THE NEAT - Moderne Welt


Erstveröffentlichung: LP 2016 / WSDP / WSDP 78

WSDP, die …ja, die wievielte eigentlich? Schon lange werden die Veröffentlichungen nicht mehr simpel durchnummeriert. Wozu auch? Die Platten sind sowieso immer blitzschnell ausverkauft und so eine organisatorische Sache wie fortlaufende Katalognummern sind doch eh nur was für typisch deutsche Bürokraten. Ob alle bisherigen Katalognummern einen tieferen Sinn haben, weiß ich nicht, bei der LP von THE NEAT dürfte die Nummer WSDP 78 aber einen Bezug zum Entstehungsjahr der Aufnahmen haben, nämlich auf Seite A 1978 und auf Seite B 1987, na ja plus ein paar Livetracks von 1984.

Ich vermute, dass die Band nicht tatsächlich 10 Jahre durchgehend aktiv war, sondern immer mal wieder ein paar Sessions und Konzerte gemacht hat, wenn Lust, Laune und Zeit da waren. Im Grunde ist es auch gut, dass ich fast gar nichts über die Band weiß – erschienen ist wohl offiziell nur ein Tape im Jahr 1987, darüber hinaus wahrscheinlich nur wenig verbreitete Cassetten, die an Freunde und vielleicht ein paar Konzertveranstalter gingen. So gehe ich total unvorbelastet an diese Platte heran und freue mich, dass sie richtig Spaß macht. Wenn die Aufnahmen tatsächlich 1978 entstanden sind, gehörte THE NEAT zu den frühesten deutschen Punkbands, und das hört man auch.

Zu hören gibt es bei den 1978er Aufnahmen recht rohen, im positiven Sinne rumpeligen Punk Rock und Pogosound, der noch deutlich von England beeinflusst war, aber schon überwiegend deutsche Texte hatte, was zu dem Zeitpunkt eher ungewöhnlich war. Mit „Leimschnüffler“ und „Er Kriegt Ihn Nicht Hoch“ sind zwei kleine Hits dabei, die schnell im Ohr bleiben. Die jüngeren Aufnahmen auf der B-Seite gehen auch noch als Punk durch, sind aber musikalisch vielfältiger mit New Wave-Einflüssen, aber auch rockigeren Momenten. „Moderne Welt“ hätte gut 1981 auf dem einen oder anderen Neue Deutsche Welle-Sampler erscheinen können. Die leichte Stiländerung dürfte schlicht und einfach an der Weiterentwicklung der Bandmitglieder innerhalb von 10 Jahren gelegen haben, sowohl was den eigenen Musikgeschmack, als auch die instrumentalen Fähigkeiten angeht. Da wurde dann auch hin und wieder ein Keyboard benutzt. „Verlassene Zimmer“ beispielsweise würde ich irgendwo zwischen Daily Terror und frühen Abwärts einsortieren. „Ich Pilze“ geht fast als reiner Wavesong durch. Rauer sind dann wieder ein paar Livestücke von 1984.

Alles in allem also wieder eine schöne Perle des undergroundigen deutschen Punk. Wenn ich es nicht schon unzählige Male getan hätte, müsste man WSDP-Franck immer wieder danken für die Arbeit, Forschungs- und Entdeckungslust und natürlich Zeit, die er in dieses pure Musikliebhaberprojekt steckt. Diesmal auf 98 Exemplare limitiert…sind wohl zwei Platten auf dem Weg vom Presswerk kaputtgegangen. Neben dem normalen schwarz-weißen Cover gibt es auch Hüllen in verschiednen Farbvarianten. (A.P.)



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