte Musik in der Szene ist. (A.P.)

MR. HURLEY UND DIE PULVERAFFEN - Voodoo


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Timezone / Timezone Distribution

Mr. Hurley und Die Pulveraffen „VOODOO“
(VÖ: 13.03.2015 Label: Timezone Vertrieb: Timezone Distribution)


Alle Mann an Deck ihr Landratten!
Zwei Jahre ist es nun schon wieder her, dass der legendäre Piratenkapitän Mr. Hurley und seine Matrosen die Segel gesetzt haben und mit „Grog n Roll“ zur Kaperfahrt auf die Gehörgänge gegangen sind. Es wurde Zeit für einen würdigen Nachfolger und so ankerte die Crew nach Ideenbeutezügen durch die Weltmeere von November 2014 bis in den Januar 2015 im karibischen Osnabrück um, mittels praktischen Tonträgers von ihren Erlebnissen berichten zu können. Mit „Voodoo“ ist Ihnen auch ein sehr würdiger Nachfolger gefunden, denn nicht weniger als 15 selbst komponierte Piratenfolksongs enthält das neue Album, zudem noch ein Mini-Hörspiel aus 4 Episoden. In den Stücken steckt jede Menge Witz, Charme und etliche Angriffe auf die Lachmuskeln. Es rockt auch gleich mit „Leinen los“ richtig ordentlich, in dem die unwissenden Landratten eingestimmt werden auf das Piratenleben der Mannschaft. Im Anschluss schauen wir dem Koch der Piratenmannschaft mit Namen Fischkopp mal etwas genauer in seine Kochtöpfe. Offenbar kann Fischkopp gut saufen, aber kochen kann er so gar nicht. Wenn selbst die Ratten das stinkende Schiff verlassen, dann gibt es „Schrumpfkopf im Rumtopf“. Die „Seehilfe“ schildert was passiert, wenn man auf Landgang ist und in vielerlei Hinsicht die Planken unter sich verliert. Was ein Pirat macht, damit die Welt wieder schwankt, kann glaube ich jeder erraten!
Mit „Etwas vom Faden“ tauchen wir thematisch ein in den Voodoozauber, denn nicht nur nautisches Geschick ist auf See notwendig, sondern auch ein bisschen Hexenwerk. Da gibt ess im Traumschiff eben auch die Piratenbarbie zum selber nadeln! Wenn du als Hörer dieser Ausflüge von Mr. Hurley und seinen Pulveraffen nicht weißt, wo du so als junger Pirat hin schippern solltest, dann gibt es auch dafür einen Tip. Nachdem es auf Tortuga nur noch Touristen gibt und südlich von den Grenadinen nur noch ehrlich Geld verdient werden kann, ist „Booty Island“ das Piratenparadies. Hier fließt der Schnaps nämlich noch in Strömen und die Sonne scheint auch an den dunkelsten Tagen!
Das nächste Seemannsgarn hören wir von Buckteeth Bannock über seine „Haare im Gesicht“. Sehr amüsant ist, dass er auch historische Ereignisse darauf zurückführt, dass die Männer mit Bärten schlichtweg die erfolgreicheren Feldherren waren. Hört von Jesus, Leonidas und Captain Blackbeard, denn sie alle eint ihre Haarpracht im Gesicht! Sehr witzig ist „Alll!“ denn, der asiatische Pirat Schwarzbart kann einfach kein R richtig aussprechen und ersetzt dies immer durch ein L und im Songtext kommen jede Menge Worte mit R vor ;-) Deswegen Fülchte den Asiaten Pilaten! Die „Fette Beute“ unseres nächsten Piraten fällt leider etwas stark beleibt aus, und so fragt er sich, was er eigentlich falsch macht. Die Haare sind bereits neu frisiert, aber die Frauen wurden einfach nicht hübscher mit der Zeit. Mitunter hilft es hier den Blickwinkel zu ändern!
Ach was wäre ein Piratenfolkalbum ohne Geistergeschichten? Richtig, irgendetwas würde fehlen! Deswegen lauschen wir im nächsten Erfahrungsbericht der Freibeuter von Daisy Jones und ihrem Geisterpiratenschiff. Die junge Dame hat so ein paar Ähnlichkeiten mit Davey Jones aus dem einschlägigen Hollywoodkino, aber dies ist sicherlich dem langen Seemannsgarn verschuldet. Die junge Dame hier besitzt nämlich anstatt adretten Beinen ein paar Tentakeln und Schuppen..
Ein trauriges Piratenschicksal fristet der einäugige Morgan, denn obwohl er sich etlicher guter Pirateneigenschaften sicher ist, so trinkt er keinen Alkohol und bleibt „Nüchtern“. Mit wachsender Leidenschaft trinkt er literweise Apfelsaft, und im Tee hat er höchstens Milch.
Eine herrlich aberwitzige Geschichte rankt sich über den „Taljenblock“. Dieser quietschte ganz fürchterlich in der Takelage des Schiffes und musste dringend geölt werden. Also kümmerte sich Pirat Buckteeth darum, wer hätte auch ahnen können das er damit das ganze Schiff in Flammen setzen würde? Auch Piraten machen offenbar mal eine Plünderpause und machen „Urlaub“. Die Arbeitsanweisung an die sonst geplünderten Schiffe: Plündert euch doch selbst! Das mit dem Haken am Handgelenk ist auch so eine Sache bei Piraten, klar gehört es irgendwie zum guten Ton, aber über die Folgen denkt dann doch wieder keiner nach. In „Haken an der Sache“ werden die Tücken mit viel Liebe und Hakenspitzengefühl erklärt. Mit „Ach ja!?“ und dem „Abschiedslied“ verabschiedet sich die gewitzte Crew auch vom Hörer und hat neben allem Seemannsgarn, charmantem Witz und jeder Menge Charme einen zünftig, derben Unterhaltungswert hinterlassen! Es macht Spaß zuzuhören, zu lauschen und sich vor Lachen die Bäuche zu halten!
(Maximilian Nitzschke)

ANDYRA - Magie der Fantasie


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Timezone / Timezone Distribution

ANDYRA – MAGIE DER FANTASIE
(VÖ. 13.03.2015 Label: Timezone Vertrieb: Timezone Distribution)


Am Freitag., dem 13 März wurde in der österreichischen Hauptstadt ein neuer Folkstar der Weltöffentlichkeit präsentiert. Mit ihrem Debüt-Album „Magie der Fantasie“ schaffte Andyra ein Werk, bei dem sich Worte und Melodien zu Bildern und Gefühlen fügen, die uns mit auf eine Reise nehmen und uns selbst ein Teil dieser wundersamen Welt sein lassen. Fantasie ist der rote Faden durch das Album, egal ob man den sanften Weisen des Fauns lauscht, oder zu den heiteren Takten eines Tavernenliedes tanzt, unterhält die Band ihr breites Publikum.
Zu Beginn des Albums erklingt verträumt und sanft „Das Lied des Fauns“ begleitet von einer Harfe. Da allerdings gibt es eine Diskrepanz, denn im Text heißt es „Lausche der Flöte“ - dieses Instrument jedoch ertönt kein einziges mal. Am Bachlauf sitzt ein Faun und spielt seine Weise bis ins Morgengrauen, während sich Nymphen zu ihm begeben, traut sich kein Mensch zu ihm. Hier verwebt Andyra geschickt die Angst vor dem mystischen Wesen mit der Verführung für die die Figur des Fauns ja auch steht. Hin und wieder gibt es gesangliche Schwächen, was aber der Poesie des Stückes keinen Abbruch tut. Im zweiten Stück „Rastloser Geist“ ist dann das gefühlvolle Intro genau die Flöte die man im ersten Stück vermisst hat. Der Gesang von Bettina Kiegler harmoniert hier erstaunlich perfekt mit dem folkloristischen Instrumenten und klassischem Rock-Instrumentarium. Inhaltlich geht es auch um die Rastlosigkeit und den Wunsch ein Held zu werden, offenbar wurde der Protagonist jedoch durch diesen Wunsch zum Geist und irrt nun umher. Das nächste Stück „Zwischen den Welten“ greift diese Geschichte auf und bindet die Traumwelt noch mit ein. Jede Nacht der gleiche Traum vom geliebten Menschen. Gefangen in der Traumwelt lebt dieser nach seinem Tod nun dort weiter und erscheint jede Nacht. Nach Flöte und Harfe klingt sich nun ins Instrumentarium noch das Piano mit ein und kündigt unheilvoll „Die Opfergabe“ an. Die Protagonistin steht verängstigt in der Reihe und soll dem Gott geopfert werden. Durch ihren Tod beschützt sie für ein weiteres Jahr die Bewohner ihres Dorfes. So dramatisch diese Story ist, so deutlich wird hier leider die stimmliche Schwäche der Sängerin Bettina Kiegler. Ihre Klangfarbe ist in den hohen Tönen passend, jedoch hätte es hier die tieferen gebraucht für die gewollte Atmosphäre. Es bleibt in den Tönen schrecklich kieksig, sie transportieren den Text nicht und demontieren den Song sogar. Im nächsten Song bewegen wir uns gedanklich in der Welt von Christopher Paolini, denn es geht um „Die Drachenreiter“. Es wird die Beziehung des Reiters zu seinem Drachen besungen, die mystische Welt rund um Eragon zum Beispiel. Schwermütige Pianoklänge vereint mit Geige leiten hinüber über die Brücke nach „Avalon“, dem mystischen Ort aus der Arthussage. Wenn man der Gralsgeschichte glaubt, war Avalon der Ort, an dem sich König Arthus nach seiner Verwundung befand. Hier soll die Heilerin Morgan le Fay ihren Halbbruder gepflegt und geheilt haben. Im Song fragt die Sängerin „Wo ist mein Avalon, der Ort der mich mit ihm verband“. Hierin kann der Hörer einerseits die erläuterte Legendengeschichte heranziehen, oder aber einen Ort der einem selbst Heilung verschafft in schwierigen Zeiten.
Den Abschluss des Albums bildet das Trinklied „Holt das Fass“, welches mit Akkordeon eingeleitet ist. Klar es ist ein typisches Lied um das edle Gebräu, heiter und beschwingt. Leider finden sich hier im Gesang durchaus ein paar hörbare Schwächen, was dem Song für mich dann doch etwas Abbruch tut.

Zweifelsfrei schaffte die Fantasy Folk Band um Bettina Kiegler ein achtsames Debütalbum, welches es für mich auch geschafft hat, dem Anspruch Melodien zu Bildern und Gefühlen zu vermengen gerecht wird. Dennoch bleiben die 7 Stücke in meiner Erwartungshaltung an die junge Band zurück, was weniger an den Texten liegt als an der klanglichen Ausformung der Texte. Schwächen finden sich leider, aber ich finde diese sind ja behebbar für kommende Alben, so dass einem Erfolg auf breiter Linie nichts im Wege steht.
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.timezone-records.com

SLAVEYARD - Return from the Dead


Erstveröffentlichung: LP 2015 / Hell Awaits / Radar

SLAVEYARD - „Return From the Dead“
(VÖ: 16.03.2015 Label: Hell Awaits Vertrieb: Radar)

Ja jetzt ist Schluss mit lustig, denn das was Slaveyard auf „Return From The Dead“ abliefern ist brachial und wuchtig! Nach ihrer Auferstehung im Jahr 2014 bringen Slaveyard nun frischen Wind in die Death Metal Szene. Die fünf Jungs aus Einbeck legen mit ihrer kleinen Platte und der energiegeladenen Live-Performance die kleine heile Welt des Zuhörers in Schutt und Asche.
Für harmonische Worte bleibt absolut keine Zeit nach dem überstandenen Höllenritt, stattdessen lassen die Jungs Growls und Härte sprechen. Mit wuchtigen Gitarrenriffs, brachialen Vocals und einer ordentlichen Portion Groove im Gepäck, blasen sie selbst das taubtste Gehör mit nur drei Stücken absolut besenrein! Für eventuelle Hörschäden wird nicht gehaftet!
Die fleischgewordene Apokalypse ist da und verpasst euch den musikalischen Knock-Out! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.slaveyard.de

BURY MY REGRETS - Embrace Overcome


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Thousand Times / Radar

Bury my Regrets – Embrace Overcome
(VÖ: 16.03.2015 Label Thousand Times Vertrieb Radar)


Erfreulich ist, dass es auch im übersättigten Metalcorebereich, immer mal wieder junge aufstrebende Bands gibt, bei denen es sich lohnt sein Ohr ein wenig länger zu leihen. Genau das passierte mir nämlich mit dem Debütalbum der Metalcore Band „Bury my Regrets“. Während ich sonst eher weniger den Groupshouts lauschen möchte, und mich wohl etwas satt gehört habe in dem Bereich, so macht mir „Embrace Overcome“ erstaunlich viel Spaß. Das dürfte damit zu tun haben, dass hinter all dem brachialen Sound stimmliche Qualitäten erkennbar sind und Emotion auch durch Melodien umgesetzt werden, anstatt nur mit Bässen.
Die Jungs haben bereits einen weiten Weg hinter sich gebracht seit ihrer Gründung im Jahr 2011. Nachdem ein paar einzelne Demo Songs aufgenommen wurden, wurde 2012 eine erste EP in den Empire Studios aufgenommen. Mit „No Place like Home“ machte man auf sich aufmerksam und erste positive Kritiken kamen umgehend. So spielte „Bury my Regrets“ sich kontinuierlich in die headbangenden Fans hinein mit über 100 Schows vorwiegend als Support-Act.
Zu Beginn des letzten Jahres zogen sich Bury my Regrets dann mit Kristian Kohlmannslehner zurück und nahm in den Kohlekeller Studios ihr Debüt-Album auf. Verständlich dass nun verstärkt promotet wird und neue Schows anstehen, gerade auch um sich als junge Band zu behaupten auf dem umkämpften Markt. Was ihr Plus dabei sein dürfte ist, dass sie trotz der Aggression der Musik an sich, inhaltlich positive Botschaften von Leidenschaft, Hoffnung und innerem Frieden verbreiten. Außerdem sind sie schlicht gute Live-Performer, was ihren Songs nur gut tun kann!
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.reverbnation.com/burymyregrets

THE SHANES - The Girl Who Lives on Heaven Hill


Erstveröffentlichung: LP 2015 / SumoRex / Broken Silence

The Shanes - „The Girl who Lives on Heaven Hill“
(VÖ: 27.03.2015 Label SumoRex Vertrieb Broken Silence)

Wenn man „Grant Hart“ von der legendären „Hüsker Dü“ mit einem Coversong die Ehre erweisen will, so kann dieser keine gewöhnliche Kopie des Originals sein. Im Falle von „The Shanes“ verstand sich dieser Ansatz ganz von selbst, denn um Genregrenzen und Erwartungshaltungen haben sie sich noch nie gekümmert. So wurde aus dem genial-lärmigen „The Girl on Heaven Hill“ eine Countryhymne. Das zugleich dazu gedrehte Video wiederum verwandelt den Text im Sinne eines trashigen Horror B-Movies.
Wie bereits bei früheren Coversongs wie „Sailormen“ von Turbonegro gelingt es den Shanes auch diesmal, den Song weiterzudenken in einer Art, die sich von der ursprünglichen Form löst. Der Geist des Originalwerkes bleibt erhalten, jedoch wird das Stück in einen völlig neuen Kontext überführt. Das Original zu „The Girl Who Lives on Heaven Hill“ ist eines dieser Stücke, die ihre Schönheit im Original hinter einer Wand aus Lärm verstecken – ein perfekter Popsong für Menschen, die in die Seele eines Stückes sehen können.
Bereits vor der Veröffentlichung erhielt „Girl“ den Segen des eigentlichen Autors. Grant Hart war seinerseits von dem Werk so begeistert, dass die Idee der Vinyl Single auf seine Initiative zurückgeht und in den USA auch über sein Label vertrieben wird.

(Maximilian Nitzschke)

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GANEF - „Straßenköter“
(VÖ: 27.03.2015 Label: Sturm und Klang Vertrieb: Alive)


Der in Odessa geborene und aufgewachsene jüdische Liedermacher Sergej Master hatte schon als Teenager seinen ganz eigenen Kopf, denn um Frauen zu beeindrucken spielte er Gitarre. Da er keine Lust hatte, die Lieder von anderen auswendig zu lernen, schrieb er sich diese einfach selbst.
1993 zog er dann nach Berlin und stand 2002 zusammen mit Pete Wyoming Bender oder Tom Cunningham auf der Bühne. 2007 entstand dann „Ganef“ was jüdisch „Dieb“ bedeutet. Noch im gleichen Jahr belegt er Platz 1 beim Liedermacher Rhein-Main Wettbewerb. 2008 dann erfolgte die erste Veröffentlichung „Ganefs11“ mit seiner damaligen Band „Ganefsbande“. Von da an kamen aber immer mehr Anfragen für Soloauftritte.
Den Kern in Ganefs Repertoire ist der „kriminelle Chanson“, der Themen eines halbseidenen Unterweltmilieus aufgreift. Damit steht er in der Tradition russischer Chansonniers und musikalischer Vorbilder wie Vladimir Vysozki. Ganef, der Gauner mit moralischem Anspruch- er ist einer, der sich nicht scheut, sich selbst die Hände schmutzig zu machen, um seine Botschaft unverfälscht unter die Leute zu bringen. In erster Linie erzählt Ganef Geschichten, und das unbeugsam und unabhängig- eben wie sein Alter Ego, der Straßenköter. Ganz nebenbei stellt er dabei sein Talent unter Beweis: er ist Songschreiber, Sänger und begleitet sich selbst mit der Gitarre. Bemerkenswert sind die verschiedenen Stilrichtungen, denn diese variieren ganz nach Inhalt, und je nach Ganefs Gefühl, was die Geschichte gerade braucht. In den 13 Liedern findet sich romantischer Walzer, mal fröhlich jazziger Swing, mal melancholischer Moll oder auch militärische Marschmusik. Inhaltlich geht es um ernüchterte Liebe, Krieg,um einsame Wölfe, von Dieben und Politikern, von Berlin und Identität.
Nicht immer ist die Botschaft seiner Songs so offensichtlich. Manche muten an wie Poesie, die eher ein Gefühl auslöst als klare Bilder. Das ist der Reiz an Liedern wie „An der Wand“ - man muss zwischen den Zeilen zuhören. Klar das klingt rau und kratzig, aber zugleich emotional und wehmütig. Die Themen sind hochaktuell, vielleicht treffen deswegen seine Stücke auch so direkt ins Herz!
(Maximilian Nitzschke)

GANEF - Straßenköter


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Sturm und Klang / Alive

GANEF - „Straßenköter“
(VÖ: 27.03.2015 Label: Sturm und Klang Vertrieb: Alive)


Der in Odessa geborene und aufgewachsene jüdische Liedermacher Sergej Master hatte schon als Teenager seinen ganz eigenen Kopf, denn um Frauen zu beeindrucken spielte er Gitarre. Da er keine Lust hatte, die Lieder von anderen auswendig zu lernen, schrieb er sich diese einfach selbst.
1993 zog er dann nach Berlin und stand 2002 zusammen mit Pete Wyoming Bender oder Tom Cunningham auf der Bühne. 2007 entstand dann „Ganef“ was jüdisch „Dieb“ bedeutet. Noch im gleichen Jahr belegt er Platz 1 beim Liedermacher Rhein-Main Wettbewerb. 2008 dann erfolgte die erste Veröffentlichung „Ganefs11“ mit seiner damaligen Band „Ganefsbande“. Von da an kamen aber immer mehr Anfragen für Soloauftritte.
Den Kern in Ganefs Repertoire ist der „kriminelle Chanson“, der Themen eines halbseidenen Unterweltmilieus aufgreift. Damit steht er in der Tradition russischer Chansonniers und musikalischer Vorbilder wie Vladimir Vysozki. Ganef, der Gauner mit moralischem Anspruch- er ist einer, der sich nicht scheut, sich selbst die Hände schmutzig zu machen, um seine Botschaft unverfälscht unter die Leute zu bringen. In erster Linie erzählt Ganef Geschichten, und das unbeugsam und unabhängig- eben wie sein Alter Ego, der Straßenköter. Ganz nebenbei stellt er dabei sein Talent unter Beweis: er ist Songschreiber, Sänger und begleitet sich selbst mit der Gitarre. Bemerkenswert sind die verschiedenen Stilrichtungen, denn diese variieren ganz nach Inhalt, und je nach Ganefs Gefühl, was die Geschichte gerade braucht. In den 13 Liedern findet sich romantischer Walzer, mal fröhlich jazziger Swing, mal melancholischer Moll oder auch militärische Marschmusik. Inhaltlich geht es um ernüchterte Liebe, Krieg,um einsame Wölfe, von Dieben und Politikern, von Berlin und Identität.
Nicht immer ist die Botschaft seiner Songs so offensichtlich. Manche muten an wie Poesie, die eher ein Gefühl auslöst als klare Bilder. Das ist der Reiz an Liedern wie „An der Wand“ - man muss zwischen den Zeilen zuhören. Klar das klingt rau und kratzig, aber zugleich emotional und wehmütig. Die Themen sind hochaktuell, vielleicht treffen deswegen seine Stücke auch so direkt ins Herz! (Maximilian Nitzschke)

SARAH SOPHIE - Different


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Flowerstreet / Rough Trade

SARAH SOPHIE – DIFFERENT
(Label: Flowerstreet Vertrieb Rough Trade)


Was würde passieren, wenn man eine Singer-Songwriterin mit einem Beatboxer unter einen Hut bringt, damit sie zusammen ein Album entstehen lassen? Klingt für euch nicht so, als würde sich ein roter Faden herstellen lassen? Doch ich kann euch sagen, dass es im Falle von Sarah Sophie und dem vorliegenden Album „Different“ ein harmonisches Zusammenspiel der Gegensätze ergeben hat. Das Album ist durchflutet von Energie und Originalität, klingt trotz der experimentellen Besetzung nicht deplatziert. Schon nach wenigen Takten entfalten sich die Emotionen und Melodien der wunderschönen Songs. Es beginnt noch recht klassisch, nämlich mit Klavier und Stimme. Eingängig, intim, irgendwie auch zerbrechlich, aber zugleich voller Energie. Der Bass steigt ein und man spürt die Spannung. Diese Spannung reißt auch im Laufe des Albums nicht ab, den der Zuhörer wird weitergetragen von den Harmonien. In Refrains kommt die Beatbox zum Einsatz, im ersten Moment ein Fremdkörper, aber dann doch ein weiteres Puzzleteil im beeindruckenden Bild.
„What is Wrong“ heißt der erste Titel auf dem neuen Sarah Sophie Album. Er gehört eindeutig in die Kategorie Aha-Erlebnisse, die immer seltener werden. Bei dieser Kombination aus Pop, Hip-Hop, Folk und Singer/Songwriter sucht man vergeblich nach Vergleichen. „Face the Truth“ folgt gleich als zweites und bestätigt die ersten klanglichen Eindrücke, ohne sich zu wiederholen. Man merkt das Wert auf Abwechslung, tolle Arrangements und coole Sounds gelegt wurde. Der Leitfaden des Albums ist Intimität, die sich durch alle 13 Songs zieht. Egal ob es die Melodien von „Hide and Seek“, der Herzschmerz eines „If I Could“ oder die Entrüstung von „For My Lover“ ist, es dauert nicht lange und man ist selbst in der Emotion gefangen.
Das Album ist durchweg kurzweilig, was nicht zuletzt daran liegt, dass man auch nach mehrmaligem Durchhören immer wieder Details entdeckt!

(Maximilian Nitzschke)

CLASSIC OPEN AIR - Classic Open Air 2014


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2014

CLASSIC OPEN AIR 2014


Donnerstag, 3. Juli 2014, 19:30 Uhr: First Night Crossover Konzert mit Highlights aus Klassik, Film und Rock in Zusammenarbeit mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg

Auftakt zum Classic Open Air 2014 bildeten in diesem Jahr u.a. Till Brönner, die Band Prag, die Band Silly und das Theater Feuervogel. Durch das Programm, bestehend aus Oper, Filmmusiken und Popklängen, führte erneut charmant Madeleine Wehle in Zusammenarbeit mit dem rbb. Am 23.07.2014 um 20.15 Uhr übertrug der Sender das Programm.

Freitag, 4.Juli 2014 19:30 Uhr: Anna Maria Kaufmann präsentiert Classic Ladies Klassik, Show & Pop mit Charme und Frauen Power

Über 15 beeindruckende Künstlerinnen gestalteten gestern den zweiten Abend des Festivals in Form der "Classic Ladies Night" Koloratursopranistinnen, Operndiven, Musicalstars, und erfolgreiche Jazz-, Pop-, und Chansonsängerinnen gestalteten gemeinsam dieses Konzert. Neben Anna Maria Kaufmann, welche erst moderierte und vor dem Ende dann ein Medley aus Musicalhits präsentierte, sangen Katarzyna Dondalska, Adriane Queiroz, Yma America und Katharina Mehling. Auch der Showcharakter kam nicht zu kurz, die Formation Some Handsome Hands präsentierten Klavierstücke sechshändig gespielt und Azabache Flamenco zauberten spanisches Flamenco-Flair auf den Platz. Für musikalischen Spass zwischen den beiden Showblöcken sorgte die Marching Actionband Venusbrass. Begleitet wurden die Künstlerinnen von der Elbland Philharmonie Sachsen unter dem Dirigat von Christian Voß.

Samstag, 5.Juli 2014, 19:30 Uhr: Mozart-Haydn-Beethoven Ein Galakonzert der Wiener Klassik in Licht und Feuer

Gestern Abend am dritten Tag des Classic Open Air Festivals auf dem Gendarmenmarkt erklang das Galakonzert der Wiener Klassik von Mozart über Haydn bis Beethoven. Nach dem erfolgreichen Barockkonzert 2013 folgte in diesem Jahr ein weiterer klassisch angesetzter Musikgenuss. Mozart, Haydn und Beethoven prägten wie keine anderen die europäische Kunstmusik. Berühmte Instrumentalkompositionen erklangen neben Opernarien, sei es aus "Die Hochzeit des Figaro" oder "Il monda della luna" bzw. aus "Fidelio". Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die Klangkunst durch Licht und Feuer optisch in Szene gesetzt. Stargast des Abends war der Grossmeister des Klezmer Giora Feidman.

Sonntag, 6 Juli 2014, 19:30 Uhr: Bella Italia Eine musikalische Reise nach Italien

Nachtkritik "Bella Italia" am vierten Festivaltag 6.7.2014.
Wir sind soeben vom Gendarmenmarkt retour oder besser aus Venedig, Florenz und Rom auf einmal. Italien hat wunderbare Komponisten hervorgebracht und kaum einer kennt nicht mindestens ein Stück aus den Opern von Puccini, Verdi oder Rossini. Geballte Stimmkraft gepaart mit hervorragenden Chören und Orchester zauberten italienisches Flair in die Hauptstadt. Veranstalter Gerhard Kämpfe selbst führte durch den Abend und überzeugte das Publikum durch sein hohes Fachwissen gepaart mit seiner Lust uns grosse Kunst und Unterhaltung zu bieten. Das hat er exzellent getan!

Montag, 7.Juli 2014, 19:30 Uhr: Unheilig Der Graf auf dem Gendarmenmarkt

An diesem Abend waren wir alle auf dem Gendarmenmarkt so ganz und gar nicht gottesfürchtig, denn der Graf hatte zur Unheilig-en Best of Show geladen. In dieser wunderbaren Kulisse mag es anfangs befremdlich gewesen sein, dass sein Publikum saß. Er spielte mit seinem Publikum, animierte zum Mitsingen und sprang begeistert von der entgegengebrachten Liebe seiner Fans wild hin und her. Sein Querschnitt aus 15 Jahren ließ tiefe Emotionen zu, rief zu Toleranz und Respekt auf, gepaart mit der ausgewogenen Mischung Pathos. Songs wie Freiheit, Maschine oder Spiegelbild waren im Programm die ältesten Stücke während vorwiegend Lichter der Stadt und Grosse Freiheit Stücke den Abend prägten. Mitsingen konnten dabei Alle, egal ob Hardcorefans wie ich, die alle Songs der Karriere kennen, oder neue Hörer! Wir wollten einfach nicht leise sein und nur zu gern unter der Flagge des Grafen und seiner Band durch die menschlichen Untiefen, Stürme und Hochs navigiert werden! Mit dem neuen Song Goldrausch verabschiedete sich dieser nach 2:30h gerührt!

Dienstag, 8.Juli 19:30 Uhr Schiller meets Classic

Was war das heute für eine Zitterpartie, bis 17:30 uhr war unklar ob das Abschlusskonzert des Classic Open Air "Schiller meets Classic" überhaupt stattfinden kann. Heftige Unwetter fegten über den Himmel von Berlin tagsüber, bis es sich allmählich beruhigte. 18 uhr war klar, dass wir den Elektronik Klangkünstler Schiller live erleben dürfen zusammen mit dem Symphonic Pop Orchestra und Gästen. Dieser gibt sich bescheiden und zaubert in den 2:30h ein atmosphärisch dichtes Spektakel aus Pophymnen über den Platz. Immer wieder wird es feucht von oben, aber dass nimmt weder die Stimmung weg, noch flüchten die Gäste. Besondere Gäste stellten Eva Mali dar, Rebecca Ferguson, der wunderbare Midge Uri und natürlich Der Graf. Die Verschmelzung aus Elektro und Classic war extrem opulent und wirkte doch minimalistisch. Offenbar wurde in Hinblick auf ein Live Album bzw eine Live DVD das einzigartige Konzert aufgezeichnet. Ein fulminanter Abschluss! (Maximilian Nitzschke)

CLASSIC OPEN AIR - Classic Open Air 2014


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2014

CLASSIC OPEN AIR 2014


Donnerstag, 3. Juli 2014, 19:30 Uhr: First Night Crossover Konzert mit Highlights aus Klassik, Film und Rock in Zusammenarbeit mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg

Auftakt zum Classic Open Air 2014 bildeten in diesem Jahr u.a. Till Brönner, die Band Prag, die Band Silly und das Theater Feuervogel. Durch das Programm, bestehend aus Oper, Filmmusiken und Popklängen, führte erneut charmant Madeleine Wehle in Zusammenarbeit mit dem rbb. Am 23.07.2014 um 20.15 Uhr übertrug der Sender das Programm.

Freitag, 4.Juli 2014 19:30 Uhr: Anna Maria Kaufmann präsentiert Classic Ladies Klassik, Show & Pop mit Charme und Frauen Power

Über 15 beeindruckende Künstlerinnen gestalteten gestern den zweiten Abend des Festivals in Form der "Classic Ladies Night" Koloratursopranistinnen, Operndiven, Musicalstars, und erfolgreiche Jazz-, Pop-, und Chansonsängerinnen gestalteten gemeinsam dieses Konzert. Neben Anna Maria Kaufmann, welche erst moderierte und vor dem Ende dann ein Medley aus Musicalhits präsentierte, sangen Katarzyna Dondalska, Adriane Queiroz, Yma America und Katharina Mehling. Auch der Showcharakter kam nicht zu kurz, die Formation Some Handsome Hands präsentierten Klavierstücke sechshändig gespielt und Azabache Flamenco zauberten spanisches Flamenco-Flair auf den Platz. Für musikalischen Spass zwischen den beiden Showblöcken sorgte die Marching Actionband Venusbrass. Begleitet wurden die Künstlerinnen von der Elbland Philharmonie Sachsen unter dem Dirigat von Christian Voß.

Samstag, 5.Juli 2014, 19:30 Uhr: Mozart-Haydn-Beethoven Ein Galakonzert der Wiener Klassik in Licht und Feuer

Gestern Abend am dritten Tag des Classic Open Air Festivals auf dem Gendarmenmarkt erklang das Galakonzert der Wiener Klassik von Mozart über Haydn bis Beethoven. Nach dem erfolgreichen Barockkonzert 2013 folgte in diesem Jahr ein weiterer klassisch angesetzter Musikgenuss. Mozart, Haydn und Beethoven prägten wie keine anderen die europäische Kunstmusik. Berühmte Instrumentalkompositionen erklangen neben Opernarien, sei es aus "Die Hochzeit des Figaro" oder "Il monda della luna" bzw. aus "Fidelio". Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die Klangkunst durch Licht und Feuer optisch in Szene gesetzt. Stargast des Abends war der Grossmeister des Klezmer Giora Feidman.

Sonntag, 6 Juli 2014, 19:30 Uhr: Bella Italia Eine musikalische Reise nach Italien

Nachtkritik "Bella Italia" am vierten Festivaltag 6.7.2014.
Wir sind soeben vom Gendarmenmarkt retour oder besser aus Venedig, Florenz und Rom auf einmal. Italien hat wunderbare Komponisten hervorgebracht und kaum einer kennt nicht mindestens ein Stück aus den Opern von Puccini, Verdi oder Rossini. Geballte Stimmkraft gepaart mit hervorragenden Chören und Orchester zauberten italienisches Flair in die Hauptstadt. Veranstalter Gerhard Kämpfe selbst führte durch den Abend und überzeugte das Publikum durch sein hohes Fachwissen gepaart mit seiner Lust uns grosse Kunst und Unterhaltung zu bieten. Das hat er exzellent getan!

Montag, 7.Juli 2014, 19:30 Uhr: Unheilig Der Graf auf dem Gendarmenmarkt

An diesem Abend waren wir alle auf dem Gendarmenmarkt so ganz und gar nicht gottesfürchtig, denn der Graf hatte zur Unheilig-en Best of Show geladen. In dieser wunderbaren Kulisse mag es anfangs befremdlich gewesen sein, dass sein Publikum saß. Er spielte mit seinem Publikum, animierte zum Mitsingen und sprang begeistert von der entgegengebrachten Liebe seiner Fans wild hin und her. Sein Querschnitt aus 15 Jahren ließ tiefe Emotionen zu, rief zu Toleranz und Respekt auf, gepaart mit der ausgewogenen Mischung Pathos. Songs wie Freiheit, Maschine oder Spiegelbild waren im Programm die ältesten Stücke während vorwiegend Lichter der Stadt und Grosse Freiheit Stücke den Abend prägten. Mitsingen konnten dabei Alle, egal ob Hardcorefans wie ich, die alle Songs der Karriere kennen, oder neue Hörer! Wir wollten einfach nicht leise sein und nur zu gern unter der Flagge des Grafen und seiner Band durch die menschlichen Untiefen, Stürme und Hochs navigiert werden! Mit dem neuen Song Goldrausch verabschiedete sich dieser nach 2:30h gerührt!

