SEASURFER - Headlights


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2015 / Eigenveröffentlichung / Saint Marie Records / SMR074

Nach dem vielleicht ein bisschen überraschenden Aufsehen, dass das Album „Dive In“ der Hamburger Shoegaze-Band SEASURFER erregt hat, bereitet sich die Gruppe nun auf den Nachfolger vor. Um das zweite Album in Ruhe und ganz nach den eigenen Vorstellungen aufnehmen und produzieren zu können, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die in kurzer Zeit das Ziel erreichte. Eines der „Goodies“ für die Leute, die Geld zur Verfügung gestellt haben ist die auf 500 Exemplare limitierte 12“EP „Headlights“, die sicher später mal ein gesuchtes Sammlerstück sein wird. In klarem, roten Vinyl gespresst, von den Bandmitgliedern unterschrieben und mit Beiblatt inklusive Danksagung an die Crowdfunder versehen, ist die Platte schon mal optisch eine Augenweide. Aber auch musikalisch darf man sich wieder in hallige Gitarren-Tsunamis fallen lassen. Zudem ist die Platte ein Dokument der bei den Aufnahmen aktuellen Besetzung, die so leider nicht mehr existiert.

Zu hören gibt es wie gehabt wundervollen Dream Pop-/Shoegaze-Sound, den die Band selber Dream-Punk nennt. Allerdings sind die rockigen Wurzeln, die auf dem Album noch deutlicher waren, zugunsten einer noch intensiveren Atmosphäre in den Hintergrund getreten. Hatte ich bei „Dive In“ noch Placebo und The Jesus And Mary Chain als Eckpunkte des Sounds genannt, so wird es auf „Headlights“ doch deutlich träumerischer. Klar, Slowdive bleiben eine Band, die man hier erwähnen muss – wie eigentlich bei allen Shoegaze-Bands. Doch auch die Cocteau Twins der Nach-4 AD-Zeit oder Spät 80er/Früh 90er-4 AD-Bands wie Lush, Pale Saints oder Rough Trades The Sundays und die unsterblichen Cranes kommen einem in den Sinn. Dabei klingen SEASURFER aber nicht wie eine Kopie dieser Bands, dafür sind alle Bandmitglieder viel zu lange aktiv und erfahren. Aber als Einordnung, in welche Richtung es geht, passen die Bands schon.

„After All“ ist nach ruhigen Anfang ein hymnenhaft verhallter Start in diese Platte, der so auch um 1990 herum aus England hätte kommen können. „No Happy Day“ klingt musikalisch ein wenig nach Dark Orange (die andere Band des Gitarristen Dirk Knight), vielleicht weil die Gitarren hier teilweise nicht ganz so verzerrt sind, zumindest in den ruhigen Passagen, wie sonst?

Bei „New Dawn“ auf der B-Seite könnte ich mir vorstellen, dass man davon später noch mal eine neue Version zu hören bekommt. So schön der Song auch ist, klingt er doch irgendwie noch nicht ganz fertig. Da kann man auf jeden Fall noch mehr herausholen. Ein potenzieller Hit hingegen ist der Titelsong „Headlights“, der richtiggehend Ohrwurmcharakter hat. So überbrückt diese EP die Wartezeit bis zum nächsten Album perfekt, das mit Sicherheit wieder sehr spannend wird. Dream Pop-/Shoegaze-Fans kommen an dieser Platte einfach nicht vorbei. (A.P.)

Webadresse der Band: https://www.facebook.com/seasurfer


[ ZURUECK ]