SEASURFER - Dive In

Wiederveröffentlichung: LP 2014 / Saint Marie Records / SMR051
Erstveröffentlichung: CD 2014 / Saint Marie Records / SMR051

Schon seit Jahren wird ein Shoegaze-/Dream Pop-Revival von einigen Medien herbeigeschrieben und tatsächlich gab es einige neue und sehr schöne Veröffentlichungen, ohne, dass aber irgendeine Band an den großen Erfolg von Bands wie Slowdive oder My Bloody Valentine – um mal die Größten zu nennen – aus den 90er Jahren anknüpfen konnte. Der laut-melancholische Gitarrensound blieb eine Nische für Liebhaber.

Vielleicht kann nun ausgerechnet eine deutsche Band auf einem amerikanischen Label den Ganzen wieder zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen. SEASURFER aus Hamburg liefern mit ihrem Debütalbum „Dive In“ jedenfalls ein Werk ab, das eine Menge Aufsehen erregt und wenn die Band – nach einigen Besetzungswechseln im Jahr 2014 – nun verstärkt live spielt, dürfte der Name schnell an Bekanntheit gewinnen. Dabei stecken hinter der Band bekannte Namen. Gründer ist Dirk Knight, der seit den 80er Jahren in verschiedenen Bands gespielt hat und vor allem Anfang der 90er und in den letzten Jahren mit seiner Band Dark Orange mehr als nur Achtungserfolge erzielen konnte. In der aktuellen Besetzung sind zudem Musiker von bekannten Gruppen wie Girls Under Glass, The Convent und Chandeen dabei, im Grunde also eine echte All Star-Band mit genug musikalischer Erfahrung und instrumentalem Können, um sich vor keiner anderen Band verstecken zu müssen – auch international nicht.

„Dive In“ wurde noch in der ursprünglichen Bandbesetzung eingespielt und macht dem Albumtitel alle Ehre. Man kann einfach wunderbar in die Klanglandschaften eintauchen, am besten über Kopfhörer in hoher Lautstärke, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Denn trotz des gitarrigen Wall Of Sound, der Slowdive – an dem Namen kommt man einfach nicht vorbei – beinahe schon vergessen lässt. SEASURFER ist aber weitaus mehr, als eine Kopie, sondern bringt eigene, rockige Elemente (vor allem am Beginn des Albums) mit hinein, ebenso eine gewisse Cure-ige Atmosphäre. Man könnte das Album als Mischung aus The Jesus And Mary Chain, Slowdive und Placebo beschreiben, trifft damit aber auch nur annähernd den Kern. Als Anhaltspunkt kann man diese Beschreibung aber nehmen und wenn man auch nur 2 dieser Bands mag, kann man bedenkenlos zugreifen und sich verzaubern lassen. Die Band selber nennt ihren Stil Dream Punk.

Saint Marie Records hat das Album in einer wunderschönen, limitierten (250 Exemplare) Vinyl-Edition veröffentlicht, mit edlem Cover, ebensolchem Innencover und in farbigem Vinyl. Dazu gibt es einen Downloadcode für eine digitale Kopie des Albums. Natürlich ist das Album auch auf CD erschienen. Interessanterweise gibt es eine alternative Version von „Dive In“, die von keinem geringeren als Robin Guthrie (Cocteau Twins) gemastert wurde und nur als Download erhältlich ist. Grundsätzlich würde sich der komplexe Sound auch für einen 5.1 Mix eignen, mit dem man dann ein Rundum-Klangerlebnis hätte.

Ich gebe zu, ich bin vielleicht etwas voreingenommen bei der Bewertung von SEASURFER, da ich einige der (aktuellen) Musiker teilweise seit Jahrzehnten mehr oder weniger gut kenne, aber das ändert ja nichts daran, dass ich „Dive In“ einfach nur wunderschön finde. (A.P.)

Webadresse der Band: www.seasurfermusic.com


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