Dienstag, 8.Juli 19:30 Uhr Schiller meets Classic

Was war das heute für eine Zitterpartie, bis 17:30 uhr war unklar ob das Abschlusskonzert des Classic Open Air "Schiller meets Classic" überhaupt stattfinden kann. Heftige Unwetter fegten über den Himmel von Berlin tagsüber, bis es sich allmählich beruhigte. 18 uhr war klar, dass wir den Elektronik Klangkünstler Schiller live erleben dürfen zusammen mit dem Symphonic Pop Orchestra und Gästen. Dieser gibt sich bescheiden und zaubert in den 2:30h ein atmosphärisch dichtes Spektakel aus Pophymnen über den Platz. Immer wieder wird es feucht von oben, aber dass nimmt weder die Stimmung weg, noch flüchten die Gäste. Besondere Gäste stellten Eva Mali dar, Rebecca Ferguson, der wunderbare Midge Uri und natürlich Der Graf. Die Verschmelzung aus Elektro und Classic war extrem opulent und wirkte doch minimalistisch. Offenbar wurde in Hinblick auf ein Live Album bzw eine Live DVD das einzigartige Konzert aufgezeichnet. Ein fulminanter Abschluss! (Maximilian Nitzschke)

GIFTONES - Est.2014


Erstveröffentlichung: CD 2015 / FinestNoiseReleases / Radar

GIFTONES - „Est.2014“
(VÖ: 30.03.2015 Label: FinestNoiseReleases Vertrieb: Radar)

Authentische Rock-Musik zu machen, steht für die vier Berliner der Band Giftones an vorderster Stelle. Der Hörer spürt die unbedingte Liebe zur Musik, die Drummer Mirko, Bassist Frank, Sänger Philipp und Gitarrist Tobias im Jahr 2010 zusammenbrachte. Lustigerweise brachte eine Zeitungsannonce die vier Freunde fürs Leben zusammen. Ihrer Liebe zur Musik frönend verfolgten sie unter ihrem jetzigen Bandnamen das Ziel, andere Menschen durch ihre handgemachte Musik zu begeistern. Nun erscheint ihr erster Longplayer „Est.2014“ mit 13 live eingespielten Songs.
Thematisch bewegen sich viele ihrer Songs zwischen Liebesleid und Liebesfreud. Titel wie „I love her so“ oder „Keep back and go“ sprechen dabei für sich. Diese Emotionalität findet sich auch im musikalischen Arrangement ihrer Lieder wieder. Melodie und Text verbinden sich zu einem Ganzen und berichten aufrichtig vom Leben und der Leidenschaft.
Seit 2011 tourten die vier mit ihrer EP „Diamond“ durch die Hallen des Landes. Dabei bespielten sie u.a. so legendäre Clubs wie den Sage Club, den Pfefferberg oder das Zosch. Selbst solch erfolgreiche Künstler wie Pete Lynch u.a. konnten sich für die Jungs begeistern und luden sie als Support ein. Nun mit mehr Songmaterial im Gepäck geht es daran, noch mehr Fans zu erreichen.
(Maximilian Nitzschke)

THE BIRDWATCHERS - Pretentia


Erstveröffentlichung: CD-EP 2015 / Flowerstreet / Rough Trade

The Birdwatchers - „Pretentia“
(Vö: 30.03.2015 Label: Flowerstreet Vertrieb: Rough Trade)

Die aus Limerick stammende Iren Adam und Ian kennen sich bereits seit stolzen 17 Jahren, und bereits seit 6 Jahren machen sie nun schon gemeinsam Musik. Um ihren Traum als Musiker zu verwirklichen, gingen die beiden nach Deutschland. Angst vor der Zukunft hatten beide nicht, zumal ja auch Songs geschrieben werden mussten!
Glücklicherweise trafen sie hierbei auf Max und Chris, die es schafften jene irische, unbändige Kreativität in Band-Form zu bringen und so das Bild von „The Birdwatchers“ zu vervollständigen.
Durch die verschiedensten Einflüsse geprägt, zaubern sie einen Mix aus Gitarren-geleitetem Rock und Roll, der seine Ursprünge im Folk vermuten lässt. Das schöne dabei ist, dass sie die Einflüsse zu einem ganz eigenen und äußerst originellen Sound vermengen und damit Eigenständigkeit beweisen. Wenn man die Band einmal live erleben durfte oder sich durch die EP „Pretentia“ durchhört, merkt schnell, dass hier etwas Großes im Anmarsch ist. Der Sound ist wild, rau und doch immer poppig, so dass er sich direkt in den Gehörgang des Zuhörers begibt und dort einnistet. Angenehm erfrischender Sound! (Maximilian Nitzschke)

´DIE KLOPFERBANDE - Solid State / Solider Staat


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Eigenveröffentlichung

DIE KLOPFERBANDE wurde irgendwann um 1980 herum von Peter Ortmann gegründet und hat dann mit der LP „…Und Doch So Bezaubernd“ eines der deutschen Proto-Gothic-Alben vorgelegt, irgendwo zwischen Punk, New Wave und dem, was man heute Minimal-Electro nennt. Vergleichbar vielleicht mit den frühen Geisterfahrern. Durch die 80er Jahre hindurch wurden zahlreiche Platten und Tapes veröffentlicht, die unterschiedliche Einflüsse in sich vereinten und konsequent unabhängig auf den Markt gebracht wurden, was wohl größeren Erfolg verhindert hat. Erst in den 90ern wurde DIE KLOPFERBANDE einem breiteren Publikum durch einige Tracks auf den „Godfathers Of German Gothic“-Samplern bekannt. Aus dem Jahr 2003 stammt das wohl einzige Interview mit Peter Ortmann im Internet, das man auf unserer Seite nachlesen kann.

Nun, nochmals 12 Jahre später, gibt es völlig unvermittelt ein komplett neues Album der KLOPFERBANDE auf CD und ich gebe zu, ich war etwas skeptisch, was nach so langer Pause dabei herauskommen würde, wurde aber – um es vorweg zu nehmen – absolut positiv überrascht. „Solid State/Solider Staat“ ist ein Album mit altem Punk-Geist, das sehr eingängige und dunklere Momente miteinander verbindet und gute, teilweise zynische und kritische Texte bietet, die jugendliche Punks in ihrer ersten Band aufgrund fehlender Lebenserfahrung gar nicht schreiben könnten.

Der Opener „Popkak“ ist ultraeingängiger Punk-Rock, ohne in peinliche Mainstream-Pop-Punk-Gefilde abzudriften. Einfach, geradeaus und genau deswegen ein Ohrwurm, der bei Konzerten sicher für viel Bewegung vor der Bühne sorgen dürfte. „Schwaben-Papis“ geht direkt danach in eine ähnliche Richtung und kann irgendwo zwischen Ärzte und Tote Hosen einsortiert werden. Mit „Edda“ wird es dann etwas waviger und dunkler, aber immer noch punkig. Geht so ein bisschen in Richtung Fliehende Stürme, ohne deren Depressivität. Es folgt „Hamburger Hafen“, das tatsächlich ein bisschen nach typisch-hamburger Punk klingt, so in Richtung Razzia und Konsorten und auch alte Waver dürften hier ihre Freude haben. Nach diesem wirklich starken Start des Albums, kommt mit „Argentina“ ein Song, der sehr nach 90er Jahre Deutsch-Punk klingt. Sicher nicht schlecht, aber auch relativ schnell wieder aus den Ohren raus.

Fast schon in NDW-Zeiten zurück führt „Taxi Driver“, sowohl musikalisch als auch textlich ein kleiner Stilbruch zu den ersten 5 Songs. Und das ist dann auch der Startschuss zu gänzlich anderen Klängen in „Mono-Maschine“. Hier gibt es Klänge zwischen Minimal-Electro und Dark Wave zu hören, absolut clubtauglich und vom Geiste her immer noch Punk, nur mit anderen Mitteln.

Ortmann scheint ein gewisses Faible für die Seefahrt zu haben, gibt es doch nach „Hamburger Hafen“ mit „Klang Der Ferne“ ein zweites Stück, das sich thematisch damit beschäftigt. Klingt irgendwie etwas nach einer wavig-punkigen Version von Santiano oder auch ein bisschen nach Joachim Witt. Textlich kritisch mit der Punk-Szene geht es in „Epigonen“ zu, musikalisch wiederum wie bei „Argentina“ eher 90er Jahre beeinflusst. Nach so vielen stilistisch unterschiedlichen Songs lassen sich Wiederholungen kaum vermeiden und so klingt „Solid State/Solider Staat“ nach Wave-Punk. „Taganana Anaga“ ist eingängiger Rock, bei dem vor allem die zweite Stimme in spanischer (?) Sprache hervorsticht. Ich muss zugeben, nicht gerade einer meiner Lieblingssongs auf dem Album.

Noch einmal ein paar elektronische Elemente gibt es in „Sack-Arsch-Willi“ mit ziemlich zynischem Text. Mal ganz ehrlich: gibt es eine andere Band auf der Welt außer der KLOPFERBANDE, die in einem Text die Zeile „Verwaltungsfachangestellter bei den Stadtwerken in Sulzbach“ unterbringt. Das grenzt schon an Genialität!

Etwas dünn abgemischt erscheint „No Name“, bevor das Album mit „Genies“ nach rund 47 Minuten schon wieder endet. Hier gibt es tatsächlich ein paar Blues-Einflüsse verbunden mit einer leicht doomigen Atmosphäre.

Ich finde es gut, dass hier kein überlanges Album mit viel Füllmaterial vollgeknallt wurde, sondern alle Lieder etwas haben, das sie hörenswert macht. Die zahlreichen Vergleiche zeigen deutlich die vielseitigen Einflüsse eines Musikers, der seit rund 35 Jahren dabei ist. Mir persönlich gefällt die erste Hälfte des Albums besser, ohne aber sagen zu müssen, dass die anderen Songs nicht gut wären. Gerne hätten hier und da ein paar mehr zusätzliche elektronische Klänge eingebaut werden dürfen, wie in „Mono-Maschine“. So muss man sagen, dass Leute, die ein zweites „…Und Doch So Bezaubernd“ erwarten, enttäuscht sein könnten. In jedem Fall aber muss man sagen, dass DIE KLOPFERBANDE beweist, dass sie auch nach so langer musikalischer Pause etwas zu sagen hat. (A.P.) (A.P.)

Webadresse der Band: www.klopferbande.de

CHENOA - Right Direction


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Alias Music / Membran

CHENOA – Right Direction
(VÖ: 03.04.2015 Label: Alias Music Vertrieb: Membran)

Für alle Liebhaber von Popmusik ist das achte Album der spanisch-argentinischen Sängerin Chenoa eine Offenbarung. Ohne übertreiben zu wollen, kann ich getrost versichern, dass sich auf „Right Direction“ ein Hit an den anderen reiht. Inhaltlich geht es um den Herzschlag des Lebens. Klar das dabei Themenschwerpunkte wie Liebe, Zufriedenheit, Hoffnung und Freude eine entscheidende Rolle spielen. Aber auf der anderen Seite stehen auch die unliebsamen Realitäten wie Verzweiflung, Ängste und Traurigkeit.
Für die elf Stücke des Albums ging Chenoa extra nach London, um dort Inspirationen für ihre Lieder und sich selbst zu finden. Zu ihrem üblichen Team aus befreundeten Weggefährten (Juan de Dios Martin, Quique Tejada und Isaac Luque) stießen Songwriter und Produzenten (Knightstarr, Maria Marcus und Niclas Ludin) hinzu, mit denen sie schon immer zusammenarbeiten wollte.
Aufgenommen wurden die Titel unter anderem in den Phrased Differently Studios, wo bereits Künstler wie Miley Cyrus oder auch Sarah Connor und Ivy Quainoo ein und aus gingen.
Das Ergebnis gibt die neu gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen wieder und ist zudem das erste Album, welches in englischer Sprache eingesungen wurde. Die Entscheidung war mehr als klug, denn mit den Hits wird sie mit Sicherheit für richtig Pop-Furore sorgen!
(Maximilian Nitzschke)

HOT BORDER SPECIAL - s/t


Erstveröffentlichung: LP 2014 / Legere Recordings


Wir unterbrechen das Programm für eine wichtige Meldung: Hot Border Special haben die Redaktionsräume erreicht. Zusammengesetzt aus Musikern vom im UK durchaus angesagten Funk­ / Soul­ / FunkyBreaks­Formationen wie The Noisettes, Quantic,JetTricks und Heliocentrics widmet sich das neue Projekt Hot Border Special auf seinem im August 2014 über das Hamburger Label Legere Recordings veröffentlichte Vinyldebut voll und ganz dem instrumentalen Funk, schwer garniert mit psychedelisch wirkenden Analogsynthesizern („Mulartoo Deetoo“), Vintage­Feel und allerlei perkussiven Einflüssen, verortet irgendwo zwischen Afrika und Südamerika. Dazu gibt es allerlei weit
zurückgelehnte Gitarrenläufe („Patience Goes To Beimeni“), SpaceRock­Psychedelia
(„Tibetan Space Rock“), trippend­verträumte Dopebeats mit Future Jazz­Attitüde („Wei Wu Wei“) und weitere musikalische Leckereien, dank denen die völlige Abwesenheit von Vocals weder auf­ noch in irgendeiner Form ins Gewicht fällt. Wer sich also durchaus gern auf der Tanzfläche des Hamburger Mojo Club oder ähnlich ausgerichteter Lokalitäten tummelt, ist mit diesem auf 500 Stück limitierten Album gut durchaus beraten.

[baze.djunkiii / www.nitestylez.de]

SEASURFER - Dive In

Wiederveröffentlichung: LP 2014 / Saint Marie Records / SMR051
Erstveröffentlichung: CD 2014 / Saint Marie Records / SMR051

Schon seit Jahren wird ein Shoegaze-/Dream Pop-Revival von einigen Medien herbeigeschrieben und tatsächlich gab es einige neue und sehr schöne Veröffentlichungen, ohne, dass aber irgendeine Band an den großen Erfolg von Bands wie Slowdive oder My Bloody Valentine – um mal die Größten zu nennen – aus den 90er Jahren anknüpfen konnte. Der laut-melancholische Gitarrensound blieb eine Nische für Liebhaber.

Vielleicht kann nun ausgerechnet eine deutsche Band auf einem amerikanischen Label den Ganzen wieder zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen. SEASURFER aus Hamburg liefern mit ihrem Debütalbum „Dive In“ jedenfalls ein Werk ab, das eine Menge Aufsehen erregt und wenn die Band – nach einigen Besetzungswechseln im Jahr 2014 – nun verstärkt live spielt, dürfte der Name schnell an Bekanntheit gewinnen. Dabei stecken hinter der Band bekannte Namen. Gründer ist Dirk Knight, der seit den 80er Jahren in verschiedenen Bands gespielt hat und vor allem Anfang der 90er und in den letzten Jahren mit seiner Band Dark Orange mehr als nur Achtungserfolge erzielen konnte. In der aktuellen Besetzung sind zudem Musiker von bekannten Gruppen wie Girls Under Glass, The Convent und Chandeen dabei, im Grunde also eine echte All Star-Band mit genug musikalischer Erfahrung und instrumentalem Können, um sich vor keiner anderen Band verstecken zu müssen – auch international nicht.

„Dive In“ wurde noch in der ursprünglichen Bandbesetzung eingespielt und macht dem Albumtitel alle Ehre. Man kann einfach wunderbar in die Klanglandschaften eintauchen, am besten über Kopfhörer in hoher Lautstärke, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Denn trotz des gitarrigen Wall Of Sound, der Slowdive – an dem Namen kommt man einfach nicht vorbei – beinahe schon vergessen lässt. SEASURFER ist aber weitaus mehr, als eine Kopie, sondern bringt eigene, rockige Elemente (vor allem am Beginn des Albums) mit hinein, ebenso eine gewisse Cure-ige Atmosphäre. Man könnte das Album als Mischung aus The Jesus And Mary Chain, Slowdive und Placebo beschreiben, trifft damit aber auch nur annähernd den Kern. Als Anhaltspunkt kann man diese Beschreibung aber nehmen und wenn man auch nur 2 dieser Bands mag, kann man bedenkenlos zugreifen und sich verzaubern lassen. Die Band selber nennt ihren Stil Dream Punk.

Saint Marie Records hat das Album in einer wunderschönen, limitierten (250 Exemplare) Vinyl-Edition veröffentlicht, mit edlem Cover, ebensolchem Innencover und in farbigem Vinyl. Dazu gibt es einen Downloadcode für eine digitale Kopie des Albums. Natürlich ist das Album auch auf CD erschienen. Interessanterweise gibt es eine alternative Version von „Dive In“, die von keinem geringeren als Robin Guthrie (Cocteau Twins) gemastert wurde und nur als Download erhältlich ist. Grundsätzlich würde sich der komplexe Sound auch für einen 5.1 Mix eignen, mit dem man dann ein Rundum-Klangerlebnis hätte.

Ich gebe zu, ich bin vielleicht etwas voreingenommen bei der Bewertung von SEASURFER, da ich einige der (aktuellen) Musiker teilweise seit Jahrzehnten mehr oder weniger gut kenne, aber das ändert ja nichts daran, dass ich „Dive In“ einfach nur wunderschön finde. (A.P.)

Webadresse der Band: www.seasurfermusic.com

TOBIAS BERNSTRUP - Romanticism


Erstveröffentlichung: LP 2015 / Gooiland Elektro / Enfant Terrible / Gooiland 19 / ET 039

Nachdem in den vergangenen zwei Jahren bei Enfant Terrible zu einem großen Teil ausgesprochen spannende 12“s auf dem Gooiland Elektro-Sublabel erschienen und das neue Experimental-Label Vrystaete gegründet wurde, gibt es nach der schönen Solitairen Effekten-LP nun wieder mal puren Minimal-Synth Wave zu hören. Das passt gut mit dem schwedischen Synth-Popper TOBIAS BERNSTRUP zusammen, denn bis auf eine 12“ eben bei Gooiland Elektro hat man lange nichts Neues von ihm zu hören bekommen. Nun aber gleich schönes Doppel-Vinyl mit dem Titel „Romanticism“.

Wer TOBIAS BERNSTRUP von früheren Veröffentlichungen kennt weiß, dass er sich bisher sehr deutlich am Synth-Pop der 80er Jahre orientiert hat. Immer mit schönen Melodien und angenehmen Gesang – sehr authentisch und dabei „typisch schwedisch“, gerne auch mal mit einem ordentlichen Schuss Mark Lane und hier und da etwas Psyche. Im wesentlichen ist es auch dabei geblieben, allerdings habe ich den Eindruck, vor allem bei den Rhythmen klingen mehr 90er Jahre-Einflüsse durch und es geht vom reinen Synth-Pop weg mehr in Richtung Future-Pop. Ob man das als Weiterentwicklung oder Rückschritt empfindet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Geblieben ist aber die hohe Melodiosität und viele Songs bleiben nach mehrmaligem Hören länger im Ohr. Eigentlich fehlt BERNSTRUP nur ein richtiger Hit, der überraschend die Charts stürmt, aber vermutlich will der Schwede das gar nicht.

Ein absoluter Knaller im alten Stil, also 80er Jahre pur, ist der Titelsong „Romanticism“, der im noch relativ jungen Jahr 2015 zu meinen bisherigen Favoriten gehört. Gefolgt von der wunderschönen Synth-Ballade „Dorian Gray“, die wirklich zu Herzen geht. Alleine für diese beiden Tracks lohnt die Anschaffung der Veröffentlichung.

Die zweite Scheibe, eine 3-Track 12“ ist dann ganz eindeutig für die Tanzflächen in den Clubs produziert worden. „Revolution“ bewegt sich sehr in Richtung Italo-Disco, allerdings mit einer klaren politischen Botschaft, während die meisten anderen Texte eher persönlicher und atmosphärischer Natur sind. Sehr gelungen ist auch „Laterna Magica“, ebenfalls Italo-Disco, hier teilweise sogar mit italienischem Text und Gast-Vocals von Siri von Zeipel. Die B-Seite liefert schließlich einen Remix des Stückes „Moments Lost“ ab, der von Apoptygma Berzerk produziert wurde und natürlich ebenfalls auf die Tanzflächen abzielt.

Alles in allem ist „Romanticism“ eine runde Sache, die Fans von TOBIAS BERNSTRUP garantiert zufrieden stellen dürfte. Allerdings glaube ich nicht, dass es davon nur 300 Stück gibt, denn auf diese Zahl ist die Veröffentlichung limitiert. Ich könnte mir aber vorstellen, dass später auf irgendeinem anderen Label noch eine CD-Version erscheint, denn es wäre wirklich schade, wenn nur so wenige Leute in den Genuss der Musik kämen.

Ein schickes Cover-Artwork und ein Text-Beiblatt runden „Romanticism“ ab. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

THE LAST THINGS - Shake em Blues


Erstveröffentlichung: CD 2015 / InBloom Records / GoodToGo

The Last Things – Shake em Blues
(VÖ: 10.04.2015 Label: InBloomRecords Vertrieb: GoodToGo)


Das neueste Werk aus Hamburg „Shake em Blues“ von „The Last Things“ ist ein Hinhörer!
Alles was auf diesem Album an Rock- und Blues zu hören ist, klingt ganz fatal schon so, als gäbe es kein Morgen mehr. Aber, warum auch, denn das musikalische Jetzt rockt in 11 erfrischenden Songs schon ordentlich! In den 37 Minuten und 49 Sekunden ist man begeistert frechen und mitreißenden Rock-Blues Sound des Hamburger Quintetts. Die Band plündert mal keine platten Rock-Geschichten, sondern reiht sich stilistisch in Richtung „The Seeds“ ein mit ganz eigenem Sound der schlichtweg zu begeistern weiß. .
Wenn etwa Sänger Frehn Hawel die ersten Zeilen von „Calculators“ singt, dann hat man das mulmige Gefühl, Soft Cells „Tainted Love“ hätte eigentlich ganz anders, nämlich so wie hier, klingen müssen. Eigentlich klingen fast alle Songs von The Last Things so, als seien hier die Versionen vergrabener Schätze so zu hören, wie sie eigentlich gedacht waren: Als Panik erzeugende Meldungen aus einem Hochwassergebiet, in dem nicht mehr viel zu retten ist. Das Einzige, was noch bleibt: Tanzen und hemmungsloser Sex zum unabwendbaren Untergang!

Autor: Maximilian Nitzschke-Stockmann (mns)

SHADOW REBORN - Intricacies


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Danse Macabre

Shadows Reborn – Intricacies
(VÖ: 03.04.2015 Danse Macabre)

Nachdem 2012 das erste Mal mit „Lust Prey“ ein musikalisches Zeichen gesetzt wurde von den Deathrock-Vampiren „Shadow Reborn“, arbeiteten die Jungs an ihrer eigenen Vision von barockem Deathrock. Dieser bewegt sich nun stilistisch irgendwo zwischen The 69 Eyes, HIM und sogar Dir en Grey. Wenn ich diese Namen so aufreihe, ist es ein echter Erfolg, wenn man in einem Atemzug genannt werden kann!
Die schwülen Nächte der unheilvollen Landschaft Südfloridas konnten bereits im berühmten „Interview mit einem Vampir“ Roman von Anne Rice als Kulisse für das finstere Treiben der lebenden Toten herhalten. Shadow Reborn und allen voran, ihr Obervampir und Zeremonienmeister Shades halten diese Tradition stilecht aufrecht. In den sechs Stücken des Albums zelebrieren sie ein düsteres Death-Rock Fest der Vergänglichkeit zwischen Liebe, Lust, Hoffnung und dem Untergang. Das Konzept geht auf, ich als Hörer bin gefangen und überzeugt!

Autor: Maximilian Nitzschke-Stockmann (mns)

LICHTGESTALT - Motorenherz


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Alive! / Danse Macabre Records

Lichtgestalt – Motorenherz
(VÖ: 03.04.2015 Alive! Danse Macabre Records)

Zur Wintersonnenwende 2013 formte der Heizzer aus dem Nichts – nur mit reiner Energie- die Gothicmetalband „Lichtgestalt“, welche durch den phantastischen Herrn Hertz am Gesang, Rhytmus-Generator Brukke und Tiefton-Maschinisten Lippmann komplettiert wurde.
Wer beim Bandnamen an das gleichnamige Album von „Lacrimosa“ denkt, ist jedoch musikalisch falsch gewickelt, denn die Band versteht sich als Gothicmetal Formation. Dabei besteht der Guss der Legierung aus reinem Steam, der Macht der Töne, und vokalem Grove!
Die Texte gehen ins Ohr und bleiben haften, was nicht zuletzt auch an der powervollen Umsetzung liegt. Bereits der Opener „Entfessele den Sturm“ war 2014 als EP veröffentlicht worden und hielt sich ganze 10 Wochen in den deutschen Clubcharts. Auch „Tiefenrausch“ hält das Niveau aufrecht, rockt, ist brachial und besitzt Hit-Qualität. Verderbtheiten werden zu Tage gefördert in den 12 Stücken des Albums, aber auf eine Art und Weise, die unterhaltsam ist und mit Humor versehen ist. Das dieser zum Teil auch in Zynismus umschlägt, denk ich dürfte klar sein. Salz wird großzügig in Wunden gestreut, so etwa in „Zölibat“, in dem es um das Verbot fleischlicher Lust im Zuge der Gottesfürchtigkeit geht. Dieses Thema wird auch in „Gott aus Gold“ noch einmal beleuchtet, genauso rockig und kraftvoll. Für ein Debütalbum ist „Motorenherz“ mit dem nötigen Biss und der musikalischen Qualität versehen, damit „Lichtgestalt“ schon sehr bald mit zu den großen der Szene gehören dürfen!

Autor: Maximilian Nitzschke-Stockmann (mns)

Webadresse der Band: www.lichtgestalt.biz

SONS OF RAGNAR - Lindisfarne


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Alive! / Danse Macabre Records

Sons of Ragnar – Lindisfarne
(VÖ: 03.04.2015 Danse Macabre Records)


Der aufmerksame Pro7 Zuschauer unter uns hat es vielleicht bemerkt, Ragnar nämlich ist der Held der „Vikings“ Saga. Im englischen Kloster Lindisfarne begann die große Wikingerinvasion Englands und mit eben jenem Titel eröffnet auch die amerikanische Vikings-Metal-Band „Sons of Ragnar“ ihr erstes Kapitel. Innerhalb kürzester Zeit avancierte das Quintett in den Staaten zu den erfolgreichsten Vertretern ihres Genres und schlugen eine Bresche für Mystic-Metal in den Vereinigten Staaten. Wenngleich die Vocals durch brachiales Growlen geprägt sind, und das textliche Verständnis des Hörers kaum möglich ist ohne Booklet, so gelingt den Amerikanern doch ein Spagat zwischen kraftvollem Metal, mystischer Atmosphäre und gelungenem Songwriting.
Nimmt man den Opener „Savior“ so geht es darin um die Flucht vor den Sachsen-Kriegern, welche man bislang erfolgreich bekämpft hat. Im Pfeilehagel opfert sich ein Krieger zum Wohle seiner Kameraden. Leider ohne Booklet kaum zu verstehen, dabei inhaltlich sehr tiefgründig in der Geschichte der Wikingereroberungen verankert. Auch „The Vultures are Watching“ beschäftigt sich mit der Durchhaltekraft der Krieger und ihrem beständigen Glauben an die Kraft der Götter. In den Growls klingt es eher so, als ob Odin zornig wäre, was bei genauerer Betrachtung nicht dem Text entspricht. Ja zweifelsfrei lässt sich Lindisfarne inhaltlich sehr tief ein in und auf die Mythenwelt der Nordmänner, das spürt man auch in Songs wie „Ascend to Valhalla“ oder „Targoviste“, jedoch geht viel Tiefgang wirklich verloren. Die Growls nerven spätestens nach „Mead!“, dem vierten Song des Albums. Das ist einfach zu früh und nimmt dem Album die künstlerische Songwritingqualität weg. Wer ohnehin meint, dass zu einer amerikanischen Band kein Vikings-Metal passen würde, dem sei entgegnet: lange bevor die Spanier oder Portugiesen Amerika entdeckten, hatten sich die Wikinger bereits einen Weg über Island und Grönland an die Ostküste der Vereinigten Staaten gebahnt! Das Argument zieht also keineswegs, zumal der Erfolg der „Sons of Ragnar“ in den US auch eindeutig ist. Für mich persönlich gehen die wirklich starken Texte zu sehr unter, wenngleich die musikalische Qualität gepaart mit hohem Anspruch nur zu loben ist!


Autor: Maximilian Nitzschke-Stockmann (mns)

NORMAHL - Friede den Hütten Krieg den Palästen!


Erstveröffentlichung: CD 2015 / D7 7us media group GmbH

NoRMAhl – Friede den Hütten Krieg den Palästen (VÖ: 10.04.2015 7usmedia group GmbH) Nach zehn Jahren schlagen die Punk-Giganten NoRMAhl zurück und erklären „Friede den Hütten- Krieg den Palästen“. Im letzten Jahr hat unfassbare Polizeiwillkür und geradezu lachhafte Indizierungen von mehr als 30-Jährigen Songs die Jungs ordentlich auf Trab gehalten. Logisch das eine solche Aktion zusammenschweißt und nicht zuletzt zu ihrem wohl stärksten musikalischen Manifest geführt hat. „Es ist mehr als nur eine Platte“, sagt Sänger Lars Besa. Zwölf Songs, davon sechs eigene und sechs Bearbeitungen, bilden ein sehr raues gesellschaftliches Statement der Jetztzeit. Nein ein Album zum Nebenbei hören ist es nicht, will es aber eben auch nicht sein. Die Songs fordern, mahnen und sind provokant, egal ob bei den Eigentracks wie „Freiheit“, „Spaß“ oder Sommer oder den Neubearbeitungen von eigentlich leisen Liedern wie „Narrenschiff“ (Reinhard Mey) oder „Kapitalistenlied“ (Georg Kreisler). Ziemlich genau vor 35 Jahren hatten die Jungs ihr erstes Demo aufs Band eines Kasettenrekorders eingeprügelt, und als Teenager ihrem Frust Luft gemacht. Heute krönen die Urgesteine des Deutschpunks ihre Platten-Karriere mit einem satten Linkschuss ins Herz aller konservativen Pegida-Verharmloser oder dumpfer Rechtspopulisten. Beweisen müssen sie sich bei einem neuen Album schon lange nichts mehr, denn sie haben bereits ihre Mitte gefunden. NoRMAhl waren immer die ersten, richtig abgesahnt und kommerzialisiert haben stets andere. 1978 galten sie als die Wegbereiter des Deutschpunks, 1992 waren sie ernste Mahner gegen Ausländerfeindlichkeit mit „Kein Hass im Wilden Süden“. In all den Jahren waren sie die Warner- und somit ist der Albumtitel das richtige Motto!

MONO INC. - Terlingua


Erstveröffentlichung: CD 2015 / NoCut / SPV

MONO INC. haben bereits 2003 ihr erstes Album veröffentlicht und sich seitdem einen guten Namen in der (vor allem) schwarzen Szene gemacht. Ich kann nicht behaupten, die Band besonders gut zu kennen, doch bewegte sie sich von Anfang an wohl im breiten Feld des Gothic-Rock – das schon seit Mitte der 90er Jahre mit vielen anderen Stilen vermischt wurde und heutzutage nur noch wenig mit dem ursprünglichen Sound á la Sisters Of Mercy, UK Decay, Bauhaus oder Play Dead zu tun hat. Metal-Einflüsse, elektronische Klänge und eine ordentliche Prise Pop haben den Gothic-Rock massentauglich gemacht.

Auch MONO INC. haben sich in ihrer Bandgeschichte verändert. Der Sound wurde stilistisch erweitert, vor allem elektronischer und in den letzten Jahren kamen verstärkt deutschsprachige Texte dazu. Die Band wird es nicht gerne lesen, aber ich vermute stark, dass der immense Erfolg eines bestimmten „Grafen“ hier eine Rolle spielt. Nachdem dieser sich angeblich für immer – meiner Meinung nach aber nur eine Weile – aus dem Musikgeschäft zurückzieht, wird vielleicht versucht, mit MONO INC. diese Lücke zu schließen und so wird eine gigantische Promomaschine aufgefahren, um das neue Album „Terlingua“ im Mainstream erfolgreich zu machen. Die Aussage des Sängers Martin Engler „Terlingua sollte anders klingen als alles, was wir in der zehnjährigen Geschichte als Band gemacht haben“ wird viele alte Bands abschrecken, denn mal ehrlich, wer will denn, dass die Band, die man mag, plötzlich ganz anders klingt. Stattdessen ist man also drauf angewiesen, ein neues Publikum zu gewinnen und das wird durch sehr umfangreiche Promoaktivitäten forciert. Hoffen wir für die Band, dass es klappt, sonst besteht die Gefahr, alte Fans zu verlieren und nicht genug neue hinzuzugewinnen.

Allerdings ist das Album kommerziell und eingängig genug, um tatsächlich erfolgreich zu werden. Die Mischung aus dem Sound von Unheilig und Joachim Witt (letzterer besonders heraushörbar bei der ersten Singleauskopplung „Tag X“) ist für die Charts geradezu prädestiniert. Die Gothic-Rock-Anklänge sind zwar über das Album verteilt immer noch vorhanden, aber sie stehen nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen tendiert es hier und da eher zu poppigen Alternative Rock. Stärker hervor tritt das klassische Gothic-Gefühl beim schönen „It Never Rains“ und beim balladesken „118“, in beiden Stücken vor allem durch den Bass. Die nächste Single wird vermutlich „Heiland“, alleine schon, weil der Text auf Deutsch ist.

Ich gebe zu, ich bin recht skeptisch an „Terlingua“ herangegangen, eben weil so ein großer Aufwand betrieben wird, das Album erfolgreich zu machen. Aber ich gebe zu, es ist weitaus besser, als ich erwartet habe. Einige Songs sind sogar richtig gut. Ob es aber die Lücke, die Unheilig hinterlässt schließen kann, vor allem kommerziell gesehen, wird sich zeigen, denn so etwas lässt sich nur bedingt steuern. (A.P.)

Webadresse der Band: www.mono-inc.com

BERNARD SUMNER - New Order, Joy Division Und Ich


Erstveröffentlichung: Buch 2015 / Hannibal Verlag / ISBN 9783-85445-471-7

Nachdem Peter Hook vor einiger Zeit seine Joy Division-Autobiografie „Unknown Pleasures“ veröffentlicht hat, fühlte sich Bernard Sumner wohl mehr oder weniger genötigt, seine Sicht der Dinge aufzuschreiben. Mit „New Order, Joy Division Und Ich“ hat er das getan, gleichwohl umfassender als sein Kollege, denn die Zeit mit New Order bis ins Jahr 2014 wird mit abgedeckt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: bei diesem Buch handelt sich NICHT um eine Bandbiografie der Gruppen Joy Division und New Order, sondern um eine Biografie von Bernard Sumner – aber natürlich sind die beiden Bands ein großer Teil seines Lebens.

Los geht es natürlich mit einer umfassenden Beschreibung seiner Kinder- und Jugendjahre im Arbeitermilieu von Manchester. Aufgrund der familiären und finanziellen Verhältnisse war das Aufwachsen in der grauen Industriestadt wohl nicht immer einfach, doch Sumner verklärt das nicht und hatte im großen und ganzen wohl eine relativ normale Jugend für die damalige Zeit. Zumindest blickt er nicht im Zorn zurück. Irgendwann beginn er sich für Musik zu interessieren und Mitte der 70er Jahre gerät er in die frühe englische Punk-Szene, um bald darauf die erste Band zu gründen, aus der dann zunächst Warsaw und schließlich Joy Division hervorgeht. Wie die einzelnen Bandmitglieder zusammengefunden haben, wird recht oberflächlich beschrieben, lediglich über Ian Curtis erfährt man hier und da etwas mehr. Sumner beschreibt im Folgenden die Aufnahmen zur ersten Platte, weitere Studioaufenthalte und einige Anekdoten von Auftritten, bei denen natürlich auch immer wieder Ian Curtis im Mittelpunkt steht. Der Selbstmord von Curtis im Mai 1980 wird beinahe nebenbei auf einer Seite abgehandelt. Vielleicht ist so eine Erfahrung auch zu persönlich, um sie breit auszuwalzen. Damit ist dann etwa die erste Hälfte des 336 Seiten langen Buches zu Ende. Die zweite Hälfte beschäftigt sich fast komplett mit den knapp 35 Jahren danach und somit überwiegend mit New Order. Allerdings wird das verhältnismäßig episodenhaft beschrieben.

Recht ausführlich wird der Anfang der Band und die Produktion der ersten LP „Movement“ erzählt, dann die „Entdeckung“ der Dance-Music in den USA und in der Folge der musikalische Stilwechsel und der Erfolg der wegweisenden Maxi „Blue Monday“. Ein großes Thema ist auch die Gründung des „Hacienda“-Clubs in Manchester, in den die Band eine Menge Geld steckte und im Laufe der Jahre noch viel mehr verlor. Merkwürdigerweise werden in der Folge die Alben – und damit Jahre der Bandgeschichte – „Power Corruption And Lies“, „Low Life“ und „Brotherhood“ kaum erwähnt. Die Erzählung wird erst wieder ausführlicher mit „Technique“ und geht mit der Produktion von „World In Motion“ für die englische Fußballnationalmannschaft weiter. Dazu immer wieder Tourerlebnisse, vor allem in den USA und die Faszination für die Spät 80er Acid-House-Bewegung. Erwähnt wird auch die Nebenband Electronic zusammen mit Johnny Marr und Neil Tennant, der Neustart von New Order nach längerer Pause in den 90ern und natürlich der Ausstieg von Peter Hook. Dieser wird überraschend persönlich aufgegriffen und es schwingt eine gewisse Bitterkeit bei Sumner mit, weil er die Gründe für das Zerwürfnis wohl nicht richtig verstehen kann. Hier wäre es sehr interessant, Peter Hooks Sichtweise zu lesen. Mit guter Chance schreibt er vielleicht noch ein Buch über seine Jahre mit New Order.

