´DIE KLOPFERBANDE - Solid State / Solider Staat


Erstveröffentlichung: CD 2014 / Eigenveröffentlichung

DIE KLOPFERBANDE wurde irgendwann um 1980 herum von Peter Ortmann gegründet und hat dann mit der LP „…Und Doch So Bezaubernd“ eines der deutschen Proto-Gothic-Alben vorgelegt, irgendwo zwischen Punk, New Wave und dem, was man heute Minimal-Electro nennt. Vergleichbar vielleicht mit den frühen Geisterfahrern. Durch die 80er Jahre hindurch wurden zahlreiche Platten und Tapes veröffentlicht, die unterschiedliche Einflüsse in sich vereinten und konsequent unabhängig auf den Markt gebracht wurden, was wohl größeren Erfolg verhindert hat. Erst in den 90ern wurde DIE KLOPFERBANDE einem breiteren Publikum durch einige Tracks auf den „Godfathers Of German Gothic“-Samplern bekannt. Aus dem Jahr 2003 stammt das wohl einzige Interview mit Peter Ortmann im Internet, das man auf unserer Seite nachlesen kann.

Nun, nochmals 12 Jahre später, gibt es völlig unvermittelt ein komplett neues Album der KLOPFERBANDE auf CD und ich gebe zu, ich war etwas skeptisch, was nach so langer Pause dabei herauskommen würde, wurde aber – um es vorweg zu nehmen – absolut positiv überrascht. „Solid State/Solider Staat“ ist ein Album mit altem Punk-Geist, das sehr eingängige und dunklere Momente miteinander verbindet und gute, teilweise zynische und kritische Texte bietet, die jugendliche Punks in ihrer ersten Band aufgrund fehlender Lebenserfahrung gar nicht schreiben könnten.

Der Opener „Popkak“ ist ultraeingängiger Punk-Rock, ohne in peinliche Mainstream-Pop-Punk-Gefilde abzudriften. Einfach, geradeaus und genau deswegen ein Ohrwurm, der bei Konzerten sicher für viel Bewegung vor der Bühne sorgen dürfte. „Schwaben-Papis“ geht direkt danach in eine ähnliche Richtung und kann irgendwo zwischen Ärzte und Tote Hosen einsortiert werden. Mit „Edda“ wird es dann etwas waviger und dunkler, aber immer noch punkig. Geht so ein bisschen in Richtung Fliehende Stürme, ohne deren Depressivität. Es folgt „Hamburger Hafen“, das tatsächlich ein bisschen nach typisch-hamburger Punk klingt, so in Richtung Razzia und Konsorten und auch alte Waver dürften hier ihre Freude haben. Nach diesem wirklich starken Start des Albums, kommt mit „Argentina“ ein Song, der sehr nach 90er Jahre Deutsch-Punk klingt. Sicher nicht schlecht, aber auch relativ schnell wieder aus den Ohren raus.

Fast schon in NDW-Zeiten zurück führt „Taxi Driver“, sowohl musikalisch als auch textlich ein kleiner Stilbruch zu den ersten 5 Songs. Und das ist dann auch der Startschuss zu gänzlich anderen Klängen in „Mono-Maschine“. Hier gibt es Klänge zwischen Minimal-Electro und Dark Wave zu hören, absolut clubtauglich und vom Geiste her immer noch Punk, nur mit anderen Mitteln.

Ortmann scheint ein gewisses Faible für die Seefahrt zu haben, gibt es doch nach „Hamburger Hafen“ mit „Klang Der Ferne“ ein zweites Stück, das sich thematisch damit beschäftigt. Klingt irgendwie etwas nach einer wavig-punkigen Version von Santiano oder auch ein bisschen nach Joachim Witt. Textlich kritisch mit der Punk-Szene geht es in „Epigonen“ zu, musikalisch wiederum wie bei „Argentina“ eher 90er Jahre beeinflusst. Nach so vielen stilistisch unterschiedlichen Songs lassen sich Wiederholungen kaum vermeiden und so klingt „Solid State/Solider Staat“ nach Wave-Punk. „Taganana Anaga“ ist eingängiger Rock, bei dem vor allem die zweite Stimme in spanischer (?) Sprache hervorsticht. Ich muss zugeben, nicht gerade einer meiner Lieblingssongs auf dem Album.

Noch einmal ein paar elektronische Elemente gibt es in „Sack-Arsch-Willi“ mit ziemlich zynischem Text. Mal ganz ehrlich: gibt es eine andere Band auf der Welt außer der KLOPFERBANDE, die in einem Text die Zeile „Verwaltungsfachangestellter bei den Stadtwerken in Sulzbach“ unterbringt. Das grenzt schon an Genialität!

Etwas dünn abgemischt erscheint „No Name“, bevor das Album mit „Genies“ nach rund 47 Minuten schon wieder endet. Hier gibt es tatsächlich ein paar Blues-Einflüsse verbunden mit einer leicht doomigen Atmosphäre.

Ich finde es gut, dass hier kein überlanges Album mit viel Füllmaterial vollgeknallt wurde, sondern alle Lieder etwas haben, das sie hörenswert macht. Die zahlreichen Vergleiche zeigen deutlich die vielseitigen Einflüsse eines Musikers, der seit rund 35 Jahren dabei ist. Mir persönlich gefällt die erste Hälfte des Albums besser, ohne aber sagen zu müssen, dass die anderen Songs nicht gut wären. Gerne hätten hier und da ein paar mehr zusätzliche elektronische Klänge eingebaut werden dürfen, wie in „Mono-Maschine“. So muss man sagen, dass Leute, die ein zweites „…Und Doch So Bezaubernd“ erwarten, enttäuscht sein könnten. In jedem Fall aber muss man sagen, dass DIE KLOPFERBANDE beweist, dass sie auch nach so langer musikalischer Pause etwas zu sagen hat. (A.P.) (A.P.)

Webadresse der Band: www.klopferbande.de


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