FRAUEN UND TECHNIK - Schizophrenitzki Gigantzki


Erstveröffentlichung: LP 2015 / WSDP / WSDP 77

Der Bandname FRAUEN UND TECHNIK deutet schon sehr darauf hin, dass die Gruppe irgendwann Anfang der 80er Jahre in der Tapeszene aktiv war. Irgendwie gibt es immer zeitlich begrenzt, und meist auch auf bestimmte musikalische Genres eingegrenzt, Bandnamen, die man, ohne die Musik zu kennen, in eine bestimmte Schublade stecken kann. Das ist nicht schön und bestimmt auch nicht gewollt, aber eben eine Tatsache. Die Früh 80er Tapeszene in Deutschland war so ein Biotop. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Im Gegenteil, ich weiß gerne sofort, was ich bekomme. Natürlich ist WSDP auch so ein Label, wo man ziemlich sicher weiß, was man bekommt…eben Tapesound, der in der Regel älter als 30 Jahre ist und entweder minimal-elektronisch/experimentell oder in den letzten Jahren eher underground-punkig daherkommt. Dabei erscheinen die Platten immer noch in schlicht-schöner und kleiner Liebhaberauflage ohne Schnickschnack. Hier zählt alleine die Musik..

Neuestes Werk ist die LP „Schizophrenitzki Gigantzki“ von FRAUEN UND TECHNIK. Die Band existierte so um 1982-84 herum in der Nähe von Tübingen und machte vor allem durch Liveauftritte von sich Reden. Ob es jemals offizielle Veröffentlichungen außer auf ein paar Samplern gab, weiß ich nicht. Nun hat WSDP aber eine ganze LP mit Aufnahmen von damals zusammengestellt, die richtig Spaß macht. Noch klar im Punk verwurzelt, gibt es aber auch eine ganze Menge Wave-Anklänge und wie es bei derartigen Bands mit einer Frau am Mikrophon damals häufig der Fall war, erinnert das alles ein bisschen an Bands wie Hans-A-Plast – ziemlich bekannt und daher in der Zeit bestimmt extrem einflussreich – und ganz besonders an die großen Bärchen Und Die Milchbubis (gibt es da nicht eine unveröffentlichte zweite LP???). Die Musik und auch die Texte, sowie die Art des Gesangs gehen schon sehr stark in die Richtung, wobei alles aber ein bisschen undergroundiger wirkt, weil die Aufnahmen vermutlich mit Vierspur-Recordern entstanden sind und nicht in „richtigen“ Studios. Der Vergleich ist auch überhaupt nicht negativ gemeint, denn die genannten hannoveraner Bands waren ja ziemlich großartig.

So kommt eine Platte heraus, die man bedenkenlos in die „Schublade“ Wave-Punk stecken kann und eigentlich ziemlich perfekt den damaligen Zeitgeist jenseits des Mainstream widerspiegelt. Dass damit keine kommerziellen Erfolge gelungen sind ist klar, denn genau zu dieser Zeit haben die großen Plattenfirmen deutschsprachige Musik mit dem Schlager-NDW-Overkill für Jahre kaputtgemacht und im Punk hielt bereits der Hardcore-Sound Einzug. Umso schöner, dass man dieses Zeitzeugnis nun mit Verspätung doch noch einer interessierten Hörerschaft zugänglich macht. Ein Beiblatt erzählt ein bisschen was über die Bandgeschichte und zeigt ein paar Fotos. Limitiert auf 100 Exemplare, also sofort zugreifen, wenn man die Platte irgendwo sieht. (A.P.)



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