Zu den Themen, die an der Oberfläche bleiben, gehören die Drogen inklusive Alkohol, die wohl vor allem Mitte der 80er bis Mitte der 90er eine Rolle in der Band gespielt haben. Sumner erwähnt das zwar immer wieder, setzt sich damit aber weder positiv noch kritisch auseinander. Auch über die anderen Bandmitglieder erfährt man wenig, aber wie bereits erwähnt: es ist eine Bernard Sumner-Biografie.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, der Informationsgehalt für Fans ist groß, da man doch die eine oder andere Anekdote noch nicht kannte. Acht Seiten mit privaten Fotos und ein Stichwort-Index ergänzen das Buch. Auf eine Diskografie hat man verzichtet. Wahrscheinlich ist das auch besser so, denn sie wäre wohl eher rudimentär ausgefallen – da gibt es im Internet genug stets aktuelle Quellen. Sehr interessant ist die Transkription einer Audioaufnahme von einem Hypnose-Experiment, das Sumner mit Ian Curtis 1980 durchgeführt hat. Den Inhalt der Mitschrift lässt Bernard Sumner zum Glück unkommentiert, da so etwas nach 35 Jahren wohl kaum seriös wäre, zumal Curtis nichts mehr dazu sagen kann. Alleine die Dokumentation ist für Fans aber auf jeden Fall eine Sensation.

Insgesamt ist „New Order, Joy Division Und Ich“ ein absolut lesenswertes Buch, natürlich vor allem für Fans der Band, aber auch für Musikfans im Allgemeinen, die sich für Popmusik der 80er Jahre interessieren. Klar sein sollte man sich aber, dass hier nur die Sichtweise eines Einzelnen beschrieben wird, vor allem bei den kritischen Ereignissen wie der Trennung von Peter Hook. Ich bin mir aber relativ sicher, dass wir hierzu in nicht allzu ferner Zukunft auch dessen Sicht der Dinge erfahren werden. Für Joy Division- und New Order-Fans unverzichtbar. (A.P.)

BERNARD SUMNER - New Order, Joy Division Und Ich


Erstveröffentlichung: Buch 2015 / Hannibal Verlag / ISBN 978-3-85445-471-7

Nachdem Peter Hook vor einiger Zeit seine Joy Division-Autobiografie „Unknown Pleasures“ veröffentlicht hat, fühlte sich Bernard Sumner wohl mehr oder weniger genötigt, seine Sicht der Dinge aufzuschreiben. Mit „New Order, Joy Division Und Ich“ hat er das getan, gleichwohl umfassender als sein Kollege, denn die Zeit mit New Order bis ins Jahr 2014 wird mit abgedeckt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: bei diesem Buch handelt sich NICHT um eine Bandbiografie der Gruppen Joy Division und New Order, sondern um eine Biografie von Bernard Sumner – aber natürlich sind die beiden Bands ein großer Teil seines Lebens.

Los geht es natürlich mit einer umfassenden Beschreibung seiner Kinder- und Jugendjahre im Arbeitermilieu von Manchester. Aufgrund der familiären und finanziellen Verhältnisse war das Aufwachsen in der grauen Industriestadt wohl nicht immer einfach, doch Sumner verklärt das nicht und hatte im großen und ganzen wohl eine relativ normale Jugend für die damalige Zeit. Zumindest blickt er nicht im Zorn zurück. Irgendwann beginn er sich für Musik zu interessieren und Mitte der 70er Jahre gerät er in die frühe englische Punk-Szene, um bald darauf die erste Band zu gründen, aus der dann zunächst Warsaw und schließlich Joy Division hervorgeht. Wie die einzelnen Bandmitglieder zusammengefunden haben, wird recht oberflächlich beschrieben, lediglich über Ian Curtis erfährt man hier und da etwas mehr. Sumner beschreibt im Folgenden die Aufnahmen zur ersten Platte, weitere Studioaufenthalte und einige Anekdoten von Auftritten, bei denen natürlich auch immer wieder Ian Curtis im Mittelpunkt steht. Der Selbstmord von Curtis im Mai 1980 wird beinahe nebenbei auf einer Seite abgehandelt. Vielleicht ist so eine Erfahrung auch zu persönlich, um sie breit auszuwalzen. Damit ist dann etwa die erste Hälfte des 336 Seiten langen Buches zu Ende. Die zweite Hälfte beschäftigt sich fast komplett mit den knapp 35 Jahren danach und somit überwiegend mit New Order. Allerdings wird das verhältnismäßig episodenhaft beschrieben.

Recht ausführlich wird der Anfang der Band und die Produktion der ersten LP „Movement“ erzählt, dann die „Entdeckung“ der Dance-Music in den USA und in der Folge der musikalische Stilwechsel und der Erfolg der wegweisenden Maxi „Blue Monday“. Ein großes Thema ist auch die Gründung des „Hacienda“-Clubs in Manchester, in den die Band eine Menge Geld steckte und im Laufe der Jahre noch viel mehr verlor. Merkwürdigerweise werden in der Folge die Alben – und damit Jahre der Bandgeschichte – „Power Corruption And Lies“, „Low Life“ und „Brotherhood“ kaum erwähnt. Die Erzählung wird erst wieder ausführlicher mit „Technique“ und geht mit der Produktion von „World In Motion“ für die englische Fußballnationalmannschaft weiter. Dazu immer wieder Tourerlebnisse, vor allem in den USA und die Faszination für die Spät 80er Acid-House-Bewegung. Erwähnt wird auch die Nebenband Electronic zusammen mit Johnny Marr und Neil Tennant, der Neustart von New Order nach längerer Pause in den 90ern und natürlich der Ausstieg von Peter Hook. Dieser wird überraschend persönlich aufgegriffen und es schwingt eine gewisse Bitterkeit bei Sumner mit, weil er die Gründe für das Zerwürfnis wohl nicht richtig verstehen kann. Hier wäre es sehr interessant, Peter Hooks Sichtweise zu lesen. Mit guter Chance schreibt er vielleicht noch ein Buch über seine Jahre mit New Order.

Zu den Themen, die an der Oberfläche bleiben, gehören die Drogen inklusive Alkohol, die wohl vor allem Mitte der 80er bis Mitte der 90er eine Rolle in der Band gespielt haben. Sumner erwähnt das zwar immer wieder, setzt sich damit aber weder positiv noch kritisch auseinander. Auch über die anderen Bandmitglieder erfährt man wenig, aber wie bereits erwähnt: es ist eine Bernard Sumner-Biografie.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, der Informationsgehalt für Fans ist groß, da man doch die eine oder andere Anekdote noch nicht kannte. Acht Seiten mit privaten Fotos und ein Stichwort-Index ergänzen das Buch. Auf eine Diskografie hat man verzichtet. Wahrscheinlich ist das auch besser so, denn sie wäre wohl eher rudimentär ausgefallen – da gibt es im Internet genug stets aktuelle Quellen. Sehr interessant ist die Transkription einer Audioaufnahme von einem Hypnose-Experiment, das Sumner mit Ian Curtis 1980 durchgeführt hat. Den Inhalt der Mitschrift lässt Bernard Sumner zum Glück unkommentiert, da so etwas nach 35 Jahren wohl kaum seriös wäre, zumal Curtis nichts mehr dazu sagen kann. Alleine die Dokumentation ist für Fans aber auf jeden Fall eine Sensation.

Insgesamt ist „New Order, Joy Division Und Ich“ ein absolut lesenswertes Buch, natürlich vor allem für Fans der Band, aber auch für Musikfans im Allgemeinen, die sich für Popmusik der 80er Jahre interessieren. Klar sein sollte man sich aber, dass hier nur die Sichtweise eines Einzelnen beschrieben wird, vor allem bei den kritischen Ereignissen wie der Trennung von Peter Hook. Ich bin mir aber relativ sicher, dass wir hierzu in nicht allzu ferner Zukunft auch dessen Sicht der Dinge erfahren werden. Für Joy Division- und New Order-Fans unverzichtbar. (A.P.)

BERNARD SUMNER - New Order, Joy Division Und Ich


Erstveröffentlichung: Buch 2015 / Hannibal Verlag

Nachdem Peter Hook vor einiger Zeit seine Joy Division-Autobiografie „Unknown Pleasures“ veröffentlicht hat, fühlte sich Bernard Sumner wohl mehr oder weniger genötigt, seine Sicht der Dinge aufzuschreiben. Mit „New Order, Joy Division Und Ich“ hat er das getan, gleichwohl umfassender als sein Kollege, denn die Zeit mit New Order bis ins Jahr 2014 wird mit abgedeckt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: bei diesem Buch handelt sich NICHT um eine Bandbiografie der Gruppen Joy Division und New Order, sondern um eine Biografie von Bernard Sumner – aber natürlich sind die beiden Bands ein großer Teil seines Lebens.

Los geht es natürlich mit einer umfassenden Beschreibung seiner Kinder- und Jugendjahre im Arbeitermilieu von Manchester. Aufgrund der familiären und finanziellen Verhältnisse war das Aufwachsen in der grauen Industriestadt wohl nicht immer einfach, doch Sumner verklärt das nicht und hatte im großen und ganzen wohl eine relativ normale Jugend für die damalige Zeit. Zumindest blickt er nicht im Zorn zurück. Irgendwann beginn er sich für Musik zu interessieren und Mitte der 70er Jahre gerät er in die frühe englische Punk-Szene, um bald darauf die erste Band zu gründen, aus der dann zunächst Warsaw und schließlich Joy Division hervorgeht. Wie die einzelnen Bandmitglieder zusammengefunden haben, wird recht oberflächlich beschrieben, lediglich über Ian Curtis erfährt man hier und da etwas mehr. Sumner beschreibt im Folgenden die Aufnahmen zur ersten Platte, weitere Studioaufenthalte und einige Anekdoten von Auftritten, bei denen natürlich auch immer wieder Ian Curtis im Mittelpunkt steht. Der Selbstmord von Curtis im Mai 1980 wird beinahe nebenbei auf einer Seite abgehandelt. Vielleicht ist so eine Erfahrung auch zu persönlich, um sie breit auszuwalzen. Damit ist dann etwa die erste Hälfte des 336 Seiten langen Buches zu Ende. Die zweite Hälfte beschäftigt sich fast komplett mit den knapp 35 Jahren danach und somit überwiegend mit New Order. Allerdings wird das verhältnismäßig episodenhaft beschrieben.

Recht ausführlich wird der Anfang der Band und die Produktion der ersten LP „Movement“ erzählt, dann die „Entdeckung“ der Dance-Music in den USA und in der Folge der musikalische Stilwechsel und der Erfolg der wegweisenden Maxi „Blue Monday“. Ein großes Thema ist auch die Gründung des „Hacienda“-Clubs in Manchester, in den die Band eine Menge Geld steckte und im Laufe der Jahre noch viel mehr verlor. Merkwürdigerweise werden in der Folge die Alben – und damit Jahre der Bandgeschichte – „Power Corruption And Lies“, „Low Life“ und „Brotherhood“ kaum erwähnt. Die Erzählung wird erst wieder ausführlicher mit „Technique“ und geht mit der Produktion von „World In Motion“ für die englische Fußballnationalmannschaft weiter. Dazu immer wieder Tourerlebnisse, vor allem in den USA und die Faszination für die Spät 80er Acid-House-Bewegung. Erwähnt wird auch die Nebenband Electronic zusammen mit Johnny Marr und Neil Tennant, der Neustart von New Order nach längerer Pause in den 90ern und natürlich der Ausstieg von Peter Hook. Dieser wird überraschend persönlich aufgegriffen und es schwingt eine gewisse Bitterkeit bei Sumner mit, weil er die Gründe für das Zerwürfnis wohl nicht richtig verstehen kann. Hier wäre es sehr interessant, Peter Hooks Sichtweise zu lesen. Mit guter Chance schreibt er vielleicht noch ein Buch über seine Jahre mit New Order.

Zu den Themen, die an der Oberfläche bleiben, gehören die Drogen inklusive Alkohol, die wohl vor allem Mitte der 80er bis Mitte der 90er eine Rolle in der Band gespielt haben. Sumner erwähnt das zwar immer wieder, setzt sich damit aber weder positiv noch kritisch auseinander. Auch über die anderen Bandmitglieder erfährt man wenig, aber wie bereits erwähnt: es ist eine Bernard Sumner-Biografie.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, der Informationsgehalt für Fans ist groß, da man doch die eine oder andere Anekdote noch nicht kannte. Acht Seiten mit privaten Fotos und ein Stichwort-Index ergänzen das Buch. Auf eine Diskografie hat man verzichtet. Wahrscheinlich ist das auch besser so, denn sie wäre wohl eher rudimentär ausgefallen – da gibt es im Internet genug stets aktuelle Quellen. Sehr interessant ist die Transkription einer Audioaufnahme von einem Hypnose-Experiment, das Sumner mit Ian Curtis 1980 durchgeführt hat. Den Inhalt der Mitschrift lässt Bernard Sumner zum Glück unkommentiert, da so etwas nach 35 Jahren wohl kaum seriös wäre, zumal Curtis nichts mehr dazu sagen kann. Alleine die Dokumentation ist für Fans aber auf jeden Fall eine Sensation.

Insgesamt ist „New Order, Joy Division Und Ich“ ein absolut lesenswertes Buch, natürlich vor allem für Fans der Band, aber auch für Musikfans im Allgemeinen, die sich für Popmusik der 80er Jahre interessieren. Klar sein sollte man sich aber, dass hier nur die Sichtweise eines Einzelnen beschrieben wird, vor allem bei den kritischen Ereignissen wie der Trennung von Peter Hook. Ich bin mir aber relativ sicher, dass wir hierzu in nicht allzu ferner Zukunft auch dessen Sicht der Dinge erfahren werden. Für Joy Division- und New Order-Fans unverzichtbar. (A.P.)

TALES OF INSANITY - First Step Behind The Wall


Erstveröffentlichung: CD 2015

Tales of Insanity – First Step Behind the Wall
(VÖ: 28.März 2015)


Mich erreichte dieser Tage das ambitionierte Debütalbum einer jungen Hard-Rock Band mit Namen Tales of Insanity. Seit ihrer Gründung im Jahre 2014 reiften bereits die Ideen zu den elf Albumtiteln für „First Step Behind the Wall“. Im März 2015 ist es dann soweit gewesen, dass Andreas Joklitschke und Ralf Herud ihr Baby auf den Musikmarkt brachten.
Den musikalischen Rahmen kann man getrost als ehrlichen Hard-Rock bezeichnen mit atmosphärischen Einlagen, die sowohl vom Doom-Metal als auch vom Industrial-Metal beeinflusst sind. Elektronische Untermalungen werden nicht durchgehend eingesetzt, dadurch entsteht für mich auch eine dichtere Atmosphäre und der Gesang kommt besser zur Geltung. Wenn wir schon dabei sind, diesem zuzuhören macht auch wirklich Spaß, da trotz des ähnlichen Stils der Songs, jeder mit dem nötigen Gespür für Eigenständigkeit arrangiert wurde. Egal ob „Lord of Darkness“ oder „Empty Street“ die Texte sind authentisch und gehen in den Gehörgang.
Letztlich ergab sich für die Jungs in dieser Besetzung ein Debütalbum das aufhorchen lässt und sich heraushebt als gelungenes melodisches Hard-Rock Album. Hut ab!
Das Album ist kaufbar über die HP der Band www.tales-of-insanity.de




(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.tales-of-insanity.de

ACOUSTIC REVOLUTION - Finally Folk


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Acoustic Revolution Records / Sony Music

Acoustic Revolution – Finally Folk
(VÖ: 19.06.2015 AcousticRevolutionRecords / Sony)

Die Band Acoustic Revolution stehen für die Reduktion auf das musikalisch Wesentliche, was in diesem Falle keinerlei Gegensatz bedeutet zu der Energie, welches das Trio mit ihrer Musik verbreiten. Ihr bereits viertes Album heißt „Finally Folk“ und hat zum ersten Mal wurde weder Schlagzeug noch Effekte eingesetzt. Stattdessen werden die Songs genauso präsentiert, wie sie auch live auf der Bühne gespielt werden. Den Albumtitel kann man sehr gerne als zynische Antwort sehen auf die ewige Frage nach der Genre-Schublade. Ich denke, dass die in diesem Falle irgendwie eine Mischung aus Folkpopbluessgrasscountryclassicrock wäre. Letztlich spielt es auch Null eine Rolle, denn was die Band mit Banjo, Gitarre, Kontrabass und Mandoline erzeugen ist pure Spielfreude. Die Eingängigkeit von Pop trifft auf Bluegrass und Country, verbindett sich mit den Instrumenten aus dem Folk und der Power des Classic Rock zu einem Sound zwischen Pub, Country-Club und Rocker-Kneipe.
Bereits 2003 fanden sich Tom Logan, Germar Thiele und Dennis Hornung in der Cover-Rockband „Undercover“ zusammen und starteten parallel noch ein Nebenprojekt. Wie es meistens ist, wurde der Drang nach eigenen Songs immer größer und so entstand das Album „Living in a Dream“. 2010 entdeckten die Produzenten der Hitschmiede „Valicon“ (u.a. Silly oder Faun) das Potenzial der Band und nahmen mit ihr „Ramble and Roam“ auf. Das Album brachte durchweg positive Kritiken ein, sowie Airplays beim NDR, MDR, BR und vielen kleineren Radiostationen. 2011 gewannen sie den Deutschen Rock- und Poppreis in den Kategorien „Beste Folkrockband“, „Bester Folkrocksong“ und „Beste Single“. Kurz darauf widmeten sich die Drei mit dem Album „Haunted by Numbers“ der Allgegenwart von Zahlen und erdachten dabei Hits, die massentauglich, aber keine Massenware sind.
Auf „Finally Folk“ stellen Acoustic Revolution erneut ihre Fähigkeit unter Beweis, Vielfalt zu liefern, ohne das Bewusstsein für den eigenen Stil zu verlieren. Dieser ist zum Beispiel im dritten Song „The Irish Sky“ unverkennbar – ein Instrumental, bei dem die Instrumente in perfekter Harmonie glänzen. Auch die restlichen zehn Songs überzeugen mit bewussten Arrangements. Songs wie „Stop the Bleeding“, „A song of ice and fire“ (in Anlehnung an die Serie „Games of Thrones“) oder „Vickys Song“ überzeugen durch Gefühl. In „Life 2.0“ widmet sich die Band sehr humorvoll der Allgegenwart von sozialen Medien. Getragen wird der Song dabei von einem Banjo, das auch den letzten Tanzmuffel zum Tanzen bewegt. Sehr cool ist auch das Cover von „Here comes the Rain again“ -eigentlich von Eurythmics- hier so eigenständig interpretiert, als wäre er gerade eben durch ihre eigene Feder und nicht vor 30 Jahren entstanden. Auch an Metalsongs wird sich versucht mit „Warriors of the World“ im Original von Manowar. All dies beweist im Grunde nur die kreative Stärke von Acoustic Revolution, Bekanntes neu zu präsentieren und gleichzeitig eigene Klassiker zu erschaffen!
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.acoustic-revolution.com

SCHNEEWITTCHEN - Für die Liebe Sterben


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Danse Macabre

Schneewittchen – Für die Liebe Sterben
(VÖ: 07.05.2015 Danse Macabre Records)

Ich scheue mich sonst ja eher von Superlativen zu sprechen, aber im Falle vom siebten Longplayer „Für die Liebe Sterben“ des Ausnahme-Duos Schneewittchen ist es angebracht. Sängerin Marianne Iser und Komponist Thomas Duda ist ein grandioses, pathetisches und herrlich schräges Werk gelungen, dass seines Gleichen sucht. Kurz gesagt: Ja hier ist das beste, aufregendste und erotischste Album in der aktuellen deutschsprachigen Musiklandschaft. Ganze drei Jahre mussten die Fans warten, aber ich kann versichern, dieses Warten hat sich absolut gelohnt! Das Hannoveraner Duo zeigt sich inspirierter und vielschichtiger denn je. In den Zeiten von Romantik in Phrasen a la Revolverheld oder unerträglicher kleisterhafter Volksromantik a la Helene Fischer fegen Schneewittchen einmal durch die aktuellen Veröffentlichungen und bringen uns die Schönheit und die Lust an der Sprache und ihrer Sinnlichkeit wieder. Mariannes explizite Lyrik entfaltet sich durch ihre kraftvolle Darbietung, sie singt nicht bloß, sondern geht auf in ihren Geschichten die von Liebe, Auflehnung und Absturz handeln. Vergesst „Ich geh in Flammen auf“ von Rosenstolz, denn wenn einer in Flammen aufgeht dann ist es Schneewittchen. Freiheit etwa ist ein hymnisches Plädoyer an alle Menschen, die gerne aus dem Rahmen fallen. In jedem Song verbrennt sich die ausdrucksstarke Sängerin voll und ganz, selbst bei den ruhigen Tönen. Der Song „Wien“ wird nicht nur zur augenzwinkernden Sozialstudie über die Bewohner dieser morbiden Stadt, sondern wird auch zu einer wunderschönen Liebeserklärung an Wien selbst. Der erste Song „Wir machen Musik“ kommt einer programmatischen Kampfschrift gleich, die mit Zitaten aus Pop und Klassik das Zeug zur absoluten Hymne für das Zweiergespann hat. Musikalische Grenzen scheinen zum sprengen gemacht zu sein, denn egal ob forscher Indie-Dance („Auf den 4ten Blick“), barocker Kammer-Pop („Vergifte Mich“), Variete („Königskinder“) oder Prä-NDW-Rock („Tausend Möglichkeiten“), wichtig ist die Klang-Offensive. Auch Elefanten gibt es zu hören, diese Klänge wiederum stammen von der Bostoner Tierforscherin Andrea Turkalo, die im zentralafrikanischen Dschungel Studien zur Kommunikation der Dickhäuter betreibt. Ihre Geschichte ist geprägt vom Kampf für den Tierschutz und gegen Wilderei. Schneewittchen inspirierte der Kampf zum Song „Mama To Doli“.
Über die Jahre hinweg gewann Schneewittchen durch ihren Zwischen-den-Stühlen-Sound eine große Anhängerschaft, die auch bei der Entstehung von „Für die Liebe sterben“ maßgeblich beteiligt war. Die CD wurde über eine Crowdfunding Kampagne finanziert – und das überaus erfolgreich. Das Endergebnis kam selbst für Marianne und Thomas unerwartet: Rund 21.000 Euro spendeten die Liebhaber und Gönner der Band. Wenn das mal nicht bedingungslose Liebe und
Treue ist! Schneewittchen dankt es den Fans mit einem überwältigend schönen Album, das von keinem geringeren als Christian Decker (Ex Fury in the Slaughterhouse) produziert wurde, und zudem mit Stefan Ackermann (Das Ich) und Jean Michel Tourette (Keyboarder von Wir sind Helden) zwei prominente Gastmusiker an Bord hat. Ja nach langer Zeit ein wahrer Lichtblick auf einem überfischerten, unheiligen, Musikmarkt!







(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.SchneewittchenMusik.de

CLASSIC OPEN AIR - Nachbericht 2014


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2014 / Media on Line / Classic Open Air KG.

Classic Open Air 2014

FIRST NIGHT – Crossover-Konzert
Donnerstag 03.07.2014 19:30 Uhr

Traditionell wurde auch das 23. Classic Open Air Festival auf dem Gendarmenmarkt in Berlin mit der „First Night“ eröffnet. Bekannte Bands und Solo-Künstler stellten in diesem Jahr Ausschnitte aus ihrem Erfolgsrepertoire vor, und dass Publikum erwartete eine musikalische Begegnung mit klassischen Titeln und Highlights aus der Film-, Pop- und Rockmusik. Instrumental begleitet wurden die Künstler dabei vom „Deutschen Filmorchester Babelsberg“. Mit von der Party waren in diesem Jahr als Highlight die Band „Silly“, die in den 80er Jahren bekannteste Band im Osten der Republik und mittlerweile ein fester Begriff in der deutschsprachigen Musiklandschaft. Außerdem durften wir eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen auf der Bühne singend begrüßen: Nora Tschirner spielte zusammen mit Erik Lautenschläger und Tom Krimi als „Prag“ wunderbar nostalgischen Chanson-Pop. Als Solokünstler fiel besonders Lars Redlich auf, er erwies sich musikalisch als wahres Multitalent. Sehr spannend auch der Auftritt von Till Brönner, einem der faszinierendsten und erfolgreichsten Jazzmusiker aktuell.
Sehr charmant und stilvoll führte, nach der positiven Resonanz 2013, Madeleine Wehle vom rbb-Fernsehen durch den Abend. Wie auch im Vorjahr wurde der Eröffnungsabend aufgezeichnet und kann eine Woche später im Fernsehen verfolgt werden. Krönender Abschluss für Gäste und Beteiligte war das fulminante Feuerwerk über dem Konzerthaus! Fürwahr den Veranstaltern ist einmal mehr ein gelungener Abend geglückt!

Classic Open Air 2014
ClASSIC LADIES – Klassik, Show und Pop
Freitag 04.Juli 2014 19:30 Uhr

Was für ein beeindruckender Abend, über 20 Künstlerinnen in einem Konzert vereint zu sehen!
Wenngleich das Fußballspiel Deutschland gegen Frankreich doch die Reihen etwas gelichtet hatte, so tat dies der Stimmung auf dem Gendarmenmarkt keinerlei Abbruch! Erstmalig in den 22 Jahren des Classic Open Air Festivals standen Koloratursopranistinen, Operndiven, Musicalstars und erfolgreiche Jazz-, Pop- und Chansonsängerinnen zusammen auf dieser Bühne. Moderiert hatte keine geringere als die Star-Sopranistin Anna Maria Kaufmann, welche ihre Mitstreiterinnen gebührend zu empfangen wusste. Katarzyna Dondalska galt es zu bewundern mit Opern- und Operettenarien, Adriane Queiroz ebenfallssss mit Opernarien, Yma America mit Salsa und Jazz, sowie die umwerfende Sängerin Katherine Mehrling im Bereich Chanson und Blues. Die Auswahl zu treffen, wer hierbei nun besonders herausstach ist kaum möglich, denn jede Dame für sich hatte erstklassige Stimm- und Klangfarben zu bieten. Den Showcharakter dieses Konzertes wurde durch musikalisch einmalige „Artistik“ dargeboten. Die Some Handsome Hands am Klavier, begeisterten durch ihr sechshändiges Klavierspiel in rasender Geschwindigkeit. Für feurige Tänze sorgten die Damen von Azabache Flamenco und zauberten andalusisches Temperament aufs Parkett. Auch in der Pause sorgte die weibliche Marchingband Venusbrass für so manchen Publikumslacher.
Musikalische Begleitung erfolgte am zweiten Abend durch die Elbland Philharmonie Sachsen.

Classic Open Air 2014
MOZART-HAYDN-BEETHOVEN
Galakonzert der Wiener Klassik in Licht und Feuer
Samstag 05.Juli 2014 19:30 Uhr

Nach dem erfolgreichen Barockkonzert des vergangenen Jahres sollte auch in diesem Jahr ein weiterer klassischer Musikgenuss folgen. Zeitlich gingen die Veranstalter hierbei nur ein paar
Jahrzehnte weiter und präsentierten die Meister der Wiener Klassik (ca. 1780-1827). Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven prägten wie keine anderen diese Stilrichtung der europäischen Kunstmusik. Neben berühmten Instrumentalkompositionen hörte das Publikum Opernarien, -duette und -Chöre etwa aus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“, Haydns „Il Mondo della Luna“ und Beethovens einziger Oper „Fidelio“. Den Höhepunkt für mich bildete Beethovens Chorfantasie. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde die Klangkunst auf der Bühne veredelt durch die bezaubernden Illuminationen des Lichtdesigners Andreas Boehlke, der den Platz in Licht und Feuer tauchte. Zu den Solisten des Abends zählten Jana Büchner (Sopran), Sarah Papadopoulou (Sopran), Nadja Stefanoff (Sopran), Carolin Löffler (Mezzosopran), Marc Horus (Tenor) und Manos Kia (Bariton). Ein für mich besonderes Highlight bildete die instrumentale Begleitung des Königs der Klarinette, dem betagten Giora Feidmann – einer wahren Ikone!
Mozarts „Lodron-Konzert“ für drei Klaviere wurde von der Professorin für Klavier („Hanns Eisler“) Brigitta Wollenweber, und den Studentinnen Seoyoung Jang und Garam Cho interpretiert. Das Orchester des dritten Konzertabends bildete die Anhaltische Philharmonie Dessau unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Antony Hermus.

Classic Open Air 2014
BELLA ITALIA – Eine musikalische Reise nach Italien
Sonntag 06.Juli 2014 19:30 Uhr

Über die Jahrhunderte hinweg inspirierten die mediterrane Lebensart und die beeindruckenden Landschaften Italiens die verschiedensten Musiker zu unverwechselbaren Werken. Nachdem beim Classic Open Air 2012 und 2013 das Augenmerk vorwiegend auf italienische Opernmelodien gelegt war, wurde in diesem Jahr ein buntes Programm rund um das Thema Italien erdacht. Nun, wirklich Stimmung kam so leider nicht auf, denn trotz neapolitanischer und sizilianischer Volksmusik und italienischen Serenaden, dass Publikum vermisste ihre Klassiker von Puccini, Rossini oder Verdi. Da hilft auch kein Peter Tschaikowsky oder gar Johann Strauss und auch Franz von Suppé ist nicht der Bringer. Irgendwie zieht dieser Abend trotz erstklassiger Künstler auf der Bühne, dass Publikum nicht so wirklich in seinen Bann. Als Gesangssolisten durften wir Eva Lind (Sopran), Robin Johannsen (Sopran), Laura Nicorescu (Sopran), Christoph Schröter (Tenor) sowie Heiko Reissig (Tenor) bewundern. Begleitung fanden die Damen und Herren durch Christian Laier (Mandoline) und Michael Hansen (Panflöte), sowie durch die Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Marc Tardue.

Classic Open Air 2014
Alles hat seine Zeit Tour 2014 – Unheilig
Montag 07.Juli 2014 19:30 Uhr

Das Highlight des diesjährigen Festivals bildete zweifelsohne für sehr viele Fans des „Grafen“ der Montagabend, was alleine die berstenden Ränge bewiesen. Das Publikum wartete gebannt und voller Erwartung auf IHN, den Mann mit Glatze und Backenbart. Unheilig sind ein Phänomen, denn als sie begonnen haben in der schwarzen Szene mit dem ersten Album „Phosphor“ Fuß zu fassen, ahnte keiner, dass Jahre später ganze Stadien zu „Sage Ja!“ abfeiern würden. Hinter der Formation steckt in erster Linie er, der Graf. Im Jahr 2010 hört erstmals die breite Masse etwas von Unheilig, nachdem er bereits etliche Alben veröffentlicht hatte. Die LP „Große Freiheit“ schlägt ein wie eine Bombe und verhilft Unheilig zum Durchbruch. Das Album hielt sich wochenlang auf Platz 1 der Charts und brach etliche Rekorde. Auch der Nachfolger „Lichter der Stadt“ erlangte nach kürzester Zeit Platinstatus und lockte über 75.000 Fans zu seinen Konzerten. Hier auf dem Gendarmenmarkt sind es ca. 5000 Menschen, die zu seinen Hits abfeiern und nicht wirklich gern auf den Stühlen bleiben wollen. Egal ob geradlinige bass- oder gitarrenlastige Klänge, radiotaugliche Songs oder tiefgehende Balladen, Unheilig gelingt mühelos der Gratakt der Emotionen. Egal ob es „Geboren um zu Leben“ ist, oder „Freiheit“, viele der Fans auf dem Platz sind textsicher und feiern die 15 Jahre Bandgeschichte frenetisch mit. Nicht zuletzt heißt ein Song „Wir sind Alle Wie Eins“. An diesem Abend stimmt es, denn die unheiligen Fans sehen in Unheilig ihre „Schutzengel“ und wollen am liebsten „Für Immer“ „An deiner Seite“ sein!

Classic Open Air 2014
Electronic meets Classic – SCHILLER
Dienstag 08.Juli 2014 19:30 Uhr

Was für eine Zitterpartie, bis kurz vor Einlass war unklar, ob dieses Konzert überhaupt stattfinden würde. Der Grund dafür waren Bleischwere Wolkenberge über Berlin und sintflutartige Regenschauer schon den ganzen Tag über. Dann kam die Erlösung: Ja es wird gespielt. Es wäre auch zu schade gewesen, wenn der Klangkünstler Christopher von Deylen alias SCHILLER nicht auf der Bühne hinter seinem gleichnamigen Dichterkollegen hätte auftreten können. Außerdem wurde das Konzert aufgezeichnet für eine DVD und CD Veröffentlichung mit dem Titel „Symphonia“. Seit nunmehr auch 15 Jahren vereint Schiller die Vision Elektro-Sound edel zu verpacken und zu atmosphärisch dichten Werken zu verbinden. 1998 hatte ihn „Die Glocke“ von Friedrich von Schiller so begeistert, dass er beschloss, seine Musik fortan unter diesem Pseudonym zu veröffentlichen. Die erste Single „Das Glockenspiel“ und das erste Album „Zeitgeist“ erstürmten die Charts. Alle nachfolgenden Alben wurden in 26 Ländern veröffentlicht und nahmen ausnahmslos Top-Plätze in den Charts ein. Gold und Platintrophäen, Awards und ein Echo kann er sein Eigentum nennen. Mit seinem jüngsten Werk „Opus“ begibt sich SCHILLER auf eine musikalische Reise in die Welt der Klassik und verwebt diese mit seinen elektronischen Klängen.
Leider hält das Wetter an diesem Abend nicht, und so schüttet es während des Konzertes wie aus Eimern, was wiederum der Stimmung keinen Abbruch tut. So erklingt „Ein schöner Tag“ mit der bezaubernden Gastsängerin Eva Mali, welche bereits auf „Opus“ zu hören war. Außerdem neben neueren Songs wie „Desert Empire“ ist natürlich auch „Schiller“ oder „Sehnsucht“ zu hören. Schiller bietet einen „Best-of“ - Querschnitt durch 15 Jahre mit ihm, und beeindruckt durch Opulenz. Für „Tired“ hat er sich einen weiteren Gastmusiker eingeladen, nämlich Jael. Für eine große Überraschung sorgt Midge Ure, den sich Schiller als Gast für „Let it Rise“ auf die Bühne holte. Kurz vor dem Konzertende dann holte sich Schiller für „Sonne“ den Grafen von Unheilig auf die Bühne. Auch wenn es wirklich sehr nass war, und man Schiller von Herzen eben jene Sonne gewünscht hätte, so war es insgesamt ein gelungenes und erinnerungsreiches Konzert am letzten Abend des 23. Classic Open Air Festivals 2014!



















(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

CLASSIC OPEN AIR - Classic Open Air 2015


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2015 / Media on Line / Classic Open Air KG.

CLASSIC OPEN AIR 2015
VORABBERICHT zum 23. Jahr Classic Open Air am Gendarmenmarkt Berlin


1.Abend: FIRST NIGHT – Highlights aus Klassik, Film und Pop
Donnerstag 02.Juli 2015 19:30 – 22:30 Uhr

Auch im nunmehr vierundzwanzigsten Jahr bildet die FIRST NIGHT zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg den musikalischen Auftakt für eines der schönsten Sommer-Festivals der Hauptstadt. Traditionen prägen den Abend, denn neben erfolgreichen Künstlern aus den Bereichen Klassik, Film und Pop, darf sich das Publikum auf das Feuerwerk zum Abschluss des Konzertes freuen. Auch wieder mit dabei ist im dritten Jahr das rbb-Fernsehen, welches auch dieses Konzert aufzeichnet und etwa eine Woche später ausstrahlt. Das Programm der FIRST NIGHT ist eine komprimierte Vorschau auf das gesamte musikalische Spektrum des Festivals. Es vereint Elemente der klassischen Oper und Operette, Musical, Ballett und Filmmusik. Aber auch Highlights aus Comedy, Jazz, Pop und Entertainment werden zum Besten gegeben.
Durch den Abend führt sie erneut die charmante rbb-Moderatorin Madeleine Wehle, aber 2015 erhält sie männliche Unterstützung. Das Multitalent Lars Redlich wird gemeinsam mit ihr durch den Abend führen und sein Entertainmenttalent unter Beweis stellen. Als Gäste begrüßen die beiden u.a.: Laith Al Deen (Gesang), Joja Wendt (Jazzpiano), Patricia Meeden (Gesang), Claudia Riock (Sopran), Marvin Scott (Tenor), Three Ladies (Swingterzett) und das Balett der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig.

2.Morgen: BERLIN LIEST – Das große Kinderlesefest
Freitag 03.Juli 2015 10:30 Uhr

Am zweiten Tag wird es gleich in den frühen Morgenstunden ereignisreich und spannend rund um den Gendarmenmarkt. Bei Berlins größtem Kinderlesefest erwarten die Kinder neben prominenten Vorlesern auch die Stars der Kinderliteratur wie etwa Pippi Langstrumpf, der starke Grüffello, Prinzessin Lillifee und Captain Sharky. Gelesen werden die Klassiker wie Pippi Langstrumpf genauso wie Die Schattenbande oder Grüffelo. Für die Kombination aus Literatur und Musik sorgen Kai Lützner und Rotz und Roll Radio Berlin.

2.Abend: Eine italienische Sommernacht – Bravourarien und Duette
Samstag 04.Juli 2015 19:30 Uhr

Nach dem eher lauwarmen Italien Abend 2014 trumpft dieser Abend wieder richtig auf, denn Fabio Andreotti – Startenor und waschechter Römer- wird mit drei beeindruckenden Sopranistinnen populäre italienische Klassiker präsentieren. Ja liebe Freunde der italienischen Oper hier sind sie endlich wieder, egal ob „E lucevan le stelle“ aus Puccinis „Tosca“ oder „Parigi o Cara“ aus Verdis „La Traviata“. Herzschmerz und italienisches Temperament sind vorprogrammiert, und in Windeseile wird der Gendarmenmarkt zur Arena! Zu den Gästen des Abends zählen u.a.:
Fabio Andreotti (Tenor), Alessandra Rossi-Filippi (Koloratursopran), Lindsay Funchal (Sopran), Mirjam Miesterfeldt (Sopran), Saschka Jekaterina Haberl (Violine) und die Brandenburger Symphoniker unter dem GMD Michael Helmrath (Dirigat).

3.Abend: Zauber der Romantik in Licht und Feuer – Chopin, Brahms, Schumann, Smetana
Samstag 04.Juli 2015 19:30 Uhr

Bei diesem Konzertabend dreht sich in der malerischen Kulisse des Gendarmenmarktes alles
um die Fantasie und Traumwelten der Romantik. Neben Stücken von Chopin, Brahms oder Smetana wird auch der „Hochzeitsmarsch“ von Mendelssohn-Bartholdy zu hören sein, oder berühmte Opern aus Webers „Freischütz“. Nicht zu vergessen, Nicolais „Die Lustigen Weiber von Windsor“ oder Schumanns Klavierstück „Träumerei“. Lehnen Sie sich zurück und träumen sie, gerade auch dann wenn zum Einbruch der Dunkelheit der Platz in Lichtinstallationen getauscht wird. Die Gäste des Abend sind u.a.: Angelina Ruzzafante (Sopran), Sophie Klußmann (Sopran), Alexander Geller (Tenor), Ulf Paulsen (Baßbariton), Olaf Plassa (Baßbariton), Sara Grotzki (Violoncello), Boqiang Jiang (Klavier), die Anhaltische Philharmonie Dessau, GMD Antony Hermus (Dirigat), die Singakademie Frankfurt/Oder (Ltg.: Rudolf Tiersch), sowie die Staatliche Ballettschule Berlin. Durch Abend führt Nadine Schori (Moderation).


4.Abend: Eine französische Sommernacht- Piaf, Brel und Klassikhits
Sonntag 05.Juli 2015 19:30 Uhr

In diesem Jahr werden gleich zwei Konzerte einem bestimmten Lang gewidmet, nach dem italienischen Abend heißt es nun „Vive La France“! Natürlich, der Inbegriff französischer Musik ist das Chanson, welches mit seinen ironischen Texten über die Liebe, das Alter und den Weltschmerz singt. In der französischen Sommernacht erklingen die schönsten Lieder von Edith Piaf, Jacques Brel neben klassischen Werken von Offenbach, Berlioz, Ravel, Debussy oder Gounod. Besondere Glanzlichter der Opern-, Ballett-, und Filmmusik werden von den Solisten erklingen und vom – erstmals auf dem Gendarmenmarkt gastierenden – Nürnberger Symphonikern unter dem Dirigat von Heinz Walter Florin interpretiert. Gäste des Abends sind u.a. Stargast Ute Lemper (Sopran), Lisa Tjalve (Sopran), Remus Alazaroae (Tenor), sowie Anna Reszniak (Violine). Erstmals dabei die Nürnberger Symphoniker und Heinz Walter Florin (Dirigat/Klavier/Moderation).

5.Abend: CICERO singt SINATRA – Eine Hommage an Frank Sinatra
zum 100. Geburtstag von Frank Sinatra mit Big Band und Gästen
Montag 06.Juli 2015 19:30 Uhr

Frank Sinatra ist und war eine Legende, ein Künstler der Superlative und wohl einer der größten Entertainer des amerikanischen Showbusiness. In seiner 60 jährigen Karriere sprengte er mit 1.800 Songaufnahmen, 60 Filmrollen, neun Grammys und einem Oscar sämtliche Rekorde. Am 12. Dezember 2015 wäre Frank Sinatra ganze 100 Jahre alt geworden, ein Anlass den sich das Festival zur Gestaltung des heutigen Abends genommen hat. Kein geringerer als Roger Cicero erfüllt sich den Herzenswunsch, sein persönliches „Best-of-Frank Sinatra“-Konzert zu präsentieren. Roger Cicero ist seit seinem Studium ein großer Bewunderer Sinatras und freut sich auf die Herausforderung. Gemeinsam mit seiner 13-köpfigen Big Band und den Gästen Sarah Connor und Sasha wird er den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis machen!



(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

DAVID CEBULLA - Für Diesen Einen Moment


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Eigenveröffentlichung / Spinnup-Universal

Sorry, ich schreibe selten einen gnadenlosen Verriss, wenn mir etwas überhaupt nicht gefällt, schreibe ich im Normalfall lieber gar nichts. Aber diese Debüt-CD von DAVID CEBULLA hat mich so fassungslos zurückgelassen, dass ich einfach nicht anders konnte.

Simpelster Liedermacher-Klampfen-Klang mit Texten, in denen es in erster Linie darum geht, dass sie sich reimen und bei dem die Gesangsmelodien so hingedreht werden, dass sie irgendwie mit der schwülstigen Musik zusammenpassen, was zu sehr schrägen Betonungen führt. So etwas spielte man früher im besten Fallen auf dem Klassenfest in der 9. Klasse vor und verschenkte die Aufnahmen an die 30 näheren Bekannten auf Audio-Cassette. Heutzutage vertreibt das Universal Music!

Da ja auch schlechte Presse gute Presse ist, veröffentliche ich diese Kritik trotzdem mal. Zielgruppe bin ich ganz sicher nicht, das dürften eher 13jährige Mädels sein, die sich das erste Mal in den hübschen Kerl aus der Oberstufe verknallen. „Sag mir doch noch einmal, wie war das mit der Liebe? Sag´s mir doch noch einmal, ich versteh´ das nicht genau“ oder „Sag mal bist Du noch die kleiche wie damals vor einem Jahahar?“ spiegeln das Niveau der Texte perfekt wieder. Bei den Ärzten kämen solche Texte mit Selbstironie rüber, aber DAVID CEBULLA meint das offensichtlich total ernst.

Das schlimmste ist (nicht „wenn das Bier alle ist“, wie Die Kassierer singen, sondern), dass das mit der richtigen Promotion sogar erfolgreich werden könnte. Man muss es gehört haben, um es zu glauben. (A.P.)

THE SHANES - Road Worrier


Erstveröffentlichung: CD 2015 / SumoRex / Broken Silence

THE SHANES – Road Worrier“
(VÖ: 05.06.2015 Label: SumoRex Vertrieb: Broken Silence)


Seit dem, Jahr 1991 haben The Shanes – lange bevor Russendisko oder Folkpunk hippe Trends wurden – Elemente genau dieser Stile zu einem eigenen „Hardpolka“ Stil verbunden. Zum 20. Bandjubiläumm gab das Septett dann unerwartet seinen Abschied bekannt – und feiert nun ihr Comeback. mit „Road Worrier“. Das ist auch genau richtig so, denn auf dem neuen Longplayer kommen nun verstärkt Einflüsse des amerikanischen Folk, Country und Western zur Geltung. Matt Dawson überzeugt durch ein markantes Pedal Steel- und Dobro-Spiel. Als besonderer Gast ist Albert Lee (Eric Clapton, Emmylou Harris) dabei, der mit seinen Gitarrensoli für eine gute Portion Rock and Roll sorgt. Instrumentiert mit Akkordeon, Geige, 5String- und Tenor-Banjo, Mandoline, Gitarre, Bass und Schlagzeugäsentieren The Shanes einen mit einer Riesenportion Spielfreude gewürzten Mix aus Rock, Irish-Folk, Balkanklängen und Americana. Das Ergebnis sind 12 virtuos vorgetragene, stilistisch abwechslungsreiche Songs, darunter auch die vorzügliche Coverversion von „Girl Who Lives On Heaven Hill“ von Hüsker. Ein lautstarkes, gelungenes und stilsicheres Comeback!

Autor: Maximilian Nitzschke-Stockmann (Maximilian Nitzschke)

CLASSIC OPEN AIR - First Night 2015


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2015 / Media on Line

FIRST NIGHT – Highlights aus Klassik, Film und Pop in Zusammenarbeit mit dem RBB Berlin Brandenburg

Donnerstag 02.Juli 2015 Gendarmenmarkt Berlin

Ganz traditionell eröffnete Gerhard Kämpfe auch in diesem Jahr das nunmehr 24. Classic Open Air Festival auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte. Alljährlich zieht es bis zu 30.000 Besucher national und international auf den Platz, mit der wohl schönsten Kulisse überhaupt. Eingerahmt vom französischen und deutschen Dom und vor dem majestätischen Konzerthaus, erklingen Konzerthighlights, die für die hohe Qualität des Festivals sprechen.

Das Auftaktkonzert begeisterte das Publikum auch in diesem Jahr durch seine originelle Themenvielfalt, denn diese bildete eine musikalische Vorschau auf das breite Spektrum der diesjährigen Festivalabende. Ausschnitte aus klassischer Oper und Operette, aus Musical, Ballett sowie Filmmusik, Jazz, Rock, Pop und Entertainment. Im nunmehr dritten Jahr wurde zudem die Koproduktion mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg fortgesetzt, welcher das Konzert aufzeichnete und am 15.Juli um 20.15 Uhr senden wird. Durch das Programm des Abends führte uns erneut die charmante Moderatorin des Senders, Madeleine Wehle, unterstützt vom Multitalent Lars Redlich. Madeleine Wehle ist im brandenburgischen Caputh geboren und absolvierte nach dem Abitur ein Volontariat beim Fernsehen der DDR und studierte Journalistik in Leipzig. Parallel dazu arbeitete sie als Sprecherin und Moderatorin beim Sachsen-Radio und ab 1992 auch für das Nachrichtenradio MDRInfo. Ab 1995 präsentierte sie im Wechsel mit weiteren Moderatoren das ORB-Magazin „Abendjournal“. Nach der Fusion von ORB und SFB zum RBB gehört Madeleine Wehle seit November 2003 zum Moderatorenteam des Journals „zibb- zuhause in berlin und brandenburg“. Moderatorekollege des Abends Lars Redlich ist in Berlin aufgewachsen und genoss einige Jahre die vielgehasste frühmusikalische Erziehung. Im Alter von 9 Jahren tauschte er die Blockflöte gegen eine Klarinette und gewann bei „Jugend musiziert“ Preise. Nach seinem Musical-Studium an der Universität der Künste Berlin vereinnahmte ihn die große Unterhaltungsindustrie. Er spielte Hauptrollen in Musicals wie „Mamma Mia!“, „Grease“ oder „The Rocky Horror Show“, sang am Friedrichstadtpalast und war in verschiedenen TV-Serien zu sehen.

Den Auftakt bildete Johann Strauss Komposition „Vergnügungszug Polka schnell op.281“ und stellte dem Publikum damit das Orchester des heutigen Abends vor. Das „Deutsche Filmorchester Babelsberg“ begleitete die Künstler. Nach der Liquidation der DEFA Studios waren das Orchester und seine Musiker zwischenzeitlich integrierter Teil der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam, bis es sich 1993 auf Eigeninitiative in seiner heutigen Form neu gründete. Seit der Neugründung führt das DFOB zwei überaus erfolgreiche Geschäftsbereiche: Zum einen die Produktion von Film- und Fernsehmusiken und zum anderen umfangreiche Konzerttätigkeit mit Film-Live-Konzerten. Eigentlich ist dieses Orchester prädestiniert gewesen für diesen Crossover-Abend, aber irgendetwas muss passiert sein. Während man zu Beginn des Konzertes noch geflissentlich schiefe Töne zu ignorieren versuchte, und nur die Stimmung auf sich wirken ließ, so konnten die Musiker diese irgendwann nicht mehr kaschieren. Das hätte in dieser Form nicht passieren dürfen und milderte doch deutlich die sonstige Qualität des Orchesters.

Mit Johann Strauss ging es inhaltlich weiter, denn Lars Redlich sang aus „Der Fledermaus“ das Stück „Wir laden gern uns Gäste ein“ allerdings mit verändertem Text. Charmanter hätte man für mich das Publikum kaum begrüßen können. Die nächsten beiden Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart „Plapperduett“ aus „Die Zauberflöte“ und Giacomo Puccinis „Musettas Waltz -Quando me n vo“ aus „La Bohème“ gehörten der Sopranistin Claudia Roick. Sie begann ihre musikalische Karriere 6-jährig mit dem Fach Violine am Konservatorium in Schwerin. An der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie an der Jerusalemer Academy of Music and Dance studierte Claudia Roick Gesang. Auf der Bühne war ´sie bereits als „Zerlinda“ in Don Giovanni oder als „Titania“ in „Ein Sommernachtstraum“ zu sehen. Nach einem Ballettstück der musikalischen Komödie der Oper Leipzig aus Sergej Prokofjew „Romeo und Julia“ gehörte die Bühne nun für zwei Stücke aus dem Bereich Musical Marvin Scott. Der lyrische Tenor wurde in Brooklyn geboren und an der Catholic University of America ausgebildet. Sein musikalisches Repertoire umfasst Opern genauso wie Musicalrollen. Er sang bereits Titelrollen in „Rigoletto“ oder „Cosi fan tutte“ genauso wie etwa „Die Zauberflöte“ oder „La Bohème“. Auf dem Gendarmenmarkt präsentierte er dem begeisterten Publikum von F.Wildhorn „This is The Moment“ aus dem Musical „Jekyll and Hyde“ bzw. von I.Mills „Minnie The Moocher“. Aber auch sein Opernrepertoire stellte er dem Publikum vor mit Giacomo Puccinis herzzerreißenderrr Arie „Nessun dorma“ aus „Turandot“.

Ladypower kam mit dem folgenden „Swingmedley“ auf, performt von den charmanten Damen „Three Ladies“. Dieses Terzett besteht eigentlich nicht aus drei, sondern aus vier Ladies. Durch parallele Theater-Engagements wechselt die Besetzung des Trios immer mal wieder. Für ein großes, internationales Gala-Event wurde 2001 ein hochwertiges Showprogramm gesucht und drei der damaligen Studentinnen der Universität der Künste ausgewählt. Das Ergebnis kam so gut an, dass in kurzer Zeit weitere Auftritte der Three Ladies bei diversen Events und Konzerten folgten.

PAUSE

Lars Redlich eröffnete den zweiten Teil des Eröffnungabends mit „Music was my First Love“ von J. Miles und gab damit die musikalische Botschaft dieses Abends preis. Gleich im Anschluss erfreute sich der Gendarmenmarkt eines Echo-Gewinners und vier Gold-Platten Besitzers. Der gebürtige Karlsruher Laith Al-Deen prägte in den vergangenen Jahren mit deutschen Popsongs das kollektive Hörgedächtnis der Bundesrepublik. Mit über einer Million verkauften Tonträgern, vier Gold-Alben, Echo-Nominierungen und zahlreichen Single-Hits legte er eine beeindruckende Karriere hin. Vor gut drei Jahren jedoch, hatte er den Spaß an der Musik und das Gefühl in seiner Musik zu Hause zu sein verloren. Mitte 2013 kam die Klarheit und Zuversicht zurück, und so entstand „Was, wenn alles gut geht“ als ein Album an das Leben und den Mut aus einer Krise gestärkt hervor zu gehen.

Auf dem Gendarmenmarkt sang Laith Al Deen daher „Dein Lied“, „Was, wenn alles gut geht“ und natürlich „Bilder von Dir“. Im Anschluss brillierte Lars Redlich als Frank N Furter mit „Sweet Transvestite“ aus Richard O Briens „Rocky Horror Show“, bevor wir von Patricia Meeden in die Welt der Filmmusik entführt worden sind. Die gebürtige Berlinerin mit kubanischen und dänischen Wurzeln, erhielt ihre Tanzausbildung mit Diplom an der Staatlichen Balletschule Berlin. Als 18jährige gab sie ihr Debüt bei „Cats“ und spielte in den Folgejahren immer wieder in Musicals mit. Auch im Bereich des Fernsehen ist sie unter anderem in „Anna und die Liebe“ oder „Soko Leipzig“ zu sehen gewesen. Sie sang aus „The Bodyguard“ den Titel „I have Nothing“ von Dean Foster und L. Thomson, sowie „Time of my Life“ aus „Dirty Dancing“.

Interessant war nun der Wechsel hin zu Jazzmusik, denn mit Joja Wendt, wurde ein weiterer Star auf den Gendarmenmarkt geladen. Er ist der Träger des Louis Armstrong Preises und bekannt als internationaler Jazzkünstler. Er standeits mit Jerry Lee Lewis, Chuck Berry oder Joe Cocker auf der Bühne. Als er schließlich mit „Stomping at the Savoy“ begann und zu „Sommer Presto“ von Vivaldi überwechselte, riss er das Publikum zu einem Begeisterungssturm hin. Die sonstige Distanz zwischen Publikum und Bühne war dahin, was nicht zuletzt diesen Auftritt so besonders gemacht hat. Der Erste Abend neigte sich auch dem Finale zu langsam, welches mit Feuerwerk über dem Konzerthaus angekündigt wurde. Als dann das Deutsche Filmorchester Babelsberg zu „Raiders March“ aus dem Film „Indiana Jones“ ansetzte stiegen die Fontänen nur so in die Luft und setzten den Zauber der First Night noch beeindruckend in den Nachthimmel um! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

SERPENTS - State Of War


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2015 / Electro Aggression Records / EAR 006

SERPENTS gibt es seit Ende der 80er Jahre, als zunächst einige Tapes veröffentlicht wurden, die noch stark mit Deutsch Amerikanische Freundschaft verglichen wurden. In der Zeit, als vor allem belgischer EBM seine erste Hochphase feierte, klangen die Electroklänge fast schon altmodisch, konnten sich aber trotzdem schnell eine Fanbasis erarbeiten. SERPENTS-Chef Kazim Sarikaya aus Hamburg arbeitete mit Musikern von Static Threshold, Notstandskomitee, Cyber und Plastic Noise Experience zusammen und tut dies bis heute. Immer wenn man dachte, von SERPENTS wohl nie wieder etwas zu hören, kam etwas Neues auf CD heraus und so überrascht uns das Projekt auch 2015 wieder mit einem Rundumschlag, der vor allem Old School-EBM-Fans den Sabber aus dem Mund tropfen lassen wird.

Abgliefert wird nämlich gleich eine Doppel-CD, die zum einen das komplett neue Album „State Of War“ bietet und zum anderen das 2010er Digital-Album „Immer Voran!“ erstmals auf CD, ergänzt durch einige Remixe älterer Stücke, die bis in die frühen Tape-Zeiten zurückgehen. Auch beim Cover gibt es einen offenen Bezug zum ersten Tape von 1989. Dabei darf man SERPENTS aber keinesfalls als altmodisch oder rückwärtsgewandt ansehen. Klar, die Musik ist old-schoolig, aber die Produktion und die Tanzbarkeit bewegen sich ganz eindeutig auf modernem Stand und dürften problemlos einige Tanzflächen in eine wogende Masse aus Menschenleibern verwandeln.

Musikalisch erinnert das alles – und nichts anderes erwartet und erhofft man von SERPENTS – an alte belgische Recken wie Vomito Negro, Klinik, Insekt oder à;GRUMH.... Man kriegt also treibende Rhythmen, aggressive Vocals und hier und da auch mal experimentelle Electro-Klänge zu hören.

Die erste CD enthält neben den zehn Tracks des neuen Albums „State Of War“ noch sieben Remixe von Album-Tracks, unter anderem von Plastic Noise Experience, Cyber (der Remix von „Violence“ dürfte schnell zum Hit werden), The Psychic Force und anderen Weggefährten. Die zweite CD enthält wie erwähnt das Digital-Album „Immer Voran!“, allerdings leicht bearbeitet. Einige Remixe von 2010 wurden weggelassen, ein paar neue hinzugefügt und von zwei Tracks gibt es neue Versionen. In gleich zwei Mixen ist der kleine Clubhit aus den 90ern „Das Zweite Leben“ dabei, der, wenn ich mich nicht ganz täusche auf dem Notstandskomitee-Stück „Gebärmutter“ beruht. Oder war es „Mutter Plastik“ von Das Kombinat?

Zwar sind volle zweieinhalb Stunden hämmernder EBM-Sound am Stück recht anstrengend, aber sehen wir es mal so: damals in den „schwarzen“ Clubs und auf zahllosen Konzerten hat uns das auch nicht gestört. Und wenn der Sound so fett und konsequent wie bei SERPENTS aus den Boxen knallt, fühlt man sich gleich ein paar Jahre jünger und freut sich, dass es noch Musiker gibt, die nicht auf jeden fahrenden Zug aufspringen und jedem Trend hinterher hecheln. Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte „State Of War“ DAS Old School-EBM-Album 2015 sein. (A.P.)

Webadresse der Band: www.serpents.de

CLASSIC OPEN AIR - Eine italienische Sommernacht


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2015 / Media on Line

Classic Open Air 2015 – Eine italienische Sommernacht

Bravour-Arien und Duette von Aida bis Santa Lucia Freitag 03.Juli 2015 Gendarmenmarkt Berlin

Seit jeher gehört Italien zur thematischen Programmgestaltung der Classic Open Air Festivals. Bereits 2001 gab es eine Verdi-Gala und seit 2006 in jedem Jahr ein italienisches Konzert mit jeweils unterschiedlichen Akzenten. Im Zentrum des diesjährigen Konzertes stand zum Glück wieder die italienische Oper, deren zentrales Thema die Liebe mit all ihren Facetten ausmacht. Es geht um berühmte Frauengestalten wie Aida, Tosca, Mimi, Violetta oder Rosina, welche verehrt, geliebt, verführt, betrogen und manchmal auch getötet werden. Der Stargast des zweiten Abends war Tenor Fabio Andreotti, selbst mit römischen Wurzeln, gestaltete er mit drei bezaubernden Sopranistinnen und einer Violinvirtuosin, sowie den Brandenburger Symphonikern diesen Abend. Kein geringerer als der große Luciano Pavarotti gab den Anstoß zur Gesangskarriere von Fabio Andreotti und wurde sein Förderer. Der Tenor Andreotti faszinierte schon sehr früh durch seine besondere Stimme und wurde bald weltweit ein gern gesehener Gast. Seine internationale Karriere bringt ihn nach Japan, China, Korea, die USA, sowie an renommierte Häuser in Nord- und Südeuropa. 2014 etwa war er mit dem italienischen Fußball-Nationalteam auf Einladung des italienischen Außenministeriums in Brasilien. An drei Spielorten gab er der Mannschaft Konzerte, darunter auch das Abschiedskonzert im Opernhaus Teatro Amazonas von Manaus.

Die Eröffnung des warmen Abends erfolgte durch die Brandenburger Symphoniker und Rossinis „La gaza Iadra/Ouvertüre“. Die Tradition sinfonischer Aufführungen in Brandenburg an der Havel reicht bis ins Jahr 1810 zurück. Damals gründeten hochrangige preußische Militärmusiker ein eigenes Orchester. Ab 1866 nannte sich das erfolgreiche Musikensemble „Orchester des Brandenburger Theater“ ehe es nach der Wiedervereinigung seinen jetzigen Namen erhielt. Das Orchester präsentiert nun regelmäßig Uraufführungen und Orchesterwerke zeitgenössischer Komponisten. Schließlich brachte Fabio Andreotti unter anderem mit Guiseppe Verdis „Celeste Aida“ aus der gleichnamigen Oper „Aida“ wahre Stimmgewalt auf den Platz. Wenngleich Aida eigentlich in Ägypten spielt, so steckte in der Intonierung solch ein italienisches Feuer, dass der frenetische Applaus nur mehr als berechtigt war zum Abschluss des ersten Arienblocks.

Die Damen an Fabio Andreottis Seite umgarnen den Tenor, buhlen um ihn und vergehen in Eifersucht. Die erste Dame, welche um Fabios Gunst buhlte war Lindsay Funchal. Die junge Sopranistin absolvierte ihr Bachelorstudium im Fach Gesang im brasilianischen Belo Horizonte und ihr Masterstudium an der Hochschule für Musik in Dresden. Ihr Repertoire umfasst Rollen aus „Die Entführung aus dem Serail“ oder „Cosi fan tutte“. Seit 2012 ist sie an der Landesbühne Sachsen als Gastsopranistin zu erleben. Auf dem Gendarmenmarkt brillierte sie durch die Arie „Quando m en vo“ aus Puccinis Oper „La Bohème“. Nicht genug das mit Rossini und Puccini nicht schon zwei Meister der italienischen Oper vertreten waren, nein mitVerdis „La Traviata“ wurde als nächstes aufgewartet. Die Koloratursopranistin Alesandra Rossi-Filippi sang „Addio del passato“ und zeichnete sich durch die besondere Vielseitigkeit ihrer Stimme sowie ihrer dramatischen Begabung aus. Ihr Repertoire reicht von der Musik des frühen Barock über Oper bis hin zu zeitgenössischer Kammermusik. Mirjam Miesterfeldt präsentierte sich durch die wunderschöne Arie „O mio babbino caro“ von Giacomo Puccini, eine Arie, welche ich selbst zu meinen Lieblingen der italienischen Klassik zähle. Bereits 2012 wurde Mirjam Miesterfeldt mit dem Lotte-Lehmann-Förderpreis für Stimme und szenische Darstellung ausgezeichnet. Ein Jahr später nahm sie als Stipendiatin an der Lotte-Lehmann-Akademie teil und begeisterte dort mit ihrer Stimme. In diesem Jahr ist sie u.a. in der Oper „Carmen“ an der Oper Neukölln oder in „Der Freischütz“ miit dem Brandenburgischen Konzertorchester Eberswalde zu erleben. Einen weiteren besonderen Moment im ersten Teil des Abends schaffte Saschka Jekaterina Haberl mit ihrer Interpretation des „Violinkonzert Die Vier Jahreszeiten/ Der Sommer 2. und 3. Satz“ von Vivaldi. Bereits im Alter von fünf Jahren bekam sie ihren ersten Geigenunterricht, ihr Debüt mit Orchester gab sie mit 12 Jahren und mit 13 wurde sie als jüngste Studentin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin aufgenommen. Derzeit studiert die nun erwachsene Dame an der HMTM München im Masterstudiengang Barockvioline. In die wohlverdiente Pause entließen die Brandenburgischen Symphoniker das Publikum mit Giacomo Puccinis „Hexentanz“.

Nach der Pause, die hauptsächlich genutzt wurde, um sich mit Flüssigkeit zu versorgen, ging es stimmungsvoll weiter. Fabio Andreotti, Lindsay Funchal, Mirjam Miesterfeldt und Alessandra Rossi-Filippi traten in den Gesangswettstreit und brillierten mit Rossinis „Tarantella“ aus der Oper „La Danca“. Für ein weiteres Highlight sorgte Maestro Andreotti selbst, indem er die wohl bekannteste Arie aus der Oper „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi intonierte: „La donna é mobile“.

Hauptsächlich blieb es im zweiten Teil verstärkt bei Giuseppe Verdi, was wohl daran liegen mag, dass Verdis Opern nur so vor emotionalen Hoch und Tiefs triefen. Das bewies auch Fabio Andreotti zusammen mit Lindsay Funchal, denn beide intonierten „Parigi o cara“ aus der Oper „La Traviata“.

Auch Puccinis „Tosca“ wurde natürlich nicht vergessen, denn Fabio Andreotti sang „E lucevan le stelle“, ehe wir wieder zu Verdi wechselten, und sich die Solisten des Abends mit „Libiamo“ aus der Oper „La Traviata“ vom Publikum verabschiedeten. Am Ende stand das Publikum auf dem Platz, einige Herrschaften schunkelten mit, sangen mit, und erfreuten sich an diesem wahrhaft gelungenen italienischen Sommerabend. Fabio Andreotti war als Gastgeber absolut die richtige Wahl, die Stücke stimmig ausgewählt und italienische Lebensfreude ist in all ihren Facetten omnipräsent gewesen! Bravissimo! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

CLASSIC OPEN AIR - Zauber der Romantik


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2015 / Media on Line

Samstag, 04.Juli 2015 Gendarmenmarkt Berlin

Nachdem man sich bereits in den letzten Jahren den Musikepochen des Barock und der Wiener Klassik gewidmet hatte, war der Samstag Abend geprägt von der Epoche der Romantik. Die Musik dieser Stilepoche war geprägt von Themen aus Traum- und Fantasiewelten, durch das Volks- und Kunstlied oder durch märchenhafte Naturstimmungen und Sagen. Zu den bekanntesten Komponisten dieser Stilepoche gehörten Carl Maria von Weber, Johannes Brahms, Frederic Chopin und Bedrich Smetana. Das hieß für diesen Abend natürlich auch, dass das Publikum ein sehr vielseitiges Programm zu sehen bekam. Neben Arien, Duetten und Chören aus romantischen Opern, erklangen Lieder, Instrumentalsoli und Ausschnitte aus großen Orchesterwerken.

Den Auftakt machte Richard Wagners Oper „Lohengrin“, aus der wir von der Anhaltischen Philharmonie Dessau gespielt, das „Vorspiel 3. Akt“ erleben durften. Dieses Orchester ist ein historisch gewachsener Klangkörper mit moderner Ausstrahlung in Dessau-Roßlau ansässig. Als eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester des Landes Sachsen-Anhalt reichen die Anfänge bis ins Jahr 1766 zurück. Seit 1992 trägt es nun seinen Namen und ist wiederholt eingeladener Gast zum Classic Open Air. Ihr Dirigent des Abends war Antony Hermus, welcher seit der Spielzeit 2009/2010 Generalmusikdirektor des Anhaltinischen Theaters Dessau und Chefdirigent der Philharmonie war. Sein Repertoire umfasst etwa 200 sinfonische Werke und 50 Opern. In den vergangenen Spielzeiten wurde er wiederholt von der Zeitschrift Opernwelt zum „Dirigenten des Jahres“ nominiert. Um so tragischer, dass er am heutigen Abend sein letztes Dirigat mit diesem Orchester hatte. Dank dem merkwürdigen Verhältnis der sachsen-anhaltischen Landesväter zu Kunst und Kultur und einer unverständlichen Sparpolitik, dürfte er gegangen sein. Dabei gilt es gerade solche großartigen Dirigenten zu schützen, zu erhalten und nicht ihrer Freiheiten zu berauben!

Durch den Abend führte nun Nadine Schori, welche sich in den letzten Jahren besonders als Schauspielerin einen Namen machte. Man sah sie unter anderem an der Seite von Katja Riemann, am Deutschen Theater Berlin oder etwa an der Seite von Katharina Thalbach in der Komödie am Kurfürstendamm Berlin spielen. Nadine Schori entführte uns im Anschluss an ihre Vorstellung gedanklich auch sogleich in das Elbsandsteingebirge, denn inspiriert von dieser wilden Felslandschaft der Sächsischen Schweiz, schrieb Carl Maria von Weber seine Oper „Der Freischütz“. So streiften wir zusammen mit dem jungen Tenor Alexander Geller „Durch die Wälder..“. Sein Bühnendebüt gab er im Rahmen der Händel-Festspiele 2007 in Halle an der Saale. Seit der Spielzeit 2014/2015 gehört er nun fest zum Opernensemble des Staatstheaters Cottbus.

Abgelöst wurde Alexander Geller auf der Bühne von Ulf Paulsen, der ihn sogleich aufforderte „Schweig, schweig..“. Die Stimme des Opernsängers aus Bremerförde lies sich schwer in eine gängige Schublade drängen, da ihm diese auch ein umfangreiches Repertoire ermöglicht. Egal ob Barriton, Bassbariton oder Bass, er kann diesen Umfang mühelos ausfüllen. Seit 2001 ist er festes Mitglied des Anhaltischen Theaters Dessau. Ehe es auf der Bühne noch zum Krieg zweier Herren gekommen wäre, erschallte von der Singakademie Frankfurt/Oder der schlichtende „Jägerchor“. Die Singakademie Frankfurt/Oder feiert in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag. Die 1815 gegründete Chorvereinigung gestaltet in Frankfurt (Oder) und der Region eine große Anzahl an Konzerten. Gastspiele in der Berliner Philharmonie oder dem Konzerthaus Berlin, dem Gewandhaus Leipzig oder sogar dem Petersdom in Rom kamen in den letzten Jahren vor. Nach dem ersten Opernpart im ersten Teil des Abends, durften wir nun dem beeindruckenden Klavierspiel von Boqiang Jiang lauschen, welcher den „Liebestraum Nr. 3 – Nocturne in As-Dur“ von Franz Liszt erklingen ließ. 1989 in Shandong geboren, begann er bereits mit sechs Jahren das Klavierspiel. Er studierte am Zentralen Musikkonservatorium Peking und nahm erfolgreich an zahlreichen Meisterkursen und Wettbewerben teil. Im Winter 2010 gewann er den 1. Preis beim 5. Berliner Klavierwettbewerb. Derzeit studiert er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Das Publikum war bewegt und ließ es den jungen Mann durch tosenden Beifall spüren. Ein für meinen persönlichen Geschmack etwas zu abrupter Wechsel erfolgte nun, denn nach Liszt folgte Robert Schumann mit einem „Konzertstück für vier Hörner und Orchester, op. 86“ gespielt von dem Hornensemble „Die vier Hornisten“. Sie sind Teil des Ensembles der Anhaltischen Philharmonie Dessau und bestehen aus Daniel Costello, Lukas Fichtner, Paul Goodman und Dietmar Adam. Wenngleich die vier Herren ihre Instrumente wahrlich beherrschten, so war dieses Stück dennoch keines, dass mich zum schwelgen gebracht hat. Möglicherweise ist dies aber auch nur der Tatsache verschuldet, dass ich kein so großer Blechbläser-Fan allgemein bin. Das nächste Stück ist weltbekannt, nicht zuletzt, weil der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe den Originaltext verfasste. Franz Schubert vertonte es daraufhin, und brachte das kleine Gedicht zu Weltruhm. Das „Heideröslein“ wird von Alexander Geller in der Rolle des Knaben gebrochen.

Sophie Klußmann wiederum singt einen weiteren „Kult-Hit“ der Romantik, nämlich das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms. Dieser komponierte sein Wiegenlied 1868 in Bonn und widmete es Bertha Faber anlässlich der Geburt ihres zweiten Sohnes. Den Text kennt heute jeder als liebliches Schlaflied für Neugeborene: „Guten Abend, gut Nacht, mit Rosen bedacht..“. Im übrigen ist bis heute nicht geklärt, welche Art von Beziehung die beiden führten. Es heißt Brahms sei scheu gewesen gegenüber Bindungen und mehr als eine Freundschaft stecke nicht hinter diesem Stück.

Mit Brahms ging es auch weiter, ehe sich der zweite Opernblock im ersten Teil des Abends anschloss. Boqiang Jiang saß erneut am Klavier um den „Ungarischen Tanz Nr. 5“ darzubieten. Direkt hinter der Bühne auf dem Gendarmenmarkt im damaligen Königlichen Opernhaus Berlin hatte die folgende Oper 1849 ihre Uraufführung. Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ basiert natürlich auf der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare, steht jedoch musikalisch in der Singspiel-Tradition. Nicolai fand einen Konsens zwischen der romantischen Oper im Stil von Carl Maria von Weber und der komischen Oper von Albert Lortzing.

Olaf Plassa betratt als feister und verarmter Landadliger Sir Falstaff die Bühne und sang prahlend von seiner Kindheit „Als Büblein klein an der Mutterbrust“. Olaf Plassa hatte sein erstes Engagement an der Staatsoperette Dresden und stand für ca. 650 Vorstellungen auf der Bühne. Anschließend wechselte er an das Volkstheater Rostock, ehe er seit 2008 freischaffend arbeitet. Zu seinem Repertoire zählt etwa „Der Freischütz“ oder „Die Zauberflöte“. Als Frau Fluth trat Angelina Ruzzafante auf den Plan, nachdem Falstaff sowohl der Dame Fluth wie der Dame Reich Liebesbriefe schrieb, möchten die Damen ihm nun eine Lektion erteilen. So lädt sie diesen zu einem Stelldichein und lässt verlauten: „Nun eilt herbei..“. Die gebürtige Niederländerin Angelina Ruzzafante absolvierte ihr Gesangsstudium an der Musikhochschule Maastricht mit Auszeichnung. Ihre Karriere begann am Theater Hagen und führte sie bald zu internationalem Erfolg an verschiedenen Opern- und Konzerthäusern weltweit. Seit der Spielzeit 2009/2010 gehört sie zum Ensemble des Anhaltischen Theaters Dessau. Egal ob Mozart oder Puccini, ihr Repertoire umfasst beide Komponisten in jedem Falle.

Nach dem wunderschönen Stück „In mir klingt ein Lied“ von Frederic Chopin, gesungen von Sophie Klußmann und Chor, wird der erste Teil des Abends durch die Staatliche Balletschule Berlin und ihrer Choreographie zu „Le Corsaire“ von Adam und Minkus geschlossen.

Nach der Pause ging es instrumental weiter, entlang des Flusslaufs den Bedrich Smetana in Musik gefasst hat, nämlich der Moldau. Auch im folgenden Opernblock blieben wir bei Smetana in Form seiner Oper „Die verkaufte Braut“. In einem böhmischen Dorf wird die Kirchweih und die junge Marie ist traurig. Sie soll den dummen Wenzel heiraten, obwohl ihr Herz dem Hans gehört. Diesen Moment besang Sophie Klußmann mit „Mein Liebestraum, wie war er schön!“

Alexander Geller und Olaf Plazza wiederum verkörperterten die namensgebende Situation. Für 300 Gulden nämlich verzichtet Hans auf Marie, jedoch unter der Bedingung, dass Marie nur einen Sohn des Micha heiraten darf- was keiner weiß ist, dass Micha der Vater von Hans und Wenzel ist und somit Marie wieder ihren Hans heiraten kann. Im Anschluß an den Opernblock folgte von Hazell ein „Folk-Song-Medley“ gesungen von Ulf Paulsen und dem Chor. Dabei war unter anderem der Song „Molly Malone“ und es dauerte nicht lange, da sangen etliche Münder „Alive, Alive, Oh!“ lautstark mit. Nach dem Ausflug ins kunstvolle Volkslied ging es zurück in die Welt der Oper. Angelina Ruzzafante entführte uns in die Oper „Rusalka“ von Dvorák und besang voller Imbrunst im „Lied an den Mond“ die beginnende Dämmerung. Anschließend wurde es tragisch, denn Sara Grotzkis Balletsolo aus dem „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens dokumentierte den Tod des einst so stolzen Schwanes. Bei Schwänen bleibt dieser Ballettabschnitt auch und ließ die Staatliche Ballettschule Berlin den „Tanz der kleinen Schwäne“ aus Tschaikowskys „Schwanensee“ anmutig tanzen. Mit Richard Wagners „Das Rheingold“ begaben wir uns mitten auf den Grund des Rheins zusammen mit Ulf Paulsen.

Mit „Abendlich strahlt der Sonne Auge“ entzündeten sich auch Feuerschalen auf der Bühne und auf dem Konzerthaus und tauchten den Platz in eine unwirkliche Fantasiewelt. In dieser bezaubernden Illumination durfte sich dann „Peer Gynt“ bewegen von Grieg. Während Angelina Ruzzafante „Solveigs Lied“ erschallen ließ, mehrten sich die „Aahs!“ und „Ohhs!“ im Publikum, da immer mehr Feuerschalen nun den Platz und das Opernhaus erstrahlen ließen. Um so würdevoller kamen dann die Töne des wohl bekanntesten Instrumentalstückes dieser Oper zum tragen, nämlich „In der Halle des Bergkönigs“ gespielt von der Anhaltischen Philharmonie Dessau.

Den Abschluss der romantischen Nacht, die wahrlich einen ganz eigenen Zauber entfachte, bildete die Operette „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing. Olaf Plassa und Chor sangen gemeinsam den Song „Heil sei dem Tag“, ehe das Publikum allen Mitwirkenden des Abends tosenden Applaus spenden durfte. Was für ein großartigerAbend auch für Antonyermus, der wie gesagt zum letzten Mal dieses traditionsreiche Philharmonieorchester dirigieren durfte! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

LEICHTMATROSE - Du, Ich Und Die Andern


Erstveröffentlichung: CD 2015 / I Am Surprised / Soulfood / IAS 004

Ich hatte in meiner zwiespältigen Kritik zur letzten Single „Jonny Fand Bei Den Sternen Sein Glück“ geschrieben, dass LEICHTMATROSE ganz okaye Monumental-Popmusik macht, es bei mir aber nicht so richtig zündet. Ich muss zugeben, inzwischen hat sich das etwas zum positiven verändert, inzwischen mag ich die Stimme ganz gerne hören und gegen eingängigen Pop ist ja sowieso nichts einzuwenden – also freute ich mich sogar auf das zweite Album „Du, Ich Und Die Andern“ sogar.

Eine große musikalische Veränderung gibt es natürlich nicht – Klänge zwischen Synth-Pop, Witt, Wolfsheim und schwülstigem Mainstream mit Synthie-Streichern. Würde mich nicht wundern, wenn man die Lücke besetzen wollte, die Unheilig bis zur ihrer Reunion in circa zwei Jahren hinterlassen, auch wenn LEICHTMATROSE Andreas Stitz dem sicher ganz vehement widersprechen wird. Der Waschzettel nennt es Electro-Chanson.

Textlich bewegen sich die Lieder zwischen schlagerhaftem Liebes-Kitsch, Einstürzende Neubauten, Goethes Erben und modernem Deutsch-Pop. Musik und Texte zusammen ergeben ein soundmäßig top abgemischtes Hit-Potenzial, das das Zeug zum kommerziellen Durchbruch hat – aber das kann man kaum steuern – wenn nicht wirklich – wirklich! – große Geldsummen in die Promotion gesteckt werden, die hier wohl kaum dahinter stecken. Schade, manche Lieder von LEICHTMATROSE würden das tagtägliche Radioeinerlei positiv aufmischen. Die Vorabsingle „Jonny Fand Bei Den Sternen Sein Glück“ hat sich bei mir inzwischen zum richtigen Ohrwurm entwickelt, während das als Videoclip ausgekoppelte Quasi-Titelstück „Damals Im Leben (Was Für Ein Jahr)“ mir doch etwas zu glatt und seicht klingt.

Bei „Hier Drüben Im Graben“ hat einmal mehr LEICHTMATROSEs Mentor Joachim Witt mitgewirkt, was man deutlich hört. Sehr interessant klingt auch noch „Atlantis“, das aufgrund der Gaststimme von Dorian E. ein wenig was von Placebo hat, aber auch das einzige Stück ist, das ein wenig überproduziert erscheint, hier wäre weniger besser gewesen. Vielleicht kommt da noch mal ein schöner Remix, dann könnte das als Single einschlagen. Ansonsten muss man aber auch sagen, dass die meisten Lieder recht ähnlich klingen, und das, obwohl das Album unter 50 Minuten Laufzeit hat. Das ändert aber nichts daran, dass „Du, Ich Und Die Andern“ ein ordentliches und eingängiges Pathos-Pop-Album geworden ist, das zwar mainstreamtauglich ist, aber – vor allem auch textlich – hier und da kleine Gemeinheiten einbaut, die aufhorchen lassen. Manchmal bedarf es nur eines kleinen Zufalls, damit Ein Album plötzlich in den Top 5 der Charts auftaucht…sagt also später nicht, Ihr hättet davon nichts gewusst. (A.P.)

FRANK APUNKT SCHNEIDER - Deutschpop Halt´s Maul - Für Eine Ästhetik Der Verkrampfung


Erstveröffentlichung: Buch 2015 / Ventil Verlag - Testcard Zwergobst / ISBN 978-3-95575-030-5

Hat Deutschland eine eigenständige Popkultur entwickelt? Wenn es nach Frank APunkt Schneider in seinem Buch geht: nein. Damit könnte man diese Rezension eigentlich beenden oder sich zumindest fragen, warum ein Autor – siehe auch „Als die Welt noch unterging – Von Punk zu NDW“ – zu dieser scheinbar einfachen Frage mit noch einfacherer Antwort gut 100 Seiten schreiben muss.

Schneider stellt dar, wie und vor allem warum Deutschland – seiner bescheidenen Meinung nach – keine „typisch deutsche“ Popmusik entwickelt hat, sondern (fast) immer nur die anglo-amerikanischen Entwicklungen mehr schlecht als recht kopiert. Und da wird es interessant und die Abhandlung lesenswert.

Wie so oft hat das Problem seinen Ursprung in der Zeit des Dritten Reichs, als die Bevölkerung ganz bewusst gleichgeschaltet wurde und gar keine eigene Identität entwickeln sollte. Was „deutsch“ sei, wurde von oben vorgegeben. Popmusik – auch, wenn es den Begriff damals noch gar nicht gab – hat für Jugendliche auch immer etwas mit Aufbegehren gegen die Elterngeneration zu tun, und das war natürlich unter den Nazis überhaupt nicht erwünscht. Das färbte auf die erste Nachkriegsgeneration ab, denn die Indoktrination konnte man nicht einfach so per Knopfdruck entnazifizieren. Als der Rock´n´Roll nach Europa schwappte, tat er sich erstmal in Deutschland schwer. Deutsche Gruppen, die sich mit der „neuen Musik“ beschäftigten machten daraus eine brave, schlagerinfizierte Version. Mit dem Beat der 60er Jahre, allen voran den Beatles, gründeten sich dann endlich jede Menge Bands, aber die spielten auch nur das nach, was sie von amerikanischen und englischen Bands gehört hatten. In den 70ern rollte der so genannte Krautrock durch die Welt und endlich nahmen andere Länder Notiz von deutscher Musik, aber hier fehlte der kommerzielle Erfolg.

Mit Punk und New Wave schien sich dann tatsächlich eine eigene deutsche Musik zu entwickeln, die in der von den großen Plattenfirmen ausgequetschten Neuen Deutschen Welle dann aber schnell wieder schlagerisiert wurde. Nächster „Versuch“ die „Hamburger Schule“ der 90er Jahre. Und heute beherrschen deutsche Produktionen die Charts, aber ist an Bands wie Silbermond, Juli, Klee, Xavier Naidoo und und und irgendwas speziell deutsches, außer, dass eben meist in dieser Sprache gesungen wird?

Frank APunkt Schneider beschreibt diese Entwicklung in seiner typischen Mischung aus erzählendem, informativen Text und wissenschaftlicher Aufarbeitung mit vielen Fremdwörtern. Das ist manchmal etwas trocken zu lesen, aber ein unterhaltsamer Reader über die deutsche Nachkriegs-Popgeschichte sollte das wohl auch nicht werden. Im Gegenteil, Schneider setzt ein gewisses Musikwissen voraus und führt als Beispiele Bands auf, ohne näher auf ihre Musik einzugehen. Als Einstieg für Laien ist „Deutschpop Halt´s Maul“ daher kaum geeignet.

Natürlich wird nur die Meinung des Autors wiedergegeben, zwar unterstützt von zahlreichen Zitaten, aber man kann oft ganz anderer Meinung sein. Klar hat Kraftwerk die elektronische Musik nicht erfunden, aber schon ein einflussreiches eigenes Ding darauf gemacht, das nachfolgende Bands beeinflusst hat. Schneider ordnet sie als nicht besonders wichtig ein. Musik wie die von Deutsch Amerikanische Freundschaft hatte natürlich Vorläufer, aber die kommerzielle Verwertbarkeit haben eben die Düsseldorfer ausgearbeitet. Aus internationaler Sicht ist Rammstein wohl im Moment die „typisch deutsche“ Band – kommt aber in dem Buch kaum vor. Überhaupt: wenn man sich in der Welt nach deutscher Musik umhört, werden garantiert eben Kraftwerk, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Einstürzende Neubauten und Rammstein genannt Und dann noch die Scorpions – natürlich indiskutabel als deutsche Popkultur – und vermutlich Nena und Trio. International sind Bands wie Fehlfarben, Blumfeld, Kolossale Jugend, Tocotronic oder Mia im besten Falle Randnotizen, aber nicht typisch deutsch. Diese Sichtweise fehlt mir ein bisschen, denn was exemplarisch für ein Land ist, entscheiden mehr oder weniger die Menschen aus anderen Ländern, wobei die Grenze zum Klischee natürlich unscharf ist.

Der Ansatz von Schneider ist stark politisch geprägt, aber ist Popmusik heute noch politisch? Wenn man davon ausgeht, dass sie die Massen einlullen und ruhig halten soll, dann auf jeden Fall, nur eben unterschwelliger als in den 70er Jahren mit der direkten Konfrontation durch Ton Steine Scherben. Schneider arbeitet heraus, dass deutsche Popmusik weitgehend einen „wir sind wieder wer“-Aspekt rüberbringen möchte, ein gewisses Gefühl von Stolz. Ich bin aber der Ansicht, dass das weniger gewollt ist, sondern die jungen Musiker sich einfach nicht mehr so sehr mit der speziellen deutschen Vergangenheit beschäftigen und sagen „lasst mich mit dem alten Kram in Ruhe.“ Das mag daran liegen, dass heutigen Jugendlichen der Kontakt zur „Erlebnisgeneration“ fehlt. Wer in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen ist, hat vermutlich noch Großeltern und Lehrer gehabt, die aus erster Hand berichtet haben, das war Zeitgeschichte. Heute ist es nur noch Geschichte, die man aus Büchern und Filmen vermittelt bekommt. Jugendliche fragen sich „was hat das mit mir zu tun?“ Das macht den „neuen Stolz“ auf Deutschland nicht besser, aber zumindest nachvollziehbarer.

Ansätze von eigener deutscher Popkultur bestreitet auch Frank Apunkt Schneider nicht, so wird die Münchener Band Freiwillige Selbstkontrolle mehrfach erwähnt und auch Ton Steine Scherben-Sänger Rio Reiser wird Charisma zugesprochen (das aber in seiner Solokarriere zugunsten angepasster Musik angeblich wieder verlorenging). Aus meiner Sicht werden hier aber die Einstürzenden Neubauten viel zu wenig berücksichtigt. Und der Versuch einiger Dark Wave-Bands wie Das Ich oder Goethes Erben Anfang der 90er, deutschsprachige Texte in ungewöhnlicher Form zu vertonen hätte zumindest eine Erwähnung verdient gehabt, auch, wenn es im klassischem Sinne keine Popmusik war und vieles sich schnell in Peinlichkeit auflöste.

Wenn mich heute jemand nach typisch deutscher Musik fragte, würde ich ganz sicher Rammstein nennen, nicht, weil ich sie mögen würde, sondern, weil die Gruppe eben international so gesehen und gehört wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass Rammstein derzeit der einzige Act wäre, der eine Chance für Deutschland beim Eurovision Song Contest hätte, nicht wegen der Show, sondern weil sie als spezifisch deutsch angesehen werden. Auch, wenn sie sich mit ihrem Auftritt gemeinsam mit Heino beim Wacken Open Air mehr als unglaubwürdig gemacht haben. Ansonsten empfehle ich „Stand Rotes Madrid“ von Cpt. Kirk &. als aufregendes Hördokument für unvergleichbare deutsche Musik.

Insgesamt ist „Deutschpop Halt´s Maul“ ein interessanter Reader für fortgeschrittene Musikinteressierte für relativ kleines Geld. Man muss dem Inhalt nicht bedingungslos zustimmen, aber als Diskussionsgrundlage ist er sehr lesenswert. (A.P.)

Webadresse der Band: www.ventil-verlag.de

LYDIA LUNCH RETROVIRUS - Urge To Kill


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Rustblade Records / Brocken Silence / RBL049CD

Nachdem LYDIA LUNCH vor gar nicht so langer Zeit ein beachtenswertes Wüsten-Blues-Album mit Cypress Grove rausgebracht hat, besinnt sie sich jetzt unter dem bezeichnenden Namen LYDIA LUNCH RETROVIRUS auf ihre Vergangenheit. „Urge To Kill“ ist eine Rückschau auf die musikalische Karriere der Dame in den 80er Jahren in Form von kraftvollen Neuaufnahmen von neun Songs. Bei der Menge an Veröffentlichungen, die LUNCH vorweisen kann, ist die Begrenzung auf neun Lieder natürlich extrem eingeschränkt und subjektiv. Eine Best Of-Kopplung ist im Grunde sowieso nicht möglich und so darf man sich als Fan einfach darüber freuen, dass die Dame zumindest zu ihrer alten Musik steht. Für „Urge To Kill“ hat sie sich illustre Musiker zusammengerufen, die vorher bereits mit ihr selbst und Größen wie Sonic Youth oder Pussy Galore gespielt haben.

Mit „Snakepit Breakdown“, im Original auf dem beinahe schon legendären „13.13“-Album von 1982, geht im Grunde als lupenreiner amerikanischer Deathrock durch und macht sich gut in einer Reihe mit den Klassikern des Genres. Schräger und vielleicht typischer für LUNCH ist die neue Version von „Some Boys“, die an die guten alten The Birthday Party erinnert, mit denen sie ja Anfang der 80er auch zusammengearbeitet hat. „Lock Your Door“ zeigt woher Bands wie die Super Heroines, Hole und L7 und im Grunde auch Shadow Project einige ihrer Einflüsse bezogen haben. In eine doomigere Richtung geht die Neuaufnahme des 1987er Songs „Dead Me You Beside“, sehr schwerer Stoff, ebenso wie das ebenfalls von 1987 stammende Stück „Still Burning“, das sich aber alleine durch seine Länge von über sieben Minuten noch hypnotischer ins Hirn gräbt. „Frankie Teardrop“ ist ein Cover des bekannten Suicide-Stückes – wer könnte diese wegweisende Band besser interpretieren als LYDIA LUNCH?

Etwas leichter zu konsumieren, weil straighter, ist „Fields Of Fire“ vom 1987er Album „Honeymoon In Red“. Ältestes Stück auf dem Album – abgesehen vom Suicide-Cover – ist „Tied And Twist“ von 1980, das sich aber lückenlos in die Neuaufnahmen späterer Veröffentlichungen einreiht und hier den frühen No Wave genial repräsentiert, düster, monoton, disharmonisch, aber sicher Vorbild für viele Musiker wie Foetus, Swans und andere. Enden tut „Urge To Kill“ schließlich mit dem nervenzerfetzenden Noise-Rock von „Three Kings“, ein Song, den The Birthday Party zusammen mit den Swans wohl auch gerne geschrieben hätten.

Man weiß nicht, was LYDIA LUNCH zu dieser nostalgischen – aber gar nicht altbackenen – Rückschau veranlasst hat. Auf jeden Fall ist es schön, dass die Songs auch heute noch funktionieren und Energie und Atmosphäre haben und die Stimme immer noch so intensiv und genial ist, wie vor 30 und mehr Jahren. Eine wahre Künstlerin, die unglaublich einflussreich war und ist, auch, wenn ihr Name heute wohl fast nur noch alten Säcken wie mir ein Begriff ist. Wirklich ein Album, das überrascht und durchaus Akzente setzt im weiten Feld zwischen düsterem Alternative-Rock und Gothic-Rock in der ursprünglichen Bedeutung. (A.P.)

CLASSIC OPEN AIR - Eine französische Sommernacht


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2015 / Media on Line

Classic Open Air 2015 – Eine französische Sommernacht Sonntag 05.Juli 2015 Gendarmenmarkt Berlin


Mit dem Begriff französischer Musik assoziiert sich automatisch das Chanson. Natürlich denkt man an Edith Piaf, an Jacques Brel aber auch an Juliette Greco oder Gilbert Becaud. Die Chansons, welche um die Welt gingen, erzählen von Liebe, Leidenschaft und auch von Weltschmerz und Politik. Doch die Palette an französischer Musik ist weitreichender, denn Komponisten wie Offenbach, Berlioz, Ravel oder Bizet haben diese maßgeblich geprägt.

Deshalb wurde der heutige Abend auch zweigeteilt, damit zuerst die Glanzlichter der Opern- und Ballettmusik den Raum haben konnten, ehe der zweite Teil dann dem Stargast Ute Lemper und damit dem Chanson gehören durfte.

Den Auftakt bildete Charles Gounod mit dem Fauststoff. Die Nürnberger Symphoniker, welche erstmals auf dem Gendarmenmarkt auftraten, bewiesen ihrem Ruf gerecht zu werden mit „Valse de Faust“. Nach dem orchestralen Auftakt folgten Arien aus der gleichen Oper wie etwa „Ah! Je ris de me voir si belle en ce miroir“ auch bekannt als Juwelenarie, dargeboten von der Sopranistin Lisa Tjalve. Das französische Flair schwappte sehr schnell über, so dass Remus Alazaroae diesen Aufbau nur ausbauen brauchte. Der junge Tenor sang „Quel trouble inconnu“ und schlüpfte mühelos in die Rolle des Dr. Faustus. Den musikalischen Übergang zum nächsten Komponisten schafften die Nürnberger Symphoniker durch die „Suite El Cid 7. Navarraise“ von J.Massenet. Remus Alazaroae bietet im Anschluss eine der bekanntesten Arien von J.Massenet dar aus der Oper Werther, nämlich „Pourquoi me réveiller“. Das Publikum war begeistert und verzückt in einem Atemzug. Ein Violinzwischenspiel erklang zum Abschluss des J.Massenet Blocks „Meditation“ dargeboten von der ersten Konzertmeisterin der Nürnberger Symphoniker Anna Reszniak. Am Klavier wusste wiederum Dirigent Heinz Walter Florin den Gendarmenmarkt in Erstaunen zu versetzen, da er virtuos den großen Claude Debussy spielte, in Form des Stückes „L Isle Joyeuse“. Lisa Tjalve nahm uns anschließend erneut mit Charles Gounod gefangen, wenngleich es sich in diesem Fall um die Oper „Roméo et Juliette“ handelte. Der nächste Block gehörte George Bizet und der berühmten Oper „Carmen“. Nach dem „Vorspiel 1.Akt“ ging Lisa Tjalve in die Vollen und brillierte als Carmen mit „L amour est un oiseau rebelle“. Remus Alazaroae setzte nach und begeisterte mit „La fleur que tu m avais jetèe“ auch aus „Carmen“. Überhaupt war das Wechselspiel zwischen Sopran und Tenor ein klangliches Erlebnis in diesem ersten Teil des Abends. Der krönende Abschluss wurde von den Nürnberger Symphonikern gestaltet, welche Jacques „Orphée aux Enfers“ benutzen und zum „Can Can“ Tanz einluden. Mit brandendem Beifall wurden die Beteiligten des ersten Teils gefeiert und mit Blumen von der Bühne verabschiedet, ehe es in die Pause ging.

Der zweite Teil des Abend gehörte ganz und gar dem Stargast des Abends, der Wahl-New-Yorkerin „Ute Lemper“. Geboren in Münster vervollständigte sie ihr Studium an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln sowie am Max Reinhardt Seminar in Wien. Ihre Karriere ist unheimlich vielseitig geprägt, sowohl auf der Bühne, in Filmen und natürlich in Konzerten. Sie wird weltweit gelobt und gerühmt mit ihren Aufnahmen von Berliner Cabaret-Liedern, den Werken von Kurt Weill und den Hits der französischen Chansonbücher. Den Auftakt bildeten auch im zweiten Teil die Nürnberger Symphoniker mit dem Medley „Paris – mon amour“. Gleich danach betrat der Star die Bühne und wurde frenetisch begrüßt, ehe sie mit „Milord“ von Monnot den Abend für sich eröffnete. Im Laufe des Abends begeisterte Ute Lemper mit Chansons von Brel, Weill und der Grand Dame Edith Piaf u.a. Die Besucher des Abends hingen an ihren Lippen, saugten jeden Ton in sich auf, denn hier war ein Weltstar in Top-Form zu erleben. Ich für meinen Teil war emotional geflasht und zutiefst bewegt, in Anbetracht eines solchen Talents! Hochachtung! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

CLASSIC OPEN AIR - Roger Cicero sings Sinatra


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2015 / Media on Line

Anläßlich des bevorstehenden 100. Geburtstag von Frank Sinatra widmete sich der Abschlußabend in diesem Jahr dem großen Entertainer. Frank Sinatra war ein Künstler der Superlative schuf und gilt als einer der größten Entertainer im amerikanischen und internationalen Showbusiness. In seiner 60 Jahre umfassenden Karriere sprengte er mit über 1.800 Songaufnahmen, 60 Filmrollen, neun Grammys und einem Oscar sämtliche Rekorde. Egal ob als Big Band Leadsänger, Solokünstler oder Mitglied der „Rat Pack“, etliche Welthits erhielten seinen persönlichen Stempel.

Klassiker wie „New York, New York“, „Strangers in the Night“, oder „My Way“ kennt heutzutage jeder, und auch in der Weihnachtszeit erklingt mit „White Christmas“ ein Song von ihm.

Am 12. Dezember 2015 wäre er 100 Jahre alt geworden, ein würdiger Anlass also einen ganzen Abend ihm zu widmen. Den Veranstaltern Mario Hempel und Gerhard Kämpfe war sofort klar, dass kein Geringerer als der deutsche Ausnahmemusiker Roger Cicero diesen Abend gestalten konnte. Cicero erfüllte sich damit einen Herzenswunsch. Seit seinem Studium ist Cicero ein großer Bewunderer Sinatras und freute sich im Vorfeld des Konzertabends sehr auf die Herausforderung.

Gemeinsam mit seiner 13-köpfigen Big Band hatte er ein Programm zusammengestellt, aus ausgewählten Stücken des Meisters und diese in teils gewohnter, teils ungewohnter Weise arrangiert. Es fiel auf, dass sich Cicero am Original orientiert, aber doch losgelöst vom Vorbild einen ganz persönlichen Stil der Annäherung gefunden hat. Er eröffnet, nach dem Auftritt auf der großen Showtreppe, den Abend mit „Come Fly with Me“ und zauberte durch seine charmante Art und den offenherzigen Umgang mit dem Publikum schnell Swingathmosphäre auf den Platz. Das dürfte Andrej Hermlin und Sohn, welche ich zufällig im Publikum entdeckte, durchaus gefallen haben z.b. Roger plauderte, dass er heute Geburtstag feiert und eigentlich nicht wieder an seinem Geburtstag ein Konzert geben wollte. Gerhard Kämpfe fragte ihn, er war begeistert und realisierte erst dann, dass es sein Geburtstag ist. Nun ja, es gibt schlimmeres als an seinem Geburtstag den Geburtstag von Frank Sinatra mit einem vollen Gendarmenmarkt zu feiern. Gerade wenn dieser ihm auch noch ein Ständchen bringt und gratuliert.

Roger Cicero ist sichtlich gerührt gewesen, und gibt dem Publikum mit Elan und Feuer Songs wie „For Once in My Life“ zurück. Mit „Cheek to Cheek“ begrüßte er den ersten Stargast des Abends nämlich Sarah Connor. Die gebürtige Hamburgerin feierte 2001 mit der Single „Lets get back to bed, boy“ den großen Durchbruch und wurde mit 19 Jahren über Nacht zum Star. Nach zehn Jahren Musikkarriere, über 7 Millionen verkauften Platten und ausgezeichnet mit allen deutschen Musikpreisen zog sie sich bewusst zurück und nahm sich Zeit für sich selbst. Nach fünf Jahren intensiver persönlicher Arbeit fand sie dann mit Peter Plate, Ulf Sommer und David Faust die richtigen Partner. Somit entstand ihr neues Album „Muttersprache“ komplett mit deutschen Texten diesmal.

Nach einer wohlverdienten Pause ging es fetzig weiter mit „Let us Face The Music and Dance“, ehe der zweite Stargast des Abends zum Duett die Bühne betrat. Für „Schiess mich doch zum Mond/Fly Me“ hatte sich Roger Cicero den Sänger Sasha geladen. Sasha ist im Musikgeschäft groß geworden und heute mit 42 Jahren das lebende Beispiel dafür, dass das Erwachsenwerden im Pop eine ernsthafte Karriere und Lebensoption darstellen kann. Er lebt ganz getreu dem Motto seines Idols Prince „a pop life“. Über die Hälfte seiner Alben erlangten Gold- und Platin Status, mit seiner Single „If you Believe“ erntete er 1998 aus dem Stand heraus Platin. Im Dezember 2014 erschien sein sechstes Studioalbum „The One“. Mit „The Summerwind“ erklang dann wieder nur Roger allein mit seiner Big Band ehe Sasha für ein weiteres Duett hinzustieß (Luck Be A Lady).

In diesem zweiten Showblock swingte es noch heißer, noch peppiger als schon im zweiten Teil, und so ist es fast klar, dass den Abschluss ein ganz bestimmter Hit von Sinatra nicht fehlen durfte: „Finale Theme From New York“. Mit dem Zugabenblock löste Roger Cicero die Barriere zwischen Publikum und Bühnenbeginn auf und holte sich sein Publikum dicht an die Bühne heran. Zu „Leroy Brown“ kamen dann seine beiden Gäste zusammen auf die Bühne Sarah Connor und Sasha und lieferten sich ein Stimmgewitter vom Feinsten, denn schließlich macht ein jeder von den drei Künstlern Musik im Motto von Frank Sinatra, nämlich „My Way“. Mit diesem Klassiker endete dann auch dieser bewegende Abend, und traurigerweise auch das diesjährige 24. Classic Open Air 2015!

Ich habe aber bereits gehört, dass es im nächsten Jahr im 25. Jubiläumsjahr mit vielen Überraschungen zu rechnen ist. Das versüßt einem die Vorfreude auf 2016 dann doch recht ordentlich! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.classicopenair.de

YUNA - Eigentlich


Erstveröffentlichung: CD 2015 / FinestNoiseReleases / Radar

YUNA – Eigentlich
(VÖ: 31.Juli 2015 Label FinestNoise Vertrieb Radar)


Die junge Band YUNA aus Hamburg hat sich 2009 gegründet, und besticht seither durch poppige deutsche Singer-Songwriter Nummern. Damals hatte Sänger Felix Köster bei „Bandnet“ inseriert und eigentlich nur einen Gitarristen gesucht, um Singer-Songwriter Sachen auf die Bühne zu bringen. Fiedler – aka Matthias- ihr heutiger Gitarrist, hat auf diese Anzeige geantwortet. Ein Drummer und ein Bassist war auch schon an der Hand, woraus dann die erste Formation entstand. Der Name YUNA entstand kurz vor dem ersten Gig im Hamburger Club „Logo“. Felix Kösters Tochter Juna war die Namensgeberin der Band, wenngleich in anderer Schreibweise.
Die Jungs schrieben in der Folge relativ schnell viele Songs, so dass es bald los ging mit diversen Gigs in und um Hamburg. Im Jahr 2010 ging es für das Debütalbum „YUNA“ in eines der renommiertesten Studios von Hamburg, in das H.O.M:E. Studio von Franz Plaza.
Allerdings folgten dem beachteten Debütalbum schwierige Zeiten, der damalige Bassmann stieg aus, ging nach Berlin, Nico kam in die Band. Dann ging auch noch Tim, ihr Aushilfsdrummer, aus beruflichen Gründen. So kam letztlich Andy zur Band dazu.
So entstand die heutige Formation, welche seit nunmehr zwei Jahren unterwegs ist. Es folgten Gigs auf Festivals, Straßenfesten und in diversen Clubbs in und um Hamburg.
Nachdem man 2013 mit ca. 30 Gigs als „Live Jahr“ bezeichnen kann, war die Band bis Ende 2014 wieder im Studio um ihre zweite Platte „Eigentlich“ aufzunehmen.
Entstanden sind 7 Songs die ins Ohr gehen, eingängig sind und richtig Spaß machen beim zuhören,
was nicht zuletzt auch an einer überzeugenden Stimme von Felix Köster liegt. Etwa „Der Tag“ ist eingängig, fetzig und voller Energie. Treibende Kraft ist Bass und Schlagzeug, welche das Fundament liefern für den Gesang von Felix Köster. Dies zieht sich stringent durch die anderen sechs Songs durch, welche für gute Unterhaltung sorgen! Ein Reinhören kann ich damit empfehlen!

(Maximilian Nitzschke)

CLAUDIUS - Get Out


Erstveröffentlichung: CD 2015 / FinestNoiseReleases / Radar

CLAUDIUS - „Get Out“
(VÖ: 31.Juli 2015 Label: FinestNoise Vertrieb: Radar)

Claudius Rieth wurde in Lima (Perú) geboren, hat seine Jugend aber in der Nähe von Hamburg verbracht, ehe er letztlich nach Chile ausgewandert ist. Der Plan war ursprünglich, nur dort zu studieren, aber seit zehn Jahren ist er nun Studio-Besitzer in Santiago de Chile.
Die meiste Zeit verbringt er deshalb damit, lokale Bands zu produzieren und diese live zu mischen. Da geht es inhaltlich um Pop, Rock, bis in die Folklore Richtung.
Im Jahr 2004 kam dann die erste Solo-Platte von Claudius unter dem Titel „Angel For us“.
Heute, nachdem er sein Studio in Santiago auf solide Beine gestellt hat, kommt die Zweite „Get Out“. Seinem Stil als Singer/ Songwriter bleibt er treu, mischt hier gerade nicht die verschiedenartigen Stile, sondern hält sich an eher klassischen Elementen, um seine elf Lieder zu gestalten. Dadurch entstanden sehr gefühlvolle Stücke, welche zum entspannen und Alltag vergessen einladen. Man spürt deutlich, dass sich Claudius irgendwo zwischen Rock, Pop und Americana am wohlsten fühlt und dies hier hingebungsvoll auslebt. (Maximilian Nitzschke)

SCHAKAL - Schakal


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Earhammer / Bandcamp

Schakal - „Schakal“
(VÖ: 31.07.2015 Label: Earhammer Vertrieb: Bandcamp)

Schakal ist eine deutschsprachige Metal-Band mit einem finsteren und mysteriösen Image. Wenn man auf ihre Website schaut, erblickt man die drei Herren nur mit Schakalmasken, fast so als ob der Gott Anubis ein paar Abgesandte geschickt hat. Ihr selbst betiteltes Debüt-Album „Schakal“ erschien nun und ist auf der offiziellen Website www.schakal-band.de Probe zu hören.
Bereits 2011 lernte Roland während eines Musikprojektes Antonius Grützner kennen, welcher die erste Bandposition besetzte und als Jackpot abgehakt werden konnte. 2013 wurden dann um Bass und Schlagzeug zu besetzen, Musiker gesucht. So wurde Hermann von Ohr in einer Internet-Musikerrecherche gefunden Musikalisch und „tierisch“ sind die drei eine Einheit, nicht zuletzt auch, da Hermann von Ohr für das Debüt als Produzent agierte.

Musikalisch liegt Finsternis über dem Ort, an dem die Schakale hausen. Nur noch höhnisches Pfeifen und Zischen ist in den Ruinen Babylons zu hören. Ob das nun gut ist, oder ein böses Omen ist dem Hörer nicht ganz klar. Die Songs sind in jedem Fall druckvoll und betten die Texte zwischen die Ruinen des verfallenen Babylons ein. Den Anfang macht „Aus den Ruinen“ um in dem staubigen Grau auf die Schakale und „den uralten Feind“ zu treffen. Jeder Song öffnet den Zugang zu einem anderen Dämon der Menschheit, zu Abgründen, die einen treiben und peitschen. Der deutschsprachige Gesang bietet direkten Zugang, getragen von riffstrotzenden Metallgitarren. Die dreizehn Songs pusten ordentlich die Gehörgänge frei und sind als Erstlingswerk beachtlich! Düster und kraftvoll macht hier eine Band auf sich aufmerksam, die es sich anzuhören lohnt!



(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.schakal-band.de

I SPIT ASHES - 99942


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Hell Awaits / Radar

I Spit Ashes - „99942“
(VÖ: 05.06.2015 Label: Hell Awaits Vertrieb: Radar)

Die deutsche „Modern Metal“ Band öffnet dem Hörer mit ihrem zweiten Album „99942“ ein Tor zu ihrer ganz persönlichen Dystopie. Die Zahlenkombination des Albums steht für Tod und Vernichtung und für das Ende allen uns bekannten Daseins.
Nach ihrem ersten Album „Inhaling Blackless – Reflecting Light“ wird es nun noch düsterer, futuristischer und deutlich härter als auf dem Vorgänger.
Die Zahl 99942 bezeichnet den Asteroiden Apophis (benannt nach dem Ägyptischen Gott der Finsternis und des Chaos). Dieser Asteroid könnte sich im Jahr 2029 oder 2036 mit der Erde auf Kollisionskurs befinden. Auch wenn die NASA einen Zusammenstoß bereits als extrem unwahrscheinlich berechnen konnte, so brettert dieses Album unweigerlich auf die Hörer ein.
Es gelingt der Band sich weiter vom typischen Melodic Death Klischee zu entfernen, denn es wird lyrisch eine epische Geschichte erzählt vom Ende der Menscheit, dem Kampf der Götter und dem Kampf ums Überleben. Dies wird mit brachialem Sound und in voller Härte untermalt. Ein kompromissloses Soundgewand wird verknüpft mit soundtracklastigen Orchester- und Elektroklängen, die wirklich in jedes Science-Fiction-Endzeit Epos passen würden. Das Album untermalt eine Reise durch die Unendlichkeit bis zur Apokalypse mit großen Riffs und Catchy Refrains, gepaart mit stampfenden Gitarren und trotz Growls großartigen Melodien.
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.spitashes.de

Q-BOX - Black Orleans


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Hell Awaits / Radar

Q-Box - „Black Orleans“
(VÖ: 05.06.2015 Label: Hell Awaits Vertrieb: Radar)

Die deutsche Hard-Rock/Heavy Metal Band q-box präsentieren nunmehr ihr 4.Studioalbum. Musikalisch gewachsen aber kein bisschen leiser, zeigt die Band, dass sie einen konsequenten Schritt vorwärts gemacht hat. Sie sind eine professionelle Live-Band in der Studiosituation müssen sich die vier Musiker eigentlich verstecken, um kreativ zu arbeiten und abzuschalten . Aber, das Ergebnis einer solchen Klausur ist beeindruckend. Schnell und dynamisch, langsam und melodisch, stampfende Grooves, Gitarrenbretter und Soli wechseln sich ab mit den kraftvollen Vocals. Zudem hat sich die Band entschieden, mit dem Produzenten Christoph Beyerlein (Fiddlers Green, J.B.O.) zusammenzuarbeiten und den Vocalcoach Stephan Ernst (Tarja Turunen, Subway to Sally) mit ins Boot zu holen. Nach einem Wechsel im Line-Up 2014 nahm die Band die restlichen Gitarrenspuren mit ihrem neuen Gitarristen Tom Twist auf, der frischen Wind in die seit Dezember 2013 laufenden CD-Aufnahmen brachte. Somit entstand ein Album, das sich aus dem Besten bedient was Hard-Rock und Heavy Metal in den letzten Dekaden zu bieten hatte und die Band hat daraus einen ganz eigenständigen und unverwechselbaren neuen Sound erdacht. (Maximilian Nitzschke)

WHITE SPARROWS - Sound der Generation


Erstveröffentlichung: CD 2015 / D7 7us media group GmbH

White Sparrows - „Sound der Generation“
(VÖ: 24.Juli 2015 Label 7us media group)

Die junge Punkrockband aus Südhessen stehen in allererster Linie für rotzfrechen Punkrock mit einer Prise Rock and Roll dazu. Ihre Texte sind sozialkritisch und stets mit klarer politischer Message versehen. Der Sound der Generation ist ein junger Blick auf die Gesellschaft und legt den Finger musikalisch in jede Wunde, um sich beim Hörer in den Gehörgang zu bohren. Als Hörer lauscht man einer aufstrebenden Band mit großem Wiedererkennungswert, die im so oft kontrovers betrachteten Genre des deutschsprachigen Punkrock ihren eigenen Stil gefunden hat und diesen voller Freude dem Publikum um die Ohren haut.

Bereits seit 2010 erklimmen sie die Bühnen und begeistern jedes Mal aufs Neue das Publikum mit ihrem Verständnis von Punkrock. Nach der EP „Helden unserer Zeit“ aus dem Jahr 2012 wurde es nun Zeit für Nachschub. Ihr neues Album hat auf der einen Seite den altbekannten Punkrock an Bord, lässt aber auch ganz viele Einflüsse aus anderen Genren heraushören. Für die White Sparrows bedeutet Punkrock, das zu tun, was sie für richtig halten. Sie nutzen ihn als Sprachrohr, um auf die Missstände in der Welt aufmerksam zu machen und sich für gute Dinge zu positionieren. Lieder wie „Lieber Staat“ zeigt die Angst auf, dass dieser immer mehr die Hand aufhält, und das Gefälle zwischen Arm und Reich immer größer wird. In „Braunes Blut“ stehen White Sparrows auf gegen Rassismus und Engstirnigkeit gegenüber anderen Hautfarben. Das klingt frisch, dynamisch, rotzig und provokant. Für mich holt der Sound gepaart mit diesen Texten junge Leute ab, die mit wachen Augen durch die Welt gehen. Ein Album mit Spaß und Freude an Musik produziert und zum Nachdenken anregend!
(Maximilian Nitzschke)

ESCAPE WITH ROMEO - After the Future


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Zeitklang Records / Nova Media

Escape with Romeo – After the Future
(VÖ: 11.09.2015 Zeitklang Records)

Im Zuge der ganzen Eighties Romantik, die innerhalb der letzten Jahre im Genre Electro Wave wieder aufgeblüht ist, geht nicht selten ein wichtiges Element verloren: der Fortschritt und die Weiterentwicklung. Bei der Band Escape with Romeo, die seit 1989 selbst ein Original darstellt, ist die Progression eine Art Stilmittel geworden.
Auf dem Vorgänger „Samsara“ wurden erstmals deutsche Texte eingeführt und ein Visual Artist zu den Livekonzerten hinzugezogen. Mit „After the Future“ geht man diese Idee konsequent weiter. So wirken erstmals andere Stimmen wie Mattussea in tragenden Gesangsrollen mit und das Medium Video kommt konzeptionell stärker zum Einsatz. Mit seltsamen Filmchen von lauten Vogelschwärmen bis hin zu Fischen wird das Album in den sozialen Netzwerken geteast.
Auch wenn das Cover die Vermutung nahe liegt, so handelt „After the Future“ nicht von der Apokalypse. Vielmehr geht es um das Leben nach dem Menschen. Die dreizehn Songs sind strikt durch arrangiertt, oft treibend und tanzbar, und liefern den Nährstoff für eine Graphic Novel. Thomas Elbern schickt seinen Protagonisten auf eine Sinnsuche durch eine Art Zwischenuniversum. Hinein in endlose Straßenschluchten, ausgesetzt den Verlockungen des Lebens in einer riesigen Endzeit-Metropole. Der Hörer wird hineingezogen in ein Album der Untertöne´, das eingängige Strukturen benutzt, um wesentlich perfidere Botschaften zu verbreiten. Viele Songs beinhalten nihilistische Statements, die sich am „danach“ orientieren und den Menschen aus der Vogelperspektive betrachten. Escape with Romeo haben auf ihrem elften Album die elektronische Seite ihrer Musik nun konsequent weiterentwickelt und verfeinert. In einer Produktionszeit von mehr als drei Jahren entstand das bislang wohl intensivste Werk der Band, bei dem jeder Song für sich alleine spricht. Ende des Jahres wird die Platte auch in leicht veränderter Tracklisting als LP erscheinen.


(Maximilian Nitzschke)

LEONARD LAS VEGAS - Jagmoor Cynewolf


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Blackjack Illuminist Records / Radar

Leonard Las Vegas – Jagmoor Cynewulf
(VÖ: 04.09.2015 Blackjack Illuminist Records / Radar)

Leonard Las Vegas sind ein Berliner/Würzburger Duo, dass im Herzen Pop spielt, diesen aber mit flächigen Postrock Gitarren speist. Die brodelnde Unruhe von Sänger Leonard und das treibende Drumming von David ergeben zusammen mit dem dröhnenden Verstärker ein Alleinstellungsmerkmal. Nach dem Umweggg einer 5-köpfigen Live-Band besteht die Band seit vier Jahren als Duo: Alexander Leonard Donat und Drummer David Kandert. „Jagmoor Cynewolf“ ist mittlerweile das vierte Album. Songs wie „Where To Go?“ oder „Eve, What about you?“ sind allesamt würdige Vertreter einer fern von Klischees funktionierenden Definition von Pop. Sie funktionieren sowohl als Einzelsongs als auch im Albumkontext, wo sie sich einreihen in einen dramaturgischen Handlungsverlauf. Ganze 50 Minuten lang hängen schwere Regenwolken über dem Album, denn fröhlich ist keiner der Songs, Melancholie und innere Düsternis prägen die Stücke. Der Hörer wird durch das Auf und Ab der aufgebrochenen Gefühlswelt der Figur Jagmoors geführt, und nach und nach baut sich so eine ganze Welt auf, die schlussendlich wieder in sich zusammenfällt. Da ist von Angst die Rede, Tod, Freiheit und Verantwortung in den Stücken des Albums genauso wie in der 18.-teiligen Erzählung „Jagmoor Cynewulf – Über die Unüberwindbarkeit des Schwebens“. Buch wie Album erzählen von dem unberechenbaren labilen jungen Mann, dessen geistiger Zustand zu bröckelnden Innen- und Außenwelten führt. Von Beginn an ist Leser und Hörer der düsteren Handlung ausgesetzt, die an der zunehmenden Ich-Auflösung und dem Ankämpfen gegen die Unerfassbarkeit des Seins teilhaben lässt. Jagmoor ist im Alleingang auf der Suche nach und gleichsam auf der Flucht vor seiner eigenen vertrauensunwürdigen Psyche – in der Hoffnung, das Wesen seiner Persönlichkeit zu ergründen. (Maximilian Nitzschke)

KELLERKOMMANDO - Belzebub


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Downbeat Records / Warner Music Group

Kellerkommando -“Belzebub“
VÖ: 17.07.2015 Downbeat Records/Warner)

Er ist der Herr der tausend Namen, der die Menschen schon seit alter Zeit magisch anzieht. Manche meinen er hätte den Schnaps gemacht, andere behaupten er ist der Fürst des Müßiggangs und des Lasters. Für die Jungs von Kellerkommando war klar, dass laute Musik Teufelswerk sein muss und so huldigt das süddeutsche Urban-Volxmusic-Kollektiv dem Belzebub!
Kellerkommando ist hervorgegangen aus dem seit über einem Jahrzehnt von Frontman Dada Windschi veranstalteten „Anti-Stadl“ - einem krachig lauten Gegenentwurf zum vergreisten Volksmusik Zombie TV. Das ganze ist mittlerweile Kult für hunderte von Feierwütigen, die zu einem Sound zwischen Bauernstübl und Rock-Show buchstäblich die Kuh fliegen lassen. Seit ihrer Gründung 2009 zählt das Kellerkommando zu den wohl eigensinnigsten und mitreißenden Formationen innerhalb der deutschen Musiklandschaft. Die Crossoverelemente machen richtig Spaß, egal ob Electro, Volksmusik oder Deutsch-Rap es wird gekonnt zusammengebracht. Bereits auf dem 2013 releasten Debütalbum „Dunnerkeil“ kreierten sie einen anarchistischen Breitwand-Mix aus Alt und Neu und schufen die fehlende Verbindung zwischen modernen Abgehsound und Jahrhunderte altem Brauchtum. Angesagte Club-Vibes werden verbunden mit fränkischer Volksmusik: Dicke Elektro-Beats treffen auf fette Pauken und Trompeten, deutsche Hip-Hop Rhythmen auf überlieferte Mundart.

War man auf dem Debütalbum noch auf der Suche nach dem eigenen Stil, so ist mit Belzebub dieser nun gefunden. Anfänglich stand die Volksmusik im Vordergrund um die moderne Beats gebaut wurden. Mittlerweile aber hat sich ein richtiger Flow ergeben, bei dem verschiedene Vorlieben aus sämtlichen musikalischen Genres zusammengebracht werden und zu einem Ganzen verschmolzen wird. Kellerkommando bitten auf „Belzebub“ zum Popkultur versus Tradition Diskurs, bei dem der Spirit der Volksmusik keinesfalls nur als hübsche Sound Dekoration dient. Die Songs sind druckvoll, entspannen und besitzen Elemente aus Rock, Pop, Rap, Reggae und sogar Polka. Sofort nach dem Intro „Musikanten spielt auf!“ -einer aus dem Jahr 1909 stammenden LP Originalaufnahme volkstümlich knisternder Unterhaltungsmusik- lassen Kellerkommando auf „Uns geht es gut“ die Fetzen fliegen. Die nahtlo9s folgende Vorabsingle „Ganz anders“ dagegen kommt mit gechillten Reggae-Vibes daher. Mit dem Titelsong treten die Jungs dem landläufig verbreiteten „Heile Welt“ Image der Volksmusik mit Anlauf in den Allerwertesten. Mit „Helene“ verneigt man sich augenzwinkernd vor der gleichnamigen Schlager Queen. Hintergründig wird es mit dem auf einer alten Landstreicherballade basierenden „Kompanie“ und dem Keselflicker-Lied „Von Haus zu Haus“. Es bleibt dem Hörer eine teuflisch gute Unterhaltung zu wünschen, denn „Belzebub“ hat mir unglaublich viel Spaß gemacht beim anspielen, was nicht zuletzt auch an dem Einfallsreichtum liegt!



(Maximilian Nitzschke)

ENGELSSTAUB - The 4 Horseman of the Apocalypse


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2015 / Musique Independante Noire / Broken Silence

Engelsstaub – The 4 Horsemen of the Apocalypse
(VÖ: 30.04.2015 Musique Independante Noire / Broken Silence)


Soundtrack-Elemente spielten schon immer eine wichtige Rolle in den Kompositionen von Engelsstaub. Mit dem Mini-Album „The 4 Horsemen of the Apocalypse“ entstand nun ein Soundtrack über die 4 Reiter der Apokalypse, der dem Hörer einiges abverlangt.
Die Idee war es ein einmaliges Soundtrack-Projekt zu etablieren mit 4 Songs lediglich. Der Grundstein für das Projekt war gelegt, es ging um die Zahl „4“. Aus sich bietenden Möglichkeiten entschied sich die Band passenderweise für die 4 Reiter der Apokalypse. Während der Arbeit weitete sich das Projekt aus, so dass ein 8 Song umfassendes Mini-Album auf CD entstand.
Das Grundgerüst der Stücke besteht aus immer den selben Instrumentierungsbausteinen: Gitarren, schwere Drums und klassische Instrumente. Außerdem beinhaltet der Schmelztiegel der Apokalypse einen klassischen Chor, einen Kinderchor, Drones und angefertigte Field-Recordings, welche den Zuhörer vom Anfang der Apokalypse bis zu deren Ende und der Auferstehung begleiten.
Jeder Reiter wird durch die Rezitation der entsprechenden Bibelstelle – in polnischer Sprache- angekündigt, ehe sich dann Die Siegel anschließen. Weshalb ich sagte, dass dieses Album dem Hörer einiges abverlangt, ist, dass die Stücke sich in quälender Länge und jeder Ton in verzehrender Selbstbeweihräucherung vergehen. Ich habe die Abwechslung vermisst, wenn jeder Song aus ähnlichen Instrumentalbestandteilen besteht, sollte der Hörer nicht das Gefühl haben, einem einzigen Endlostrack zu lauschen. Die Rezitationen sind als Bibelstellen unklar, was auch an der Sprachbarriere liegen mag, aber was sicher als durchdachtes Konstrukt geplant war, ist zu verkopft gewesen. In der Albumpraxis verliert es sich leider in der Unwichtigkeit tausender anderer Soundtrackalben.
(Maximilian Nitzschke)

WAYNA PICCHU - Muchachita


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Fump Records / Believe Digital

Wayna Picchu – Muchachita
(VÖ: 28.08.2015 Fump Records/ Believe Digital)

Die Musik aus den Anden wird in Europa und in der ganzen Welt leidenschaftlich geliebt und damit geschätzt. Sie erzählt die über jahrtausende überlieferte Geschichte der Menschen aus den Anden. Für die Musiker der Gruppe „Wayna Picchu“ sind diese Geschichten Teil ihres Lebens, denn hier haben sie ihre Wurzeln. Die Mitglieder möchten dieses Erbe ihres Volkes nicht nur weiter träumen, sie möchten es leben, fühlen und spielen. Inzwischen hat aber die Hälfte ihres musikalischen Lebens in Europa statt gefunden. Für die Musiker bedeutet das viele spannende Anregungen, neue Mentalitäten und eine andere Art zu leben. Es war eine große Herausforderung derer sich die Brüder stellten, denn sie möchten die Kompositionen dieser beiden musikalischen Leben vereinen. Auf der einen Seite die traditionelle Folklore Musik, die sie von ihren Großeltern gelehrt bekommen haben und die neuen aktuellen Rhythmen, die sie heute geprägt haben. Die Gruppe „Wayna Picchu“ präsentiert mit „Muchachita“ ihren eigenen neuen Stil ihrer Kompositionen und möchte mit jedem Lied magische Melodien erzeugen, die das Herz und die Seele des Hörers berühren. Der Hörer darf eintauchen und wird angeregt, sein Leben in vollen Zügen zu genießen.
Mit der neuen CD bringen Wayna Picchu Salsa, Cumbia, Samba und Reggae mit der traditionellen Musik der Anden zusammen. In ihren Liedern erzählen sie von eigenen Erlebnissen, Traditionen, Legenden und natürlich von der Liebe. Traditionelle Rhythmen, die sonst nur auf Andeninstrumenten gespielt werden, wurden mit modernen Instrumenten aufgenommen. Was dabei heraus gekommen ist, sind spezielle und attraktive Klänge, die ihre eigenen Wurzeln reflektieren, aber auch die Gegenwart darstellen. Zusammen mit vielen Musikerkollegen aus Deutschland, Ecuador, Peru und Kolumbien hat es die Band geschafft Grenzen musikalisch aufzubrechen und Menschen zu vereinen. Man spürt das hohe Maß an Qualität und Professionalität. Das Ergebnis ist eine wunderbare völkerübergreifende CD, die ich wärmstens empfehlen kann!

BRUNHILDE - Dollhouse


Erstveröffentlichung: CD 2015 / 7 hard Media Group / 7 us Media GmbH

Brunhilde – Dollhouse
(VÖ: 24.Juli 2015 Label 7hard der 7us media group)

Wer bei Brunhilde an den Ring der Nibelungen denkt und damit an eine Mittelalterband ist falsch gewickelt. Das Trio aus Nürnberg spielt Hard Rock und das mit jeder Menge Attitüde! Die Verwirrung im Namen scheint eine bewusste Provokation zu sein, denn Genregrenzen sind einfach nicht ihr Ding. Nachdem die Gruppe als Coverband anfing, rocken Brunhilde seit 2012 mit ihren eigenen Songs. Frontfrau und Sängerin Caro liefert als blonder Rock-Vamp und rauchiger Stimme die Vocals. Die Riffs drischt Gitarrist Kurt aus den Saiten. In Kombination mit Gastmusikern hat er bei der Studioproduktion von „Dollhouse“ auch den Bass eingespielt.
Der Titel des Debütalbums ist nun als eine Art Metapher zu verstehen für eine Welt, in der man sich nicht mehr frei bewegen kann und wie eine Marionette behandelt wird. Der Ausbruch aus dieser Maschinerie ist für die drei Bandmitglieder wichtig. Dieser Freiheitsgedanke prägte nicht zuletzt auch die Albumproduktion. Brunhilde wollte keinen weichgespülten Mainstream-Pop mit Rock-Einschlag. Grenzen auszutesten und zu überschreiten gehörte genauso dazu, wie sich selbst immer weiter herauszufordern. Kompromisslos ist sicher ein Weg sich zu präsentieren, dennoch bleibt mir das Album nicht fest genug im Gehörgang hängen, das Potenzial für Ohrwürmer ist recht gering. Zwar ist dies sicher nicht die vordergründige Absicht, dennoch sollte der Hörer einen Anreiz haben nach dem Hören eines Debütalbum nicht nur für sich festzuhalten: „solide!“. Aber genau das ist es, solide gemachter Hard-Rock, der sich nicht festkrallen kann, der plätschert. Das ist schade, denn Frontfrau Caro hat Energie in der Stimme, aber das alleine reicht nicht um zu überzeugen! (Maximilian Nitzschke)

KILL YOUR INNOCENT - Ayahuasca


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2015 / Thousand Times / Radar

Kill the Innocent – Ayahuasca
(VÖ: 05.06.2015 Thousand Times/Radar)

Die Band Kill your Innocent ist eine fünfköpfige Band aus Luxembourg, welche als eine der modernen Metalcore Bands des Landes gehandelt wird. Ihre Liebe zur Musik und insbesondere zu Metal haben sie seit 2010 zu Mitgestaltern der dortigen Metalszene werden lassen. Es dauerte nicht lange bis sie sich in der Luxembourger Szene integriert hatten und an Fans gewannen. Etliche Shows unter anderem als Support für Bands wiey Burn, Betraying the Martyrs oder Seven Years Kismet folgten. Im Sommer 2013 haben die Jungs sich dann nach den Live-Erfahrungen ins Studio zurückgezogen und ihre lang erwartete Debüt EP „Ayahuasca“ aufgenommen. Die Songs sind instrumental druckvoll gehalten, brachial und melodisch zugleich. Die Texte gehen in Growls unter, aber wer sich die Mühe machen möchte im Booklet ist jede Zeile abgedruckt. Irgendwie braucht der Hörer dies nach meinem Empfinden gar nicht, den die Atmosphäre der sechs Stücke hält auch so gefangen, beeindruckt und trifft ins Herz eines jeden Metalfans!
Alle Stücke wurden aufgenommen und gemixt von Sven Janssens (Ex Aborted) in den Red Left Hand Recording Studios in Antwerpen (Belgium). Durch die gelungene Vermischungn Schwere und Melodie ihrer Musik gelten Kill the Innocent schon heute als iniinteressantesteand im Bereich Metalcore in Luxembourg. Man darf gespannt sein, wie nun der restliche europäische Musikmarkt reagiert! (Maximilian Nitzschke)

ELVELLON - Spellbound


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2015 / Eigenproduktion / Eigenvertrieb Bandcamp.com

Elvellon – Spellbound
(VÖ: 30.01.2015 digital und als CD erschienen)


Ich war freudig überrascht auf dem diesjährigen Mera Luna im August als Gewinner des New Comer Wettbewerbes eine Symphonic Metal-Band erleben zu können. Der Platz war in den frühen Morgenstunden nach Regen ordentlich gefüllt, und gespannt wartete man auf den Gewinner des Newcomer Wettbewerbes 2015. Mit knapper Auftrittszeit entfachten die Jungs und Sängerin Nele ein beeindruckendes Songgewitter und stellten ihre 5 Track EP „Spellbound“ dem Publikum vor. Fantastisch und verträumt, druckvoll und leidenschaftlich sind Begriffe, die für mich sehr gut ihre musikalische Landschaft beschreiben. Die beiden Gründungsmitglieder Pascal und Martin legten bereits 2010 den Grundstein für das, was später zu Elvellon werden sollte. Die Entstehung der Musik war kein geplanter Prozess, sondern entwickelte sich ganz natürlich und zunächst aus unbestimmten Quellen heraus. Erst nachdem Martin im Spätsommer 2010 auf Nele trifft, war die Band in der Lage ihren eigenen Weg zu finden und einzuschlagen. 2012 lernte man den Gitarristen Gilbert kennen, der in einer anderen Moerser Band namens „Ravian“ spielte, mit der man sich seit kurzer Zeit den Proberaum teilte. Er half der jungen Band zunächst bei den ersten Demo-Aufnahmen und wurde schließlich festes Bandmitglied. Seitdem fühlt sich Elvellon komplett als Band und die Entwicklungskurve ging steil nach oben. Eine intensive Arbeitsphase an neuen Songs begann, die Entwicklung eines lyrischen Konzeptes und nicht zuletzt das künstlerische Artwork. Ein erster Meilenstein war ihr erstes Konzert in ihrer Heimatstadt Moers vor 250 Leuten. Die Reaktionen waren durchweg so positiv, dass sie diesen Ansporn nahmen und direkt in die Arbeit für ihre erste CD steckte. So veröffentlichte die Band am 18.Oktober 2013 ihre erste Single „Oraculum“ via Bandcamp.com. Jetzt im Januar 2015 folgte dann „Spellbound“ und im August 2015 der Auftritt auf dem Mera Luna.
Der Opener ist auch „Oraculum“, welcher mit Chorelementen angereichert ist, ehe der kräftige und betörende Gesang von Nele einsetzt und den Hörer in den Bann zieht. Dafür, dass man hier einen Newcomer hört, klingen die Arrangements hochgradig professionell. Der Kosmos Elvellon wird geöffnet und die kurze Reise durch 5 Stücke kann beginnen. Balladesker aber nicht minder episch erklingt „Born from Hope“, eingebettet in druckvolle Gitarren und dezentem Schlagwerk. Neles Stimme trägt den Song und erhält mühelos den Raum zur Entfaltung. Mit Klaviereinstieg wird dann der dritte Song „My Wings“ eröffnet, auch hier dominieren eher die leisen Töne. Erst nachdem Nele Messerschmidt den Song stimmlich eröffnet, setzen dezent Gitaren und Schlagzeug ein und bauen die epische Schwere des Stückes auf. Den Stilwechsel vollzieht „Dead End Alley“ bei dem nicht Stimme sondern Gitarren und Schlagzeug den Metal-Einschlag bringen und losbrettern. Da wird nicht zuletzt wenn der Gesang einsetzt, ein Soundfeuerwerk abgefackelt für den Hörer! Wie ein Akustiksong klingend bildet die Ballade „Shore to Aeon“ den krönenden Abschluss. Hier steht wirklich nur Neles Stimme im Vordergrund, dezent liegt eine Gitarre sanft angespielt dahinter und hin und wieder setzen vorsichtig Klaviertöne mit ein. Eine Ballade zum Genießen, und der Beweis für mich, dass Elvellon den Spagat zwischen episch großen Bildern und ganz kleinen musikalischen Momenten schon jetzt perfekt beherrschen! Das Potenzial dürfte noch lange nicht ausgeschöpft sein, und ich bin sehr gespannt, wohin der Weg Elvellon noch tragen wird. Hoffentlich in die Herzen unzähliger Fans!





(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.elvellon.net

NERVENBEISSER - Geschlechterschlacht


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Danse Macabre / Al!VE

Nervenbeisser – Geschlechterschlacht
(VÖ: 28.08.2015 Danse Macabre /Al!ve)

Auch wenn Nervenbeisser mit ihrem aktuellen Release „Geschlechterschlacht“ strikt genommen einen Re-Release des bereits 2004 bei Zyx-Music erschienenen Albums auf den Markt bringen, so wirkt die aktuelle Produktion in vielerlei Hinsicht runder und druckvoller. Der Sound ist vielfältiger und klarer im Mix und der Gesamtkomposition. Der Hörer stellt fest, dass kräftig entschlackt wurde und neu gewoben – womit das Album im A/B Vergleich kaum wiederzuerkennen ist. Eingängige Texte, brachial und dazu phasenweise melodisch, werden mit klassischen Songstrukturen vermischt. Ausgeklügelte Breakbeat-Passagen höre ich, die ich so von einer Band der „Neuen Deutschen Härte“ nicht erwartet hätte. Etwa ein Text wie „Mona Lisa“ geht nicht etwa um das gleichnamige Gemälde, sondern um die Versuchung und Verlockung des Geldes und der Lust. Fatal nur, dass der Jenige der es hat das Mädchen zu seiner Hure macht. Der Song „Genug ist Genug“ brettert richtig los und geht um den Wunsch zu springen und sich selbst umzubringen. Hart, direkt und mit den Dämonen in sich ringend, geht es in den meisten Songs auch um die Sehnsucht nach Liebe und Beachtung. Die Melodien krallen sich beim Hörer fest, werden zu „Nervenbeissern“ und besitzen dabei eine ureigene musikalische Prägung. Absolut hörenswert! (Maximilian Nitzschke)

ANNA ALIENA - The Muse


Erstveröffentlichung: CD-EP 2015 / Go! Diva Records

ANNA ALIENA - The Muse
(VÖ: 30.Oktober 2015 Go! Diva Records)

In den vergangenen Jahren bezeichnete Sängerin und Songwriterin Anna Aliena ihren musikalischen Stil gern als „Alien Pop“ und auch ihre dritte EP aus dem Jahr 2013 trug diesen Titel.
Bereits seit 2011 wandelt die klassisch ausgebildete Mezzosopranistin bereits auf Solo-Pfaden und hat seither in jedem Jahr eine neue EP herausgebracht. Das besondere an ihrer Musik finde ich ist, dass sich zwar der Stil ihrer musikalischen Ausdrucksweise nicht änderte, die Art der Inszenierung aber variiert und stets neu überrascht. Mit „Silly Little Boys“ hat es begonnen, wo es um die Unbeholfenheiten von Männern im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht ging, dem folgte das verträumte „Cinderella“ - der bunten Prinzessin auf der Suche nach dem Prinzen in schillernder Rüstung. Mit „Alien Pop“ definierte sie ganz klar ihren Stil und machte unmissverständlich klar, dass die Musik ihre Leidenschaft ist. Anschließend folgte der schrille-quietschige Ausflug in die Kunst- und Filmwelt Berlins mit „Swinging Berlin“ hinein in lasterhaftes Treiben und gewürzt mit jeder Menge Selbstironie.
Jetzt mit ihrer fünften EP „The Muse“ läutet sie einen Stilbruch ein, ohne sich künstlerisch untreu zu werden. Die Künstlerin hat auf Schminke und Perücke verzichtet, gibt sich ganz natürlich und fast schon schonungslos entblättert. Die in Berlin lebende Künstlerin serviert ihren Fans nun mit ihrer theatralischen Mezzosopranstimme emotionale Balladen im Dreivierteltakt. Anna Aliena ist ganz bei sich selbst, vielleicht verletzlicher da ihr die bisher schützende Maske fehlt. Aber tiefere Einblicke in den kreativen Schaffensprozess und nicht zuletzt auf die Sängerin selbst, gab es auf ihren Soloalben bisher selten. In den neuen Songs thematisiert sie diesmal ihren musikalischen Schaffensprozess und ihre abgöttische Liebe zur Musik. Die Komponistin lässt den Hörer so nah an sich wie selten und gibt Einblicke in ihre inspirierenden Begegnungen mit den Musen. Da wäre zum Beispiel „Sasha“ zu nennen, ein Stück welches die berühmten drei Worte auf Russisch enthält und insgesamt ein paar kurze Momente der Liebe. Anna Aliena wirkt gelöster, befreiter in ihrer Kreativität, so dass einen die fröhliche Aufbruchstimmung mitnimmt. „I am gonna fly away“ ist ein beschwingten Song über die Sehnsucht nach fernen Orten und den Wunsch nach Freiheit. Ihr Gesang wird in orchestrale Arrangements mit vielen Streichern und vergleichsweise wenig Percussion verpackt. Den Wunsch raus aus Berlin hatte sich Anna Aliena für eine kurze Zeit genommen, indem sie nach Kroatien reiste. Das ihr dort dann eine weitere Muse begegnete, könnte ein wunderbarer Zufall gewesen sein. Die Geschichte von Liebe in der Ferne erzählt „Deine Blauen Augen“ beziehungsweise auf kroatisch „Tvoje plave oci“. Diese Ballade rührt zu Tränen, ist so voller Sehnsucht und Leidenschaft. Selten kam Annas Opernstimme besser zur Geltung als in diesem Stück. Sie hat auch kroatisch gelernt und singt ganze Textpassagen in Kroatisch. Nicht zuletzt steigerte dies ihre Beliebtheit in diesem Kulturkreis gerade enorm! Man darf also gespannt sein, auf welche unentdeckten Pfade es die Künstlerin nach der Veröffentlichung noch verschlägt! (Maximilian Nitzschke)

JOACHIM WITT - Ich


Erstveröffentlichung: CD+DVD 2015 / Oblivion / SPV / SPV268582

JOACHIM WITT hatte nach „Bayreuth 3“ 2006 eine längere Pause gemacht, bevor er dann 2012 mit dem Album „Dom“ wieder auf der Bildfläche erschien und sogar mit dem Videoclip zur Single „Gloria“ einen – sicher nicht unbeabsichtigten – kleinen Skandal hatte, der ihn zurück in die Medien brachte. 2014 dann das Album „Neumond“, das leider ein bisschen unterging, aber eigentlich wirklich schönen, teils bombastischen Synth-Pop bot, und schon ein Jahr später das erstmals per Crowdfunding mitfinanzierte Album „Ich“. Wie der Titel schon verspricht, wird es inhaltlich persönlicher und vor allem hat JOACHIM WITT dieses Album praktisch komplett im Alleingang geschrieben, aufgenommen und produziert, sicher ganz bewusst, nach den beiden vorhergehenden Platten, die stark durch die Arbeit der Mitmusiker beeinflusst war. Hier kehrt WITT jedoch zum Minimalismus zurück. Eher bedächtiges Tempo, kaum Tanzbarkeit und häufig die Akustikgitarre, verbunden mit der in Würde gealterten Stimme prägen den Sound. Wer auf die „Bayreuth“-Serie und die letzten Alben stand oder gar etwas im Stil des frühen WITT erwartet, wird hier vermutlich etwas enttäuscht sein. Aber JOACHIM WITT muss niemandem mehr etwas beweisen und wenn man sich auf das Album einlässt, wird man schlicht-schöne Songs mit guten Melodien, interessanten Texten und großer Reife finden.

Eher nachdenklich und selbstreflektiv beginnt das Album mit „Über Das Meer“. Balladesk und persönlich bleibt es auch bei „Was Soll Ich Dir Sagen“, wobei dies ein merkwürdiges Lied ist, denn so schön es als Ballade ist, könnte ich es mir auch in einer Version im ganz frühen WITT-Stil vorstellen. Hier würden mich ein paar ungewöhnliche Remixe tatsächlich ausnahmsweise mal interessieren. Schon das Ende des Songs wird etwas bedrohlicher und bei „Warten auf Wunder“ klingen erstmals auf diesem Album ein paar tanzbare Rhtyhmen durch. Der Bombast früherer Alben bleibt aber auch hier aus. „Bitte Geh Mir Aus Dem Weg“ – und im Grunde das ganze Album – erinnert etwas an die introvertierte Atmosphäre von The Cures „Bloodflowers“. Die erste Single war „Hände Hoch“ mit monotonem Rhythmus, ein paar Countrygitarren-Klängen, bis zu dieser Stelle das eingängigste Lied. Ein wenig Aufsehen erregt hat jedoch leider weniger der Song als wieder einmal das Video, in dem der Sänger und sein Kollege Hubert Kah durch eine düstere Nervenheilanstalt wandeln. Für Hubert Kah sicher auch ein bisschen Selbsttherapie, darf er hier doch mal auf der anderen Seite des Tisches als sonst sitzen, nämlich als Arzt. „Lagerfeuer“ ist eher unauffällig und besticht vor allem durch den Einsatz einer Orgel, was dam Ganzen ein leichtes 60s-Flair gibt, gepaart mit einer gewissen Vorliebe für Leonard Cohen – vermute ich mal. Eingängig und als Single sicher auch geeignet ist „Wie Viel Mal Noch“.

„Tod Oder Leben“ plätschert ein wenig vor sich hin, ohne besonders im Gedächtnis zu bleiben. Der poppigste Song des Albums ist „1971 Oder Ein Mädchen Aus Amerika“ über (vermutlich) eine Jugendliebe in Hamburg, einerseits locker-luftig, andererseits mit einer gewissen Nostalgie, die solchen Jugenderfahrungen innewohnt und dem Wissenwollen, was aus ihr geworden ist. Völlig im Kontrast dazu steht das ambiente Stück „Es Wirbeln Die Äste“, das eher ein musikalisches Bild als ein Lied ist. Ziemlich herausstechen aus dem Gesamtalbum tut „Alles Was Ich Bin“, zum einen weil es ziemlich elektronisch ist und zum anderen wegen des gesprochenen Textes. Nach mehrmaligem Hören setzt sich das Stück aber ziemlich fest, gerade, weil es so anders ist. Kurz vorm Ende des Albums gibt es mit „Olé (Klub)“ dann doch noch einen Song, den man dem Dark Wave zuordnen kann und der sicher auch die engstirnigen Fans zufriedenstellen wird, die denken, ein Musiker wie JOACHIM WITT dürfte nur das machen, was er in den letzten gut 15 Jahren so erfolgreich präsentiert hat. Breakbeatige Rhythmen, funkige Gitarre und bedeutungsschwangere Worte in „Nachtflug“ beenden das Album dann nach knapp einer Stunde.

Auch, wenn „Ich“ recht introvertiert ausgefallen ist, darf man wohl sicher sein, dass WITT bei kommenden Konzerten seine Fans nicht enttäuschen wird und natürlich auch die bekannten Hits spielt. Möglicherweise gibt es zweigeteilte Konzerte, bei denen zunächst das Album vorgestellt wird und im zweiten Teil dann die Party beginnt. Und wer weiß, wie das nächste Album klingen wird. Wie oben erwähnt: beweisen muss er niemandem mehr etwas und das gibt ihm die Freiheit, genau das zu tun, wozu er gerade Lust hat…und das können sich nur wirklich große Musiker und Sänger erlauben.

Die CD kommt in einem mehrfach aufklappbaren DigiPak und enthält ein schön gestaltetes Booklet. Als Bonus gibt es eine DVD, die drei Livetracks von Februar 2015 enthält, die schon mal auf die kommende Live-DVD einstimmen sollen. Mit „Supergestört Und Superversaut“, „Sonne Hat Sie gesagt“ und „Tri Tra Trullala (Herbergsvater)“ gibt es einen Rundumblick über die 35jährige Solokarriere, wobei JOACHIM WITT recht eindeutig das zweite Stück bevorzugt und beim dritten so wirkt, als wenn er es eben spielt, weil die Leute es erwarten. (A.P.)

DYSTOPIAN SOCIETY - Overturned Reality


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Danse Macabre / Al!VE

Dystopian Society – Overturned Reality
(VÖ: 25.09.2015 Al!VE/ Danse Macabre)

Dystopian Society spielen Dark/Post-Punk und wurden Ende 2010 in Florenz ins Leben gerufen. Bereits die erste Veröffentlichung hatte für Furore gesorgt, denn „Cages“ war eine kraftvolle Mischung aus Punk und old School Gothrock. Diese Mischung im Gepäck tourten sie durch ganz Europa, sowohl auf eigener Tour als auch im Vorprogramm vieler international bekannter Bands.
Ihr zweites Album „Overturned Reality“ führt das inhaltliche Konzept der Band weiter. Dunkle Tonlandschaften, durch die wütende Böen fegen und die Dystopie in unser aller Leben sehr beschreibt. Das verbindende Element aller Stücke ist Mystizismus, welches schon seit „Cages“, das Schaffen der Italiener beschreibt.
(Maximilian Nitzschke)

ADAM USI - Vakuum Mirage


Erstveröffentlichung: CD-R 2015 / Young & Cold Records

ADAM USI ist ein junger Musiker aus Süddeutschland, der mit einzelnen Songs schon eine Weile die Szene unsicher macht. Nun gibt es aus Anlass eines Konzerts zusammen mit Nine Circles eine erste „richtige“ Veröffentlichung, die nur bei dem Auftritt verkauft wird und auf 50 Exemplare limitiert ist. Eine gebrannte CD-R in Vinyloptik – weiß eigentlich jemand, wer auf die blöde Idee gekommen ist, dass CD-Rs aussehen sollen wie Schallplatten, wo sie doch nie so klingen können? – und ein Fotokopie-Cover unterstreichen den Do-it-yourself-Gedanken und sind hier sicherlich bewusst gewählt worden.

Zu hören gibt es sehr oldschooligen Wave-Sound, der ganz tief in den 80er Jahren verwurzelt ist. Gleich der erste Track „Chaje Sarah“ klingt irgendwie wie eine Mischung aus For Against und Clan Of Xymox und bleibt vor allem aufgrund der Minimalität gleich im Ohr. Ein bisschen synthpoppiger ist „Opklung“, ebenso wie „Shili“, wobei hier noch mehr eine tiefe Melancholie durchklingt. Erinnert hier und da ein bisschen an The Frozen Autumn. „Son“ hat eine Stimme, die ein bisschen zwischen rotzig und Marc Almond einzuordnen ist und hätte auch auf einer frühen Erasure-Single-B-Seite erscheinen können, der schönste Song der CD würde ich mal spontan behaupten und ein richtiger Ohrwurm, obwohl eigentlich gar nicht besonders tanzbar, dafür aber emotional.

Wie eine Mischung aus John Carpenter-Soundtrack und „Blade Runner“-Soundtrack, ergänzt durch Gesang klingt „Beersheeba“, hat aber auch was von elektronischem Batcave-Sound, auch, wenn man sich unter der Beschreibung wohl wenig vorstellen kann…muss man einfach hören. „Reumah“ kennt man möglicherweise schon vom „Young & Cold III“-Festival-Sampler. Der Song hat durchaus Potenzial für die Tanzflächen von 80er Jahre-Partys. Als Bonustrack gibt es noch das curige „Siehst Du Mich“, bei dem Daniel Hallhuber (Nacht Analyse, Der Lustige Kerl…) mitgewirkt hat.

Wer nicht das Glück hat, die CD bei einem Konzert zu kaufen, kann sich einen Eindruck auf der Bandcamp-Seite von ADAM USI machen (https://adamusi.bandcamp.com/). Diese sieben Songs sollen wohl nur ein erster kleiner Eindruck sein, aber ich bin sicher, dass wir von ADAM USI noch eine Menge weitere spannende Musik zu hören bekommen werden. Für Fans des guten alten 80er Wave fast schon Pflicht. Eigentlich müsste man diese CD-R direkt noch als Vinyl-10“ veröffentlichen. (A.P.)

Webadresse der Band: adamusi.bandcamp.com/

CHEMICAL SWEET KID - The Speed of Time


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Danse Macabre / Al!VE

Chemical Sweet Kid – The Speed of Time
(VÖ: 25.09.2015 AL!VE/ Danse Macabre)

Es ist bereits wieder drei Jahre her, das Chemical Sweet Kid ihr zweites Album „Broken Wings“ veröffentlicht haben. Diese Zeit gab Julian Kidam, Sänger und Komponist der Band, die Möglichkeit, das wohl bisher komplexeste Werk als Nachfolger einzuspielen. Mit dem dritten Album „The Speed of Time“, nehmen uns Chemical Sweed Kid ein weiteres Mal mit auf ihre musikalische Reise in die Gefilde des Industrial-Electro-Rock Sounds. Brüllende Gitarrenriffs und typisch dreckige Synthlines ergänzen geschickt Julians Stimme. Diese reicht von Flüstern, gesprochenen Worten, Singen und verzweifelten Schreien. Der Hörer erlebt eine ganz neue Dimension der Franzosen , was sich bereits auf der Single „Kiss My Hate“ und dem gleichnamigen Video erahnen ließ. Chemical Sweet Kid zeigten uns die gequälte Seele von Ihnen und manifestierten dieses Bild sogar noch im zweiten Video „Once Again“.
Nicht alle Songs des Albums sind solche Höllenmaschinen wie diese beiden, vielmehr begibt sich der Hörer auf eine Achterbahnfahrt vom härtesten Industrial-Electro zu deutlich sanfteren Klängen Electro-Metals. Es ist ein eigener Sound den sich Chemical Sweet Kid aufgebaut und nun in den drei Jahren ausgebaut und verfeinert haben, so das dieser wie ein Ruf aus der Hölle klingt und mitreißend ist! (Maximilian Nitzschke)

THE RAVEN - Self Destruct


Erstveröffentlichung: CD-EP 2015 / Danse Macabre / Al!VE

The Raven – Self Destruct
(VÖ: 25.09.2015 Single AL!VE/ Danse Macabre)

Dave Strehler alias The Raven ist ein Kosmopolit. Sein Zuhause sind bestenfalls die Terminals internationaler Airports. Wie ein Schwamm saugt er dabei die Eindrücke dieser Stationen rund um den Globus auf und verarbeitet diese in seinem künstlerischen Schaffen. War seine letzte EP noch von sinnlich-düsterer Herzlichkeit geprägt, sind es die katastrophalen gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre, die den Anstoß gaben für den Enfant Terrible. So erklärt sich der harte stilistische Schnitt. Das Choruspedal der Halbakustik wurde gegen Megaphon und Drumcomputer eingetauscht und Dave feiert den Untergang der Menschheit wie einen Cybergothictanz auf dem Vulkan. Cyberelectro anstelle von Gothicrock- Atemmaske statt Cowboyhut. Die Single „Self Destruct“ bildet nur den Vorboten für das Album „Apokalypse“ - wie auch sonst könnte ein Album heißen, dass der Menschheit den Raubbau und ihre kurzsichtige Profitgier 5 Minuten vor 12 beschreiben will? Man kann also gespannt sein, was uns musikalisch erwartet! (Maximilian Nitzschke)

CHURCH OF CONFIDENCE - Damnation To The Non-Believers


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Wild At Heart Berlin Studios / Eigenvertrieb

Church of Confidence – Damnation to the Non-Believers
(VÖ: 01.10.2015 Label Wild At Heart Berlin Studios)


Mit dieser CD erreichte mich endlich einmal eine Kirchenwerbung, die mir auch Freude bereitet. Denn hier ist sie, die einzig wahre Kirche, die Kirche deines Vertrauens! Ihre drei Priester heißen Uli, Beano und Süni, und ihre Botschaft lautet: Musikmachen um ihrer selbst willen.
Die Aufnahmen ihres Rock, Punk und Roll Albums mit dem langen Titel erfolgte als „Do it Yourself“ von der Produktion bis hin zum Vertrieb. Musikalische oder ideologische Dogmen gibt es nicht, stattdessen zählt der maximale Spaß. Auf technischen Firlefanz verzichtet diese Kirche hier ganz, es zählen die Gitarrenriffs, griffige Hook-Lines und für alle eine gute Zeit. Rockiger Punkrock aus der Hauptstadt um der Lust an der Musik zu frönen, ohne soziale Anklage aber mit Botschaft. Das hat selten so viel Spaß bereitet, auf diese Messe zu gehen!
(Maximilian Nitzschke)

YOUR MIND IS MY PUPPET - Illuminate The Dark


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Thousand Times / Radar

Your Mind is my Puppet - „Illuminate The Dark“
(VÖ: 23.10.2015 Thousand Times / Radar)

Die Band Your Mind is my Puppet ist eine fünfköpfige Metalcore Band aus dem Norden von Stuttgart und stehen für druckvollen Metal, dynamisch und kompromisslos. Die Musik überzeugt mit harten Breakdowns und Gitarrenriffs. Fette Elektrosounds ergänzen die melodiösen Gesangsparts, welche sich auch durch wütende Ausbrüche kennzeichnen. Nach dem Intro geht es brachial growlend mit „Timewaster“ los. Wer den Text verstehen will, hat absolut schlechte Karten, allerdings zeigt sich im Refrain wie sich die Stimme anhört ohne die Grunzlaute. Man kann da als Hörer sehr erstaunt sein! Der nächste Song „Trusting I Deceiving“ beginnt mit bemerkenswertem Gesang ehe Gitarrenwände brettern was das Zeug hält und ein Soundgewitter entfachen. Das krasse an den Songs ist aber, dass eine unbändige Energie Ausdruck bekommt, die sich irgendwie auch auf den Hörer überträgt. Auch wenn ein Titel „Enough is Enough“ heißt, nein man hat noch nicht genug! Ach in den folgenden fünf Stücken steckt Energie, Rhythmus kombiniert mit Growls und brachialem Metalsound. Unweigerlich stell ich mir die Songs live umgesetzt vor und komme zu dem Ergebnis, dass es sich um eine energiegeladene und mitreißende Show handeln wird. Für Liebhaber von Metal ist das Album in jedem Fall ein Muss! (Maximilian Nitzschke)

BENDER - Bottom Line


Erstveröffentlichung: CD 2015 / FinestNoiseReleases / Radar

BENDER - „Bottom Line“
(VÖ: 23.10.2015 FinestNoiseReleases / Radar)


Als mich die Scheibe „Bottom Line“ der Karlsruher Band „Bender“ erreichte,. War ich zunächst erstaunt. WOHER kommen die? Aus Karlsruhe? Damit hatte ich in Anbetracht der kraftvollen Musik nicht gerechnet, vielmehr eine Verortung in Richtung Amerika vermutet. Die Mischung aus Hardrock, Bluesrock und Grunge frisst sich erfreulich schnell in die Gehörgänge und trifft den Hörer mit aller Kraft. An das beschauliche Städtchen am Rande des Schwarzwaldes denkt man nicht, bei dieser elektrisierenden und weltgewandten Musik!
„Bottom Line“ bedeutet soviel wie „unterm Strich“. Diesen Namen wählte die Band, weil es am besten ausdrückt, was dieses Album für die Band bedeutet. Während die Songs auf der EP „Of Ghost and Travelers“ eher noch Songs der einzelnen Mitglieder waren, ist bei diesem Album jeder Song ein „Bender“-Song, gewachsen aus den Einflüssen jedes einzelnen Mitgliedes. Darin stecken alle gemeinsamen Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse der letzten fünf Jahre, im Guten wie im Schlechten. Zu 90% gibt es die Musik zuerst, dann kommt der Text. Die Idee zum Text ergibt sich aus dem Gefühl beim Spielen, beim Anhören, aus ein paar Wörtern oder Satzfetzen. Letzten Endes singen sie über die gleichen Dinge wie jeder andere auch: Etwa über das Leben („Bottom Line“, „45 Years“, „Sail West“, „Like The Wind“), Liebe („Break“, „Inside,Outside“, „Ocean“), Menschen („“Come and Go“, „Old Man“). Der Text zu „Blackended Sky“ ist vielleicht der persönlichste auf dem Album. Er ist nach einem Todesfall in der Familie eines Bandmitgliedes entstanden. Was man merkt als Hörer des Albums ist, dass für die Band der unmittelbare Eindruck und die Emotionen beim Hören im Vordergrund stehen. Die Texte sollen Spaß machen, denn es sind Rock-Songs die von Herzen kommen.
Neben dem normalen Vertrieb über Radar/Köln ist das Album auch über die Homepage der Band www.wearebender.com zu beziehen. Über einen selbstgewählten Preis kann man per PayPal bestellen, und das digitale Album erwerben. Somit darf der Hörer selbst wählen, was ihm die Musik wert ist, und damit fördert er direkt die Band und deren Musik. Als Dank dafür ist deshalb jede CD mit einer Nummer versehen und der Strich auf jedem Cover, die bottom Line, von Hand gemalt.


(Maximilian Nitzschke)

STEPHAN NERO - Spring


Erstveröffentlichung: CD 2015 / iTunes /Amazon

Stephan Nero – Spring (VÖ: 19.10.2015 iTunes, Amazon) Das Berliner Ausnahmetalent Stephan Nero präsentiert seinen Elektro-Pop seit etlichen Jahren immer bewusst an Orten, wo man Popmusik in Berlin nicht erwarten würde. Aufgewachsen in den 80er Jahren zeigen sich in seiner Musik, eine sehr starke Emotionalität und lässt er Charaktere nicht selten inhaltlich vor schwierigen Entscheidungen stehen. Es finden sich instrumentale Anklänge an Wave und Synthie-Pop wieder, jedoch stellt der elegante Herr im schwarzen Anzug und Glatzkopf eine ganz eigenständige Marke und Kunstfigur dar. So trat er bereits zusammen mit der Performance Legende Bridge Markland bei 48h Neukölln 2010 unter dem Motto „Ein Popkonzert im Schaufenster“ live bei Woolworth auf. Darauf folgten Auftritte im Rahmen von Ausstellungen, unter anderem im Kunstsalon der Alten Kindlbrauerei und als Highlight beim Nacht und Nebel Festival 2010. Stephan Nero ist eng mit seinem Kiez Neukölln verbunden, so dass er auch im Jahr 2011 zu den 48h Neukölln zusammen mit Regisseur Mirko Schmidt kuratierte. Im Jahr 2012 folgte mit „KunstPop“ auch für 48h Neukölln das bisher größte Projekt. Der multimediale Schlachthof in Neukölln diente als Bühne für eine Inszenierung mit zehn weiteren Künstlern, welche jeweils eine Arbeit zur Musik von Stephan Nero präsentierten. Trotz der regen Konzerttätigkeiten in den Jahren, gab es bislang noch kein Album des Elektro-Pop Sängers regulär zu kaufen bislang, bis jetzt! Seit dem 19.Oktober 2015 ist „Spring“ nun käuflich über iTunes und Amazon erhältlich, und enthält ganze 8 Titel plus Bonusmaterial. Tanzbare, energiegeladene Powersongs verbreiten das Gefühl des Frühlings, des Aufbruchs nach der kalten Jahreszeit. Der Song „The Sun Shines Bright Here“ dreht sich um die Heimat des Sängers den Richardplatz. Was passiert mit den Menschen wenn plötzlich die Sonne wieder scheint nach der dunklen Jahreszeit. Ein neues Lebensgefühl stellt sich ein, man genießt die ersten Sonnenstrahlen. Auch Stephan Nero selbst ist oft auf diesem Platz, setzt sich auf die Bank und beobachtet das Treiben um sich. Insofern ist dieser Song auch als eine Einladung zu verstehen, zu verweilen und die Zeit zu genießen. Die Melodie kam ihm dabei relativ spontan, nachdem er sich neues Equipment zugelegt hatte. Dieses führte dazu, dass er begann neue Sounds auszuprobieren. Was dabei interessant ist, dem Song ist dabei eine Leichtigkeit zu eigen, die den Hörer mitreißt und zu begeistern weiß. Stephan Nero gibt auch gern zu, dass es seine Absicht war, ein positiv stimmendes Album zu schaffen. Dies ist auch der Grund, warum erstmals zwei Instrumentalstücke zu hören sind. Diese fangen einfach Stimmungen ein, teilweise mit Originalaufnahmen von Plätzen in Neukölln. Stephan Nero hatte diese bei Spaziergängen mit dem Smartphone aufgenommen und dann eingearbeitet in seine Kompositionen. Das einzige Stück des Albums, dass etwas dunkler ist, bildet „Close to Me“, was der besungenen Situation verschuldet ist. Jemand bittet seinen Partner nach einem Streit schlicht um Verzeihung, was also einen sehr intimen Moment wiedergibt. Der Gesang dominiert, setzt in ungeahnte Höhen an, während sich die Instrumente dahinter zurücknehmen. Die Intimität erhält Raum und doch hat der Hörer das Gefühl, für eine kurze Zeit durchs Schlüsselloch geblickt zu haben. Stephan Nero erzeugt für den Hörer Bilder, die er klanglich umgesetzt hat und dadurch festhält. Auch der Titel „Spring“ ist eine Momentaufnahme. Man hört spielende Kinder und um diesen Klang baute Stephan ein Instrumentalstück drumherum. Ein Titel zum zurücklehnen und entspannen, ganz so wie man es gern im Frühling tun kann. Auch „Shine“ greift noch einmal den Unterschied auf zwischen Winter und Frühling, was sich verändert sobald Lichtstrahlen auf die Haut treffen. In der zweiten Ebene leuchten durchaus auch Menschen für uns im Frühling besonders gerne aus der Menge, „Frühlingsgefühle“ werden wach. Das verbindet Stephan Nero hier sehr tanzbar und gekonnt. Das ganze Album macht extrem viel Spaß, ist tanzbar und ist ein greifbares Zeugnis für die hohe Qualität die Stephan Nero an sich selbst stellt! Hut ab! (Maximilian Nitzschke)

ASP - Verfallen Folge 1: Astoria


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2015 / Trisol Music Group

ASP – Verfallen Folge 1: Astoria
(VÖ: 16.10.2015 Trisol Music Group)

Mit ihrem neuen Album „Verfallen Folge 1: Astoria“ liefert die Frankfurter Band ASP um Frontmann Alexander Spreng nicht einfach nur ein genial schauriges Album ab, sondern erzählen dabei zugleich eine fesselnde Story rund um ein längst vergessenes Hotel. Die Geschichte hinter der Vertonung lieferte Kai Meyer, welcher in seiner Kurzgeschichte die Geschehnisse rund um das einstige luxuriöse Zentrum des Leipziger Nachtlebens im 1915 fertig gestellten Luxushotel „Astoria“ beschreibt. Das Hotel fristet heute neben dem Hauptbahnhof seit zwei Jahrzehnten ein trauriges Dasein und ist dem Verfall preis gegeben. Aus diesem Umfeld heraus spinnen ASP eine packende, sehr melodische und wie ich finde atemberaubende Kulisse für eine Geschichte, die sich tatsächlich so zugetragen haben könnte.
Der Einstieg in die Erzählung erfolgt bombastisch mit „Himmel und Hölle (Kreuzweg)“, ein schneller, melancholischer Song. Das beliebte Kinderhüpfspiel wird zum Sinnbild für Lebensentscheidungen, Kreuzwege die nicht zuletzt der Protagonist der Geschichte kennenlernen wird. Der Hörer erhält einen ersten kurzen Eindruck von der Gefühlswelt des Hauptcharakters und bekommt unweigerlich Lust, mehr über ihn zu erfahren. Mit „Mach es gut Berlin“ folgt eine langsamere Ballade über die Beziehung des Protagonisten zu Berlin, dass ihm offenbar kein Glück brachte. Nun möchte er dieses in Leipzig finden, wenngleich auch in seinem Koffer kaum Habseligkeiten drin sind. Das letzte Geld ging für die Zugfahrkarte drauf, aber offenbar hält ihn die Hoffnung auf eine neue glorreiche Zukunft aufrecht. Der Song „Zwischentöne: Ich nenne mich Paul“ vermittelt in seiner Melodie das Rattern der Zugräder auf der Fahrt von Berlin nach Leipzig, untermalt von Geigen. Der Text spielt mit den Gedanken des jungen Mannes, der sich Paul nennt, der über seine Zukunft nachdenkt. Sollte er am Bahnhof in Leipzig auf eine schöne Frau treffen, dann würde er den Mut fassen und sie ansprechen. Nun es kommt etwas anders!
Mit „Zwischentöne:Baukörper“ erlebt der Hörer Pauls Ankunft auf dem Leipziger Hauptbahnhof und sogleich werden auch die Gedanken von ihm freudiger und frei von Zweifel. Mal laufend, mal tänzerisch erkundet Paul seine Umgebung und ASP lässt den Hörer daran teilhaben. Paul erblickt anstelle einer schönen Frau am Bahnsteig das Luxushotel „Astoria“ und ist fasziniert vom geschäftigen Treiben vor dem Hotel. Für ihn ist klar, dass dies seine Bestimmung ist und so schleicht er sich hinein. Er erfährt, dass die Stelle des Hausmeisters erst seit kurzer Zeit frei geworden ist und so erhält er eine Anstellung auf Probe.
Weiter geht es mit dem rockigen Stück „Begeistert (Ich bin unsichtbar)“ in dem Paul seine beginnende Beziehung zum Hotel Astoria zu beschreiben, nur er und das Hotel sind real die restlichen Gäste egal, so zumindest ist seine Auffassung der Intimität. Einen passenden Bruch liefert „Zwischentöne: Lift“, inhaltlich eine Liebeserklärung an eine ganz besondere Dame, musikalisch umgesetzt mit Tango-Untermalung im Stil der 20er und 30er Jahre. Vor dem inneren Auge zieht der Tanzsaal des Hotels vorbei und damit einher gehend der mondäne Charme der Zeit.
Der Song „Astoria“ klingt dann ganz so, wie Fans ASP kennen und lieben: der Gesang ist betörend, der Sound rockig und harmonisch. Der Text hingegen zeigt die Brüchigkeit im Inneren von Paul. Das Astoria ist ihm zur Heimat geworden, kaum noch geht er aus dem Bau selbst heraus. Fast so, als ist das Hotel ein Lebewesen, eine reale Geliebte fühlt er sich dem Hotel verfallen. Hier spielt ASP sehr geschickt mit der Doppeldeutigkeit des Wortes verfallen, denn einerseits charakterisiert es das Verhältnis von Protagonist zum Schauplatz, anderseits ist dieser Schauplatz heute real am verfallen. Es macht einfach immer wieder Spaß die Doppeldeutigkeiten in ASP Texten zu erfassen!
Mit „Souvenir,Souvenir“ geht es deutlich härter zur Sache, sowohl vom Text wie auch von der Melodie her. Keyboard-Beats untermalen die starken Gitarren-Riffs. Textlich wird deutlich, dass Paul dem Hotel die Schuld dafür gibt, dass er immer wieder kleine „Souvenirs“ der Gäste des Hauses sammelt, zumeist sind es Körperteile, und diese dem Hotel als Liebesgaben darbietet.
Die Gedanken von Paul gleiten in Schizophrenie und Wahn, werden eingesponnen von der Macht des Luxushotels. Schnell wird klar, welchen Preis Paul zahlt für die merkwürdige Beziehung zu seiner neuen Heimat. Die Erzählung „Zwischentöne: Blank“ schafft den Übergang für das, was als nächstes kommt. Immer wieder stellen sich bei ASPs Vortrag die Nackenhaare auf. Das Schicksal von Paul scheint besiegelt, kann an diesem Wendepunkt kein gutes Ende mehr nehmen. Der Song „Dro(eh)nen aus dem rostigen Kellerherzen“ setzt den Epilog fort und untermalt die gelungene Instrumentierung. Es ist eine traurige Melodie mit Akustikgitarre eingespielt und von Streichern begleitet., welche uns ASP im Anschluss mit „Alles, nur das nicht!“ präsentieren. Auf der einen Seite steht die unbändige Liebe von Paul zu Astoria, für die er wirklich alles tun würde, auf der anderen Seite aber die Gier von Astoria auf ein Opfer. Taub und hörig widmete Paul dem Astoria sein Leben, was auch immer grausames Sie von ihm verlangte. Bis zur heutigen Nacht reichten Ihr die Souvenirs die Paul ihr dargebracht hatte, sie waren entbehrlich und leblos. Nun jedoch verlangt es Astoria nach mehr: einem Mord! Paul ist voller Zweifel, wehrt sich, sträubt sich, um letztlich doch besiegt zu werden von seiner Liebe Astoria. Was nun von ihm abverlangt wird erfährt man in epischer Breite von ASP in „Loreley“. Ein spannender und fesselnder Mordkrimi der hier entfacht wird, unterstrichen durch orchestrale Musik. Ja hier erklingt ein Aspsches Meisterwerk, das sowohl die Geschichte von Hannelore – die sich Loreley nennt, ihrer Familie und ihrem Mörder Paul offenbart. Die Tat geschieht, skrupellos und schauderhaft. Was nur wurde aus dem Mann vom Beginn unserer Reise, vom hoffnungsvollen Reisenden zum Mörder für einen Baukörper?
Wie in jedem guten Krimi, beendet auch ASP die Geschichte an der nunmehr spannendsten Stelle, und entlässt den Hörer mit der Zusicherung „Fortsetzung folgt..1“. Die fröhliche Melodie voller selbstironischer Zeilen, bindet den Hörer wieder geschickt ein und verkürzt ihm die Wartezeit!

Im Fazit ist dieses Album eine sehr packende und fesselnde Geschichte von der ersten bis zur letzten Minute, die sich auch nicht sofort vollständig erschließt. Getragen wird diese durch die unterschiedlichen musikalischen Facetten der Frankfurter, welche sich mühelos und harmonisch um die Texte von Alexander Spreng zusammenfügen. Bemerkenswert ist auch der Mut von Asp einzelne Stücke über zehn Minuten lang eingespielt zu haben, denn sie intensivieren das Hörerlebnis ungemein und erzeugen Spannung. Nun ist man gespannt, was dann Folge 2 bereit hält.
Also Fortsetzung folgt..
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.aspswelten.de

ALEX OGG - California Über Alles - Dead Kennedys: Wie Alles Begann


Erstveröffentlichung: Buch 2015 / Ventil Verlag / ISBN 978-3-95575-008-4

Dass die DEAD KENNEDYS zu den wichtigsten amerikanischen Punkbands gehören, ist sicher auch Nicht-Punk-Fans ein Begriff. Ihr Einfluss ist gar nicht hoch genug zu bewerten und doch fehlt es bis heute an einordnender Literatur zu der Gruppe, die ohne ihren Sänger Jello Biafra seit Jahren wieder live spielt und ansonsten vor allem durch Rechtsstreitigkeiten auf sich aufmerksam gemacht hat. Dass nun wenigstens die Frühphase der Gruppe bis zur Veröffentlichung ihrer ersten LP „Fresh Fruit For Rotting Vegetables“ aufgearbeitet wurde, verdanken wir Autor Alex Ogg. Ursprünglich sollte er einen Booklettext zur Wiederveröffentlichung des Albums zum 25 jährigen Jubiläum schreiben und interviewte dazu die Bandmitglieder und zahlreiche Wegbegleiter, sammelte Bildmaterial und Zitate über die Band und scheiterte letztendlich an den Eitelkeiten und Feindseligkeiten der Bandmitglieder untereinander. Der Booklettext erschien nicht und irgendwann beschloss Ogg, das Material weiter auszuarbeiten und als Buch zu veröffentlichen, das 2014 in den USA und nun auch in Deutschland erschienen ist.

Mittels bekannter und unbekannter Quellen aus Interviews, Flyern, Fanzinebeiträgen und Gesprächen mit allen möglichen Beteiligten wie den Musikern, Studiobetreibern, Labelmachern und vielen mehr zeichnet Alex Ogg die Bandgeschichte sehr lebendig von den Anfängen über erste Auftritte, erste Plattenveröffentlichungen, Biafras Bürgermeisterkandidatur bis hin zu ersten Erfolgen und schließlich dem Debütalbum nach. Dabei wird auch die San Francisco-Punk Szene der späten 70er Jahre sehr atmosphärisch abgebildet. Da der Autor sich aus den Zwistigkeiten der verschiedenen Bandfraktionen heraushält und immer wieder auch auf Widersprüche hinweist, die die unterschiedlichen Aussagen beinhalten – man will nicht sagen, dass einer lügt, aber die Erinnerungen haben sich in den letzten 35 Jahren wohl unterschiedlich entwickelt -, kann man seine Dokumentation wohl als einigermaßen objektiv ansehen, zumal der Stil auch nicht aufgeregt oder sensationsheischend rüber kommt.

Aufgelockert wird der Text durch jede Menge tolles Bildmaterial wie Flyer, Fotos, Coverartworks und sogar Ausschnitte aus einem Comic über die DEAD KENNEDYS. Dazu gibt einen Haufen Zitate anderer Musiker über die Band, eine Timeline, die die wichtigsten Ereignisse der Bandgeschichte bis heute zusammenfasst und eine sehr grobe Diskografie, die aber ganz bewusst nur die eigentlichen Veröffentlichungen aufzeigen soll und nicht als Archiv für Sammler jeder unterschiedlichen Pressung dient. Dafür gibt es bessere Quellen online.

Nicht nur für DEAD KENNEDYS-Fans ist dieses Buch essentiell, sondern auch für Punk-Liebhaber im allgemeinen und Leuten, die an Musikgeschichte interessiert sind. Die flüssig zu lesende deutsche Übersetzung von Joachim Hiller (Ox-Fanzine) macht das Buch kurzweilig und lesenswert. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Fortsetzung über den Rest der Bandgeschichte. (A.P.) (A.P.)

Webadresse der Band: www.ventil-verlag.de

DIE KASSIERER - Haptisch - Ihre Besten Aufnahmen Aus 30 Jahren


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Teenage Rebel Records / Cargo Records / TR CD 138

Runde 30 Jahre gibt es jetzt die mächtigen KASSIERER aus Wattenscheid. Als ich sie circa 1995 erstmals live auf einem Festival in Hamburg sah, war das eine Art Erweckungserlebnis und ich begann mir ihre damals noch übersichtliche Diskografie nachzukaufen und besuchte diverse Konzerte. DIE KASSIERER sind Punk, Proletentum, Satire, Humor, Versaute und einfach Verrückte. Kämpfer gegen Zensur, Finger-in-die-Wunde-Leger und Spaßhaber und so vieles mehr. Man muss sie erlebt haben, um das nachvollziehen zu können. Über den kleinen Punkkreis hinaus haben sie inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, spielen ausverkaufte Konzerte in mittelgroßen Clubs in ganz Deutschland und sogar vor punkfremdenm Publikum beim Wacken Open Air. Mit „Das Schlimmste Ist, Wenn Das Bier Alle Ist“ gibt es sogar einen kleinen Hit. Zeit also für eine Rückschau…

„Haptisch“ ist die erste Best Of-Zusammenstellung, die auf 30 Jahre Bandgeschichte mit 7 Alben, einigen Singles, einer Live LP und zwei englischsprachigen CDs zurückblickt. Wie es sich für DIE KASSIERER gehört wird das als Mischung aus Unaufgeregtheit und purem Wahnsinn durchgezogen. Unaufgeregt, weil die Aufmachung des Albums ohne Schnickschnack daherkommt. Ein normales achtseitiges Booklet mit ein paar Bildern aus der Bandgeschichte und einem kurzem Comic, das war’s. Bei der Musik gibt es wirklich einen Querschnitt durch alle Alben – lediglich das Debüt „Sanfte Strukturen“ ist mit nur einem Song etwas unterrepräsentiert und lässt Titel wie „Tod Tod Tod“, „Hugo“ oder „Schiffchen“ vermissen. Und klar, bei so viel Material im Laufe der Bandgeschichte, wird jeder Fan den einen oder anderen Song vermissen. Wo ist beispielsweise „Frau Bayersdorf“? „Ich Bin Jesus Und Kann Alles“, „Älterer Herr“, „Das Mädchen Mit Den Drei Blauen Augen“, „Vati Ist Tot“, „Ernsthaftes Lied“ oder die Songs über Willy Brandt und Uwe Seeler…man könnte die Liste der „fehlenden“ Lieder unendlich fortsetzen. Und doch ist der Hitfaktor des Albums unglaublich hoch: „Großes Glied“, „Außenbordmotor“, „U.F.O.“, „Anus Apertus, „Ich Töte Meinen Nachbarn…“, „Gott Hat Einen IQ Von 5 Milliarden“, „Sex Mit Dem Sozialarbeiter“, „Mach Die Titten Frei…“, „Besoffen Sein“, „Blumenkohl Am Pillemann“, „Mein Schöner Hodensack“, „Anarchie Und Alkohol“ und und und. Insgesamt 31 Songs, darunter drei bisher unveröffentlichte aus einem Theaterstück, für das DIE KASSIERER die Musik gemacht haben.

Als Einstieg in die Welt der KASSIERER, die natürlich in Wahrheit Superhelden sind – siehe Booklet –, ist „Haptisch ganz hervorragend geeignet, zum versauen von gut erzogenen Kindern sowieso und das sollte doch unser aller Ziel sein, oder?

Stolz wird auf dem Cover verkündet, dass alle Stücke neu gemastert wurden und im Waschzettel steht, dass die Songs noch nie so fett geklungen haben. Das ist aber auch so ziemlich der einzige Kritikpunkt, denn vor allem einige der älteren Lieder wirken so etwas glattgebügelt und haben ein bisschen was von ihrer Rohheit verloren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und vermutlich ist das auch ein bisschen dem deutlich erweiterten Publikum geschuldet, dass einfach besseren Sound erwartet.

Grundsätzlich kann man das absurd-philosophische Gesamtwerk der KASSIERER sowieso nur verstehen, wenn man sie live erlebt. Wenn Die Ärzte schon „die beste Band der Welt…aus Berlin“ sind, so sind DIE KASSIERER „die beste beste Band des Universums…aus Wattenscheid“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.teenage-rebel.de

THE BEAUTY OF GEMINA - Anthology Volume One


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Al!VE / Danse Macabre

The Beauty of Gemina – Anthology Volume 1
(VÖ: 13.11.2015 Al!Ve/Danse Macabre)

Diese Anthology Volume 1 umfasst einen außergewöhnlichenSong-Reigen von Dark Wave bis zu lebhaften Folk-Rhythmen von 2007-2015, in einem Wechselspiel zwischen Schwermut und weisen Optimismus. Mit 14 Klassikern der ersten sieben Alben und noch zwei exklusiven bisher unveröffentlichten Aufnahmen präsentiert sich die Band um den Songwriter und Musiker Michael Sele abwechslungsreich. Mit knapp 80 Minuten ist diese Compilation prall gefüllt und beeindruckt durch die Vielfalt. Einst als Szeneband begonnen, sind The Beauty of Gemina nicht nur in Fachkreisen längst aus dem Status eines Geheimtipps herausgewachsen. Sieben Alben wurden in der Zeit von 10 Jahren veröffentlicht und untermauern heute den bemerkenswerten Status der Schweizer. Ihr Aufstieg wird nicht zuletzt dokumentiert durch eine lange Liste von weit über 150 Konzerten in mittlerweile 15 Ländern Europas. Das letzte Studioalbum Ghost Prayers etwa wurde vom Rolling Stone Magazine in de höchsten Tönen gelobt und konnte sich wochenlang in den DAC behaupten. Wo in der Anfangszeit die Bezüge zu Gothic und Industrial noch klar erkennbar waren, haben sich die Schweizer ihrer einstigen Zwangsjacken mittlerweile entledigt. Die Songs sind auch heute treibend und zwischen New Wave und Dark Rock changierend, aber nicht selten bereichern mittlerweile folkige und jazzige Nuancen die Songs.
Das letzte „Wort“ der facettenreichen Zusammenstellung, gehört Mastermind Michael Sele allein. Auf dem exklusiven Bonustrack, der auf Piano und Stimme reduzierten Version des epischen Klassikers „Darkness“, zeigt er auf eindrucksvolle Weise sein ganzes Potenzial als Sänger, Songwriter und einfühlsamer Interpret.
(Maximilian Nitzschke)

UNTERSCHICHT - Monster Akt 3 Hassorgasmus


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Al!VE / Danse Macabre

Unterschicht – Monster Akt 3 – Hassorgasmus
(VÖ: 27.11.2015 Al!ve/Danse Macabre)

Mit dem letzten Teil der Monster Trilogie drückt die Unterschicht gewohnt hart und aggressiv ihren Sound in die Gehörgänge. Das Duo um Sven Hegewald hat ein brachiales Ende der Trilogie geschaffen und legt dieses nur ein Jahr nach der Veröffentlichung des zweiten Akts „ Wir sind was wir sind“ vor. Zum Ersten mal hat sich Keyboarderin Maria ans Mikro gewagt und ihre gesanglichen Qualität unter Beweis gestellt. Songs wie „Sag mir was du fühlst“, „Hassorgasmus“ oder „Schänder“ provozieren, schockieren und sind druckvoll. Ruhigere Lieder wie „Sukkubus“ bilden da eher den Ruhepol in dem Wechselbad der Gefühle. Treibende Baselines und harte Beats nehmen den Fan von EBM mit in die letzten Momente des Monsters.
Ob dieser letzte Teil nun auch wirklich das Ende darstellt sei ungewiss, denn vielmehr wurde nur der Albumskreislauf geschlossen. Der Kreislauf der Gewalt in jedem Menschen ist hingegen ein immer währender Kampf mit den eigenen Abgründen. Das eigentliche Monster sind wir selbst, der Hass in uns, der versteckt die Oberhand gewinnt und uns Unaussprechliches denken und manchmal auch tun lässt. Dieses Monster im Kopf wird jeden Tag größer und schrecklicher leider. (Maximilian Nitzschke)

HELLHEAD - Niemals Zurück


Erstveröffentlichung: CD 2015 / 7 hard Media Group

Hellhead – Niemals zurück
(VÖ: 11.12.2015 7hard)

„Mehr als nur Musik. Mehr als nur eine Idee. Mehr als nur eine Band. Mehr als das Auge sehen, mehr als das Ohr hören kann. 2 Gitarren, Bass und Schlagzeug. Rock? Metal? Punk? Entscheide selbst.“

So lautet das Motto der Wilhelmshavener Band Hellhead. Mattes (Vocals, Gitarre), Fuxx (Gitarre), Ralle (Drums) und Phil (Bass) hatten zusammen eine musikalische Vision. Das genaue Ziel war noch unklar. Ende 2010 wurden Nägel mit Köpfen gemacht, denn die Jungs hatten sich zu einer Band ohne Namen zusammen gefunden und all ihre Einflüsse aus vorherigen Bands (Leberwohlstand, Broken Confidence..) mit hinein gebracht. Heute heißen sie Hellhead und machen eine vielschichtige Mischung aus Rock und Punk. Der Hörer spürt, dass sich die Jungs auf einem guten Kurs bewegen. Die erste CD stammt schon aus dem Jahr 2013 und kam insbesondere live sehr gut an. Nun Ende 2015 die zweite CD mit ausschließlich eigenen Songs. Die elf Stücke wurden erneut in den Soundlodge-Studios aufgenommen und abgemischt. Heraus kam eine CD die in erster Linie Spaß macht, zum anderen aber auch Sozialkritik übt. Wer sich nicht mit allem zufrieden gibt und nicht jedem Slogan nachrennt, findet hier die passende Musik!

(Maximilian Nitzschke)

MEIN KOPF IST EIN BRUTALER ORT - Brutalin


Erstveröffentlichung: CD 2015 / FinestNoiseReleases / Timezone

Mein Kopf ist ein brutaler Ort – Brutalin
(VÖ: 27.11.2015 FinestNoiseReleases/ Timezone)


Was für ein Bandname! Wer seine Band „Mein Kopf ist ein brutaler Ort“ nennt, hat offensichtlichen Sinn für Humor. Wer dann sein neues Album ganz einfallsreich „Brutalin“ nennt, sorgt für den irritierten Blick aufs Bandcover. Ja gerade kreativ ist das nicht, aber die sechs Jungs waren lieber kreativ im Studio und haben mit „Brutalin“ ein ordentliches Metalalbum produziert. Eine riffbetonte Mischung aus Trash, Hardcore und Metal und inhaltlich klischeefreie deutsche Texte.

Bereits seit 2012 ist der Kopf ein brutaler Ort in Frankfurt am Main, was mit der ersten EP „Neue Deutsche Schelle“ als erstes Lebenszeichen verdeutlicht wurde. Das Jahr 2014 wurde turbulent, denn es kam zu Besetzungswechseln an den Drums und an der Gitarre. Im März 2015 begannen die Arbeiten an der ersten LP „Brutalin“. Diese haut dem Hörer eine ganz eigene Mischung Trash-Metal um die Ohren. Songs wie „Zahltag“, „Ich bereue Nichts“ oder „Kopflast“ sind nur Beispiele für ein Album das aufhorchen lässt, und sich selbst und die Metalszene mal nicht ganz so ernst nimmt! (Maximilian Nitzschke)

HELL O MATIC - Hell o Matic


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Al!VE / Danse Macabre

Hell O Matic – Hell O Matic
(VÖ: 28.10.2015 Al!Ve/Danse Macabre)


Sie haben zwar die Hölle im Namen, doch wer jetzt eine der nächsten „bösen“ Bands vermutet hat, die einen mit Untoten und Geisterbahnvisionen verschrecken wollen, der hat weit gefehlt! Hier sind Veteranen am Werk und das merkt der Hörer auch. Catchy Riffs, unbarmherzige Drums, authentische Vocals alles ist vorhanden als Ausgangsbasis. Schon beim ersten Hören ist man sicher, die Beats und der Sex Appeal sind nicht aufgesetzt. Hier haben fünf Maniacs zusammengefunden, die für sich selbst einen neuen Stil gefunden haben abseits von Klischees. Ich denk der Begriff „Scary Metal“ trifft es dabei vielleicht am Besten, wobei dieser Metal mal ganz ohne Growls auskommt. Fernab des Rock und Roll Geschehens sind die Zutaten dirty VHS-Kassetten mit längst vergessenen Video Nasties, ein paar Instrumente und der Wille, einen neuen, eigenständigen Sound zu erarbeiten. Die Idee ist gelungen, denn Hell O Matic klingt lässig, hart, aber ironisch dabei.
(Maximilian Nitzschke)

OMNIA - Naked Harp


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Paganscum / Al!VE

OMNIA – Naked Harp
(VÖ: 27.11.2015 Paganscum/Screaming Banshee/ Alive)

Das neue Omnia-Meisterwerk ist selbst für die holländischen Ausnahmekünstler eine außergewöhnliche Veröffentlichung. Nachdem die Harfe immer schon einen ganz zentralen Platz im Sound-Kosmos der Pagan-Folker eingenommen hat, kommt mit diesem Album nun die von den Fans lang erwartete Solo-Harfen-CD. Sehr liebevoll beschreibt Mastermind SteveSic Evans van der Harten im Eingangstext seine erste Begegnung mit Jenny Evans van der Harten, welche ihn unter anderem durch ihr virtuoses Harfespiel betört hat. Seit jeher beflügelt die Harfe die Fantasie der Menschen. Man kann sich hinfort träumen, den Alltag vergessen und für einen Moment im Reich der Elfen und Feen eintauchen. Jenny beweist nicht zuletzt als zweite Masterminderin hinter Omnia großes musikalische Begabung, nein vielmehr ist die Harfe wie zu einem Teil von ihr geworden zu sein. Ja dieses Einzelalbum bewegt sich zwar im Kosmos von Omnia, kann aber getrost als eine Ode an die künstlerische Macht der weiblichen Seite in der Omnia-Welt gesehen werden. Alle Harfen Parts und sämtliche anderen Instrumente sowie Vocals wurden von Jenny alleine eingespielt. Jeder Song wurde im liebevoll gestalteten Artwork in seiner Herkunft und Bedeutung für Jenny dem Hörer näher gebracht. So etwa das Stück „One Morning in May“ - welches Jenny bereits kennt seit sie fünf Jahre alt war. Ihre Mutter hatte es auf ihrer keltischen Harfe gespielt und so ist dieses bezaubernde Intro auch ihrer Mutti gewidmet. Das nächste Set „The Flutterby Set“ basiert auf irischen Harfenrhytmen, wobei man als Hörer das Gefühl hat, dass Jenny ihre ganz eigenen Stücke erdacht und arrangiert hat aus historischen Formen heraus. Mit den beiden Stücken „Eleanor Plunkett“ und „The Fairy Queen“ denkt Jenny an den berühmten blindenKomponisten Turlough O Carolan (1670-1738), welcher als Wanderbarde seinen Unterhalt verdient hatte. Eleanor Plunkett war eine der Beschützerinnen des Barden, welche ihm Kleidung und Mahlzeit bot für sein virtuoses Spiel. Mit „Dil-Gaya“ erinnert sich der Hörer von Omnia natürlich an das Album „PaganFolk“ aus dem Jahr 2003. Das spannende ist, dass Jenny diese Version für Harfe von Rüdiger Oppermann erlernt hat, welcher bei der deutschen Pagan Band FAUN spielt.
Überhaupt wird der Hörer in den 15 Stücken natürlich Elemente erkennen, welche in Omnia Stücken verarbeitet worden sind, dennoch sind sie auf dieser CD pur und auf die Harfe beschränkt geblieben. So entsteht eine Dichte und Komplexität, die verzaubert und den Hörer für die Dauer des Albums gefangen nimmt. Zeit zum Träumen lässt nicht zuletzt auch das Artwork der ganzen CD, denn dieses stammt aus der Hand der berühmten spanischen Zeichnerin Victoria Frances.

Gerade im Hinblick auch auf die besinnlicheren Tage im Jahr, bildet dieses Album ein absolutes Must-Have für den Gabentisch. Einfach den Alltag aussperren für eine kleine Reise ins Feenreich!
(Maximilian Nitzschke)

CORVUS CORAX - Live 2015


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Behßmokum Records

Corvus Corax – Live 2015
(VÖ: 17.07.2015 Behßmokum Records)

Nachdem die Könige der Spielleute ihre Jubiläumstour 2014/2015 zum 25 jährigen Bandbestehen erfolgreich gemeistert haben, melden sich die Berliner mit einem neuen Longplayer zurück. Ganze 67 Minuten geballte Konzertenergie wurden als Headliner vor 6000 Zuschauern auf dem „Troll and Legends“ - Festival, dem größten Fantasy-, Rollenspiel-, und Mittelalterevent der BeNeLux Länder festgehalten. Mit dieser CD wird den geschaffenen Hits der vergangenen Jahre Tribut gezollt und ein Blick zurück möglich gemacht. Es finden sich Hits wie „Saltarello“ aus den Anfängen von Corvus Corax, neben dem epischen „Sverker“ aus dem Jahre 2011. Ebenfalls mit dabei ist der Nackenbrecher „Béowulf is min nama“ vom Album „Gimlie“ oder das Partystück „Heiduckentanz“.
Neben den bereits erwähnten Stücken zaubern noch zehn weitere Kulthits der Band ein Gesamtkunstwerk in den heimischen CD-Player, welcher einerseits Corvus Corax ein Denkmal setzt, und andererseits die Live-Atmosphäre der neueren Konzerte in brillantem Sound wiedergibt.
Die Mischung ist ein vielfältiger Querschnitt und stellt ein Must-Have für eingefleischte Fans auf der einen Seite dar, und bietet Neulingen ein perfektes Einstiegsalbum in die Welt der Mittelaltermusik. Es ist schön zu hören, dass die Jungs nach 25 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehören, sondern zu den Vorreitern der Spielmänner!

Live erleben kann man Corvus Corax im Dezember 2015 auch wieder auf ihrer Tour „Festum Celebrare – Das Gelage der Spielleute“. Am 08.12.2015 in Tübingen im Sudhaus, am 09.12.2015 in Aschaffenburg im Colos-Saal, am 10.12. in Mannheim in der Alten Seilerei, am 11.12. in Bamberg im Live-Club, am 12.12. in Ingolstadt in der Eventhalle Westpark, am 13.12. in Wien (Österreich) in der Szene, am 16.12. in Marburg im KFZ, am 17.12. in Magdeburg im Alten Theater am 18.12. und 20.12. in der Passionskirche Berlin, am 25.12. in Cottbus im Bebel, am 26.12. in Dresden im Beatpol, am 27.12. in Leipzig im Werk 2, am 28.12. in Celle in der CD Kaserne, am 29.12. in Hamburg in der Markthalle, am 30.12. in Osnabrück im Rosenhof und am Silvesterabend in Dortmund zur MPS Silvesterparty.

(Maximilian Nitzschke)

NO NEED TO STAY - Persona Obscura


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Timezone Records / Timezone

No Need to Stay – Persona Obscura
(VÖ: 30.10.2015 Timezone Records/Timezone)

Die fünf jungen Männer der Post-Hardcore Band No Need To Stay aus Rudolstadt – Asuka Actionstar (Gesang), Stefan Raabe (Gitarre), Robin Decker (Gitarre), Lukas Sommer (Bass) und Kai Uwe Michel (Drums)- machen ihrem Bandnamen alle Ehre: Stillstand kennen die Jungs nicht. Man spürt auf dem Album „Persona Obscura“ sehr deutlich wie sehr die Vollblut-Musiker darauf brennen, live zu rocken und die Bühnen der Welt zu erobern!
Seit 2013 ist die Band bereits aktiv und jetzt schon Support Acts für Szenegrößen wie ESKIMO CALLBOY. Ihr Publikum ist beeindruckt von der mitreißenden Performance, den drückenden und harten Riffs und eingängigen Refrains.
Pünktlich zu Halloween erschien ihr Debütalbum „Persona Oscura“ und das herausstechende Horror-Musikvideo zur aktuellen Single „The Undead Singer“, in der die Band ihren schaurig-einzigartigen Sound voll und ganz auslebt. Die Kombination aus verrückten Riffs, dramatisch-melodischem Gesang und an Tim Burton erinnernden Horrorelementen erschafft eine theatralische Freakshow, die durch den richtigen Grad an Ästhetik und Originalität das Potenzial besitzt, ein riesiges Publikum anzuziehen. Mit dem Sound ihres Debütalbums „Persona Obscura“ und der Bühnenshow zusammen wird der Hörer auf eine Achterbahnfahrt geschickt, auf der keiner stillstehen wird. Insgesamt hat das musikalische Bühnenstück ganze zehn Akte, die insbesondere eines zeigen: eine junge und moderne Band mit unverwechselbarem Sound. Man hört die Experimentierfreude der Jungs und den Mut zu Risiko. Gengregrenzen werfen sie nicht selten über den Haufen, um sich die besten Elemente herauszupicken und zu innovativer Musik umzuformen!
(Maximilian Nitzschke)

REDEEMED IN PAIN - Dead Aend Decision


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Hell Awaits / Radar

Redeemed in Pain – Dead Aend Decision
(VÖ: 06.11.2015 Hell Awaits/ Radar)

Was dem Hörer auf dieser CD entgegen schlägt, sobald er die CD in den Player einlegt, ist Melodic Deathmetal. Vergesst alle Vorurteile, denn hier treffen kraftvolle Melodien auf die rohe Kraft von Metal. Klar, neu ist der Pfad natürlich nicht, dennoch bestreiten die junge Band aus Thüringen diesen Weg sehr innovativ. Auf ihrem zweiten Album, Dead Aend Decision, präsentieren die vier ihre ganz eigene Vorstellung von melodischem Deathmetal. Die Rhythmen sind treibend und die Melodien eingängig. Mit acht Songs über den Sinn und Unsinn der menschlichen Natur ist Dead Aend Decision das bislang reifste Album der Band. Aufgenommen und gemastert im Nekrowerk Nordhausen, erwarten die Zuhörer fundamentale Songs wie „Tombstone Poetry“ oder „Empty Assault“. Bereits seit sieben Jahren sind die Jungs schon im Musikgeschäft dabei und ihr Ziel erreicht: frischen Wind in die deutsche Metalszene zu bringen. 2010 erschien der erste Longplayer mit dem Titel „Ikarus“. Selbst finanziert und aufgenommen im M und D Studio Erfurt erhielt die CD im Internet und von Fans durchweg positive Kritiken. Zwei Jahre später wurde die „Curse of Birth“ getaufte Demo der Band kostenlos im Internet angeboten. Nun im November 2015 eben der nächste Schritt auf der Leiter zum Erfolg, das zweite Album „Dead Aend Decision“. Man darf gespannt sein, wie sich die Stücke live anhören werden, wenn sie auf CD schon echte Kracher sind!

(Maximilian Nitzschke)

FRAUEN UND TECHNIK - Schizophrenitzki Gigantzki


Erstveröffentlichung: LP 2015 / WSDP / WSDP 77

Der Bandname FRAUEN UND TECHNIK deutet schon sehr darauf hin, dass die Gruppe irgendwann Anfang der 80er Jahre in der Tapeszene aktiv war. Irgendwie gibt es immer zeitlich begrenzt, und meist auch auf bestimmte musikalische Genres eingegrenzt, Bandnamen, die man, ohne die Musik zu kennen, in eine bestimmte Schublade stecken kann. Das ist nicht schön und bestimmt auch nicht gewollt, aber eben eine Tatsache. Die Früh 80er Tapeszene in Deutschland war so ein Biotop. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Im Gegenteil, ich weiß gerne sofort, was ich bekomme. Natürlich ist WSDP auch so ein Label, wo man ziemlich sicher weiß, was man bekommt…eben Tapesound, der in der Regel älter als 30 Jahre ist und entweder minimal-elektronisch/experimentell oder in den letzten Jahren eher underground-punkig daherkommt. Dabei erscheinen die Platten immer noch in schlicht-schöner und kleiner Liebhaberauflage ohne Schnickschnack. Hier zählt alleine die Musik..

Neuestes Werk ist die LP „Schizophrenitzki Gigantzki“ von FRAUEN UND TECHNIK. Die Band existierte so um 1982-84 herum in der Nähe von Tübingen und machte vor allem durch Liveauftritte von sich Reden. Ob es jemals offizielle Veröffentlichungen außer auf ein paar Samplern gab, weiß ich nicht. Nun hat WSDP aber eine ganze LP mit Aufnahmen von damals zusammengestellt, die richtig Spaß macht. Noch klar im Punk verwurzelt, gibt es aber auch eine ganze Menge Wave-Anklänge und wie es bei derartigen Bands mit einer Frau am Mikrophon damals häufig der Fall war, erinnert das alles ein bisschen an Bands wie Hans-A-Plast – ziemlich bekannt und daher in der Zeit bestimmt extrem einflussreich – und ganz besonders an die großen Bärchen Und Die Milchbubis (gibt es da nicht eine unveröffentlichte zweite LP???). Die Musik und auch die Texte, sowie die Art des Gesangs gehen schon sehr stark in die Richtung, wobei alles aber ein bisschen undergroundiger wirkt, weil die Aufnahmen vermutlich mit Vierspur-Recordern entstanden sind und nicht in „richtigen“ Studios. Der Vergleich ist auch überhaupt nicht negativ gemeint, denn die genannten hannoveraner Bands waren ja ziemlich großartig.

So kommt eine Platte heraus, die man bedenkenlos in die „Schublade“ Wave-Punk stecken kann und eigentlich ziemlich perfekt den damaligen Zeitgeist jenseits des Mainstream widerspiegelt. Dass damit keine kommerziellen Erfolge gelungen sind ist klar, denn genau zu dieser Zeit haben die großen Plattenfirmen deutschsprachige Musik mit dem Schlager-NDW-Overkill für Jahre kaputtgemacht und im Punk hielt bereits der Hardcore-Sound Einzug. Umso schöner, dass man dieses Zeitzeugnis nun mit Verspätung doch noch einer interessierten Hörerschaft zugänglich macht. Ein Beiblatt erzählt ein bisschen was über die Bandgeschichte und zeigt ein paar Fotos. Limitiert auf 100 Exemplare, also sofort zugreifen, wenn man die Platte irgendwo sieht. (A.P.)

CLAUSBERG - Wunderbar


Erstveröffentlichung: CD 2015 / Clausberg Musik

Clausberg – Wunderbar
(VÖ: 25.11.2015 Clausberg Music)

Unzählige nächtliche Streifzüge durch Berlin inspirierten Clausberg zu Liedern über den real existierenden Hedonismus. Zwischen 1990 und 2010 entwickelte sich die Hauptstadt zur Partymetropole, und mit dem Motto „arm aber sexy“ wurde sie zum Besuchermagnet für erlebnishungrige Europäer. In einer Stadt, die irgendwie nie erwachsen werden wollte, entstanden immerfort neue Partys und Clubs die sieben Nächte der Woche für Spaß und Abwechslung sorgten. Glücklich wer mit dabei sein konnte- und ein Glück dass das offene Lebensgefühl dieser Zeit in Clausberg Liedern fachkundig und äußerst unterhaltsam festgehalten wurde.
Frust beim Schlangestehen vor den Clubs, Sexunfälle, Resteficken, Älterwerden, Gangbangparties, Online-Dating, Fetischfreuden... Clausberg singt von allem! Textlich pointiert und eingängig wurde mit verschiedenen Künstlern zusammen produziert. So entstand ein abwechslungsreiches Album, dass inhaltlich und musikalisch keine Berührungspunkte kennt. Die Studioarrangements variieren vom klassischen Chanson über Country, Elektropop bis zur Volksmusik. Diese Mischungen passen, sind gut kombiniert, und haben zu abwechslungsreichen Liedern mit Ohrwurmgarantie geführt.
Sänger und Komponist Claus Fleischhauer ist der Kopf hinter Clausberg. Seit 1990 lebt, liebt und arbeitet er in Berlin. Er studierte an der HdK Kommunikationswirt und ist seit 2009 Musik- und Videoschaffender Künstler. Bislang gibt es fünf Video- und zwei Single Veröffentlichungen. Nun kam das endlich das langersehnte Debüt-Album fulminant dazu!
(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.clausberg.de

DONT TRY THIS - Wireless Slaves


Erstveröffentlichung: CD 2015 / FinestNoiseReleases / Radar

Dont Try This – Wireless Slaves
(VÖ: 06.11.2015 FinesNoiseReleases / Radar)


Do not try This entwickeln auf „Wireless Slaves“ eine sehr eigene und direkte Metal-Textsprache, von deren Biss wenig übrigbleibt, leider!
Ohne politischen Hintergrundgedanken stellt die Band den „Weltschmerz“ unserer schnelllebigen, verschwenderischen Zeit an den Pranger und macht so die kleinen Themen zu Großen: Stress mit der Familie oder Freunden, den eigenen inneren Abgrund, das Gefühl der Einsamkeit und die grenzenlose Wut gegen jegliche Art von Zwang. Im Grunde sind es die ganz normalen Dinge eben, die Gedanken die jeder von uns kennt und schon einmal durchlebt hat. Leider ist es wie so oft nötig, die Texte zusammen mit dem Booklet zu hören, denn durch die verzehrten Vocals, growlt es aus den Boxen, dass zwar das Metallherz höher schlägt, aber inhaltliche Feinheiten etwas auf der Strecke bleiben. Dabei könnten die Jungs durch klaren Gesang an vielen Stellen für mehr Tiefgang sorgen, etwa spürbar wird dies mit „Falling Deeper“. Erstmals werden die Stimmen nicht überdeckt, sondern wird dem Hörer bewusst das hier auch stimmliche Qualitäten liegen könnten. Klar vielleicht muss man, wenn man waschechte Metalheads erreichen will, growlen bis zum umfallen, allerdings finde ich bei dieser Platte hier geht dadurch zuviel Biss der wirklich guten Texte verloren. Dadurch werden die acht Songs nach einer Weile sehr gleichförmig und vermengen sich zu einem Metalbrei, der die Ohren zu quälen beginnt, spätestenss ab dem Song „I will never forget“. Immerhin ist es der vorletzte, ehe mit „Living A Lie“ dann auch der letzte ultimative letzte Ton verklingt. Für die einen Schade, für andere eine Wohltat! (Maximilian Nitzschke)

NACHT ANALYSE - Sternentaufe


Erstveröffentlichung: CD-R 2013 / Young & Cold Records

Was ein Ausflug in eine weit entfernte Stadt (von Hamburg nach Augsburg) doch so alles bewirken kann. Nicht, nur, dass ich dort ein absolut wunderbares Festival erleben durfte und einige wirklich nette Leute kennengelernt habe, auch neue Musik gab es zu entdecken, nämlich auf dem zum Festival erschienenen Sampler von Young & Cold Records, auf dem neben den Festival-Bands auch noch die Label-Bands präsentiert wurden. Neben dem wunderbaren Electro-Minimal-Wave von Adam Usi – nachzulesen an anderer Stelle – ist das vor allem NACHT ANALYSE. Bereits 2010 hat das Projekt eine sehr limitierte Single bei Kernkrach veröffentlicht, die inzwischen teuer gehandelt wird. Zuvor gab es bereits eine Cassette, die wohl nur im engsten Freundeskreis verteilt wurde. Diverse Auftritte und Beiträge zu CD-Samplern gab es auch und nun auf Young & Cold Records die CD-R „Sternentaufe“, die allerdings wiederum stark limitiert ist und den aktuellen Stand von NACHT ANALYSE wieder gibt. Ob es zum Konzept gehört, dass man komplett undergroundig bleiben will oder auch mal eine „richtige“ Veröffentlichung geplant ist, ist mir nicht bekannt. Es wäre aber schön, wenn mehr Leute diese Klänge hören dürften.

Musikalisch sind ganz eindeutig die 80er Jahre als Inspiration auszumachen, mag man es nun Minimal-Electro, NDW, Minimal-Synth, Minimal-Wave oder Synth-Wave nennen…die Musik hat von allem etwas. Das Besondere ist aber die weibliche Stimme, die zuckersüße Melodien mit leicht „rotziger“ Stimme vorträgt und dazu von mal tanzbarer, mal poppiger, mal atmosphärischer rein analoger Electro-Musik begleitet wird.

Die CD beginnt mit dem sehr minimal-wavigen „Hilfeschrei“, das direkt ein Ohrwurm ist und wie eine Mischung aus Zeitgeist (die mit „Der Kapitän“ und „Chor Der Besinnungslosen“) und Malaria! klingt. Eher tanzbar und an die besseren Sachen der Neuen Deutschen Welle angelehnt ist „Autobahn“, wobei die Frauenstimme ein bisschen wie bei vielen damaligen Bands klingt…Fee, Lichtblick, Nichts…man erinnert sich gerne an sie. Auf den Tanzflächen könnte das Stück durchaus für einige Bewegung sorgen und live bestimmt ein Hit werden. Dann „Korn Um Korn“, das irgendwo zwischen Grauzone, wiederum Malaria! und Christof Glowalla einsortiert werden könnte. Schön wavige Gesangsmelodie zu minimalem Synth-Pop, der an ganz frühe OMD oder Human League erinnert. Etwas weniger im Gedächtnis bleibt „Gefühle“, sicher kein schlechter Song, aber derartigen Minimal-Electro hört man heutzutage doch recht häufig. Hier fehlt ein bisschen das Herausstechende. Musikalisch an DAF, gesanglich wieder an Bands wie Lichtblick erinnert „Der Mann Von Nebenan“. Wäre das Stück 1981/82 erschienen, hätte das tatsächlich ein Überraschungshit werden können. Noch mehr gilt das für das anfangs leicht experimentelle „Scann Mich Ein“, das dann zu einem ultra-eingängigen Minimal-Synth-Pop-Stück wird und garantiert auf den Konzerten für Begeisterungsstürme sorgen dürfte. Als Bonustrack gibt es noch das wiederum sehr tanzbare „Manipulation“, das es nur auf der „Autogramm“-Edition und bei der Download-Version dazu gibt.

Dann endet diese im Grunde viel zu kurze CD schon wieder und man ist geneigt, sie gleich wieder von vorne laufen zu lassen. Klar, Minimal-Electro/Minimal-Wave ist heutzutage längst keine Musik mehr, die nur ein paar ewig gestrige Synthie-Freaks in ihren Kellern machen. Zahlreiche Labels im In- und Ausland veröffentlichen alte und neue Aufnahmen auf Tape, CD und Vinyl. Aber ganz ehrlich, da ist auch viel Schrott dabei oder Musik, die so klingen SOLL, wie in den 80ern, aber hörbar eben heute produziert wurde. Da ist ein Projekt wie NACHT ANALYSE besonders schön, weil es eben echt klingt und mit Herzblut gemacht ist. Ein paar Hits für die Clubs, ein paar wavig-atmosphärische Tracks, und schon ist eine liebenswerte Veröffentlichung fertig, die Appetit auf mehr macht.

Die selbst-produzierte CD-R scheint in zwei Editionen erschienen zu sein, zum einen in der Standard-Version mit 6 Tracks und zum anderen mit anderem Cover und Autogrammen plus dem genannten Bonustrack. Die Gesamtauflage betrug wohl 150 Exemplare, die weg sein dürften. Als Download gibt es die Songs aber auch für wenig wenig Geld bei Bandcamp. (A.P.)

Webadresse der Band: www.facebook.com/nachtanalyse

SEASURFER - Headlights


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2015 / Eigenveröffentlichung / Saint Marie Records / SMR074

Nach dem vielleicht ein bisschen überraschenden Aufsehen, dass das Album „Dive In“ der Hamburger Shoegaze-Band SEASURFER erregt hat, bereitet sich die Gruppe nun auf den Nachfolger vor. Um das zweite Album in Ruhe und ganz nach den eigenen Vorstellungen aufnehmen und produzieren zu können, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die in kurzer Zeit das Ziel erreichte. Eines der „Goodies“ für die Leute, die Geld zur Verfügung gestellt haben ist die auf 500 Exemplare limitierte 12“EP „Headlights“, die sicher später mal ein gesuchtes Sammlerstück sein wird. In klarem, roten Vinyl gespresst, von den Bandmitgliedern unterschrieben und mit Beiblatt inklusive Danksagung an die Crowdfunder versehen, ist die Platte schon mal optisch eine Augenweide. Aber auch musikalisch darf man sich wieder in hallige Gitarren-Tsunamis fallen lassen. Zudem ist die Platte ein Dokument der bei den Aufnahmen aktuellen Besetzung, die so leider nicht mehr existiert.

Zu hören gibt es wie gehabt wundervollen Dream Pop-/Shoegaze-Sound, den die Band selber Dream-Punk nennt. Allerdings sind die rockigen Wurzeln, die auf dem Album noch deutlicher waren, zugunsten einer noch intensiveren Atmosphäre in den Hintergrund getreten. Hatte ich bei „Dive In“ noch Placebo und The Jesus And Mary Chain als Eckpunkte des Sounds genannt, so wird es auf „Headlights“ doch deutlich träumerischer. Klar, Slowdive bleiben eine Band, die man hier erwähnen muss – wie eigentlich bei allen Shoegaze-Bands. Doch auch die Cocteau Twins der Nach-4 AD-Zeit oder Spät 80er/Früh 90er-4 AD-Bands wie Lush, Pale Saints oder Rough Trades The Sundays und die unsterblichen Cranes kommen einem in den Sinn. Dabei klingen SEASURFER aber nicht wie eine Kopie dieser Bands, dafür sind alle Bandmitglieder viel zu lange aktiv und erfahren. Aber als Einordnung, in welche Richtung es geht, passen die Bands schon.

„After All“ ist nach ruhigen Anfang ein hymnenhaft verhallter Start in diese Platte, der so auch um 1990 herum aus England hätte kommen können. „No Happy Day“ klingt musikalisch ein wenig nach Dark Orange (die andere Band des Gitarristen Dirk Knight), vielleicht weil die Gitarren hier teilweise nicht ganz so verzerrt sind, zumindest in den ruhigen Passagen, wie sonst?

Bei „New Dawn“ auf der B-Seite könnte ich mir vorstellen, dass man davon später noch mal eine neue Version zu hören bekommt. So schön der Song auch ist, klingt er doch irgendwie noch nicht ganz fertig. Da kann man auf jeden Fall noch mehr herausholen. Ein potenzieller Hit hingegen ist der Titelsong „Headlights“, der richtiggehend Ohrwurmcharakter hat. So überbrückt diese EP die Wartezeit bis zum nächsten Album perfekt, das mit Sicherheit wieder sehr spannend wird. Dream Pop-/Shoegaze-Fans kommen an dieser Platte einfach nicht vorbei. (A.P.)

Webadresse der Band: https://www.facebook.com/seasurfer


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